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Full text of "Babylonisch-Assyrisches Bürgschaftsrecht; ein Beitrag zur Lehre von Schuld und Haftung"

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BABYLONISCH- ASSYRISCHES 
BÜRGSCHAFTSRECHT 



EIN BEITRAG ZUR LEHRE VON SCHULD 
UND HAFTUNG 

VON 

DR. iür. PAUL KOSCHAKER 

O. Ö. PROFESSOR DES RÖMISCHEN RECHTS AN DER 
DEUTSCHEN UNIVERSITÄT ZU PRAG 



FESTSCHRIFT 
DER K.K. KARL -FRANZENS -UNIVERSITÄT IN GRAZ FÜR 
DAS STUDIENJAHR 1908/09 AUS ANLASS DER WIEDER- 
KEHR DES JAHRESTAGES IHRER VERVOLLSTÄNDIGUNG 



1911 ' ^ 

DRUCK UND VERLAG VON B. G.TEUBNER IN LEIPZIG BERLIN 



Ai.i.K im OUTE, EINSCHLIESSLICH DES I BER3ETZ1 NGBREOHTS, 70BBBHAJ . i i N 



HERRN HOFRAT 

Dr. GUSTAV HANAUSEK 

PROFESSOR DES RÖMISCHEN RECHTS 
AN DER UNIVERSITÄT GRAZ 

IN DANKBARKEIT ZUGEEIGNET 



Vorwort. 

Als Privatdozent der rechts- und staatswissenschaf'tlichen Fakultät 
der Universität Graz erhielt ich 1908 den ehrenvollen Auftrag, für 
das Studienjahr 1908/09 die Festschrift abzufassen, welche die Uni- 
versität zur Erinnerung an ihre Vervollständigung alljährlich im Turnus 
der Fakultäten herauszugeben pflegt. Wenn ich der übernommenen 
Verpflichtung erst nach drei Jahren nachkomme, so liegt die Schuld 
daran, daß Schwierigkeiten persönlicher und sachlicher Art sich in 
den Weg stellten. Die infolge meiner Berufung nach Innsbruck (1908) 
und im nächsten Jahre nach Prag an mich herantretenden größeren 
lehramtlichen Verpflichtungen zwangen mich, die literarischen Pläne 
zurückzustellen, und als ich mich ihnen wieder intensiver zuwenden 
konnte, hat sich eine Änderung des ursprünglichen Themas nach einer 
zweifachen Richtung hin vollzogen. Meine Absicht war darauf ge- 
richtet gewesen, die wichtigsten Rechtsinstitute des altbabyloni- 
schen Privatrechts in einer Schrift zusammenhängend darzustellen, 
und ich hatte zu diesem Zwecke bereits Material gesammelt. Bei der 
Durcharbeitung der seit 1908 erschienenen Publikationen altbabyloni- 
scher Rechtsurkunden stieß ich nun auf einige Texte bürgschafts- 
rechtlichen Inhalts, die mich zu weiterer Nachforschung anregten. 
Als ich im Fortgange der Untersuchung auch in die neubabylonischeu 
Rechtsurkunden Einsicht nahm, ergab es sich, daß hier ein überaus 
reiches, erstklassiges Material zur Verfügung stehe, welches eine 
historisch-dogmatische Darstellung des babylonischen Bürgschaftsinsti- 
tutes ermögliche. So entschloß ich mich, den ursprünglichen Arbeitsplan 
zur Seite stellend, zu einer monographischen Bearbeitung der Bürg- 
schaft, welche die Entwicklung dieses Rechtsinstitutes durch den ganzen 
Zeitraum babylonisch-assyrischen Kulturlebens verfolgen sollte. 

Die Beschränkung des Arbeitsplanes in sachlicher Beziehung auf 
ein bestimmtes privatrechtliches Institut, seine gleichzeitige Erweiterung 
in zeitlicher Hinsicht haben sich nun auch von einem allgemeinen 
Gesichtspunkte aus als zweckmäßig erwiesen. Denn wenngleich 
zwischen den einzelnen Epochen babylonischen Rechtslebens gewaltige 
Zeiträume liegen, für welche die juristische Tradition uns völlig im 



VI Vorwort. 

Stiche läßt, so scheint es doch nicht an Fäden gefehlt zu haben, die 
sich von dem Rechte der einen Kulturepoche zu dem der anderen 
hinüberspinnen. Diese Beziehungen aufzudecken wird aber auf der 
gesamten Überlieferung fußenden Spezialuntersuchungen einzelner 
Rechtsinstitute "weit eher gelingen als isolierter Betrachtung des 
Rechts der einzelnen Kulturperioden. Nur so wird es auch möglich 
sein, die Vorarbeit zu tun zu einer Geschichte des babylonisch-assy- 
rischen Rechts, einer Geschichte, die nicht bloß die Rechtszustände 
der einzelnen durch die Überlieferung erschlossenen Zeiträume be- 
schreibt, sondern sie von entwickluugsgeschichtlicher Warte aus zu 
würdigen unternimmt. Die Lösung dieser Aufgabe ist freilich einer 
fernen Zukunft vorbehalten, und man mag Zweifel hegen, ob und in- 
wieweit sie gelingen wird, zumal die Hoffnungen, daß neue Funde 
für die derzeit quellenlosen Jahrhunderte die ersehnten Aufschlüsse 
bringen werden, nicht allzu hoch gespannt werden dürfen. Obliegt 
daher der Forschung zunächst die Detailarbeit und wird sie sich hierbei 
einer mehr deskriptiven Methode bedienen müssen, so darf sie darüber 
doch das Ziel nicht aus den Augen verlieren. 

Eine Arbeit über babylonisch-assyrisches Recht bedarf vor dem 
Forum der Juristen der Rechtfertigung. Zwar ist der Verfasser weder 
der einzige noch der erste unter den Juristen, welche sich mit dieser 
Materie beschäftigen. Josef Kohler hat schon zur Zeit als die 
ersten babylonischen Rechtsurkunden bekannt wurden, ihnen seine 
Aufmerksamkeit zugewendet und diesem Quellenkreis sein werktätiges 
Interesse bis in die neueste Zeit hinein bewahrt. Allein er fand auf 
diesem Arbeitsgebiete unter den Juristen lange keine Gefolgschaft. 
Erst in der jüngsten Zeit scheint dies anders werden zu wollen. Nicht 
nur wird gelegentlich von romanistischen Rechtshistorikern der Wunsch 
ausgesprochen, daß auch die keilschriftlichen Quellen in den Kreis der 
rechtshistorischen Forschung gezogen werden mögen 1 ), vereinzelte 
Arbeiten über Fragen des babylonischen Rechts, sowohl von Roma- 
nisten als Germanisten — die Mitarbeit der letzteren ist angesichts 
der Verwandtschaft des babylonischen mit dem deutschen Rechte be- 
sonders zu begrüßen — sind ein erfreuliches Zeichen, daß »las er- 
wachende Interesse der Juristen au diesem Quellenstoffe keinesw. igs 
bloß ein platonisches ist. Den Anstoß zu diesen Arbeiten, die übrigens 

1) Vgl. Wenger, Römische und antike Etechtsgeschichte, akad. Antritts- 
vorlesung 11)05, p. 27, Manigk, Zur Bedeutung der assyrisch babylonischen R< 
Urkunden (Zeitsohr, der Savigny-Stiftung, rom. AM 27 p. 894f.), Etabel, Die v*er- 
fttgnngsbeschränkungen des Verpfänders 1909 p. 3f. 



Vorwort. VII 

durch neuere Strömungen in der rechtshistorischen Wissenschaft be- 
günstigt werden, gab wohl die Auffindung des Kodex Hammurapi, 
wie ja auch gerade daraus zu erklären sein wird, daß sich das wissen- 
schaftliche Interesse derzeit fast ausschließlich dem Rechte der alt- 
babylonischen Zeit zuwendet. 

In der Tat ist es eine ebenso lohnende wie interessante Aufgabe, 
das Recht der babylonisch-assyrischen Kultur, die ja der Geschichte 
Vorderasiens ihr Gepräge gibt, zu erforschen, zumal hier ein juristi- 
sches Quelleumaterial zur Verfügung steht, das durch seine Reich- 
haltigkeit und Mannigfaltigkeit ein erfolgreiches Arbeiten gewährleistet. 
Allein, wenn die Wertung von Tatsachen der Vergangenheit vor allem 
„auf dem historischen Interesse beruht, welches die Gegenwart 
an irgendeiner Wirkung, einem Ergebnis der Entwicklung hat, so daß 
sie das Bedürfnis empfindet, den Anlässen nachzuspüren, welche es 
herbeigeführt haben" 1 ), wenn also von diesem Gesichtspunkte aus das 
Studium des babylonisch-assyrischen Rechts wohl nie jene Bedeutung 
für sich wird beanspruchen können, welche der Erforschung des rö- 
mischen und der germanischen Rechte, ja wegen der kulturellen 
Wechselbeziehungen zu Rom auch des griechisch-hellenistischen Rech- 
tes zukommt, so wird der Jurist, der auch als Rechtshistoriker doch 
mehr oder weniger Fühluno* mit dem Rechte der Gegenwart sucht, 
um so mehr geneigt sein, für diesen Zweig der Rechtsgeschichte den 
Nachweis zu fordern, daß er zu den Interessen der traditionellen rechts- 
geschichtlichen Forschung in Beziehung stehe. 

Man könnte dies vor allem in der Richtung erwarten, als die 
rechtsgeschichtliche Forschung der Frage nachgehen sollte, ob und 
inwieweit babylonisch-assyrisches Rechtsgut nach Westen gewandert 
ist und in die griechische und von hier aus in die römische Kultur 
Aufnahme gefunden hat. Die Berechtigung der Fragestellung soll 
nicht bestritten werden. Ob aber auf diesem Untersuchungsfelde die 
Forschung derzeit große Erfolge zu erwarten hat, möchte ich bezwei- 
feln. Es fehlt uns heute noch jene genaue Kenntnis der politischen 
Geschichte Vorderasiens bis zum Auftreten der Griechen, die als un- 
erläßliche Voraussetzung der Annahme eines Rezeptionsvorganges 
gelten muß, ferner aber lehrt gerade die vergleichende Rechtsgeschichte, 
daß selbst die weitgehendste Übereinstimmung in zwei Rechten noch 
nichts für eine Entlehnung beweist. Wir besitzen daher noch keine 
zuverlässigen Kriterien, die uns die Rezeption von unabhängiger Pa- 



1) Ed. Meyer, Zur Theorie und Methodik der Geschichte (Kleine Schriften p.44). 



Vm Vorwort. 

rallelentwicklung auf Grund gleicher oder ähnlicher kulturellen Be- 
dingungen mit Sicherheit unterscheiden ließen. Im Zweifel wird man 
wohl immer die letztere anzunehmen haben. 

Damit ist aber auch schon die Stellung gekennzeichnet, welche 
die Erforschung des babylonisch-assyrischen Rechts im Rahmen der 
rechtsgeschichtlichen Wissenschaft einzunehmen berufen ist: 
als Teil der vergleichenden Rechtsgeschichte soll sie uns leh- 
ren, ob und inwieweit gleichen Rechtssätzen auch gleiche oder ver- 
wandte Verhältnisse der Gesamtkultur entsprechen. Freilich wird mau 
sich hierbei immer bewußt bleiben müssen, daß das rechtsgeschicht- 
liche Geschehen kein naturgesetzliches ist, daß niemals sich ein 
rechtsgeschichtlicher Vorgang in völliger Identität wiederholt, und daß 
neben den allgemeinen kulturellen und wirtschaftlichen Ursachen auch 
der nationale Faktor bei der Entwicklung eines Rechtes eine Rolle 
spielt. Allein bei dem heutigen Stande des Wissens kann man doch 
behaupten, daß die historische Rechtsschule mit der einseitigen Be- 
tonung des Nationalismus in der Rechtsgeschichte weit über das Ziel 
hinausschoß, daß neben dem nationalen Moment den allgemeinen 
Kulturbedingungen mindestens dieselbe Bedeutung für die Rechtsent- 
wicklung zukommt, ja, daß ihr Einfluß wächst, je weiter wir in der 
Geschichte des Rechts zurückgehen. Von diesem Standpunkte aus 
können aber nicht nur die Ergebnisse der rechtsvergleichenden For- 
schung, selbstverständlich mit gehöriger kritischer Vorsicht, zur Er- 
gänzung der Lücken in der Überlieferung eines Rechts herangezogen 
werden, die vergleichende Rechtsgeschiehte regt auch zu vielfach ganz 
neuen Fragestellungen an und ermöglicht es so, auch bereits viel be- 
arbeitete Quellenstoffe von neuen Gesichtspunkten aus zu durchforschen. 
Unter vergleichender Rechtsgeschichte verstehe ich aber hierbei — 
und das sei mit Nachdruck hervorgehoben — nicht eine Universal- 
rechtsgeschichte, sondern, wie dies Rabel 1 ) unlängst treffend formu- 
liert hat, „die Geschichte der Volksrechte und Rechtsgemeinschaften 
selber, insoweit sie sich der komparativen Methode bedient" Daraus 
folgt auch, daß die Forschung sich zunächst auf die Quellen des be- 
treffenden Volksrechtes stützen muß, und nur subsidiär die Ergebnisse 
der Rechtsverffleichung als Erkenntnismittel verwerten darf. 

Von diesen Gesichtspunkten aus will auch die vorliegende Arbeit, 
welche die Geschichte der persönlichen Baftung im babylonisch- 
assyrischen Recht darzustellen unternimmt, bewertet werden. Das 



1) Die VerfügxmgBbeschränkiingei] des Verpfänden p. 



Vorwort. I X 

vergleichende Material lieferten vor allem das germanische und grie- 
chische Recht, was ja in der inhaltlichen Beschaffenheit der babylo- 
nisch-assyrischen Quellen begründet ist. Daß für das Thema dieser 
Arbeit die Schriften der Germanisten v. Amira, Puntschart, Gierke, 
sowie Parts chs ausgezeichnete Bearbeitung des griechischen Bürg- 
schaftsrechts die wertvollsten Anregungen boten, ist selbstverständlich 
und sei hier mit gebührendem Danke hervorgehoben. Mit besonderer 
Freude nenne ich an dieser Stelle aber die jüngst erschienene Schrift 
eines unserer führenden Dogmatiker. Strohais "Schuldüber- 
nahme' (Jena 1910) hat in glänzender Weise dargetan, daß auch die 
Darstellung des geltenden Rechts sich die Ergebnisse der historischen 
Forschung selbst auf fern abgelegenen Gebieten zu Nutze machen 
kann, wie sie umgekehrt für den Historiker eine Fülle neuer Gesichts- 
punkte gebracht hat, die natürlich der vorliegenden Arbeit sehr zu- 
statten gekommen sind. Andrerseits hat aber die Durcharbeitung des 
babylonisch-assyrischen Bürgschaftsrechts nicht bloß die Resultate der 
Forschung auf anderen Rechtsgebieten bestätigt, sondern auch neue 
Tatsachen ans Licht gezogen. Als Romanist möchte ich besonders 
hervorheben, daß das babylonische Bürgschaftsinstitut eine Reihe be- 
achtenswerter Analogien zur Entwicklung der Stipulation, wie sie 
unlängst Mitteis 1 ) dargestellt hat, aufweist, Analogien, die vielleicht 
zum weiteren Ausbau der Lehre von der Stipulation verwendet werden 
könnten. Ich habe mich indessen, getreu dem Programme der Arbeit, 
die nur das babylonisch -assyrische Recht zum Gegenstande hat, be- 
schränkt, auf diese sowie andere Verwandtschaften lediglich hinzu- 
weisen. Ihre Nachprüfung und eventuelle Verwertung ist Aufgabe 
romanistischer Untersuchung. 

Die Arbeit benützt die babylonisch-assyrischen Quellen durchwegs 
in der Ursprache. Selbstverständlich habe ich aber überall den 
Quellenzitaten zur Orientierung des sprachunkundigen Lesers Über- 
setzungen beigefügt. Die Vorteile dieser Art der Quellenbenutzung 
sind so einleuchtend, daß über sie kaum ein Wort zu verlieren ist. 
Nur sie ermöglicht es, um einen der wichtigsten Punkte hervorzuheben, 
die eigenartige und ungemein prägnante Sprache des babylonisch- 
assyrischen Rechts zu verfolgen und so Zusammenhänge zu erkennen, 
die dem Juristen, der nur auf Grund von Übersetzungen arbeitet, 
verboro-en bleiben. Es muß daher nicht nur als wünschenswert, son- 
dem als notwendig bezeichnet werden, daß der Jurist, der sich mit 

1) Über die Herkunft der Stipulation (Festschrift für Bekker, Weimar 1907 
p. 107 f.) 



X Vorwort. 

Fragen des babylonisch-assyrischen Rechts beschäftigt, sich vorher die 
erforderlichen Sprachkenntnisse aneigne. 1 ) Freilich muß auf der an- 
deren Seite um so nachdrücklicher betont werden, daß es sich hier 
um Aufgaben handelt, die nur durch das Zusammenarbeiten des Ju- 
risten und Philologen bewältigt werden können, und daß eben darum 
eine gewisse Arbeitsteilung zwischen beiden wird Platz greifen müssen. 
Man wird insbesondere vom Juristen billigerweise nicht verlangen 
dürfen, daß er die volle assyriologische Fachbildung besitze und daß 
er keilinschriftliche Texte zu lesen und zu edieren verstehe. Er be- 
gäbe sich damit auf ein Gebiet, auf dem er nur allzu leicht Schiff- 
bruch leiden könnte. Daraus folgt, daß der Kreis des für den Juristen 
benutzbaren Quellenmaterials im wesentlichen durch die vorhandenen 
transskribierten Texte bestimmt ist. 

Ich hätte mich glücklich geschätzt, wenn ich diese durch die 
Natur der Sache gezogene Grenze hätte einhalten können. Allein das 
dermaßen verfügbare Quellenmaterial hätte bei weitem nicht hinge- 
reicht, die Arbeit genügend zu fundieren. Am fortgeschrittensten ist 
die Quellenpublikation bei den altbabylonischen Urkunden, wo der 
Jurist namentlich die vortrefflichen Editionen Schorrs mit Dank 
begrüßen wird, hingegen ist für die neubabylonische Zeit die Anzahl 
der transskribierten Texte im Verhältnis zur Masse des keilschriftlich 
publizierten Materials eine geringe, und am schlechtesten steht es in 
dieser Beziehung bei den assyrischen Urkunden. Ich sah mich infolge- 
dessen gezwungen, meine Kompetenz zu überschreiten und selbst die 
Transskription von Urkunden zu versuchen. Hierbei war es mir von 
vornherein klar, daß es nicht meine Aufgabe sein konnte, alle Publi- 
kationen keilschriftlicher juristischer Texte durchzusehen. Hierzu 
hätten mir auch die erforderlichen Fachkenntnisse gefehlt. Ich rich- 
tete daher mein Augenmerk vor allem auf die Transskription nur 
übersetzter Urkunden. Für die altbabylonische Zeit leistete mir hier- 
bei Kohler-Ungnads treffliche Urkundensammlung wertvolle Dienste. 
Da dieses Werk die derzeit publizierten altbabylonischen Kechtsur- 
kunden vollständig enthält, so kann für diese Epoche der babyloni- 
schen Rechtsgeschichte auch für annähernde Vollständigkeit des Ma- 
terials gebürgt werden. 2 ) Die assyrischen Urkunden sind soweit be- 



1) Es wird dies sowohl von assyriologischer wie von juristischer Seite an- 
erkannt. Vgl. einerseits Schorr, Wiener Zeitschr. für die Kunde des Morgen- 
landes 24 p. 432f, andrerseits Rabel, a. a. 0. p. 3. 

2) Der 5. Band des Werkes, vor allem die Übersetzungen der von Thureau- 
Dangin, Lettres et contrats de l^poque de la premiere dynastie Babylonienne 



Vorwort. XI 

nutzt, als sie Johns im 3. Bande seiner 'Assyrian deeds and documents* 
bearbeitet bat. Was endlich die neubabylonischen Urkunden betrifft, 
so kamen an übersetzten Texten namentlich die von Kohler-Peiser 
( f Aus dem babylonischen Rechtsleben' Heft 1 — 4) behandelten Urkun- 
den in Betracht. Daneben habe ich aber auch noch nicht bearbeitete 
Urkunden benutzt, soweit sie mir vor allem durch Tallquists ('Die 
Sprache der Kontrakte Nabü-nä'ids') zwar in mancher Beziehung schon 
veraltetes, aber für die hier verfolgten Zwecke vortrefflich brauchbares 
Stellenverzeichnis bekannt wurden. 

Daß die auf diese Weise zustande gekommene Materialsammlung 
von Vollständigkeit weit entfernt ist, empfinde ich selbst am schmerz- 
lichsten. Ich hoffe indessen, daß sie hinreichte, um wenigstens die 
Hauptfragen stellen und beantworten zu können. Ich bin mir auch 
nur zu lebhaft bewußt, daß die von mir hergestellten Umschriften 
dem Assyriologen in vieler Beziehung zur Bemängelung Anlaß geben 
können. Allein er möge hierbei bedenken, daß es mir in erster Linie 
darauf ankam, den juristischen Gehalt der Urkunde auszuschöpfen, 
und daß die Umschriften keine definitiven Editionen darstellen wollen, 
sondern nur Notbehelfe sind, deren ich bei dem gegenwärtigen Stande 
der Quellenpublikation nicht entbehren zu können glaubte. 1 ) Denn das 
Prinzip, die Quelle in der Ursprache zu benutzen, wollte ich immer 
gewahrt wissen. Es wird Sache der assyriologischen Wissenschaft 
sein, wenn sie überhaupt auf die Mitarbeit der Juristen im größeren 
Umfange Wert legt, ihnen diese durch entsprechende Quellenpubli- 
kation zu ermöglichen. Nur durch beiderseitiges Entgegenkommen 
und p-emeinsame Arbeit kann hier etwas erreicht werden. Wenn man 
vom Juristen die Aneignung der erforderlichen Sprachkenntnisse ver- 
langen kann, so ist die Bereitstellung des Materials Sache der Assy- 
riologen. 

Es obliegt mir noch die angenehme Pflicht, einer Reihe von 
Vertretern der orientalistischen Sprachwissenschaft für ihre werktätige 
Hilfe meinen wärmsten Dank zu sagen. An erster Stelle sei hier 
mein verehrter Freund Rhodokanakis in Graz genannt. Er hat 



herausgegebenen Rechtsurkunden enthaltend, ist erst -während der Korrektur er- 
schienen und konnte daher nur gelegentlich in den Fußnoten, sowie in den Nach- 
trägen verwertet werden. 

1) Ich habe daher auch von den zur Unterscheidung der Keilschriftzeichen 
mit gleichen syllabischen Werten in üblicher Weise verwendeten diakritischen 
Zeichen grundsätzlich bei der Umschrift keinen Gebrauch gemacht. Altere Trans- 
skriptionen verwenden sie nicht und außerdem besteht über ihren Gebrauch heute 
noch keine allgemeine Übereinstimmung. 



Xu Vorwort. 

mich in die assyrische Sprache eingeführt und ist mir auch mit seinem 
Rate zur Seite gestanden, als ich mich in die babylonischen Rechts- 
denkmäler einzuarbeiten begann. In Prag war es dann vor allem 
mein Kollege Hazuka, der mit nie ermüdender Bereitwilligkeit mich 
bei der Transskription der altbabylonischen Rechtsurkunden unter- 
stützte und mir die Verwertung dieses Quellenmaterials im vollen 
Umfange erst ermöglichte. Auch Herrn Dr. Schorr in Lemberg bin 
ich für manche wertvolle Auskunft und die Liebenswürdigkeit, mit 
der er mir die Einsichtnahme in das Manuskript des 3. Heftes seiner 
„altbabylonischen Rechtsurkunden" gestattete, zu lebhaftem Danke 
verpflichtet. Die scharfsinnige Interpretation Herrn Hofrats D. H. 
Müller hat mir an einem wichtigen Punkte der Untersuchung die 
philologischen Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und für die 
juristische Arbeit freie Bahn geschaffen. Herrn Professor Ungnad 
verdanke ich nicht nur die Mitteilung und Überprüfung zahlreicher 
Transskriptionen, seine philologische Unterstützung hat auch an mehr 
als einer Stelle der Arbeit erst die völlige Sicherung der juristischen 
Ergebnisse ermöglicht. Herr Dr. Aptowitzer in Wien hatte die 
Freundlichkeit, mir einige Parallelstellen aus dem talmudischen Recht 
mitzuteilen. Die Hinweise auf die slavischen Rechte danke ich der 
Güte Herrn Professor Murkos in Graz. Herzlichen Dank schulde ich 
endlich meinem Kollegen Steinmetzer in Prag, der sich der Mühe 
unterzog, die Korrekturen mitzulesen. 

Daß trotz alledem die Arbeit Mängel und Lücken hat, liegt in 
der Natur der Sache. Einmal bedingt die im Flusse befindliche 
Quellenpublikation notwendig Korrekturen durch neue Urkunden, fer- 
ner aber handelt es sich hier um ein Quellengebiet, auf dem erst die 
Hauptstraßen zu bahnen sind. Viele Nebenfragen, deren Erörterung 
für das Thema nützlich gewesen wäre, mußten unerledigt gelassen und 
einer späteren Untersuchung vorbehalten werden, wenn anders die 
Arbeit überhaupt zu einem Ende geführt werden sollte. Dazu kommt 
endlich die Unvollständigkeit des dem Juristen zugänglichen Materials. 
Allein wenn die aufgewandte Mühe keinen anderen Erfolg haben sollte, 
als den, die Rechtshistoriker zu weiterer Arbeit auf dem Gebiete des 
babylonisch-assyrischen Rechts zu interessieren und anzueifern, wäre 
sie reichlich belohnt. 

Prag, im Juni 1911. 

Paul Koschaker. 



Inhaltsverzeichnis. 

pagina 

Vorwort V— XII 

Verzeichnis der abgekürzt zitierten Werke XVI— XVIII 

Erster Teil. 

Die altbabylonischen Rechtsquellen 1—31 

§ 1 • • • i-i5 

Stand der Quellen p. 1. — Der Bürge als muJcil qaqqadim „derjenige, 
■welcher das Haupt (des Schuldners) hält" p. 1—3. — Erklärung dieser 
Bezeichnungsweise p. 3—6. — resam kullu „das Haupt halten 11 = 
haften p. 7 — 15. 

§ 2 15—24 

Der Bürge als qätu „Hand" p. 15—16. — Erklärung dieser Bezeich- 
nungsweise p. 16 — 17. — Die Hand als Machtsymbol p. 17—19. — 
Interpretation von VS VIII 26 p. 20—24. 

§ 3 24-31 

Vindexartige Interzedenten im Exekutionsverfahren. 

Zweiter Teil. 

Die Rechtsquellen aus der Zeit des neubabylonischen 

Reiches und der Perserherrschaft 32— 236- 

§ 4 32-41 

Stand der Quellen p. 32—34. — Die verbürgte Schuld, insbesondere 
der abstrakte Verpflichtungsschein (u-il-tim) p. 34 — 36. — Bürgschaft 
und Pfand p. 36—37. — Die verbürgte Schuld (Einzelheiten) p. 38—41. 

§ 5 41—50 

Bürgschaftsurkunden. 

§ 6 50—57 

Gestellungs- und Stillesitzbürgschaft p. 50—56. — Verhältnis des 
Schuldners zum Bürgen p. 51—54. — Die Bürgschaft als Erfüllungs- 
garantie p. 56 — 57. 

§ 7 58—67 

Intervention des Bürgen nach eingeleiteter Vollstreckung gegen den 
Schuldner p. 58—67. — A) Neubabylonische Urkunden p. 58 — 62. — 
Beaufsichtigung des Schuldners durch den Bürgen p. 62. — B) Ur- 
kunden aus der Kassitenzeit p. 62 — 67. 

§ 8 67—84 

Wesen der neubabylonischen Bürgschaft p. 67—84. — Garantie für 
die Exekutionsbereitschaft des Schuldners p. 67 — 68. — Bürgschaft 
und Personalexekution, Erfüllungsgarantie p. 68—71. — Persönliche 
(leibliche) Haftung des Bürgen p. 71—74. — Das Erfüllungsversprechen 
des Bürgen p. 74 — 77. — Entwicklung der Bürgschaft zu einem 
akzessorischen Schuldversprechen p. 77—82. — Bürgschaft und Ver- 
mögenshaftung p. 82 — 84. 



XIV Inhaltsverzeichnis. 

pagina 
§ 9 84 — '.17 

Das solidarische Schuldverhältnis p. 84 — 97. — Die Form der Solidar- 
haftungsklausel (wechselseitige Verbürgung) p. 84 — 85. — Teilschuld 
und Teilhaftung mehrerer Mitschuldner p. 86 — 87. — Die rechtliche 
Natur des solidarischen Schuldverhältnisses p. 87 — 96. — Seine Ent- 
wicklung zur Solidarschuld p. 96 — 97. 

§ 10 97—103 

Solidarische Verhaftung mehrerer Mitbürgen p. 97 — 101. — Einzel- 
heiten (die Bürgschaft als Haftungsverstärkung) p. 101 — 103. 

§ 11 104—113 

Die Selbetbürgschaft p. 104—108. — Schuld und Haftung p. 109 
bis 110. — Anwendungsgebiet der persönlichen Haftung, Empfangs- 
haftung p. 110—113. 

§ 12 113—116 

Der fakultativ abstrakte Verpflichtüngsschein (u-il-tim). Sein For- 
mular p. 113 — 115. — Persönliche Haftung des Schuldners p. 115 — 116. 

§ 13 117—136 

Der fakultativ abstrakte Verpflichtungsschein (Fortsetzung). Nach- 
weisungen über die Verwendung des terminus u-il-tim p. 117 — 121. — 
rdkUu p. 121—122. — u-il-tim oder U-AN-TIM1 p. 123—127. — 
u-il-tim = persönliche Haftung p. 127 — 128. — i'iltum , persönliche 
Haftung" in der altbabylonischen Rechtssprache p. 129 — 131. — 
Die u-il-tim als Literalvertrag p. 131 — 132. — Die Schuld als Be- 
kommensollen des Gläubigers (räsiitu) p. 132 — 134. — hisiim, der 
altbabylonische Verpflichtungsschein , Etymologie des Wortes 
p. 134—136. 

§ 14 136—148 

Der fakultativ abstrakte Verpflichtungsschein (Fortsetzung). Seine 
Herkunft aus der Verbürgung des Schuldners p. 136 — 142. — Ver- 
gleichung mit der römischen Stipulation p. 142 — 143. — Gesetzliche 
Haftung aus dem Schuldversprechen p. 143 — 145. — Insbesondere 
bei Schulden auf facere p. 145 — 146. — Bemerkungen zur Entwick- 
lung des babylonischen Rechts p. 146 — 148. 

§ 15 148—166 

Die Bürgschaft als Garantie (Erfolgshaftungj. Die einzelnen Garantie- 
klauseln p. 148—153. — Ihre Interpretation p. 154 — 161. — Bürg- 
schaft für Schulden auf facere p. 161 — 163. — Die Bürgschaft als 
Haftungsergänzung p. 164 — 165. — Gesetzliche Haftung für Schulden 
auf facere, Entwicklung der Schuld aus der Haftung p. 165 — 166, 
p. 166 n. 58. 

§ 16 167—173 

Die Bürgschaft als Garantie gegen Ansprüche Dritter gegen eine 
Verfügung. 

§ 17 173—192 

Die Garantie des Verkäufers gegen Rechtsmängel der Ware beim 
Sklavenkauf p. 173 — 192. — Schema des Sklavenkaufvertrages 
p. 175 — 176. — Die einzelnen Garantiefälle p. 176 — 180. — Garantie- 
klauseln bei Viehkaufverträgen p. 181. — Die juristische Natur 
dieser Garantien p. 182—186. — u-il-tim = Eviktionsgarantie beim 
Sklavenkauf, dann der Sklavenkauf selbst p. 186-192. 



Inhaltsverzeichnis. XV 

pagina 

§ 18 19-2—198 

Währschaftsversprechen des Verkäufers beim Sklavenkauf. 

§19 198—209 

Kaufbürgen beim Sklavenkauf p. 198 — 199. — Vergleichung des 
babylonischen Kaufbürgen mit dem griechischen ßhßcciarrjg p. 200 
bis 201. — Die Klausel ina asäbi, ihre Entstehung und juristische 
Bedeutung p. 201 — 207. — Eviktionsgarantie und Mitverfügung 
p. 207—209. 

§ 20 209- 232 

Der Formalismus des Verbürgungsgeschäftes p. 209 — 228. — Die 
bürgschaftsrechtliche Terminologie p. 209 — 219. — Das Handsymbol 
als Verbürgungsform p. 219 — 223. — Die einzelnen bei der Ver- 
bürgung verwendeten Handgesten im Lichte der Rechtsvergleichung 
p. 223 — 227. — Die juristische Bedeutung des Handgestus p. 227 
bis 228. — Geiselschaft und Bürgschaft p. 227—232. 

§ 21 232—236 

Die rechtliche Bedeutung der Bürgschaftsurkunde p. 233 — 234. — 
Zersetzung des ursprünglichen Bürgschaftsformalismus p. 234 — -236. 

Dritter Teil. 

Die assyrischen Rechtsurkunden 237—250 

§22 237—250 

Stand der Quellen p. 237—238. — Einzelne Urkunden p 238—240. — 
Die Bürgschaftsterminologie und ihre Erklärung p. 240. — Selbst- 
bürgschaft p. 241 — 242. — Interpretation einzelner Urkunden p. 242 
bis 248. — bei qätäti „Bürge" oder „Stellvertreter"? p. 248—250. 

Nachträge und Berichtigungen 251—253 

Verzeichnis der behandelten termini technici des babylonisch-assyri- 
schen Rechts 254—255 

Quellenregister 256—263 



Abgekürzt zitierte Werke. 

(Soweit als möglich sind die üblichen Abkürzungen verwendet. Den Zi- 
taten aus dem Kodex Hammurapi ist die Ausgabe Kohler-Ungnads, Hammu- 
rabis Gesetz Bd. II zugrunde gelegt. Die Urkunden sind, um die Zitierweise zu 
vereinfachen, nach den keilschriftlichen Editionen angeführt, und nicht nach den 
Bearbeitungen in Umschrift oder Übersetzung, zumal diese das der vorliegenden 
Arbeit zugrundeliegende Quellenmaterial doch nicht erschöpfen. Den dem Wort- 
laute nach angeführten Quellenstellen ist übrigens immer eine Übersetzung bei- 
gegeben. Außerdem ist bei den einzelnen Quellenzitaten, soweit dies möglich 
war, auch angemerkt, wo eine Umschrift oder Übersetzung des Textes zu finden 
ist. Eine Ausnahme hiervon ist nur bei den altbabylonischen Kechtsurkunden 
gemacht, da Kohler-Ungnads angegebenes Werk Bd. III — V eine vollständige 
Sammlung dieser Texte in Übersetzung enthält und auch Nachweisungen über 
andere Übersetzungen sowie Umschriften zu den einzelnen Urkunden gibt. Mit 
Hilfe seiner Indizes kann zu dem nach der keilschriftlichen Edition zitierten 
Texte ohne Schwierigkeit die zugehörige Übersetzung nachgeschlagen werden.) 
ADD = Johns, Assyrian deeds and documents, recording the transfer of 

property, including the so-called private contracts, legal decisions 

and proclamations, preserved in the Kouyunjik collections of the 

British Museum. Bd. I— III, Cambridge 1898—1901. 
v. Amira = v. Amira, Nordgermanisches Obligationenrecht, 2 Bände, Leipzig 

1882—1895. 
App. = Evetts, Inscriptions of the reigns of Evil-Merodach, Neriglissar and 

Laborosoarchod. Appendix. (Strassmaier, Babylonische Texte,. 

Heft VIb). Leipzig 1892. 
APR = Meissner, Beiträge zum altbabylonischen Privatrecht (Assyrio- 

logische Bibliothek Bd. 11), Leipzig 1893. 
AR = Schorr, Altbabylonische Rechtsurkunden aus der Zeit der ersten 

babylonischen Dynastie, Heft I — III (Sitzungsberichte der Wiener 

Akademie, phil. hist. Kl. Bd. 155, 2; 160, 5; 165, 2), Wien 1907, 1909, 

1910. 
BA = Beiträge zur Assyriologie und semitischen Sprachwissenschaft. 

BE = The Babylonian expedition of the university of Pennsylvania, Series A : 

Cuneiform texts, edited by H. V. Hilprecht, Philadelphia. 
BE HIj = Myrhman, Sumerian administrative documents dated in the reigns 

of the kings of the second dynasty of L'r from the temple archives 

of Nippur, 1910. 
BE VI, = Ranke, Babylonian legal and business documents from the time 

of the first dynasty of Babylon, chiefly from Sippar, 1906. 
BE VI, = Poebel, Babylonian legal and business documents from the time 

of the first dynasty of Babylon, chiefly from Nippur, 1909. 
BE VHI, = Clay, Legal and commercial transactions, dated in the Assyrian, 

neo-babylonian and Persian periods, chiefly from Nippur, 1 908. 
BE IX = Hilprecht-Clay, Business documents of Murashü sons of Nippur, 

dated in the reign of Artaxerxes I, 1898. 
BE X = Clay, Business documents of Murashü sons of Nippur, dated in the 

reign of Darius IT, 1904. 



Abgekürzt zitierte Werke. XVII 

BE XIV = Clay, Documents from the teniple archives of Nippur, da- 

ted in the reign of Cassite rulers, 1906. 

BR == Kohler-Peiser, Aus dem babylonischen Rechtsleben, Heft 

I— IV, Leipzig 1890—1898. 

Br. M. = British Museum (Museunisnummera). 

BV = Peiser, Babylonische Verträge des Berliner Museums, Berlin 

1890. 

Camb. = Strasamaier, Inschriften von Cambyses, König von Babylon 

(Babylonische Texte, Heft VHI, IX), Leipzig 1»90. 

CT = (Juneiform texts from Babylonian tablets in the British Mu 

seum, edited by the trustees, London. 

Cyr. = Strassmaier, Inschriften von Cyrus, König von Babylon 

Babylonische Texte, Heft VII), Leipzig 1890. 

Dar. = Strassmaier, Inschriften von Darius, König von Babylon 

(Babylonische Texte, Heft X — XII , Leipzig 1»92. 

Delitzsch = Delitzsch, Assyrisches Handwörterbuch, Leipzig 1896. 

DJ = Oppert-Menant, Documents juridiques de l'Assyrie et 

de la Chaldee, Paris 1877. 

Ev. Mer. = Evetts, Inscriptions of the reigns of Evil-Merodach, 

Keriglissar and Laborosoarchod (Strassmaier, Babyl. Texte, 
Heft VIb), Leipzig 1892. 

P. = Friedrich, Altbabylonische Urkunden aus Sippar (Beitr. 

zur Assyriol. V p. 413f.), Leipzig 1906. 

G. = Gautier = Gautier, Archives d'une famille de Dilbat au temps de la 
premiere dynastie de Babylone (Memoires publies par les 
membres de l'institut Francais d'archeologie Orientale du 
Caire, t. 26), Le Caire 1908. 

Gierke = Gierke, Schuld und Haftung im älteren deutschen Recht, 

Breslau 1910. 

H. G. = Hammurabis Gesetz, Bd. I von Kohler-Peiser, die folgen- 

den (II— V) von Kohler-Ungnad, Leipzig 1904—1911. 

JA = Journal Asiatique. 

KA = Peiser, Keilschriftliche Aktenstücke aus babylonischen 

Städten, Berlin 1889. 

KB IV = Peiser, Texte juristischen und geschäftlichen Inhalts (Keil- 

inschriftliche Bibliothek, herausgegeben von Eberhard 
Schrader, Bd. IV), Berlin 1896. 

KB VIj = Jensen, Assyrisch-babylonische Mythen und Epen (Keil- 

inschriftliche Bibliothek Bd. VLJ, Berlin 1900. 

K. H. = Kodex Harnmurapi. 

King = King, The letters and inscriptions ofHammurabi, Bd. I — III, 

London 1898—1900. 

Lab. = Evetts, Inscriptions of the reigns of Evil-Merodach, Neri- 

glissar and Laborosoarchod (Strassmaier, Babyl. Texte, 
Heft VIb), Leipzig 1892. 

Landersdorfer = Landersdorfer, Altbabylonische Privatbriefe (Studien zur 
Geschichte und Kultur des Altertums, herausgegeben von der 
Görresgcsellschaft II 2), Paderborn 1908. 

LC = Thureau-Dangin, Lettres et contrats de la premiere dy- 

nastie Babylonienne, Paris 1910. 

Liv. = Strassmaier, Babylonische Inschriften im Museum zu Liver- 

pool (Verhandlungen des 6. internationalen * »rientalistenkon- 
gresses zu Leiden, Sem. Sekt.), Leiden 1885. 

Kose haker: Babylon -assyr. liürgschaftsrecht. b 



xvm 

M. 
Martin 

Moldenke 

Montgomery 

Muss-Arnolt 

MVAG 

Nagel 

Nbk. 

Nbn. 
Ner. 



OLZ 
Partsch 

Puntschart = 

R = 

RA 

S. = Sippar = 



Tallquist 
Urk. III Dvn. 



VAT 

VS 



Warka 



WZKM 

ZA 

ZK 



Abgekürzt zitierte "Werke. 

Meissner, Beiträge zum altbabylonisehen Privatrecbt. (Siebe 
unter APR). 

Martin, Lettres neo-babyloniennes (Bibliotheque de i'ecole des 
bautes etudes, fasc. 179), Paris 1909. 

Moldenke, Cuneiform texts in tbe Metropolitan Museum of 
art, New- York 1893. 

Montgomery, Briefe aus der Zeit des babyloniscben Königs 
Haminurabi, Berl. Diss., Leipzig 1901. 

Muss-Arnolt, Assyrisch-englisch- deutscbes Handwörterbuch, 
Berlin 1905. 

Mitteilungen der vorderasiatischen Gesellschaft. 
Nagel, Die Briefe Hammurabis an Sin-idinnam (Beitr. zur As- 
syriol. IV p. 434 f.), Leipzig 1905. 

Strassmaier, Inschriften von Nabuchodonosor, König von 
Babylon (Babylonische Texte, Heft V und VI), Leipzig 1889. 
Strassmaier, Inschriften von Nabonidus, König von Babylon 
(Babylonische Texte, Heft I— IV), Leipzig 1889. 
Evetts, Inscriptions of the reigns of Evil-Merodach, Neri- 
glissar and Laborosoarchod (Strassmaier, Babylonische 
Texte, Heft VIb), Leipzig 1892. 
Orientalistische Literaturzeitung. 

Partsch, Griechisches Bürgschaftsrecht, I. Teil: Das Recht 
des altgriechischen Gemeindestaats, Leipzig 1909. 
Puntschart, Schuldvertrag und Treugelöbnis des sächsischen 
Rechts im Mittelalter, Leipzig 1896. 

Rawlinson, The cuneiform inscriptions of Western Asia, London. 
Kevue d'assyriologie et d'archeologie Orientale. 
Seh eil, Une saison de fouilles ä Sippar (Memoires publies par 
les membres de l'institut Francais d'archeologie Orientale du 
Caire t. 1), Le Caire 1902. 

Tallquist, Die Sprache der Contracte Nabü-na'ids, Helsing- 
fors 1890. 

Kohler-Peiser, Urkunden aus der Zeit der dritten babyloni- 
schen Dynastie, Berlin 1905. 

Vorderasiatische Tontafeln (Berlin, Museumsnummern). 
Vorderasiatische Schriftdenkmäler der Königlichen Museen zu 
Berlin, herausgegeben von der vorderasiatischen Abteilung, 
Leipzig 1907 f. 

Strassmaier, Die altbabylonischen Verträge aus Warka (Ver- 
handlungen des 5. internationalen Orientalistenkongresses zu 
Berlin, Sem. Sekt.), Berlin 1882. 

Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. 
Zeitschrift für Assyriologie und verwandte Gebiete. 
Zeitschrift für Keilschriftforschung. 



Erster Teil. 

Die altbabyloniscken Eechtsquellen. 
§ i. 

Die Bürgschaft begegnet in den altbabylonischen Rechtsquellen 
nur selten. Der K. H. erwähnt sie nicht, und wir sind daher auf ver- 
einzelte Hinweise in den Rechtsurkunden angewiesen. Indessen er- 
fahren wir auch aus diesen nur wenig über die Begründung und Ab- 
Wickelung bürgschaftsrechtlicher Verhältnisse. Wenn die Quellen 
überhaupt die Bürgschaft erwähnen, so geschieht dies in der Regel 
in der Weise, daß in Schuldurkunden die Verbürgung kurz angemerkt, 
festgestellt wird, daß eine bestimmte Person Bürge sei. Angesichts 
dieser Beschaffenheit des Quellenmaterials gewinnt eine weitere Er- 
kenntnisquelle, die juristische Terminologie, erhöhte Bedeutung. Wenn 
die Rechtssprache anderer Rechte uns Kunde über die Gestaltung von 
Rechtsinstituten für Zeiten bewahrt hat, in die keine urkundliche Über- 
lieferung hinabreicht, und wenn daher von der rechtsgeschichtlichen 
Forschung der juristische Sprachgebrauch mit Erfolg als Erkenntnis- 
mittel verwertet wird, so erscheint eine Untersuchung der Termino- 
logie des altbabylonischen Bürgschaftsrechts nicht als ein von vorn- 
herein aussichtsloses Beginnen, über das Wesen des Bürgschaftsinstitutes 
dieser Zeit sich Aufschluß zu verschaffen. 

Der technischen Bezeichnungen für „Bürge, bürgen" kennt die 
altbabylonische Rechtssprache mehrere. Schon seit längerer Zeit be- 
kannt ist die Urkunde M. 61 1 ), eine Personenmiete. Sie lautet: 



"' U-bar-rum 
iüi ra-ma-ni-su 
m A-na- üa Samas-li-zi 
a-na icarhim l kam 
5 i-gur-su. 
Ici-is-ri icarhim l kam 



Den Ubarrum 

hat von ihm selbst 

Ana-Samas-lisi 

auf einen Monat 

gemietet. 

Als Lohn -für einen Monat 



l) H. G. III 567. 

Koschaker: Babylon.-assyr. Bürgschaftsrecht. 



Der Bürge als mükil qaqqadim. 



hat er % Sekel Silber 

erhalten. 

Samas-tajäru 

ist der, welcher hält 

sein Haupt. 



% siqü kaspim 
ma-hi-ir. 

m il " Samas-ta-ia-ru 
10 mu-ki-ü 
ga-ag-ga-di-su. 
Zeugen, Datum. 2 ) 

Die Bedeutung des Ausdrucks mulilqaqqadisu hat schon Meissner 3 ) 
im wesentlichen richtig bestimmt, indem er mukü als Partizip des Piels 
von Jcälu (?"0) 4 ) erklärte und demnach den ganzen Ausdruck mit 
„Beschützer, Rechtsvertreter" übersetzte. Sachlich kann es sich wohl 
nur um einen Bürgen für den Arbeitsnehmer handeln. 5 ) 

Mit denselben Worten wird das Eintreten des Bürgen charakte- 
risiert in G. 51 (=H. G. IV 864) 6 ), einem Gelddarlehen Z. 7 f.: ÜD- 
-eburi-KU(S) Jcaspam u MAS-Bl (9) Nl-LAL-E. (10) ga-ga-zu ilu Nin- 
-ib [. . .] (11) u-ka-al (7) „zur Zeit der Ernte (8) wird er (der Schuldner) 
das Silber und seine Zinsen (9) darwägen. (10/11) Sein (d. h. des 
Schuldners) Haupt hält Ninib [. . .]". 7 ) Hingegen möchte ich nur mit 
Vorbehalt G. 45 (= H. G. IV 999, 25. (?) Jahr Hammurapis) hierher 
stellen: Huzälum mietet vom Samastempel ein Rind auf 1 Jahr gegen 
3 Kur Getreide, die er zur Zeit der Ernte darmessen wird. Z. 10f. r 
am Ende der Urkunde, ist nun nach Gautier zu lesen: (10) hi-ma 
U-bar- ilu Samas (11) barem (12) a-na ga-ga-su Sa-u(?)-ru(?) (13) u-kal. 
Die Stelle ist dunkel. 8 ) Am nächsten läge es, qaqqasau als Objekt 
zu ukdl zu fassen und demnach ebenso wie in G. 51 zu übersetzen: 

„sein (des Schuldners) Haupt hält Sa ". Allein dann hängt ana in 

Z 12 in der Luft. Andrerseits kann aber qaqqassu nicht von ana ab- 
hängen, da wir dann, wie mir Ungnad mit Recht (brieflich) be- 
merkt, den Genetiv ga-ga-di-su erwarten müßten. Ferner bleibt völlig 



2) Aus der Zeit Harnmurapis oder Samsu-ilunas. 

3) APR p. 138. 

4) In der Bedeutung „halten, tragen". Vgl. Delitzsch p. 319, Mnss- 
Arnolt p. 379. 

5) In diesem Sinne schon Peiser, KB IV p. 49, ferner Kohler, H. G. I 
p. 113, III p. 237, Cuq, nouvelle revue historique 34 p. 453, Schorr, WZKM 24 
p. 334 f. 

6) Aus dem 38. Jahre Hammurapis. Korrekturen zum Texte Gautiers bei 
Ungnad, OLZ 13 p. 209, Schorr, WZKM 24 p. 335, 458. 

7) So Gautier und Ungnad. Schorr 1. c. liest hinter H"Nin-ib nichts 
mehr und bezieht daher ««2VYw*& auf den Tempel des Gottes Ninib. 

. «) Gautiers Übersetzung: ,.ä l'egal de Ubar-Samas, le voyant, pour son 
capital, Sauru ^eiij jouira" ist sicher unrichtig. 



resam kullu. 5 

unklar, welche Rolle Ubar-Samas spielt. 9 ) Ungnad 10 ) hält es für 
möglich, in Z. 12 a-na ga-bi-e (d. h. auf Befehl, im Auftrag) zu lesen. 
Träfe dies zu, so käme die Urkunde für uns gar nicht in Betracht. Auf 
jeden Fall ist sie aber in ihrem derzeitigen Zustande mit Sicherheit 
nicht zu verwerten. 11 ) Eine Lösung der Zweifel, zu denen sie Anlaß 
gibt, ließe sich nur von einer Nachprüfung am Original erwarten. 
Welche Vorstellung liegt nun der Redeweise: „der Bürge hält 
(erhebt) das Haupt 12 ) des Schuldners" zugrunde? 

Einen Anhaltspunkt gewährt hier die Verbindung resam, Jcullu = 
„den Kopf halten". Sie findet sich formelhaft in den altbabylonischen 
Briefen unter den Segenswünschen an den Adressaten, mit denen der 



9) Mit Schorr, WZKM 24 p. 334, 458 zu übersetzen: „An Stelle des Ubar- 
Samas, des Wahrsagers, wird X sein Haupt halten", erscheint nicht unbedenklich, 
ganz abgesehen davon, daß auch hier das ana in Z. 12 nicht berücksichtigt wird. 

10) Nach brieflicher Mitteilung. 

11) Hingegen vermag ich im Gegensatz zu Kohler, H. G. IV p. 91 und 
Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 453 von einer Bürgschaft nichts zu finden in VS VIII 
113/114 (= H. G. IV 1038, 12. Jahr Hammurapis). Die Urkunde lautet nach einer 
mir von Ungnad freundlichst zur Verfügung gestellten Umschrift: (1) cqlam am 
Anum-pi-sa u-se-zi-ma (2) Anum-pi-sa ga-ga-su u-bi-il-ma (3) eqlam Ur-ra-i-mi-ti y 
(4) »'Ib-ni- ilu Amurrum, (5) ^i^Samas-sulüli, (6) as-sum eqlam erresum(?) sa SAL- 
-ME üuSamas (7) la u-ba-u (?), (8) a-na I$)-si-i (?) [a-n]a e-ri-su-tim (9) a-na sa- 
-lu-us idi-nu. (10) sa]-lu-ns-ta-am SAL-ME ^"Samas (11) i-]za-az „nachdem da» 
Feld Anum-pisa gepachtet (2) und darnach sein Haupt getragen (gebracht) hatte, 
(3) haben das Feld Urra-imitti, (4) Ibni-Amurrum (5) (und) Samas-sulüli, (6) weil 

das Feld der Bewirtschafter der Samaspriesterin (7) nicht , (8) dem Ist 

[zu]r Bewirtschaftung (9) gegen Drittelabgabe gegeben. (10) Die Drittelabgabe 
wird die Samaspriesterin (11) als Anteil bekommen (??)." Der Urkunde läßt sich 
nur entnehmen, daß dem Anum-pisa die Pacht eines Feldes einer Samaspriesterin 
von drei Personen entzogen und dem Isi gegeben wurde. Aus welchem Grunde 
dies geschah, läßt sich nicht sagen, so lange Z. 7 unklar bleibt. Es liegen wohl 
Verhältnisse vor, wie sie K. H. § 178 voraussetzt, und vielleicht darf man an- 
nehmen, daß die Z. 3 — 5 genannten Personen die Brüder der SAL-ME Samas 
waren, die gemäß § 178 K. H. ihre seriqtum verwalteten. Was die Redensart 
qaqqadam wabälu in Z. 2, die wegen ihres Anklangs an qaqqadum kullu Kohler 
anscheinend zur Annahme einer Bürgschaft verleitet hatte, bedeutet, vermag ich 
nicht zu sagen. Sie bezeichnet anscheinend den Vorgang, der zur Auflösung des 
Pachtverhältnisses führte. Bürgschaft liegt sicherlich nicht vor. 

12) Kohler, H. G. IV p. 91 meint, daß qaqqadum in dieser Verbindung 
„Kapital, Geldsumme" bedeute. Allein diese Übersetzung ist mindestens für 
M. 61, wo es sich sicher um keine Summenschuld handelt, ausgeschlossen. Ferner 
ist qaqqadum = Kapital in der altbabylonischen Rechtssprache im Gegensatz zu den 
assyrischen und neubabylonischen Urkunden (vgl. Delitzsch p. 592, Muss- 
Arnolt p. 924, Meissner, APR p. 117, Johns, ADD III p. 8, 256) m. W. nicht 
gebräuchlich. Ich finde es in dieser Bedeutung nur im K. H. § 102 Z. 22: 
ga-ga-ad kaspim „Kapital" im Gegensatz zu den Zinsen, wozu das griechische 
ctQyvQiov xicpdluiov und das deutsche houbctgelt (vgl. Grimm, Recbtsaltertümer* 
II p. 160) zu vergleichen wären. 

1* 



4 resam kullu. 

Briefschreiber den Brief einzuleiten pflegt, und zwar in folgender 
Gestalt 13 ): 

a) ilum ndsirka reska ana damiqtim likil „dein Schutzgott möge 
dein Haupt zum Glücke halten". 14 ) 

b) ilum ndsirka res damiqtika likil „dein Schutzgott möge das 
Haupt deines Glückes halten". 15 ) 

Die Phrase kann — dies lehrt der Zusammenhang sowie die Be- 
rufung auf den Schutzgott 16 ) — wohl nur den Sinn haben: dein 
Schutzgott möge dich schirmen, auf daß du Glück habest. Das mit 
resam kullu verwandte resam nasü = „das Haupt erheben" hat die 
Bedeutung „trösten". 17 ) Es ist dies eine sehr plastische Ausdrucks- 
weise. Das Beugen des Hauptes gilt als Zeichen der Niedergeschlagen- 
heit, der Trauer. 18 ) Wer das zu Boden gesenkte Haupt des Kranken, 
des Trauernden aufrichtet, erhebt, „tröstet" ihn. Daraus folgt dann 
ungezwungen die weitere Bedeutung „helfen, unterstützen". 19 ) Wer 
aber unterstützt, beschirmt und beschützt auch 20 ), und diese Bedeu- 
tung möchte ich dem resam kullu in den angeführten Redensarten 
unterlegen. „Dein Schutzgott möge dein Haupt halten" heißt: er 
möge dich schützen, und zwar „zum Glücke", d. h. damit du Glück 



13) Vgl. auch King III p. 24 n. 1, Montgoniery p. 8, Landersdorfer 
p. llf., Ungnad, BA VI 5 p. 38. 

14) CT II 11 8 , IV 24 a 7 (Landersdorfer Nr. 7 und 10); VS VII 198 7 , 200 T , 
202 8 , 203 7 (Ungnad, BA VI 5 Nr. 12, 14, 16, 17). In VS VII 190 6 (Ungnad Nr. 3) 
heißt es: W»Marduk na-s\i-ir-ka ri-es-ka?] a[-na] d[a-m]i-i[q]-tim('?) [li]-ki-[i]l 
„Marduk, [dein] Schutz(gott), möge [dein HauptJ z[um] Glücke halten". 

15) CT II 12 7 (Montgomery Nr. 1), 29 8 , IV 28 4 (Landersdorfer Nr. 2 
und 11), VS VII 199 8 , 201 8 (Ungnad, a. a. 0. Nr. 13, 15). 

16) Über diese religiöse Vorstellung vgl. Landersdorfer p. 13, Jastrow, 
Die Religion Babyloniens und Assyriens (Gießen 1905) I p. 193 f., Schrader, 
Die Keilinschriften und das alte Testament 3 p. 454 f. Vgl. ferner CT VI 36 a, 
eine Tempelstiftung ana ilisu „für seinen Gott" und dazu Schorr, AR I p. 17 f. 

17) Belege bei Muss- Arnolt s. v. nasü p. 732 unter ß, Delitzsch, p. 484 
unter c. Vgl. ferner Landersdorfer p. 12 n. 1. 

18) Für die Griechen und Römer vgl. Sittl, Die Gebärden der Griechen 
und Römer p. 155. 

19) Sie ist für resam kullu vielleicht anzunehmen in dem teilweise zer- 
störten und auch sonst vielfach unklaren Brief CT IV 36a Z. 12 f. (Landers- 
dorfer Nr. 15, vgl. auch p. 12): sa is-tu i-na-an-na a-di wa, i u Tebttinn a-ma-ah- 
-ha-ru ri-es-ka u-ka-al „was ich aber von jetzt bis zum Tebetum einnehme, damit 
werde ich dein Haupt halten", das heißt wohl: „damit weide ich dir aushelfen". 

20) Vgl. den Eigennamen Samas-kilianni (Muss- Arnolt p. .^79 unter b, 
Tallquißt, Neubabylonisches Namenbuch |Acta societatis scientiarum Fennicae 
32. Bd.] s. v. p. 192), der wohl nur bedeuten kann: „Samas beschütze mich". Ebenso 
wird man den Ausdruck mukil rei limuttim (Delitzsch p. 320 un'er a, Muss- 
Arnolt p. 380 unter a) zu erklären haben. Es ist derjenige, welcher „das Haupt 



Der Bürge als Beschützer des Schuldners. 5 

habest. 21 ) Wer vom Schutzgott geleitet und beschirmt wird, kann 
eben auf das Glück bauen. Er darf „erhobenen Hauptes" eiDhergehen 
und sich sicher fühlen. 22 ) Wir haben ja dieselbe Auffassung auch im 
Deutschen. Wer „erhobenen Hauptes" dasteht, ist stolz, befindet sich 
in gesicherter Stellung, weiß sich frei von Schuld und Verbindlich- 
keit. Der gleichen Vorstellung begegnen wir endlich in der Bibel: 
Hiob 11, 14f. (nach Kautzsch): „klebt Frevel an deiner Hand, entferne 
ihn und laß in deinen Zelten kein Unrecht wohnen! ja, dann wirst 
du dein Antlitz frei von Fehl erheben 23 ), wirst fest dastehen 
und brauchst dich nicht zu fürchten" 24 ), ferner Hiob 10, 16: „und 
hätte ich Recht, so sollte ich doch mein Haupt nicht erheben 25 ), 
gesättigt mit Schande und getränkt mit Elend, und wollte sich's er- 
heben, wie ein Leu wolltest du mich jagen und immer aufs neue deine 
Wundermacht an mir erweisen". 26 ) 

Diese terminologischen Feststellungen dürften es uns ermög- 
lichen, eine Erklärung für die Bezeichnung des Bürgen als muk'tl 
qaqqadim zu geben. „Der Bürge hält das Haupt des Schuldners" 
heißt: er tröstet, beschützt ihn. 27 ) Vor wem? Offenbar vor dem Gläu- 



der Bosheit hochhält", d. h. das Böse beschirmt, also der Unhold. A. M. Zimmern 
bei Jensen, KB VI 1 p. 415. Vgl. ferner den Terminus mukü res sarrim, zu dem 
Jensen, a. a. 0. p. 380 treffend bemerkt, „derjenige, welcher durch seine Dienste 
und Treue die Macht des Königs und darum dessen Zuversicht und Stolz erhöht". 
Es sei schließlich darauf aufmerksam gemacht, daß auch unser „trösten" 
im Mittelhochdeutschen die Bedeutung „unterstützen, schirmen, schützen" hat. 
Vgl. Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch s. v. troesten, Benecke- 
Müller-Zarncke, Mittelhochdeutsches Wörterbuch s. v. troeste. 

21) Ich halte diese Erklärung für richtiger als die Ungnads, BA VI 5 
p. 38: „Dein Schutzgott möge dein Haupt dem Guten, d.i. dem Glück entgegen- 
halten, fso daß du stets dein Glück vor Augen habest)". Die Bedeutung „ent- 
gegenhalten" scheint mir in kullu nicht zu liegen. Es heißt vielmehr „halten, 
hoch halten". So auch die Wörterbücher. 

22) Vgl. auch die Redensart resam 'ullü „das Haupt jemandes erhöhen", 
d.h. jemanden zu Ehren bringen. Delitzsch p. 62. 

•23) ?pas «top. 

24) Auf diese Stelle weist schon Landersdorfer p. 13 hin. 

25) itän Kteir»b. 

26) Vgl. auch IV R 48 Nr. la, 13—14 (zitiert nach Delitzsch p. 484, Muss- 
Arn olt p. 732): iteSamai wi-sa-ru re-is-su i-na-as-si-i{k?] „Samas, die Gerechtig- 
keit erhebt zu dir ihr Haupt", d. h. sie darf dir als Gott des Richtens und der 
Gerechtigkeit (vgl. Winckler, Die Gesetze Hammurabis p. VIII) frei ins Antlitz 
schauen, sie wird von dir geschützt. Vgl. ferner den Brief CT IV 28 (Landers- 
dorfer 11 und p. 12) Z. 32f.: a-na-lcu a-na ri-iJ:-li-ia-ma ri-ia (? it-La-al „ich 
werde betreffs meiner Zukunft (?) das Haupt erheben", d.h. zuversichtlich sein. 

27) Es sei bemerkt, daß auch dem deutschen „bürgen" von Haus aus die 
Bedeutung „behüten, bewahren, sichern" zukommt. Vgl. v. Amira II p. 45, 



6 Der Bürge als Beschützer des Schuldners. 

biger. 28 ) Er bewirkt, daß der Schuldner dem Gläubiger gegenüber 
„sein Haupt erheben", d. h. sich vor ihm sicher wissen kann. 

Dem am römischen und modernen Recht geschulten Juristen mag 
diese Auffassung von der Bürgschaft allerdings sonderbar erscheinen. 
Im entwickelten römischen Rechte ist der Bürge ein akzessorischer 
Schuldner, der neben dem Hauptschuldner dasselbe wie dieser schuldet 
und so die Forderung des Gläubigers sichert. Der altbabylonische 
terminus technicus für den Bürgen setzt aber voraus, daß der Bürge 
den Schuldner vor dem Gläubiger sichert. Dem scheint die Vor- 
stellung zugrunde zu liegen, daß der Bürge durch sein Eintreten den 
Schuldner dem Zugriffe des Gläubigers entzieht, indem dieser sich jetzt 
zur Befriedigung seiner Forderung an den Bürgen halten kann. Weit 
näher stehen einer solchen Auffassung das altgriechische und die ger- 
manischen Rechte, nach welchen der Bürge überhaupt nicht Schuldner, 
sondern nur Hafter ist, der ursprünglich mit seinem Körper, später 
mit seinem Vermögen dem Gläubiger als Satisfaktionsobjekt dient, 
wenn der Schuldner nicht rechtzeitig erfüllt. Eine Haftung des 
Schuldners, die auch ihn der Zugriffsmacht des Gläubigers uuterwirft, 
braucht dann gar nicht vorzuliegen.- 9 ) Selbstverständlich ist mit dem 
eben Ausgeführten noch kein Beweis erbracht, daß auch das alt- 
babylonische Bürgschaftsrecht von diesen Vorstellungen beherrscht war. 
Andere Anhaltspunkte hierfür werden sich indessen später ergeben. 
Hier möchte ich nur noch auf eine weitere terminologische Erschei- 
nung hinweisen. 

Die Sprache der germanischen Rechte verwendet die bürgschafts- 
rechtliche Terminologie, da ja der Bürge Hafter zat' s^opjv ist, und 
zwar in der Weise, daß der Schuldner, will er selbst haften, für sich 
selbst als Bürge auftritt, nicht nur auch zur Charakterisierung der 
Haftung des Prinzipalschuldners, sondern sogar der Pfand(Sach)haftung. 
So „steht" nach dem Sprachgebrauch der sächsischen Rechtsquellen 
nicht nur der Bürge und persönliche Schuldner, sondern auch das 
Pfand „für die Schuld". 30 ) Ebenso dient „bürgen" zur Bezeichnung 
der Bürgen-, Schuldner- (Selbstbürgschaft) wie der Pfandhaftung. 31 ) In 



Puntschart p. 164. Ferner hat „trösten" im Mittelhochdeutschen auch die 
Bedeutung „bürgen", „troestaere" ist der Bürge. Vgl. Lexer, a. a. 0. s. v. 
troesten, troestaere, Benecke-Müller-Zarncke, a. a. 0. s. v. troestaere. 

28) So zutreffend Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 428. 

29) Vgl. Partsch, p.l2f., 20f., 159f., v. Amira I p. 694, 701, II p. 71f., 
840f., Puntschart p. 162f., Gierke p. 57f., lOüf. 

30) Puntschart p. 137f., 142f. : 150 f. 

31) Puntschart p. I65f., 169f. Über das nordische Recht v. Amira 11 



resam kullu = haften, BE VI, 103. 7 

demselben Sinne wird im nordischen Recht das Wort tah (Zugriff, 
Haftung) verwendet. 32 ) 

Es vermöchte daher unsere vermutungsweise vertretene Auffassung 
von dem Wesen der altbabylonischen Bürgschaft nur zu stützen, wenn 
wir in der Rechtssprache dieser Zeit eine ähnliche terminologische 
Entwicklung konstatieren könnten. Dies ist nun, wie ich glaube, in 
der Tat der Fall. Das Bürgenwort resam Jcullu hat die Bedeutung 
„haften" schlechthin angenommen. Allerdings ist mir bisher nur eine 
Stelle bekannt geworden, an der diese Beobachtung mit einiger Sicher- 
heit gemacht werden kann. Zudem bietet die betreffende Urkunde, 
BE VI X 103 33 ), trotz der relativ guten Überlieferung des Textes der 
Erklärung zahlreiche Schwierigkeiten und hat daher ebensoviele Deu- 
tungen als Interpreten gefunden. 34 ). So wenig verlockend es daher ist, 
die Zahl der Lösungs versuche zu vermehren, so muß doch angesichts 
der Wichtigkeit des Belegs zu ihm Stellung genommen werden. Die 
Urkunde lautet, soweit sie für uns in Frage kommt 35 ): 

as-sum 60 kur se'im Wegen 60 Kur Getreide 

sa Gi-mfl-lum, zu-ha-rum™) sa des Gimillum, Verwalters 36 ) des 

ilu Marduk-mu-sa-lim, Marduk-musallim, 

mär Ü-tul-Istar, Sohnes des Utul-Istar, 
a-na ga-hi-e I-lu-ni, mar Si-iz-za- (welche) im Auftrage des Ilüni, 

-tum, Sohns des Sizzatum 

5 | Warad- ila Sin, mär E-ti-rum, j Warad-Sin, Sohn des Etirum, i 



p. 45 f. Über den ähnlichen Gebrauch rem „Pflicht" siehe Puntschart p. 189f. 
Zu verwandten Erscheinungen in den mittelalterlichen französischen Rechtsquellen 
vgl. Egger, Vermögenshaftung und Hypothek nach fränkischem riecht, Bres- 
lau 1903 p. 28f., 36, 58. 

32) v. Amira II p. 53 f. Über einen ähnlichen Sprachgebrauch im grie- 
chischen Recht, namentlich über das Bürgenwort avaSirsö&cci siehe Partsch 
p. 69f., 117 f. Für das römische spondere, das ursprünglich die Tätigkeit des 
Bürgen, später erst die des Hauptschuldners bezeichnet, vgl. Mitteis, Festschrift 
für Bekker p. 120 f. 

33) H. G. 1H 745, aus dem 4. Jahre Ammisadugas. 

34) Vgl. Schorr, AR II p. 57f., D. H. Müller bei Schorr, a. a. 0. p. 60, 
Kohler, H. G. III p. 255, Cuq, RA VII p. 94 f., Rhodokanakis, WZKM 24, 
p. 323; neuestens abermals Schorr, WZKM 24 p. 459f. 

35) Ich folge der Umschrift Schorrs, a. a. O. p. 54 f. 

36) So richtig Schorr, AR II p. 58, WZKM 24 p. 335. Vgl. ferner Gautier 
p. 100. Dieselbe Bedeutung für zuheirum wird erfordert noch in G. 67 6 und 
CT VI 27b Z. 8 (Landersdorfer Nr. 21): zu-ha-ar-su sattu 50 i-tta li-ib-bi a-si-ib 
„als sein Verwalter saß ich 50 Jahre darauf" (d. h. auf dem Grundstück). Ob das Wort 
identisch ist mit zuheirum, fem. zvhartttm „junger Mann (junges Mädchen)" 
(vgl. CT VI 23 n , 27 a~, 34 a 6 , 6 , VS VII 10 10 ) mag dahingestellt bleiben. Dafür 



BE VIj 103. 



a-na ki-ip-tim il-ku-u. zum Ausborgen empfangen hatte. 37 ) 

u sar-rum mi-sa-ra-am is-ku-nu-ma Und nachdem der König ein Ge- 
setz erlassen hatte. 



m Gi-mil-lum, zu-ha-rum sa ilu Mar- 

duk-mu-sa-lim, 
u I-lu-ni, mär Si-iz-za-tum, 
10 il-li-ku-nim-ma 
a-na Warad- ilu Sin, mär E-ti-rum, 

ki-a-am iq-bu-u 
um-ma su-nu-ma: 
se-um sa ni-id-di-na-ak-kum 
ri-sa-am Ji-ki-il. 
15 an-ni tarn iq-bu-u-ma 
um-ma Warad- il "Sin-ma: se-am ta- 

-ad-di-na 
u-id a-ku-ul. a-na ki-ip-tim ad-di- 

-im-ma 
sar-rum mi-sa-ra-am is-ta-ka-an. 
a-na e-mu-ki-im ii-te-ir-ru-su. rell. 



sind Gimillum, der Verwalter des 

Marduk-inusallim, 
und Ilüni, Sohn des Sizzatum, 
gekommen. i» 

Zu Warad-Sin, Sohn des Etiruni, 

sprachen sie 
folgendermaßen: 

„Das Getreide, welches wir dir gaben, 
möge das Haupt halten". 
Nachdem sie dies gesagt hatten, i& 
(sprach) Warad-Sin Folgendes : „Das 

Getreide, (welches) ihr gäbet, 
verbrauchte ich. nicht. Nachdem ich. 

es zum Ausborgen gegeben hatte, 
hat der König ein Gesetz erlassen. 
Nach Kräften werde ich es zurück- 



geben". 

Den Tatbestand der Urkunde möchte ich dahin bestimmen, daß 
über Anweisung (ana qabi) ss ) Ilünis Warad-Sin von Gimillum, dem 



neuestens Schorr, WZKM 24 p. 459 n. 4, der einer Anregung D. H. Müllers 
folgend zuhdrum mit „Sklave" übersetzt. Ich habe dagegen Bedenken. Doch 
ist dieser Punkt für die Erklärung der Urkunde nicht relevant. 

37) Ich folge der Übersetzung Ungnads. Schorr 1. c. übersetzt: „wegen 
60 Kur Getreide, welche Gimillum .... im Auftrage des Ilüni .... für (j = ana\ 
Warad-Sin . . . genommen hatte". Allein abgesehen von sachlichen Schwierig- 
keiten muß Schorr in Z. 5 für den Personenkeil vor Warad-Sin den Wert <nia 
annehmen, wofür in den altbabylonischen Urkunden keine Belege zu finden sind. 
Allerdings bietet bei der Übersetzung des Textes ilgu in Z. G, das man zunächst 
als Plural zu fassen geneigt wäre, Schwierigkeiten. Allein dieses Bedenken 
verschwindet, wenn man annimmt, daß der Schreiber in Z. 4 vor ana qabi ein 
sa ausgelassen habe. Ilqü ist dann Subjunktiv. Vgl. Ungnad, Babyl. assyr. 
Grammatik § 32c. 

38) Über die juristische Bedeutung des Ausdruckes ana qabi (wörtlich: 
„auf Sagen, Befehl, Auftrag") handelt neuestens Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 431 f. 
Man war bisher der Meinung (vgl. Schorr, AR I p. 158, Kohler, H. Q-. III 
p. 224), daß «)ia naht ein Yollmaehtsverhältnis bezeichne und zwar im Sinne der 
direkten Stellvertretung. In dieser allgemeinen Formulierung läßt sich indessen 
diese Ansicht seit Cuqs Darlegungen m. E. nicht mehi halten. Köhler beruft 
sich auf den Pachtvertrag CT VIII 19b mit dem Schema: „Das Feld des A haben 
ana qabi des B BCDE gepachtet" und meint, daß B hier durch seine Vertrags- 



BE VI, 103. 9 

Vertreter des Marduk-musallini, 60 Kur Getreide erhielt mit dem Auf- 
genossen vertreten werde. Das scheint mir trotz Cuqs Bedenken wenigstens 
möglich, und wenn in dem Ehevertrage CT VIII 7b Kisirtum ana qabi ihres 
Bruders ihre Schwester verheiratet, die Quittung über den Brautpreis von ihr 
und dem Bruder ausgestellt wird, so wird man wohl am besten in Kisirtum auch 
die Vertreterin ihres Bruders beim Vertragsabschlüsse sehen dürfen. 

Allein M. 4: „von A hat ana qabi des B C eine Quantität Öl zum Ankauf 
von Sklaven erhalten; wenn er (C) die Sklaven nicht liefert, wird B den Geld- 
wert des Öls ersetzen' 1 ist mit Cuq, a. a. 0. p. 446 wohl als Kreditmandat zu 
erklären. Ferner ist in einer Reihe von Darlehensurkunden mit dem Schema: 
„x hat von A ana qabi des B C erhalten" (VS VII 93, 119, 143, BE VI 2 116, KB 
IV p. 34 I) ana qabi nicht auf ein Stellvertretungsverhiiltnis zu beziehen in dem 
Sinne, daß C als Vertreter des B die Darlehensvaluta empfängt, sondern mit „auf 
Anweisung" zu übersetzen. Das ergibt VS VII 141, wo wir zwei Darlehens- 
schuldner ana qabi eines Dritten haben, die aber wie der Plural imadadü (sie 
werden das empfangene Getreide zumessen) in Z. 15 beweist, persönlich zur 
Rückgabe verpflichtet sind. Noch deutlicher ist VAT 701 (Meissner, MVAG 10 
p. 269): hier nehmen 2 Personen ana qabi eines Dritten zu einer Handelsreise 
ein Darlehen auf, das sie nach Beendigung der Reise zurückgeben sollen. Es 
kann kein Zweifel sein, daß sie im eigenen Interesse kontrahieren. Vgl. ferner 
VS VII 138: y s siqil Tcaspim sa A a-na ga-bi-e l'< e-li C u D i-su-u „% Sekel 
Silber, die A ana qabi des B von C und D zu fordern hat". Die persönliche 
Verpflichtung von C und D ist, wie sich noch unten (§ 3) ergeben wird, außer 
Frage. Eine Vertretung auf der Gläubigerseite aber erscheint schon durch den 
Wortlaut ausgeschlossen. 

Das interne Verhältnis zwischen Assignanten und Assignatar bzw. Assignaten 
kann natürlich ein sehr verschiedenes sein und ist in der Regel der Urkunde 
nicht zu entnehmen. Nur in einigen Fällen gestattet die Beschaffenheit des Textes 
hier einen Wahrscheinlichkeitsschluß. So wenn in VS VII 119 der Vorsteher des 
Palasttores (mu'irrum sa bdb ekallim vgl. Ungnad, BA VI 5 p. 54) ana qabi des 
Hofgeschäftsmannes (tamqar ekallim) ein Darlehen zum Ankauf von Getreide gibt. 
Hier ist der tamqar ekallim wohl der Verwaltungsbeamte, der den Chef der 
Hofkasse zur Auszahlung des Betrages anweist. Vgl. auch Cuq p. 433 TST . 8. 
Ähnlich werden VS VII 93 (Cuq p. 432 N°. 3) und 143 zu erklären sein. Zweifel- 
hafter ist VS VII 92 (= H. G. HI 534). Hier mietet von A C dessen Rind ana 
qabi des B und am Schlüsse bestätigt B dem C eine Anzahlung auf das Miet- 
geld. Cuq p. 431 N°. 2 meint, daß A aus irgend einem Grunde in der Verfü- 
gung über sein Eigentum an die Zustimmung des B gebunden gewesen sei, die 
eben durch ana qabi zum Ausdrucke gebracht werden solle. Daß ana qabi diese 
Bedeutung haben kann, hat Cuq aus zwei Pachturkunden CT VIII 3b und M. 74 
wahrscheinlich gemacht. Hier verpachten Priesterinnen ana qabi einer Person 
(und zwar ist es in CT VIII 3b der Bruder) ein Grundstück. Es handelt sich 
wohl um zur seriqtum der Priesterin gehörige Liegenschaften, deren Verpachtung 
ihr nach § 178 K. H. nur unter Beschränkungen gestattet ist. 

Die Klausel begegnet überhaupt häufig in Pachtvertragen und zwar in fol- 
gender Verbindung: „das Feld des A hat von A ana qabi des B C gepachtet". 
Vgl. CT IV 14a, VIII 10a, 10b (dazu CT VIII 14a und Cuq p. 432 N°. 4, dessen 
Deutung ich kaum für richtig halte), VS VII 100, 130, BE VI, 110 (Schiffsmiete). 
Wie die Klausel in diesen Texten zu deuten ist, möchte ich derzeit dahingestellt 
sein lassen. Die Möglichkeit einer Stellvertretung scheint mir nicht ausgeschlossen. 
Jedenfalls aber ergeben die hier angeführten Quellenbelege, daß die im Texte 
vorgeschlagene Übersetzung von ana qabi keine willkürliche ist. 



10 BE VI t 103. 

trage, sie gewinnbringend weiter zu verleihen. 39 ) 40 ) Für die Rückgabe 
des empfangenen Getreides haftet er persönlich Marduk-musallim (also 
direkte Stellvertretung auf der Gläubigerseite). Das ergibt sich aus 
Z. 40 f., wo von einer Quittung (kanikum) des Warad-Sin über 60 Kur 
Getreide die Rede ist, die sich im Urkundenbehältnis (pisannum) des 
Marduk-musallim befindet und zum Zeichen der Aufhebung der Ver- 
bindlichkeit Warad-Sins vernichtet werden soll. Es wäre ja vielleicht 
grammatisch auch möglich, Warad-Sin als Vertreter des Ilüni aufzu- 
fassen, für den (in dessen Auftrag) er die 60 Kur Getreide von Gi- 
millum entlehnt. Allein da es Z. 13f. und 16 ausdrücklich heißt, daß 
das Getreide von Ilüni und Gimillum dem Warad-Sin gegeben wurde, 
so muß Ilüni auf der Gläubigerseite stehen. Er „gibt" eben das Ge- 
treide im Gegensatz zu Gimillum indirekt durch Anweisung. 

Nun hat der König ein „Gesetz" oder wie Müller bei Schorr 
1. c. misaram iskun prägnanter übersetzt „einen Gnadenakt erlassen". 
Ich schließe mich, obwohl für misaram sakdnu diese Bedeutung mit 
Sicherheit nicht nachzuweisen ist 41 ), doch dieser Übersetzung an, weil 



39) Richtig Schorr 1. c, wie Z. 17 f. ergibt. Ungenau Ungnad 1. c, der 
ana qiptim in Z. 6 „auf Borg" übersetzt. 

40) Ähnlich faßt den Tatbestand Rhodokanakis, WZKM 24 p. 323f. 

41) Misarum von -|£i (gerade, recht sein) bedeutet „Gerechtigkeit, Recht" 
(vgl. Delitzsch p. 312, Muss-Arnolt p. 611) und entspricht in seiner Etymo- 
logie directum, diritto, droit (vgl. Brunn er, deutsche Rechtsgeschichte F p. 151). 
Es ist dann weiter speziell das „gesatzte Recht, Gesetz". Vgl. K. H. col. XXIV 
Z. 84 f.: i-na ki-bi-it HfSamas . .. mi-sa-ri i-na mätim li-is-te-pi ,,auf Geheiß des 
Hamas . . . möge meine Gesetzgebung im Lande erstrahlen", col. XXV r Z. 64 f.: 
a-wa-a-at mi-sa-ri-im sa i-na narc-ia as-tu-ru „das Wort des Gesetzes, welches 
ich auf mein Denkmal schrieb". Hammurapi nennt sich in seiner Inschrift aar 
misarim (die Stellen bei Ungnad, H. G. II p. 194) „König der Gerechtigkeit" 
oder vielleicht prägnanter (Ungnad) „gesetzgebender König". Misaram sakdnu 
heißt dann „Recht setzen, ein Gesetz geben". Vgl. K. H. col. V Z. 21 f.: »ii-.iu- 
-ra-am i-na pi ma-lim as-ku-un „das Gesetz in der Landessprache gab ich". 

An sich kann dann misarum natürlich auch ein Spezialgesetz, eine Einzel- 
verfügung des Königs bedeuten. So vielleicht in dem von Schorr, a. a. 0. 
p. 59 herangezogenen Datum sattum IJammurapi misaram iskunu (2. Jahr), das 
sich nicht auf die Publikation des K. H. beziehen kann. Vgl. allerdings auch 
Ed. Meyer, Geschichte des Altertums 2 I, 2 p. 568. Demnach brauchte man das 
von Thureau-D angin, OLZ 11 p. 93 mitgeteilte Datum eines Kaufvertrages 
aus Hana (jetzt publiziert von Thureau-Dangin, JA 14 p. 1 l',)f . der zugehörige 
case-tablet bei Schorr, Babyloniaca III p. 266f.) sattum Ka-as-ti-li-ifa-iju [iarj- 
rum me-sa-ra is-ku-nu nicht notwendig mit Ed. Meyer, a. a. O. p. 588 auf eine 
Kodifikation des Königs Kastiliasu zu beziehen. 

Nun kann ja allerdings miiaram sakdnu auch ,, Hecht sprechen" — so übt r- 
setzt Ungnad 1. c. in unserer Urkunde die Phrase — bedeuten. Vgl.CTV] 42a 
Z. I3f.: da-ia-nu i-na bit * lu Sama$ . . . wa-ar-ki Sa-mu-la-ilum mi-ia-ra-am üf- 
-ku-nu „die Richter im Samastempel . . . nach (König) Samu-la-el Recht sprachen 



BE VIj 103. 11 

sie für das Folgende die Möglichkeit einer Erklärung anbahnt. 42 ) Man 
wird unter diesem „Gesetz" mit Müller ein Moratorium oder eine 
partielle Seisachthie zu verstehen haben, die der König zugunsten ge- 
wisser Personen, unter denen sich auch die Schuldner des Warad-Sin 
befanden, angeordnet hatte. Daß sein Inhalt nicht näher angegeben 
wird, braucht nicht zu befremden, da er offenbar unter den Parteien 
■als bekannt galt und daher eine nähere Bezeichnung des Gesetzes 
dem Schreiber überflüssig schien. Dies vorausgesetzt, war zu er- 
warten, daß Warad-Sin mit der Motivierung, daß er auftragsgemäß 
gehandelt habe, den Schaden — er war für 60 Kur verantwortlich, 
■die er infolge des „Gesetzes" von seinen Schuldnern nicht im vollen 
Betrage oder nicht rechtzeitig hereinbringen konnte — auf seine Auf- 
traggeber abzuwälzen suchen werde. In diesem Sinne scheint er sich 
denn auch in der Tat in Z. 17 — 19 zu verantworten, als ihn Gimillum 
und Ilüni wegen der 60 Kur Getreide angehen. Sie beide hatten den 
Schaden zu tragen, falls die Verantwortung Warad-Sins zu Recht be- 
stand, Gimillum beziehungsweise Marduk-musallim als Gläubiger, Ilüni 
aber insofern, als er als Assignant kraft des zwischen ihm und Mar- 
duk-musallim bestehenden Rechtsverhältnisses, das wir im übrigen nicht 
kennen, diesem zur Schadloshaltung verpflichtet war. 

Den Anspruch, den sie nun an Warad-Sin stellen, präzisiert die 
Urkunde mit den Worten Z. 13 f.: se'um sa niddinalrfnim resam likil. 
Daß dies dem Sinne nach bedeutet: „Du bist uns für das Getreide 
verantwortlich", haben Schorr, a. a. 0. p. 59 und Kohler, H. G. III 
p. 255 n. 1 richtig erkannt. Grammatisch richtiger ist jedoch, da 
se'imi Subjekt ist, die Übersetzung Ungnads 1. c: „das Getreide 
möge das Haupt halten" d. h. haften. Die Erklärung, warum auch 



sie". Allein vielleicht darf man diese ungewöhnliche Ausdrucksweise daraus 
erklären, daß die Richter vorliegenden Falls vom König delegiert waren und als 
seine Vertreter misaram iskunü. Dann aher bedeutet warki Samu-la-ilum wohl 
kaum: „nach den Gesetzen Samu-la-els u , wie man dies gewöhnlich annimmt, 
(vgl. neuestens Cuq, nouv. rev. hist 33 p. 405 f.), sondern weit eher die Verfügung 
des Königs, in der er die Richter delegierte. Anderenfalls enthielte die Aus- 
drucksweise auch einen Widerspruch. Denn man kann kaum sagen, daß die 
Richter „Recht setzen", indem sie lediglich das Gesetz des Königs anwenden. 
Ganz dunkel ist endlich BE VI t 8 (Hauskauf) Z. 16f.: der Käufer tä-tu Sarrum 
Su-mu-la-ilum misa-ru-am is-lcu-nu bi-tam .... i-sa-cm „hat, nachdem König 
Sumu-la-el ein Gesetz erlassen hatte, das Haus .... gekauft'' Auch in dem 
leider sehr fragmentierten Hauskauf KB IV p. 10 aus der Zeit Samu-la-els ist 
am Ende vor den Zeugennamen Z. 25 zu lesen: wa(?)-ar(?)-ki sar-ru-inn mi- 
-sa(?)-ra-am. 

42) Müller zustimmend Rhodokanakis, WZ KM 24 p. 323, dagegen Un- 
gnad, Deutsche Lit.-Ztg. (1909) Sp. 2776, Cuq, RA 7 p. 94f. 



12 BE VIj 103. 

von Sachen ein „Halten des Hauptes" ausgesagt werden konnte, glaube 
ich dahin geben zu können, daß resam lullu, von Haus aus zur Be- 
zeichnung der Bürgentätigkeit dienend, da der Bürge Hafter v.ax i%o-/j\v 
war, die Bedeutung „haften" schlechthin angenommen hat. Will man 
dies für richtig anerkennen, so betont aber die Phrase nicht so sehr 
die persönliche Verantwortlichkeit Warad-Sins, als vielmehr den 
Gesichtspunkt einer Sachhaftung, und man wird vielleicht annehmen 
dürfen, daß Gimilluni und Ilüni in der Hoffnung, daß Warad-Sin das 
Getreide noch nicht ausgegeben hatte, dessen Restitution verlangten^ 
um so dem „Gesetze' des Königs zu entgehen. Dies läßt uns wenig- 
stens die Verantwortung Warad-Sins, er habe das Getreide nicht für 
sich verbraucht, sondern bestimmungsgemäß verwendet, verstehen, wie 
es uns auch eine Erklärung gibt für das weitere Vorgehen der Gläu- 
biger. Z. 20f. wird berichtet se-am sa mu-us-ki-ne-tim , (21) sa i-na 
LH Warad- il "Sin (22) sa-ap-ht, im-su-hu „das Getreide der weiblichen 
Ministerialen(?), (21) welches im Hause des Warad-Sin (22) aufgespeichert 
war, haben sie vermessen". Man wird unter dieser „Vermessung" mit 
Müller bei Schorr, a. a. 0. p. 60 eine eigenmächtige Exekutionsmaß- 
regel zu verstehen haben, die, wie ich hinzufügen möchte, die Gläu- 
biger deshalb vornahmen, weil sie der Verteidigung Warad-Sins nicht 
glaubten und ihr Getreide noch bei ihm vorzufinden hofften. Sei es 
wegen dieses eigenmächtigen Vorgehens der Gläubiger, sei es auch 
darum, weil sie dabei auf fremdes Getreide gegriffen haben, klagt nun 
Warad-Sin gegen sie. Der Prozeß endigt schließlich durch Vergleich. 48a ) 
Anders erklärt Cuq, RA 7 p. 94 f. die Urkunde. Warad-Sin soll 
sich dahin verantworten, daß er das Getreide nicht früher zurückzu- 
geben verpflichtet sei, bis die Darlehen, zu denen er es verwendet 
habe, fällig seien. Dieses Recht sei ihm durch eine Entscheidung 
des Königs (misaram sakänu) zugestanden worden, die von den Richtern 
von Babel als königlichem Gericht gefällt worden sei. 43 ) Allein es- 



42a) Über diesen Punkt vgl. jetzt Schorr, WZKM24 p. 459f., dessen Er- 
gebnisse sich vortrefflich der im Texte vertretenen Rekonstruktion des Tat- 
bestandes einfügen. Demnach verliert Marduk-nraiallim entsprechend § 113 K.H. 
seine Forderung gegen Warad-Sin, muß aber von seinem Assignanten Ilüni, der 
wegen der eigenmächtigen Vollstreckung eine Buße an Warad-Sin -zahlt, bis zur 
Hälfte der Forderung schadlos gehalten werden. Daß er, wie Schorr meint, 
bezüglich des Restes durch die von seinem Agenten GimüTum vollzogene Exe- 
kution befriedigt sei, sagt die Urkunde nicht und ist auch nicht wahrscheinlich, 
da die Eigenmacht des Gimillum, für den Marduk-musallim verantwortlich war. 
doch auch eine Bestrafung erheischte. Sie liegt eben in dem Verlust der halben 
Forderung, der Marduk-musallim im Endergebnisse trifft. 

43) In diesem Sinne auch Kohler, H. G. III p. 255, der als Inhalt dieser 



resam kullu = haften. 13 

ist nirgends davon die Rede, daß sich die daiani Bäbili schon mit 
■der Sache befaßt haben — die Z. 8 f. erzählten Vorgänge spielen sich 
offenbar außer Gericht ab 44 ) — und es geht daher uicht an, in dem 
mtsaram salcänu ein Urteil dieses Gerichtshofes zu erblicken. 45 ) Die 
Richter von Babel werden vielmehr erst Z. 23 f. erwähnt, nachdem 
vorher von der „Vermessung" des Getreides durch Gimillum und Ilüni 
berichtet worden war. Es heißt hier: (23) Warad' lu Sin a-na Bäbili H 
(24) [ilj-li-ik-ma (25) dub(?)-b[i daiani]* 1 - Bdbili ki (26) a-na daiani* 1 - 
Sippar* ü-hi-a-am-ma „Warad-Sin (24) ging nach Babylon (25) und 
•die Urku[nde der Richter] von Babylon (26) für die Richter von 
Sippar empfing er sodann". Daran schließt sich der Bericht über die 
Prozeßverhandlung vor den Richtern von Sippar, vor denen sich Ilüni 
wegen der ihm vorgeworfenen „Vermessung" verteidigt. Die einfachste 
Erklärung dieses Passus scheint mir die, daß Warad-Sin wegen 
der eigenmächtigen Exekutionsmaßregel seiner Gegner sich an das 
Reichsgericht zu Babel 46 ) wendet, dessen Zuständigkeit vielleicht darin 
begründet sein mag, daß es sich um das Getreide von Ministerialen 
(muskenum), also von Personen handelt, die unter besonderem Schutze 
des Hofes stehen. Das Reichsgericht delegiert nun das Distrikts- 
gericht in Sippar, damit au Ort uud Stelle — der Speicher des Wa- 
rad-Sin lag anscheinend in Sippar — über die Sache verhandelt werde 
und händigt dem Kläger das Delegationsdekret (duppum) ein. Cuq 
sieht in diesem duppum das nominell vom König gefällte Urteil dieses 
Gerichtshofes, das der Kläger den Richtern von Sippar vorlegen soll. 
Allein man kann fragen, wozu jene das Urteil brauchen, da vor ihnen 
doch nicht über den Zeitpunkt der Rückgabe des Getreides, sondern 
über dessen eigenmächtige „Vermessung" durch Ilüni verhandelt wird. 

Außer in BE VI X 103 begegnet die Redewendung resam kullu noch 
in einigen Stellen, in denen sie möglicherweise die Bedeutung „für 
etwas verantwortlich sein, haften" haben könnte. Doch ist die Deu- 
tung dieser Stellen eine ganz unsichere, und ich beschränke mich 
daher lediglich auf sie hinzuweisen. 

a) Ganz dunkel ist CT IV 36a (Landersdorf er 15), ein Privat- 
brief. Z. 27 f. trägt der Absender dem Adressaten auf: u lhurSUM- 



Entscheidung angibt „der Beklagte sei bewahrungs- und rückgabepflichtig, nur 
dürfe er Getreide an seine Leute ausborgen". 

44) Es wäre auch merkwürdig, daß schon Z. 7 dieses Urteil erwähnt wird, 
bevor die Urkunde des Rechtsstreit e-< überhaupt gedenkt. 

45) An sich wäre ja diese Deutung nach dem oben n. 41 Bemerkten 
möglich. 

46) Vgl. darüber Cuq, a. a. 0. p. 93 f. 



14 resam hullu = haften. 

-SAR* 1 ) a-na n " Samas-ba-ni (28) i-di-in-ma a-na sa-ki-ia ri-si li-ki-il 

„auch 1 Kur Zwiebeln dem Sarnas-bani (28) gib, damit er für 

mein Haupt halte (bürge??)". 

b) Das gleiche gilt für King III p. 137. König Abi-esuh teilt 
in diesem Schreiben den Richtern von Sippar mit, daß am 24. Tasritu 
Abgesandte nach Sippar-Jahrurum kommen werden. Hierauf fährt 
das Schreiben Z. lOf. fort: dub-bi an-ni-a-am i-na a-ma-ri-im (11) 5 
su-si SI U-SA-EA-KAE iS ) (12) i-na ga-ti a ^ l TUK-NAf l sa Sippar- 
-Am-na-nu li-ki-a-ma (13) ri-sa-am Ji-ki-il-Ju „nach Empfang dieses 
Schreibens (11) 300 (Fässer) Schnaps (12) aus den Händen der TUK- 
-JV^L-Leute von Sippar-Amnanu nehmet. (13) Sie mögen das Haupt 
halten". Das letztere könnte vielleicht heißen: „sie (die awk TUK- 
-NA) sind dafür (d. h. für diese Lieferung) verantwortlich". Das 
weitere ist leider zerstört. 

c) Hingegen dürfte diese technische Bedeutung resam kidlu nicht 
zukommen in CT VIII 36c (= H. G. III 111, 8. Jahr Ammiditanas). 
Die Urkunde berichtet, daß 10 Kur Sesam gehörig zum Sesam aus 
der Stadt Luhujatu zum Feste des Samas von Sippar a-na ri-si-im 
Jeu -ul -lim ,zum Halten des Hauptes' nach Sippar-Jahrurum gebracht 
worden seien. Diese Lieferung wird von Beamten übernommen und 
dem Ölkelterer Beli-liblut zum Auspressen übergeben. Was resam 
kullu hier bedeutet, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht eine reli- 
giöse Zeremonie. 49 ) 

d) Schließlich sei noch auf die Redewendung se'um res namkuri 
isü in VS VII 202 (Ungnad, BA VI 5 n°. 16) hingewiesen, die nach 
Kohler 50 ) den Sinn haben soll, daß das Getreide unverkürzt bleiben 
und sein Inhaber für dessen Herausgabe verantwortlich sein soll. Die 
Urkunde ist ein Brief, in dem der Absender dem Adressaten von 
einem Einbruchsdiebstahl in einem Getreidespeicher berichtet. Er 
schließt seinen Bericht mit den Worten Z. 25: se'um su-u ri-es na-am- 
-ku-ri i-su „dieses Getreide hat das Haupt der Habe" und wiederholt, 
nachdem er den Adressaten aufgefordert, gewisse Personen zu ver- 
hören, Z. 31 die Phrase: se'um 11 " 1 su-u res namkuri li-ir-si-ma „dieses 
Getreide möge das Haupt der Habe bekommen". Ich glaube nicht, 
daß durch den Zusammenhang die von Kohler postulierte Bedeutung 



47) So Ungnad nach brieflicher Mitteilung. Lande rsdorfer liest 
TIM-SAR. 

48) Die Lesung verdanke ich Ungnad. King hat u-parka-ni(?). 

49) Oder soll man übersetzen dürfen „zur Unterstützung"? 

50) H. G. III p. 255 n. 1. 



Der Bürge als qdtu „Hand". 15^ 

nahegelegt wird. Ohne Parallelstellen wird man die Frage nach dem 
Sinn dieser Phrase wohl offen lassen müssen. 51 ) 

§ 2. 
Eine andere Bezeichnungsweise des Bürgen begegnet in folgen- 
den Urkunden: 

a) M. 57 (= H. G. III 539, 5. Jahr Hammurapis). Eristi(?)-Saggil 
und Sin-aham-idinnam mieten den Ibi-Ilabrat von seinem Vater, den 
Sanias-rimanni von seiner Mutter auf 10 Tage zur Erntearbeit. Nach 
Festsetzung des Lohns folgt Z. 15f. die Bestimmung: u-ul i-la-hc-ma 
(16) zi-im-da-an sarrim. (17) ilu Samas-ni-su (18) ga-a-tu-su 1 ) „wenn 
sie (die Arbeiter) nicht kommen, (16) (tritt) das Gesetz des Königs 
(ein). (17) Samas-nisu (18) ist seine Hand." 

Juristisch kann die Bemerkuug in Z. 17 f. wohl nur den Sinn 
haben, daß Samas-nisu Bürge für die Arbeiter ist. 2 ) 

b) F. 19 3 ) (= H. GL III 551): Imgur-Samas mietet den Sippar- 
-liwir ana harrän sarrim „für den Weg des Königs", d. h. als Söldner 
gegen den Monatslohn von 1 Sekel Silber. Z. lOf. ist zu lesen: i-la-ak. 
u-ul U-li-JiU (11) si-im-da-at sarrim (12) kaspam NI-LAL-E. (10) 
SÜ-NI-A '"' I-din- ilu Da-gan , (14) mär ilu Samas-ra-bi „er (der Söldner) 
wird kommen. Kommt er nicht, (11) so wird er nach dem Gesetz 
des Königs (12) Silber darwägen. (13) Seine Hand 4 ) (d. h. sein Bürge) 
ist Idin-Dagan, (14) Sohn des Samas-rabi." 

c) VS VIII 128 5 ) (= H. G. IV 857, 15. Jahr Hammurapis), ein 
Gelddarlehen: [. . .] siqil kaspim (2), sipat i! "Samas u-za-ap, (3) iiti 



51) Wegen YS IX 39 (= H. G. IV 807), wo Kohler, H. G. IV p. 91f. eine 
Bürgschaft finden will, verweise ich auf Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 453 n. 3, dessen 
Widerspruch ich mich anschließe. 

1) So die Außentafel (case-tablet). Die scriptura interior hat Z. 18: ga-ta- 
-tu-su, was Peiser, KB IV p. 48 n. 1 zur Meinung veranlaßte, es liege eine Ver- 
schreibung für ga-ga-tu-su vor und es sei dasselbe gemeint, wie mit mukü qaq- 
qndüu in den oben (§ 1) angeführten Texten. Ebenso noch Muss-Arno lt 
p. 924. Vgl. ferner Meissner, APR p. 137. Allein angesichts der Lesung der 
Außentafel kann kein Zweifel sein, daß qdtu „Hand" gemeint ist und daß daher 
der case die korrekte Schreibung bietet. 

2) So übersetzt auch Ungnad 1. c. Zustimmend Cuq, nouv. rev. hist. 33 
p. 407. 

3) Aus der Zeit Samsu-ilunas. Umschrift und Übersetzung auch bei Scheil, 
Sippar p. 129 f. 

4) Über SÜ '—qatu vgl. Dyneley Prince, Materials for a Sumerian lexicon 
(Assyriologische Bibliothek 19) III p. 320. 

5) Nach einer mir von Schorr freundlichst zur Verfügung gestellten Um- 
schrift. 



\Q Der Bürge als gutu „Hand". 

üu Samas u üu A-a, (4) sa qät au Samas mu-ba-li-it, (5) milu Sin-eri-ba-am, 
(6) u Bi-ti-tum SÜ-NE-NE (7), m Se-libu-um, mär . . . ., (8) SÜ-BA- 
-AN-TI-MES rell. „[. . . .] Sekel Silber (2) — den Zins des Samas 
wird er zahlen — (3) haben von Samas und Aja (4), Ressort des Samas- 
-muballit 6 ), (5) Sin-eribam, (6) und zwar ist Bititum seine Hand 7 ) (?) 
(d. h. sein Bürge), (7) (sowie) Selibum, Sohn des . . . ., (8) entliehen." 

Diese Texte bezeichnen also den Bürgen als „Hand". Das mag 
im ersten Augenblick befremdlich erscheinen. Doch lehrt die Rechts- 
vergleichung, daß das altbabylonische Recht mit diesem Sprach- 
gebrauch keineswegs allein steht. Die „Hand" begegnet in Wort- 
bildungen, die zur Bezeichnung des Bürgen dienen, auch anderweitig. 
So heißt in den isländischen Rechtsquellen der Bürge handsalsmadr 
oder kandsalamadr, d. h. „Handschläger" 8 ); für das altgriechische Recht 
hat jüngst Partsch 9 ) wahrscheinlich gemacht, daß hyyvr\xr\q = Bürge 
abzuleiten ist von iv und yvla, homerisch gleich „Hände". Am 
charakteristischsten für die Bürgenterminologie sind jedoch hier die 
slavischen Sprachen. Die Bezeichnung des Bürgen beziehungsweise 
der Bürgschaft durch Wortbildungen aus *rqka „Hand" ist gemein- 
slavisch. 10 ) Die termini technici für „Bürge" und „Bürgschaft" sind im 
Russischen: poruciteV; ponika, poruciteVstvo, im Bulgarischen: porttbitel\ 
portcka, portcitelstvo, im Cechischen: rucitel, rulojnic] ruhen i, rukojemstvi, 
poritla, im Polnischen: rtfcojmia, rgcgyciel, por§cenih] por$Jca, rekojenistivo, 
im Slovenischen: porolc; porostvo. 11 ) 

Die rechtscreschichtliche Forschung erklärt mit Recht diese Ter- 
minologie daraus, daß sich der Bürge wenigstens ursprünglich durch 
einen Formalakt, der durch einen Handritus (Handschlag, Hand- 
reichung oder ähnliches) charakterisiert wurde, verpflichtete. 12 ) Die 

6) Darlehensgeber ist der Tempel des Samas und der Aja. Die Tempel- 
kasse untersteht der Verwaltung des Sarnas-muballit, der als Vertreter des Tem- 
pels handelt. 

7) Ungnad I.e. läßt SÜ-NE-NE unübersetzt. Als das Richtigste er- 
scheint es mir, mit Schorr, WZKM 24 p. 454 den Satz in Z, G als Parenthese 
zu fassen. 

8) Vgl. v. Amira II p. 312, Puntschart p. 441 n. 5; 493. 

9) Bürgschaftsrecht p. 45 f. 

10) Vgl. Miklosich, Etymologisches Wörterbuch der slavischen Sprachen 
p. 276. Ich verdanke diese wie die folgenden Nachweisungeu der Güte Professor 
Murkos (Graz). 

11 Vgl. Miklosich, Dictionnaire abrege" de six langues slaves p. 594. 

12) Vgl. für die germanischen Hechte v. Amira 1. c, Puntschart 1. c. und 
p. 313 f., (irimm, Rechtsaltertümer 4 I p. 191, für 'las griechische Recht: Partsch 
p 46, für das polnische Recht: Dahkowski, r§kojemstwo \\ prawie polakiem 
sredniowieeznem die Bürgschaft im mittelalterlichen polnischen Recht) (1904) 



Bedeutung des Handritus bei der Verbürgung. 17 

Sprache hat die Erinnerung an diese Verbürgungsform noch in eine 
Zeit hinein bewahrt, in der sie rechtlich zur Entstehung der Bürgen- 
oblicration nicht mehr erforderlich war. Die rechtliche Bedeutung 
dieser Bürgschaftsform findet man nun übereinstimmend darin, daß 
der Bürge durch den Handritus sich für den Bürgschaftsfall sym- 
bolisch in die Gewalt des Gläubigers gibt. 13 ) Die Hand als vor- 
nehmstes Werkzeug des menschlichen Körpers ist besonders geeignet, 
die Person zu repräsentieren. Sie ist andrerseits darum auch das 
Symbol der Herrschaft und Macht, die jemand über eine Person oder 
eine Sache ausübt. Indem also der Bürge seine Hand in die des Gläu- 
bigers legt, stellt er damit symbolisch seine Person in dessen Gewalt, 
d. h. er unterwirft sich eventuell, für das Eintreten des Bürgschafts- 
falles dessen Zugriff. Er haftet „persönlich", d. h. mit seinem Körper 
dem Gläubiger für die Erfüllung der Schuld. 

Dieses Bild von der Bürgschaftshaftung, das vor allem die ger- 
manischen Rechtsquellen ergeben, kann natürlich für das altbabyloni- 
sche Recht nur hypothetische Geltung beanspruchen. Wir haben ja 
als sichere Grundlage im wesentlichen nur die Terminologie, die aller- 
dings angesichts der Analogien in anderen Rechten mit Entschieden- 
heit auf das Handsymbol beim Verbürgungsakte hinweist. 13a ) Unter 
solchen Umständen ist es daher nicht ohne Bedeutung, daß die Auf- 
fassung der Hand als Machtsymbol der altbabylonischen Sprache, ins- 
besondere der Rechtssprache nicht fremd gewesen ist. 

So bedeutet das sumerische SÜ sowohl „Hand" wie „Gewalt" 14 ), 
und die letztere Bedeutung ist auch für sein semitisches Äquivalent 
qatu nachzuweisen. Als Beweis hierfür vermag ich folgende Rede- 
wendungen namhaft zu machen: Wenn von einem Gegenstande, spe- 
ziell von einer Sache ausgesagt wird, sie befinde sich ina qdti awilim 
„in der Hand jemandes", so bedeutet dies technisch, daß sie im Herr- 
schaftsbereiche, in der Macht, d. h. im Besitze der betreffenden Per- 



p. 44. Besonders prägnant sind die Termini für Bürge im < echischen und Pol- 
nischen. Cech. rukojme, rtikojcmstvi, poln. rgJeojmia, rgkojemstwo sind abzuleiten 
von *raka ,,Hand" und *jeii „fassen", bedeuten also denjenigen, welcher die Hand 
faßt, beziehungsweise Handfassung und weisen so direkt auf die Handreichung 
des Bürgen hin. Vgl. auch Jungmann, Slovnik cesko-neuiecky (Cechisch-deut- 
aches Wörterbuch) III p. 956. 

13; Vgl. Puntschart, p. 494, 496f., Mitteilungen des tnstitutefl für ö&terr. 
Geschichtsforschung 28 p. 366f., Gierke p. 132, 186 n. 10, p. 195, Partsch p. 46. 

13a) In demselben Sinne auch Cuq, nouv. rev. bist. 33 p. 429f., auf dessen 
Autorität mich berufen zu können mir um so wertvoller ist, als dieser Teil der 
Arbeit bereits vollendet war, ehe mir seine Ausführungen bekannt wurden. 

14) Vgl. Dyneley-Prince, a. a. 0. III p. 320. 

Koschaker: Babylon. -assyr. Burgauhaftsrecht. 2 



18 Die Hand als Machtsymbol. 

son ist. 15 ) So „ergreift" (issabat) der Anefangskläger 16 ) die Sache ina 
qäti des Gegners (K. H. § 9 Z. 4, 7), der flüchtige Sklave wird ina 
qäti des Hehlers ergriffen (ittasbat): K. H. § 19 Z. 73: § 20 behandelt 
den Fall, daß der servus fugitivus ina qäti desjenigen, der ihn auf 
der Flucht festgenommen hat, stirbt. 17 ) Der Redensart: eine Sache 
ina qäti awilim mähäru „von jemandem erhalten" 18 ) liegt die Vor- 
stellung zugrunde, daß die Sache „aus der Hand" (d. h. aus dem Be- 
sitze) des Tradenten in die des Empfängers übergeht. Gleichbedeutend 
mit ina qäti awilim wird sa qäti awilim gebraucht 19 ), oder noch kürzer 
der Genetiv qäti. 20 ) Besonders klar tritt die Bedeutung von qätu im 
Sinne von Macht, Herrschaft an denjenigen Stellen hervor, in denen 
von eiiier Gruppe von Personen berichtet wird, daß sie $a qäti einer 
anderen Person seien. Es soll damit gesagt sein, daß diese Leute 



15) Analogien im Sprachgebrauch des deutschen Rechts bei Puntschart 
p. 494, Grimm, Rechtsaltertümer 4 I p. 618. 

16) Über das Verfahren siehe jetzt Fehr, Hammurapi und das salische 
Recht (1910) p. 52 f., der jedoch mit der Behauptung, daß von einem feierlichen 
Handanlegen an den Gegenstand, von dem ja der deutsche AnefaDg seinen 
Namen hat, Hammurapi nichts wisse, m. E. fehlgeht. Das Gesetz (§ 9) sagt: 
sum-ma a-ivi-lum .... mi-im-ma-su hal-ga-am i-na ga-ti a-wi-lim is-sa-ba-at 
„wenn jemand .... das ihm verloren Gegangene in der Hand jemandes er- 
greift" (sabätu). Das ist m. E. wörtlich zu nehmen. Der Kläger faßt die in 
Anspruch genommene Sache, die er im Besitze des Gegners findet, an. 

17) Vgl. ferner K. H. § 194 Z. 27, § 253 Z. 80, sowie folgende Stellen: King, 
III p. 119 Z. 10: se'um sa i-na ga-ti-ku-nu i-ba-as-su-u „das Getreide, welches in 
eurem Besitze ist", CT II 29 1S (Landersdorfer 2): se-am i-na ga-ti-ka ki-il „das 
Getreide behalte in deiner Hand", CT IV 26a u (Montgomery 8): se-um i->ta 
ga-ti-ia it-ta-zi-ma u-ul u-sa-bi-lam „das Getreide in meinem Besitze ist ausge- 
gangen, und so habe ich es nicht geschickt", BE VI t 65 8 : dap-pa-at pu-h[a-ti- 
-su-]nu i-na ga-ti-su-nu-ma ..die Tauschurkunden sind in ihren (der Kontrahenten) 
Händen". Vgl. ferner CT VI 30a 2S , VHl 2 b 9 ,- VS VH 165 5 , BE VI t 66 9 , 68 7 , 79 6 , 
82 8 , BE VI, 30, . Man kann ina qäti an diesen Stellen vielfach mit „bei" über- 
setzen. 

18) Vgl. K. H. § 6 Z. 38, M. 86! , VS VII 92 1S , 125, 8 , King III p. 137 Z. 13. 
Im K. H. § 7 Z. 4.s, § 35 Z. 72 begegnet auch die Wendung: ina qäti awilim 
sätnu „eine Sache von jemandem kaufen." 

19) Vgl. K H. § 96 Z. 12: mi-im-ma sa ga-ti-su i-ba-as-su-u „alle (beweg- 
liche) Habe, die sich in seinem (des Schuldners) Besitz befindet", ferner CT IV 27a, , 
^Montgomery 9): 3 siqil Jcaspim sa ga-ti-ka .... iu-bi-lam „3 Sekel Silber in 
deinem Besitze .... schicke", VS VII 192 ^Ungnad, BA VI 5 N°. 5): i-na li-ib- 
-bu Jcaspim sa ga[-ti-lc\u ' .. siqü kaspint a-na il " l'ras-um-sa-Iim .... i-di-in „von 
dem Silber in deinem Besitze : . Sekel Silber dem Uras-musallim .... gib". Vgl. 
auch CT IV 36 a 8 (Landersdorfer 15), 6a M , VUl2b 19 , VS IX 134 s , King III 24 5 
(= Nagel 37). 

20) § 112 K. H. ist davon die Rede, daß jemand einem anderen kaspam, 
hwäsam, äbnam " bi-ü ga-ti-su „Silber, Gold, Edelsteine und bewegliche Habe 
seiner Hand" (d. h. die er bei sich, in seinem Besitze hat) zum Transporte 
übergibt. 



Die Hand als Machtsymbol. 19 

dem Kommando der betreffenden Person unterstellt sind. 21 ) Belege 
hierfür begegnen besonders häufig in der von King publizierten amt- 
lichen Korrespondenz der altbabylonischen Könige. 22 ) Eine ähnliche 
Bedeutung kommt sa qdti zu, wenn wir in zahlreichen Urkunden 
lesen, daß irgendeine Angelegenheit, z. B. die Auszahlung eines Dar- 
lehns, die Besorgung einer Lieferung sa qdti einer Person sei. Das 
kann nur heißen, daß diese Angelegenheit der betreffenden Person 
unterstellt sei, in ihre Kompetenz, ihr Ressort falle. 23 ) 

Liegt demnach allen diesen Redewendungen, in denen eine Person, 
eine Sache, eine Angelegenheit „in der Hand" eines anderen befind- 
lich, „zu seiner Hand" zugehörig bezeichnet wird, die Vorstellung zu- 
grunde, daß diese Person, Sache usw. sich in dem Herrschaftsbereiche 
der betreffenden Person befinde, so unterliegt es wohl keinem Be- 
denken, wenn wir die Auffassung, welche in dem Handritus des Ver- 
bürgungsaktes den Ausdruck der eventuellen Unterwerfung der Person 
des Bürgen unter die Macht des Gläubigers erblickt, für das altbaby- 
lonische Recht wenigstens als möglich bezeichnen. 

Eine andere Frage ist es allerdings, ob die Handgeste des Bürgen 
in der Zeit, aus der unsere Urkunden stammen, noch als notwendige 
Form des Verbürgungsgeschäftes empfunden wurde. Es wäre ja auch 
denkbar, daß die Verbürgung durch mündliches oder schriftliches 
Versprechen erfolgte und nur in der Rechtssprache noch sich die 
Erinnerung an einen Rechtszustand erhalten hatte, der längst nicht 
mehr praktisches Recht war. 



21) Vgl. auch Muss-Arnolt p. 937. Bezeichnenderweise wechselt mit sa 
qdti A „gehörig zur Hand des A" sa liti A „gehörig zur Macht des A u . Siehe 
King III 32 8 (Nagel 39), 38 6 (Nagel 27), 55 26 (Nagel 42), ferner KingHI 26 4 
(Nagel 40): a-na akle MA-NI-TJM sa li-ti-ka su-pu-ur ,,den Schreibern des 
Frachtschiffes, gehörig zu deiner Macht, sende Befehl" und dazu King III 27 16 : 
MA-NI-UM sa ga-ti-su „das Frachtschiff, gehörig zu seiner Hand". Vgl. end- 
lich King III 1 4 (Nagel 23): 240 sab kisir sarrim sa qdti ilu Nannar-iddina sa 
li-tim sa ga-ti-ka „240 königliche Soldaten unter dem Befehl des Nannar-iddina, 
zugehörig zur Streitmacht unter deinem Befehl" und dazu Nagel, BA IV p. 479. 

22) Vgl. King III 3 6 (Nagel 45), 15 6 , 18 8 (Nagel 9), 20 7 (Nagel 16), 25 7 
(Nagel 44), 48 ö (Nagel 26), 49 6 (Nagel 3), 52 lg (Nagel 38), LC 5 4 , 6 9 ^Thu- 
reau- Dangin, Festschrift für Hilprecht p. 157, 159), ferner CT II 29 17)S1 
(Landersdorfer 2), VIII 30c is , VS VII 118 4 , G. 62 s . 

Es findet sich bald die phonetische Schreibung sa ga-ti, bald die ideo- 
graphische AG-SÜ. King las SA-SÜ = 6ms«. Vgl. Delitzsch, BAIVp. 486, 
Schorr, AR I p. 130. 

23) Vgl. VS VIII 128 4 (oben p. 15 f.), ferner CT VI 37c,, 44c 12 , 7 III 7 a,, 21 a 8 , 
27 b 6 , 30 b 3 , 36 a 5 , BE Yl t 40 6 , 85 4 , 86 4 , 87 3 , BE VI, 120 4 , VS VIII 90 6 , IX 14 6 , 16 6 , 
17 10 , 22 14 , 69 17 u. a. m. 

9 * 



20 



YS VIII 26. 



Die Quellen verweigern die Antwort auf diese Frage. Die „Hand" 
wird allerdings bei einem Verbürgungsakte erwähnt in einer Urkunde, 
die U n g n a d im 8. Heft der vorderasiatischen Schriftdenkmäler 
unter no. 26 publiziert hat. Doch ist die Deutung des betreffenden 
Passus höchst schwierig und unsicher. Wenn ich gleichwohl diesen 
Text und zwar seinem ganzen Inhalte nach hier anführe, so geschieht 
dies aus dem Grunde, weil er auch über den Inhalt des Bürgen Ver- 
sprechens Aufschluß gibt. Die Umschrift verdanke ich einer freund- 
lichen Mitteilung Schorrs, der die Urkunde für das demnächst in 
den Sitzungsberichten der Wiener Akademie erscheinende 3. Heft 
seiner altbabylonischen Rechtsurkunden" 24 ) bearbeitet hat und dessen 
mir in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellter Kommentar 
zum Texte mir bei der juristischen Analyse wesentliche Dienste 
leistete. Die Urkunde 25 ) lautet: 



manu ~kaspim 



(Betreffend) % Minen Silber, 



sa Nu-ur- üu Samas, mär ilu 8in-se-me, \ die Nür-Samas, Sohn des Sin-serne, 



e-li Anum-ga-mil 

u Be-li-su-nu, assassu* 5 ), ir-su-u. 

5 m I-din-E-a, mär Ri-is-Anim, 

a-na Malgü ki m Be-li-su-nu 

u-si-bi-si-i-ma 

m Nu-ur Jlu Samas i-na Bäbili ki 

m I-din-E-a, as-sum Be-li-su-nu, 
io assat 27 ) Anum-ga-mil, 

u-si-ib-bu-u, 

is-ba-at-ma 

m üu Sin-i-hi-sa-am, mär Ha-ni-ia, 

ga-ta-at I-din-E-a 
15 li-is-da-at Be-li-su-nu 
a-na % manu 4 siqil leaspim 
a-na ivarah l kam il-li-e-wu 
a-na üm um ha-da-ni-su 
m I-din-E-a a-wi-ü-tam 



zu Lasten des Anum-gämil 

und der Belissunu, seiner Ehefrau, 

gut hat. 
Nachdem Idin-Ea, Sohn des Ris-Ani m, 5 
nach Malgü die Belissunu 
fortgeführt hatte, 
hat Nür-Samas in Babylon 
den Idin-Ea, weil er die Belissunu, 
die Ehefrau des Anum-gämil, io 

fortgeführt hat, 
vor Gericht geladen. 
Darauf hat sich Sin-iqisam, Sohn 

des Hanija, 
für Idin-Ea 

wegen der Ergreifung der Belissunu i5 
für % Mine 4 Sekel Silber 
auf 1 Monat verbürgt. 
Wenn zur rechten Zeit 
Idin-Ea die Frau 



24) Vgl. einstweilen Schorr im Anzeiger der Wiener Akad., phil hist. Kl. 
1910 p. 50f., sowie WZKM 24 p. 452 f. 

25) Sie ist nunmehr auch übersetzt von Qngnad, 11. Gr. IV 806. 

26) DAM-A-NL 27) DAM. 



20 uul ir-di-a-am-m« 
1 g manu 4 siqil kaspim 
a-na Ku-ur-' lu Samas 



VS vm 26. 21 

nicht herbeiführt, 20 

wird % Mine 4 Sekel Silber 
an Nür-Samas 



milu Sin-i-ki-ki-am us-ta-as-li-iL Sin-iqisarn zahlen lassen. 

5 Zeugen, Datum (4. Jahr Sin- 
-muballits). 

Der Tatbestand der Urkunde ist im allgemeinen klar. Nür-Samas 
hat eine Forderung von 2 / 3 Minen gegen Anum-gämil und dessen Ehe- 
frau Belissunu. Nun führt Idin-Ea die Belissunu weg 28 ) und entzieht) 
dadurch dem Nür-Samas ein Exekutionsobjekt. Denn offenbar haften 
dem Gläubiger die Schuldner, oder wenigstens die Belissunu persön- 
lich, d. h. mit ihrem Körper. Idin-Ea wird nun darob von Nür-Samas 
belangt. Allein schon bei der Ladung 29 ) tritt für Idin-Ea Sin-iqisam 
als Bürge ein. Denn das muß qatät .... ille in Z. 14f. dem ganzen 
Zusammenhange nach bedeuten. Die philologische Erklärung dieser 
Phrase begegnet, wie schon bemerkt wurde, großen Schwierigkeiten, 
und ich muß mich daher bescheiden, die Interpretationen, die mir von 
philologischer Seite auf meine Anfrage hin freundlichst zur Verfügung 
gestellt wurden, vor allem vom Standpunkte des Juristen aus zu er- 
örtern. 

Schorr übersetzt: „der Bürge hat die Hände des Schuldners 
gestärkt", indem er ülc von nsc ableitet. 30 ) Juristisch ließe sich diese 
Übersetzung erklären, wenn man in dem „Stärken der Hände des 



28) Z. 7 usibi, vgl. Z. 11 usibbu, das Schorr 1. c. zu hebr. "r „in Ge- 
fangenschaft wegführen" stellt. Auf Grund welches Rechtes Idin-Ea die Belis- 
sunu „wegführt", ist aus der Urkunde nicht zu entnehmen. Daß die Wegführung 
der Frau in ihrem Einverständnisse erfolgte, um dem Gläubiger die Exekution 
zu vereiteln, ist kaum anzunehmen. Wahrscheinlicher ist (vgl. in demselben 
Sinne Kohler, H. G. IV p. 91, Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 447), daß auch Idin-Ea 
seinerseits eine Forderung gegen Belissunu hatte und auf Grund dieser auf sie 
greift. Das ist wohl auch die Meinung Schorrs 1. c, wenn er usibbu „als 
Schuldpfand wegführen" übersetzt. Nür-Samas würde demnach, wenn er den 
Idin-Ea wegen dieser Exekutionshandlung angeht, ein Vorzugsrecht behaupten, 
etwa darum, weil seine Forderung, welche die Person des Schuldners wie ein 
Pfand dem Gläubiger unterwirft, früher entstanden sei. 

29) Über die Verwendung von sabätu (wörtlich „packen, greifen") zur Be- 
zeichnung der Privatladung vor Gericht vgl. Koschaker, Grünhuts Ztschr. 35 
p. 393, Schorr, AR II p. 18. 

30) Die Redensart „die Hand stärken" begegnet noch in einem Privat- 
briefe in unklarem Zusammenhang. VS VII 197 Z. 29f. (Ungnad, BA VI 5 no. 10): 
a-na kurummat bitim i-na nm-u[h? . . .] ga(?)-ta(?)-a»t li-da-an-ni-nu „zur Ver- 
köstigung des Hauses zu Lasten (?) [des . . .] soll man die Hand (?) verstärken." 
Da außerdem die Lesung von qätu ganz unsicher ist, so läßt sich mit dieser 
Parallele nichts anfangen. 



22 vs vm 26. 

Schuldners seitens des Bürgen" den Ausdruck seiner Sicherung er- 
blicken dürfte. Es würde dies also auf dieselbe Vorstellung führen, 
die der Bezeichnung des Bürgen als „muMl qaqqadim des Schuldners" 31 ) 
zugrunde liegt. Indessen scheint mir Schorrs Deutung sprachlich 
nicht einwandfrei, da Ttt/b im Qal wohl „stark sein", nicht aber 
„stärken" heißt. 32 ) Ferner paßt die Schreibung il-li-e schlecht zu 
einer Wurzel TMÖ. Die korrekte Form müßte ik'i lauten und sie 
begegnet in der Tat in der Schreibung i-li-i in den Rechtsquellen. 33 ) 
Ungnad (nach brieflicher Mitteilung) hält es für möglich, daß iUe 
eine Vulgärform für ilqe (pp*) sei. 34 ) Demnach wäre zu übersetzen: 
der Bürge „hat die Hände des Schuldners ergriffen". Ich weiß auf 
dieser Grundlage keinen anderen Weg, als qatät .... ille in unserer 
Urkunde in Parallele zu stellen mit der Redensart qät .... snbdtu „die 
Hände jemandes ergreifen", die in der Bedeutung „helfen, unterstützen, 
beschützen" zu belegen ist. 30 ) Demnach führte uns auch diese Über- 
setzung zu der Auffassung, daß der Bürge den Schuldner vor dem 
Gläubiger schützt. 36 ) 

Muß also die Untersuchung an diesem Punkte mit einem non 
liquet schließen, so gibt uns die Urkunde dafür um so wertvolleren 
Aufschluß über den Inhalt des Bürgenversprechens. Die Verbürgung 
des Sin-iqisam erfolgt „wegen der Ergreifung der Belissunu für eine 
bestimmte Geldsumme auf bestimmte Zeit". Wie jedoch Z. 18f. 
ergeben, verpflichtet sich der Bürge nicht von Haus aus zur Leistung 
der Geldsumme, sondern er verspricht zunächst, daß der Beklagte 



31) Vgl. oben § 1 p. 2 f. 

32) Vgl. Delitzsch p. 365 II, Muss-Arnolt p. 463 II. 

33) In der Bedeutung „können, vermögen". Vgl. K. H. §§ 28 36 , 29 45 , 54 2S , 256 4g) 
VS VII 10 9 , ferner transitiv in der Bedeutung „überwinden" in der Phrase ina 
dinim ilisu „im Prozesse hat er ihn überwunden"; vgl. CT VIII 42a., Gr. 30 1S . 

34) Er verweist auf K.H. § 47 Z. 62: il-lu-u, für welche Form man bisher 
gewöhnlich eine Verschreibung für il-kii-u annahm. (Vgl. Ungnad, H. G. II 
(Glossar) p. 115 unter 'lj, p. 143 unter lq'). Siehe aber andrerseits Schorr, 
WZKM 18 p. 220 f. 

35) Vgl. Delitzsch p. 560/3, 598, Muss-Arnolt p ; 861/3, 937. 

36) Ich dachte auch an die Möglichkeit, Uli von TC" abzuleiten und dem- 
nach Z. 13 f. zu übersetzen: „Sin-iqisam hat die Hände für Idin-Ea . . . er- 
hoben." Diese Übersetzung würde sachlich insofern vortrefflich passen, als die 
Handerhebung als Verbiirgungsform auch anderweitig zu belegen ist. (Vgl. 
darüber unten § 20.). Allein sie ist grammatisch unmöglich, ganz abgesehen 
davon, daß !X~ im Qal „hoch sein" und nicht „erhöhen" bedeutet. Rhodo- 
kanakis bemerkte mir gesprächsweise, ob man nicht qätu hier in dem oben 
festgestellten Sinne als „Bürge" fassen und demnach übersetzen könnte: „Sin- 
-iqisam ist als Bürge des Idin-Ea . . aufgetreten" (<™:~ . Dagegen scheint mir 
jedoch der Plural qatät zu sprechen. 



Die Bürgschaft als Garantie. 23 

die Belissunu innerhalb bestimmter Frist gesteilen werde, 
und erst, wenn dieser Erfolg nicht eintritt, soll die Zahlung der Geld- 
summe erfolgen. 37 ) Das juristisch Eigentümliche dieser Bürgenobli- 
gation liegt darin, daß der Bürge nicht wie im römischem Recht 
primär eine eigene Leistung verspricht, sondern die eines Dritten. 
Seine Verpflichtung ist daher ein Garantieversprechen. Der Bürge 
garantiert, daß der Beklagte in bestimmter Frist dem Kläger mit dem 
Klagsgegenstande zur Verfügung stehen werde. 38 ) Erst subsidiär für 
den Fall, daß dieser Erfolg nicht eintritt, schließt sich daran ein 
Schuldversprechen auf Zahlung einer bestimmten Geldsumme. 39 ) 

37) Wie diese Geldsumme zu erklären ist, mag dahingestellt bleiben. Am 
wahrscheinlichsten ist es wohl, daß sie das im vorhinein limitierte Interesse des 
Gläubigers an der Gestellung und Auslieferung seines Exekutionsobjektes dar- 
stellt. Vielleicht ist es daher auch kein Zufall, daß sie nur wenig mehr als die 
Hälfte der Forderung des Nür-Samas, für die ihm ja noch der Ehemann der 
Belissunu, Anum-gämil haftet, ausmacht. Unrichtig erscheint mir die Übersetzung 
Ungnads, H.G. IV 806: „Sin-iqisam hat sich . . . gegen (Zahlung von) 24 Sekel 
Silber . . . verbürgt.' 1 

38) Weit näher steht diesem Versprechen der Verpflichtungsinhalt beim 
griechischen Bürgen: tyyvä^iai avxbv (der Schuldner) anoSäotiv, avxbv naga- 
[isvslv usw. Vgl. Partsch p. 158f. 

39) Die Formulierung ist allerdipgs eigentümlich. Es heißt nicht: „Sin-i- 
qisam wird zahlen" {isaqaT), sondern „er wird zahlen lassen" (ustasqil). Diese 
Verbalform hat Ungnad I.e. veranlaßt Z. 21f. zu übersetzen: „er (Idin-Ea) 
wird (?) den Sin-iqisam veranlassen, 24 Sekel Silber dem Nür-Samas zu geben." 
Ich halte diese Übersetzung juristisch für kaum richtig. Es handelt sich doch 
um die Bürgschaft des Sin-iqisam und man erwartet daher, nachdem in Z. 13 f. 
die Tatsache der Verbürgung angemerkt worden war, im folgenden den Inhalt 
der Bürgenobligation näher angegeben zu finden. Statt dessen aber soll uns die 
Urkunde von einem juristisch kaum verständlichen Versprechen des Beklagten 
berichten des Inhalts, wenn er den Klagsgegenstand nicht herbeibringe, so 
wolle er den Bürgen veranlassen, die verbürgte Geldsumme dem Kläger zu be- 
zahlen. Das ist völlig unwahrscheinlich. Bedenklicher könnte das Präteritum 
ustasqil machen, da man bei der im Texte gegebenen Übersetzung das Präsens 
uitasqal erwarten würde. Dem Präteritum ustasqil entspräche es aber, Z. 19 f. 
zu übersetzen: „weil Idin-Ea die Frau nicht herbeigeführt hat, ließ ... an 
Nür-Samas Sin-iqisam zahlen." Die Urkunde würde demnach nur den Eintritt 
des Bürgschaftsfalles und die erfolgte Zahlung des Bürgen konstatieren. Doch 
kann man dann wohl fragen, welchen Zweck die Urkunde eigentlich verfolgte. 
Ich halte es demnach für richtiger, bei der Übersetzung des Textes zu bleiben 
und in dem ustasqil nur eine Ungenauigkeit des Schreibers zu erblicken. 

Trifft dies aber zu, so entsteht die Frage, wen denn der Bürge „zahlen 
lassen" soll. Man denkt wohl an den Beklagten. Demnach hat es aber den 
Anschein, als ob der Bürge vorliegenden Falls irgendwelche Befugnis hatte, den 
Beklagten zwangsweise zur Zahlung an den Kläger zu verhalten. Wie das zu 
erklären wäre, darüber verweigern die altbabylonischen Quellen jede Antwort. 
Doch werden sich später bei der Darstellung des neubabylonischen Bürgschafts- 
rechts Anhaltspunkte ergeben, die uns diese Formulierung des Bürgenversprechens 
verständlicher machen. Vgl. unten § 8 n. 24. 



24 Die Bürgschaft als Garantie. 

Wir können noch einen Schritt weiter gehen. Der römische 
Bürge ist ein akzessorischer Schuldner, der nehen dem Hauptschuldner 
ein idem verspricht und dessen Verpflichtung daher eine Hauptschuld 
notwendig voraussetzt. Es wäre ja nun gewiß denkbar, daß in unserem 
Falle auch der Beklagte dem Kläger die Gestellung der Belissunu 
versprochen habe und der Bürge zu diesem Versprechen hinzutritt, 
wobei freilich noch immer der Unterschied bestünde, daß der Bürge 
nicht ein idem, sondern eine Handlung des Beklagten verspricht. Der 
Umstand ferner, daß die Intervention des Bürgen bei einer Privat- 
ladung zum Prozesse erfolgt, legt es nahe, unseren Fall mit dem 
römischen Zitationsvadimonium cum satisdatione bei der in ins vocatio 
zu vergleichen. Allein notwendig ist die obige Annahme nicht, zumal 
der Inhalt der Urkunde keinen Stützpunkt für sie bietet. Wir müssen 
es vielmehr als durchaus möglich bezeichnen, daß der Beklagte über- 
haupt nicht versprach, vielmehr durch das Eintreten des Bürgen dem 
Zugriff des Klägers entzogen wurde, so zwar, daß sich dieser nunmehr 
allein an den Bürgen halten konnte. Der Inhalt des Garantiever- 
sprechens des Bürgen: „ich verspreche, daß der Beklagte zu be- 
stimmter Zeit mit dem Klageobjekt dem Kläger zur Verfügung 
stehen wird", ist mit einer solchen Gestaltung des Rechtsverhältnisses 
durchaus vereinbarlich. Trifft dies zu, so fehlt unserer Bürgschaft 
eine weitere Eigenschaft des römischen und heutigen Bürgschafts- 
institutes: die Akzessorietät. Sie ist ein selbständiges Garantie- 
versprechen. 

Wir müssen uns freilich hier beschränken, diese Möglichkeiten 
zu konstatieren und darauf verzichten, sie konstruktiv -dogmatisch 
weiter zu verwerten, da uns die Quellen völlig im Stiche lassen. 
Doch wird die Darstellung des neubabylonischen Bürgschaftsrechts, 
für welches ein reicheres Quellenmaterial zur Verfügung steht, es 
ermöglichen, diese Vermutungen zu stützen und in größere dogmatische 
Zusammenhänge einzuordnen. 

§3. 

Auf die Bürgschaft oder wenigstens auf bürgschaftsähnliche 
Rechtsgestaltungen beziehen sich einige weitere Urkunden, deren 
juristische Interpretation freilich im einzelnen großen Schwierigkeiten 
begegnet. Die Ergebnisse der folgenden Untersuchung können daher 
nur als mehr oder weniger hypothetische gelten. 

VS VII 98 repräsentiert einen Urkundentypus, der außerdem noch 



vs vn 98. 



25 



mit leichten Varianten durch VS VII 138, CTIV31b, sowie CTVIII33a 
vertreten wird. Die Urkunde 1 ) lautet: 

80 qa SE G1S-BAB ila MarduJc, I 80 Qa Getreide im Maße des Marduk, 
sa E-tel-pi- ilu Marduk, sa-pir Ki&\ welche Etel-pi- Marduk, der Sapir 

von Kis, 



e-li ilu Na-bi-um-e-ri-ba, 
mär A-ivi-li-ia, 
5 u f Sa-bi-tum, e-me-ti-su, 

i-su-u. 

ga-ti *'" Na-bi-um-e-ri-ba 
a s Sa-bi-tum 
na-as-ha-at-ma 
io m Bi-sa-tum, reäm, mar ila Uras-mu- 
-ba-li-it, 
a-na 5 ümi m% 
80 qa SE NI-BÄM-E. 
Der Urkundenschreiber als Zeuge. 
Datum. 



zu Lasten des Nabium-eriba, 

Sohn des Awilija, 

und der Sabitum, seiner Schwieger- 5 

mutter, 
(gut) hat. 

Nachdem die Hand desNabium : eriba 
und der Sabitum 
herausgezogen worden ist, 
wird Risatum, der Hirt, Sohn des io 

Uras-muballit r 
binnen 5 Tagen 
80 Qa Getreide zumessen. 



VS VII 138 (= H. G. III 87, nach dem 17. Jahre Ammisadugas) 
ist von unwesentlichen Varianten abgesehen, völlig gleich stilisiert, 
nur daß es sich um eine Geldforderung handelt. In CT IV 31b 
(= H. G. III 85, 27. Jahr Ammiditanas) wird die Forderung gegen die 
Schuldner folgendermaßen angegeben Z. Jf.: 1 siqil Aaspim, (2) Um 
3 KU SU-GI-NÄ (3) sa blt üu Samas, (4) e-si-ih-ti 2 ) m Mdr-üm-esrä (5) u 
Warad- il "Sin „ 1 Sekel Silber, (2) Kaufgeld "für 3 SU-GIN A Kleider 
(3) für den Tempel des Samas, (4) entnommener Betrag (?) 2 ) des Mär- 
-üm-esrä (5) und des Warad-Sin". Daran schließt sich ebenso wie in 



1) Aus dem 14. Jahre Ammisadugas. Eine Übersetzung bei Ungnad, H. G. 
III 86. Die Umschrift verdanke ich Hazuka. 

2) Die Bedeutung von e-si-ih-ti, von Ungnad I.e. mit „Lieferung" über- 
setzt, ist sehr zweifelhaft. In VS VII 43, (H.G. III 109) wird eine Geldsumme als 
i-si-ih-ti einer Person bezeichnet. Für den letzteren Ausdruck schlägt Schorr, 
WZKM 24 p. 450 die Wurzel V>ZZ „entnehmen" zugrundelegend die Übersetzung 
„entnommener Betrag" vor. Wenn man e-si-ih-ti iu uuserer Urkunde damit 
identifizieren darf, so würde es sich auf die Geldsumme beziehen, die Mär-üm- 
-esrä und Warad-Sin vom Samastempel erhalten haben, um Kleider davon zu 
kaufen. Juristisch liegt also eine Einkaufskommission vor. Ob zu e(i)-si-ih-ti 
auch si{zi)-ih-tum in VS IX 196j (H.G. IV 1062), von Schorr, Anz. der Wiener 
Akad. 1910 p. 52 mit „Lieferung" übersetzt, zu stellen ist, bleibe völlig dahin- 
gestellt. Vgl. auch Schorr, WZKM 24 p. 456. 



26 qdtam nasdhu. 

VS VII 98 die Bemerkung Z. 6 f.: ga-ti der Schuldner (8) na-as-ha-a- 
-ma (9) m üu Sin-na-di-in-su-mi . . . (10) 3 KÜ SU-GI-NA a-na um 15 kam 
[iib]-lam(?)-ma(?) (11) u-ul ub-ba-lam-ma (12) 1 siqil Tiaspim XI- 
-LAL-E 3 ) „nachdem die Hände der Schuldner (8) herausgezogen worden 
sind 4 ), (9) wird Sin-nädin-sumi .... (10) 3 SU-GI-NA Kleider binnen 
15 Tagen bringen (?). (11) Bringt er (sie) nicht, (12) wird er 1 Sekel 
Silber darwägen". 5 ) In CT VIII 33a (H. G. III 84, aus der Zeit Abi- 
-esuhs) 6 ) endlich handelt es sich um eine Einkaufskommission. 7 ) Die 
Urkunde berichtet zunächst, daß Sin-nädin-sumi an Sin-eribam zum 
Einkauf von Wolle (ana sim sipätim) 10 Kur Getreide gegeben habe, 
differiert aber von den früher genannten insofern, als ausdrücklich 
konstatiert wird, daß der Schuldner nicht erfüllt, d. h. die Wolle nicht 
geliefert habe. Darauf folgt die Bestimmung Z. 11 f.: ga-ti ilu Sin-e-ri- 

-ba-am (13) na-as-ha-at-ma (14) i-na pi ba-bi(?) (15) Tidru ib-ba- 

-as-su-u (16) sipätam ihl Samas-he-gal .... (18) a-na üu Sin-na-di-in-su- 
-mi .... (20) i-na-ad-di-in „nachdem die Hand des Sin-eribam . . . (13) 
herausgezogen worden ist, (14) wird im Eingange des Tores (?) (15) 
nach dem derzeitigen Kurse (?) (16) die Wolle Samas-hegal .... (18) 
dem Sin-nädin-sumi .... (20) geben". 8 ). 

Schon der erste Interpret dieser Urkunden, Kohler, hat richtig 
erkannt, daß sie sich auf die Bürgschaft beziehen. Er bemerkt zu 
ihnen 9 ): „Der Bürge tritt ein, wenn die Hand des Schuldners zurück- 
gezogen wird, d. h. wenn der Schuldner den Bürgen nicht durch 
Leistung deckt, also in Verzug kommt''. Daran ist jedenfalls das eine 
richtig, daß die Intervention des Dritten — wir wollen ihn vorsichtiger- 
weise lieber mit dem allgemeineren Terminus „Interzedent" bezeichnen 
— in letzter Linie durch die Nichterfüllung des Schuldners verursacht 
ist. Das sagt CT VIII 33 a ausdrücklich, und darauf weist ja auch die 
Stilisierung der Urkunden mit aller Deutlichkeit hin. Zudem ver- 
spricht ja der Interzedent genau das, was der Schuldner hätte leisten 
sollen. Ebenso trifft es zu, daß das Versprechen des Interzedenten 
erst erfolgt, nachdem der Schuldner bereits in Verzug geraten ist. 



3) Die Umschrift verdanke ich Schorr. 

4) nashu Dual des Permansivs. 

5) Also die zum Einkauf übergehene Geldsumme. 

6) Ein Stück der Urkunde ist transskribiert bei Meissner, MYAG 10 p. '201. 

7) Vgl. zur Urkunde auch Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 445. 

8) Die Umschrift teilte mir Ungnad mit, der zu '/,. l."> bemerkt: „käru 
eigentlich der Stapelplatz für die Ware, dann aber auch, scheint es, der am 
Stapelplatz übliche Marktwert (Eure " 

9) H.G. III p. 237, vgl. auch IV p. 92 sowie Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 287. 



qdtam nasähu. 27 

Wenigstens enthalten die Urkunden nicht den geringsten Anhaltspunkt, 
daß der Interzedent sich schon in einem früheren Zeitpunkte ver- 
pflichtet habe. 10 ) Mit diesen Feststellungen ist aber die Bedeutung 
dieser Texte noch keineswegs erschöpft. Vor allem halte ich es für 
ausgeschlossen, daß die Phrase „die Hand des Schuldners ist heraus- 
gezogen" lediglich die mora debitoris charakterisieren soll, wie Kohler 
will. 10a ) Wir sind von vornherein nicht berechtigt, die Redensart als 
eine rein bildliche zu nehmen. Vielmehr müssen wir angesichts der 
plastischen und durchaus am Sinnfälligen haftenden Sprache des alt- 
babylonischen Rechts 11 ) nach einer Erklärung suchen, die von der 
Voraussetzung ausgeht, daß das Herausziehen der Hände des Schuldners 
eine real vorgenommene Handlung war. Dann aber ist es kaum wahr- 
scheinlich, daß diese Prozedur, also eine positive Handlang die 
lediglich in einer Unterlassungsbandlung bestehende Nichterfüllung 
des Schuldners veranschaulicht haben sollte. Daß der Schuldner den 
Verzug noch durch eine besondere symbolische Handlung dokumen- 
tierte, wird man nicht glauben. Zudem widerlegte eine solche An- 
nahme direkt CT VIII 33 a, wo neben dem Akte des qdtam nasähu 
noch ausdrücklich die Nichterfüllung seitens des Schuldners konstatiert 
wird. Das Herausziehen der Hände muß daher einen anderen juris- 
tischen Vorgang symbolisiert haben. Worin dieser bestand, läßt sich 
aber vermuten. Ich meine vor allem: wenn die Hände des Schuldners 
herausgezogen werden, müssen sie vorher einmal irgendwo hineingelegt 
worden sein. Da drängt sich nun die Annahme von selbst auf, daß 
der Schuldner sich seinerzeit durch Handschlag, indem er seine Hand 
in die des Gläubigers legte, verpflichtete. Dann aber kann das Heraus- 
ziehen der Hände (seil, aus der Hand des Gläubigers), somit der con- 
trarius actus, nur die entgegengesetzte Wirkung symbolisieren: die 
Befreiung des Schuldners. Die Frage aber, warum der Schuldner 
befreit werde, beantwortet sich jetzt von selbst: durch die Interzession 
des Dritten, ein Kausalzusammenhang, der übrigens auch syntaktisch 
durch das dem Verbum angehängte ma hervorgehoben wird. 12 ) 

Eine genauere Betrachtung der Fristen, in denen der Interzedent 



10) Ebenso auch Cuq, nouv. rev. bist. 34 p. 453. 
10a) Kobler zustimmend Schorr, WZKM 24 p. 455. 

11) Vgl. im allgemeinen über das juristische Denken der Babylonier die 
belehrenden Ausführungen Schneiders, Kultur und Denken der Babylonier und 
Juden 1910 p. 550 f. 

12) Es ist daher korrekt zu übersetzen: „nachdem (weil) die Hand des 
Schuldners herausgezogen worden ist, wird der Interzedent zahlen." Richtig 
auch Ungnad 1. c. : „Die Hand .... ist herausgezogen; deshalb wird der 



28 Interzession im Exekutionsverfahren. 

zu erfüllen verspricht, ermöglicht es ferner, auch Anlaß und Ursache 
dieser Interzession wenigstens vermutungsweise näher zu bestimmen. 
Zweierlei fällt an ihnen auf, einmal ihre Kürze — 5 bzw. 15 Tage 13 ) — , 
ferner der Umstand, daß die fünftägige Frist in den beiden sowohl 
sachlich wie auch zeitlich voneinander völlig unabhängigen Urkunden 
VS VII 98 und 138 begegnet. Es ist ja möglich, daß dies ein Zufall 
ist. Wahrscheinlich erscheint mir indessen diese Annahme angesichts 
der völligen inhaltlichen Übereinstimmung beider Texte nicht. Viel- 
mehr drängt sich wohl die Vermutung auf, daß diese Fristen nicht 
Parteifristen, sondern vom Gesetz oder Gewohnheitsrecht normiert 
waren. Dann aber liegt der Schluß nahe, daß die Interzession unserer 
Urkunden nicht lediglich ein in der Parteienautonomie wurzelndes 
Rechtsgeschäft darstellt, sondern vielmehr in einem vom objektiven 
Recht irgendwie geregelten Verfahren erfolgte. Ich möchte daher 
annehmen, daß der im Verzuge befindliche Schuldner vom Gläubiger 
bereits mit Prozeß bzw. mit Exekution verfolgt wurde. In diesem 
Stadium des Verfahrens tritt nun der Interzedent auf und befreit 
den Schuldner vom Zugriff des Gläubigers, indem er für ihn zu leisten 
verspricht. Wenigstens macht diese Deutung sowohl die Überein- 
stimmung der Fristen wie auch deren Kürze verständlich. Denn der 
Gläubiger, der bereits mit Exekution gegen den Schuldner vorgeht, 
hat doch, wenn er ihn infolge der Intervention eines anderen frei gibt, 
Anspruch auf rasche Befriedigung. 14 ) Trifft diese Erklärung zu, so 
hat, wie schon Cuq 15 ) erkannt hat, das unseren Texten zugrunde- 
liegende Verfahren eine gewisse Ähnlichkeit mit der römischen manus 
iniectio in dem Falle, als ein vindex mit befreiender Wirkung für den 



Interzedent zahlen." Müllers (Gesetze Harnmurabis p. 252 f.) Lehre, daß ma 
nicht koordinierte Sätze verbindet, sondern temporale oder kausative Ad- 
verbialsätze abschließt, bestätigt sich an diesem Falle in besonders anschau- 
licher Weise. 

13) CT VIII 33 a enthält keine Fristangabe. Doch kann eine solche viel- 
leicht darin gefunden werden, daß der Interzedent „am Eingange des Tores nach 
dem derzeitigen Kurse" die Wolle zu liefern verspricht. Damit könnte der 
nächste Wollmarkt gemeint sein. 

14) VS VII 98 und 138. die von der fünftägigen Erfüllungsfrist berichten, 
sind aus der Zeit Ammisadugas. Die lötägige Frist der älteren Urkunde CT 
IV 31b (aus dem 27. Jahre Ammiditanas) mag wohl die eines früheren Gesetzes 
gewesen sein, das später abgeändert wurde. Daß CT VIII 33 a keine Frist angibt, 
braucht nicht zu befremden, da es den Parteien wohl freigestanden haben mag, 
die gesetzlichen Fristen nach Vereinbarung durch andere zu ersetzen, und ein 
solcher Fall kann hier gerade vorliegen. Vgl. die vorige Note. 

15) Nouv. rev. hist. 33 p. 430; 34 p. 453. Den Gesichtspunkt, daß es sich 
um ein Vollstreckungsverfahren handelt, betont er allerdings m. E. zu wenig. 



Interzession im Exekutionsverfahren. 29 

Schuldner eintritt. 16 ) Diese Analogie erfährt noch eine Verstärkung in 
einem Detailpunkte durch folgende, den bisher erörterten Texten offen- 
bar sachlich zugehörige Urkunde: 

VS IX 173 (H. G. IV 808, Zeit Hammurapis) 17 ) 

eli ilu Sin-a-sa-ri-id \ Zu Lasten des Sin-asarid 

"An-na-ba-tiim, SAL-ME ilu Samas, hatte Annabatum, die Samas- 

priesterin, 



märat Sa-lu-ru-um, se-a-am ir-si-ma 

5 htr 50 qa SE Amat- il "Samas, 
SAL-ME ilu Samas, 

5 märat Ar-bi-E-a, 
ga-ti An-na-ba-tum, 
märat Sa-lu-ru-um, 
i-zu-uh. 
Ohne Zeusen und Datum. 



die Tochter des Sallurum, Getreide 

gut. 
Darauf hat wegen 5 Kur 50 Qa 

Getreide Amat-Samas, die Samas- 

priesterin, 
die Tochter des Arbi-Ea, 
die Hand der Annabatum, 
der Tochter des Sallurum, 
weggezogen. 



Schorr 18 ) findet in der Urkunde die „Zahlung eines Bürgen" be- 
zeugt. Allein von einer solchen ist nirgends die Rede. Es wird vom 
„Bürgen" nur ausgesagt, daß er die „Hand des Gläubigers weggezogen 
habe", und diese Phrase auf eine Zahlung zu beziehen, ist wohl kaum 
statthaft. Vielmehr wird qati . . . issuh in Z. 6f. wohl ebenso von der 
befreienden Wirkung der Interzession des Dritten zu verstehen sein, 
wie in den obigen Texten die Redensart „die Hand des Schuldners 
ist herausgezogen''. Nun wird allerdings dort „die Hand des Schuldners 
herausgezogen" infolge der Interzession des Dritten, und man möchte 
daher meinen, daß im Aktivum es der Interzedent ist, der die Hand 
des Schuldners herauszieht. Hier wird aber von ihm berichtet, daß 
er die Hand des Gläubigers wegziehe. Allein man darf diesen 
Widerspruch vielleicht durch die Annahme lösen, daß das Voll- 
streckungsverfahren gegen den Schuldner ähnlich wie bei der 
manus miectio durch eine Handanlegung des Gläubigers ein- 
geleitet wurde, etwa in der Weise, daß er den Schuldner an der 



16) Vgl. Gaius, inst. 4, 21 : der Gläubiger, indem er die Spruchformel der 
manus iniectio sprach simul aliquant partem corporis eius (des Schuldners) prni- 
debat; nee licebat hidicato nianum sibi depettere et pro se lege agere, sed vindicent 
dabat, qui pro se causam agere solebat. qui vindicem )io» dabat, domum ducebatttr 
ab actorc et vinciebatiir. 

17) Die Umschrift nach einer freundlichen Mitteilung Hazukas. 

18) Anzeiger der Wiener Akad. 1'JIO p. 52. 



30 CT Vm 38 c. 

Hand faßte. Der Interzedent aber, zum Zeichen, daß er den 
Schulder aus dem Zugriff des Gläubigers löste, „zog dessen 
Hand weg" (manum d&pellere) 1 *) und bewirkte eben dadurch, 
daß „die Hand des Schuldners aus der des Gläubigers heraus- 
gezogen wurde". Wir können bei dieser Interpretation der oben 
aufgestellten Hilfshypothese, daß der Schuldner sich seinerzeit dem 
Gläubiger durch Handgelöbnis verpflichtet habe, entraten. Damit soll 
aber keineswegs behauptet sein, daß sie unmöglich und unstatthaft sei. 
Ich komme auf diese Frage noch zurück.- ) 

Die Redensart qdtam nasdhu begegnet noch in CT VIII 38 c (H. G. 
III 746), einer Urkunde, für die ich eine Erklärung nicht zu wissen 
bekenne. Ich beschränke mich daher, ihren wesentlichen Inhalt 
mitzuteilen. Es wird zunächst berichtet, daß Anum-pisa 670 Qa Ge- 
treide an A, B und C gegeben habe (iddinu). Die Urkunde fährt 
dann Z. 7 f. fort: Anum-pi-sa se-a-am (8) i-li-ru-hia (9) a-na 1 -f % 
-f V 10 SE Jcur u-te-ir-ru (10) 3 / 5 -f- V30 &-& kur it-ba-lu „nachdem sie 
dem Anum-pisa das Getreide (8) abgeleugnet hatten, (9) haben sie 
dafür, daß sie 450 Qa zurückgaben, (10) 220 Qa Getreide weggetragen. 
Datum". Dies sieht so aus, als ob die Regulierung des Schuldver- 
hältnisses im Vergleichswege erfolgt sei. Darnach wird bemerkt, daß 
derselbe Anum-pisa dem C D E und F [x] -f 1 / 10 SJE Jcur Getreide zu- 
gemessen habe (imdudu) und nun heißt am Schlüsse Z. 20f.: 3 SE 
hur GIS-BAR i,u Samas (21) ma-ah-ri-a-am (22) u ar-Jci-am (23) ga- 
-tam ie-eu-hu „bezüglich 900 Qa Getreide im Maße des Samas, (21) des 
früheren (22) und des späteren 21 ) (23) haben sie die Hand weg- 
gezogen". Datum. Keine Zeugen. Subjekt hierzu sind anscheinend 
die Schuldner, und man darf vielleicht annehmen, daß es die Hand 



19) In diesem Sinne auch Kohler, H. G. IV p. 92. 

20) Vgl. unten § 14. 

21) Da die 900 Qa offenbar die Summe beider Getreidemengen ausmachen, 
berechnet Ungnad die zweite aus der Gleichung x -\- 30 -f- 670 = 900, x = 200. 
Somit beträgt die zweite Forderung 230 Qa = [%] -f- l / 10 SE hur. 

22) Mit den im Texte besprochenen Urkunden ist das derzeit mir für das 
altbabylonische Recht zugängliche bürgschaftsrechtliche Quellenmaterial, soviel 
ich sehe, erschöpft. Es sei nur noch bemerkt, daß in einer Reihe von Urkunden, 
die sich auf die öffentliche Verwaltung, sei es des Hofes, sei es der Tempel be- 
ziehen, Personen begegnen, die den Titel NEJ& = sepu (?) ..Fuß" (vgl. Ungnad, 
BA VI 5 p. 30 n. 2) führen. Diese Texte bedürfen noch einer besonderen Unter- 
Buchung. Es handelt sich größtenteils um Empfangsbestätigungen, Verrechnungen 
über Lieferungen an Geld, Naturalien, Vieh usw. aus öffentlichen Fonds und 
Kassen und an solche, — so z. B. verrechnet in VS VIII 37,38 (H. <t. IV 1076) liulik- 
-Sin eine Geldsumme, die zur Soldzahlung für Soldaten verwendet wurde, in 
VS VIU 103/104 (H. G. IV 811) bestätigt dem Sumastempel ein Metallarbeiter eine 



CT Vm 38 c. 31 

des Gläubigers ist, die sie hinwegziehen. Über die juristische Be- 
deutung der Phrase jedoch Vermutungen aufzustellen, wäre angesichts 
der vielen Zweifel, zu denen die Urkunde Anlaß gibt, zwecklos. 22 ) 



Geldsumme, die er für die Anfertigung einer Bronzeschüssel erhalten hat (vgl. 
auch TS VIII 90/91 = H. G. IV 810, ferner BE VI t 24, 32, 102, 106, CT VI 24c, 
VDI 33c, VS VII 84, 85, 86, 131, IX 14, 16, 17 usw.) — ferner um Abgabenquit- 
tungen (VS VII 73 74), Kassenanweisungen (CT VIII 8 b, 30c, VS IX 212); CT II 27 
und VS IX 42 sind Kaufverträge über Grundstücke, an deren Abschluß die Palast- 
verwaltung beteiligt ist usw. Alle diese Urkunden enthalten die Klausel, daß 
irgendeine Person NER sei. Ungnad (vgl. auch H. G. III p. 37 n. 4) übersetzt: 
„es garantiert der X." An Bürgschaft ist indessen hier nicht zu denken. A. M. 
Kohler, H. G. III p. 237, IV p. 91. Der NEB ist vielmehr ein Kontrollorgan, 
der in dieser Eigenschaft in der Urkunde angeführt wird und sie wohl auch 
siegelt (vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 412). Er kontrolliert den betreffen- 
den Verwaltungsakt, indem er bei dessen Durchführung dabei steht, woraus 
wohl auch sein Name „Fuß'' zu erklären sein wird, vorausgesetzt allerdings, daß 
dem Zeichen in der Tat der Wert sepu zukommt. 









Zweiter Teil. 

Die Rechtsquellen aus der Zeit des 
neubabylonischen Reiches und der Perserherrschaft. 

§ 4. 
Die Rechtsquellen — es sind fast ausschließlich Rechts Urkunden — , 
welche dem in der Überschrift abgegrenzten Zeiträume angehören, und 
an die sich noch einzelne Texte aus der Zeit nach der griechischen 
Eroberung sowie der Seleuzidenherrschaft schließen, können und 
müssen auch, wenn man methodisch vorgehen will, im Zusammen- 
hange behandelt werden. Denn die Aufrichtung der Perserherrschaft 
durch Kyros bedeutet, wie schon Kohl er und Peiser 1 ) richtig er- 
kannt haben, keine Zäsur in der Entwicklung des babylonischen Rechts. 
Es mag allerdings einer tiefer eindringenden Untersuchung der Rechts- 
quellen dieser Zeit gelingen, an einzelnen Punkten Neuerungen in der 
babylonischen Rechtskultur nachzuweisen, die dann wohl auf persi- 
schen Einfluß zurückzuführen sein werden. Allein das Bild, welches 
die bisherige Forschung aus der Betrachtung der babylonischen Rechts- 
urkunden zur Zeit der Perserkönige gewonnen hat, wird dadurch nicht 
wesentlich modifiziert werden. Die persische Eroberung hat keinen 
Umschwung im Rechtsleben gebracht. Das Recht ihrer Zeit weist 
vielmehr im großen und ganzen dieselben Züge auf wie zur Zeit der 
chaldäischen Könige. Das alles gilt natürlich auch für das Bürg- 
schaftsinstitut. Der Einfachheit halber sollen in diesem Abschnitte 
auch die wenigen Urkunden bürgschaftsrechtlichen Inhalts, die wir ans 
der Zeit der Kassitenkönige besitzen, behandelt werden, obwohl sie 
von den neubabylonischen Texten ein Zeitraum von ca. 700 Jahren 
trennt. Denn einmal würde ihre geringe Zahl sowie die Dürftigkeit 
ihres Inhalts für eine abgesonderte Darstellung sie wenig geeignet 
machen, ferner aber sind sie sowohl inhaltlich wie in der Termino- 
logie den neubabylonischen Bürgschaftsurkunden mannigfach verwandt. 

1) BR II p. i f. 






Die Terminologie. 33 

Das Material, welches die neubabylonischen Texte für die Bürg- 
schaft bieten, ist weitaus reicher und mannigfaltiger als dasjenige, 
welches für die Zeit des altbabylonischen Reiches zur Verfügung steht. 
Die Aufschlüsse, die uns die Quellen über das Bürgschaftsinstitut 
geben, sind daher hier auch weit inhaltsreicher. 1/ 

De r Terminus technicus für „bürgen" ist in der neubabylonischen 
Rechtssprache put . . . nasü. Daneben, wenngleich viel seltener, dienen 
noch die Redewendungen put . . . emeda, put . . . naddnu und put . . . 
mahusu zur Bezeichnung des Verbürgungsaktes. Es ist das Verdienst 
Opperts, zuerst die Bedeutung dieser Ausdrücke erkannt zu haben. 
In seinen 1877 erschienenen „documents juridiques de l'Assyrie et de 
la Chaldee", also zu einer Zeit, wo die Entzifferung und Interpreta- 
tion der babylonischen Rechtsurkunden sich in den allerersten An- 
fängen befand und wo man den Ergebnissen der assyriologischen For- 
schung noch mit Mißtrauen gegenüberstand, übersetzte Oppert mit 
divinatorischem Scharfblick die Klausel des daselbst (p. 260 f.) publi- 
zierten Schuldscheins aus dem 1. Jahre Nabonids Z. 9f.: Mi-ti-ya, 
hdbal Bel-abu-lih (litte) sa Jcaspa a-an 3 ma-na nas-si 2 ) „Mitya, filius 
Bel-abu-lih, pro argento tribus minis intercedet". Seither hatte Oppert 
mehrfach Gelegenheit, seine Auffassung von der Bedeutung dieser 
Phrasen gegen abweichende Ansichten 3 ) zu verteidigen. 4 ) Nach ihm 
hat dann namentlich Kohler 5 ) die bürgschaftsrechtliche Bedeutung 
dieser Termini zutreffend gewürdigt, und heute wird sie von niemandem 
mehr in Frage gestellt. 6 ) Selbst die letzten Zweifel mußten schwinden 
angesichts der von Oppert im Corpus inscr. Sem. II, 1 no. 65 publi- 
zierten Urkunde Bu. 82 — 9 — 18, 49 aus dem 17. Jahre des Darius. 7 ) 
Hier vermietet jemand einen Bronzetopf ( er "düdu) an Ki-Samas und 
Samas-iddin. Z. 9 f. ist nun zu lesen pu-ut er "du-u-dii man-nu ad-du 



2) Ich gebe die Umschrift Opperts. Heute würde man gewiß manches 
anders transskribieren. Da mir jedoch eine Kopie des Textes nicht zur Ver- 
fügung stebt, muß ich von jeder Korrektur abseben. 

3) Solche sind namentlich von Peiser vertreten worden. Vgl. darüber 
unten § 20. 

4) Vgl. Oppert, ZA I p. 306, III p. 20, 177, IV p. 401 f. 

5) Vgl. seine Besprechung der documents juridiques in der Ztschr. für ver- 
gleichende Rechtswissenschaft III p. 214, ferner den juristischen Exkurs zu 
Peisers BV p. XXXV, dann BR I p. 12f., II p. 36f., III p. 28f., IV p. 55 f., BA IV 
p. 427 f. 

0) Vgl. statt aller anderen die Lexika s. v. pütu: De litzsch p, 517 f., Muss- 
Arnolt p. 148, 848f. 

7) Vgl. auch Meissner, de Servitute Babylonico-Assyriaca, Berliner Diss. 
1892 p. 26. 

Ko schaker: Babylon.-assyr. Bürgschaftsrecht. 3 



34 Die verbürgte Schuld. 

erS du-u-du m Ki- ilu Samas il "Samas-iddi)i na-as-i' (?)*) „für den Bronze- 
topf des Bronzetopfes sind Ki-Samas (und) Samas-iddin Bürgen". 

Daß hier put . . . nasit mit „bürgen" zu übersetzen ist, beweist nämlich 
zur Evidenz die ar amäis che Beischrift der Urkunde: ülttPD 2~p ^7 fcO" 1 :? 9 ), 
die Oppert übersetzt: cautio 9 ), quae coram Kisauas (Ki-Samas). 

Wenngleich also der Sinn der eben angeführten Redewendungen 
heute als festgestellt gelten darf, so bleibt doch ihre philologische 
Erklärung und insbesondere die Frage offen, wieso die Verba nasü, 
naddnu, mähdsu usw., die von Haus aus „tragen, geben, schlagen" be- 
deuten, in diesem Zusammenhange zur Bezeichnung des Verbürgungs- 
aktes dienen konnten. Die Untersuchung dieser schwierigen Frage 
bleibt einem späteren Abschnitte vorbehalten. 10 ) Für die folgende 
juristische Analyse der einschlägigen Urkunden ist jedoch dieser 
Punkt nicht von unmittelbarer Bedeutung, und wir können daher, 
ohne eine Störung im Gange der Untersuchung befürchten zu müssen, 
die betreffenden Termini einfach mit „bürgen, garantieren" oder ähn- 
lich übersetzen. 

I. Der typische und häufigste Fall der Bürgschaft, für den uns 
die Urkunden die meisten Beispiele geben, ist die Darlehnsschuld . 
Allerdings muß diese Behauptung sofort eingeschränkt werden, indem 
sie in der Regel nur für die materielle Rech tslage , nicht aber für 
deren formelle Gestaltung in der Urkunde zutrifft. Denn genau ge- 
nommen ist der Begriff „Darlehen" den hierher gehörigen Urkunden 
nicht adäquat. Es handelt sich vielmehr, wie schon Kohler 11 ) erkannt 
hat, um abstrakte Verpflichtungsscheine (u-il-tim) n ) in der Regel 
auf Geld oder eine Quantität vertretbarer Sachen, denen gewiß in 
der weitaus größten Zahl der Fälle das Darle hen als Schuld- 
grund zugrunde gelegen haben wird, die aber zufolge ihrer 
abstrakten Natur auch andere causae in sich aufzunehmen vermochten. 
Notwendig abstrakt in dem Sinne, daß eine causa überhaupt nicht 
angegeben werden durfte, wie dies für den heutigen Wechsel gilt, 
war übrigens der Verpflichtungsschein nicht. Vielmehr konnte er 
durch Angabe des Schuldgrundes zu einem titulierten gemacht wer- 



8) So die Umschrift Opperts. 

9) X3" 1 ", wovon griech. ÜQQccßmv abzuleiten ist, bedeutet „Bürgschaft, 
Pfand". Vgl. Gesenius, Hebr. und aram. Handwörterbuch, 14. Aufl. p. 562. 

10) Vgl. unten § 20. 

11) Ztschr. f. vergl. Rechtswissenschaft III p. 213f., Exkurs zu IViser BV 
p. XXXIII f., BR I p. 13 f., III p. 18 f., IV p. 59 f, BA IV p. 425. 

12) Über die Etymologie dieses Wortes und die juristischen Konsequenzen, 
die sich daran knüpfen, siehe unten §§ 12 — 14. 



Der abstrakte Verpflichtungsschein. 35 

den. 13 ) Als solche causae finden wir z. B. angemerkt: Kaufpreis- 14 ), 
Pac htzinsschuld 15 ), Mitgjft bestellung 16 ), Kommenda 17 ), Mandat 18 ) usw. 
Daß, soviel ich sehe, das Darlehen in den Verpflichtungsscheinen als 
Schuldgrund nicht angegeben wird, ist gewiß ein Argument dafür, 
daß es in der Regel als causa zu unterstellen ist. 19 ) Wenn man 
überhaupt Vergleiche ziehen will, s o liegt es nahe, die neubabylon i- 
sche u-il-tim i n Parall ele zu stelle n_jn it der römische n stipula- 
tion, die ja in ganz ähnlicher Verwendung begegnet und mit der 
u-il-tim die Eigenschaft eines fakultativ abstrakten Versprechens ge- 
meinsam hat. Ich komme auf diesen Punkt noch zurück. 20 ) v/ 

Die überwiegende Mehrheit dieser Verpflichtungsscheine erwähnt 
nun die Bürgschaft , wenn sie überhaupt vorkommt, in der Form, daß 
gewöhnlich am Schlüsse des Textes vor den Zeugennamen angemerkt 
wird, eine bestimmte Person sei Bürge, ohne da ß wir im ü brigen 
über den Inhalt des Bürgenversprechens näheren Aufschluß erhielten. 
Ein Beispiel mag für viele andere genügen. 

Nbn. 282 = KB IV p. 228 XXV. 

2 / 3 manu Jcaspi sa m Ü "31arduk-Mn 



■aplu, 



2 / 3 Minen Silber, gehörig Marduk- 



-kin-aplu, 



13) Vgl. Köhler, Exkurs zu Peiser BV p. XXXIV, BA IV p. 425. 

14) Die Schuldsumme wird als Kaufpreis oder Kaufpreisrest bezeichn et. 
Vgl. z. B. Nbn. 1031 (KB IV p. 254 L VH), Cyr. 320 (Demuth, BAIII p. 401), BV 29 
(Kambyses), Camb. 153, BV 45 (Dar ius). 

15) Die Schuldsumme wird als imittum (vgl. Delitzsch, BA III p. 385f.) I 
bezeichnet. Vgl. z. B. Cyr. 123 (Demuth, BA III p. 404), Camb. 56, 319 (Ziemer, 
BA III 'p. 461, 459), BV 25, 128 (Kambyses), KB IV p. 298 IV (1. Jahr des Smerdis), 
BV 59, 75, 87 . 132, 130, KB IV_ p. 308 IX (sämtliche aus 'der Zeit des Darius). 
Eine Mietzinsschuld liegt der u-il-tim Nbk. 350 (Marx, BA IV p. 27) zugrunde. 

16) Vgl. z. B. Nbk. 91 (Marx, BA IV p. 25). 

17) Der Kommendatar verspricht die Bückgabe des ihm anvertrauten Ge- I 
Schäftskapitals durch u-il-tim. Beispiele: Nbk. 64, Nbn. 572, 652, 653 (BR II p. 58), 
Dar. 134 (BR III p. 47), Dar. 357 (BR IV p. 77). 

18) Hie rhe r gehört es, wenn ein Bankier für einen anderen eine Steuer- I 
schuld__be zahlt und sich von ihm darüber eine u-il-tim ausstellen läßt. Vgl. Ko- 
t"ä~TTa7BA IV p. 573/ Beispiele: Nbn. 103 (KB IV p, 218 XI), BE IX 115 und 96 
(Kotalla, a. a. 0. p. 571), die beiden letzteren Urkunden aus der Zeit Ar- 
taxerxes' I. 

19) Als solche begegnet es in dem Briefe CT XXII 75 (Martin p. 62). Der 
Absender Gula-balätsu-iqbi teilt dem Adressaten Kurbanni-Marduk mit, daß Sad- 
dinu kein Saatgetreide besitze und bittet ihn Z. 7 f.: lkur SE-BAR hau lid- 
-din-su (8) u u-il-tim ina muh-hi-su (9) bclu li-'-il ,,1 Kur Getreide möge der Herr 
(d. h. der Adressat) ihm geben (8) und einen Verpflichtungsschein zu seinen (des 
Saddinu) Lasten (9) möge der Herr sich ausstellen lassen". 

20) Vgl. unten § 14. 

3* 



36 



Bürgschaft und Pfand. 



apil-su sa m ilu Bel-erba, apil amelu bäni, 

ina muh-hi m IUi-sarri-i-ni-ia, 
apil-su sa 

m Bel-ia-a-tu-nu. sa arhi ina muh-hi 
5 1 mane e 1 siqil Jcaspi ina muh-hi-su 

i-rab-bi. 21 ) arha-a-ta- hubulli 

ina-ad-din. ina hi-it sa a '~ u Tasritu 

Tcaspa-a-an % manu ina isten siqil 
pit-qa 22 ) 

i-nam-din. pu-ut e-tir sa kasyi 
io ^ h u bull i - su m Iddin Jlu MarduJc, 

api lrsu sa müu Marduk-sum-ibni . 
apil a '" e ' l "Ardi- ilu Nerval 22 *) , na-si. 
3 Zeugen und der Tafelschreiber. 
Datum: Babylon, am 16. Nisan im 
" 8. Jahre Nabonids. 
In dieser Gestalt wird die Bürgschaft beurkundet in Verpflich - 
tung ssch einen auf Geld 23 ), auf Naturalien 2 4 ) , auf Geld und Natu- 
ralien . 25 ) Hier bei kan n die Bürgschaft mit pfandrechtlicher Siche- 
rung des Gläubigers konkurrieren 26 ), ohne daß sich über das Verhältnis 
der Bürg en- und Pfandhaftung_ zueinander etwas Näheres ermitteln 
ließe. Der Urkundenschreiber führt nur an, daß ein bestimmtes Ob- 
jekt (Grundstück, Haus, Sklave usw.) Pfand (masMnu) sei und zwar 



Sohn des Bel-erba, Nachkomme des 

Baumeisters, 
lastend auf Itti-sarri-inija, Sohn des 

Bel-jatunu. Monatlich wird auf 
1 Mine ISekel Silber zu seinen Lasten 5 
anwachsen. 21 ) Monatlich die Zinsen 
wird er geben. Am Ende des Tasrit 
wird er an Silber 2 / 3 Minen in 

Y 8 Sekelstücken 22 ) 
geben. FürdasZahlendesSilbers 
und seiner Zinsen ist Iddin - io 

-Marduk, 
Sohn des Marduk-sum-ibni , 
Nachkomme des Ardi-Nergal , 

Bürge. 



21) D. i. 20% jährlich. 

22) Vgl. Un gnad, 2.^ gihgft_zur^LZ_p^26f. 
22a) Vgl. I r ailqui8t, Neubabyl. Namenbuch p. 15. 

23) Liv. 5 (Nebukadrezar) ; Ner. 39 (BR III p. 31); Nbn. 15, DJ p. 260, Nbu. 
198, 314, Moldenke 22 (p. 31), 24 (p. 36), Nbn. 621, 817, BV 8, Nbn. 1110, 1125 
(sämtliche aus der Zeit Nabonids); Cyr. 119 (BR II p. 34), 177 (KB IV p. 272 X), 
284 (BR IV p. 57); Camb. 145 (KB IV p. 286 V); BV 60, 141, 110, 111, 86 (aus der 
Zeit des Darius). 

24) Ner. 66; Nbn. 47, 441, 505, 375 (Marx. BA IV p. 50), 690, 932; BV 129, 
131 (die beiden letzten Urkunden aus der Zeit des Darius). 

25) Nbn. 4, 678. 

26) Grund- oder Hanspfand : Nbn. 678, BV 8, Cyr. 177 (KB IV p. 272 X ; 
Sklavenpfand: Nbn. 461 (?), 479, Moldenke 22 (p. 34), Nbn. 817, 1125, Cyr. 11« 
(BR II p. 34), BV 84 (Darius); Generalpfand : Ner. 39 (BR III p. 31 ), verbunden mit 
Spezialpfand an Sklaven : Nbn. 314. In Cyr. 119 und 177 ist das Pfand ein anti - 

i chretisches in dem Sinne, daß Pfandnutzun g und Zinsen miteinander aufgerechnet 
' werden. Vgl. zu diesen Urkunden jetzt auch Manigk, Gläubigerbefri. idigung 
durch Nutzung 1910 p. 86 f. 



Bürgschaft und Pfand. 37 

in der Regel mit der Bestimmung: räsü sanamma ina eli (Pfand - 
objekt) ul isatt ctfj adi eli den geschuldeten Betrag der Gläubige r 
isallimu „ ein anderer Gläubiger wird darüber nicht verfügen, bis der 
Gläubiger bezüglich der Schuld befriedigt ist." 2 7 ) Gewöhnlich an diese 
Klausel schließt sich dann gegebenen Fa lles der Verbürgun gsvermerk. 
Für die Frage des Verhältnisses zwischen Bürgen- und Pfandhaftuno- 
ob die eine gegenüber der anderen subsidiär war, ob der Gläubiger 
beide wahlweise oder kumulativ bis zu seiner Befriedigung geltend 
machen konnte, ist daraus nichts zu entnehmen. 28 ) Vielleicht würde 
eine eingehende Untersuchung des babylonischen Pfandrechtes einige 
Anhaltspunkte zu ihrer Lösung liefern. Eine solche liegt indessen 
außerhalb der Grenzen dieser Arbeit. 



27) Das > dadurch, dem Vergfönder auferlegte Verfügungsverbot wird wohl 
nur praktisch beim besitzlosen Pfand. Vgl. über die Klausel Rabel, Die Ver- 
fügungsbeschränkungen des Verpfänders 1909, p. 82 f., Manigk, a. a. 0. p. 86 f. 
Die Frage kann hier nicht untersucht werden. 

28) Nicht weiter bringen uns auch Nbk. 133 und 172 in Verbindung mit 
Nbk. 142. Die Urkunden sind von Kohler, BR I p. 21 f. richtig erklärt worden. 
Der Gläubiger einer Forderung, zu deren Sicherheit ein antichretisches Haus- 
pfand und zwei Bürgen haften, verpfändet die Forderung für eine Schuld. Wir 
ersehen nun zwar aus Nbk. 133 und 172, daß die Akzessorien der verpfändeten 
Forderung, die Pfänder und Bürgen auch dem Forderungspfandgläubiger zugute 
kommen. Über die Beziehung der Bürgen- zur Pfandhaftung erfahren wir in- 
dessen nichts, da Nbk. 172 nur von der Aufhebung der zwischen den beteiligten 
Personen bestehenden Rechtsverhältnisse durch Zahlung der Schuldner berichtet. 
Ebensowenig gibt Aufschlüsse zu unserer Frage Dar. 309 (BR III p. 33). Die 
Urkunde enthält ein eidliches Zahlungsversprechen des Ardia über seine Schuld 
von 8 Kur Getreide, 34 Kur Datteln und 13 Sekel Silber, die er bis zum 15 Tebetu 
des 11. Jahres des Darius (die Urkunde selbst ist vom 8. Kisilimmu, also ungefähr 
einen Monat vorher datiert) dem Gläubiger Marduk-näsir-aplu zu erfüllen ver- 
spricht. Hierfür verpfändet er seinen Sklaven mit der Verabredung, daß dieser 
bei nicht rechtzeitiger Erfüllung dem Gläubiger für 34 Kur Datteln und 13 Sekel 
Silber verfalle, vorbehaltlich der Schuld von 8 Kur Getreide. Der Schluß der 
Urkunde lautet Z. 17 f. : mArdi-ta ina nuJBel, 'i"Nabü u ™J) a -ri-'-mus sarri (18) a-na 

vi iiu Marduk-nrhir-aplu it-te-me, ki-i a-da-nu u-il-tim i[ ]. (19) ina lib-bi 

14 kur suluppu u 16 kur SE-BATi na-si. pu-ut sa ln Ardi - [ia] (20) u 13 siqil 
kaspi pmt u sa-ki-ini??) ana(?) pi-i-sa »'Iddin-^Nergal na-su-u „Ardia hat bei 
Bei, Nabu und Darius, dem König, (18) dem Marduk-näsir-aplu geschworen, daß 
er zur rechten Zeit den Verpflichtungsschein [auslösen werde?]. (19) Daraufsind 
14 Kur Datteln und 16 Kur Getreide gebracht. Für Ardi[a] (20) und 13 Sekel 

weißes Silber ist Iddin-Nergal Bürge." Kohl er 1. c. meint, daß der 

Schuldner eine Teilleistung gemacht habe, wobei die 8 Kur Getreide, die er über 
seine Schuld hinaus leistete, mit den restlichen 20 Kur Datteln aufgerechnet 
wurden. Für die noch ausstehenden 13 Sekel Süber verbürge sich nun Iddin- 
-Nergal. Allein es wäre doch auffallend, daß am selben Tage, da der Schuldner 
das Erfüllungsversprechen abgibt, er schon einen Teil leistet. Da das Erfüllungs- 
versprechen des Ardia nach Z. 18 sich auf eine früher errichtete u-il-tim bezieht, 
so möchte ich es für wahrscheinlicher halten, daß Z. 19 nur angibt, inwieweit 



38 Die "verbürgte Schuld: Einzelheiten. 

IL Außer } zur Sicherung von Forderungen aus Verpflicktungs- 
scheinen 29 ) begegnet die Bürgschaft in den Urkunden bei den ver- 
schiedenartigsten Obligationen. So bei Erfüllungsversprechen . Vgl. 
z.B. Camb. 165 (KB IV p. 286 VI): Nabü-iqisa hat von Itti-Marduk- 
-balätu Sklaven auf Kredit gekauft und über den Kaufpreis eine 
u-il-tim ausgestellt. Da er nun nicht rechtzeitig gezahlt hat, so ver- 
pflichtet er sich neuerlich , entweder innerhalb bestimmter Frist zu 
zahlen oder die Sklaven zurückzugeben. Z. 7 f. : f Amti-ia, märU-su 
sa m Ib-na-a, mär m Da-bi-bi, pu-ut "' ilu JS T abü-iqi-sa na-sa-a-tu „die Amtia, 
die Tochter des Ibnä, Nachkommen des Dabibi, ist für Nabü-iqisa 
Bürgin". Ferner Dar. 392 (BR IV p. 50): A und B haben dem C an 
Zahlungsstatt für dessen Forderung ^aus^emer^u-ü-tim einige Stücke 
Vieh verkauft. Sie haben aber erst einen Teil davon übergeben und 
versprechen nun, in bestimmter Zeit die restlichen Viehstücke zu 
liefern, widrigenfalls die Forderung, soweit sie nicht gedeckt ist, 
wieder in Kraft treten soll 30 ); Z. 16f.: pu-ut A (17) B u a-bak alpa-a-an 
4 D (18) na-si „für A (und) (17) B und das Herbeiführen von an 



der Verpflichtungsschein vom Gläubiger valutiert wurde. Wie sich indessen die 
Verbürgung des Iddin-Nergal zur Pfandhaftung verhält, bleibt ganz dunkel, zu- 
mal die Lesungen in Z. 20 höchst unsicher sind. 

Daß der Bürge ein Pfand für die Hauptschuld bestellt, berichtet Cyr. 284 
{BR IV p. 57). Die Urkunde ist eine u-il-tim über eine Forderung von s / s Minen 
der A an die Geschwister B und C, für die ihr Onkel D bürgt (Z. 6 f. : pu-ut e-iir 

sa kaspa-a-an % mani D na-si „für das Zahlen von an Silber s / s Minen 

ist D . . . . Bürge"). Zugleich verpfändet er einige seiner Sklaven und Grundstücke. 
Doch liegen die Verhältnisse hier besonders. Z. 14 f. am Ende des Textes ist 
nämlich zu lesen: kaspu sa a-na gi-mir sa a-me-lut-tum sa a-na D nadnu"" 
„das Silber ist das für die Vollbezahlung der Sklaven, die dem D gegeben 
wurden". Demnach hat wohl D von der A Sklaven gekauft und ist den Kauf- 
preisrest schuldig geblieben. Anstatt nun selbst der Gläubigerin eine u-il-tim 
auszustellen, übernehmen seine Neffen die Schuld, während D, obwohl er materiell 
der Schuldner ist, nur als Bürge auftritt. Aus dem letzteren Grande verpfändet 
er auch die Sklaven (es sind anscheinend die von der A gekauften). Der Tat- 
bestand erinnert in mancher Beziehung an die intercessio tacita des römischen 
Rechts. Aus dieser materiellen Rechtslage erklärt es sich -wohl auch, warum in 
dem an die Pfandbestellung sich knüpfenden Verfügungsverbot auch der Bürge 
erwähnt wird, was sonst nicht der Fall ist, Z. 12f. : „ein anderer Gläubiger wird 
darüber nicht verfügen, a-di-i muh-hi sa A Jcaspa-a-an '-"., manu ina ([<it />' C u 
D ta-sal-li-mu „bis daß A bezüglich des Silbers % Minen von B C und D be- 
zahlt ist". 

29) Hierher sind auch jene Urkunden zu stellen, die in anderem Znsammen- 
hange eines Verpflichtungsscheins mit BürgenBtellung Erwähnung tun, wie z. B. 
Nbk. 133 7 (BR I p. 21), 172 n (BR I p. 22); Lab. 2, (KB IV p. 206); Nim. 461 n , 
738 t (BR I p. 3), 945 1;; ; Cyr. 242 (Demuth, BA III p. 410); Liv. 34, (Kam- 
byses) usw. 

30) So erklärt Kohl er, BR IV p. 51 die Urkunde. 



Die verbürgte Schuld: Einzelheiten. 39 

Rindern 4 (Stüc k) ist D (18) Bürge". 31 ) Durch Bürgschaft wird ge- 
sichert bei der rvommen da die Verpflichtung des Komrnendatar s zur 
Rückstellung des Kapitals nach Beendigung der Geschäftsreise 32 ), 
Bürgen begegnen ferner beim Depositum 33 ), bei Lohnv erträgen auf 
Seite des Arbeitsnehmers 34 ), zur Sicherung von Steuer s chulden. 3 5 ) 

Juristisch interessant ist Ev. Mer. 19 (BR III p. 27). Die Ur- 
kunde, die mit den ganz ähnlich stilisierten Texten Ev. Mer. 9, 16 
und 22 (BR III p. 24 f., 27) zusammen eine Gruppe bildet, handelt, 
wie schon Kohler, BR III p. 24f. richtig erkannt hat, von der kon- 
kurs maß igen Befriedigung eines Gläubigers des Nabü-aplu-iddin. 
Das Verfahren erinnert insofern an die bonorum venditio des römi- 
schen Rechts, als auch hier die Konkursmasse von einem bonorum 
emptor 36 ), der die Befriedigung der Gläubiger übernimmt, um einen 
Pauschalpreis gekauft wird. Die Auszahlung der Gläubiger läßt im 
vorliegenden Falle der bonorum emptor Nergal-sar-usur durch seinen 
Bankier Nabü-ahe-iddin besorgen. Wir können hierbei konstatieren, daß 
die Pfandgläubi ger in Ev. Mer. 9 voll ausbezahlt werden, während 
die chirographarischen Gläubiger in Ev. Mer. 16, 19 und 22 sich mit 
einer lediglich quotativen Befriedigung begnügen müssen. Sie hän- 
digen dafür die Schuldurkunden dem bonorum emptor aus. v Doch 
scheinen diese Abmachungen noch einer auf Antrag des Gläubigers 

31) Ein Konstitut zweier Schuldner A und B ist auch Dar. 296 (BR IV 
p. 56). Hier begegnet die Bürgschaftsklausel in der noch später (vgl. unten § 5 III) 
zu erörternden eigentümlichen Gestalt Z. 16 f. : C pn-ut sepi sa A na-si, D pu-ut 
sepi sa B na-si „C ist für den Fuß des A Bürge , D~ist fürden Fuß des 
B Bürge". ~~ 

32) Moldenke 15 (p. 14, aus dem 11. Jahre Nabonids) Z. 9: pu-u-tu qaqqadi _ 
kaspi A . . . \na-si\ für das Kapital an Silber i s t A . . . [Bü rge]". Vgl. jedoch 
auch unten § 15. 

33; Nbk. 134 (BY p. 308 , Meissner, MVAG 10 p. 309). 

34) Dar. 154 (BR EI p. 46). 

35) BEVnij45 (p. 29, 3. Jahr Nabonids), ein Verpflichtungsschein über 

2 Sekel Süber. Die geschuldete Summe wird Z. 7 bezeichnet: kaspu sa il-ki j 
sa pu-nt '"Zeri-ia na-su-u ,, das Silber ist für die Lehensabgabe, für welche Zeria [ 
bürg t"! Ungenau übersetzt Clay: the money for the feudal tax, an Obligation J 
of Zeria, they assume. Camb. 398 Z. lf. erwähnt eine Lieferung von Kleidern usw., 
die Z. 3 f. charakterisiert wird: il-ki sa A sa sattu 7^ n <, sa B pu-ut e-te-ru sa 
K r KUB-RA-MES ina qätä C na-su-u ,, Lehensabgabe des A für das 7. Jahr, be- 
züglich welcher B für das Liefern der Ä~i7.ß-iL-l-Kleider in die Hände des C 
bürgt". 

36) Es wird von ihm in Ev. Mer. 9 6 , 19 s ausgesagt, daß er das „Haus" 
il'i'n hier wohl gleich „Vermögen") des Nabü-aplu-iddin. des Gemeinschuld- 
ners, „gekauft habe" (ana kaspi imhur). Die Analogie erstreckt sich also 
sogar auf die Terminologie. 



40 Die verbürgte Schuld: Einzelheiten. 

zu erfolgenden behördlichen Bestätigung zu ihrer Gültigkeit bedurft 
zu haben. Das wenigstens dürfte m. E. der Inhalt folgender in 
Ev. Mer. 19 Z. 14f. begegnenden Klausel sein: a-di eli A (der Gläubiger) 
a-na (15) ame ''sange sa sarri i-qab-bu-ma duppi (16) a-jril-tu 31 ) i-Jcan-na- 
-ku milu Nabü-ahe-iddin, apil-su sa (17) '" il "Nabü-nädin-sum, apil mi!u Bel- 
-suk-ta-nu, pu-ut e-tir (18) sa % mani laspi na-si „ bis A zu (15) den 

Pri estern des Königs sp richt und diese darauf die Tafel (16) 3| ) 

siegeln, ist Nabü-ahe-iddin , Sohn des (17) Nabü-nädin-suru, Nach- 
komme des Bel-suk-ta-nu, für das Zahlen (18) von \ Mine Silber 38 ) 
Bürge''. Noch deutlicher drückt sich Ev. Mer. 16 Z. 13 f. aus: A (der 
Gläubi ger) a-na am *'sange sa sarri i-qab-bi-ma duppa (14) i-Jcan-na-hi-ma 
a-na milu Nergal-sar-nsur i-nam-din-nu. hi-i (15) la ig-ta-bu-u -'-ma duppa 
la ik-tan-gu-ma (16) a-na müu Nergal-sar-uswr la id-dan-nu- kaspa 
hubulli-su (17) A a-na milu Nergal-sar-usur i-nam-din „A wird, zu den 
Priestern des Königs sprechen., und die Tafel (14) werden sie dann 
siegeln und dem Nergahsar-usur geben. W_enn (15) _er (?) n icht 
spricht und sie die Tafeln nicht siegeln (16) und dem Nergal-sar-usur 
nicht geben, wird das Silber und seine Zinsen (17) A dem Nergal- 
-sar-usur geben". 39 ) Demnach muß der Gläubiger, falls er den Antrag 
auf behördliche Bestätigung des Ausgleichs nicht stellt oder diese 
verweigert wird, das Empfangene dem bonorum emptor zurückgeben. 
Für diese Verpflichtung tritt in Ev. Mer. 19 Nabü-ahe-iddin (er 
ist nicht mit dem Bankier gleichen Namens, durch den der bonorum 
emptor Nergal-sar-usur die Auszahlung der Gläubiger durchführen 
läßt, zu verwechseln) als Bürge ein. Wie sich dann das Verfahren 
in diesem Falle weiter gestaltete, wissen wir nicht. Unsere Urkunden 
beziehen sich also auf einen im Laufe des Kojukm^y^rfahrens abge- 
schlossenen Ausgleich, der mit dem Zwangsve rgleich unserer modernen 



37) Die Bedeutun g des Ausdruc kes duppi apiltu ist f raglich. Peiser, 
BR 1. c. übersetzt „das Siegel des Besitznehmens". Dem Zusammenhang nach 
muß dup apiltu wohl eine Aufstellung des bonorum emptor über die den einzelnen 
Gläubigern zuzuweisenden Beträge sein, also eine_ Art Liquidi erungstabelle . Dazu 
würde auch die Etymologie stimmen, wenn man apütu von apdla (ssx), das 
wenigstens im Altbabylonischen in der Bedeutung „zahlen" nachzuweisen ist, 
ableiten dürfte. Dup apiltu wäre demnach die „Zahlungstabelle". Doch ist dies 
alles ganz unsicher. 

38) Das ist die auf den Gläubiger entfallende Tangente. Die Forderung 
selbst beträgt */ 8 Minen. 

39) Kürzer faßt sich Ev. Mer. 22 Z. 15f. : a-na a»>''i"dupsarruP l - sa sarri 
i-qab -bu-u^(l&) duppa i-kau-na-hu-ma a-na > l » Nergal-sar-usur i-nam-di-nu „zu 
den Selin-ibern des Königs werden nie idie Gläubiger spreehen [lti und diese 
werden die^ Tafel siegeln und dann dem Nergal-sar-usur geben". 



Bürgschaftsurkunden. 



41 



Konkursordnungen insofern eine gewisse Ähnlichkeit hat, als er, um 
eine Bevorzugung des einen Gläubigers zum Schaden des anderen zu 
verhindern, der behördlichen Überprüfung und Bestätigung bedarf. 
Diese Gefahr besteht für die dinglich gesicherten Pfandseparatisten 
nicht. Es ist daher vielleicht kein Zufall, daß die obige Klausel in 
Ev. Mer. 9, der Urkunde des Pfandgläubigers, fehlt. 40 ) 

§ 5. 
Die bisher erörterten Urkunden beschränken sich darauf, im Zu- 
sammenhange mit einem Rechtsgeschäfte die Tatsache, daß bei dessen 
Abschlüsse ein Bürge intervenirt hat, einfach zu registrieren, und die 
hierbei gebrauchten Redewendungen A put eteru (sa l'aspi, suluppu usw .) 
nas t, A gut (sa) leaspi nasj , A_put Bjnasl „ A ist für d as Zahlen 
(des_Silbe rs , de r D atteln us w.) Bür ge,, A ist für das Silber Bü rge, 
A ist f ür B Bürge" usw. 1 ) sind so allgemein, daß wir aus ihnen 
allein keine Vorstellung über den Inhalt der Bürgenobligation zu ge- 
winnen imstande wären. Indessen stehen diesen Urkunden andere 
Texte gegenüber, die wir als Bürgschaftsurkunden im eigentlichen 
Sinne bezeichnen können, weil sie ein Bürgenversprechen ex professo 
zum Gegenstande haben. Zwar gibt es auch unter ihnen solche, die 
lediglich den Akt der Verbürgung beurkunden, ohne etwas über den 
Inhalt der Bürgenhaftung auszusagen. Hierher gehört z. B. Dar. 506 
(BR IV S. 49): 

am * lu mär-bänüti sa ina päni-su-nu 
'" il "Bel-eres pu-ut m ilu Nabu-bul-lit-su, 
apil-su sa m Ni-din-tum- ilu JBel, ina 

qätä m m Mardu k-näsir-aplu, 
apil-su sa m Itti- Üa Marduk-balätu, 

is (?) 2 )-su-u 
folgen die Namen der Zeugen, sowie 
das Datum: 5. Ulülu, 20. Jahr des 
Darius. 



Die Frei geborenen, vor denen 
Bei- ere s für Nabü-bullitsu, 
Sohn des Nidintum-Bel, in die 

Hände des Marduk-näsir-aplu, 
Sohns des Itti-Marduk-balätu, ge^ 

bürgt hatte, sind: 



40) Bürgen erwähnen ferner Nbk. 196, 379. Doch sind die Urkunden zu 
lückenhaft, als daß ich die Natur der Verpflichtung, zu deren Sicherung der 
Bürge eintritt, zu bestimmen vermöchte. Das Gleiche gilt für Nbk. 24 (Meissner, 
MV AG 10 p. 309): 2 kur suluppu sa ™Su-la-a u »'Kudurru ina pdn m A-du-nu(?) 
u m La-ki-pi, ma-hi-[is] pu-tu-su „2 Kur Datteln, gehörig dem Sulä und Kudurru, 
im Besitze des Adunu (?) und des Lakipi, seines Bürgen". 

1) Eine Zusammenstellung der Belege siehe unten § 20 n. 17 — 22. 

2) Das Zeichen ist verwischt. Die Spuren, die Strassmaiers Kopie gibt, 
stimmen zwar nicht zu is. Doch dürfte Peiser, a. a. Ü. n. 2 mit dieser Kon- 
jektur wohl das Richtige treffen. 



42 



BV 84. 



Ganz ähnlich ist Dar. 502 (BR IV p. 48) stilisiert. / 

Die Bürgschaftsurkunden, welche nun auch über das Versprechen 
des Bürgen referieren, lassen sich in mehrere Gruppen einteilen. 

I. Als Repräsentanten der ersten Gruppe seien folgende Texte 
mitgeteilt: 

a) BV 84. 3 ) Die Urkunde ist eine u-il-tim mit Sklavenpfand 
über 1 Mine Silber, die Nabü-iddannu dem Sellibi schuldet. Z. 5 f. 
ist nun im unmittelbaren Anschluß an die Verpfändungsklausel zu 
lesen : 



5 u m Itti Jla Marduk-balätu, märu sa 
m i^'Xabu-nädin-ah /, 



und zwar ist Itti-Marduk-balätu, 5 

Sohn des Nabü-nädin-ahi, 
apil-[su sa .] usur, pu-ut e-te-ru J Nachkomme [des . . . .] usur, für das 

Zahlen des Silbers 
1 Mine, weißen (Silbers), das in 

V 8 Sekelstücken 4 ) gemünzt ist, 

Bürge. 
Bis zum lO.Tebetu wirdltti-Marduk- 

-balätu 
den Nabü-iddannu herbe iführen, 

und dieser °J wird dann an Silber 

1 Mine 
dem Sellibi geben. Wenn Nabu- io 

-id[dannu] 
an Silber 1 Mine dem Sellibi nicht 

gibt, 
wird Itti-Marduk-balätu an Silber 

1 Mine, bezüglich Aveloher er für 
das Zahlen Bürge ist. dem Sellibi_ 

geben. 



sa Tcaspar 

1 manu pisu u sa ina 1 siqil pit-qa 4 ) 
nu-uh-hu-tu na-su-u. 

a-di ümu 10 kam sa ar '^Tebäu m ltbi- 

- üa Marduk-balatu 
m H"]\[abu-id-dan-na i-ba-ltam-ma 

liaspa- 1 manu 

io a-na m Sellibi i-nam-din. ~ki-i 

"' iiu Nabu-id-[dan-nuJ 
liasp a-' 1 manu a-na m Sellibi la 

id-dan-nUj 
m ltti^ 1 Marduli-balapu liaspa-' 

1 man u± sa^ pu-ut ^ 
e-te-ru na-su-u, a na m Sellibi 



i-nam-din. 
Zeugen und Datum (20. Addaru, I 
27. Jahr des Darius). 

b) Br. M. 84 — 2 — 11,148. Transskription und Übersetzung bei 
Peiser, BR II p. 36f. 6 ) 



3) Vgl. zur Urkunde auch Kohler, Exkurs zu 15V p XXXIVf. 

4) Vgl. üngnad, 2. Beiheft zur PLZ p. 27 f. 

5) Daß zu inamdin in Z. 10 der Schuldner Nabü-iddannu als Subjekt zu 
denken ist, ergibt mit aller Deutlichkeit der folgende Satz. 

6) Ich gebe die Urkunde nur auszugsweise wieder. Eine Numerierung der 
Zeilen gibt Peiser nicht. 



Br. M. 84—2—11, 148. 



43 



2)u-u( Musallim- 31 ardulc a-na Für Musallim-Marduk 

unif~25 kam sa ara ~Duüzu satti 26 kam I sind bis zum 25. Du'üzu des 2l J.Jahres 

Ba-ri-ia-mus Su-qa-ai | des Darius .... Suqai und 

u Nabu-bid-lit-su i-naqati , Nabü-bullitsu in die Hand 



Bei -id-dan-nu, """''" satammu 1 ) , u 
Nabu-id-dan-nu, Bfl-iddin u Mu-ra- 



des Bel-iddannu, des Tempelver- 
walters 7 ), und des Nabü-iddannu, 



su-u na-su-u. Jci-i a-na ümi 25 kam des Bel-iddin und des Murasü Bürgen. 



sa ara '± Du ' um Jatti 26 kam [Su-qa- 
-aji u Nabu-bul-lit-su Musallim- 
-Mardük [ib - b a - k]a - nün^ma [.■■■] 
, . . . [a-na Bcl-id-dan-nu, amSlu J sa- 
tammu 1 ), u [. J M id-d an-nu 



Wenn bis zum 25. Du'üzu des 2(3. 
Jahres [Suqa]i und Nabü-bullitsu den 
Musallim - Mardnk [herbeige]führt 
haben werden [....].... [dem Bel- 
-iddannu], dem Tempelverwalter 7 ), 



zalc( ?)-ß u 8 ). M^ la id-dan-nu], 1 und [ ] Wenn er gibt, sind 

man u ~kasyi pisu- u s a SA( ?)-GA(?) ' sie frei 8 ) (?). [ Wenn er ni cht gibt], 
""Urast?) 8 ), sa ina eli Musallim- werden 10 Minen weißen Silbers, 
-Mardük . . . . Su-qa-ai . . . . u gehörig dem Tempelgut (?) des 



Nabu-bid-lit-[su a-na SA-GA 

ilu Uras i-nam-äin-nu-']. 



Uras (?) 8 ), lastend auf Musallim- 
-Marduk .... Suqai . . . und Nabü- 
-bullit[su .... an das Tempelgut des 
Uras geben]. 



Datum: 26. Simänu des 26. Jahres 
des Darius. 

Musallim-Marduk schuldet also dem Urastempel in Dilbat, woher 
auch die Urkunde datiert ist, 10 Minen Silber. Für ihn verb ürgen 
sich zu Händen des Tempel Verwalters Bel-iddannu, der den Tempel 
vertritt, und einiger anderer Personen, die wahrscheinlich auch zu dem 
Tempel in Beziehung stehen, Suqai und Nabü-bulliteu. 

Schon eine flüchtige Betrachtung dieser Texte lehrt, daß der 
babylonische Bürge etwas anderes verspricht, als das, was wir auf 
Grund der Anschauungen des römischen Rechts noch heute als den 
Inhalt der Bürgenobligation anzusehen haben. Der römische Bürge 
war akzessorischer Schuldner, der neben dem Hauptschuldner 
dasse lbe (id ern) wie dieser sich zu leisten verpflichtete und auch 
heute „wird der Gläubiger vom Bürgen, sobald er sich an diesen über- 
haupt halten kann, dasselbe verlangen können, was er vom Haupt- 
schuldner verlangen kann". 9 ) 

7) ZxiJ>A-TjUI^sc^^ 

8) Die Lesung istTsehr unsicher. Vgl. Peiser, a. a. 0. p. 37 n. 4 und 5. 

Ö) Strohal, .Schuldübernahme p. 59. Vgl. aber auch v. Schwerin, Schuld 
und Haftung im geltenden Recht, München 1911 p. 31. 



i 



44 Das Erfüllungs versprechen des Bürgen. 

Dem gegenüber verspricht aber der Bürge in BV 84, daß er den 
Schuldner herbeiführen, d. h. zur Leistung gestellen werde und daß 
1 der Schuldner leisten werde. 10 ) Erst subsidiär für den Fall, daß 
der zur Leistung gestellte Schuldner nicht erfüllt, gibt der Bürge ein 
persönliches Erfüllungsversprechen, das dann allerdings mit dem Inhalt 
der verbürgten Schuld sich deckt, ab. Nun könnte man freilich ein- 
wenden, daß gerade dieses Zahlungsversprechen das Wesen der Ver- 
bürgung ausmache. Daß aber diese Annahme fehl geht, ergibt sich 
schon aus dem Wortlaute des Bürgenversprechens in BY 84. Der 
Bürge erklärt Z. 10f.: wenn der Schuldner nicht zah lt, kaspa 1 ma nu, 
sa put e f cru nasü, inamdj n „ so werde er an Silber 1 Mine, bezüg - 
lich^' e 1 che r er für das Zahlen Bürge sei, geben". Der Relativsatz 
weist arff die vorstehenden Erklärungen zurück und bringt so zum 
Ausdruck, daß mit ihnen eigentlich der Inhalt der Bürgenobligation 
erschöpft sei. Vom romanistischen Standpunkt aus enthielte ein 
Bürgen versprechen: „ich werde die Geldsumme zahlen, für die ich mich 
verbürgt habe" eine Tautologie, weil eben schon in der Verbürgung 
das Zahlungsversprechen steckt. Führen also schon diese rein sprach- 
lichen Erwägungen zu dem Schlüsse, daß das Erfüllungs versprechen 
nicht zum primären Verpflichtungsinhalte der Bürgschaft gehören 
kann, so beweisen dasselbe mit aller Evidenz zwei weitere Bürgschafts- 
urkunden Nbk 86 (BR I p. 12) und Dar. 366 (BR III p. 28), von denen 
ich, da beide ganz ähnlich stilisiert sind, nur die erste hier mitteile. 
Sie lautet: 
m Sa-ma-'-ilu, apil-su sa mil "Nabü- Sama'-ilu, Sohn des Nabü-ahi-iddin, 

-ahi-iddin 
pu-ut milu Nabü-näsir, apil-su sa ' hat für Nabü-näsir, Sohn des Mu- 

m Mu-se-zib 7 sezib, 

ina qdtä '"Su-la-a, apil-su sa '" Zir- in die Hände des Sulä, Sohns des 

-iikin, id-din. Zer-ukin, gebürgt. 

ümu 15 kam sa a '~ u Arahsamna ib- Am 15. Arahsamna wird er (ihn) 

-ba-kam-ma herbeiführen 

a-na m Su-la-a i-nam-din-su. und dann dem Suhl geben. J 

l;i-i la i-tab-hu-u mim-ma mala Wenn er (ihn) nicht herbeiführ t, 

wird alles, (was enthalten ist") 
i-na u-il-tim sa m Su-la-a I in dem Verpflic htungssch ein des 

Sulä, 



10) Die letztere Bestimmung ist wohl auch in Br. M. 84—2—11, 148 nach 
[ibbak]animma dem Sinne nach zu ergänzen. Darauf weist wenigstens das Fol- 
gende: „wenn der Schuldner leistet, sind die Bürgen frei" hin. 



Das Erfülluugsversprechen des Bürgen. 45 



sa eli m i,u Nabü-näsir m Sa-ma-'-ilu lastend auf Nabü-nasir, Saina ; -ilu 



i-nam-di n. 
Zeugen, Datum: 1. Abu des 10. 
Jabres Xebukadrezars. 



geben. 



Es handelt sich, wie Z. 7 f. ergeben, um eine Bürgschaft für eine 
Verpflichtung des Schuldners aus einer u -i l-tim . Während nun bei 
den oben angeführten Urkunden kein Zweifel besteht, daß mit der 
Gestellung des Schuldners durch den Bürgen noch nicht alles getan 
'sei, der Schuldner vielmehr auch leisten müsse, um den Bürgen zu 
befreien, und man daher immerhin geneigt sein könnte, das Wesen 
der Bürgschaft in einem durch die Nichterfüllung seitens des Schuldners 
bedingten Zahlungsversprechen zu erblicken, ist hier diese Annahme 
ausgeschlossen. Der Bürge verspricht lediglich, d en Schul cmer_jierbei- 
zuf ühren (Jhhalc) und dem Glä ubiger zu übergeben (inamdin). Dem- 
nach hat er se iner Ve rpflic htung g enügt, so bald er zur Er- 
füllungszeit am Erfüllungsorte den Schuldner gestellt und 
dem Gläubiger ausgeliefert hat. Ob nun der Schuldner seiner- 
seits auch erfüllt, geht den Bürgen nichts an. Die Subsidiarität des 
Erfüllungs Versprechens des Bürgen, das erst für den Fall gilt, als 
der Bürge seiner Hauptverpflichtung nicht nachkommt, tritt hier klar 
zutage. 

IL Ganz ähnlich, wenngleich den bisher angeführten Texten 
gegenüber leicht modifiziert, ist der Inhalt der Bürgenobligation in 
folgenden Urkunden: 

a) v R 67 no. 3. Publiziert in Umschrift und Übersetzung von 
Oppert, ZA III p. 17 f., ferner im Corpus inscr. Sem. II 1 no. 02. Ich 
folge der Transskription Opperts 1. c. 

adi ynmu sa Pani-Nahü-temi, ahusu sa lli-qanüa, idiu apak Ja 
'ihhir, sal Buräsu lud sepi lli-qanüa, mutisu, ina qafe Panp-Nabü-temi 
nasätav; yumu sa Pani-Nabü-femi itebir, lli-qanüa tapdkkamma ana 
Pani-Naltil-temi tanandin. Zeugen, Datum: 2 Ulülu des 2. Jahres 
Neriglissars. 

Die Urkunde dürfte bei einer Revision am Originale noch in 
manchen Punkten aufgehellt werden können. 11 ) Das Wesentliche ist 



11) Oppert, a. a. 0. p. 22 übersetzt: „Aussi longtemps que Pan-Nabü-temu, 
frere d'Elqanüa, ne sera pas revenue de sa peregrination , Buräsu sera tenue 
responsable de la presence d'Elqanüa, son mari, dans l'interf't de Pan-Nabü-temu; 
le jour oü Pan-Xabü-temu reviendra, eile abandonnera Elqanüa, et le livrera ä 
Pan-Nabü-temu". Die Zeichen, die Oppert mit apak la umschreibt, sind zu 
lesen a-hu-la-', wofür Oppert, ZA III p. 124 die Übersetzung „moisson" vor- 



46 



Nbk. 366. 



jedoch klar. Buräsu bürgt ihrem Schwager Pän-Nabü-temu bis zu 
einem gewissen Zeitpunkte für den „Fuß" (sepu) ihres Mannes Ili-qanüa. 
Mit Ablauf dieser Frist wird sie ihn gesteilen (tabak) und dem Pän- 
-Nabü-temu ausliefern (tanandin). Welcher Art der Anspruch des 
Pän-Nabü-iemu gegen Bi-qanüa, für den die Frau bürgt, war, sagt 
uns die Urkunde nicht. Sie bezeugt lediglich die Tatsache der Ver- 
bürgung. Bemerkenswert ist, daß ein persönliches Erfüllungsver- 
sprechen des Bürgen fehlt. Eine Erklärung dafür zu finden, ist schwer, 
da wir über die Hauptschuld nichts wissen. Es wäre auch möglich, 
daß das Erfiillungsversprechen als selbstverständlich nicht besonders 
angemerkt wurde. Wie dem jedoch sein möge, auf jeden Fall beweist 
die Urkunde gerade durch das Fehlen des Erfüllungsversprechens, daß 
dieses nicht zum primären Inhalt der Bürgenobligation gehörte, 
b) Nbk. 366 (BR I p. 12): 



Gu- 



apil 



a-di umu l kam sa ar ~ u Kislimu 

-da-du, 
apil-su sa m Hi-in-ni-iläni, 

amilu mär-bämUi, 
ameiu mu-kin-ni-e-su a-na " l " U-pi-ia 

ib-ha-kam-ma 
a-na milu Bau-rres,apü-susa milu JSfabü- 

-bdn-ähi, 
5 u-kan-ni, sa m Ka-ti-mu-', apil-su sa 

'" Ha-gu-ru, sapu-ut se-pi-su ina qätä 

m üu Bau-cres is-su-u, ina a-dan-ni-su 

[. . .] assat (?)-su (?) . . . i-bu-Jca- 

-sim-ma (?) 
a(?)-na(?) m ilu Bau-cres id-di-i/ii. 
10 ki-i uk-tin -nu-us, za-ki. 

ki-i la uk-tin-nu-us , a-ki-i u-il-tim 



Bis zum 1. Kislimu wird Gudadu r 

Sohn des Hinni-iläni, Nachkomme 

von Freigeborenen, 
seine Zeugen nach Upia bringen 

und dann dem Bau-eres, Sohn des 

Nabü-bän-ahi, gegenüber 
feststellen lassen, daß Katimu', Sohn 5 

des 
Haguru, der für seinen Fuß in die 

Hände 
des Bau-eres gebürgt hat, fristge- 
recht 
[. . .] seine Ehefrau (?) . -. . herbei 

geführt und dann 
dem (?) Bau-eres übergeben hat. 
Wenn er ihn überführt, ist er frei. 10 
Wenn er ihn nicht über führt, wird 

er gemäß dem Ve rpHichtungs- 

schein 



schlägt. Das Wort begegnet auch in Nbn. 356 7 (KB IV p. 234 XXXI). Es ist 
hier Z. 6 f. die Rede von S qäni biti ip-iu irsi-tim a-hu-la-a-gal-la £a Li-rib IUir- 
-sap ki , was Peiser, KB 1. c. wohl zutreffend übersetzt: ,,8 Ruten gebautes Haus, 
im Quartier ahuhi-galla, das in Borsippa gelegen ist". Demnach wird wohl 
auch in unserer Urkunde in ahnla' eine Ortsbezeichnung zu suchen und zu über- 
setzen sein: „bis daß Pän-Nabü-temu von ahula zurückkehrt" usw. 



Nbk. 366. 47 



Getreide und seine Zinsen dem 
Bau-eres geben. 



SE-BAR u hubutti-su a-na «"Bau- 

-rres it-ta-din. 
Zeugen, Datum: Upia, am 23. Arah- 

samna, 40. Jahr Nebukudrezars. 

Die Urkunde enthält einen Beweisvertrag, d. h. einen Vertrag, 
durch welchen die Parteien den Ausgange eines Rechtsstreites, der 
übrio-ens keineswegs schon Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens 
sein muß, davon abhängig machen ,__daß jler Beweis für eine be- 
stimmte Tatsache erbracht werde^ 12 ) Im vorliegenden Falle ist nun 
das punctum saliens, daß der Bürge des Gudadu zur rechten Zeit 
dessen Ehefrau (?) 13 ) dem Gläubiger Bau-eres gestellt und (zur Schuld- 
knechtschaft?) ausgeliefert habe. 14 ) Damit ist natürlich Befriedigung 



12) Vgl. darüber Kohler-Peiser, BR I p. 30f., II p. 57 f. 

13) Die Zeichen in Z. 8 sind in Strassmaiers Kopie stark verwischt. 
P eiser, BR 1. c. läßt daher die Stelle unübersetzt. Ich glaube mit einiger 
Wahrscheinlichkeit assat-su lesen zu können. Übrigens macht das Suffix si ein 
Femininum als Objekt zur Yerbalform ibuk wahrscheinlich. 

14) Eine schuldenhalber erfolgende Hingabe der Ehefrau ist in den neu- 
babylonischen Rechtsurkunden im Gegensatz zum altbabylonischen (K. H. § 117) 
und assyrischen Recht (vgl. Oppert, ZA XIII p. 267, Johns, ADD EI p. 383) mit 
Sicherheit nicht nachzuweisen. Nur mit Vorbehalt möchte ich mich auf Nbn. 655 
(BR I p. 26) berufen. Die Urkunde ist eine u-il-tim über 25 Sekel zu zahlen am 
10. Sabätu von den Schuldnern Marduk-sum-ibni und seiner Mutter Kassa, an den 
Gläubiger Nabü-ahi-ibbassi (Z. 10 nennt ihn der Schreiber Bel-ahi-ibbassi). Z. 6 f. 
ist nun zu lesen: ki-i ümu 10 kam sa ar l u Sabätu (7) la id-dan-nu f Si-da-tu, 
assat-su, (8) i-di a-me-lu-tum ia-a-nu, (9) hubullu kaspi ia-a-nu, (10) miiuBel- 

-ahi-ibbassi „wenn sie (die Schuldner) am 10. Sabätu (7) nicht geben, 

wird die Sidatu, seine (d.h. des Marduk-sum-ibni) Ehefrau (unter der Bedin- 
gung): (8) Lohn der Frau ist nicht, (9) Zinsen des Silbers sind nicht, (10) Bel- 
-ahi-ibbassi (als Pfand nehmen) (?)". Die Zeichen in Z. 10 sind undeutlich. Der 
Zusammenhang erfordert indessen die von Peiser 1. c. vorgeschlagene Über- 
setzung oder wenigstens etwas Ähnliches, wie z. B. „als Schuldsklavin wegführen". 
Ob wir dieses Verhältnis als Pfandrecht bezeichnen dürfen, ist eine andere Frage. 
Vgl. Manigk, Gläubigernutzung p. 80. Maskänu sind die Zeichen in Z. 10 gewiß 
nicht zu lesen. Peiser übersetzt nun Z. 7: „seine Sklavin Sidatu". Indessen 
bietet Strassmaiers Kopie ganz deutlich das Zeichen DAM = assatu, dessen Le- 
sung von Strassmaier allerdings als nicht sicher bezeichnet wird, und aus 
diesem Grunde kann die Urkunde als zuverlässiger Beleg nicht gelten. Für die 
hier vorgeschlagene Lesung spricht indessen auch der Umstand, daß das Pfand 
erst als Verzugsantichrese in Wirksamkeit treten soll, was sonst ungewöhnlich 
ist, hier aber begreiflich wäre, da der Schuldner seine Ehegattin natürlich nur 
im äußersten Notfall dem Gläubiger als Satisfaktionsobjekt überlassen wird, eine 
Sachlage, die ja auch K. H. § 117 voraussetzt. Vgl. auch unten § 13. 

Doch wie dem sei, jedenfalls ist es für das neubabylonische Recht sicher, 
daß die Eltern ihre Kinder verkaufen konnten (Nbk. 70 = Marx, BA IV p. 40). 
Unter solchen Umständen wird man wenigstens die Möglichkeit einer schulden- 
halber erfolgenden Veräußerung oder Verpfändung der Ehefrau zugeben dürfen. 



48 Die „Fußbürgschaft •. 

des Gläubigers behauptet, und es ist daher begreiflich, daß der Schuldner 
Gudadu davon, ob er diese Tatsache beweisen kann oder nicht, seine 
Zahlungspflicht abhängig macht. Ich muß allerdings betonen, daß 
diese Interpretation schon zufolge des Umstandes, daß die Lesung des 
entscheidenden Passus in Z. 8 keine sichere ist, nur als hypothetische 
gelten kann. Doch hat sie wenigstens das eine für sich, daß sie ein 
Verständnis des Rechtsfalles ermöglicht. 10 ) 

Trifft sie zu, so ergibt sie für den Inhalt der Bürgenobligation 
noch das Weitere, daß der Bürge an Stelle des Schuldners auch eine 
Ersatzperson, die der Gewalt des Schuldners untersteht, dem Gläubiger 
als Satisfaktionsobjekt gestellen und ausliefern kann. Ob allerdings 
gegen den Willen des Gläubigers, oder auch nur des Schuldners, oder 
ob dem Bürgen hier ein Pfändungs recht zustand, muß einstweilen 
dahingestellt bleiben. Ich komme auf diese Frage noch zurück. 16 ) 

III. Wir haben bisher die Frage, was denn eigentlich die Garantie 
für den ,,Fuß" des Schuld ners bedeute, offen gelassen. Hierüber gibt 
nun AuskunfTCy^~147 (BR II p. 3(3, Marx, BA. IV p. 59). 



Für de n Fuß des Nabü-zer-ustesir, 
Sohnes des Bel-usallim, ist Diditum, 

Tochter des Nabü-zer-ustesir, in die 
[Hände] des Gimil-Samas, 

Sohnes des Marduk, Bürgin. Wenn 
er an einen Ort, 

einen anderen geht, 

wird 25 Kur Datteln Didi[tum] 

dem [Gimil-Samas] geben. 



pu-ut_Jepi sa 7 " ilu Nabü-zer-ustesir, 
apil-su sa milu Bel-usallim, f Di-di-i- 

-tum, 
mdrat-su sa m i,u NaM-zer-ustesir, ina 

[qätä] 7 " Gimil Jlu Samas, 
apil-su sa m Mar-dnTc, na-sa-a-ta. Ici-i 

a-na a-sar 
5 sa-na m-ma it -tal-kaj 
25 hur suluppu f Di-di-[i-tum] 
a-na ['" Gimü- ilu Sa was] ta-nam-din. 
Zeugen, Datum: 23. Addaru, 3. Jahr 
des Kyros. 

Der Bürgschaftsfall tritt hier also ein, wenn der Sch uldner an 
einen anderen Ort geht (ana asar sanamma ittalka). Die Garantie 
für das Nichteintreten dieses Ereignisses ^st^ nun die Bürgschaft für 
den „Fuß" des Schuldners. Die Ausdrucksweise ist eine ganz sinn- 

15) Ganz anders deutet Kohler, BR I p. 13 die Urkunde. Gudadu soll für 
Katimü' gebürgt haben „und Katimü' hat infolgedessen seinen Fuß aus der 
Hand des Gläubigers gelöst. Kann nun Gudadu bezeugen, daß Katimü' an den 
Gläubiger Zahlung geleistet hat, so ist er frei: er garantiert für den Fall der 
Nichtzahlung". Allein der Sachverhalt liegt gerade entgegengesetzt. Nicht 
Gudadu, sondern Katimü' ist Bürge. 

16) Vgl. unten § 6 n. 2 und 7. 



Die „Fußbürgschaft". 49 

fällige. D er Bür%e „garantiert für den Fuß des Sch uldners ", d. h. er 
steht dafür^ein, tlaß der Schuldner seinen Fuß nicht dazu benutzen 
wird, um sich vom Erfüllungsorte zu entferne]], er haftet für das_ 
Verbleiben des Schuldners am Erfüllungsorte. 17 ) 

Dasselbe Formular, ohne aber die Bürgschaft als Garantie „für 
den Fuß" des Schuldners zu charakterisieren, haben noch folgende 
Urkunden: 

Nbk. 83 (BR I p. 12, KB IV p. 186 X) 



'"AJ:-Li-ia. märi-sn sa '"Su-ma-a, 
jin-ut '" ilu Nabü-u-sur , märi-sa sa 
" ,i!u ]Sabf<-sa-bit-qätä, '" ilu Nergal-sar- 

-usur, 
apil-su sa m ilu Bel-sum-ishun un , na-si. 
5 li-i a-na a-sar sa-nam-ma 



Akkija, Sohn des Sumä, 
ist für Nabü-usur, Sohn des 
Nabü-säbit-qätä, (und) 18 ) Nergal- 

-sar-usur, 
Sohn des Bel-sum-iskun, Bürge. 
Wenn sie (beide) an einen anderen 5 

""ürir - 

gehen, wird er 6 Minen Silber 
geben. 



it-tal-la, 6 manu ~kaspi__ 
p-n am-di-in . 

Zeugen, Datum: 9. Jahr Nebukad 
rezars. 

Br. M. 82 — 7 — 14, 94 (aus dem 3. Jahr des Kjros), von Peiser, 
BR IV p. 57 nur in Übersetzung mitgeteilt: 

„Garantie für Riheti, Sohn des [ , Sohn von] Kimak- 

ki-ili, hat Sapik-zir, Sohn [des , Sohn von] Samas-ahi-iddin, 

in die Hand des Marduk-sum-iddin, [des Sangü] von Sippar, gebracht. 
Bis im Airu wird 50 gur Datteln Sapik-zir bringen und für Samas 
abliefern; und Rihetu wird bringen und an Marduk-sum-iddin, den 
Sangü von Sippar, abliefern. Wenn Rihetu zu einem anderen Ort 
gezogen sein sollte, wird den Rest, soviel von Rihetum zu erhalten 
ist, Sapik-zir für Samas abliefern." 



17) In diesem Sinne hat schon Oppert, ZA III p. 19 sepic gedeutet. Vgl. 
ferner Marx, BA IV p. 59, Johns, Babylonian and Assyrian laws, Edinburgh 
1904 p. 268f., Ungnad, Selected business documents of the neo-babylonian 
period, Glossar p. 67. Unrichtig Kohler-Peiser, BR 1 p. 12, welche meinen, 
daß der Garant den Fuß des Schuldners aus der Verhaftung bringe, d. h. ihn 
auslöse und an dessen Stelle trete. 

18) Ich folge der Übersetzung Peisers, nach welcher Nabü-usur und Neri- 
glissar (der spätere König) als Schuldner erscheinen. Allerdings muß dann in 
Z. 3 die Kopula ü ergänzt und ittalka in Z. 6 als Dual gefaßt werden. Es wäre 
indessen auch möglich, daß Neriglissar Gläubiger ist, zumal sonst ein solcher 
überhaupt nicht angegeben wäre. Demnach müßte man übersetzen: „Akkija ist 
für Nabu usur dem Neriglissar Bürge. Wenn er (der Schuldner) an einen an- 
deren Ort geht" usw. 

Kose haker: Babylon.-assyr. Bürgschaftsrecht. 4 



50 



Stillesitz- und Gestellungsbürgschaft. 



Sapik-zir und Rihetum, für den der erstere bürgt, sind also 
Schuldner des durch seinen Priester (sangü) Marduk-suni-iddin ver- 
tretenen Samastempels in Sippar. Man beachte, daß hier der Bürge 
nicht nur das Verbleiben des Schuldners am Erfüllungsorte, sondern 
darüber hinaus auch dessen Leistung verspricht. 



'■SotsiveLf 7 















§ 6. 
Eine erste Überschau über das im vorigen Paragraphen zusammen- 
gestellte Quellenmaterial, die sich lediglich an den Wortlaut der Ur- 
kunden hält, führt uns dahin, zwei Typen des Bürgschaftsversprechens 
zu unterscheiden. Die eine wird durch die zuletzv mitgeteilten Ur- 
kunden repräsentiert. Hier erklärt der Bürge lediglich, daß der 
Schuldner am Erfüllungsort verbleiben und daher an diesem zur Er- 
füllungszeit dem Gläubiger zur Verfügung stehen werde. Er sagt® 
also nur ein bestimmtes Verhalten des Schuldners zur Ich möchte 
diese Bürgschaftsform in freier Nachahmung eines Terminus des alt- 
I schwedischen Rechts Stille sitzbürgschaft 1 ) nennen, zumal der Aus- 
druck „Fußbürgschaft", den die babylonische Rechtssprache für sie 
kennt, sich doch nicht mit ihr vollständig deckt, indem auch der 
zweite Bürgschaftstypus gelegentlicn^so bezeichnet wird. Bei diesem 
— auf ihn beziehen sich die oben § 5 unter I) und II) angegebenen 
Urkunden — verspricht der Bürge ein positives Handeln, nämlich die 
„Herbeiführung" (Gestellung) des Schuldners, bzw. darüber hinaus 
noch dessen Auslieferung an den Gläubiger. Die Bezeichnung Ge- 
stellungs_ b_ürg^cha£t ergibt sich für dieses Bürgenversprechen von 
selbst. 

Rein äußerlich^entspricht einer Gegenüberstellung der beiden 
i Bürgschaftsformen der Gegensatz zwischen Hol- u nd Bringschuld , wenn 
man überhaupt diese Begriffe hier verwenden will und darf. Bei der 
Stillesitzbürgschaft muß sich der Gläubiger zufrieden geben, wenn der 
Schuldner zur Exekution am Erfüllungsorte parat ist, vom Gestellungs- 
bürgen kann er aber darüber hinaus die Auslieferung des Schuldners 
in seine Gewalt verlangen. Grundsätzlicfi ist damit in beiden 
Fällen die Haftung des Bürgen erschöpft. Insbesondere ist das Er- 
füllungsversprechen auch bei der Stillesitzbürgschaft rein subsidiär. 
Der Bürge ist — wie Cyr. 147 und Nbk. 83 (oben p, 48 f.) ergeben — 



i noc 

) ste 



1) Quarsaetukdc d. i. Büroschaft dafür, daß der Kläger bewegliche Sachen, 
die er zufällig im Haus des Beklagten angetroffen und deren Herausgabe er 
verlangt, nach 7 Nächten am selben Ort zu sehen bekomme; v. Amira 1 p. li'J5. 



Regreß des Gestellungsbürgen. 51 

seiner Haftung ledig; wenn der Schuldner zur Erfüllungszeit am Er- , 

füllungsorte anwesend ist und dem Zugrifiües Gläubigers zur Ver- 
fügung steht. Der Bürge steht nicht auch dafür ein, daß der Schuldner 
erfüllt. Das schließt aber nicht aus, daß gelegentlich ebenso wie bei 
der Gestellungsbürgschaft (BV 84, oben p. 42) auch die Obligation 
des Stillsitzbürgen die Zahlungsgarantie umfaßt. Als Beispiel hierfür 
wurde Br. M. 82—7—14, 94 (oben p. 49) schon namhaftPgemacht. ® 

Die Vergleichung der beiden Bürgschaftsformen mit der Hol- und 
Bringschuld läßt uns indessen nur eine mehr oder weniger äußerliche 
Differenz konstatieren. Ob zwischen Stillesitz- und Gestellungsbürg- 
schaft tiefer greifende Unterschiede bestanden, können wir nur nach , _ . . 
Beantwortung einer Vorfrage untersuchen. Der Gestellungsbürge, um ei/ u^AtCo^>. 3 
zunächstoei diesem zu bleiben, verspricht die Gestellung und Aus-® 1 t" 1 *" ^5 a 
lieferung des Schuldners an den Gläubiger. Die Erfüllung dieses Ver-® '/*-•**-* l**«*e^ , 
Sprechens setzr^aber einen weitgehenden Eingriff in die persönliche <^> W*«aci-«, 
Rechtssphäre des Schuldners vorauf Hat der Bürge hierzu ein Recht _ . . , •> 
gehabt? Unsere Bürgschaftsurkunden berichten nur von einem Ver- 
sprechen des Bürgen an den Gläubiger, und dieses ist an sich 
nicht geeignet, uns einen Einblick in das Verhältnis zwischen Bürgen.— „_ ..i 

und Schuldner zu verschaffen. Man kann ja schließlich auch eine® f.^-^* aU ^ L f* 
Leistung in AussichTrstellen, die zu erbringen man nicht die Mittel <£%> tf+ev* » 
hat. Ja man könnte von diesem Gesichtspunkte aus gerade das sub- 
sidiäre Erfüllungsversprechen des Bürgen zu erklären versuchen. Es ^ ,^* fcM '> 
greife eben dann ein, wenn der Schuldner sich vom Bürgen nicht ^ 
gesteilen lasse. Allein die Sache liegt doch hier anders. Die Ge- 
stellung und Auslieferung des Schuldners erscheint als typischer 
Inhalt einer bestimmten Art von Bürgenversprechen. Es handelt 
sich nicht um individuelle, dem einzelnen Fall angepaßte Verein-^ ««a^/u*^**^ 
barungerrcler Parteien, sondern um regelmäßige, typische Rechts- 
gestaltungen. Mit anderen Worten: die Urkunden erzählen uns nicht 
bloß von konkreten Verabredungender Parteien, die in einem anderen 
Fall auch anders hätten formuliert werden können, sondern was sie 
vom Bürgenversprechen berichten, ist der Ausdruck dessen, was Gesetz 
oder Gewoimheit als dessen Inhalt festgelegt haben. Es ist nun von-— ^ /-. j. ^j 
vornherein ganz unwahrscheinlich, daß sich dieser Versprechensinhalt 
in der Praxis des Rechtslebens hätte behaupten können, wenn er jeder <^) <^>t*l»<i2/*^«. 
realen Grundlage entbehrt hätte. Wenn vielmehr das objektive 

Recht es ist, das dem Bürgen die Gestellung und Auslieferung des , „ , -_> 

Schuldners zur Pflicht macht und dessen Vorschriffclie Parteien im 
einzelnen Fall nur reproduzieren, so ist m. E. der Schluß unabweisbar 

4* 



52 



Regreß des Gestellungsbürgen. 



xutko Uz cd' 






daß eben dasselbe objektive Recht dem Bürgen auch die Mittel in 
die Hand gegeben haben muß, sein Versprechen zu erfüllen, kurz: 
der Bürge muß befugt 'gewese n sein , geg en den Sc huldner, 

können, Z w ajng aus- 



um ihn dem Gläubiger gesteilen 



z u ü b e nß) 
Bestäti 



^ 



<3> 



wird diese Schlußfolgerung durch die von Peiser, 
BRIIp. 73 f. in Umschrift und Übersetzung mitgeteilte Urkunde Br. 
M. 84—2—11, 172 (Datum zerstört). Sie ist leider lückenhaft, aber 
doch in dem Teile, der für uns in Betracht kommt, relativ gut er- 
halten. Es handelt sich um einen Prozeß, in dem der Beklagte Nabu- 
-usibsi folgendes aussagt 3 ): 



Nabü-ete-ir, ahu-u-a, nl-tu seri il-tap- 
-ra um-ma: „5Y 2 manu Jcaspi a-na 
Nergal-iddin, amSlu räsu-u sa Bel-lu- 
-nmr, i-din- ma Bel-lu-mur u märi - 
-su sa- bit-ma duppu a-pil-ti sa biti- 
-su ina qäti-su hi-nu-ul"'. 5 % manu 
Jcaspi sa ram-ni-ia a-na Nergal-iddin 
at-ta-din. E-a-lu-mur (1. Bel-lu-mur), 
märi-su u alti-su ki-i a-bu-Jcu ina 
bit makkuri sa Da-ad-di-ia as-sa- 
-bit rell. 



Nabü-etir, mein Bruder, hat vom 
Lande gesandt folgenden (Auftrag): 
„5y 2 Minen Silber dem Nergal- 
-iddin, dem Gläubiger des Bel-lümur , 
gib. Nachher den Bel-lümur und 
seinen Sohn ergreife und 4 )eine 
Tafel über das Nehmen seines 
Hauses mit seiner Hand 4 ) siegle". 
5y 2 Minen Silber aus Eigenem dem 
Nergal-iddin gab ich. Den Ea-lü- 
mur (1. Bel-lümur), seinen Sohn 
und seine Ehefrau, damit ich sie 
wegführe, in dem Schatzhause des 
Daddia 5 ) ergriff ich. 



2) Auf Grund der Erwägungen des Textes kann jetzt auch die oben p. 48 
zu Nbk. 806 gestellte Frage beantwortet und so die Urkunde als Beleg für unsere 
These verwertet werden. Der Fall liegt anscheinend so, daß der vom Bürgen 
angegangene Schuldner, um seine eigene Person zu retten, seine Ehegattin jenem 
zur Exekution preisgibt. 

3) Eine Numerierung der Zeilen gibt Peiser nicht. 

4) So die Übersetzung Peisers. Ob sie in allen Punkten zutrifft, will ich 
dahingestellt sein lassen. Ina qätisu ist wohl eher „in seiner Hand", d. h. iu seinem 
Besitz. Vgl. oben p. 17 f. Der Ausdruck duppu apilti. von dessen Verständnis 
viel abhängt, begegnet noch in Ev. Mer. 19 16 (oben p. 40) und bedeutet dort 
(vgl. § 4 n. 37) vielleicht die vom bonorum emptor über die den einzelnen Kon- 
kursgläubigem zuzuweisenden Betrage gemachte Aufstellung. Um eine im Laufe 
des Exekutionsverfahrens zu errichtende Urkunde handelt es sich jedenfalls 
auch hier. 

5) Peiser, a. a. 0. p. 74 n. 1 identifiziert vermutungsweise den hier genannten 
Daddia mit dem in BV 154„ genannten Beamten des Isharatempels gleichen 
Namens. Sollte es sich um ein Asyl (des Isharatempels) handeln, in dem Nabü- 
-usibsi den Bel-lümur ergriff? 



Regreß des Gestellungsbürgen. 53 

Den der Urkunde zugrunde liegenden Sachverhalt hat Köhler*^ e " s< ^ a ^ I<X1 ' 
m. E. richtig bestimmt. Demnach ist Nabu etir dem Gläubiger Ner- 
gal-iddin als Bürge des Schuldners Bel-lümur verpflichtet. Er beauf-O 'cffv^vwU^Lovi* 
traglPnun, da er auf dem Lande weilt, seinen Bruder Nabü-usib.^i, auf , 

seine Rechnung^clen Gläubiger zu befriedigen und dann gegen deii_ , , 

Schuldner Regreffzu nehme n. Dies geschieht denn auch. Bel-lümur 
scheint dann aber aus irgendeinem Grunde Einspruch dagegen erhoben 
zu haben, und darüber kommt es nun zum Prozeß. Das Weitere ist 
nicht mehr verständlich. Für unseren Zweck genügt es jedoch, aus 
der Urkunde mit Sicherheit entnehmen zu können, daß der Bürge. , 

bzw. sein Mandatar den Regreßanspruch durch private Exekution 
verwirklicht. 6 ) Diese umfaßt das Vermögen, erstreckt sich aber 
auch — und das ist vor allem wichtig — auf die Person des 
Schuldners. 7 ) 

Nun handelt die Urkunde allerdings nur vom Zahlungsregreß^ . -> 

d. h. von der Regreßnahme des Bürgen, nachdem er den Gläubiger 
befriedigt hat. Allein indem sie eine Zwangsbefugnis des Bürgen 
gegen den Schuldner ergibt, stützt sie wenigstens indirekt unsere 
These, daß der Bürge auch schon zur Gestellung des Schuldners gegen 
ihn Gewalt anwenden durfte. Denn wenn dem Bürgen dieses Recht 
zustand, nachdem er sich durch Befriedigung des Gläubigers 
befreit hatte, so mußte dies umsomehr dann gelten, solange er 
sich gemäß seinem Versprechen durch die Gestellung und 
Auslieferung des Schuldners aus seiner Haftung löseiL- 
konnte.^ Oder sollte die Rechtsordnung dem Bürgen wirklich zu-,— , ^ .*> 

gemutet nahen, ruhig zuzusehen, wie der Schuldner durch seine Wei-® c to ^ JaJC tju > 



6) Auf einen Regreßanspruch des Bürgen bezieht sich vielleicht auch der 
Beweisvertrag Nbk. 52 (BR I p. 31). Ich möchte übersetzen: wenn A . . . . dem 
B . . . . nachweisen wird, (Z. 4 f.) sa pu-ut 12 Jcur IS qa-a-an a-na eli C na-su-u 
„daß er für 12 Kur 18 Qa für C Bürge sei", wird ohne Prozeß und Klage 9 Kur 
18 Qa a-na . . . . C dem A ersetzen (i-tur-ru-u) usw. P eis er 1. c. übersetzt 
Z. 4 f. : „wer über 12 Kur Korn für C garantiert hat." Allein die Urkunde wird 
dadurch noch weniger verständlich. 

7) Nach dem Wortlaute der Urkunde auch auf seine Familie. Doch möchte 
ich den Text nicht ohne weiteres als sicheren Beweis gelten lassen. Wir müssen 
bedenken, daß der Auftrag des Nabü-etir, den Schuldner und seine Familie zu 
ergreifen, in einem Privatbrief'e erteilt ist, der sich vielleicht nicht ganz exakt 
ausdrückt, und ferner mit der Möglichkeit rechnen, daß Nabü-usit.si, indem er 
auch auf die Familie des Schuldners griff, seine Befugnisse überschritt. Denk- 
bar wäre eine solche Befugnis des Bürgen gewiß, aber als sicher möchte ich 
vorläufig nur das eine annehmen, daß der Schuldner, um sich selbst der Exe- 
kution zu entziehen, seine Familie dem Bürgen als Ersatz anbieten konnte und 
durfte. Vgl. aber auch unten § 7 n. 22, § 20 n. 40. 






er 



Ukr~£jJ> 



t-o' 






54 Regreß des Stillesitzbürgen. 

gerung oder Flucht die Gestellung vereitelte, um dann, nachdem 
den Gläubiger befriedigt hatte, durch Personalexekution sich Ersatzr 
zu holen, also durch dasselbe Mittel, durch welches er sich vorher 
auf eine viel bequemere Weise seiner Haftung hätte entledigen^* 
können? 

Soweit die Gestellungsbürgschaft. Bei der Stillesitzbürgschaft 
«rklärt der Bürge lediglich, daß der Schuldner am Erfüllungsorte an- 
wesend sein werde. Der Inhalt des Bürgenversprechens an sich zwingt 
uns hier m. E. nicht zur Annahme, daß dem Bürgen die Befugnis, 
den Schuldner auch gegen seinen Willen am Erfüllungsorte festzu- 
halten, zugestanden haben müsse. Wir werden später im Laufe der 
Darstellung öfter dem Falle begegnen, daß ein „Bürge" lediglich für 
•einen bestimmten Erfolg einsteht, auf dessen Eintreten oder Nicht- 
eintreten er schon kraft dessen Beschaffenheit einen Einfluß nicht 
üben kann. Man könnte daher versuchr~sein, die Stillesitzbürgschaft 
in derselben Weise zu konstruieren. Ihre praktische Bedeutung bestünde 
dann eben in dem subsidiären Erfüllungsversprechen des Bürgen. 
Allein die Sache liegt doch hier insofern anders, als eine Ingerenz® 
•des Bürgen auf die Herbeiführung des garantierten Erfolges wenigstens 
denkbar ist. Von dieser Prämisse aus kann man dann allerdings sagen, 
daß ein Bürgenversprechen: „ich erkläre, daß der Schuldner am Erfül- 
lungsorte anwesend sein wird, widrigenfallsrich selbst erfüllen werde" 
auf die DauerKeine Lebensberechtigung gehabt hätte, wenn der garan- 
tierte Erfolg der rechtlichen Macht des Bürgen entrückt gewesen wäre. 
Es hätte vielmehr notwendig die Tendenz in sich getragen, sich in 
kurzer Zeit in ein einfaches Zahlungsversprechen zu verwandeln. Der 
primäre Versprechensinhalt: „der Schuldner wird dableiben", auf dessen 
Realisierung dem Bürgen rechtlich kein Einfluß zugestanden wäre, hätte 
bedeutungslos werden müssen gegenüber der sekundären Verpflich- 
tung: „ich werde zahlen". Es wäre, wie hoch man immer das Be- 

t iu^r<^p^ti- han-ungsvermögen von Urkundsklauseln einschätzen %nag, schwer be- 
ul.» . c u.4>tr»A, ) O O o' 

greif lieh, daß sich dieses Bürgschaftsformular unter solchen Umstän- 
den über iy 2 Jahrhunderte 8 ) in der Urkundenpraxis erhalten hätte, 
und zwar noch in einer Zeit, in der, wie später zu zeigen sein wird 9 ), 






\£rco* 



8) Diese Zeitbestimmung gründet sieb auf die mir vorliegenden Belege, 
deren ältester Nbk. 83 (oben p. 49) aus dem 9. Jabre Nebukadrezars, deren 
jüngster BE IX 57 (unten § 7 I b) aus dem 37. Jabre Artaxerxes' I. stammt. Wäre 
das Material vollständig zugänglich, so würde dieser Zeitraum wabrsebeiulieb 
sieb noeb als größer herausstellen. 

9) Vgl. unten § 8 p. 77 f. 



Stillesitz- und Gestellungsbürgschaft. 



55 



die Tendenz der Bürgenobligation, sich in ein einfaches Schuldver- 
sprechen umzuwandeln, bereits deutlich hervortritt. 

Mehr Gewicht als auf diese mehr oder weniger theoretischen Er- 
wägungen dürfte indessen auf die Terminologie der Quellen zu legen 
sein. Wir haben zwar oben p. 48 aus Cyr. 147 erschlossen, daß die 
Stillesitzbürgschaft als ein Bürgen „für den Fuß des Schuldners" be- 
zeichnet wurde. Allein dieser Terminus ist auf sie nicht beschränkt. 
Wie v R 67, 3 und Nbk. 366 (oben p. 45 f.) unzweifelhaft ergeben, 
kann auch vom Gestellungsbürgen ein Bürgen „für den Fuß des 
Schuldners" ausgesagt werden. 10 ) Wenn nun die Quellen in der Ter- 
minologie zwischen beiden Bürgschaftsformen nicht unterscheiden, so 
liegt darin gewiß ein starkes Argument dafür, daß auch die zwischen 
ihnen etwa bestehenden sachlichen Differenzen nicht allzugroß gewesen^ 
sein können. In der Tat lauferr ja beide Bürgenversprechen in ihreirjö 
Endergebnis aarauf hinaus, daß der Schuldner dem Gläubiger zur 
Exekution bereit gestellt wird. Der einzige Unterschied, den wir 
aus ihrer Textierung festzustellen vermochten, wird durch den Gegen- 
satz zwischen Hol- und Bringschuld charakterisiert. Es ist mir aber 
auch fraglich, ob man es mit diesem Unterschied in der Rechtspraxis 
allzu genau genommen und nicht vielmehr in ihm nur die ver- 
schiedene Formulierung des einen Gedankens, daß der Bürge den 
Schuldner als Exekutionsobjekt dem Gläubiger zur Verfügung stellen 
solle, erblickt hat. 10a ) 

Hierzu kommt noch Folgendes: Es wäre vielleicht ein guter Grund, 
beide Bürgschaftsformen scharf zu trennen, wenn sich nachweisen 
ließe, daß ihnen ein Unterschied hinsichtlich der verbürgten Schuld Ä 
zugrunde liegt. Aber auch das trifft nicht zu. Ganz verfehlt wäre 
es, wollte man annehmen, daß bei der Stillesitzbürgschaft auch der 
Schuldner sich verpflichte, am Erfüllungsorte zu bleiben, bei der 
Gestellungsbürgschaft aber verspreche, sich dem Gläubiger zu stellen 
und für diese Verpflichtung der Bürge eintrete. Es handelt sich 
vielmehr in beiden Fällen zum größten Teile um Summenschulden, 
für welche gebürgt wird. Der Schuldner schuldet also Geld oder 



10) Vielleicht darf man auch Ner. 58 hierher stellen. Die Urkunde lautet: 

a-di ki-it sa ar t u Ulülu A, B u C D a-na pa-ni E [ Lücke]. (Z. 9) D 

pu-ut sipi'l saj-nn rtu-si. (Zeugen und Datum) „bis zum Ende des Ulülu wird 

den A, B und C D zur Verfügung des E [ ]. D ist für ihren Fuß Bürge''. 

Voraussetzung hierbei ist allerdings, daß man in der Lücke dem Sinne nach er- 
gänzen darf „D wird übergeben, ausliefern- 1 Natürlich ist diese Konjektur ganz 
unsicher, zumal die Lücke mindestens 2 Zeilen umfaßt. 

10 a) Vgl. auch unten § 20 am Ende. 






*'HviAV<3) i 



56 Fuß- und Zahlungsbürgschaft. 

vfW " ' • ni,w eine Quantität vertretbarer Sachen, der Bürge verspricht balü das 
Dableiben des Schuldners, bald°dessen Gestellung und Auslieferung 
an den Gläubiger. 11 ) Es wäre daher kaum zu begreifen, warum seine 
rechtliche Stellung eine ganz verschiedene gewesen sein sollte, je 
nachdem er das eine oder das andere versprach. 

•* tft*. wwthc^' Hingegeir^ist allerdings in einer anderen Richtung ein prak- 
tisch bedeutsamer Unterschied zu konstatieren. Vom Bürge n in 
BV 84 (oben p. 42) heißt es Z. 5f., daß er put eteru sa laspa' 



nasi „für das Zahlen des Silbers bürge", während in anderen Fällen 



1 



vom Garanten nur ein put sepi sa A nasü „ein Bürgen für den Fuß 
des (Schuldners) A" ausgesagt wirdL 12 ) Diesem terminologischen Gegen- 
satz scheint nun wohl auch ein sachlicher Unterschied zu entsprechend 
P <H5V ]yj an (j ar f gich m j] über ihn nicht mit der Annahme hinwegsetzen, 

dUyi %*.akim<? daß bei der Bezeichnung*cler Bürgschaft als Zahlungsgarantie die sub- 
•-ftf\c^,iru^D sidiäre Zahlungsverpflichtung des Bürgen in den Vordergrund gerückt 
'puAUtd,' werde, währeud die Redewendung jpüt sepi nasü das Hauptgewicht 

auf das primäre Versprechen des Bürgen, den Schuldner für die 
Exekution des Gläubigers bereit zu stellen, lege. Denn wie Cyr. 147 
ergibt, kann ja auch eine „Fußbürgschaft" das subsidiäre Erfüllungs- 
versprechen enthalten. In der Tat ergibt schon die Wortinterpreta- 
tion für beide Redewendungen einen sachlichen Unterschied. Der 
MAult* Erfolg, für den der „Fußbürge" einsteht, ist die Exekutionsbereitschaft 

des Schuldners. Der Bürge, der put eteru nasi , verspricht aber mehr; 
nicht bloß das Verbleiben des Schuldners am Erfüllungsort beziehungs- 
weise dessen Gestellung, sondern darüber hinaus, daß der dem Gläubiger 

11) Von den Gestellungsbürgschaften beziehen sich BV 84 (oben p. 42), 
Nbk. 86 (oben p. 44 f), 366 (oben p. 46 f.) auf Summenschulden aus abstrakten 
Verpflichtungsscheinen; auch in Br. M. 84 — 2 — 11, 148 (oben p. 42 f.) liegt der 
Bürgschaft eine Summenschuld zugrunde und nur in Dar. 366 (BR III p 28) steht 
der Bürge für eine Schuld auf Übergabe eines Grundstücks ein. Die Stillesitz- 
bürgschaften in Cjr. 147, Nbk. 83, Br. M. 82—7—14, 94 (oben p. 49 f.) haben sämt- 
liche Summenschulden zum Gegenstande, nur in Cyr. 281 (unten § 7 1 a) handelt 
es sich um eine Schuld auf Leistung einer Arbeit. Em Bürgen „für den Fuß" 
des Schuldners wird in Dar 296 (oben § 4 n. 31), einem Zahlungsversprechen auf 
Getreide, sowie in Ner. 16äf. , einer u-il-tim auf Geld, erwähnt. Lediglich auf die 
Konstatierung der Tatsache, daß eine „Fußbürgschaft" übernommen worden sei, 
beschränkt sich die Bürgschaftsarkunde Nbk. 342 (BR I p. 12, 40. Jahr Nebu- 
kadrezars): an-nu-tu amftu mu-kin-ni-e sa ina pa-ni-su-nu (2) f Si-Um-* tu Is-tar 
pu-ut sepi Sa »'La-ba-si, (3) "<•" '■• ha-ta-ni-su, a-ili ütnu I0 iam sa ar & v Aiaru (4) 
ina qätd m Iddin- ilu Marduk ta-as-u(?) „dieses sind die Zeugen, vor denen [2) 
Silim-Istar für den Fuß des Läläsi, (3) ihres Schwiegersohnes, bis zum 10 Ajaru 
(4) in die Hände des [ddin-Marduk gebürgt hat" (folgen die Namen der Zeugen 
und das Datum). 

12) Nbk. 842, 366, Nor. 16, vR 67, 3, Cyr. 147, Dar. 296. 



Fuß- und Zahlungsbürgschaft. 57 

zur Exekution parat gestellte Schuldner auch zahlen werde. Daher^ , u _ „ „ > 
befreit den Bürgen nicht schon die Vollstreckungsbereitschaft^ c A«<^etiXw^4 \x 
sondern erst die Erfüllung des Schuldners von seiner Haftung. 
In der Tat erklärt nun der Bürge in BV 84 Z. 9 f.: Ndbü-iddanna 
(den Schuldner) ibdkamma Jcaspa' 1 manu ana Sellibi inamdin. 
Li Nabü-idfdannuJ kaspd 1 manu lä iddannu . . ., leaspa' 1 manu 
....ana Sellibi inamdin „er wird den Nabü-iddannu herbeiführen 
und dieser wird dann 1 Mine Silber dem 'Sellibi (Gläubiger) 
geben. Wenn Nabü-id[dannu] an-Silber 1 Mine nicht gibt..., 
wird an Silber 1 Mine (der Bürge) dem Sellibi geben". Urnge-^ , 
kehrtest in keinem der als „Fußbürgschaft" bezeichneten Bürgen- 
versprechen von einer derartigen Zahlungsgarantie die Rede, und es 
mag auch kein Zufall sein, daß in der Stillesitzbürgschaft Br. M. 
82 — 7 — 14, 94 (oben p. 49), die eine Zahlungsgarantie enthält, die 
Phrase put sepi nasu fehlt. Im übrigen schließt die Zahlungsgarantie® (folI * dMc(t 
den primären Versprechensinhalt: die Gestellung bzw. das Verbleiben 
des Schuldners am Erfüllungsorte nicht aus*?* Sie kann vielmehr mit 
dem einen (BV 84), wie mit dem anderen (Br. M. 82 — 7 — 14, 94) ver- 
bunden werden. 

Ich komme also zu dem Ergebnis, daß gerade das Versprechen 
des Bürgen, der Schuldner werde zahlen, die Ursache gewesen ist, 
die Bürgschaft in diesem Falle als Zahlungsgarantie zu bezeichnen^ e c ^ CKj ^. * 
und halte es daher nicht für zu gewagt; ein derartiges Versprechen 
auch in allen jenen zahlreichen Urkunden zu unterstellen"; in denen 
vom Bürgen ausgesagt wird, daß er put eteru nasi „für das Zahlen 
bürge". Die Tatsache ferner, daß diese Urkunden über diejenigen,® '**tf T * Vt ** 
welche von einer „Fußbürgschaft" berichten*; weitaus überwiegen; er- ® /j 1 ?^"' e ^ A ._. , 
gibt nicht nur die starke Verbreitung dieser Bürgschaftsform, sie 
lehrt uns auch, daß man in der Zeit, aus der unsere Urkunden 
stammen, nicht mehr die ursprüngliche Verpflichtung des Bürgen, <-- t eMtic-tJ j t ^j> 
den Schuldner zur Vollstreckung bereit zu stellen, sondern vielmehr 
die Zahlungsgarantie und das mit ihr verbundene subsidiäre Erfüllungs- 
versprechen als den wichtigeren Teil der Bürgschaftsobligation ansah.® ■^&^f >d ^ ^ 

Allerdings vermag sich die hier vertretene Auffassuncpvon der^ , /uAj*tlui 
Zahlungsbürgschaft nur auf wenige Urkunden zu stützen, und es wäre®» e (s ?imIU. ,**.> 
nicht ausgeschlossen, daß noch Inschriften gefunden werden, in welchen 
der Bürge put sepi nasi und außerdem noch die Zahlungsgarantie 
übernimmt. Allein umstoßen würde eine solche Urkunde unser Re- 
sultat nicht. Sie würde nur beweisen, daß dem Rechtsbewußtsein der 
ursprüngliche Sinn von put sepi nasü nicht mehr lebendig war. 



58 



Cyr. 281, BE IX 57. 






( p>UA**+c^ 



§ 7. 

I. Die Form von Stillesitzbürgschaften zeigen auch drei weitere 
Urkunden, die ich hier zugleich mit einigen verwandten Texten an be- 
sonderer Stelle behandle, weil" in allen hierher gehörigen Fällen der 
Anlaß, aus dem die Bürgschaft übernommen wird, ein besonderer ist. 

a) Cyr. 281 (BR II p. 76, Demuth, BA III p. 433). 
m Bei -etir- ilu Samas, ""^"si-riq 1 ) 

ilu Samas, sa 
m üujtfarduk _ § um . iddin , am " l "sangA 

Sip-par**, ina bit kärc 2 ) 
si-me-ri-e parzüli id-du-us-su, 
m üu Samas-di-num-epu-as, amglu si-riq 
ilu Samas, 
s ina la-zi-tu 3 ) bit ilu Samas, amSlu sange 

u amH "sibüte dli pu-ut-su [ina] 

qätä (?) 
m ilu 3IarduJc- sunt -iddin, ame ' ! "sangü 

Sip-par 1 *, is-si-ma 
si-me-ri-e parzüli ip-tur-su. Jci-i 



müu Bil-ftir- ila Hamas a-na a-sar 
sa-nam-ma 
io it-tal-la, "' üu Bä-di-nnm-e-pu-us 
dul -Im sa m au Bei - äir - ilu Samas 
a-na[muh-hi?] 
< pjjifaA+*J did-lu-su ip-pu-us. 

Zeugen, Datum: Sippar, 3. Addaru, 
7. Jahr des Kyros. 
b) BE IX 57 (p. 31). 4 ) 
m i,u Ellil-ah-iddina, aplu sa m i,u Ellil- 
-nä'id, ina hu-ud lib-bi-su 



f ÄJt fo&Jfocn\ ' 



Betreffsaes Bel-etir-Samas, des . . . .*) 

des Samas, welchem 
Marduk-sum-iddin, der Priester von 

Sippar, im Speicher 2 )^ 
eiserne Fesseln angelegfhatte, 
hat Samas- dinum-epus, der 

des Samas-^ 
in Gegenwart 3 ) (?) des Samas- 5 

tempels, der Priester 
und der Stadtältesten für ihn [in] 

die Hände (?) 
des Marduk-sum-iddin, des Priesters 

von Sippar, gebürgt. 
Deshalb hat er ihm auch die eisernen 

Fesseln gelöst. Wenn 
Bel-etir-Samas an einen Ort, einen 

anderen 
geht, wird Bel-dinum-epus io 

die Arbeit des Bel-etir-Samas zu 

... <S> 

seiner (eigenen) Arbeit verrichten. 



Ellil-ah-iddina, Sohn des Ellil-nä'id, 
hat aus freier Entschließung^ 



1) So Peiser 1. c. Demuth liest amilu H-iim. Bedeutung unsicher. Doch 
bezeichnet das Wort wohl eine Person, die sich in irgendeinem Abhängigkeits- 
verhältnis zum Samasternpel befindet, vielleicht einen Hörigen. 

2) Zu bit käre vgl. neuestens Klaub er, Assyrisches Beamtentum, Leipzig 
1910 p. 31 n. 1. 

3) So StrasBmaiers Kopie. Peiser, a. a. 0. p. 76 n. 3 vermutet mit Hecht 
ina as-bn-tu ,,im Heisein", was ja auch der Zusammenhang erfordert. 

4) Eine Übersetzung der Urkunde auch bei Delitzsch, Handel und Wandel 
in Altbabylonien, Stuttgart 1910 p. 00 n 60b. 



BE IX 57, X 10. 



59 



4X-na m a "Ellil-)iudin-sum, aplu sa 

'"Mu-ra-su-u, 
ki-a-am iq-bi iim-ma: m Ni-din-tum- 

- ilu Ellü, aplu sa m Esc-etir, 
ahi-ia, sa ina bit ki-lu sab-ti, ina 

päni-ia 

5 mus-sir, pii-nt-su lu-us, 
sa idtu Nippur** a-na a-sar sa-nam- 

-ma la il-la-ku. 
ar-ki '" ilu Ellil-nädin-sum , aplu sa 

m Mu-ra-su-u, is-me-su-ma 
m Ni-din-tum- ilu Ellil, aplu sa m Ese- 

-etir, ahi-su, sa ina bit lä-lu sab-ti, 

ina päni-su un-das-sir. ina ümu mu 

m Ni-din-tum- ilu Ellil, 
10 aplu sa m Ese-Hir, ultu Nippur ki a-na 

a-sar sa-nam-ma 
it-ta-al-hi, sa la dinu u ra-ga-?nu 6 ) 
m ilu Ellil-ah-iddina 10 manu leaspi 

a-na müu Ellil-nädin-sum ina-an- 

-din. 
Zeugen, Datum: Nippur am 17. Ad- 

daru, 37. Jahr Artaxerxes' I. 

c) BE X 10. Umschrift und Übersetzung bei Meissner, MVAGr 10 
p. 307 f. 



zuEllil-nädin-.sum, Sohn desMurasü, 

folgendermaßen gesprochen: „Den 

Nidintum-Ellil, Sohn des Ese-etir, 
meines Bruders, der in dem Gefängnis 

gehalten wird, zu meiner Ver- 
fügung 
laß frei, für ihn will ich bürgen, 5 
daß er von Nippur an einen Ort, 

einen anderen nicht geht." 
Nachdem darauf Ellil-nädin-sum, ,^ - . * 

Sohn des Murasü, ihn erhört hatte, 
hat er den Nidintum-Ellil, Sohn des 

Ese-etir, seines Bruders, der im 

Gefängnis gehalten wurde, 
zu seiner Verfügung freigelassen. 

Wenn Nidintum-Ellil, 
Sohn des Ese-etir, von Nippur an io 

einen anderen Ort 
geht, wird ohne Prozeß und Klage 5 ) 
Ellil-ah-iddina 10 Minen Silber dem 

Ellil-nädin-sum geben. 



m Bu-li-in-dar, aplu sa m Iddin Jlu Ellil, 
ina hu-ud lib-bi a-na m Tir-ra- 

-Tta-am-ma, 
mar bUi sa milu Ellil-nädin-sum, 

iqfbji 



Ilu-lindar, Sohn des Iddin-Ellil, hat 
in freier Entschließung zu Tirra- 

kama, 
dem Haussklaven des Ellil-nädin- 

-sum, gesprochen 



5) So Delitzsch. Die Herausgeber Hilprecht und Clay übersetzen: if 
Nidintum-Ellil . . . should go from Nippur to any other place without legal pro- 
cesB (i. e. without having obtained legal permission). Das dürfte kaum zutreffen. 
Der Schuldner soll ja eben am Platze bleiben. Wer soll ihm auch die legal per- 
mission geben? Man könnte sa la dinu ü ragämu höchstens zu amr in Z. 10 
ziehen und deuten als „Ort, wo nicht Gericht und Prozeß (istV', d. h. wo der 
Schuldner der inländischen Gerichtsbarkeit nicht erreichbar ist. Doch ziehe ich 
die Übersetzung Delitzschs unbedingt vor. 



60 



Intervention des Bürgen für den in Haft befindlichen Schuldner. 



um-ma: m Iddin- iUl EUil, aplu sa folgendermaßen: „Den Iddin-Ellil, 
m Äh-iddin, Sohn des Ah-iddin, 

5 id-tu h/t ldl lu su-sa-am-ma pii-ut-su aus dem Gefängnisse laß los, für ihn 5- 



lu-us-su. ar-ki 1H Tir-ra-l;a-am-ma 

is-[»ie]-su-ma m Iddin- il "EU'ä id-tu 

bit Jcil-lu 
[u-sej-sa-am-ma a-na m llu-li'tn-dar 

id-din. 
[sum-maj i-hal-liq, 1 manu kaspi 

m Hurli-Wrdar 
io [ij-nam-din. 

Zeugen und Datum: Nippur am 



will ich bürgen." Nachdem darauf 

Tirrakama 
ihn erhört hatte, hat er den Iddin- 

-Ellil aus dem Gefängnisse 
herausgelassen und dann dem Ilu- 

-lindar gegeben. 
Wenn er entflieht, wird 1 Mine 

Silber Ilu-lindar 
geben. io- 



. 16. Nisan, 1. Jahr Darius' IL 

Alle drei Texte berichten, daß die Person, für welche der Bürge 

eintritt, im Gefängnisse sitzt. Aus welchem Grunde? Kohler-Peiser, 

7W£rfv**tW ' BR ii p- 37 denken bei Cyr. 281 an Straf haft.^ch halte dies jedoch 

nicht für wahrscheinlich. Der Bürge erklärt hier in dem subsidiären 

Erfüllungsversprechen, er wolle „die Arbeit des Bel-etir-Samas zu 

seiner eigenen Arbeit verrichten". Bel-etir-Samas schuldet also dem 

Samastempel gewisse Arbeiten. Das Nächstliegende ist es wohl, in 

c eyv^blruC 3 Bel-etir-Samas einen Bediensteten^vielleicht einen Hörigen des Samas- 

f ia^-' tempels zu sehen, der mit den ihm obliegendeiiTrohnden im Rück- 

*** c **^ t *^* /M stande^war und für den sein Genosse — er wird ebenso wie der 

Schuldner als amSlu si-riq ilu Samas bezeichnet — als Bürge eintrat. 

Ferner deckt sich die Bürgenobligation ■ unserer Urkunden völlig mit 

den im vorigen Abschnitt besprochenen Stillesitzbürgschaften für 






'ülr&tS 



<lb 



Schulden. Es erscheint mir daher auch nicht zu kühn, aus dem auf 
Geld gerichteten Erfüllungsversprechen des Bürgen in BE IX 57 und 
X 10 auf eine gleichartige Schuld zu schließen, für die er einsteht. 
Trifft dies zu, so kann es sich aber nicht um Strafhaft, sondern nur 

) Cu^cApaJfZ*- um Schuldhaft handeln, die über einen zahlungsunfähigen oder hals- 

(ffrjrAy*^ starrigenochuldner verhängtwurde. 6 ) 

? Cj£? toc j2al**j£P 6) Ob private oder öffentliche Scbuldhaft vorliegt, kann mit Sicherheit 

nicht bestimmt werden. Der Umstand, daß BE IX 57. X 10 immer von einem 
bit Mlu „Gefängnis" sprechen, ohne diese Ortlichkcit näher zu bestimmen, 
spricht wohl für das letztere. Bei dem bit käre in Cyr. 281 könnte man aller- 
dings wegen der Besonderheit des Schuldverhältnisses auch an einen privaten 
Scbuldturm des Samastempels in Sippar denken. Doch erfahren wir aus anderen 
Texten, daß das Gefängnis des Priesters von Sippar auch öffentliches, und zwar 



Intervention des Bürgen für den in Haft befindlichen Schuldner. 61 

Das Eigentüinlich^unserer Urkunden liegt nun darin, daß der ^ c / tA/u ^ e *- a ^ tA 1 
Bürge nicht schon bei der Schuldbegründun^p sondern erst im Exe-^ dL^&&^^ ^ 
kutionsstadiurn für den Schuldner eintritt und ihn dadurch aus dei<3> 
Schuldhaft befreit. 7 ) Seine Verpflichtung ist aber die gleiche wie im 
ersten Fall. Er verspricht die Exekutionsbereitschaft des Schuldners, 
entgegengesetzten Falles aber selbst zu leisten. Hingegen garantiert*-** 
er nicht auch für die Erfüllung des Schuldners. Der letztere Punkt 
ist nun nicht ohne Schwierigkeit. Man kann fragen, welchen Nutzen 
es dem Gläubiger brachte, wenn ihm der Bürge lediglich garantierte, 
daß ihm der Schuldner zur Exekution zur Verfügung stehen werde, r ♦ ^, 

also einen Erfolg, den der Gläubiger durch die Abführung des _ ^ . 
Schuldners in die Schuldhaft^schon erreicht hatte. Allein, so völlig *«^~-<— f-v+- 
unverändert war die Situation des Gläubigers nach der Intervention 
des Bürgen doch nicht. Er gewann vor allem den Vorteil, daß er 
jetzt den Schuldner, unbekümmerr^um die Gefahr, daß dieser ihm 
durch seine Flucht die Exekution vereitelrikönne, frei gewähren^ /öü^e«^**.' 
lassen konnte, sich um die Herbeischaffungaer erforderlichen Zahlungs-<Ä) f**»"*^ 
mittel zu bemühefv^Wenn aber dies ohne Erfolg blieb, so war es ^^ 
nunmehroache des Bürgen, sich der Person des Schuldners zur 
Exekution zu versichern, ^andrerseits mußte dieser drohende Zugriffe. , i 

des Bürgen für den Schuldner ein Ansporn zur Erfüllung sein. Schließ- - 
lieh, wenn alles fehlschlug, konnte sich der Gläubiger noch immer an 
den Bürgen halten. Besonders einleuchtend wären diese Erwägungen 
dann, wenn wir annehmen dürften, daß die in unseren Urkunden er- 
wähnte Schuldhaft eine solche ohne Arbeitszwang des Schuldners zur „ „ « ~ 
Ab verdienung-— der Schuld war. 8 ) Allein selbst dann, wenn die Exe- 
kution zur Schuldknechtschaft geführt haben sollte, hatte sie doch für 



sogar Strafgefängnis vor. So ist in CT XXII 230 n (Martin p. 156) von einem 
amSlufab bit kü-lfij sa & m £ lu 8angu Sip-[par ki ] „Vorsteher des Gefängnisses des 
Priesters von Sippar" die Rede, der einen flüchtigen Dieb verhaftet und einge- 
sperrt hat. Die Bestohlenen wenden sich an den Priester von Sippar um Wieder- 
erlangung ihrer Sachen. Über die gerichtlichen Funktionen des sangu Sippar 
überhaupt vgl. Cuq, RA 7 p. 82. 

7) Unter allem Vorbehalt sei auch auf Nbk. 322 aufmerksam gemacht. Zwei 
Personen A und B bürgen (nasü) für {put) C in die Hand (ina qatä) des D. 
Darauf folgt Z. 6 f. die Bemerkung a(?)-na{?) ECB !*(?)-»wai(?)-sir(??) „an den 
E hat den C der D freigelassen". Sie könnte vielleicht dahin verstanden 
werden, daß der Schuldner sich bereits in der Gewalt des Gläubigers befand und 
wegen der Intervention der Bürgen frei gegeben wurde. Das weitere ist zerstört. 
Xur am Schlüsse des Textes (Z. 10 f.) ist noch zu erkennen, daß die Bürgen eine 
Zahlung versprechen, arg. i-nam-din-nn- in Z. 12. 

8) Fast sicher wäre dies, wenn es zuträfe, daß das bit lila ein öffentliches 
Schuldgefängnis war. Denn der öffentlichen Schuldhaft kommt schuldtilgender 



62 Beaufsichtigung des Schuldners durch den Bürgen. 

' 'baitf c^jut. tfr* den Gläubiger die Unbequemlichkeit, den Schuldner verpflegen, be- 
, .. . . , wachen udcI seine Arbeitsleistung kontrollieren zu müssen, Nachteil&r 
° die ihm durch das Eintreten des Bürgen erspart blieben. 

Beachtenswert ist endlich folgendes. Der Gläubiger läßt, nachdem 
er die Verbürgungsofferte angenommen, den Schuldhäftling nicht 
<Ai»**f>c*j schlechthirf^frei, sondern liefert ihn dem Bürgen aus. 9 ) Darin 

liegt der Gedanke ausgesprochen, daß der Schuldner zu dem Zwecke 
^dt£dve?uO)u£> 3 der Gewalt des Bürgen überantworter wird, damit ihn dieser beauf- 
( Ac*fi*M*tt+id } sichtige und zur Erfüllung der Schuld anhaltey eine Vorstellung, die 
'-ic^A 3 in den germanischen Rechtsquellen direkt bezeugt 10 ) und im griechi- 

schen Bürgschaftsrecht wenigstens noch in Spuren nachweisbar ist. 11 ) 
Dadurch wird neuerlich der schon oben 12 ) geführte Xachweis gestützt, 
daß dem Bürgen zur Erfüllung seines Versprechens, den Schuldner 
dem Gläubiger auszuliefern, beziehungsweise ihn am Erfüllungsorte 
-festzuhalten, Zwangsmacht gegen dessen Person zur Verfügung stand. 
IL Inhaltlich verwandt mit den soeben besprochenenen Urkunden 
sind drei Texte aus der Kassitenzeit, die Ungnad, OLZ 10 p. 143f. 
bearbeitet hat. 

a) BEXIV2 = H.G.III139. 
Z. 1 — 5 stehen 5 Eigennamen 
5 amilüiu, 

ardu sa müu Bel-ki-di-ni, 
i-ita bit milu Bciki-di-ni ka-lu-ma 



'" "NIN-IB-ba-ni, mar '"Ilu-ip-pa- 
-as-ra, 

io u m Ba-ü Jlu Nab('i, ahusu, 
a-na su-si-i amilüti 
sa mi '"Jirl-l;i t/i-ni iz-zi-zu 
u a-ha-an-na iq-bu-u: 



Z. 1 — 5 Da der A, B usw. 

5 Leute, 

Sklaven des Bel-kidini, 

im Hause des Bel-kidiui gefangen 

gehalten wurden, 
sind NINIB-bäni, Sohn des llu- 



-lppasra, 
und Bä'il-Nabü, sein Bruder, 
um herauszuführen die Leute 
des Bel-kidini, aufgetreten 
und haben folgendes gesagt: 



Charakter kaum zu. Vgl. für das deutsche Recht M. Rintelen, Schuldhaft 
und Einlager im Vollstreckungsverfahren, Leipzig 1908 p. 09. Zudem ergibt ja 
der Zusammenhang in Cyr. 281, daß von einer Arbeitsleistung des in Fesseln ge- 
haltenen Schuldners keine Rede sein konnte. 

9) So ausdrücklieb BE IX 57 Z. 9, BE X 10 Z. 8. In Cyr. 281 ist derselbe 
Sachverhalt damit angedeutet, daß der Bürge die Fesseln des Schuldners löst. 

10) Vgl. die bei Wenger, Recbtshistorische Papyrusstadien, Graz 1908 
p. 57 n. 2 abgedruckten Stellen aus angelsilcbsischen Gesetzen, ferner \. Aiuira 
I p.690, 098 f. 

11) Vgl. Partsch p. 92f., 180 f., der p. 180 n. 5 auch auf Analogien im in- 
dischen und japanischen Recht hinweist. 

12) § 6 p. 511'. 



BE XIV 2, 11, 135. 



63 



amilütu Ji-si li-ru-ub 131 ), 

15 a-na ha-Ja-qi pu-ut-ni 
ni-te-nn-id. u ) i[q]-b[u-u]. 
amilütu i-hd-i / i-iq-ma] 
[ m ilu NIN-IB-ba-ni] amÜM[a] 
[ku-um amilüti?] a-na milu Bcl-ki- 
-di-ni 
20 [i-namj-din. 

Zeugen und Datum (6. Jahr des 
Burnaburias). 

b) BEXIV 11. 

[• J-ü-ifs- J 

i-na bU i!u BH-[. .... .7 

i,u NIN-IB-nddin- ah-[h i, bel-su], 

ik-la-su-[ma] 
6 m Ta-kal-ti-' !u Eammän ma- ...[....] 

pu-us-su im-ha-as- ma 15 ) 

i-na ar ± u Slmdni 1 LID-GAL 

i-li-qa-am-ma 

i-nam-di-in. 
10 ul it-ta-di-in-ma 

2 LID-GAL m Ta-kal-ti- nu Rammän 

i-ta-nap-pal. 

Zeugen und Datum: 4. Jahr des 
Kurigalzu. 

c) BEXIV 135 16 ). 
m Mi-na-a-e-gu-a-na- ilu tiamas, 
mär m Sal-li-lu-mnr, issakku, 
i-na ki-li m Amil- ilu Marduk bel-su 

ik-la-su-ma m Arkät- ilu Nergal, 



„die Leute sollen aus- und ein- 
gehen 13 ), 
für (ihre) Flucht für einander i5 
stehen wir ein. 14 ) So sagten sie. 
Wenn die Leute fiie[hen], 
[wird NINIB-bäni] (andere) Leute 
[für die Leute?] dem Bel-kidini 



[gebjen. 



so 



Weil den [. . . .]-ti-i[a ] 

im Hause des Bel-[ ] 

NINIB-nädin-ah[hi, sein Herr], 

gefangen hielt, 

hat Takalti-Rammän ...[...] 5 

sich für ihn verbürgt. 15 ) 

Nachdem er im Simän 1 große Kuh 

genommen haben wird, 

wird er geben. 

Wenn er nicht gibt, 10 

soll 2 große Kühe Takalti-Rammän 

ersetzen. 



Weil den Minä-egu-ana-Samas, 
den Sohn des Salli-lüraur, den issakku, 
im Gefängnisse des Amil-Marduk 

sein Herr 
gefangen hielt, hat Arkät-Nergal, 



13) Ich folge in der Übersetzung von Z. 14 einem Vorschlage Hofrat Müllers. 
Der Sinn ist: sie sollen frei herumgehen dürfen. Ungnad übersetzt: „sie sollen 
herausgehen und (wieder) eintreten". 

14) Wörtlich: „wir stehen (nitänid) für uns (pütni) ein", d.h. wir bürgen 
wechselseitig für einander in dem Sinne: wir hatten solidarisch. Vgl. unten §9. 
Auch diese Übersetzung verdanke ich Hofrat Müller. 

15) Hier wird dem Zusammenhange nach mit Ungnad 1. c. zu ergänzen 
sein: usesisu „er führte ihn (aus dem Gefängnisse) heraus". 

16) Umschrift und Übersetzung auch bei Clay, BE XIV p. 37. 



64 



BE XIV 2, 11, 135. 



5 mar m Ardu-nu-bat-ti, ! Sohn des Ardu-nubatti, 

pu-us-su hn-ha-as-ma sich für ihn verbürgt 

u-se-si-su. und ihn dann hinausgeführt. 

i:i x j z siqil huräsi i-liq-[qa-am]-ma Nachdem er 13y 3 Sekel Gold ge- 
nommen haben wird, 



a-na m ilu Mardulc-ri-su-u-a [. . .] 
io i-nam-din. 

u m Mi-na-a-e-gu-a-[n]a-[ ilu Sajnas] 



u 



/• 



J, 



dem Marduk-risüa [. . .] 
wird er geben. io 

Nachdem er auch den Minä-egu- 
-a[n]a-[Sauias] 

und die [ ], 

seine Ehefrau, 

genommen haben wird, 

dem Amil-Marduk 15 

wird er geben. 



assassu, 
i-liq-qa-am-ma 

15 a-na m AmU- ila Marduk 

i-nam-din. 

Datum: 8. Jahr des Sagaraktisurias, 

1 Zeuge, der sein Nagelzeichen 

an Stelle des Siegels eindrückt. 

Ungnad hat in dem vorhin erwähnten Artikel auch eine juri- 
stische Interpretation dieser Texte zu geben versucht. Er geht hierbei 
von der Annahme aus, daß das in den Urkunden erwähnte Gefängnis 
ein Arbeitshaus gewesen sei, wo fluchtverdächtige Sklaven unter Auf- 
sicht gehalten und beschäftigt wurden. Sklavenbesitzer hätten ihre 
überflüssigen Sklaven dorthin zur Arbeit gegeben und sich so die 
Mühe ihrer Bewachung erspart, und umgekehrt hätten Leute, welche 
zu irgendeinem Zwecke Sklaven brauchten, diese aus einem solchen 
Arbeitshause gemietet. Derartige Mietverträge müßten also unsere 
Urkunden darstellen. 17 ) Ich kann mich dieser Deutung nicht an- 
schließen, weil es m. E. juristisch unmöglich ist, daß sich ein Miet- 
vertrag in die Form einer Bürgschaft gekleidet haben sollte. Es ist 
ja gewiß denkbar, daß der Mieter für die Flucht des gemieteten 
Sklaven „bürgt'' in dem Sinne, daß er dadurch die Gefahr dieses Er- 
eignisses auf sich nimmt 18 ); allein es fehlt in den Urkunden jeder 



17) Demgemäß hält Ungnad den Marduk-risüa in BE XIV 13.") Z. it für den 
Eigentümer des M., der ihn in das Arbeitshaus des Amil-Marduk gegeben hat. 
Arkät-Nergal soll dann der Mieter des M. sein, der den Mietzins von 13 y 3 Gold- 
sekel dem Marduk-risüa /.u zahlen hat. Ganz ähnlich konstruiert Ungnad den 
Tatbestand in BE XIV 11. 

18) Vgl. dieselbe Garantie in dem Sklavenkaufvcrtriigi" Nbk. 346 8 (BRIp. 5), 
ebenso bei der Verpfandung eines Sklaven: Dar. 431, , (BR III p. 30), ähnlich die 
assyrischen Pfandverträge über Sklaven: ADD 61 6 , 03 ö , 00^, usw. Siehe auch 
unten § 12 p. 110. 



BE XIV 2, 11, 135. 65 

Hinweis auf ein Mietsverhältnis und, was das Entscheidende ist, die 
Garantie gegen die Flucht ist in BE XIV 2 prinzipale Erklärung und 
nicht bloß adrninikulierend, was sie bei einem Mietvertrage sein müßte. 
Wir müssen daher die Urkunden wohl für das ansehen, als was sie 
sich auch äußerlich geben, nämlich als Verbürgungserklärungen. 

Freilich ist damit noch nicht viel gewonnen. Denn die Details 
der Urkunden lassen kaum eine auch nur hypothetische Erklärung zu. 
Es läßt .sich zwar nicht verkennen, daß die Urkunden in ihrem In- 
halte eine gewisse Ähnlichkeit mit den unter I. besprochenen Texten 
zeigen, insofern auch hier eine Person, die hinter Schloß und Riegel 
sitzt, durch die Intervention des Bürgen aus der Haft 19 ) befreit 
wird. Ob wir aber hier denselben Tatbestand zugrundelegen dürfen, 
ist sehr fraglich. Am ehesten ließe sich noch in BE XIV 11 eine 
Bürgschaft für eine Schuld, bezüglich welcher der Schuldner schon 
in Personalexekution gezogen worden ist, annehmen; dann nämlich, 
wenn man den Schuldner zu inamdin in Z. 9 als Subjekt denken 
darf. Demnach läge eine Bürgschaft vor mit Erfüllungsgarantie und 
subsidiärem Erfüllungsversprechen des Bürgen auf das duplum. Zur 
Not könnte man denselben Tatbestand ferner BE XIV 135 zugrunde- 
legen. Auch hier unter der Voraussetzung, daß der Schuldner Minä- 
-egu-ana-Samas zu inamdin in Z. 10 als Subjekt gehört. Es handelt 
sich dann wohl um eine aus dem Hörigkeitsverbältnisse 20 ) entspringende 
Zinsleistung des M. an seinen Herrn Marduk-risüa, wegen deren Nicht- 



19) Nur kann hier kein Zweifel sein, daß wir es mit Privathaft zu tun 
haben. 

20) M. wird als issakku bezeichnet. Sklave ist er sicher nicht, weil sein 
Yater genannt wird. Vgl. Streck, WZKM 21 p. 80f., Johns Babylonian and 
Assyrian laws p. 173. Also ist er wohl am besten als Halbfreier zu charakteri- 
sieren, worauf schon der Um&tand hinweist, daß er einen „Herrn" hat. Dazu 

mt auch das, was wir aus den altbabylonischen Texten, insbesondere den 
Briefen Hammurapis über die issakke (PA- TE-SI) erfahren. Sie bilden einen 
Stand. Das ergibt die Bezeichnung mar issaklci = issakku (King 51 S1 = Nagel 43; 
64 1S = Nagel 17; 55 25 = Nagel 42), die zugleich auf die Erbliehkt-it der 
Standesqualität hinweist. Vgl auch Nagel, BA IV p. 483. Aus King 51 er- 
fahren wir ferner, daß der issakku, wenn nicht vom Truppendienst überhaupt, 
so doch vom Dienst der rklüti befreit war. Der issakku hat einen Herrn, dem 
(sä qat) er unterstellt. Vgl. King 51, 52 (Nagel 38). Es kann dies auch ein 
Tempel sein. Vgl. die issakke sa An-nu-ni-[tu]m in King III p 147 Z. 10, die 
issakke ('(ihm ''" Hamas in CT VIII 30c 12 (H. G. III 141). Rein privatrechtlich scheint 
das Verhältnis zwischen issakku und seinem Herrn nicht gewesen zu sein. Denn 
wir sehen, wie der König und seine Beamten, ohne den Herrn zu fragen, ein- 
greifen. Der issakku wird zum Heeresdienst ausgehoben (King 51), er wird 
einem anderen Herrn zugewiesen (King 52). Der issakku besitzt endlich ein 
Grundstück, an das er gebunden ist (glebae adscriptus). Vgl. King 52 = Nagel 38. 

Kose haker: Babylon. -assyr. Bürgschaftsreoht. 5 



66 BE XIY 2, 11, 135. 

erbringung er in Haft gesetzt wurde. 21 ) Schwierigkeiten aber macht 
der Schlußsatz Z. 11 f., zu welchem nur der Bürge als Subjekt ge- 
dacht werden kann. Denn was soll es heißen, daß der Bürge Zahlung 
des Schuldners und außerdem noch dessen Auslieferung 22 ) verspricht. 
Man dürfte eher erwarten, daß beide Versprechen sich ausschließen: 
entweder Zahlung des Schuldners oder 23 ) Auslieferung an den Gläu- 
biger. Ich weiß hier keine Lösung. 

BE XIV 2 endlich würde sich mit BE X 10 (oben unter Ic) völlig 
decken, wenn die Ergänzung Ungnads von Z. 18f. [ i!u NIN-IB-ba-ni 
ku-um] amilütfi] (19) [x siqü huräsi] a-na " liU 'Bel-l;i-di-ni (20) [i-nam]- 
-din „[NINlB-bäni wird für] die Leute (19) [x Goldsekel] dem Bel- 
-kidini (20) [geb]en", die er neben der im Texte der Urkunde selbst 
abgedruckten zur Wahl stellt, zuträfe. Man könnte demgemäß an- 
nehmen, daß die Bürgen für eine Schuld der Sklaven gegenüber ihrem 
Herrn sich verpflichten 24 ), und zwar als Stillesitzbürgen. Allein die 



wo der König nach Nagels wohl zutreffender Ergänzung (Verso Z. 3 f.) bezüg- 
lich eines issakku sagt: a-we-lum-ma wa-ar-k[i eqli-su] (4) i-il-la-ak „der Mann 
soll [seinem Acker] folgen". Vgl. auch Kohler, H. G. I p. 107. Erwähnt wird 
der issakku noch in M. 74 819 , CT IV 25c 16 , BE VIj 68 7 , VS VII 60 s . 

Vielleicht darf man diese Tatsachen zu folgendem Bilde vereinigen: die 
issakke waren zinsende Grundholden, die mit ihren Grundstücken durch könig- 
liche Schenkung einzelnen Reichsgroßen zugewiesen wurden. Diese aber hatten 
mit ihren issakke dafür dem König gewisse Dienste zu leisten. Mit dem Verfall 
des Reichs und dem Ei-schlaffen der Zentralgewalt nach Hammurapi mag dann 
das Verhältnis zwischen dem issakku und seinem Herrn zu einem rein privat- 
rechtlichen geworden sein. Das alles ist natürlich nur Hypothese. Als sicher 
darf aber gelten, daß der issakku eine Person niederen Standes, also wohl ein 
Halbfreier war. Mit den sumerischen Stadtherrschern, die ebenfalls den Titel 
1>A-TE-SI führen, hat der issakku der Hammurapizeit natürlich nichts zu tun. 
Vgl. auch Ed. Meyer, Gesch. d. Altertums 8 I 2- p. 567. 

21) Auffällig ist allerdings, daß ihn der Herr nicht bei sich verwahrt, 
sondern im Gefängnisse des Amil-Marduk. Denn so wird man mit Ungnad in 
Z. 3 übersetzen müssen, und nicht: „den M. . . . hielt im Gefängnisse A., sein 
Herr, gefangen." Denn sonst bleibt die Stellung des Marduk-risüa in Z. 9 völlig 
unerklärlich. Die gleiche Situation besteht übrigens auch in BE XIV 11. Viel- 
leicht hat ungnad doch insofern Recht, als es Personen gab, die gewerbs- 
mäßig Schuldhäftlinge bei sich in Verwahrung hielten und so dem Gläubiger 
die Mühe der persönlichen Bewachung des Schuldners ersparten. 

22) Man beachte, daß sich das Auslieferungsversprechen auch auf die Ehe- 
frau bezieht. Das scheint wiederum der Annahme günstig, daß die Exekutions- 
macht des Bürgen sich auch auf die Familie des Schuldners erstreckte. Vgl. 
§ 6 n. 7, sowie unten § 20 n. 40. 

23) Ü hat allerdings auch die Bedeutung „oder". Vgl. Delitzsch p. 32. 
Dürften wir sie in Z. 11 zugrunde legen, so wäre die im Text erwähnte 
Schwierigkeit allerdings beseitigt. 

■_' l Der Fall böte angesichts der beschränkten Vermögensfähigkeit der 
babylonischen Sklaven (vgl. Kohler-Peiser, BR I p. lf., II p. 6, III p. 8) keine 



Inhalt der Bürgenobligation. 67 

Raumverhältnisse in Z. 18 sind dieser Ergänzung nicht günstig, und 
so möchte ich die im Texte angegebene, die natürlich auch nur hy- 
pothetisch ist, vorziehen. Das Bürgenversprechen, im Falle der Flucht 
der Sklaven gleichwertige zu ersetzen, läßt aber die Annahme einer 
Schuld, für welche der Garant bürgt, kaum mehr zu. Die Bürgschaft 
ist hier nur mehr Garantie für einen bestimmten Erfolg. Solcher 
Fälle werden uns später noch mehrere begegnen. Sie beweisen, daß 
die Akzessorietät nicht eine notwendige Eigenschaft der babylonischen 
Bürgschaft war. 

Eines sei noch hervorgehoben. In allen drei Urkunden läßt nicht 
der Gläubiger den Häftling frei, sondern der Bürge ist es, der ihn 
aus der Haft herausholt. Darin liegt wohl ein Hinweis, daß nunmehr 
der Schuldner in die Gewalt des Bürgen gelangt, der ihn anhält, den 
garantierten Erfolg zu realisieren. Die Kassitentexte deuten also den- 
selben Gedanken an, den wir in den neubabylonischen Urkunden aus- 
gesprochen fanden. 

§8- 

Die bisher besprochenen Urkunden lassen uns ein ziemlich 
scharfes Bild vom Inhalte der Bürgenobligation des neubabylonischen 
Rechts gewinnen. Einzelne Tatsachen wurden schon im Laufe der 
bisherigen Untersuchung festgestellt und es handelt sich jetzt im 
Wesentlichen nur mehr darum, diese Einzelergebnisse zusammenzufassen 
und miteinander in Beziehung zu setzen, um so zu einer rechtsgeschicht- 
lichen Würdigung des Bürgschaftsinstituts zu gelangen. Freilich bleibt 
noch manche Lücke, und der Versuch, die geschichtliche Entwicklung 
der Bürgenobligation zu zeichnen, kann daher in vielen Punkten nur 
hypothetischen Wert haben. Gleichwohl muß er gewagt werden. 

Das erste, was dem juristischen Beobachter in die Augen fällt,, 
ist die völlige Verschiedenheit der babylonischen Bürgenobligation von 
der des römischen und heutigen Rechts. Der römische Bürge ist 
akzessorischer Schuldner. Wie der Hauptschuldner, so gibt auch 
er ein Schuldversprechen ab und zwar auf dasselbe (idem), was der 
Hauptschuldner schuldet. Das ganze Institut i*t beherrscht von dem 
Gedanken der schuldrechtlichen Sicherung, die der Gläubiger für seine 
Forderung dadurch erlangt, daß er nunmehr zwei Schuldner hat, 
an die er sich halten kann. 1 ) Ganz anders ist die Obligation des baby- 



Schwierigkeit und ist überdies auch nach römischem Recht möglich. Vgl. Gai_ 
3, 119a, D. 4G, 1, 50, 1. 

1) Daß vor diesem Rechtszustand eine Gestaltung des Bürgschaftsinstituts. 
lag, die, wie Mitteis, Festschrift für Bekkerp. lU7f. wahrscheinlich gemacht 

5* 



68 Der Bürge als Yollstreckungsorgan des Gläubigers. 

Ionischen Bürgen. Während der Schuldner, um bei dem in den Quellen 
am häufigsten begegnenden Fall zu bleiben, aus einer Summenschuld 
verpflichtet ist, d. h. romanistisch gesprochen, das äare einer Geld- 
summe oder einer Quantität vertretbarer Sachen schuldet, verspricht 
der Bürge die Gestelluug des Schuldners oder, was dem praktisch fast 
gleich kommt, dessen Verbleiben am Erfüllungsorte. Zu diesem Zwecke 
steht ihm die rechtliche Macht zu, zur Erfüllungszeit den säumigen 
Schuldner, vielleicht eventuell auch Personen, die dessen Gewalt unter- 
stehen, zu ergreifen und als Exekutionsobjekt dem Gläubiger auszu- 
liefern. Dadurch löst sich der Bürge aus seiner Haftung. 2 ) Ja schon 
vorher unterliegt der Schuldner der Aufsicht des Bürgen, einerseits in 
dessen eigenem Interesse, damit der Schuldner nicht durch Flucht dem 
Bürgen die Gestellung und Auslieferung vereitle, andrerseits aber auch 
im Interesse des Gläubigers. Denn die Beaufsichtigung durch den 
Bürgen und dessen eventuelle Zugriffsmacht gegen die Person des 
Schuldners sollen für diesen ein Antrieb sein, rechtzeitig zu erfüllen. 
Der Bürge ist also gewissermaßen Exekutionsorgan des 
Gläubigers, er vermittelt die Vollstreckung, indem er ihm den 
Schuldner als Exekutionsobjekt zur Verfügung stellt, und zwar handelt 
es sich wenigstens ursprünglich um im Wege der Privat- 
pfändung zu vollziehende Personalexekution. Darauf allein 
ist das Formular des Bürgenversprechens in seiner ältesten Gestalt 
eingestellt. Dem Gläubiger verschafft endlich die Bürgschaft den 
Vorteil, daß er sich nunmehr nicht selbst um die Exekution zu 
kümmern braucht. Ja, man kann sogar noch einen Schritt weiter 
gehen und fragen, ob der Gläubiger gegen den Schuldner, dem ein 
Bürge zur Seite stand, überhaupt Zwang zur Erfüllung anwenden 
durfte. Die Frasje kann derzeit noch nicht entschieden werden, doch 
wird die folgende Darstellung einige Anhaltspunkte, sie wenigstens 
vermutungsweise zu beantworten, geben. 3 ) 

Diese Ausgestaltung des Bürgeninstitutes steht keineswegs ohne 
Analogien da. Nur müssen wir sie nicht im klassisch-römischen 
Hecht, sondern in den germanischen und griechischen Hechtsquellen 
suchen. Die lex Burgundionum 19, 7 4 ) enthält die Bestimmung: si is, 

hat, von anderen Grundsätzen beherrscht war. berührt uns hier nicht weiter. 
Für das klassisch-römische Recht sind die obigen Rechtssätze außer Zweifel. 

2) Wenn man hierzu überhaupt das Wort Regreß verwenden will, so muß 
man diesen Bürgenregreß als Liberierungsregreß bezeichnen. Über analoge 
Rechtsbildungen im griechischen und burgnndischen Recht siehe Partsch 
p. 278 f., Gierke p. 176 f. 

3) Vgl. unten § 11 p. 108f. 4) Zitiert nach Gierke p. 178 n. 22. 






Bürgschaft und Personalexekution. 69 

qni fidejussorem dedit, non habuerit wnde sohat, ipsum fidejussor ad 
se absolvenduni tradat, et a fidejussore aliud non queratur. Es 
prägt sich in dieser Norm der Gedanke aus, daß „materiell der Bürge 
nur die Überführung von schuldnerischem Vermögen in das Vermögen 
des Gläubigers und bei dessen Unzulänglichkeit die Unterwerfung der 
Person des Schuldners unter die Gewalt des Gläubigers vermitteln 
solle'', 5 ) eine Vorstellung, die auch im langobardischen Recht zutage 
tritt. 6 ) Charakteristischerweise heißt hier der Bürge Mediator „der 
Vermittler". 7 ) Auch die schwedischen Rechtsquellen lassen erkennen, 
daß die Verpflichtung des Bürgen in erster Linie auf Gestellung des 
Schuldners zur Leistung ging 8 ), und für das altgriechische Recht hat 
jüngst Parts ch 9 ) dasselbe mit guten Gründen angenommen. 

Das Bild der Bürgenobligation, welches die neubabylonischen 
Quellen ergeben, ist, wie bemerkt, nur verständlich für ein Voll- 
streckungsrecht, das von der Personalexekution beherrscht wird. Läuft 
die Verbürgung doch, vorausgesetzt, daß die Schuld nicht rechtzeitig 
zur Erfüllung gelangt, in ihrem Endergebnis auf Gestellung und 
Überantwortung des Schuldners in die Gewalt des Gläubigers hinaus. 
Damit sind aber auch alle in Frage kommenden Rechtsverhältnisse 
erledigt. Nicht nur ist der Bürge befreit, sondern auch die Schuld 
ist erloschen. Das ergibt schon der Inhalt des Bürgenversprechens, 
ferner aber auch Nbk. 366, wenn man die oben p. 47 f. vorgeschlagene 
Deutung für richtig hält. Denn der Schuldner behauptet dort Be- 
friedigung des Gläubigers, weil der Bürge die Ehefrau diesem als 
Vollstreckungsobjekt ausgeliefert habe. Die Auslieferung des Schuldners 
an den Gläubiger ist also zwar nicht Erfüllung, aber doch Leistung 
an Erfüllungsstatt. Daraus folgt aber, daß dem Gläubiger über 
den ihm als Schuldknecht übergebenen Schuldner unbeschränkte Ver- 
fügungsmacht zugestanden haben muß. Es muß ihm insbesondere ge- 
stattet gewesen sein, durch entsprechende Ausnutzung der Arbeitskraft 
des Schuldners, eventuell durch dessen Verkauf in die Sklaverei sich 
ein materielles Äquivalent für seine Forderung zu verschaffen. Mit 
anderen Worten: die Schuldknechtschaft war wenigstens von Haus aus 



5) Gierke p. 178. 

6) Gierke p. 2'JO; ebenso im mittelalterlichen polnischen Recht vgl. 
Dabkowski, rgkojemstwo p. 36, Bulletin de la societe Polonaise pour l'avan- 
cement de sciences (1904) p. 57. 

7) Vgl. auch M. Kintelen, Schuldhaft und Einlager p. 157 n. 2, Horten, 
Die Personalexekution in Geschichte und Dogma, Wien 1893 I p. 109. 

8) Vgl. v. Amira I p. 347, 696 f., 698. 

9) Griechisches Bürgschaftsrecht I p. 14f., 21 f. 



70 Unablösbare und ablösbare Schuldknecktschaft. 

eine unablösbare. Damit ist natürlich nicht behauptet, daß eine nach- 
trägliche Auslösung des Schuldners nicht vorkommen konnte, wohl 
aber, daß sie nur mit Zustimmung des Gläubigers möglich war. Der 
Gläubiger war nicht verpflichtet, ein Auslösungsangebot anzunehmen. 
Allein wie in anderen Rechten hat sich auch in Babylonien später 
die unablösbare Schuldknechtschaft in eine ablösbare umgewandelt. 
Dies beweisen die oben § 7 I angeführten Urkunden, die bereits bloße 
Schuldhaft vorauszusetzen scheinen. Denn diese ist, zumal wenn 
sie nicht mit Arbeitszwang verbunden ist, indirekte Exekution und 
als solche notwendig ablösbar. 10 ) 

Mit dieser Veränderung des ursprünglichen Charakters der Schuld- 
knechtschaft scheint mir nun eine Modifikation der Bürgenobligation 
insofern e im Zusammenhang zu stehen, als sie jene voraussetzt. Ich 
habe schon oben p. 56 f. auf die Erweiterung der Bürgenhaftung 
durch die Aufnahme der Zahlungsgarantie in das Bürgenversprechen 
aufmerksam gemacht und aus der in den Quellen so häufig begeg- 
nenden Formel: A püt eteru nasi „A ist für das Zahlen Bürge" auch 
geschlossen, daß man später regelmäßig mit der Bürgschaft diesen 
Inhalt verknüpfte. Dieser Ausdehnung der Bürgenhaftung entsprach 
wohl auch eine Erweiterung des Bürgenregresses, indem nunmehr 
der Bürge auch auf das Vermögen des Schuldners greifen durfte, 
— das wird in der Tat durch Br.M. 84 — 2—11, 172 Toben p. 52) be- 
wiesen — um sich die erforderlichen Zahlungsmittel zu verschaffen. 
Nun wurde auf Grund der Zahlungsgarantie, die nach dem eben Be- 
merkten wohl ein jüngerer Bestandteil der Bürgenobligation war, der 
Bürge nicht schon durch die Gestellung und Auslieferung des Schuld- 
ners an den Gläubiger, sondern erst dadurch befreit, daß der Schuldner 
erfüllte. Der Gläubiger konnte sich also, wenngleich er den Schuldner 
schon in seiner Gewalt hatte, nocli immer an den Bürgen halten. 
Wäre nun die Schuldknechtschaft noch eine unablösbare gewesen, so 
hätte der Gläubiger den Schuldner als Schuldkuecht behalten können, 
wenn auch der Bürge sich auf Grund seines subsidiären Erfüllungs- 
versprechens durch Zahlung aus der Haftung gelöst und so materiell 



10) Dasselbe ergibt für die Scbuldknechtschaft des altbabylonischen Rechts 
§ 117 K.H. Denn wenn hier der Gesetzgeber bestimmt, daß die schuldenhalber 
dem Gläubiger hingegebene Ehefrau und Tochter des Schuldners nach 3 Jahren 
frei sein sollen, so ist der leitende Gedanke, wenngleich in roher Form ausge- 
drückt, doch der, daß dem Gläubiger die Arbeitskraft des Schuldners nicht 
über den Befrag seiner Forderung hinaus zur Verfügung stehen BOll. Bei der 
schuldenhalber erfolgenden Eingabe eines Sklaven herrscht dagegen, wie § 118 
ergibt, noch das Prinzip der datio in solutum. 



71 

dein Gläubiger Befriedigung verschafft hätte. Das hätte aber ganz 
gegen die Tendenz der Entwicklung, die doch nach Milderung der ur- 
sprünglichen Haftungsstrenge strebt, gegenüber dem früheren Rechts- 
zustand eine Verschärfung der Haftung bedeutet. Hingegen ver- 
schwindet diese Schwierigkeit sofort, sobald wir annehmen, daß die 
Schuldknechtschaft inzwischen eine ablösbare geworden, der Gläubiger 
also nunmehr verpflichtet war, auch nach Eintreten des Haftungs- 
falles den Schuldner gegen Erfüllung der Forderung freizugeben. Die 
ablösbare Schuldknechtschaft erscheint so als Voraussetzung der Zah- 
lungsgarantie des Bürgen. Seither liefert er den Schuldner dem 
Gläubiger nicht mehr an Erfüllungsstatt aus, sondern, wenn ich 
so sagen darf, erfüllungshalber. 

Aber auch bei der Zahlungsgarantie gibt der Bürge nicht ein 
persönliches Zahlungsversprechen ab, er verspricht nur, daß der 
Schuldner zahlen werde, nicht also eine eigene, sondern eine fremde 
Leistung. Genau dasselbe ist aber als Inhalt des Bürgenversprechens 
in den nordischen, sächsischen und altgriechischen Rechtsquellen nach- 
zuweisen. n ) 

Was geschieht aber, wenn der Bürge den Schuldner dem Gläu- 
biger nicht ausliefert, beziehungsweise der ausgelieferte Schuldner nicht 
erfüllt? Die Antwort scheint sehr einfach: dann hat eben der Bürge 
selbst zu erfüllen. Das sagt ja unmittelbar das in der Verbürgungs- 
erklärung enthaltene subsidiäre Erfüllungsversprechen. Damit wären 
wir also doch, wenn auch auf Umwegen, wieder bei der persönlichen 
Erfüllungspflicht des Bürgen angelangt. Allein dem Rechtshistoriker, 
der es unternimmt, die älteste Gestalt der Bürgenobligation zu rekon- 
struieren, kann diese Lösung des Problems nicht genügen. Irgend- 
welche Rechtsfolge muß sich allerdings für den Bürgen an das Aus- 
bleiben des garantierten Erfolges geknüpft haben. Die Frage ist aber, 
ob diese Rechtsfolge seit jeher in der nunmehr begründeten persön- 
lichen Erfüllungspflicht des Bürgen bestanden habe. Hier wäre viel- 
leicht Folgendes zu erwägen: 

Hätte das Erfüllungsversprechen schon von Haus aus der Bürgen- 
obligation angehört, so wäre es vermöge seiner Gleichheit mit dem 
Inhalte der verbürgten Schuld wenigstens vom Standpunkte des Gläu- 
bigers aus als der prinzipale Bestandteil des Bürgenversprechens er- 
schienen, demgegenüber die Gestellung des Schuldners nur als ein 



11) Vgl. v. Amira I p. 696, II p. 73, 841, Puntschart p. 176 n. 4, Partsch 
p. I2f., 88, 15«f. : der griechische Bürge erklärt: iyyvCa^ai avrov (der Schuldner) 
6citodm6tiv. 



72 



BE XIV 127. 



Recht des Bürgen, sich von der Haftung zu lösen, gegolten hätte. 
Nun läßt aber das Formular "wenigstens der Gestellungsbürgschaft nicht 
den geringsten Zweifel aufkommen, daß das Verhältnis der beiden 
Verpflichtungen gerade das entgegengesetzte war. Doch wäre diese 
Argumentation für sich allein von höchst problematischem Wert. 

Um so wichtiger ist es daher, daß in der Tat in einer Urkunde, 
die gerade einer früheren Epoche, nämlich der Zeit der Kassitenkönige 
angehört, sich an die Nichterfüllung des primären Bürgenversprechens, 
den Schuldner zur Exekution parat zu halten, eine ganz andere Rechts- 
folge knüpft. Ich meine die Urkunde BE XIV 127 aus dem Jahre 
der Thronbesteigung des Königs Sagaraktisurias, deren Umschrift mir 
von Hazuka und Ungnad freundlichst zur Verfügung gestellt wurde. 
Sie lautet: 

amilutu 1 *) sa m Ta-ri-bi, mar m Ti-sa 

i-na äli es-si** 1 **) as-bu-ma 
m Amü- ilu Marduk m Ardu-nu-bat-ti 
is-jpur-ma 

u-se-lam-ma i-na älu Dür- ihl EnJiiIi kiV6 ) 

5 u-se-si-im-ma '"' Ardu-nu-bat-ti 

pu-us-su im-ha-as-ma im-hur. 

m Ta-ri-bu ultu älu Dwr Jlu Eni il-li-c m *) 

us-si-ma a-tar u ) sa-ni-ma 

il-la-aJc-ma us-sam-ma 
10 m Ardu-nu-bat-ti is-sa-an-ni- i q. 

Zeugen und Datum. 

Der der Urkunde zugrunde liegende Tatbestand ist allerdings 
höchst zweifelhaft. Unter allem Vorbehalt möchte ich Folgendes ver- 
muten: Die Sklaven des Taribu, die aus irgendeinem Grunde in Alu- 
-essu festgehalten werden, werden von Ardu-nubatti im Auftrage des 
Amil-Mardqk ]5 ) befreit und nach Dür-Enlille gebracht. Ardu-nubatti 



Nachdem die Sklaven des Taribu, 

Sohnes des Tisa, 
in Alu-essu gewohnt hatten, 
hat Amil-Marduk den Ardu-nubatti 

geschickt. Dai*auf 
hat er (sie) herausgebracht und 

dann in Dür-Enlille 
angesiedelt. Darauf hat Ardu-nubatti 5 
für ihn gebürgt und (sie) empfangen. 
Wenn Taribu von Dür-Enlille 
weo-o-eht, an einen anderen Ort 
geht und sich dort niederläßt, 
wird Ardu-nubatti gepackt wer- 10 

den. 



12) NAM-LU (Ungnad). 12a) Alu-essu --= Neustadt (Ungnad). 

13) So Ungnad. 

14) Atar = „Ort" erfordert der Zusammenhang, ferner die Analogie 7.11 den 
Stillsitzltürgschaften, wo die Klausel lautet : ki ana asar sc itain ma ittaücu 
„wenn er (der Schuldner) an einen anderen Ort geht." Es handelt sich wohl um 
eine babylonische Vulgärform für asar (Ungnad). 

15) So glaube ich Z. 3 am besten erklären zu können. 



Leibliche Haftung des Bürgen. 73 

bürgt nun für Taribu 16 ), daß dieser Dür-Enlille nicht verläßt. Das 
letztere ist allerdings schwer zu erklären. Man würde es eher ver- 
stehen, daß der Bürge für das Verbleiben der amilütu in Dür-Enlille 
garantiert. Soll man vielleicht annehmen, daß auch Taribu mit seinen 
Sklaven in Gefangenschaft sich befand und die Bürgschaft für den 
Herrn sich stillschweigend auch auf dessen Sklaven erstreckte? Ohne 
Parallelurkunden läßt sich schwer etwas sagen. Doch wie dem sein 
möge, die Rechtsfolge, der der Bürge im Haftungsfalle unterliegt und 
die allein uns hier interessiert, läßt sich mit Sicherheit feststellen. 
Issamiiq in Z. 10 als Nif'al von sa/näqu kann nur heißen: „er (der 
Bürge) soll bedrängt, gepackt, festgehalten werden". 17 ) 

Für diese Bestimmung scheint mir nur eine Deutung möglich: 
der Bürge ist im Bürgschaftsfalle mit seiner Person der 
Zugriffsmacht des Gläubigers verfallen, der Gläubiger kann 
sich seiner bemächtigen. Auf eine persönliche Unterwerfung des 
Bürgen unter die Macht des Gläubigers weist auch, was ich hier vor- 
ausnehmen muß und wofür der Beweis in einem späteren Abschnitte 
erbracht werden soll 18 ), der Formalismus des Verbürgungsaktes mit 
aller Entschiedenheit hin. Personalexekution war ferner wenigstens 
ursprünglich auch die Rechtsfolge, welcher der Bürge im ger- 
manischen und griechischen Recht ausgesetzt war 19 ), also denjenigen 
Rechten, die bezüglich des Inhaltes der Bürgenobligation die meiste 
Ähnlichkeit mit dem babylonischen Rechte aufweisen. Endlich scheint 
mir auch die innere Logik des Bürgenversprechens, das, wie schon 
bemerkt wurde, nur von der Basis der Personalexekution aus ver- 
ständlich ist, die persönliche Haftung des Bürgen im Bürgschaftsfalle 
zu postulieren. Denn wenn der Bürge erklärt: ich werde den Schuldner 
dem Gläubiger als Exekutionsobjekt ausliefern, so erwartet man, vor- 
ausgesetzt, daß man überhaupt das Bürgenversprechen als ein sym- 
metrisch angeordnetes sich vorstellen darf, für den entgegengesetzten 
Fall, daß dem Bürgen die Gestellung und Auslieferung des Schuldners 
nicht gelingt, nicht das Versprechen: dann werde ich selbst erfüllen 



16) Im hur ,,er hat erhalten, empfangen" in Z. 6 möchte ich auf die Aus- 
lieferung des Schuldners an den Bürgen, der ihn aus der Haft befreit, beziehen. 
Es liegt also dieselbe Erscheinung vor, die uns schon in den oben § 7 bespro- 
chenen Urkunden begegnete. 

17) Vgl. über diese Bedeutungen von sandqu Delitzsch p. 504, Muss- 
Arnolt p. 771. 

18) Vgl. unten § 20. 

19) Vgl. Puntschart p. 490f., Gierke p. 61, 176f., 198f., Partsch p. 
12 f., 193 f. 



74 Recht des Bürgen zur Haftungslösung. 

— für die Erfüllung seitens des Schuldners haftet ja der Bürge 
ursprünglich gar nicht — sondern die dem Bürgschaftsfall ent- 
sprechende Erklärung: dann werde ich mich selbst dem Gläubiger 
ausliefern. 

Wie immer man sich indessen im einzelnen die älteste Ver- 
bürgungserklärung formuliert denken mag, die Hypothese, daß das 
persönliche Erfüllungsversprechen der Bürgenobligation von Haus aus 
nicht angehört habe, scheint mir genügend gestützt zu sein, um als 
Grundlage für eine Rekonstruktion der geschichtlichen Entwicklung 
der Bürgenobligation dienen zu können. 

Zunächst erhebt sich nun die Frage, wie es komme, daß schließ- 
lich doch das subsidiäre Erfüllungsversprechen in die Bürgenobligation 
aufgenommen wurde. 

Ich möchte zur Erklärung dieser Erscheinung auf einen Gedanken 
zurückgreifen, der zuerst von Amira 20 ) ausgesprochen wurde und den 
dann Part seh 21 ) für das griechische Bürgschaftsrecht weiter entwickelt 
hat. Demnach bedeutet das Zahlungsversprechen, das in den germa- 
nischen und namentlich in den griechischen Rechtsquellen in derselben 
Verwendung wie in den babylonischen Bürgschaftsurkunden nachweisbar 
ist 22 ), von Haus aus nicht eine Pflicht, sondern ein Recht des Bürgen. 
Es bewirkt eine Milderung der ursprünglichen Haftungs strenge, die 
den Bürgen im Bürgschaftsfall unwiderruflich mit Leib und Leben 
dem Gläubiger verfallen ließ, indem nunmehr der Bürge das Recht 
hat, sich durch Erfüllung der verbürgten Schuld aus der Haftung zu 
lösen. Für das babylonische Recht ist allerdings Folgendes zu er- 
wägen: Der Bürge war hier Vollstreckungsorgan des Gläubigers und 
durfte in dieser Eigenschaft den Schuldner ergreifen und dem Gläubiger 
als Exekutionsobjekt zuführen. Nun unterliegt es. wohl keinem Zweifel, 
daß der Schuldner den Zugriff des Bürgen von sich abwehren konnte, 
wenn er ihm die Leistung anbot, damit sie der Bürge dem Gläubiger 
überbringe. War dem aber so, so scheint es keinen Unterschied ge- 
macht zu haben, wenn der Bürge anstatt sich die Leistung vorher 
vom Schuldner zu holen, sie aus eigenen Mitteln dem Gläubiger er- 
stattete. Diesem konnte es ja wenigstens bei Vormögvnsleistungen — 
und solche bildeten wohl die Regel — gleichgültig sein, ob er seine 
Befriedigung aus dem Vermögen des Schuldners oder des Bürgen er- 



20) Nordgerrnanisches Obligationenrecht II p. 73. 

21) Bürgschaftsrecht p. 21f., 116f., 1701, 188, 196f., 210f. 

22) Vgl. Partsch 1. c, ferner v. Amira I p. 696f., II p. 312, 841f., Punt- 
»chart p. 176 n. 1. 



Recht des Bürgen zur Haftungslösung. 75 

hielt. Nur verwandelte sich im letzteren Falle der Liberierungsregreß 
des Bürgen in einen Zahlungsregreß. Das Recht des Bürgen, sich 
durch Erfüllung von der Haftung zu befreien, das praktisch nament- 
lich dann seine Wirkung äußerte, wenn dem Bürgen die Gestellung des 
Schuldners z. B. durch dessen Flucht vereitelt wurde, ergibt sich auf 
diese Weise schon aus dem Wesen der Bürgschaft. Man könnte aller- 
dings versucht sein, die Prämisse der obigen Überlegung, nämlich die 
Vertretbarkeit der schuldnerischen Leistung in Frage zu stellen und 
zwar aus dem Gesichtspunkte, daß ebenso wie in anderen Rechten 23 ) 
auch in Babylonien die ältesten Schulden Bußschulden aus Delikten 
waren und aus diesem Grunde zu ihrer Tilgung Leistung aus dem 
Vermögen des Schuldners erforderten. Die Annahme, daß die Schuld 
von der Bußschuld ihren Ausgang nahm, läßt sich angesichts der 
Ergebnisse der Rechtsvergleichung für das babylonische Recht sehr 
wohl vertreten. Hingegen entbehrte die aus ihr gezogene Folgerung, 
daß der Schuldner persönlich leisten mußte, nicht nur jeder quellen- 
mäßigen Grundlage, sie wäre auch angesichts der das ältere Delikts- 
recht beherrschenden Erfolgshaftung, die die subjektive Schuld des 
Täters nicht berücksichtigt, völlig unwahrscheinlich. Hingegen war 
die vertragsmäßi ge Einräumung eines Lösungsrechtes notwendig, 
wenn die Leistung des Schuldners eine unvertretbare war, und auch 
bei Schulden auf ein vertretbares facere kann man erwägen, ob die 
Vertretbarkeit hier soweit reichte, daß der Gläubiger auch ohne 
darauf bezügliche Verabredung sich die Leistung des Bürgen an Stelle 
des Schuldners gefallen lassen mußte, und dies insbesondere dann, 
wenn der Bürge seine Lösung durch Leistung des Schadensersatzes 
mangels Erfüllung bewirken wollte. 

Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchung zusammenfassend 
gelangen wir also zu folgendem Bild der ältesten Bürgenhaftung: 

Der Bürge garantiert dem Gläubiger für die Exekutions- 
bereitschaft des Schuldners zur Personalexekution. Er ist 
gewissermaßen Vollstreckungsorgan des Gläubigers, dem er bei 
normalem Gang der Dinge die Leistung des Schuldners übermitteln 
kann. 24 ) Leistet der Schuldner rechtzeitig weder dem Gläubiger, noch 



23) Für das deutsche Recht vgl. Gierke p. 7f., für das römische Mitteis, 
röm. Privatrecht I p. 'J7. Vgl. ferner Egger, Verrnögenshaftung und Hypothek 
p. 4081". 

24) Vielleicht ist aus dieser Vorstellung heraus auch die eigentümliche 
Formulierung des Bürgenversprechens in VS VIII '26 (oben p. 20 f.): „der Bürge 
wird zahlen lassen' 1 zu erklären. Vgl. oben § 2 n. 39. 



76 Umwandlung des Lösungsrechts in eine Pflicht. 

dem Bürgen 25 ), so ist dieser dem Schuldner gegenüber berechtigt 
und wenigstens bei der Gestellungsbürgschaft dem Gläubiger gegen- 
über auch verpflichtet, den Schuldner als Exekutionsobjekt bereit 
zu stellen. Vermag er dies nicht, so ist er mit Leib und 
Leben dem Gläubiger verfallen, oder vielleicht exakter: er ist 
nunmehr verpflichtet, sich selbst als Ersatzobjekt für den Schuldner 
dem Gläubiger auszuliefern. Jedoch steht ihm in der Regel die Be- 
fugnis zu, diese Rechtsfolge durch rechtzeitig dem Gläubiger angebotene 
Erfüllung von sich abzuwenden. 

Es ist aber begreiflich, daß dieses ursprüngliche Recht des 
Bürgen, sich durch Erfüllung zu befreien, die Tendenz in sich tragen 
mußte, sich allmählich in eine Pflicht zu verwandeln. In dieser 
Richtung wirkte namentlich das Interesse des Gläubigers, dem in 
vielen Fällen mehr daran liegen mußte, Erfüllung seiner Forderung 
zu erhalten, als die Person des Bürgen in seine Gewalt zu bekommen. 26 ) 
So mag schon frühzeitig die Anschauung Raum gewonnen haben, daß 
der Bürge, der im Haftimgsfalle dem Gläubiger Erfüllung anbot, hier- 
bei in Ausübung einer Pflicht handle, was dann weiter zur Folge 
haben mußte, daß nunmehr eine auf die Erfüllung des Bürgen be- 
zügliche Klausel in das Bürgenversprechen aufgenommen wurde. 27 ) 
Vielleicht darf man auch einen Zusammenhang des Erfüllungsver- 
Sprechens — denn so dürfen wir es jetzt nennen — mit der Auf- 
nahme der Zahlungsgarantie in die Bürgenobligation annehmen, inso- 
fern nämlich sich logisch beide einander entsprechen. Denn wenn es 



25) Die Leistung an den Bürgen befreit den Schuldner nicht nur diesem, 
sondern auch dem Gläubiger gegenüber. Über den Grund dieser Erscheinung 
siehe unten § 11 p. 108 f. 

26) Man wende nicht ein, daß zugleich mit der Person des Bürgen auch 
dessen Vermögen der Exekution des Gläubigers unterlag. Der Bürge verpfändet 
seine Person und nichts weiter. Das lehrt schon das Formular des Bürgen- 
versprechens, das in seiner ältesten Fassung für eine andere Haftung als die 
mit dem Körper keinen Baum läßt. Was das mit dem hahvlunischen sachlich 
verwandte germanische Bürgschaftsinstitut betrifft, so ist für diejenigen, welche 
mit Gierke p. 19 f. hinsichtlich der rechtsgeschäftlichen Haftung zwischen per- 
sönlicher und Vermögenshaftung einen grundsätzlichen Unterschied annehmen, für 
die Urzeit die reine Personenhaftung des Bürgen außer Zweifel. Ebenso auch 
H.Meyer, Zum Hrsprung der Vermögenshaftung im deutschet] Recht (Festschrift 
für Gierke) p. 976f. Anders freilich v. Amira, Ztschr. d. Savigny- Stiftung, 
germ. Abt 31 p. 490 und ihm folgend v. Schwerin, Schuld und Haftung p. 10. 
Für das griechische Recht vgl. Partsch p. 196 n. 1. Vgl. ferner unten § LS p. ISO. 

27) Solange die Erfüllung nur ein Recht des Bürgen war, bedurfte es 
keiner besonderen Vereinbarung, da sich nach dem oben Bemerkten dieses 
Recht wenigstens dann, wenn die Schuld auf eine Vermögensleistung ging. 
schon ipso iure aus der Bürgschaft ergab. 



Das Erfüllungsversprechen des Bürgen. 77 

richtig ist, daß die Anlage der Verbürgungserklärung eine symme- 
trische war, wenn also ursprünglich zur Verpflichtung des Bürgen, 
den Schuldner zur persönlichen Exekution bereit zu stellen, vielleicht 
ein Versprechen gehörte, sich selbst als Exekutionsobjekt darzubieten, 
so war das Korrelat zur Zahlungsgarantie das persönliche Erfiillunffs- 
versprechen. Damit ist natürlich nicht behauptet, daß das Erfüllungs- 
yersprechen erst in die Bürgenobligation aufgenommen werden konnte, 
seitdem diese die Zahlungsgarantie enthielt — das Gegenteil beweisen 
ja die uns erhaltenen Bürgschaftsurkunden — , wohl aber, daß die 
Zahlungsgarantie erst recht verständlich wird auf Grundlage des Er- 
füllungsversprechens 28 ), zugleich ein weiteres Argument dafür, daß sie 
eine jüngere Bildung ist. 

Das subsidiäre Erfüllungsversprechen des Bürgen war aber auch 
der Punkt, an dem die weitere Entwicklung des Bürgschaftsrechts 
einsetzte. 29 ) Die Umwandlung der unablösbaren Schuldknechtschaft 
in eine ablösbare, das Aufkommen der Schuldhaft, mit anderen Worten 
die Entstehung von Rechtsformen der Personalexekution, welche dem 
Gläubiger nicht mehr wie die früheren wenigstens ein Erfüllungs- 
surrogat verschafften, mußten bewirken, daß der ursprüngliche Inhalt 
der Bürgenobligation: die Gestellung und Auslieferung des Schuldners 
allmählich an Bedeutung zurücktrat hinter dem subsidiären Erfüllungs- 
versprechen, namentlich seitdem mit diesem in der Regel die Zahlungs- 
garantie verbunden wurde. Dürften wir annehmen, daß dem baby- 
lonischen Vollstreckungsrecht die Personalexekution überhaupt fremd 
geworden war, so würde man begreifen, daß der primäre Verpflich- 
tungsinhalt der Bürgschaft überhaupt verschwinden mußte und nur 
mehr das Erfüllungsversprechen übrig blieb. Die Prämisse trifft nun 
allerdings nicht zu. Allein jedenfalls war mit dem subsidiären Er- 
füllungsversprechen des Bürgen der Weg gewiesen, auf welchem die 
Bürgenobligation allmählich zu einer der Verpflichtung des Schuldners 

28) Gewiß ist eine Bärgenobligation des Inhaltes: „ich verspreche, daß der 
Schuldner zur Exekution bereit sein und auch zahlen wird, widrigenfalls ich 
mich selbst dem Gläubiger als Exekutionsobjekt zur Verfügung stellen werde" 
denkbar. Allein selbst wenn wir von dem oben p. 69 f. angeführten Bedenken 
absehen, ist es kaum warscheinlich, daß das Bürgenversprechen jemals so gelautet 
hat, da es im Endergebnis dem Gläubiger nicht mehr Rechte verschafft hätte, 
als ohne Zahlungsgarantie. Diese aber soll ihrem Zwecke nach dem Gläubiger 
doch die Erfüllung sichern, und setzt daher logisch auf dessen Seite ein 
Recht, vom Bürgen im Haftungsfalle auch die Erfüllung verlangen zu können, 
Toraus. Vgl. auch Partsch p. 171 f. 

29) Für das deutsche Recht vgl. Gierke p. 58 n. 34, p. 104f., für das 
griechische Partsch p. 197f. Siehe auch Strohal, Schuldübernahme p. 57f. 



78 Entwicklung der Bärgenobligation zur akzessorischen Schuld. 

gleichartigen Schuld werden, also sich jener Gestalt nähern konnte, 
in der sie uns in den Quellen des klassisch -römischen Rechts ent- 
gegentritt. 

Daß das neubabylonische -Recht diesen Stand der Entwicklung 
bereits erreicht hatte, wäre allerdings zuviel behauptet. Schon der 
Umstand, daß das archaistische Bürgschaftsformular sich noch im 
Rechtsleben erhalten hat, spricht dagegen, wenngleich man zugeben 
mag, daß Urkundsformulare ein zähes Leben haben und sich auch 
dann noch behaupten können, wenn ihr ursprünglicher Sinn nicht 
mehr als lebendiges Recht empfunden wird. Allein Urkunden wie 
Nbk. 366 (oben p. 46 f.), sowie die im § 7 besprochenen Texte zeigen 
doch, daß man es mit dem primären Versprechensinhalt bei der Bürg- 
schaft noch ernst nahm. Auf der anderen Seite aber fehlen nicht 
Quellenstellen, aus denen sich ergibt, daß die Auffassung des Bürgen 
als akzessorischen Schuldner dem neubabylonischen Rechte nicht mehr 
ganz fremd war. Am besten wird man daher das babylonische Bürg- 
schaftsrecht als in einem Ubergangsstadium befindlich charakterisieren 
können, in welchem die alten Vorstellungen von der Bürgschaft noch 
nicht alle praktische Bedeutung verloren hatten, in dem aber doch 
schon Keime vorhanden waren, aus denen heraus die Bürgschaft 
sich zu der Gestalt hätte entwickeln können, in der sie im 
klassisch -römischen Recht begegnet und in welcher sie die Grund- 
lage unseres heutigen Bürgschaftsrechts geworden ist. 

Zu den vorhin erwähnten Quellenbelegen gehören vor allem Bürg- 
schaftsurkunden, in denen der Bürge nur mehr die Erfüllung der 
Hauptschuld verspricht. So in BE VIIIj 39 (p. 32) aus dem Jahr der 
Thronbesteigung Xabonids. Die Urkunde ist ein Verpflichtungsschein 
über 3 Kur Datteln. Z. 7f. heißt es: m Zer uMn, (8) aplu-su sa m l'ir \ 
pu-ut (9) e-te-ir na-si. (10) suluppu m Zer-ukin ina qat (11) m Si-riq-tum 
i-na-sa-amma (12) ana m ilu Samas-ah-iddina i-nam-din „Zer-ukin, 
(8) Sohn des Pir', ist für (9) das Zahlen Bürge. (10) Die Datteln 
wird Zer-ukin von (11) Siriqtum 30 ) bringen und dann (12) dem 
Samas-ah-iddina (Gläubiger) geben." Im Nbn. 42 bürgt A für zwei 
Sklavinnen, die B von C gekauft hatte, Z. lf: pu-ut S 1 {2) u S v 
(3) a '" Hu a-me-lut-ium sa B (5) ina qätä (6) i-bu-ku, A (7) na-si und 

verspricht Z. 8 f.: ib-ha-kam-ma ina Bäbili** (9) it ti (10) sa 

B ana B (11) i-nam dm ,,er wird (sie) herbeiführen und dann iu 



30) Welche Rolle Siriqtum spielt, läßt sich nicht erkennen. Der Schuldner 

ist er nicht. 



Der Bürge als akzessorischer Schuldner. 79 

Babylon (9) mit (10) des B dem B (11) geben." Der Fall 

liegt wohl so, daß A als Bürge zur Verpflichtung des Verkäufers, 
die Sklavinnen dem Käufer zu übergeben, hinzutritt. 31 ) Zu beachten 
ist auch, daß nach Nbn. 40 einen Monat vorher C dieselben Sklavinnen 
einem anderen verkauft hatte. Sie sind daher zur Zeit des zweiten 
Verkaufs wohl gar nicht in seinem Besitze. Daher auch die Vorsicht 
des Käufers, der Bürgenstellung für die Übergabe der Sklavinnen 32 ) 
verlangt. Ist diese Erklärung richtig, so verspricht hier der Bürge 
genau dasselbe, was der Verkäufer aus dem Schuldverhältnisse zu 
leisten verpflichtet ist. Auf eine der Schuld des Hauptschuldners 
gleichartige Verpflichtung des Bürgen weist es ferner hin, wenn in 
einer Quittung Nbk. 172 = BRI p. 22 bemerkt wird Z. 11 f.: ra-su-tu 
sa A (Gläubiger) (12) ina muh-hi B (Schuldner), C (Bürge), (13) D 
(Schuldner) u E (Bürge ) i[a-a-nu?J. (14) u-ü-timP L sa eli B, (15) C, D 
u E (IG), sa ina Vit A sa il-la-a-nu, (17) hu-up-pa- „eine Forderung des 
A, (12) lastend auf B, C, (13) D und E [ist nicht]. (14) Die Schuld- 
scheine, lastend auf B, (15) C, D und E, (16) die in dem Hause des 
A auftauchen, (17) gelten als zerbrochen" 33 ), wenn es in einer anderen 



31) Ein ähnlicher Sachverhalt liegt in Ner. 1 (KB IV p. 202 I = BR II p. 48) 
vor, wo der Auktor des Verkäufers Z. 7 f. pu-iit a-ba-ku sa (folgen die Namen 
der verkauften Sklaven) ina qdtä K na-su-u „für das Herbeiführen der (Sklaven) 
in die Hände des K(äufers) bürgt." 

32) Das abaku (Herbeiführen) ist also hier Gegenstand der Hauptschuld 
und von abaku im Sinne von „gestfllen" in den Bürgschaftsurkunden, wo es 
zum Inhalte der Bürgenobligation gehört, streng zu trennen. 

33) Vgl. im übrigen Kohler-Peiser, a. a 0. p. 22f. und oben § 4 n. 28. 
Es kommt auch vor, daß der Gläubiger dem Bürgen eine besondere Urkunde, 
um ihn aus der Haftung zu entlassen, ausfertigt. Dieser Fall liegt vor in der 
vom Herausgeber Clay mißverstandenen Urkunde BE VIII, 10 (p. 30) aus dem 
6. Jahre Nebukadrezars. Der Glaubiger A erklärt hier: ul itür-ma A(2) a-iia 
eli ra-su-ut-ti-su (3) ma-la ba-sa-u, sa B (4) u C (5) a-na pu-u-ut (6) D (Schuldner) 
(7) ina qdt A is-su-u, it-ti (8) B uC (9) A ul i-dib-bu-ub. (10) u-il-tim sa A 
ana muh-hi (11) D il-la- hi-pa-tum „indem nicht Anspruch erheben wird A (2) 
betreffs seiner Forderung, (3) so viel sie beträgt, bezüglich welcher B (4) und 
C (5) für (6) D (7) in die Hand des A gebürgt haben, wird mit <8) B und C (9) 
A nicht prozessieren. (10) Der Verpflichtungsschein des A lastend auf (11) D, 
wo er auftaucht, gilt als zerbrochen." Ein ähnlicher Tatbestand scheint auch 
der von Strassmaier in den Verhandlungen des Orientalisten -Kongresses zu 
Stockholm unter no. 27 (p. 287 f.) mitgeteilten Urkunde aus dem 12. Jahre 
Artaxerxes' I. zugrunde zu liegen. Ich gebe jedoch die nachfolgende Interpre- 
tation nur mit allem Vorbehalt, da der Text in seinen Lesungen m E. bei einer 
Revision am Original noch der Besserung fähig sein dürfte. Es handelt sich 
um eine Geldforderung gegen 3 Schuldner A, B und C, die zur Mitgift einer Frau 
gehört und welche (Z. 3) ina qäti sa D „in der Hand des D," des Ehemanns, 
ist, also wohl von ihm verwaltet wird. Er bestätigt nun dem C, von ihm seinen 
wie seines Bruders A Anteil erhalten zu haben. Möglich, daß die Schuld des 



30 Der Bürge als akzessorischer Schuldner. 

Urkunde, Nbk. 134 M ) heißt, daß „A. und sein Bürge" (mdhis pütisu) 
ein Depot zur Aufbewahrung übernommen haben. 30 ) 

Dieselbe Auffassung tritt auch in Nbn. 619 = Nbn. 375 (Marx, 
BA IV p. 50) zutage. Die Urkunde ist eine u-ü-tim über eine For- 
derung des Iddina-Marduk auf eine Quantität Datteln gegen die Kassa 
und Dajan-ahu-iddina mit solidarischer Haftung beider Schuldner. 
Z. 7 f. wird nun bemerkt: suluppu ra-su4u sa eli (8) f Kas-sa-a u 
m I-qa-fai, mu-ti-su, (9) '" ilu Daian-dhu-iddina a-na si-bu-tu (10) sa f Kas-sa-a 
pu-ut na-su-u „die Datteln sind eine Forderung lastend auf (8) Kassa 
und Iqubu, ihrem Ehemann, (9) Dajan-ahu-iddina ist auf Wunsch 
(10) der Kassa dafür Bürge". Damit kann wohl nur gesagt sein, 
daß die Forderung materiell die Kassa und den Iqubu angeht. 
Dieser ist jedoch formell gar nicht Schuldner, vielmehr verpflichtet 
sich als solcher Dajan-ahu-iddina, der wiederum materiell im Ver- 
hältnis zu Iqubu nur Bürge ist. Es liegt also ein Rechtsverhältnis 
vor, das der Romanist intercessio tacita 36 ) nennt. Das Bemerkenswerte 
aber ist, daß der Schreiber keinen Anstand nimmt, den Dajan-ahu-iddina, 
der doch nur ein Schuldversprechen abgibt, als Bürgen zu bezeichnen. 

Endlich sei noch auf folgende Erscheinung aufmerksam gemacht. 
In den abstrakten Verpflichtungsscheinen (u-ü-tim) begegnet häufig 
eine Vorbehaltsklausel, in der bemerkt wird, daß durch die vorliegende 
Urkunde eine frühere Forderung, gewöhnlich aus einer u-ü-tim, nicht 
außer Kraft gesetzt werde. 37 ) Eine solche Reservation war nament- 
lich aus dem Grunde angezeigt, weil das abstrakte Zahlungsversprechen 



A in einer besonderen u-ü-tim verbrieft war. Denn es ist im folgenden von 
einer solchen über 50 Sekel ma-la a-hi zittu sa A „so viel der Anteil des A 
ausmacht 1 ' die Rede. Diese u-ü-tim gibt nun D (sein Name ist in Z. 10 am 
Ende sicher zu ergänzen) dem C zurück und erklärt außerdem, gegen die Tochter 
und Erbin des A keine Ansprüche zu haben. (Z. 15 am Ende wird zu ergänzen 
sein: (12) dib-bi sa A (13) ana eli kaspa-a-an 50 siqlu .... (15) .... i[a-a-nu], 
und niclit, wie Strass maier will, i-[nan-di)i]). Z. 16 ist dann zu lesen: u dih- 
-bi sa I) ana eli na-se-e /ni-u-ttt (17) sa sa-ta-ri sa nu-dtm-nu-u sa ina eli B 
(18) u C s/it-ri itti C ia-a nu ..auch wird Prozeß des D betreffs der Bürgschaft 
des Schreibens (?) der Mitgift, welche zu Lasten des B und C geschrieben wurde, 
mit C nicht sein." Damit schließt die Urkunde. Ich möchte annehmen, daß 1> 
und C sich für die Teilschuld ihres Bruders A verbürgt hatten, und nunmehr 
C, da er die Schuld bezahlt hatte, vom Gläubiger aus der Bürgenhaftung ent- 
lassen wird. 

34) Transskription und Übersetzung bei Peiser, BV p. 308 und Meissner, 
MVAG 10 p. 309. 

35) Vgl. auch Nbk. H (oben § 4 n. 40). 

3«) Ähnlich ist der Tatbestand auch in Cyr. 284 (oben § 4 n. 28). 
37) Die typische Form der Klausel ist: eint u-il-titn mahrittm 6a a lietrag) 
sa ina eli A (Schuldner) „außer dem früheren Verpflichtungsschein über \. lastend 



Vorbehaltsklauseln. 81 

der u-il-tim zur Novation verwendet werden konnte. Ich unterstreiche 
das „konnte". Denn es wäre gewiß zuviel behauptet, daß die No- 
vation früherer Verbindlichkeiten aus anderen Verpflichtungsscheinen 
des Schuldners durch Errichtung einer neuen u-il-tim inter easdem 
personas immer herbeigeführt wurde, wenn ein derartiger Vorbehalt 
in die Urkunde nicht aufgenommen worden war. Mindestens war es 
aber eine wohl angebrachte Vorsichtsmaßregel des Gläubigers, wenn 
er sich durch eine solche Klausel für den Fall schützte, daß der 
Schuldner etwa später behaupten wollte, es sei durch die u-il-tim eine 
Novation von Schulden aus anderen Verpflichtungsscheinen beabsich- 
tigt gewesen. 

Es ist nun interessant, daß man auch bei der Bürgenobligation 
einen derartigen Vorbehalt mitunter für angezeigt hielt. Das beweisen 
folgende Urkunden: Ner. 66 {u-il-tim), Z. 12 f.: pu-ut e-te-ru ... A na-si; 
e-lat u-il-tim 1 ''- mah-etim sa ina eli A „für das Zahlen ist A Bürge; 
vorbehaltlich der früheren Verpflichtungsscheine, lastend auf A". 

Nbn. 678 (Verpflichtungsschein über Geld, Getreide und Datteln) 
Z. 15 f.: A pu-ut e-tir sa Jcasjri, SE-BAR, suluppi na-si; e-lat ra-su-tu 
mah-ri-tum sa B (Gläubiger) sa ina muli-lji A „A ist für das Zahlen 
des Silbers, Getreides, der Datteln Bürge; vorbehaltlich der früheren 
Forderung des B, lastend auf A". 

Nbn. 1125 (Verpflichtungsschein über Geld, Schuldner: A und B) 

Z. 6 f.: C u B, (7) assatu-su, pu-ut 38 ) sa haspi na-su-u; (8)e- [tat] 

u-il-tim IJl [mährej-ti sa ina eli A (9) u B, assati-su, e-lat u-il-tim (10) sa 
suluppi u leaspi sa ina eli C (11) u D, sa isten pu-ut santf (12) na-su-u 
„C und D, (7) seine Ehefrau, sind für des Silbers Bürgen; 

(8) vorbehaltlich der früheren Verpflichtungsscheine, lastend auf A 

(9) und B, seiner Ehefrau, vorbehaltlich des Verpflichtungsscheins 

(10) über Datteln und Silber, lastend auf C (11) und D, bezüglich 
dessen einer für den anderen (12) Bürge ist." 

Umgekehrt kann auch in einer u-il-tim eine frühere Bürgschafts- 
obligation des Schuldners gegenüber demselben Gläubiger durch eine 
solche Reservation geschützt werden. Dieser Fall scheint mir vor- 
zuliegen in Nbk. 273 (u-il-tim über Getreide). Z. 5f. ist zu lesen: 
[....]si(0[ ] SM sa A (Gläubiger) (6) sa ina eli B, sa C (Schuld- 
ner) (7) pu-ut na-su-u. Hier kann wohl nur die übliche Vorbehalts- 



auf A". Beispiele siehe unten § 13 n. 13, 14. Über ähnliche Vorbehaltsklauseln 
in den altbabylonisehen Darlehnsurkurulen vgl. Cuq, nouv. rev. bist. 34 p. 440 f. 
38) Die Zeichen sind verwischt. Dem Zusammenhange nach dürfte wohl 
etiru zu ergänzen sein. 

Koschaker: Babylon. -assyr. Bürgschaftsrecht. 6 



32 Bürgschaft und Vermögenshaftung. 

klausel gestanden haben, und ich möchte daher dem Sinne nach über- 
setzen: „[vorbehaltlich der Forderung] des A, (6) lastend auf B,. be- 
treffs welcher C (7) Bürge ist." 

Will man nun die oben gegebene Erklärung der Vorbehalt s- 
klausel auch für diese Urkunden gelten lassen, so ist es kaum denk- 
bar, daß dann hier die Bürgschaftsobligation noch die Gestellung des 
Schuldners zum prinzipalen Inhalt gehabt haben konnte. Denn es 
ist schlechterdings kein Grund einzusehen, warum eine solche Obli- 
gation die aus der u-ü-tim entspringende Summenschuld hätte novieren 
können. Vielmehr muß man m. E., um diese Erscheinung zu ver- 
stehen, annehmen, daß die Bürgenobligation im wesentlichen nur mehr 
als Versprechen die Hauptschuld, die ja vorliegenden Falles eine Summen- 
schuld war, zu erfüllen, angesehen und empfunden wurde. 

Damit stehen wir aber vor einer neuen Frage. Solange die Auf- 
gabe des Bürgen lediglich darin bestand, dem Gläubiger die Person 
des Schuldners zur Exekution zu sichern, war für eine andere als die 
leibliche Haftung des Bürgen kein unmittelbares Bedürfnis vorhanden. 
Der Gläubiger bekam eben im Bürgschaftsfalle anstatt des Schuldners, 
den Bürgen in seine Gewalt. Seitdem aber die Bürgenobligation das 
Erfüllungsversprechen aufgenommen hatte und dieses sogar allmählich 
in den Vordergrund trat, lag die Sache anders. Der Gläubiger hatte 
seither gegen den Bürgen im Haftimgsfalle einen Anspruch auf 
Erfüllung der Schuld. Nun ist zwar damit eine auf die Person 
des Bürgen beschränkte Haftung gewiß vereinbarlich. Allein andrer- 
seits muß man doch zugeben, daß einer Erfüllungspflicht des 
Bürgen doch die Vermögenshaftung, die den Gläubiger berechtigt 
hätte, sich unmittelbar aus dem Vermögen des Bürgen zu befriedigen, 
ungleich adäquater gewesen wäre. Ist nun auch im babylonischen 
Recht in ähnlicher AVeise wie im deutschen und griechischen Recht 3 ") 
die Vermögenshaftung aufgekommen und hat sie die ursprüngliche 
leibliche Haftung allmählich verdrängt? Die Quellen verweigern die 
Antwort auf diese Frage. Wir wissen zwar, daß das neubabylonische 
Recht die Vermögensexekution kannte 40 ), allein ich habe in dem mir 
zugänglichen Quellenmaterial keine sicheren und einwandfreien Belege 
dafür gefunden, daß die Vermögensexekution gegen den Bürgen an 
wendbar war. Allerdings läßt sich ebensowenig positiv nachweisen, daß 
der Bürge in geschichtlicher Zeit nur mit seinem Körper gehaftet hätte. 

39) Vgl. Gierke p. 202 f., 320, 324 f., Partsch p. 190 f.: ferner auch Strohal, 
Schuldübernahme p. 59 f. 

40) Vgl. Kohler-Peiser, BRD p. 70f., III p. 52, IV p. 86f. 



Bürgschaft und Verinögenshaftung. 83 

Nur mit Vorbehalt möchte ich daher auf den Brief CT XXII 105 
(Mar tin p. 82 f.) 41 ) hinweisen. Der Absender Lublutu teilt dem Adressaten 
Rimüt unter anderem mit Z. 10f.: pu-ut-ka (11) ku-ut-mu 8 siqlu ina 
qatä (12) Ag-gi-ia na-sa-a-ka, (13) kaspa Ag-gi-ia (14) etir. ia-a-nu-u. 
(15) mi-nu-u ki-i SE-BAIi-a (16) Ag-gi-ia i-kü-lu-u. (19) a-mah-har-ka 
a-na-ku. Ich möchte folgende Übersetzung vorschlagen: „für dich 

(11) bin ich bezüglich der Bedeckung der 8 Sekel Silber in die Hände 

( 12) des Aggia Bürge. 42 ) (13) Bezüglich des Geldes ist Aggia (14) be- 
zahlt (sagst du). Das ist nicht der Fall. 43 ) (15) Warum hält denn 
mein Getreide (16) Aggia zurück? (17) Ich werde es (das Getreide) 
von dir eintreiben." Der Fall scheint mir der zu sein, daß der Bürge 
Lublutu vom Gläubiger Aggia bereits haftbar gemacht wurde, indem 
dieser ein jenem gehöriges Getreidedepöt zurückhielt, und nun der 
Bürge dem Schuldner mit dem Regreß drohte. Das Vorgehen des 
Gläubigers ist aber mit einer Vermögenshaftung des Bürgen jedenfalls 
besser in Einklang zu bringen, als mit dessen leiblicher Einständer- 
schaft. 

Allein selbst wenn man diesen an sich ja sehr zweifelhaften Beleg 
nicht gelten lassen will, wäre es doch unzulässig, aus der Beschaffen- 
heit der Quellen ein argumentum ex silentio abzuleiten. Die inneren 
Gründe, die sich uns eben aus der Entwicklung der Bürgenobligation 
ergaben, zwingen uns vielmehr mit der Möglichkeit, ja sogar mit der 
Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die ursprüngliche Haftung des 
Bürgen mit seiner Person später modifiziert wurde. In welcher Weise 
dies geschah, das sich auszumalen, hat die Phantasie freien Spielraum. 
Es kann sein,, daß die leibliche Haftung von der Vermögenshaftung 
vollständig verdrängt wurde, es wäre aber auch möglich, daß beide 
miteinander konkurrierten oder daß der Gläubiger zwischen ihnen die 



41) Die Urkunde ist abermals publiziert und erläutert von Martin, Fest- 
schrift für Hilprecht p. 145 f. 

42) PiUka . . . ina qdtci Aggia nasdka (l. nasäku?) kann kaum anders über- 
setzt werden. Die Übersetzung von kutmu 8 siqil in Z. 11 ist allerdings sehr 
fraglich. Allein der Übertragung Martins von Z. 10—12: „Ton corps couvre; 
8 sicles par les mains d'Aggiia t'ont ete portes" vermag ich keinen Sinn abzu- 
gewinnen. 

43) Kaspa Aggia etir kann nicht heißen, wie Martin will: „(Cet) argent 
Aggiia a (reellement) verse", da etir Permansiv ist und ebenso wie in den Ur- 
kunden (vgl. Delitzsch p. 46) passivisch übersetzt werden muß. Ich meine, 
daß der Briefschreiber vielleicht mit Beziehung auf eine frühere Mitteilung des 
Adressaten ironisierend sich selbst einen Einwand macht, um ihn sofort zu wider- 
legen: ich kann ja gar nicht als Bürge haftbar gemacht werden, da der Gläu- 
biger bereits befriedigt ist. Das ist nicht wahr; denn warum etc. 

6* 



34 Die Klausel der Solidarhaftung. 

Wahl hatte, ohne daß übrigens mit diesen Möglichkeiten sämtliche 
denkbaren Kombinationen erschöpft wären. 

. § 9 - 

Unsere Untersuchung hat sich bisher auf das akzessorische Bürgen- 
versprechen beschränkt, also auf Fälle, in denen ein Bürge für die 
Schuld eines anderen einsteht und die, wie sehr auch sonst die 
babylonische Bürgenobligation von der des römischen und heutigen 
Rechts sich abhebt, doch insofern jenen Rechten näher stehen, als 
auch dort die Bürgschaft ein akzessorisches Schuldversprechen ist. 
Der Bürgschaftsbegriff des babylonischen Rechts ist jedoch ein viel 
weiterer. Die neubabylonischen Rechtsquellen sprechen von einem 
„bürgen" auch in solchen Fällen, iu denen unserem romanistisch ge- 
schulten Denken die Verwendung des Bürgschaftsbegriffes fremdartig 
erscheinen muß. 

Von diesen Anwendungen des weiteren Bürgschaftsbegriffes soll 
in diesem Abschnitte die Klausel, welche die solidarische Haftung 
mehrerer Schuldner statuiert, erörtert werden. In ihrer am häutigsten 
begegnenden Gestalt lautet sie: isten put sani nasü 1 ) „einer ist fin- 
den anderen Bürge". Daneben, wenn auch seltener, findet sich die 
erweiterte Fassung: isten put sani nasü, sa lirib' 2 } (kaspi, SJS-BÄB, 
suluppi etc.) inamdin (iddan, ittir) „einer ist für den anderen Bürge, 
daß er das Darlehen 2 ) (an Silber, Getreide, Datteln usw.) geben (zahlen) 
wird". 3 ). In drei Texten 4 ) aus der Zeit Artaxerxes' I. lautet die Klausel: 
isten put sani ana eter nasü, sa Mrib iddan „einer ist für den anderen 
für das Zahlen Bürge, daß er das Darlehen zurückgeben wird". 5 ) 



1) Nasü ist Plural des Permansivs. 

2) Über kirim = „Darlehen" vgl. die Lexika (Delitzsch p. 351, Muss- 
Arnolt p. 435), denen ich einstweilen folge. Ich komme auf diesen Punkt 
noch unten p. SS f. zurück. 

3) Beispiele: Nebukadrezar: Nbk. 138 7 ; Evil - Merodach: BE VIIL. 31 6 
(p. 31); Nabonid: Nbn. 205 7 (KB IV p. 226 XX), 375, 619 Marx. BA IV p. 50); 
Kyros: Liv. 16 (Oppert, ZA I p. 431); Kambyses: Camb. 16 8 , 68 17 BB 1 p. 17;, 
315, 409 (Ziemer, BA III p. 453, 456); Darius: Br. M. 84—2 — 11, 122 I BB II p. 85f.), 
Dar. 431 (BR III p. 30), BV 75; Xerxes: App. 4 1S ; A H a xerxes [.: BE IX 17 10 
(p. 35), 49 10 (p. 39). 

4) BE IX 31, 95, 96, sämtliche in Umschrift und Übersetzung bei Kotalla, 
BA IV p. 562, 570, 571. 

5) Die beiden letzten Varianten der Klausel beweisen neuerlich, daß der 
Bürge von Haus aus nicht eigene Erfüllung, sondern die des Schuldners ver- 
spricht. Denn Subjekt zu iddan kann nach der ganzen Stilisierung dei Bestim- 
mung mir sanu sein: einer bürgt für den anderen, daß er (nämlich der ander.' 
zahlen wird. Zugleich bestätigt auch die Formulierung der Klausel in den iu 



Die Klausel der Solidarhaftung. 85 

In diesen Formen begegnen wir der Klausel am häufigsten in 
Verpflichtungsscheinen (u-il-fi»i) 6 ), und zwar in der Regel am Schlüsse 
der Urkunde vor den Zeugennamen. Wahrscheinlich hat sie sich auch 
hier zuerst ausgebildet, ähnlich wie in Rom die Vereinbarung kor- 
realer Haftung von der Stipulation ausgegangen ist. Ungleich seltener 
findet sich die Klausel in anderen Verträgen, so in einem Pachtver- 
trage hinsichtlich der Verpflichtung der Pächter (Cyr. 200), in einer 
Viehmiete auf Seiten der Mieter (BE IX 49 [ p. 39] aus der Zeit Ar- 
taxerxes' L), bei Zahlungsversprechen (Nbn. 987, Dar. 93 = BRIII p.23); 
in Nbk. 103 (BR IV p. 47) verpflichten sich die Käufer eines Sklaven 
solidarisch, bis zu einem bestimmten Termin den Kaufpreis zu zahlen 
oder den Sklaven zurückzugeben. 

Der Sinn der Klausel ist ja klar. Sie normiert die solidarische 
Haftung der Schuldner. Der Gläubiger soll jeden Schuldner für den 
ganzen Schuldbetrag in Anspruch nehmen können, so zwar, daß die 
Leistung des einen die anderen befreit. Während nun nach römischer 
und moderner Auffassung jeder der Solidarschuldner das Ganze 
schuldet mit der Maßgabe, daß der Leistung eines von ihnen gesamt- 
befreiende Wirkung zukommt, hat das babylonische Recht die Denk- 
form der wechselseitigen Bürgschaft. 7 ) 



der vorigen Note angeführten Urkunden die schon oben (p. 56 f., 70f.) aufgestellte 
Behauptung, daß die Bürgschaft „für das Zahlen" eine solche mit Zahlungs- 
garantie war. 

6) A) Auf Geld: Samas-sum-ukin: Moldenke 3 6 (p. 65); Sin-sum-lisir: 
Moldeuke l 4 (p. 62); Sin-sar-iskun: KBIVp. 176 1II 7 ; Nabopolassar: Strass- 
maier, ZA IV p. 122; Nebukadrezar: Nbk. 26 9 , 43 6 , 45 10 (KB IV p. 182 V), 64 10r 
69 6 , Strassmaier, ZK I p. 88, 90, Nbk. 138 71 302 6 , 345 9 (BR IV p. 50), 358 10 , 430 g 
VSIVl5 8 ; Neriglissar: Ner.43 14 ,44 8 , 69 g , 71 6 ; Labasi-Marduk: Lab.2 s ; Nabo- 
nid: BE VIII, 45 6 (p. 29), Nbn. 314 14 , 461 7 , 553 6 , 584 9 (BRIV p. 86), 611 9 , 621 7 , DJ 
p. 262, Nbn. 750 u ,977 8 ; Kyros: DJ p. 266, Liv.16 (Oppert, ZA I p. 431); Kam- 
byses: Camb. 16 8 , 68 15 (BR I p. 17). 81 n (Ziemer, BA III p. 448), BV 28 n , 36 7r 
Camb. 315 14 (Ziemer, BA III p. 453), 348 9 ; Darius: Br. M. 84—2—11, 122 (BR II 
p. 35f.), Dar. 431 (BR IV p. 30); Xerxes': App. 4 12 . 

B) Auf Naturalien: Sin-sar-iskun: App. 1 6 (KB IV p. 174 II); Nabopolas- 
sar: Strassmaier, ZAIVp.119; Nebukadrezar: Nbk. 66., 2 , 73 1S , 118 6 ; Evil- 
Merodach: BE VIIIj 31 6 (p. 31); Neriglissar: Ner. 66 n ; Nabonid: Nbn.7 1(;> 
11 7 , 45 5 , 149 7 , 205 7 (KB IV p. 226 XX), 309 7 , 354 in 37ö 7 (Marx, BA IV p. 50,, 
539 9 , 619 c , 638 6l Moldenke 57 8 (p. 115), Nbn. 764 8 , 9ü7 9 , 973 14 , 1125 u ; Kyros: 
Cyr. 272 7 ; Kambyses: Camb. 2„, 3 9 , 261 1S , 322 n , 391 7 ; Darius: BV 132 24 , 75, 
87 9 , KA17 11 ,18 15 (KBIV p. 308 IX);Artaxerxes I: BE IX 17 10 (p. 35), 31,95,96- 
(Kotalla, BA IV p. 562, 570, 571). 

C) Auf Geld und Naturalien: Camb. 409 (Ziemer, BA III p. 456). 

7) Sie begegnet auch in den griechischen Papyri. Die Solidarschuldner 
sind hier 'iyyvoi ällr]lav dg l%xi(>iv; vgl. z. B. Grenf. I 18 ss , 20 1S , II 18, 8 , 27 1S> 
(sämtliche aus ptolemäischer Zeit), Tebt. II 384 123;( (10 p. Chr.) oder: ccXXrjUyyvoe. 



§6 Haftung mehrerer Mitschuldner. 

Bevor wir nun an die juristische Analyse dieser Formel heran- 
treten, ist eine Vorfrage zu erledigen, die Frage nämlich, wie sich 
kraft Gesetzes die Haftung mehrerer Schuldner gestaltete, die zu- 
sammen eine Verpflichtung übernahmen. Der Umstand, daß es zur 
Statuierung der Solid arhaftung erst einer besonderen Verabredung 
bedurfte, scheint die Antwort leicht zu machen: kraft Gesetzes galt 
eben für jeden Mitschuldner Teilschuld und Teilhaftung. Nun ist 
allerdings diese Schlußfolgerung nicht ganz sicher. Es wäre denkbar, 
daß die Vereinbarung der Solidarhaftung so verbreitet und üblich war, 
daß sie gewohnheitsrechtlich als normale Haftungsform erschien, wenn 
mehrere Personen zusammen sich verpflichteten, und demnach im 
Zweifel auch für solche Urkunden, welche eine bezügliche Klausel 
nicht enthielten, galt. 7a ) Allerdings müßten wir von dieser Prämisse 
aus erwarten, daß Urkunden, in welchen sich die Mitschuldner ohne 
Klausel der Solidarhaftung verpflichten, nur in ganz geringer Zahl 
sich nachweisen lassen. Das trifft aber nicht zu. Eine Statistik, die 
ca. 450 Verpflichtungsscheine umfaßt 8 ), ergibt gegenüber den 82 oben 
n. 6 angeführten Texten mit der Klausel 31 ohne solche. 9 ) Wenn- 
gleich dieses Material auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben 
darf, so ist es doch groß genug, um den Einwand auszuschließen, 
daß dieses Zahlenverhältnis ein rein willkürliches sei. Wir können 
daher die Behauptung wagen, daß die Urkunden, in welchen sich 
mehrere Mitschuldner ohne Bestimmung der Solidarhaftung verpflichten, 
eine immerbin ganz ansehnliche Minderheit ausmachen. Nun unter- 
scheiden sich allerdings beide Urkundengruppen, von dem Fehlen der 



dg lv.xi6iv vgl. Oxy. I 103 20 , III 506 46 , IV 729,, , VII 1040 S7 , BGU I 197 8 ; eine 
Leistung wird von mehreren Schuldnern £| aXl^lsyyvrjg versprochen: Oxy. 111 
5<J0 18 , IV 712,,, VI 913, 8 , VII 1040 1JM6 , BGU II 362 2 , 369 7 , 603 7 , 664 5 , III 725, 6 , 
736 a , 837 S2 , 853 17 , 938 2 usw. Über die hier verwendeten Abkürzungen siehe 
Wilcken, Archiv für Papyrusforschung I p. 24 f. 

7 a) Diese Auffassung scheint nach einer mir von Herrn Dr. Aptowit z <t 
freundlichst mitgeteilten Stelle dem talmudischen Recht zugrunde zu liegen. 
Jeruschalmi Schebuoth V 1, 36 a , 38: „wenn zwei von einem borgen, obwohl sie 
nicht geschrieben haben 'haftend und bürgend der eine für den anderen', hatten 
und bürgen sie der eine für den anderen". 

8) Es sind dies hauptsächlich die bei Tallquist p. XI f. angeführten 
,, Schuldzettel". 

9) Es sind dies folgende Texte: Nbk. 47, 59, 129 (BR II p. 38), 137, 304, 
408, 432; Nbn. 30, 103 (KB IV p. 218 XI), 138, 151, 152, 169, 187, 390 (BR I p. 18), 
542, 572 (BR II p. 58), 655 (Bß I p. 26), 715, 934 (KB IV p. 250 L1V); Cyr. 175, 
210, 284 <BR IV p. 57), 322; Camb. 120 (Bti IV p. 11), 240; Dar. 395 (BR III p. 49), 
l!V 22, KA 16, BE IX 61 (p. 34), Strassmaier, Verhaudlgn. des Orient. Kongr. 
zu Stockholm, Sem. Sekt I p. 281 f. no. 31. 



Konstruktion des Solidarschuldverhältnisses. 87 

Klausel der Solidarhaftung in den Texten der zweiten Art abgesehen, 
in ihrer Stilisierung voneinander nicht, und insbesondere fehlt in den 
Urkunden der zweiten Kategorie in der Regel jeder Hinweis auf die 
Teilhaftung der Mitschuldner. Indessen dürfte daraus kein Gesren- 
argument abzuleiten sein. Wir werden vielmehr diese Tatsache daraus 
zu erklären haben, daß die Teilhaftung und zwar nach Kopfteilen als 
das gesetzlich Normale und darum Selbstverständliche nicht besonders 
angemerkt wurde. 10 ) Wenn in einer vereinzelten Urkunde: BE IX 51 
(p. 34, aus der Zeit Artaxerxes' I.) die Teile, für welche die Schuldner 
halten, angegeben werden, so hat dies seinen Grund darin, daß die 
Teile hier ungleiche sind 11 ), und bestätigt so unsere Annahme. 

Dürfen wir also mit einiger Wahrscheinlichkeit Teilschuld und 
Teilhaftung als die normale Folge der Verpflichtung mehrerer Schuldner 
ansehen, so scheint folgende Erklärung der Verabredung solidarischer 
Haftung nahe gelegt: jeder der Schuldner schuldet seinen Teil, ver- 
bürgt sich aber zugleich für die Teilschulden seiner Genossen. Er 
haftet also für seinen eigenen Anteil suo nomine, für die der Mit- 
schuldner aber als Bürge. 

Allein diese Konstruktion unterliegt m. E. schweren juristischen 
Bedenken. Der Gläubiger, dem jeder der Mitschuldner suo nomine 
für seine Teilschuld haftet, könnte einmal alle Genossen in ihrer 
Eigenschaft als Schuldner in Exekution ziehen. Er könnte sie aber 
ebenso als Bürgen verantwortlich machen. Nun kann sich wenigstens 
ursprünglich der Bürge durch Gestellung und Auslieferung des 
Schuldners an den Gläubiger von seiner Haftung befreien. Da nun 
die Mitschuldner wechselseitig füreinander bürgen, so mußte die 
Geltendmachung der Bürgenhaftung seitens des Gläubigers in ihrem 
Endergebnisse zu einer wechselseitigen Gestellung sämtlicher Mit- 



10) Dazu stimmt auch, daß die Vereinbarung der Solidarhaftung in einer 
u-il-tim, wenn diese im anderen Zusammenhange erwähnt wird, immer besonders 
hervorgehoben wird. Vgl. Nbn. 1125 Z. 9f. (oben p. 81) und Camb. 391 Z. 7: e-lat 
ra-su-tu (s) pan-ut-tum sa muh-hi-su u ina muh-hi ahi-su, (9) sa isten pu-ut sani 
na-su-u „vorbehaltlich der Forderung, (8) der früheren, lastend auf ihm und auf 
seinem Bruder, (9) bezüglich welcher einer für den anderen bürgt". 

11) Es handelt sich um einen Verpflichtungsschein von vier Schuldnern 
auf Lieferung von 25 240 Ziegel. Z. 7 f. wird bemerkt: ina libittucoii. mä 25240 
ina lib-bi 11000 Jibittu 1 - 011 - ina muh-hi »'Eriba-a, (8) 5700 ina muh-hi müuBil- 
-wi'lin, 4280 ina muh-hi m i'ttNinib-ah-iddina, (9) 4260 ina muh-hi '" l! " Ninib-ana- 
-biti-sii ., Unter den 25 240 Ziegeln davon sind 11 00n Ziegel lastend auf Eribä" usw. 
Teilhaftung ist auch vorauszusetzen, wenn der Gläubiger einem von mehreren 
Schuldnern die Zahlung seines Teils (mala zitti) quittiert. Vgl. z. B. die Ur- 
kunden no. 27 7 ,30 7 bei Strassmaier, Verhandl. des Orient. Kongr. zu Stockholm. 



58 Konstruktion des Solidarschuldverbältnisses. 

Schuldner führen, also zu demselben Resultat wie bei der Belangung 
der Genossen als Schuldner mindestens in dem Falle, als der Gläubiger 
o-egen den Schuldner mit Personalexekution vorgehen konnte und viel- 
leicht wegen dessen Vermögenslosigkeit auch mußte. 12 ) Machte end- 
lich der Gläubiger den Mitschuldner A als Schuldner und Bürgen 
verantwortlich, so konnte er zwar von ihm die Erfüllung seiner Teil- 
schuld verlangen, mußte sich aber zufrieden geben, wenn ihm der an- 
gegangene Schuldner seinen Genossen B, für den er bürgte, auslieferte. 
In allen Fällen würde also eine solche Solidarhaftung den Gläubiger 
der Notwendigkeit von Teilexekutionen nicht entheben und daher 
ihrem Zwecke, dem Gläubiger das Recht zu verschaffen, von jedem 
der Mitschuldner das Ganze verlangen zu können, nicht gerecht werden. 

Zu diesen juristischen Einwendungen gesellen sich aber noch 
sprachliche Bedenken. Einmal ist die bei dieser Konstruktion voraus- 
gesetzte zweifache Haftung des Schuldners: im eigenen Namen und 
als Bürge nirgends auch nur mit einer Silbe angedeutet. Die Ur- 
kunden berichten vielmehr stets nur, daß die Schuldner als Bürgen 
haften, so zwar, daß einer für den anderen einsteht. Ferner möchte 
ich abermals auf die schon oben (p. 84) erwähnte erweiterte Fassung 
der Klausel: isten put sanl nasü, sa kirib laspi inamdin aufmerksam 
machen. In einigen Texten 13 ) ist nämlich hinter hinrib leaspi auch der 
Betrag angegeben, auf welchen sich die Zahlungsgarantie erstreckt. 
Dieser Betrag macht aber nicht bloß den Anteil des einzelnen 
Schuldners aus, wie wir es für die zur Diskussion stehende Auffassung 
der Solidarhaftung erwarten müßten, sondern umfaßt die ganze 
Schuld. 

Diese Erwägung wäre vollkommen schlüssig, wenn Jcirbu in 
der Klausel, wie dies allgemein geschieht, in der Tat mit „Darlehen" 
zu übersetzen wäre. 14 ) Ich halte jedoch diese Übersetzung für un- 
richtig. Gegen sie scheinen mir folgende Erwägungen zu sprechen: 
Zunächst ist Hrbu = „Darlehen" in der Klausel überflüssig. Warum 
sagt man immer: „einer bürgt für den anderen, daß er das Darlehen 
an Geld zurückgeben wird", während doch die Bestimmung: „einer 

12) A priori jedoch anzunehmen, daß die Personalexekution gegen den 
Schuldner unzulässig gewesen sei, wäre grundlos, wenigstens dann, wenn es sich 
— und das ist ja der häuBgste Fall — um eine Verpflichtung aus einer u-il lim 
handelt. Vgl. unten §§ 12—1 I. 

13) Camb. 16, 315, BE IX 49, Liv. 16. Vgl. auch UV 75. 

14) Man leitet hierbei kirim von 313 („jemandem gnädig, gefallig sein"1 
ab und erklärt es als „Gefälligkeit", dann weiter als „Darleben". So die Lexika. 
Vgl. oben n. 2. 



Etymologie von kirbii. 89 

bürgt für den anderen, daß er das Geld zurückgeben wird" dasselbe 
ausdrücken würde? Sollte man aber, da die Klausel sich in der Regel 
in abstrakten Verpfiichtungsscheinen findet, meinen, daß mit hirbu die 
causa der u-il-tim als Darlehen qualifiziert werden solle, so wäre das 
Wort direkt irreführend in Urkunden wie BE IX 95, 96 (Kotalla, 
BA IV p. 570f.), wo der Schuldgrund Mandat ist. 15 ) Völlig Aviderspruchs- 
voll aber wäre die Klausel in BE IX 49 (p. 39, 36. Jahr Artaxerxes' L). 
Hier borgen sich drei Personen von Bel-nädin-sumu auf drei Jahre 
2 olpii ummdnu ü urmtisunu, d. i. wie die Herausgeber Hilprecht 
und Clay p. 40 n. richtig erklären, „two oxen trained for irrigation with 
their implements (of irrigation)", sowie 7 Kur Getreide zur Bestellung 
ihres Feldes aus gegen einen jährlichen Mietzins (GIS-BAR,) 1 ' *) von 
75 Kur Getreide. Das Rechtsverhältnis ist also Miete. Z. 10 steht 
nun die Klausel: isten e ' 1 pu-iit sani 1 na-su-u sa hi-rib G IS-BAU alpu'"- 
U u-nu-[tu it-tir] „einer ist für den anderen Bürge, daß er das „Dar- 
lehen" (sie!) an Pachtzins (sie!), Vieh und der Gerä[te zurückgeben 
wird]". 16 ) Ferner würde man bei dieser Deutung der Klausel, zumal 
das Darlehen doch am häufigsten die causa der u-il-tim ist, erwarten, 

O 7 7 

unter den zahlreichen Verpflichtungsscheinen, welche der Bürgschaft 
Erwähnung tun, doch irgend einmal der Ausdrucksweise zu begegnen, 
daß der Bürge put eteru sa Tärhi nasi „für das Zahlen des ^Darlehens' 
bürge". Das ist aber nie der Fall. Die Verwendung von hirbu ist 
vielmehr m. W. auf die Klausel der Solidarhaftung beschränkt. Das 
läßt aber vermuten, daß hirbu eine Bedeutung zukommen muß, die 
mit der Solidarhaftung in engem Zusammenhange steht. 

Ist dies richtig, so wären m. E. für hirbu a priori lediglich in 
Hinblick auf die Stilisierung der Klausel zwei Bedeutungen möglieb. 
Es kann die Teilschuld des einzelnen Mitschuldners wie die Schuld 
in ihrer Gesamtheit bezeichnen. In beiden Fällen ist eine befriedigende 
Übersetzung möglich. Die erste Bedeutung ließe sich nun auch ety- 
mologisch rechtfertigen, wenn man hirbu nicht von 21D ableitet 17 ), 



15) Vgl. oben § 4 n. 18. 

15a) GIS-BAlt im Altbabylonischen und noch in den Kassitentexten ein 
Hohlmaß (vgl. Schorr, AR I p. 97f.) bedeutet im Neubabylonischen Tacht- 
abgabe, Pachtzins, Mietzins'. Vgl. Peiser, BV p. XXf. 

16) Diesen Widerspruch haben auch die Herausgeber empfunden, indem sie 
übersetzen: „they are each and severally responsible for the repayment of the 
loan of barley, oxen and implements". Allein die Kopie der Urkunde bietet in 
Z. 10 ganz deutlich GIS-IlAB und nicht SE-BAR. 

17) Die Zugehörigkeit von hirbu zu dem Stamm 3"Q (geneigt, gefällig sein) 
ist nach Ausweis der Lexika ohnehin keine sichere. 



90 leirbu = gemeinsame Schuld. 

wie dies gewöhnlich geschieht, sondern mit kirbu = „Mitte" 18 ) in Zu- 
sammenhang bringt, indem für leirbu von dieser Grundbedeutung aus 
in weiterer Entwicklung die Werte „Hälfte" und „Teil" denkbar 
wären. 19 ) Allein diese Bedeutung von kirbu führt für die Klausel der 
solidarischen Haftung zum Ergebnis, daß jeder der Mitschuldner für 
die Teilschuld seines Genossen bürgt, und damit auch zu den schon 
oben (p. 87 f.) angegebenen juristischen Schwierigkeiten. Ferner hat 
die babylonische Rechtssprache in dem Worte zitiu einen terminus 
technicus für „Teil", der auch zur Bezeichnung der Teilschuld dient 20 ), 
und es wäre doch auffallend, daß wir ihm in dieser Verbindung nie- 
mals begegnen. 

Indessen ist für kirbu von demselben Ausgangspunkte noch eine 
andere Bedeutungsentwicklung denkbar. Das, was in der „Mitte" 
mehrerer Personen sich befindet, steht ihnen allen gleich nahe, sie 
haben alle ein gleiches Recht darauf, sind alle daran beteiligt. Dem- 
nach ist kirbu das mehreren Personen Gemeinsame. Vor dem Vor- 
wurfe, daß diese Erwägungen bare Phantasie seien, schützt uns eine 
Analogie aus der altbabylonischen Rechtssprache. Bern heißt die 
„Mitte" 21 ), dann aber auch in den altbabylonischen Rechtsurkunden 
das mehreren Personen Gemeinsame. Es bezeichnet schließlich die 
communio pro indiviso. 22 ) Diese Etymologie führt uns für kirbu in 
der Klausel der Solidarhaftung auf die Bedeutung „die den Mit- 
schuldnern gemeinsame, d. h. die ganze Schuld". Diese Bedeutung 
müssen wir m. E. der folgenden Untersuchung zugrundelegen. 



18) Das Wort ist in den Lexika wegen hebr. "~ unter der Wurzel "7 
angeführt, wird aber regelmäßig kirbu und nicht qirbu geschrieben. Vgl. De- 
litzsch p. 594, Muss-Arnolt p. 92S. Diese Ableitung legt auch Peiser zu- 
grunde, wenn er in Br. M. 84 — 2—11, 122 (ER II p. 35) und Dar. 431 „ (ER III 
p. 30) die Phrase sa lirbi ittir übersetzt „was darinnen ist, hat er erhalten (wird 
bezahlt)". 

19) Man könnte diese Bedeutungsentwicklung, wie mir Hofrat Müller 
bemerkt, durch eine Analogie aus dem Hebräischen stützen, wo ~::~ die „Mitte" 
(d. h. Mitternacht), dann die „Hälfte" und nsn „teilen" bedeutet. Ebenso ist 
talmudisch V4~z = „in der Mitte sein" und r'i - : = „teilen". (Nachweisung Hof- 
rat Müllers). 

20) Vgl. z. B. Strassmaier, Verhandl. des Orient. Kongr. zu Stockholm 
no. 27 (p. 287 f.) Z. 6, BV 89 8 . 

21) Vgl. Delitzsch p. 183, Muss-Arnolt p. 188 f. 

22) Vgl. Meissner, APR p. 124, ferner M. 39, 2 : in einem Prozesse behau]. tet 
ein Gesellschafter, daß er ein Haus mit seinein eigenen Gelde, nicht aber aus 
dem Gesellschaftskapital gekauft habe: i-na kaspi bi-e-ri i-ni /<i §a~a-mu „von 
dem Gelde in unserer Mitte (d. h. von dem gemeinsamen Gelde) ist es nicht ge- 
kauft", BE VI, 50, eine Erbteilung; am Schills?»' Z 16 wird bemerkt a-tab-bu-Utn 

sa bi-ri-su nu-ma „der Kanal i>t in ihrer Mitte-', (1. li. ihnen den Erben) gemein- 



Konstruktion des Solidarschuldverhältniases. 91 

Die Solidarschuldner erklären also: „einer ist für den anderen 
Bürge, daß er (der andere) die gemeinsame Schuld zahlen wird". 
Von dieser Formel aus könnte man zu folgender Konstruktion des 
solidarischen Schuldverhältnisses gelangen: jeder der Mitschuldner 
schuldet ebensowie die römischen correi promittendi das 
Ganze, haftet aber zugleich als Bürge für seine Genossen. 
Es läßt sich zwar dann begreifen, daß der Gläubiger jeden der Mit- 
schuldner in solidum in Anspruch nehmen konnte, allein die Kon- 
struktion scheitert m. E. an folgender Erwägung: Hat der Mitschuldner 
A das Ganze gezahlt, so hat er zwar sich selbst von seiner Schuld 
und seinen Genossen B von dessen Haftung als Bürge befreit. Allein 
A haftet doch auch als Bürge für die Schuld des B und es ist logisch 
durchaus nicht selbstverständlich, daß durch die Zahlung des A auch 
die Schuld des B erloschen sein soll. Vielmehr könnte der Gläubiger 
noch immer von A als Bürgen die Auslieferung des Schuldners B 
fordern und somit doppelte Befriedigung erreichen, also gerade den 
Erfolg, der durch die Vereinbarung der Solidarhaftung ausgeschlossen 
werden sollte. Will man aber, um dieses Ergebnis zu vermeiden, 
voraussetzen, daß die Schulden der Genossen doch insoweit als Ein- 
heit empfunden wurden, als die Tilgung der einen auch die übrigen 
zum Erlöschen brachte, so wäre diese Annahme einmal völlig beweis- 
los, ferner aber könnte man fragen, warum denn die Denkform der 
wechselseitigen Bürgschaft notwendig war, um diesen Effekt zu er- 
reichen. Es wäre doch einfacher gewesen, wenn — den obigen Rechts- 
satz vorausgesetzt - — jeder der Mitschuldner suo nomine und nicht 

sam, er bleibt ungeteilt. Ähnlich LC 65 40 : mu-zu-um i-na bi-ri-sii-na ,,der Aus- 
gang (des Hauses) ist in ihrer (der teilenden Erben) Mitte", ihnen gemeinsam. 
Vgl. ferner CT VIII 3 a 17 , 16a S2 , VS IX 144 21 , LC 98 15 . Igar berüunu, beräum (1-ZI 
KI-hA-NA) ist die den Nachbarn gemeinsame Grenzmauer. Vgl. CT VIII 39aj-, 
Warka 19 4 , BE VI X 44 2 , VI, 14,, 53 24 , VSVIIl22 2 , Gautier 18 g , LC 108 4 , 185 lj4 ; 
vgl. ferner auch Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 284; 34 p. 458. 

Herrn Dr. Aptowitzer verdanke ich die Mitteilung einiger Parallelen aus 
dem Talmud: Mischnah Baba Bathra IX 3: „Wenn jemand erwachsene und 
minderjährige Kinder hinterläßt und die erwachsenen vermehren das Vermögen, 
so haben sie „für die Mitte" (SXERb) (d. h. für die gemeinsame Erbmasse) ver- 
mehrt"; ibid. IX 4: „Brüder die noch Kompagnons sind: wenn einer von ihnen 
zur Pacht (beim Könige) berufen wird, so wird er berufen (der Gewinn gehört) 
ru - ;jö: für die Mitte (d. h. ihnen gemeinsam)"; Tosephtha Baba Bathra X 3: 
„Brüder, denen der Vater Güter hinterlassen hat ... sie verbesserten die Güter 
. . . was sie verzehren, verzehren sie aus dem gemeinsamen Besitz (wörtlich 
„aus der Mitte" "^xn y;) und was sie verbessern, verbessern sie für den ge- 
meinsamen Besitz" (SXCfitb); ibid. X 7: „Und wenn die Ausgabe aus dem gemein- 
samen Besitz (;r:sn •") gezahlt wird, zahlt man auch (die Einkünfte) in die ge- 
meinsame Kasse" (SJTCKb). 



92 Teilschuld und Gesamthaftung. 

als Bürge für die Erfüllung der ganzen Schuld gehaftet hätte. Wir 
kämen also dazu, für das babylonische Recht jene Gestaltung des 
solidarischen Schuldverhältnisses zu postulieren, wie sie im römischen 
Recht bestand. 

Allein unsere Aufgabe ist es doch, eine Konstruktion des Schuld- 
verhältnisses ausfindig zu machen, von welcher aus die wechselseitige 
Verbürgung mit Notwendigkeit und als einziger Weg zur Solidar- 
haftung der Mitschuldner führt. Hat sich nun das Operieren mit der 
Solidarschuld der einzelnen Mitschuldner als ungeeignet erwiesen, 
das Ziel zu erreichen, so bleibt nichts anderes übrig, als wieder zur 
Annahme einer Teilschuld zurückzukehren. Ihr scheint allerdings 
entgegenzustehen, daß nach der ausführlicheren Fassung der Klausel 
der Bürge erklärt, sein Mitschuldner werde die gemeinsame Schuld 
(Mrbu), also das Ganze zahlen. Doch ist dieser Widerspruch nur ein 
scheinbarer. Der neubabylonische Bürge ist ja nicht wie der römische 
ein Nebenschuldner, der neben dem Hauptschuldner idem zu leisten 
verspricht, so zwar, daß eine Verpflichtung in dwriorem causa»! nichtig 
ist, sondern ein Garant. Es ist, wie noch später darzulegen sein 
wird 23 ), nach babylonischem Recht auch „Bürgschaft", wenn für das 
Eintreten oder Nichteintreten lediglich eines Erfolges garantiert wird. 
Von diesem Standpunkt ist es aber durchaus nichts Widerspruchs- 
volles, wenn der Mitschuldner als Bürge garantiert, daß sein Genosse 
solidum zahlen werde, wenngleich dieser nur seinen Anteil schuldet. 
Übrigens liegt eine Schuld auf das Ganze, für die der Bürge ein- 
steht, jedenfalls vor vom Standpunkte- des Gläubigers aus, der doch soli- 
dum bekommen soll. 23a ) Sehr anschaulich illustriert die Struktur des 
Solidarschuldverhältnisses BE IX 31 (Kotalla, BA IV p. 562). Die 
Urkunde ist eine u-il-tim über 62 Kur Datteln gegen vier Schuldner, 
bezüglich welcher hervorgehoben wird Z. 6f.: isten m pa-at (7) sanü" 
a-na e-tir ihi-sh-h. sa Mrib id-dan. Z. 11 f. steht nun die Bemerkung 
ina suluppu a' (12) 62 Tmr ina lib-bi 19 hur ina muli-hi Bel-nädin 
„von den Datteln, nämlich (12) den 62 Kur, davon sind 19 Kur lastend 
auf Bel-nädin", dem an erster Stelle genannten Schuldner. Damit 
kann nur dessen Teilschuld gemeint sein. 24 ) 

Demnach gelangen wir zu folgender Konstruktion des solidarischen 



23) Vgl. unten §§ 15—17. 

23a) Vgl. auch unten § lö p. 133f. 

24) Die Stelle rückt auch die schon oben festgestellte Bedeutung yon kirbu 
ins rechte Licht. Es ist die gemeinsame Schuld, an der jeder der Mitschuldner 
durch seine Teilschuld beteiligt ist. 



Teilschuld und Gesamthaftung. 93 

Schuldverhältnisses: jeder Mitschuldner schuldet nur seinen Anteil, 
haftet aber zugleich als Bürge für die Erfüllung der ganzen Schuld 
seitens seiner Genossen. Soll diese Konstruktion zutreffen, so muß 
sich aus ihr zweierlei ergeben: einmal das Recht des Gläubigers, 
jeden der Schuldner auf das Ganze in Anspruch zu nehmen, ferner 
aber auch die Befreiung sämtlicher Schuldner, wenn einer von ihnen 
solidum zahlt. 

1. Leistet einer der Mitschuldner das Ganze — um diesen Fall, 
an dem die oben p. 91 f. erörterte Konstruktion der Solidarhaftung 
scheitert, zuerst zu erledigen — , so hat er damit sowohl seine eigene 
Teilschuld, wie die seiner Genossen erfüllt. Zugleich ist aber auch 
die Bürgenhaftung sämtlicher Mitschuldner gegenstandslos geworden. 
Denn der einzelne garantiert nicht, wie wir nach der oben abgelehnten 
Interpretation annehmen mußten, daß der Genosse seine Schuld in 
solidum bezahlen werde, sondern er bürgt dafür, daß der Genosse die 
Schuld erfüllen werde. Durch die Zahlung des einen Mitschuldners 
wird daher das ganze Schuldverhältnis aufgehoben und damit auch die 
Bürgenhaftung. 

2. Dem Gläubiger haften die Mitschuldner nur als Bürgen 
in solidum, d. h. er kann sie nur in ihrer Eigenschaft als Bürgen 
verantwortlich machen. 24 a ) Das sagt ja der Wortlaut der Klausel. 
Geht nun der Gläubiger den einen Schuldner (A) an, so ist es dessen 
Aufgabe, seinen Genossen B ihm auszuliefern. Nun kann aber der 

o 7 

Bürge gegen den Schuldner nicht weiter Zwangsmacht ausüben, als 
dessen Schuld reicht. Mit anderen Worten: B kann den Zugriff des 
A von sich abwehren, wenn er ihm den Betrag seiner Teilschuld ein- 
händigt, damit er vom Bürgen dem Gläubiger überbracht werde. 20 ) 

a) Tut er dies, so hat A als Bürge keine Macht mehr über ihn. 
A muß vielmehr jetzt dem Gläubiger, dem er in solidum haftet, kraft 
seines subsidiären Erfüllungsversprechens das Ganze bezahlen, in 
welchem Falle die unter 1. angegebene Wirkung eintritt, oder er ist 

24a) Vgl. auch unten § 11 p. 108. 

25) Vgl. oben p. 74f. Daß dieser Vorgang praktisch war, kann man Nbk. 57 
(BR IV p. 60) entnehmen: 1V 2 manu 8 siqil [kaspij (2) '""■'" ra-su-tu sa A (3) 
eli (4) B, C, (5) D, E. (6) B kaspa ina qäti-su-nu (7) ma-hir. il-lak-ma (8) A 
id-dan (9) u u-ü-tim-su-nu (10) i-na-as-sa-' „1 % Minen 8 Sekel [Silber], (2) For- 
derung des A (3) lastend auf (4) B, C, (5) D (und) E. (6) B hat das Silber von 
ihnen (7) erhalten. Er wird kommen und dann (8) den A bezahlen. (9) Auch 
ihren Verptiichtungsschein (10) wird er bringen." Es ist allerdings nicht gesagt, 
daß die Schuldner solidarisch haften und der V T organg, daß einer der Mitschuldner 
als Zahlungsmandatar der anderen den Gläubiger befriedigt, ist natürlich auch 
bei bloßer Teilhaftun<r denkbar. 



94 Teilschuld und Gesamthaftung. 

ihm mit seiner Person verfallen. 26 ) Nun haftet allerdings auch B als 
Bürge für die Gestellung des A. Allein dieser Erfolg ist bereits ver- 
wirklicht, wenn der Gläubiger den Bürgen als Satisfaktionsobjekt er- 
griffen hat. Die Haftung des B ist daher erledigt. Es ergibt sich 
dies auch daraus, daß B als Bürge des A diesen gestellen und sich 
so hätte haftungsfrei machen können, während A gegen B wegen 
dessen Zahlung keinen Zugriff mehr hat. Anders als in seiner 
Eigenschaft als Bürge haftet aber B dem Gläubiger überhaupt nicht. 
Zu demselben Ergebnis führt auch die Erwägung, daß die älteste 
Schuldknechtschaft schuldtilgende Wirkung hatte und demnach die 
Abführung des Bürgen A als Schuldknecht als datio in solutum wirkte. 
Die Aufhebung des ganzen Schuldverhältnisses erfolgt daher auch 
nach den unter 1. angeführten Gesichtspunkten. Dieses Argument 
ist allerdings nicht mehr stichhaltig, seitdem der Bürge auch für die 
Erfüllung des Schuldners haftet, und als Zahlungsgarantie erscheint 
ja die Solidarhaftung sicher in der erweiterten Fassung der Klausel. 27 ) 
Denn der Gläubiger hat dann, wenngleich er sich schon der Person 
des A bemächtigt hat, doch noch nicht den garantierten Erfolg in 
den Händen und kann daher noch immer den B verantwortlich machen. 
Zahlt nun B auf Grund des subsidiären Erfüllungs Versprechens das 
Ganze, so gilt d;is unter 1. Bemerkte. Insbesondere muß nun auch 
A vom Gläubiger aus der Schuldknechtschaft entlassen werden. Denn 
die Zahlungsgarantie setzt, wie schon oben p. 70f. ausgeführt wurde, 
die ablösbare Schuldknechtschaft voraus. Zahlt aber B nicht und 
wird er infolgedessen auf Grund seiner Bürgenhaftung vom Gläubiger als 
Schuldknecht abgeführt, so bekommt dieser allerdings beide Schuldner 
in seine Gewalt. Allein darin liegt an sich nichts, was mit der 
Solidarhaftung unvereinbar gewesen wäre. Derselbe Erfolg konnte ja 
auch bei Teilschuld und Teilhaftung eintreten, vorausgesetzt, daß diese 
eine persönliche war. Der Unterschied liegt nur darin, daß dort, seit- 
dem die Schuldknechtschaft eine ablösbare geworden war, jeder der 
Mitschuldner seine Entlassung verlangen konnte, wenn er seine Teil- 
schuld erfüllt hatte, während hier seine wie seiner Genossen Be- 
freiung erst dann eintrat, wenn entweder sämtliche ihre Teil- 

O 7 

schuld oder einer von ihnen das Ganze bezahlt hatte. 

b) Folgt hingegen der vom Bürgen und Mitschuldner A an- 
gegangene B dem A seinen Anteil zur Befriedigung des Gläubigers 



26) Das letztere war die einzige Wirkung des Haftungsl'ulles, wenn und so- 
lange die Vermögensexekution gegen den Bürgen unzulässig war. 

27) Vgl. oben p. 50 f., 70 f., 761'. und § 9 n. 5. 



Teilschuld und Gesamthaftung. 95 

nicht aus, so kann er von A diesem ausgeliefert werden. Man darf 
indessen daraus Dicht schließen, daß nunmehr das ganze Schuldver- 
hältnis erledigt sei wie oben unter a) mit der Abführung des A 
durch den Gläubiger. Dort kam A als Bürge, der auf das Ganze 
haftet, in die Gewalt des Gläubigers, hier aber wird ihm B als 
Schuldner, der nur seinen Anteil schuldet, übergeben. Es ist damit 
keineswegs gesagt, daß nun auch die Bürgenhaftung des B gegen- 
standslos geworden ist und B als Bürge den A nicht mehr gesteilen 
kann. Vielmehr ergibt sich das Gegenteil zwingend daraus, daß B, 
wenn er von A angegangen wird, diesem gegenüber sich auf seine 
Bürgeneigenschaft berufen und ihn dem Gläubiger gesteilen kann. 
Wir gelangen so zu einer wechselseitigen Gestellung der Mitschuldner. 
Wenn nun diese dazu führt, beide Mitschuldner in ein ursprünglich 
unauf hebbares Gewaltverhältnis zum Gläubiger zu bringen, so liegt 
darin nichts Zweckwidriges. Auch bei der Teilhaftung ist dieses Er- 
gebnis möglich. Seitdem die Schuldknechtschaft eine ablösbare ge- 
worden war, ist die Entlassung der Schuldner aus der Haftung unter 
den oben unter a) genannten Voraussetzungen möglich. Denn wenn- 
gleich infolge der wechselseitigen Gestellung die Genossen nur als 
Schuldner sich dem Gläubiger ausliefern, so hat er sie doch in 
seiner Gewalt als Bürgen, in welcher Eigenschaft sie ihm in soli- 
dum haften. 

3. Endlich versteht es sich von selbst, daß der Gläubiger auch 
alle Mitschuldner angehen kann. Die Kombinationen, welche hier 
denkbar sind, können nach dem unter 2. Ausgeführten ohne wei- 
teres abgeleitet und auch gelöst werden. Sie bedürfen keiner Er- 
läuterung mehr. 

Die Konstruktion des solidarischen Schuldverhältnisses ist also, um 
die Ergebnisse der Untersuchung zusammenzufassen: Teilschuld und 
Gesamthaftung imVerhältnisse nach außen, d.h. dem Gläubiger 
gegenüber, Teilschuld und Teilhaftung im Verhältnisse nach 
innen, d. h. unter den Mitschuldnern. Kein Mitschuldner kann 
im Zweifel von seinem Genossen mehr als die Erfüllung von dessen 
Teilschuld verlangen, und jeder der Mitschuldner, der mehr als seinen 
Anteil bezahlt hat, hat, wenn nichts anderes vereinbart wurde, Regreß 
gegen die anderen. Es sei noch bemerkt, daß diese Konstruktion auch 
der Auffassung entspricht, welche nach deutschem Recht dem Ge- 
samtschuldverhältnisse zugrunde liegt. 28 ) Sie mag hypothetisch er- 



28) Vgl. Gierke p. 110f., 113f. 



96 Entwicklung der Solidarhaftung zur Solidarschuld. 

scheinen, zumal wir für die oben behaupteten Rechtssätze keinen 
einzigen direkten Quellenbeleg anzuführen vermochten. Allein diese 
Rechtssätze ergeben sich unmittelbar aus logischen Schlußfolgerungen, 
sofern man sich vor Augen hält, daß die wechselseitige Verbürgung 
der Mitschuldner das Wesentliche ist und hierbei den oben (§ 8) fest- 
gestellten Bürgschaftsbegriff verwertet. Endlich genügt diese Ge- 
staltung des Schuldverhältnisses allen Anforderungen, die wir an eine 
Solidarhaftung stellen müssen, nur daß freilich das babylonische Recht 
diese Wirkung auf Grund ganz anderer Denkformen erreicht als das 
römische und moderne Recht. 

Ein Punkt sei noch hervorgehoben. Es wurde schon oben 
(p. 7 7 f.) darauf hingewiesen, daß das subsidiäre Erfüllungsversprechen 
des Bürgen den Ausgangspunkt bildete, von dem aus sich die ur- 
sprünglich auf Auslieferung des Schuldners gerichtete Bürgenobligation 
in ein der Haupschuld gleichartiges Schuldversprechen umwandeln 
konnte. Ansätze zu dieser Entwicklung konnten wir konstatieren. 
Die Annahme, daß auch die Solidarobligation von dieser Umbildung 
ero-riffen wurde, liegt nicht zu fern. Trifft sie zu, so konnte und 
mußte sich aber die Solidarhaftung in ihrem W r esen verändern. Hieß 
nämlich, seitdem man das Erfüllungsversprechen des Bürgen in den 
Vordergrund stellte, „ich bürge" so viel wie: „ich werde erfüllen, 
wenn der Schuldner nicht erfüllt", so bedeutete dies für die Klausel 
„einer bürgt für den andern, daß er die gemeinsame Schuld erfüllen 
wird": „ich werde das Ganze zahlen, wenn mein Genosse nicht die 
ganze Schuld erfüllt". Damit war aber bereits der Gedanke gegeben, 
daß jeder Genosse das Ganze schuldet, und auch die weitere Kon- 
sequenz, daß durch die Leistung des einen die anderen befreit werden. 
Denn jeder schuldet ja nur als Bürge. Es brauchte sich schließ- 
lich nur noch die Vorstellung, daß die gegenseitige Abhängigkeit der 
einzelnen Schulden darauf beruhe, daß sie Bürgenschulden sind, zu 
verflüchtigen 29 ), um zu der Auffassung des Solidarschuldverhältnisses 
zu gelangen, welche dem römischen und heutigen Rechte eigen ist. 

Ob diese Entwicklung im neubabylonischen Rechte bereits im 
Gange war, läßt sich den Quellen nicht entnehmen. Vollendet war 
sie jedenfalls noch nicht. Denn der Gedanke, daß die Solidarhaftung 
wechselseitige Verbürgung sei, ist noch durchaus Lebendig. Wäre sie 
aber bereits abgeschlossen gewesen, hätte also die Solidarschuld darin 
bestanden, daß jeder der Schuldner das Ganze schuldete mit der Maß- 

29) Aufweiche Weise dies denkbar ist. darüber vgl. unten ^ l l p, L4Sf. 
und § 21. 



Solidarhaftung der Mitbürgen. 97 

gäbe, daß die Leistung des einen die anderen befreite, so müßte man 
sagen, daß diese Solidarschuld nicht„das ursprüngliche Schuld- 
versprechen war — denn dieses umfaßte ja nur die Teilschuld des 
einzelnen Schuldners — , sondern hervorgegangen war aus der 
Bürgen schuld, genauer aus dem subsidiären Erfüllungsversprechen 
des Bürgen, das allmählich die primäre Bürgenobligation und ebenso 
auch die ursprüngliche Vorstellung, daß jeder Genosse nur seinen 
Anteil schulde, verdrängte. 30 ) 

§ 10. 

I. Die bisherige Erörterung umfaßte nur solche Fälle, in denen 
die Schuldner durch wechselseitige Verbürgung die Solidarhaftung 
auf sich nehmen. Wir begegnen jedoch der Vereinbarung solidari- 
scher Haftung auch bei Bürgen. Allerdings nur selten. Bezüglich 
der Verbürgung für eine Summenschuld weiß ich nur einen Beleg 



30) Aus den altbabylonischen Schuldurkunden, insbesondere aus den zahl- 
reichen Darlehensurkunden ist bisher, soviel ich sehe, eine der neubabylonischen 
Klausel verwandte Bestimmung der Solidarhaftung noch nicht bekannt geworden. 
Vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 439f. Ganz vereinzelt stehen CT IV 6a und 
VI 34b, zwei Protokolle über eine Privatladung zum Prozeß (vgl. Koschaker, 
Grünhuts Ztschr. 35 p. 393), in denen sich eine dem Solidarschuldverhältnis ähn- 
liche Gestaltung findet. Der beiden sachlich zusammengehörigen Urkunden zu- 
grunde liegende Tatbestand scheint folgender zu sein (vgl. auch Schorr, AR I 
p. 180f., Kohler, H. G. III p. 237, 257, Cuq, a. a. 0. p. 440, 445 f.j: Erib-Sin hat 
dem Sin-idinnam und Etel-pi-Sin 2 Sekel für die Lieferung eines Hammels ge- 
geben. Die Schuldner haben aber nicht geleistet und so will Erib-Sin sein Geld 
zurückhaben. Er geht daher nach CT IV 6 a — die Urkunde geht zeitlich 
CT VI 34 b voran, weil dort auf sie Bezug genommen wird — zunächst den Sin- 
-idinnam an, der ihm erklärt: 1 Sekel sei zu Gunsten des Erib-Sin bei einer 
dritten Person deponiert, den zweiten Sekel werde ihm Etel-pi-Sin „anweisen" (?) 
{ubär), widrigenfalls er (Sin-idinnam) das Ganze bezahlen wolle. Der Gläubiger 
sucht sich aber auch des zweiten Schuldners zu versichern. In dem bei dessen 
Ladung aufgenommenen Protokoll (CT VI 34b) wird zuerst über die Aussage des 
Sin-idinnam referiert, worauf Etel-pi-Sin erklärt Z. 25 f. : 2 siqil kaspi-ka miluSin- 
-[i-din-nam] (26) i-pa-al-ka. m i lu Sin-[i-din-nam] (27) a-na-ku u-ba-la-kum 
(28) u 1 siqil kaspi-ia iim-da-ti-sii. (20) sum-ma Ja ub-la-ku-su mi-it-ha-ra-am 
(30) a-sa-ga-al ,, deine 2 Sekel Silber wird Sin-[idinnam] (26) dir zahlen. Den 
Sin-[idinnam] (27) werde ich dir bringen, (28) auch meinen 1 Sekel Silber werde 
ich ihm ersetzen (V) (Ungnad, H. G. III 83; „abziehen": Schorr 1. c). (29) Wenn 
ich ihn dir nicht bringe, werde ich gemeinsam (für uns) (30) bezahlen". 

Sicher ist zunächst, daß von Haus aus bezüglich der Schuldner nur Teilschuld 
und Teilhaftung besteht. Die Vereinbarung der Solidarhaftung kommt, wie 
Cuq 1. c. richtig bemerkt, erst in einem späteren Zeitpunkte zustande. Im ein- 
zelnen differieren allerdings die Erklärungen der beiden Schuldner, indem Sin- 
-idinnam ein Zahlungsversprechen für sich selbst, sowie für die Teiischuld seines 
Genossen abgibt, während Etel-pi-Sin ähnlich wie der neubabylonische Solidar- 
schuldner dafür einsteht, daß sein Genosse solidum zahlen werde. Daran schließt 

Koschaker: Babylon. -assyr. Bürgschaftsrecht. 7 



98 Solidarhaftung der Mitbürgen. 

anzuführen 1 ), während im übrigen die Verbürgung mehrerer ohne die 
Klausel keine seltene Erscheinung ist.-) Ferner gehört hierher BE 
XIV 2 (oben p. 62f.), falls man nämlich Z. 15f. ana haldqi putni ni- 
temid „für die Flucht stehen wir für uns (d. h. füreinander) ein" über- 
setzen darf. Endlich begegnet die Klausel der Solidarhaftung bei der 
Eviktionsgarantie in Sklavenkaufverträgen 3 ), und zwar sowohl, wenn 
dritte Personen (Nbn. 680), als auch wenn die Verkäufer selbst als 
Eviktionsgaranten auftreten (Ner. 2, Nbn. 635), wie endlich zwischen 
Verkäufer und Bürgen (Ner. 23 = P eiser, ZA III p. 83, Nbn. 564 = 
BR I p. 4). 4 ) 

Was nun die juristische Bedeutung dieser Solidarhaftung betrifft, 
so wäre es voreilig, die im vorigen Abschnitte entwickelte Auffassung 
des solidarischen Schuldverhältnisses hier ohne weiteres als gegeben 
anzunehmen. Denn mehrere Bürgen hafteten, um zunächst bei dem 
durch Nbk. 172 bezeugten Fall der akzessorischen Gesamtbürg- 
schaft zu bleiben, schon an sich, mögen sie sich nun getrennt oder 
gemeinsam verpflichten, solidarisch in dem Sinne, als ja ursprünglich 
die Bürgenobligation die Haftung für die Gestellung des Schuldners, 
also für einen unteilbaren Erfolg zum Gegenstande hatte, der von 
jedem der Bürgen nur in seiner Totalität realisiert werden konnte. 
Daß aber die sich zusammen verpflichtenden Bürgen nur in ihrer Ge- 



sich Z. 26 f. ein Versprechen, das seinem Inhalte nach lebhaft an die Verpflich- 
tung des neubabylonischen Gestellungsbürgen erinnert, obwohl im übrigen das 
Rechtsverhältnis nicht als Bürgschaft bezeichnet wird. 

Ich muß mich bescheiden, auf diese Analogien lediglich hinzuweisen. Wei- 
tere Schlußfolgerungen verbieten sich angesichts der isolierten Stellung der beiden 
Urkunden, sowie der zahlreichen Schwierigkeiten, die sich im einzelnen der Inter- 
pretation entgegenstellen, von selbst. 

1) Nbk. 172 (BR I p. 22). Es wird in dieser Urkunde ein A r erpfüchtungs- 
schein (u-ü-tim) erwähnt, in welchem Z. 9f. A u B (10) pu-ut c-ti-ri na-su-u, 
,-t, H"' pu-ut sani* na-su-u „A und B (10) für das Zahlen bürgen, einer ist für den 
anderen Bürge". 

2) Vol. z. B. Nbk. 322, Nbn. 15, 817, 932, 1125, Camb. 240, Br. AI. 84—2—11. 
148 (BR II p. 37), BE VIII, 10 (p. 30). 

3) Vgl. darüber unten §§ 17 und 19. 

4) Aber auch hier ist die Anzahl der Belege eine relativ wie absolut ge- 
ringe. Unter 63 Sklavenkaufverträgcn, welche ich nachprüfen konnte, ist das 
Verhältnis der solidarischen Eviktionsgarantie zu den gleichartigen Fällen ohne 
Klausel bei den drei im Texte genannten Kombinationen 1:1. 2:7 und 2:8. 
Daß Bürge und Schuldner sich solidarisch verpflichten, ist von den Fällen der 
Eviktionsgarantie, wenn man hier überhaupt von einem Schuldner sprechen darf 
(vgl. unten §s 17, 19), sonst nicht mich/.uwcisen. Wohl aber kann ein Bürge für 
solidarisch haftende Schuldner eintreten. Vgl. Nim. 314, 376 (Marx, BA I V p. 50), 
621, BE Villi 45 (P- " 2<J )- In Dar - -'•"' ( (,,,e " § l n - 31 ) haben wir zwei Schuldner 
Für jeden haftet aber ein Bürge besonders. 



Solidarhaftung bezüglich des Erfüllungsversprechens. 99 

samtheit berechtigt waren, auf den Schuldner zu greifen, beziehungs- 
weise dessen Auslieferung bei der Gestellungsbürgschaft der Gläubiger 
nur von allen Bürgen zusammen verlangen durfte, ist wenig wahr- 
scheinlich, da dann die Situation des Gläubigers schlechter gewesen 
wäre, als wenn nur ein Bürge garantiert hätte. Andrerseits wirkte, 
solange die Schuldknechtschaft eine unablösbare war, die Auslieferung 
des Schuldners als datio in solutum und mußte, weil sie die Schuld 
tilgte, auch die Haftung der anderen Bürgen zum Erlöschen bringen. 
Man kann hier nicht analog die Erwägung, an der die oben p. 91 
vorgeschlagene Konstruktion des solidarischen Schuldverhältnisses 
scheiterte, ins Feld führen, daß auch der zweite Bürge die Gestellung 
des Schuldners ,schulde' und kein Grund einzusehen sei, warum durch 
die Leistung des einen auch der andere befreit werden solle. Denn 
das Versprechen des Bürgen ist kein Schuldversprechen, das um 
sein er selbst willen abgegeben wir d, sondern ein H a f t u n g s v e r s p r e c h e n t 
das um der Schuld willen besteht und daher notwendig gegen- 
standslos werden muß, sobald die Schuld in irgendeiner Weise auf- 
gehoben wird. 5 ) Wenn also die Verbürgung mehrerer schon an sich 
zur solidarischen Haftung führt, so läßt es sich schwer sagen, welche 
Bedeutung dann der besonderen Vereinbarung der Gesamthaftung unter 
Bürgen zukommen soll, zumal uns die Quellen über den Inhalt einer 
solchen Verabredung jede Auskunft verweigern. Unter solchen Um- 
ständen ist nicht einmal eine hypothetische Erklärung möglich. Wir 
müssen uns vielmehr bescheiden, die Gesichtspunkte, die für die Unter- 
suchung dieser Frage maßgebend sein können, zur Diskussion zu stellen, 
um auf diese Weise wenigstens zu einer korrekten Fragestellung zu 
gelangen. 

Am nächsten liegt es nun m. E., an das subsidiäre Erfüllungs- 
versprechen des Bürgen anzuknüpfen. Dje gemeinsame Verbürgung 
mehrerer hat in ihren Wirkungen insofern eine gewisse Ähnlichkeit 
mit der römischen Solidarschuld infolge Unteilbarkeit der Leistung, als. 
auch bei ihr die Solidarität in erster Linie herbeigeführt wird durch 
die Beschaffenheit der Leistung, welche der Bürge, verspricht. Wenn, 
nun im römischen Recht die solidarische Verpflichtung von selbst auf- 
hört, sobald an Stelle der ursprünglichen Leistung die teilbare Schadens- 
ersatzobligation tritt, so könnte man auch hier Teilschuld und Teil- 
haftung der Mitbürgen annehmen, wenn im Bürgschaftsfalle das sub- 
sidiäre (teilbare) Erfüllungsversprechen zur Wirksamkeit gelangt. Der 



5) Vgl. auch Gierke p. 149, ferner unten § 20 p. 228 f. 



100 Solidarhaftung bezüglich des Erfüllungsversprechens. 

Bürge wäre also im Haftungsfalle nur für eine pars virilis aus dem 
Erfüllungsversprechen verantwortlich gewesen, der Gläubiger hätte alle 
Bürgen in Exekution ziehen können. 6 ) Die Frage ist nur, ob wir 
einen derartigen Rechtszustand als seit jeher bestehend voraussetzen 
dürfen. Es wurde oben (p. 73 f.) wahrscheinlich zu machen ge- 
sucht, daß ursprünglich der Bürge im Haftungsfälle seine eigene 
Person als Ersatz für den Schuldner dem Gläubiger zur Verfügung 
stellte. Nun ist es gewiß denkbar, daß bei gemeinsamer Verbürgung 
mehrerer die Parteien von der Vorstellung geleitet waren, daß im 
Bürgschaftsfalle nicht schon die Verknechtung des einzelnen Bürgen, 
sondern erst aller zusammen dem Gläubiger Satisfaktion verschaffen 
solle. Ob aber in diesem Falle der Bürge auch das Recht 7 ) gehabt 
hatte, durch Erfüllung seiner pars virilis den Zugriff des Gläubigers 
von sich abzuwehren, steht völlig dahin. Man mag es überhaupt mit 
Recht ein müßiges Beginnen schelten, sich um die Lösung derartiger 
Detailfragen, die dem Rechte einer vorgeschichtlichen Zeit angehören, 
zu bemühen. Nur das eine läßt sieh sagen: die Möglichkeit, daß 
die Verbürgung mehrerer zur Teilschuld und Teilhaftung führte, war 
um so eher gegeben, je mehr sich die Bürgenobligation von dem Er- 
füllungsversprechen ausgehend zu einer der Hauptschuld gleichartigen 
Verpflichtung umbildete. Denn wenn einmal, Teilbarkeit der Schuld 
vorausgesetzt, die Bürgschaft im wesentlichen als Schuld versprechen 
auf eine teilbare Leistung empfunden wurde, so stand die gemeinsame 
Verbürgung der Verpflichtung mehrerer Schuldner, die ja Teilschuld 
und Teilhaftung zur Folge hatte, nicht mehr ferne. Von dieser Basis 
aus wäre dann die Klausel der Solidarhaftung ohne weiteres verständlich. 8 ) 
Für die älteste Zeit, in welcher die Bürgenobligation ein Er- 



6) Seitdem die Schuldknechtschaft eine ablösbare geworden war nnd die 
Bürgenobligation die Zahlungsgarantie in sich aufgenommen hatte (vgl. ol>enp. 70f.), 
hätte sich dieser Fall auch nach Auslieferung des Schuldners ereignen können, 
da der Gläubiger dadurch noch nicht befriedigt war. Hier brauchte zwar der 
Gläubiger den Schuldner nicht aus der Haft zu entlassen, ehe ihm die ganze 
Schuld erfüllt worden war, wohl aber entstellt die Frage, ob nicht der ein- 
zelne Bürge, der seine pars virilis gezahlt hatte, seine Befreiung hätte verlangen 
können. 

7) Nur um ein Hecht des Bürgen kann es sich in ältester Zeit handeln. 
Vgl. oben p. 74 f. 

8) Das gilt besonders für die oben p. U7f. Damhaft gemachten Quellenbelege, 
die — von der auf eine akzessorische Bürgschaft bezüglichen Urkunde Nbk. 17_' 
abgesehen — sämtliche Fälle zum Gegenstande haben, in denen der Bürge ledig- 
lich für eiuen Erfolg eintritt, ohne daß seine Verpflichtung eine Schuld als 
Hauptverbindlichkeit voraussetzt. Hier kann von einer Gestellung des Schuld- 
ners und den daraus für die Haftung mehrerer I Jürgen sieh ergehenden jnri- 






Verbürgung von Mitschuldnern. 101 

füllungsversprechen des Bürgen noch nicht enthielt 9 ), bliebe wohl 
kein anderer Ausweg, als die Klausel der Solidarhaftung auf das Ver- 
sprechen des Bürgen, sich im Haftungsfalle selbst dem Gläubiger aus- 
zuliefern, zu beziehen. Die reziproke Garantie der Mitbürgen, kraft 
deren jeder von ihnen für die Exekutionsbereitschaft seiner Genossen 
eingestanden wäre, hätte hier dem Gläubiger den Vorteil geboten, daß 
er sich nicht selbst um die Vollstreckung zu kümmern brauchte, 
sondern die Auslieferung des Bürgen durch seinen Genossen abwarten 
konnte. Da die Verbürgung eine wechselseitige war, so hätte sie im 
Endergebnis zu einer gegenseitigen Gestellung geführt. Ob in diesem 
Falle der Gläubiger alle Bürgen als Satisfaktionsobjekt behalten durfte, 
hängt wiederum von der Vorfrage ab, ob die Auffassung bei der ge- 
meinsamen Verbürgung die war, daß erst alle Bürgen zusammen den 
Schuldner ersetzen. 

Ich halte es indessen für zwecklos, bei diesem Punkte länger zu 
verweilen, einmal darum, weil es m. E. doch höchst zweifelhaft ist, 
ob die Vereinbarung der Solidarhaftung unter Mitbürgen in so früher 
Zeit überhaupt praktisch war 10 ), und nicht erst aufkam, seitdem die 
Bürgenobligation das Erfüllungsversprechen aufgenommen hatte, ferner 
aber auch aus dem Grunde, weil man angesichts des völligen Schweigens 
der Quellen doch über Vermutungen nicht hinauskommt. Jede halb- 
wegs sichere Lösung dieser Fragen ist bei dem derzeitigen Quellen- 
stande ausgeschlossen. 

IL Wenn wir oben p. 87f. für die Klausel der Solidarhaftung 
die Auffassung, daß jeder der Mitschuldner für die Teilschuld seines 
Genossen bürge, ablehnen mußten, so ist damit natürlich nicht die 
Möglichkeit in Frage gestellt, daß ein Mitschuldner zugleich die Bürg- 
schaft für seine Genossen übernahm. Der Fall bietet juristisch keine 
Schwierigkeiten. Vorzuliegen scheint er mir in BE VII^ 101 (p. 29) 
aus dem 1. Jahre des Smerdis. 

A-na ümu 15 kan sa ar ± u Tasritu Bis zum 15. Tasritu wird [NLNIB- 

m [" u NINIB-ahß-iddina], -ahe-iddina], 

aplu-su sa m i!u EUil-l)el-a-ni, m Iddina- Sohn des Ellil-beläni, den Iddina- 

- üu Nübn, -Nabu, 



stischen Konsequenzen keine Rede sein. Das Erfüllungs- bzw. Schadensersatz- 
versprechen, das der Bürge für den Fall, als der garantierte Erfolg nicht eintritt, 
abgibt, ist hier primärer Yersprechensinhalt. Zur näheren Begründung des eben 
Ausgeführten verweise ich auf die folgenden §§ 15 — 19 dieser Darstellung. 
Vgl. oben p. 71 f. 
10) Vgl. unten § 20 p. 229 f. 



102 Verbürgung von Mitschuldnern. 

aplu-su sa m Asur-na-din-ahu, a-na Sohn des Asur-nädin-ahu, nach 

Nippurp*] Nippur 

ib-ba-kan-ma a-na m Ardu J!u Gula, bringen und dann dem Ardu-Gula, 
5 aplu-susa mi ' u Samas-iqisa,inamdin in . Sohn des Samas-iqisa, geben. Wenn s 
ki-i a-ta-ni-su er ihn rechtzeitig 

Ja i-tab-bak-kan-ma a-na m Ardu- nicht herbeibringt, dem Ardu-Gula, 

- ilu Gula, 
oplu-su sa milu Samas-iq(sa. la it- Sohn des Saruas-iqisa, nicht über- 
-tan-nu-as, gibt, 

wird gemäß dem Verpflichtuugs- 

schein des Nidintum, lastend auf 

ilu NINIBdhe-iddina, m Asnr-na- NINIB-ahe-iddina, Asur-nädin-ahu 

-din-ahu 



a-ki-i u-ü-tim sa m Ni-din-tum sa 
muh-hi 



und Dannu-ahe-ibni, Silber NINIB- 10 
-ahe-iddina 



10 u m I)an-nu-ahe-ibnl, kaspa 
'" üa NINIB-aU-iddina 
a-na "' Ardu- ilu Gula i-nam-din. dem Ardu-Gula geben. 

Zeugen, Datum. 

Hier verbürgt sich in der bekannten Weise NINIB-ahe-iddina 11 ) 
für Iddina-Nabü, den Sohn und Erben (?) seines Mitschuldners Asur- 
-nädin-ahu dem Ardu-Gula. 12 ) Die Verbürgung erfolgt erst nach der 
Schuldbegründung. Vielleicht bot gerade der Umstand, daß au Stelle 
des Vaters sein Sohn und Erbe (?) trat, Anlaß zu ihr. Ist dies 
richtig, so erstreckte sie sich wohl nur auf die Teilschuld des Asur- 
-nädin-ahu. 

Derselbe Tatbestand ist vielleicht auch für Camb. 240 anzunehmen. 
Die Urkunde ist ein Verpflichtungsschein über eine Geldforderung 
gegen Itti-Samas-balätu, amSlu bä'iru, und Kalba, a ""'"bairu, sowie gegen 
die am * lu bä'irüti 13 ) gdb-bi sa i! "$amas „Fischer (Jäger), insgesamt des 
Samastenrpels." Z. 8 f. heißt es nun: pu-ut (0) e-te-ru sa kaspi '" Jtti- 
- ila Samas-balätu (10) u m Kal-ba-a na-sn-u „für (9) das Zahlen des 
Silbers sind I. (10) und K. Bürgen". Die Bürgschaft mochte hier 
für den Gläubiger besonders bequem sein, da der Schuldner viele 
waren und er durch die Verbürgung einzelner von ihnen der Notwen- 
digkeit zahlreicher Teilexekutionen enthoben war. Da indessen in der 
Bürgschaftserklärung jeder Hinweis fehlt, daß sie sich nur auf die 
Teilschulden der übrigen Mitschuldner bezog, so ist es denkbar und 



11) Die Ergänzung seines Namens in Z. 1 ist durch Z. 10 f. gesichert. 

12) Seine Stellung ist allerdings nicht klar. Gläubiger ist nach Z. 8 Ni- 
dintum. Vielleicht war Ardu-Gula Zessionar oder Vertreter des Nidintum. 

13) • N /-//.| -.!//■>. 



Die Bürgschaft als Haftungsverschärfung. 103 

nach dem oben p. 92 Bemerkten auch juristisch durchaus möglich, 
daß die Garantie den ganzen Schuldbetrag umfaßte. 

Große Schwierigkeiten bieten aber zwei weitere Texte: Ner. 66 
und BE IX 31. (Kotalla, BA IV p. 562). u ) Auch hier treten ein- 
zelne Mitschuldner als Bürgen auf und zwar für die ganze Schuld, 
die Schuldner haften aber außerdem noch solidarisch. Was soll aber 
die spezielle Verbürgung des einzelnen, wenn er schon kraft der 
Klausel der Solidarhaftung auf das Ganze haftet? Irgendeinen Zweck 
muß sie verfolgt haben. Worin er bestand, läßt sich nun m. E. 
wenigstens vermutungsweise bestimmen, wenn wir eine analoge 
Entwicklung im deutschen Rechte zur Vergleichung heranziehen. Im 
sächsischen Recht des späteren Mittelalters erscheint die leibliche wie 
die Vermögenshaftung bereits als gesetzliche Folge des Schuld Ver- 
sprechens. Gleichwohl hat sich das Treugelübde, das ursprünglich zur 
Begründung der persönlichen Haftung erforderlich und in dieser Eigen- 
schaft auch Verbürgungsform war, noch als Mittel der Haftungsver- 
stärkung erhalten. Durch das Treugelübde stellte der Schuldner zu- 
nächst allerdings nur die ihn kraft Gesetzes treffende Haftung klar. 
Allein er verschaffte dadurch zugleich dem Gläubiger noch besondere 
Vorteile (so z. B. im Verfahren, der Vertragsbruch wurde als Treu- 
bruch behandelt usw.) 15 ) Wenn wir nun für das babylonische Recht 
mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, daß die Verbürgung 
später auch Vermögenshaftung erzeugte und demnach diese sich auch 
auf die solidarische Verpflichtung mehrerer Schuldner erstreckte 16 ), 
so könnte die spezielle Verbürgung eines der Mitschuldner hier den 
Zweck verfolgt haben, seine leibliche Haftung, die ja der Bürgen- 
obligation von Haus aus eigen war, noch besonders zu betonen. Sie 
hätte also ebenso wie das Treugelübde der Haftungsverstärkung gedient. 17 ) 



14) Ner. 66 ist ein Verpflichtungsschein über 7000 Reihen Zwiebel {gid-dil 
sa süvii vgl. Delitzsch p. 194f.) gegen 7 Schuldner. Z. llf. heißt es: isten 
pu-ut (so wohl zu lesen statt des von Evetts gegebenen mit) (12) Sani* na- 
-su-u. pu-ut e-te-ru (13) sa gid-dil ^Ah-tab-si na-si „einer ist für (12) den an- 
deren Bürge. Für das Zahlen (13) der Reihen (Zwiebel) ist Ah-tabsi Bürge". 
Ah-tabsi ist wohl identisch mit dem an erster Stelle Z. 3 unter den Schuldnern 
genannten Ah-i-tab-si. Vgl. auch Tallquist, Neubabylonisches Namenbuch 
s. v. BE IX 31 wurde schon oben p. 92 beschrieben. Hier ist noch hinzuzufügen, 
daß Z. 14 f. die Bemerkung steht pu-ut sa suluppu a' 62 kur (15) '" ilu Bel-nädin 
. . . na-si „für die Datteln 62 Kur (15) ist Bel-nädin Bürge". 

15) Vgl. zu dem im Texte Ausgeführten Gierke p. 209 f. 

16) Vgl. oben p. 82 f., 96f. 

17) Im übrigen gilt auch für diese Bürgschaftserklärung, das oben p. 92 
über das Solidarschuldverhältnis Ausgeführte. Der Bürge selbst ist, worüber ja 



104 



Selbstbürgschaft, Et. Mer. 13. 



§11- 

Ein weiterer Punkt, in dem sich das babylonische Bürgsehafts- 
recht vom römischen und modernen Recht unterscheidet, betrifft die 
Erscheinung, daß der Schuldner auch für seine eigene Schuld bürgen 
kann. Nach klassisch-römischem Recht ist dies ausgeschlossen. Denn 
es gehört zum Wesen des Bürgen, daß er für eine ihm wenigstens 
formell fremde Verbindlichkeit einsteht. Für das babylonische Recht 
aber wird die Verbürgung für die eigene Schuld 1 ) durch folgende 
Urkunden bezeugt: 

a) Ev. Mer. 13 = BR III p. 9. 

'" Iffi JI " Nabü-balätu, apil-su sa 

" l Su-la-a, 
apü m E-gl-bi, sa la mil! 'Bfl-Jxi-sir, 

[dhi-Jsu, a-na seri ul il-lak, 

a-di eli u-il-tim j,l -sh-uu u mim-mu 

5 nilcasu su sa '" Su-la-a, abi-su-nu, 

it-ti a-Jia-mes u-za-iz(^)-zu. 2 ) 

M-i sa la '" i! " BeVki-sir 

a-na seri it-tal-la. u mim-mu 

ul-tu su-u-qu it-ta-sn-ub 5 ) 
io mim-mu ma-la nl-fn su-u-qu i-nct- 
-as-sa-a, 

gab-bi u-ta-ri-nia a-na 



Itti Nabü-balätu, Sohn des Sulä, 

Nachkomme des Egibi, wird ohne 

Bel-kisir, 
seinen [Bruder], auf das Feld nicht 

gehen, 
bis sie ihre Verpflichtungscheine 

und was immer ist 
das Vermögen des Sulä, ihres Vaters, 5 
miteinander geteilt haben. 2 ) 
Wenn er ohne Bel-kisir 
auf das Feld geht und was immer 
von der Straße er bringt 3 ), 
wird er, was immer von der Straße io 

er bringen wird, 
alles zurückstellen und dann dem 



BE IX 31 keinen Zweifel läßt, nur Teilsckulrlner, haftet aber für das Ganze, 
cl. h. für die Schuld vom Standpunkte des Gläubigers aus. 

1) Man könnte auf Grund dieser Tatsache folgende Erklärung der Klausel 
der Solidarhaftung für möglich halten: jeder der Mitschuldner bürgt für seine 
eigene Teilschuld und zugleich auch für die Teilschulden seiner Genossen. Allein 
diese Annahme stünde im Widerspruch mit dem Wortlaut der Klausel. Diese 
spezifiziert nirgends die einzelnen Tcilschulden, sondern bestimmt lediglich, daß 
der Mitschuldner als Bürge für die Erfüllung der gemeinsamen Schuld 
(kirbu) seitens seiner Genossen einstehe. 

2) Evetts' Kopie bietet u-za-))ia(^)-zi(. Die Lesung im Texte verdanke ich 
einer freundlichen Mitteilung Ungnads, der annimmt, daß das dritte /riehen 
für« verschrieben sei. Die Form ist allerdings eine Bonderbare. Doch erfordert 
der Zusammenhang für das Yerlmni eine Bedeutung wie „teilen". So übersei t 
auch I'e i sc i- 1. c. 

3) Ungnad vermutet it-ta-isu-u, was auch der Zusammenhang verlangt. 
Darnach ist im Texte übersetzt. 



Ev. Mer. 13. 105 

mi! "Brl-1ci-sir i-wnn-din. j Bel-kisir geben. 

qät-sn ina lib-bi te-el-li. z *) Seine Hand geht darauf in die 



Höhe. :;a ) 



Zeugen, Datum. 



Die Urkunde ist von Peiser, a. a. 0. p. 9 mißverstanden und da- 
her auch von Kohler ibid. unrichtig erklärt worden. Peiser las das 

Zeichen für In *"~|h m Z. - und 7 irrig ina qnti. 1 ) Von einer „Voll- 
macht" in dem Sinne, daß der Stellvertreter „mit der /Band' (qätu) 
des Dominus, d. h. mit dem Handzeichen, mit der Vollmachtsurkunde 
handle" 5 ), ist daher keine Rede. Der Inhalt der Urkunde bietet, wenn- 
gleich Details noch dunkel bleiben, im wesentlichen dem Verständnis 
keine Schwierigkeiten. Itti-Nabü-balätu verspricht seinem Bruder 
Bel-kisir sich in keine selbständigen Unternehmungen 6 ) einzulassen, 
bis nicht die Auseinandersetzung über die Passiva und Aktiva 7 ) des 
Nachlasses ihres Vaters unter ihnen vollendet sei. Entgegengesetzten 
Falles muß er allen Gewinn, den er aus solchen Unternehmungen zieht 8 ), 
dem Bel-kisir geben. „Seine Hand geht darauf in die Höhe." Das 
kann wohl nur bedeuten, daß Itti-Nabü-balätu durch die Hand- 
erhebung sein Versprechen bekräftige, für dessen Erfüllung einstehe, 
bürge. 9 ) Soviel läßt wenigstens der Zusammenhang vermuten. Der 
Beweis, daß diese Worte eine Verbürgungserklärung enthalten, muß 
einem späteren Abschnitte vorbehalten werden, in dem dargelegt wer- 



3a) Peiser: „seine Hand ist darauf erhoben". Diese Übersetzung ist je- 
doch, wie mir Ungnad bemerkt, mit dem Präsens teilt nicht vereinbarlich. 

4) Daß diese Lesung unrichtig ist, ergibt sich auch daraus, daß qätu in 

Z. 13 ganz deutlich E~-| TT geschrieben ist. Ferner ist Z. 4 a-di und nicht a-Jci 



* ^ TT 



zu lesen, wie nach Peiser s Übersetzung „gemäß dem, daß sie ihre Scheine" usw. 
zu vermuten wäre. Über sa la, wie anstatt sa ina qiiti zu lesen ist, in der Be- 
deutung „ohne" vgl. Hilprecht-Clay, BE IX p. 31 n. 

5) So Kohler 1. c. 

6) Mit dem „Gehen auf das Feld 1 ' in Z. 3» und 8 sind vielleicht Handels- 
reisen gemeint. 

7) U-il-tim und nikasu. 

8) Süqu „Sti-aße" in Z. 9 und 10 ist wohl, worauf mich Ungnad aufmerk- 
sam macht, als „Markt" zu deuten. 

9) Die Phrase qassu teilt begegnet noch in der Prozeßurkunde Liv. 73 Z. 22: 
iji'tt-su te-el-li [sa? / mim-ma id-di-nu [.....] el-li „seine Hand geht in die Höhe, 
[daßj alles, was er gegeben hat [ ] . . . .**. Die Urkunde ist indessen lücken- 
haft und außerdem in ihren Lesungen bei einer Nachprüfung am Original m. E. 
noch verbesserungsfähig, so daß ich es für richtig halte, betreifs der Bedeutung 
der Phrase an dieser Stelle auch von einer Vermutung abzusehen. 



106 



Nbk. 381 



den soll, daß die Handerhebung die rechtliche Form des Bürgschafts- 
geschäftes war. 

b) Nbk. 387 (41. Jahr) = BV p. 225. 
u-il-tim sa '" Sum-iddina u u-il-tim I Bezüglich des Verpflichtungsschei- 

nes des Sum-iddina und des Yer- 
pflichtungsscheines 
des Samas-sum-ukin, welcher zu 

lasten des Iddin-Marduk 
und des Nabu-usallim ausgestellt 

ist, ist Xabü-usallini 
für das Zahlen des Silbers in die 

Hände 
des Iddin-Marduk Bürge. Den Ver- 5 

pflichtungsschein des Sum-iddina 
und des Samas-sum-ukin wird er 
bringen und dann 



sa m ilu Samas-sum-ukin, sa ina m uh-h i 

m Iddin- ilu Marduk 
11 milu Nabu-usallim e-li-tum, 

milu Nabu-usallim 

pu-ut e-te-ru sa kaspi ina qdtd 

5 m Iddin- ihl Marduk na-si. u-il-tim sa 
"Sum-iddina 
u m il " Samas-sum-ukin i-na-as-sa- 
-am-ma 



a-na m Iddin- üu Mardnlc i-nam-d 'in. \ dem Iddin-Marduk geben. 
Zeugen, Datum. 

Der Tatbestand dieser Urkunde ist sehr einfach zu bestimmen. 
Nabu-usallim verpflichtet sich seinem Mitschuldner Iddin-Marduk gegen- 
über den Gläubiger zu befriedigen. Es liegt also eine sogenannte 
Erfüllungsübernahme vor. 10 ) Genau genommen „bürgt" allerdings der 
Ubernehmer für die Erfüllung der Schuld und verpflichtet sich außer- 
dem noch, den Schuldschein dem Schuldner auszuliefern. Das letztere 
allein ist der Inhalt der Erfüllungsübernahme in einer jüngeren Ur- 
kunde BV 74 (20. Jahr des Darius). 11 ) Hier ist von Bürgschaft keine 



10) Ich möchte eine solche auch in Nim. 03 unterstellen. Pu-ut e-tir sa 2 
manu kaspi sa A, (3) sa ina eli B, (4) C (5) na-si. git-t« Sa e-tir (6> sa 2 manu 
laspi sa A, sa ina eli (7) B, C i-na-s[a? -am-maj (8) a-na ./>' i-nam-[din] ,.Für 
das Zahlen von 2 Minen Silber, gehörig dem A, (3) lastend auf B, (4) ist C (5) 
Bürge. Eine Urkunde über das Zahlen (6) von 2 Minen Silber, gehörig dem A, 
lastend auf (7) B, wird C brin[gen und dann] (8) dem B geb[en~|." Die noch zum 
Kontext gehörigen Z. 9 — 13 sind halb zerstört. Ich vermag zu erkennen: ul-tu 

ram ...[.....] (10) u-il-tim sa m <'" Samai [ / (11 ) sa girri Sa ina muh- 

-hi ..[.....] (12) i-na-as-su-nu epes sa [duppi-su-nu?] (13) itti a-ha-mes qa- 
-tu-fuj. Ein bestimmter Sinn läßt sich diesen Bruchstücken nicht abgewinnen. 
Vielleicht war von der causa der Erfüllungsübernahme die Hede. Allerdings ist 
hier nicht wie in Nbk. 387 ausdrücklich gesagt, daß sich der Bürge dem 
Schuldner gegenüber verpflichte. Allein mit Rücksicht auf die formelle Über- 
einstimmung beider Urkunden wird man wohl in Nim. 63 denselben Tatbestand 
zugrunde legen dürfen. 

11) Hier läßt sich, wie schon Kohler, Exkurs zu BV p. XXXVI richtig ge- 
sehen hat, mit Hilfe von BV 78 die Urkunde ist 9 Tage vor BV 74 datiert) auch 



Erfüllungsübernahme. 107 

Rede. Der Übernehmer verspricht lediglich, den Schuldschein herbei- 
zubringen (inassamma) und dem Schuldner zu übergeben (inamdin). 
Das ist aber mehr als die bloße Erfüllung der Schuld. Denn der 
Schuldner ist, weil die Rückgabe des Schuldscheines als Quittung gilt 12 ), 
nunmehr in der Lage, dem Gläubiger gegenüber auch selbständig die 
Erlöschung der Schuld beweisen zu können, ohne sich erst auf die Er- 
füllungsübernahme berufen zu müssen. Es fällt nun auf, daß die Ver- 
bürgung, wo sie vorkommt, sich gleichwohl nur auf das „Zahlen" er- 
streckt. Wie das zu erklären ist steht dahin. Insoferne der Über- 
nehmer seiner Verpflichtung, den Schuldschein dem Schuldner auszu- 
folgen, in der Regel nur dann wird nachkommen können, wenn er 
den Gläubiger bezahlt, könnte man versucht sein, die Inkongruenz 
zwischen Schuld und Verbürgung durch die Annahme zu beseitigen, 
daß „für das Zahlen bürgen" nur eine abgekürzte Ausdrucksweise für 
die exakte Formulierung „für die Herbeischaffung und Übergabe des 
Schuldscheines bürgen" ist. Ich komme auf diese Frage noch in 
anderem Zusammenhange zurück. 13 ) 

Die Selbstbürgschaft des Schuldners, die uns in diesen Urkunden 
entgegentritt 14 ) und die auch in den deutschen Rechtsquellen häufig 
begegnet 15 ), ist, wie schon bemerkt wurde, vom Standpunkt des 
romanistischen Bürgschaftsbegriffes aus völlig unerklärlich. Es wäre 
sinn- und zwecklos gewesen, wenn der Schuldner, der im Schuldver- 
sprechen eine Leistung zugesagt hatte, dieselbe Leistung im Wege 
•der Bürgschaft noch einmal versprochen hätte. Die Selbstverb ürgung 



die causa der Erfüllungsübernahme bestimmen. In BV 73 verkauft A seinen dem 
C verpfändeten Sklaven dem B. Dieser berichtigt nun nach BV 74 einen Teil 
des Kaufpreises dadurch, daß er sich dem A verpflichtet, die Pfandschuld zu 
bezahlen, also derselbe Fall, der auch heute noch häufig der Erfüllungsübernahme 
zugrunde liegen wird. 

12) Eine solche (gitta sa eter) dem Schuldner auszufolgen, verspricht der 
Übernehmer in Nbn. 63 (oben n. 10). Daß die Rückgabe des Schuldscheines die 
Stelle der Quittung vertritt, begegnet auch in anderen Urkunden. Vgl. z. B. 
Nbk. 67 (oben § 9 n. 26), 382i'if., Ev. Mer. 7if. (KB IV p. 200 I). 

13) Vgl. unten § 14 n. 20, § 15 n. 58. 

14) Weitere Belege siehe unten § 15. Mit der infolge der Lückenhaftig- 
keit der Urkunde gebotenen Reserve sei ferner auch auf Nbn 4t>0 hingewiesen. 
Es ist die Rede von einer Geldsumme, gehörig (sa) dem A ina p&n B ü C „im 
Besitze des B und C u . Z. 5 — 9 läßt sich wegen der Lücken in Z. 7 und 8 kein 
Sinn abgewinnen. Z. lOf. ist aber zu lesen pu-ut kaspi B u (11) C na-iu-u 
„für das Silber sind B und (11) C Bürgen' - . 

15) Vgl. Puntschart p. 169 f., Egger, Yermögenshaftung und Hypothek 
p. 58f, Gierke p. 69f., 275, 296. Für das ältere römische Becbt siehe Mitteis, 
Festschrift für Bekker p. 120f., Lenel, Zeitschr. der Savigny-Stiftung, rom. Abt. 
23 p. 99. Betreffs des griechischen Rechts vgl. Partsch p. 63f. 



108 Bedeutung der Selbstbürgschaft. 

ist vielmehr nur begreiflich, wenn das Bürgschaftsversprechen von 
Hans aus einen anderen Inhalt hatte als das Schuldversprechen. Nun 
garantiert ursprünglich der babylonische Bürge, wie wir oben p. 73 f. 
wahrscheinlich zu machen suchten, die Exekutionsbereitschaft des 
Schuldners und verspricht im Falle, als dieser Erfolg nicht eintritt, 
seine eigene Auslieferung an den Gläubiger. Damit ist der Inhalt des 
Bürgenversprechens des Schuldners von selbst gegeben. Es kann 
nur gelautet haben: wenn ich nicht erfülle, werde ich selbst zur 
Exekution parat sein, d. h. mit meiner Person mich dem Gläubiger 
zur Verfügung stellen. In dieser Form ist natürlich die Selbstbürg- 
schaft neben dem Schuldversprechen sehr wohl denkbar und vielleicht 
ursprünglich unter Umständen sogar notwendig gewesen. 

Es wurde schon oben (p. 68) hervorgehoben, daß das Eintreten 
eines Bürgen den Gläubiger jedenfalls der Notwendigkeit enthob, selbst 
gegen den Schuldner vorzugehen. Es war vielmehr Sache des Bürgen 
als Vollstreckungsorgan des Gläubigers, die Exekution gegen den 
Schuldner durchzuführen. Die weitere Frage, die ich oben an diese 
Feststellung knüpfte, ob der Gläubiger gegen den Schuldner auch vor- 
gehen durfte, »scheint müßig zu sein. Der Schuldner haftet dem 
Gläubiger doch aus dem Schuldversprechen. So selbstverständlich ist 
indessen die Antwort nicht. Es ist einmal zu beachten, daß die Ge- 
staltung der Bürgenhaftung für eine Zugriffsmöglichkeit des Gläubigers 
geo-en den Schuldner keinen Raum läßt. Der Zug der Exekution 
geht vielmehr vom Bürgen gegen den Schuldner, vom Gläubiger gegen 
den Bürgen. Die auf wechselseitiger Verbürgung der Mitschuldner 
beruhende Solidarhaftung ferner setzt nur voraus, daß die Mitschuhlner 
dem Gläubiger als Bürgen haften. Eine Haftung aus dem Schuld- 
versprechen, die nach dem oben p. 86f. Ausgeführten nur eine Teil- 
haftung sein könnte, ist hier nicht nur nicht notwendig, sondern voll- 
kommen überflüssig, und darum ist auch nicht anzunehmen, daß sie 
bestand. Wozu endlich die Selbstverbürgung, wenn der Schuldner 
schon aus dem Schuldversprechen haftete?"') 



16) Man winde nicht ein, daß der Schuldner krafl des Schuldversprechens 
nur mit seinem Vermögen haftete, während er durch die Bürgschaft auch Beine 
Person dem Zugriff des Gläubigers unterwarf. Die Annahme wäre ja an sich 
denkbar. Aber es wäre niethodiseh verfehlt, sie einer entwicklungsgeschicht- 
lichen Betrachtung zugrunde zu legen, da die gegenteilige Voraussetzung, der 
Schuldner habe mit seiner Person gehaftet, ebenso möglich ist. Hie Selbstbürg- 
schaft als Haftungsverschärfimv,' kommt allerdings vor. Vgl. oben p. 103. Allein 
in dieser Funktion ist sie eine jüngere Bildung und beweist oichtS für «las liier 
zur Frage stehende älteste Entwieklun<, r sstadium des Instituts. 



Schuld und Haftung. 109 

Diese Erwägungen machen wenigstens für die älteste Zeit einen 
Rechtszustand wahrscheinlich, in welchem das Schuldversprechen als 
solches eine Haftung, d. h. eine Zugriffsmöglichkeit des Gläubigers 
gegen den Schuldner im Falle seiner Nichtbefriedigung nicht erzeugte. 
Vielmehr ist die Schuld von der Haftung strenge zu trennen. Die 
erstere ist das Produkt des Schuldversprechens. Ihr rechtlicher Inhalt 
besteht lediglich darin, daß der Schuldner etwas leisten, der Gläubiger 
dasselbe bekommen soll. Eine Haftung in dem vorerwähnten Sinne 
ist in dem Schuldversprechen an sich nicht enthalten. Soll eine solche 
für den Gläubiger begründet werden, — ich beschränke mich hierbei 
auf die durch die Bürgschaft vermittelte persönliche (leibliche) Haftung, 
da in die Geschichte der Vermögenshaftung die Quellen keinen Ein- 
blick gestatten — , so muß der Schuldner entweder einen Bürgen 
stellen oder sich selbst für die Schuld verbürgen. Im ersten Falle 
haftet dem Gläubiger nur der Bürge 17 ), im zweiten zwar der Schuldner, 
aber nicht in seiner Eigenschaft als Schuldner, sondern als Bürge für 
sich selbst. 

Es sind dies allerdings Rechtssätze, die dem Rechtsempfinden 
der Gegenwart fremdartig erscheinen. Allein die Rechtsvergleichung 
lehrt, daß das babylonische Recht mit ihnen nicht allein steht. Für 
die germanischen Rechte, mit denen das Recht Mesopotamiens gerade 
in der Ausgestaltung des Bürgschaftsinstitutes die größte Verwandt- 
schaft aufweist, hat sie die rechtsgeschichtliche Forschung außer allen 

17) Hal'tungsfrei war der Schuldner auch in diesem Falle nicht. Er haftete 
dem Gläubiger aber nur mittelbar durch den Bürgen, indem dieser den Zugriff 
gegen ihn hatte. Daraus folgt jedenfalls das eine, daß der Bür^e vom Schuldner 
gestellt sein mußte. Denn es ist kaum denkbar, daß eine Verbürgung ohne oder 
gegen den Willen des Schuldners dem Bürgen eine Zugriffsmacht gegen die 
Person des Schuldners verschafft haben sollte. Vielmehr setzt das Verbürgungs- 
geschäft, wie Gierke p. 59 n. 40 auch für das ältere deutsche Recht annimmt, 
ein Zusammenwirken von Gläubiger, Schuldner und Bürgen voraus. Welches der 
Rechtsgrund für die Unterwerfung des Schuldners unter die Macht des Bürgen 
war, darüber lassen uns die Quellen allerdings völlig im Dunkeln. Wir müssen 
die Tatsache einfach hinnehmen. Im langobardischen Recht, das mit dem baby- 
lonischen in der Auffassung des Bürgen als Vollstreckungsorgan des Gläubigers 
(vgl. oben p. 69) übereinstimmt, besteht der Bürgschaftsformalismus darin, daß 
der Bürge die vom Schuldner dem Gläubiger gereichten Wadia von diesem er- 
hält und auf solche Weise die Zugriffsmacht über das Vermögen des Schuldners 
erlangt. Er löst daher die durch Reichung der Wadia begründete Vermögens- 
haftung des Schuldners ab und tritt an dessen Steile. Vgl. Gierke p. 2851'. 
Allein gerade in diesem Punkte erweist sich das langobardische Recht zur Ver- 
gleichung nicht als tauglich, weil der langobardische Bürge nur mit seinem 
Vermögen haftet und im übrigen auch der Bürgschaftsfonnalismus des babylo- 
nischen Rechts, wie unten § 20 dargelegt werden soll, ein anderer ist. Vgl. ferner 
auch Gierke p. 190 f. 



HO Geltungsgebiet der persönlichen Haftung 

Zweifel gesetzt 18 ), ein Umstand, der unsere Hypothese zu stützen nur 
geeignet sein kann. 

Sie bezieht sieh, wie bemerkt, nur auf die persönliche (leibliche) 
Haftung. Neben ihr bestand wohl schon seit der frühesten Zeit auch 
die Pfandhaftung. Wie durch die Verbürgung, sei es eines Dritten, 
sei es des Schuldners, die Person der Haftung unterworfen wurde, so 
konnte in gleicher Weise durch Pfandsetzuug die Haftung einer Sache 
begründet werden. 19 ) Allein selbst wenn wir uns auf die leibliche 
Haftung beschränken, wäre es doch unzulässig, die oben aufgestellten 
Rechtssätze zu verallgemeinern in dem Sinne, als ob sie für jede 
Schuld Geltung beanspruchen dürften. Vertreten lassen sie sich viel- 
mehr nur für das Schuldversprechen, als dessen ältesten Fall wir 
wohl auch im babylonischen Rechte die Bußschuld werden ansehen 
dürfen, durch deren Übernahme im Einverständnisse mit dem Ver- 
letzten oder dessen Sippe der Delinquent die Blutrache von sich ab- 
wehrte. 20 ) Damit sind aber die vermögensrechtlichen Rechtsgeschäfte 
selbst eines noch wenig entwickelten Rechtes keineswegs erschöpft. 
Wenn wir vom Kauf absehen, der auch im babylonischen Recht in 
der ältesten Zeit Barkauf war'" 1 ), bleibt vor allem als eines der 
wichtigsten und häufigsten Verkehrsgeschäfte das Darlehen. Für die 
germanischen Rechte besteht nun kein Zweifel, daß für die Rückgabe 
des Darlehens nicht darum gehaftet wird, weil ein Dritter oder der 
Schuldner sich verbürgt hat, sondern vielmehr aus dem Gesichtspunkte 
des Realvertrags die Haftung des ■ Schuldners zu erklären ist. Weil 
er die Leistung erhalten hat, steht er auch für deren Rückgabe ein. 23 ) 
Im neubabylonischen Recht ist die Beurteilung dieser Frage dadurch 



18) Vgl. v. Amira I p. 39 f. , II p. 71 f., Puntschart p. 197, 279, Gierke 
p. 9 f., 98 f. Die griechischen Recktsquellen sprechen nicht so klar. Allein 
Partsch p. 75 (vgl. auch p. 78f.) bemerkt mit Hecht, daß der Gedanke, daß der 
Schuldner, um zu haften, für sich selbst die Garantie übernahm, sicher nicht 
gefehlt habe. Was das römische Recht anlangt vgl. Mitteis 1. c. 

19) Ob im übrigen das babylonische Pfandrecht von dem Gesichtspunkt der 
Sachhaftung im germanistischen Sinne beherrscht war, bedarf besonderer Unter- 
suchung. A priori anwahrscheinlich ist diese Annahme gewiß nicht. 

20) Vgl. auch Egg.er, Vermögenshaftung und Hypothek p. 421 und oben 
§ 8 p. 76. 

21) Vgl. neuestens darüber Cuq, nouv. rev. bist. 34 p. 476 f. 

22) Gierke p. 81f. nennt dies ,, Empfangshaftung' 4 , die er allerdings weiter 
faßt, wenn er sie definiert „als rechtsgeschäftliche Haftung für eine Versprechens- 
schuld auf Grund des Empfanges von Vermögenswerten Entgelt für das Ver- 
sprechen". Gegen diese weilen' Passung d^^ Begriffes sowie gegen die Behaup- 
tung Gierkes, daß die Empfangshaftung Vermögenshaftung war, hat jüngst 
v. Amira, Zeiischr. d Savigny-Stü'tung, germ. Mit 81 p, 490 f. Widerspruch er- 



Die Realverträge. 111 

erschwert, daß hier im Gegensatz zu den altbabylonischen und assy- 
rischen Urkunden das Darlehen als selbständige Urkundsform fast 
völlig verschwunden ist. Sein Platz wird eingenommen von dem ab- 
strakten Verpflichtuugsschein (ii-il-tini), dessen causa in der Regel aller- 
dings das Darlehen sein wird, der aber auch einen anderen Schuldgrund 
haben kann und der in seiner typischen Form: x sa A ina eli (muhhi) B 
— B inamdin „x (Betrag), gehörig dem A (Gläubiger), lastend auf 
B (Schuldner) — B wird leisten" vor allem das Dasein einer Schuld 
und die Verpflichtung zu deren Erfüllung beurkundet. Jedenfalls 
enthält er nichts von einem Realvertrag. Anders liegt die Sache bei 
dem noch aus sumerischer Zeit stammenden altbabylonischen Darlehens- 
formular. Es lautet, abgesehen von Varianten, in seiner verbreitetsten 
Gestalt 23 ): x — KI (IM) Ä (Gläubiger) B (Schuldner) SÜ-BA-AN- 
-TI (üteqi) — NI-LAL-E (isaqal), beziehungsweise bei Natura- 
lien: NI-BAM-E (imadüd) „x (die Darlehensvaluta) — hat von 
A B genommen — er (B) wird darwägen" (Silber), beziehungsweise 
„zumessen" (Getreide). 2 *) Hier ist der Realvertrag klar ausgeprägt. 
Das Gleiche gilt von den assyrischen Urkunden. Das Darlehens- 
formular 25 J besagt hier, daß die „Darlehensvaluta, gehörig (so) dem 
A (Gläubiger) zur Verfügung, im Besitze (ina päni) des B (Schuldner)" 
sei, woran sich die Verpflichtung zur Rückgabe schließt. Wie in den 
altbabylonischen Texten das SU-BA-AN-TI, so bezeugt hier das ina 
pdni, daß re contrahitur. Es findet sich nun meines Wissens in den 
überaus zahlreichen Darlehensurkunden, die wir aus altbabylonischer 
und assyrischer Zeit besitzen, nicht der geringste Anhaltspunkt, daß 
zur Begründung einer Haftung Bürgschaft oder Selbstbürgschaft er- 
forderlich gewesen wäre. Gelegentlich, aber sowohl relativ wie 
absolut selten, tritt allerdings ein Bürge für den Darlehensschuldner 
ein. 26 ) Allein daraus folgt natürlich nicht, daß die Verbürgung not- 



hoben. Es kann nicht meine Aufgabe sein, zu dieser Kontroverse Stellung zu 
nehmen. Das im Text Gesagte ist nicht Gegenstand des Streites. Vgl. neuesten» 
auch H. Meyer, Festschrift für Gierke p. 983f. Für das römische Recht vgl. 
Mitteis, a.a.O. p. 116, für das griechische Partsch p. 83f. 

23) Vgl. auch Schorr, AR I p. 42, Poebel, BE VI 2 p. 41f., Cuq, nouv. 
rev. hist. 34 p. 438. 

24) Ein ähnliches Formular weisen auch die neuestens von Huber, Fest- 
schrift für Hilprecht p. 189f. veröffentlichten und besprochenen noch älteren sume- 
rischen Darlehensverträge aus Nippur auf, die der Zeit der Könige von Ur 
angehören. 

25) Vgl. Johns, ADD III p. 5 f. 

26) Die Belege aus den altbabylonischen Texten siehe oben §§ 1 und 2. 
Das assyrische Quellenmaterial ist unten § 22 zusammengestellt. 



112 Der Yerpflichtungsschein. 

wendig war. Vielmehr beweist gerade die Seltenheit ihres Vorkommens, 
daß sie nur ein accidentale negotii war. Jedenfalls besteht nicht der 
geringste Grund, anzunehmen, daß das Darlehensformular in der über- 
lieferten Gestalt nicht seit jeher genügt habe, den Schuldner für die 
Rückgabe des Darlehens haftbar zu machen. 

Der in den neubabylonischen Urkunden dominierende abstrakte 
Verpflichtungsschein hat übrigens seinen Vorläufer schon im alt- 
babylonischen Recht. Er begegnet hier, wenngleich nur selten, in 
der Form: Betrag (Silber, Getreide usw.), sa A (Gläubiger) eli B 
(Schuldner) im (irsu), — B NI-LAL-E (isaqal), beziehungsweise bei 
Naturalien NI-RAM-E (imadad) „Betrag, welchen A lastend auf B 
hat (genommen hat), — B wird darwägen (zumessen)".'- 7 ) Die Ent- 
wicklung scheint demnach die gewesen zu sein, daß der abstrakte 
Verpfliehtungsschein die Darlehensurkunde aus der Urkundenpraxis 
allmählich fast ganz verdrängt hat 2s ), wohl ein Zeichen einer fort- 
schreitenden Kommerzialisierung des Rechts. In welcher Weise sich 
im einzelnen dieser Prozeß vollzog, entzieht sich freilich jeder Be- 
urteilung. Wir kennen nur den Anfangs- und den Endpunkt, die Dar- 
lehensurkunde im altbabylonischen, den abstrakten Verpflichtungsschein 
im neubabylonischen Recht. Für die dazwischenliegende Zeit klafft 
in der urkundlichen Überlieferung eine Jahrhunderte umfassende Lücke. 

Die Tatsache, daß der abstrakte Verpflichtungsschein der vor- 
herrschende Urkundentypus des neubabylonischen Rechts ist, zwingt 

27) Beispiele: M. 9, CTlV30d, VS VII 18, 23, 42, 104, BE VI., 27, Sip- 
par 76, 242, Gautier 49, 50, 61, LC 85, 139. Da in der letzteren Urkunde das 
Verburn isü fehlt, so deckt sie sich völlig mit dem Formular der u-il-tim. Wie 
diese, so kann auch der altbabylonische Verpflichtungsschein die Angabe der 
Kausa enthalten. Z. B. Kommenda: CT IV 30 d, Pachtzinsschuld (büat eqlim): 
LC 85, 139, VS VII 18, Kaufpreisschuld: BE VI, 27, VS VII 42. 

28) Völlig verschwunden scheint indessen die Darlehensurkunde auch in der 
neubabylonischen Zeit nicht zu sein. Vereinzelt begegnen auch hier noch Ur- # 
künden über Geld oder vertretbare Sachen, die sich in der Form mit den Ver- 
pflichtungsscheinen decken, nur daß vor dem Namen des Schuldners ßtatt ina 
eli ina päni steht. Vgl. z.B. Nbk. 3, Nbn. 241. Ina päni kann in dieser Ver- 
bindung ebenso wie in den assyrischen Darlehensurkunden wohl nur besagen, 
daß die Darlehensvaluta in Besitz und Eigentum des Schuldners übergegangen 
sei. Häufiger sind andere Texte, in denen erklärt wird, daß Geld, Getreide, 
Vieh oder andere Sachen ina päni einer Person seien, ohne daß im Anschlüsse 
daran eine Verpflichtung zur Rückgabe normiert wird. Vgl. z. B. Nbk. 6, 20 
(KB IV p. 180 II), 24, 81, 99, 146, 229 (KB IV p. 192 XIX , 238; Nbn. 226 KB IV 
p. 226 XXII), 255, 1 10 K B IV p. 2 10 XXX VII), 486 (KB IV p. 242 XXXIX), 74."., 
810 (KB IV p. 248 XLIX), 872, 1024, 1053, Cyr. 18. Wie diese Urkunden zu er- 
klären sind, steht dahin. Das Material, das derzeit dem Juristen zur Verfügung 
steht, ist zu gering, um eine erfolgreiche Untersuchung dieser Frage zu ge- 
währleisten. 



Der Verpflichtungsschein. 113 

uns noch zu einer weiteren Einschränkung der Hypothese, daß das 
Schuldversprechen als solches ursprünglich keine Haftung erzeugte, 
und zwar zu einer Einschränkung im zeitlichen Sinne. Die Hypothese 
kann nämlich nur für die älteste Zeit aufrecht erhalten werden. Es 
unterliegt m. E. keinem Zweifel, daß im neubabylonischen Recht der- 
jenigen Zeit, aus welcher wir überhaupt Rechtsurkunden besitzen, an 
das Schuldversprechen im allgemeinen sich ipso iure bereits auch die 
Haftung knüpfte, ein Ergebnis, zu dem ja auch die germanischen 
Rechte schließlich gelangt sind. 29 ) Schon eine Vergleichung der Er- 
füllungsübernahmen in Nbk 387 und BV 74 (oben p. 106 f.), von denen 
die eine unter Selbstbürgschaft des Übernehmers erfolgt, die andere nicht, 
zeigt, daß die Verbürgung zur Begründung der Haftung des Schuldners 
später nicht mehr notwendig war. Denn es ist kaum wahrscheinlich, 
daß in BV 74 der Übernehmer überhaupt nicht gehaftet haben sollte, 
weil er nicht für sich bürgte. Völlig unglaublich aber wird diese 
Annahme eben durch die zahlreichen Verpflichtungsscheine, in denen, 
ohne daß eine bürgschaftliche oder Pfandhaftung vereinbart ist, lediglich 
beurkundet wird, daß dem Gläubiger eine Forderung zustehe, die der 
Schuldner zu erfüllen habe. Es ist ganz undenkbar, daß der Gläubiger 
hier, weil rechtsgeschäftlich eine Haftung besonders nicht ausgemacht 
worden war, keine Befugnis zur Vollstreckung gehabt haben sollte. 30 ) 

§ 12. 
Durch das eben gewonnene Ergebnis gewinnt aber gerade der 
abstrakte Verpflichtungsschein für uns ein erhöhtes Interesse. Er 
beurkundet ein Schuldversprechen. Das ist aber gerade derjenige 
Fall, für welchen der oben (p. 109) hypothetisch formulierte Rechts- 
satz, daß das Schuldversprechen als solches keine Haftung erzeuge, 
wenigstens ursprünglich gegolten haben soll. Wenn sich nun ergeben 
hat, daß in geschichtlicher Zeit dem Schuldversprechen kraft Rechtens 
auch die Haftung zur Seite stand, so muß unsere Hypothese entweder 
als falsch oder doch wenigstens als willkürlich bezeichnet werden, 
oder wir müssen imstande sein, gerade beim Verpflichtungsschein die 
ursprüngliche Trennung von Schuld und Haftung, sei es auch nur 
noch in Spuren, nachzuweisen. 



29) Vgl. Gierke p. 209, 243f., Strohal, Schuldübernahme p. 51. 

30) Dieselben Erwägungen für das Recht der Papyri neuestens bei Ma- 
nigk, Festschrift für Güterbock p. 292 f., der aber übersieht, daß die Sävsiov- 
Urkunde einen Realkontrakt beurkundet und demnach auch der Gesichtspunkt 
•der Empfangshaftung platzgreifen könnte. 

Koschaker: Babylon -assyr. BUrgschaftsrecht. 8 



114 Schema des Verpflichtungsscheins. 

Der erste Eindruck, den man bei der Betrachtung des Schemas des 
Yerpflichtungsscheins gewinnt, scheint allerdings dieser Erwartung nicht 
zu entsprechen. Es charakterisiert, wie schon ausgeführt wurde, die 
Forderung; des Gläubigers als „Betrag, gehörig dem Gläubiger, lastend auf 
dem Schuldner", oder, wie die ausführlichere Fassung der verwandten 
altbabylonischen Urkunden lautet: „Betrag, welchen der Gläubiger, auf 
dem Schuldner (genommen) hat/' Man könnte nun versucht sein, 
darin die Charakterisierung der Schuld gerade in dem oben p. 109 
angegebenen Sinne zu sehen, wenn man annimmt, daß durch diese 
Formeln die Schuld als auf dem Schuldner lastendes Vermögens- 
passivum bezeichnet werden sollte. In dieser Annahme vermag es uns 
nur zu bestärken, daß dieselbe Ausdrucksweise auch in den norwegi- 
sehen Rechtsquellen begegnet. 1 ) Die Analogie geht sogar noch weiter. 
Die nordischen Rechtsquellen nennen die „Schuld" des Gläubigers im 
Sinne eines Bekommensollens 2 ) ein „Nehmen" oder ein „Haben", d. h. 
ein „Guthaben". 3 ) Ganz dieselbe Vorstellung liegt sicher auch der 
Formulierung der altbabylonischen Verpflichtungsscheine zugrunde, 
daß der Gläubiger den geschuldeten Betrag auf dem Schuldner „habe" 
(tsu) oder „genommen habe" (irsü). 4 ') Allein wenn nach der 
Sprache der Urkunden dieses „Haben" oder „Nehmen" des Gläubigers 
„auf dem Schuldner lastet", so würde man m. E. der Bedeutung dieser 
Ausdrucksweise nicht ganz gerecht werden, wollte man darin lediglich 
die Bezeichnung des Schuldners als Passivsubjekt des gläubigerischen 
Bekommensollens erblicken in dem Sinne, daß die Gläubigerschuld 
als Vermögenspassivum auf dem Schuldner laste. Die altbabylonische 
Rechtssprache belehrt uns vielmehr, daß ein derartiges „Haben" auch 
auf einer Sache lasten könne. Allerdings begegnet die letztere 
Ausdrucksweise nur in negativer Form in Verzichtsklauseln, in denen 
erklärt wird, daß einer Person auf (eli) eine Sache (Grundstück, 
Haus usw.) kein Recht zustehe, daß sie auf dieser Sache „nichts habe" 



1) „Indem sie (die Schuld) das Kapital mindert, 'geht die Schuld ins Gut', 
sie 'kommt darauf, sie 'ist' oder 'lastet darauf": v. Amira II p. 68. 

2) Nach Auffassung des germanischen Rechts „schuldet" auch der Gläu- 
biger, indem er die Leistung vom Schuldner bekommen soll. Vgl. v. Amira I 
p. 36, II p. 68, Puntschart p. 211 f., Gierke p. 8. 

3) v. Amira I p. 44f., 48, II p. 68 f. 

4) Davon die m. W. erst in der neubabylonischen Rechtssprache bege- 
gnenden Termini räsü „Gläubiger", rämtu ..Forderung", genauer die ßlS ubiger- 
schuld, das 'Guthaben'. So übersetzen auch etymologisch wie juristisch korrekt 
Kohler-Peiser, BR passim. Belege bei Tallquist p. 129. Vgl. auch Feucht- 
wang, ZA VI p. 444. 



Persönliche Haftung des Schuldners. 115 

{minima ul isu). 6 ) Welcher Natur die Rechte sind, auf die hier Ver- 
zicht geleistet wird, mag im einzelnen Falle zweifelhaft sein. Daß 
die Klausel aber auch dingliche Rechte umfassen kann, lehren 
Warka 68 und 103 (= M. 66 und 67). 6 ) Denn wenn in diesen Ver- 
trägen, in denen es sich um die Bestellung eines superfiziarischen 
Rechtes handelt, der Superfiziar erklärt: eli bltim minima ul im 
(Warka 68 10 , 103 9 ) „auf das Haus habe er kein Recht", so kann das 
nur heißen, daß dem Superfiziar das Eigentumsrecht an dem von 
ihm erbauten Hause nicht zustehen solle. 7 ) Ja noch mehr. Die alt- 
babylonischen Freilassungsurkunden enthalten die stehende, auf die 
Verwandten des Manumissors bezügliche Klausel: mamman mimma 
disu ul im „niemand hat irgend ein Recht auf ihn" (nämlich den 
Freigelassenen). 8 ) Dem Zusammenhange nach kann sich dieser Ver- 
zicht wohl nur auf etwaige Beispruchsrechte der Verwandten des 
Manumissors beziehen. Trifft aber diese Erklärung zu, so kann die 
Person (des Freigelassenen), auf (eli) welcher dieser Anspruch lastet, 
nicht Passivsubjekt, sondern nur Objekt zu ihm sei. Es wäre aber 
willkürlich, für die identische Ausdrucksweise der Verpflichtungs- 
scheine das Gegenteil anzunehmen. 

Nun sagen wir auch heute noch, daß 'ein Grundstück mit einer 
Summe belastet sei', daß c ein Betrag von so und soviel auf einem 
Grundstücke laste oder Hege', und meinen damit, daß für die Schuld 
von diesem Betrag das Grundstück als Pfand hafte. Das gibt uns 
nun m. E. auch den Schlüssel zum Verständnis des Formulars des 
Verpflichtungsscheins. Denn wenn die Schuldurkunde aussagt, daß 
der Gegenstand der Schuld auf dem Schuldner laste, daß der Gläu- 
biger ihn auf dem Schuldner (genommen) habe, und wenn hierbei, 
wie eben festgestellt wurde, die Person des Schuldners nicht als Sub- 
jekt, sondern als Objekt der gläubigerischen Forderung zu denken ist, 
so kann das offenbar nur heißen, daß die Person des Schuldners 



5) So in Prozeßurkunden: Warka 9 16 (=M. 41), 38 14 (= M. 39), Teilungs- 
urkunden: Warka 20, 21 (= M. 44), 35 13 (= M. 109), 40 14 , 44 21 (= M. 78), 
Gautier 33 12 . 

6) Vgl. zu diesen Urkunden Ko schaker, Grünhuts Zeitschr. 35 p. 391, 
Kohler-Ungnad, H. G. III p. 242, Cuq, nouv. rev. hist. 32 p. 486 f. 

7) Das Stockwerkseigentum, dessen Existenz bei dieser Erklärung voraus- 
zusetzen ist, svar dem babylonischen Hechte bekannt. Vgl. Koschaker 1. c. 
Auf dingliche Rechte wird es sich wohl auch beziehen, wenn in Teilungsurkunden 
die eine Partei erklärt, daß sie am Anteil der anderen nunmehr kein Recht habe. 

8) Vgl. CT II 33 10 , 40b 4 , IV42a 16 , VI 26a 17 , VIII 29a 10 , 29b 7 , 48a n , BE 
Vli 17 26 , VS VIII 55 9 , G. 14 (dazu die Verbesserungen Schorrs, WZKM 24 
p. 330f.), LC 67 n , 68 10 , 69 13)16 . Vgl. ferner Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 433. 

8* 



116 Persönliche Haftung des Schuldners. 

für dieses 'Nehmen' und 'Haben' des Gläubigers, d. h. für 
die Gläubigerschuld wie ein Pfand hafte. Das Formular des 
Verpflichtungsscheins bringt demnach nicht nur die Schuld, sondern 
auch das Haftungsverhältnis zum Ausdruck, und zwar kann das 
letztere, soweit nach dem Wortlaute ein Schluß gestattet ist, nur in 
der persönlichen (leiblichen) Haftung des Schuldners bestanden haben. 
Beachtenswert ist in dieser Hinsicht auch die in den assyrischen 
Pfandverträgen über Sklaven begegnende Klausel, durch die der Ver- 
pfänder die Gefahr des Todes und der Flucht des verpfändeten Sklaven 
auf sich nimmt. Sie lautet mitu halgu ina eli belisu „Tod (und) 
Flucht (lastet) auf seinem, d. h. des Sklaven, Herrn". 9 ) Die Über- 
setzung „für Tod und Flucht haftet sein Herr" drängt sich geradezu 
auf. Daß nun in der Tat ein Haftungs Verhältnis und zwar im Sinne 
der persönlichen Haftung vorliegt, machen in hohem Grade wahr- 
scheinlich die neubabylonischen Sklavenkaufverträge, in denen eine 
verwandte Garantieübernahme des Verkäufers oder eines Dritten direkt 
als Verbürgung bezeichnet wird. 10 ) 11 ) Das alles schließt natürlich 
nicht aus, daß später sich dieser aus dem Verpflichtungsschein ent- 
springenden leiblichen Haftung auch die Vermögenshaftung ange- 
schlossen, ja sogar sie verdrängt hat. 12 ) 



9) Vgl. ADD 61 G , 63 9 , 66 14 , 67 9 , 68 u und Johns, ADD III p. 8'J. 

10) Vgl. unten § 17, ferner Nbk. 346 (BR I p. 5) Z. 8 f.: pu-ut hi-li-qu u 
mi-tu-tu sa S (des verkauften Sklaven) . . . V 1 u V 2 (die Verkäufer) na-as-su-u 
„für Flucht und Tod des S . . . sind V lt und V, Bürgen". 

11) Obwohl die sogenannten kappadokischen Urkunden, da sie für eine 
juristische Untersuchung noch nicht genügend aufgehellt sind, für die vorliegende 
Darstellung nicht in Betracht gezogen werden können, kann ich es mir doch 
nicht versagen, hier auf eine von ihnen, die Peiser, KB IV p. 54 VII publiziert 
hat, hinzuweisen. Es handelt sich um mehrere Personen, die als Schuldknechte 
für eine Geldsumme dem Gläubiger haften. Die Urkunde drückt dies Z. 19 f. 
folgendermaßen aus: laspu i-na (20) ga-ga-ad lq-ri-a, A-gab-su, (21) Si-ni-e-Su, 
bit, be-se-su-nu (22) u a-la-ni-su-wu ra-ki-is „das Silber ist auf (20) das Haupt 
des Iqria, des Agabsu (21) (und) des Sinesu, auf das Haus, ihre Habe (22) und 
ihre Dörfer gebunden", d. h. offenbar: für das Geld haften Iqria usw. persön- 
lich und außerdem mit ihrem Vermögen. Es handelt sich um dieselbe Vorstellung, 
die auch dem Formular des Verpflichtungsscheines zugrunde liegt, nur daß sie hier 
noch viel konkreter zum Ausdruck gebracht wird. 

12) Der K. H gebraucht an drei Stellen (§113 Z. 75f., §114 Z. 17f., §115 
Z. 26f.) die Phrase awilum eli awilim se'am ü Jcaspam isü „jemand hat auf einem 
anderen Getreide oder Silber", und zwar verbietet § 113 die eigenmächtige Vcr- 
mögensexekution des Gläubigers, während die §§ 114—116 den Fall behandeln, 
daß der Gläubiger eine Pfandperson (niputum) zu seiner Befriedigung in die 
Knechtschaft abführt, also sich auf die Personalexekution beziehen. Die §§ 1 13 f. 
begreifen indessen unter der angegebenen Redewendung jedenfalls auch das 
Darlehen. Denn in den §§113, 116 wird dem Gläubiger unter gewissen Vor- 






U-ü-tim. 117 

§ 13. 

Führt also die Betrachtung des Formulars des abstrakten Ver- 
pflichtungsscheins zum Ergebnis, daß ihm die persönliche (leibliche) 
Haftung des Schuldners von Haus aus eigen gewesen sein muß, so 
folgt m. E. dasselbe auch aus der für ihn verwendeten technischen 
Bezeichnung-sweise. Ich muß allerdings zu diesem Zwecke weiter 
ausholen. 

In den neubabylonischen Rechtsurkunden begegnet zahllose Male 
der Ausdruck u-il-tim . 1 ) Er bedeutet, wie man schon längst erkannt 
hat, im allgemeinen 'Schuldschein', und zwar bezeichnet er, was aller- 



aussetzungen der Verlust seiner Forderung als Strafe angedroht, und das Ge- 
setz drückt dies in folgender Weise aus (§ 113 Z. 14f., §116 Z. 51 f.): vna mimnia 
summ mala iddinn itelli „er (der Gläubiger) geht alles dessen, was er gegeben 
hat, was immer es auch sei, verlustig". Nun sind wir zwar angesichts der 
wenig entwickelten Technik des Gesetzes und angesichts des Umstandes, daß der 
altbabylonischen Rechtssprache ein Ausdruck für „Forderung" fehlt, nicht ge- 
zwungen, §§113f. nur auf das Darlehen zu beziehen, aber ebensowenig berech- 
tigt, das Darlehen aus den vom Gesetze behandelten Fällen auszuschließen. Das 
Wahrscheinlichste ist wohl, daß die Redensart „Geld auf jemandem haben" 
nicht mehr bloß die Forderung aus dem abstrakten Verpflichtungsschein, sondern 
überhaupt jede mit Haftung ausgestattete Gläubigerschuld bezeichnete, ein Sprach- 
gebrauch, für den es auch sonst nicht an Belegen fehlt. Vgl. CT II 46: hier 
klagen die Erben des Urra-gämil gegen Erib-Sin Z. 7 f. : a-na mi-im-ma (8) sa 
Ur-ra-ga-mil i-zi-bu (9) u e-li-su ir-su-u „wegen all dessen, (8) was Urra-gämil 
hinterlassen (9) und auf ihm (Erib-Sin) genommen, d. h. von ihm zu fordern 
hatte". (Vgl. im übrigen zur Urkunde Schorr, AR I p. 66 f., Cuq, nouv. xev. 
hist. 33 p. 266 f.) In dem Briefe CT VI 19b (Montgomery 4) berichtet der Ab- 
sender an Erib-Sin, daß er dem Warad-ilisu % Minen Silber gegeben habe mit 
dem Auftrage, sie dem Samajatum auszuzahlen. Warad-Sin hat jedoch den 
Auftrag nicht ausgeführt. Vgl. auch Kohler-Peiser, H. G. I p. 117. Z. 26f. 
wird nun dem Adressaten aufgetragen: 2 / 3 mane kaspi e-li Warad-i-li-su i-m. 

(27) ^Warad-i-li-su sa-ba-at-ma (28) kaspa (30) m-us-ki-il-su-u-ma 

„ 2 / 3 Minen Silber hat er (Samajatum?) auf Warad-ilisu. (27) Den Warad-ilisu 
packe und laß ihn dann (28) das Silber (30) zahlen". Die Rechtsverhält- 
nisse sind nicht ganz klar, zumal die für das Verständnis der Urkunde wichtigen 
Z. 17—21 ganz dunkel sind. Allein jedenfalls zwingt uns nichts, anzunehmen, 
daß die Forderung gegen Warad-ilisu auf einem Verpflichtungsscheine beruhte. 

Wenn die obige Deutung der §§ 113 f. K. H. zutrifft, so mag der Umstand, 
daß das Gesetz auf Grund des Tatbestandes aivilum eli awilim se'am ü kaspam 
im sowohl die Vermögens- wie die Personalexekution zuläßt, als Indiz dafür 
gelten, daß aus dem Verpflichtungsschein schon in altbabylonischer Zeit neben 
der leiblichen Haftung, auf die das Formular zunächst hinweist, auch die Ver- 
mögenshaftung des Schuldners entsprang. 

1) Belege sind gesammelt bei Strassmaier, Alphabetisches Verzeichnis 
der assyrischen und akkadischen Wörter im 2. Bande der f Cuneil'orm inscriptions 
of Western Asia', Leipzig 1882 (Assyriol. Bibl. IV) no. 2430 und Anhang p. 21, 
Meissner, ZA IV p. 68 f., Tallquist p. 33, Delitzsch p. 2. Sie lassen sich 
aber angesichts des heute zugänglichen Materials noch bedeutend vermehren. 



118 U-il-tim = Schuldurkunde. 

dings weniger beachtet wird, technisch die über die abstrakte 

. <2> 

Schuld errichtete Urkunde^ den abstrakten Verpflichtungs- 
schein. 2 ) Die letztere Gleichung folgt zwingeud schon aus dem 
Umstände, daß nach den Quellen die u-il-tim sic h im mer auf eine 
Quantität vertr etbarer Sachen b e zieh t und andrerseits der Urkunden- 
typus, den ich als abstrakten Verpflichtungsschein bezeichne, die 
regelmäßige Form des Summenversprechens im neubabylonischen 
Recht ist. Im übrigen sind die Belege für den Sprachgebrauch 
u-il-tim = Schuldurkunde bekannt. Lediglich zur Orientierung des 
juristischen Lesers seien einige der wichtigsten hier zusammengestellt: 
Soll ausgedrückt werden, daß eine u-il-tim kraftlos sei, so wird ge- 
sagt, sie j sei zerbrochen. Hier kann u il-tim natürlich nur die Ton- 
tafelurkunde bedeuten. 3 ) Derselbe Gedanke nur in anderer Form ist 



2) Über u-il-tim = Sklavenkaufvertrag siehe unten § 17. In den Privat- 
briefen darf man natürlich nicht die korrekte Ausdrucksweise der Urkunden er- 
warten, und so kann man hier mitunter über die Bedeutung von u-il-tim zweifeln. 
Wenn in CT XXII 66 30 (Martin p. 54 f.) von einem Priester sa bit ''"Xergal sa 
muh-hi u-il-tim „des Nergaltempels, welcher ist über die u-il-tim", d. h. welcher 
die Forderungen des Tempels verwaltet, die Rede ist, so liegt wohl eine Be- 
zeichnung a potiori vor. Hingegen weiß ich für CT XXII 243 1S f. (Martin 
p. 161 f.): u-il-tim pi- (14) sa XU-GIS-SAR P>- (15) sabir-ri ndräü p'- (16) a-na 
«'" TJaianu-bel-usur (17) i-din keine Erklärung. Die Übersetzung Martins „les 
comptes (14) des jardiniers (15) des terrains (des bords) des canaux (16) ä 
Daianou-bel-ousour (17) livre" ist keineswegs sicher. CT XXII 234 (Martin 
p. 157 f.) ist ein amtliches Schreiben eines Richterkollegiums an den Priester 
von Sippar um Ausfolgung einiger zur Prozeßentscheidung erforderlicher Doku- 
mente. Z. 25 f.: en-na ri-ka-su (26) sa Gi-mil-lu (27) sa tak-nu-ku u bei di-ni-su 
(28) sa u-il-tim P'-su (29) a-na la-tum ter-tum (30) u-te-e-ri (31) u a-na eli 
di-ni-su (32) sup-ra-am „nun den Vertrag (26) des Gimillu (28), den du siegeltest, 
und seinen Prozeßgegner (28), welcher seine u-il-tim (29) zur .... (Martin: 
pour le prononce de la sentence) (30) zur Verfügung gestellt hat (31) und das 
auf seinen Prozeß (Bezügliche) (32) schicke". Der Sachverhalt läßt sich im ein- 
zelnen nicht ermitteln, da die Urkunde am Anfange sehr lückenhaft ist. In dem 
erwähnten Prozesse scheint es sich um ein Haus zu handeln, das Gimillu — viel- 
leicht auf Kredit — gekauft hat. Ich möchte daher vermuten, daß riküsu in 
Z. 25 das Kaufinstrument, die u-il-tim des Prozeßgegners in Z. 28 aber der Ver- 
pflichtungsschein ist, den der Käufer über den kreditierten Kaufpreis aus- 
gestellt hat. 

3) Vgl. die Redensarten u-il-tim mahritx m) (pänitum) hiptita (hipätum) „die 
frühere u-il-tim ist zerbrochen": Nbk. 60 6 , Nbn. 311 8 , 605 9 , ferner Nbk. 65 7 , 
302 10 , 426 20 ; u-ü-timP 1 - mahretum huppa' „die früheren u-il-tim sind zerbrochen": 
Nbk. 116 n (BR H p. 59), 309 8 , VS IV 10 7 , Nbn. 587 r> ; u-il-timP' ia eli A (Schuld- 
ner) sa ina bit B (Gläubiger) sa illdnu huppa' „die u-il-tim lastend auf A, 
welche in dem Hause des B auftauchen, sind zerbrochen": Nbk. 172 14 (BR I 
p. 22), ähnlich Nbk. 407 6 , BE VIII, 10 10 (p. 30), 17 7 (p. 27), Cyr. 154,;. Als Ana- 
logon siehe die Klausel der altbabylonischen Urkunden: duppum üiamtna ihlnppi 
„eine Tafel (Urkunde), wo sie auftaucht, gilt als zerbrochen": z. B. Warka 108 10 
(== M. 28), CT H 31 16 , VI 33b gs , VIH 32 c n , LC 104 27 . 



U-il-tim = Schuldurkunde. 119 

es, wenn bemerkt wird, daß die u-il-tim, wo immer sie auftaucht, 
demjenigen gehören soll, gegen den sie sich richtet. 4 ) Man bürgt 
in der u-il-tim des Schuldners''), man ist in ihr als Zeuge zugegen 6 ), 
t ut in ih r etwas kund. 7 ) Man liest eine u-il-tim vor den Richtern 
vor 8 ); man kann eine u-il-tim jemandem geben (nadcmu)*), herbei- 
bringen (nasu) 10 ) usw. 

In anderen Redewendungen tritt allerdings für u-il-tim die Be- 
deutung 'Schuldur künde' nicht so klar hervor, so daß man immer- 
hin zweifeln kann. So bei den Verbindungen: u-il-tim sa x (Betrag) 
sa A (Gläubiger) (sa) ina eli (muhhi) B (Schuldner) „u-il-tim über x, 
gehörig dem A, lastend auf B" n ), u-il-tim sa x sa ina eli B „u-il-tim 



4) U-il-timP ! - ma-la ba-su-u sa A (Gläubiger) sa muh-hi B u C, abi-su, 
(Schuldner) sa ina bit A il-la-a-nu, sa B si-na „die u-il-tim, soviel vorhanden 
sind, gehörig dem A, lastend auf B und C, seinem Vater, welche in dem Hause 
des A auftauchen, gehören dem B": Nbk. 320 9 , ähnlich Ner. 36 10 (BR III p. 59), 
Nbn. 122 6 , 260 10 (?), 832 12 . Dazu als Parallele Nbn. 580 10 : duppu sa 1 kur 18 qa 
SEzeri, sa ina bit (11) sa A il-la-, (12) sa B su-u „die Tafel über 1 Kur 18 Qa 
Saatland, welche in dem Hause (11) des A auftaucht, (12) gehört dem B". Vgl. 
ferner BE X 94 12 (p. 33 f.): u-il-tim sa ra-su-tu, (13) sa ina muh-hi A . . . . 
(14) ina bit B te-la-', e-tir-tu (15) si-i „die u-il-tim über das Guthaben, (13) 
welche lastend auf A . . . . (14) in dem Hause des B auftaucht, ist bezahlt". 
Ähnlich BV43 9 . Eine Variante der an erster Stelle angeführten Klausel ist fol- 
gende: u-il-tim asar tanammarru sa A si „die u-il-tim, wo sie gesehen wird, 
gehört dem A": Liv. 82 15 , Ner. 1 1S (KB IV p. 202 I), Nbn. 231 16 , 244 15 . 

5) Nbn. 738 t (BR I p. 3): A, (2) sa B a-ki-i (3) ra-su-tu sa C (4) sa ina eli 
A ina pu-ut e-te-ru (5) ina u-il Um sa C na-su-u „A, (2) bezüglich dessen B ge- 
mäß (3) dem Guthaben des C, (4) lastend auf A für das Zahlen (5) in der u-il- 
-tim des C Bürge ist." 

6) Nbn. 194 6 : A (7) a-na 111 "? 1 " si-bu-u-tu ina u-il-tim (8; sa B a-si-ib ,,A (7) 
ist zur Zeugenschaft in der u-il-tim (8) des B anwesend". Vgl. ferner BV 12 12 
und als Parallele BVl3 8 : itia duppi mahiri sa A($)B a-na si-bu-tu (10) a-si-ib 
„in der Kauftafel des A (9) ist B zur Zeugenschaft (10) anwesend." 

7) Cyr. 332 1S : ina u-il-tim-su-nu u-se-du-u um-ma „in ihrer u-il-tim taten 
sie folgendes kund," dazu als Parallele Nbn. 356 14 (KB IV p. 234 XXXI): ina 
duppi-ia u-se-di „in meiner Tafel tat ich kund." 

8) Nbn. 1128 7 (BR II p. 70): u-il-tim sa A . . . . sa eli B ... . ma-har-su- 
-nu is-tas-su-u „die u-il-tim des A . . . . lastend auf B . . . . hat er vor ihnen (den 
Richtern) vorgelesen." 

9) Nbk. 188,,., 314 8f ., Ev. Mer. 16^, 19 llf (BR HI p. 25, 27), Ner. 9 7f- (BR 
HI p. 26), Nbn. 126 18 , 274 lä , 715 I5 u. a. m. 

10) Z. ß. Nbk. 57 9 (oben § 9 n. 25), Ner. 36 9 (BR IH p. 59), Nbn. 68, f Vgl. 
ferner die Redewendungen: A u-il-tim inassamma ana B inamdin „A wird die 
u-il-tim herbeibringen und dann dem B geben: Nbk. 382 l9 , 387 5 (oben p. 106), 
Ev. Mer. 7, (KB IV p. 200 I), Ner. 30 9 , Nbn. 609 8 , BV 74 2 ; A u-il-tim ki utir 
ittadin „A hat die u-il-tim, um sie zurückzustellen, gegeben": Liv. 19 16f , Ner. 
60 15f (BR III p. 12), Nbn. 669 9 , 742 6 , Camb. 370 lf . (Ziemer, BA IH p. 467), 
Dar.319,, (BR IH p. 33), KA 9 41 . 

11) Die Belege sind außerordentlich zahlreich. Vgl. z. B. Nbk. 142, BR I 



120 U-il-tim = Schuld, Forderung. 

über x lastend auf B" 12 ), ferner bei den in den abstrakten Verpflich- 
tungsscheinen zahllose Male begegnenden Vorbehaltsklauseln 12a ) : elat 
u-il-tim mahrUim (sa x) „außer der früheren u-il-tim (über x)" 13 ), 
elat u-il-tim (mahrUim sa x) sa ina eli A (Schuldner) „außer der 
(früheren) u-il-tim (über x) lastend auf A (Schuldner)". 14 ) Man kann, 
wenn man den heutigen Sprachgebrauch zugrunde legt, hier für 
u-il-tim den Wert „Forderung" einsetzen, um zu einer befriedigenden 
Übersetzung zu gelangen, man kann aber auch für diese Redewen- 
dungen, abgesehen von der ersten, mit der Bedeutung „Schuld" für 
u-il-tim. das Auslangen finden, wobei man natürlich an Forderungen 
und Schulden aus abstrakten Verpflichtungsscheinen zu denken hat. 
Die Ungewißheit wird jedoch behoben, wenn man z. B. in Ev. Mer. 
19nf. (BR III p. 27) liest: u-il-tim sa % manu [laspi sa] (12) A sa 
eli B (13) C, märu-su, a-(na)> D (14) id-din „die u-il Um über 2 / 3 Minen 
[Silber, gehörig dem] (12) A, lastend auf B, (13) hat C, sein (des A) 
Sohn, dem D (14) gegeben" 15 ) oder in Ner. 9 7f . (BR III p. 26): u-il-tim 
(8) sa 52y 2 siqil kaspi sa eli A (9) (B) a-na C id-din „die u-il-tim 
(8) über 52Y 2 Sekel Silber, lastend auf A, (9) hat (B, der Gläubiger) 
dem C gegeben". 16 ) Hier kann unter u-il-tim nur die Schuldurkunde 
verstanden werden, und es ist sehr wohl möglich, daß diese Bedeutung 
auch den übrigen soeben angeführten Quellenstellen zugrunde zu 
legen ist, zumal sie dort eine befriedigende Übersetzung gestattet. 
Dieselben Zweifel ergeben sich bei folgenden Redewendungen: 

kaspa-a-an 1 / 2 manu a-ki-i (6) u-ü-tim-su ina qdtä A (8) e-tir 

„an Silber x / 2 Mine ist er (der Gläubiger) gemäß (6) seiner Forderung 
von A . . . (8) bezahlt: BV 13 5f . 17 ). 



p. 21), 191,, 196,, 212,, 232 8 , 302 10 ; Ev. Mer. 7, (KB IV p. 200 I), 19,, (BR III 
p. 27); Nbn. 3, , 70 10 , 95 8 , 720 4 , 1025,; Cyr. 169,, 172,, 242 5 ; BV 13,, 14,, 39,, 
82, usw. 

12) Z. B. Nbk. 271,, 301„ 7 , 318,; Ner. 9 7 (BR UI p. 26); Nbn. 690 15 ; BV 31 4r 
CT XXII 98 8 (Martin p. 80). " 

12 a) Vgl. oben p. 80 f. 

13) Nbk. 281 7 , 424 8 ; Ner. 10 8 , 67 7 ; Nbn. 325,. (BR I p. 14), 344 9 , 369 7 (BR I 
p. 14), 395 7 , 461 6 , 480 8 , 623 c , C02 6 , 787, r „ 802 8 , 813 f) , 85ö s , 875 9 , 1110 4 ; Cyr. 172 13 , 
321 (Demuth, BA III p. 395); App. 4 13 , BV 15 c , BE IX 31 (Kotalla, BA IV 
p. 562) usw. 

14) Z. B. Ner. 66, 4 , 71 8 ; Nbn. 294 6 , 346 7 , 663 n , S17, 3 , 838 6 (BR I p. 1), 
1005 f) , 1125 8 . 

15) Vgl. zum Tatbestand der Urkunde die Ausführungen oben § 4 p. 39 f. 

16) Ähnliche Formulierungen in Nbk. 188,, 314 8 , Nbn. 609 8 , Ev. Mer. 7, 
(KB IV p. 200 I), CT XXII 98 8 . 

17; A ist der Käufer des dem Gläubiger verpfändeten Hauses und zahlt 
in Anrechnung auf den Kaufpreis die Pfandschuld. Vgl. ferner Nbk. 232 8 : u-il- 



U-il-tim = Schuld, Forderung. 121 

A (Schuldner) aM u-il-tim ana B (Gläubiger) inamdin „A wird 
gemäß der Schuld (Forderung) dem B geben". 1 *! 

x (Betrag) aM u-il-tim sa A (Gläubiger) B (Schuldner) inamdin 
„x wird gemäß der Forderung des A B geben". 19 ) 

Orki-i u-il-tim-su mah-ri-tum sa 1 manu 1 siqil haspi SE-BAM 
a-na A (Gläubigen i-nam-din „gemäß seiner früheren Schuld über 
1 Mine 1 Sekel Silber wird er (der Schuldner) Getreide dem A geben": 
Nbn. 1057 8f . 

Ferner bei den Quittungserklärungen: 

ina u-il-tim sa x sa A (Gläubiger) sa ina eli B (Schuldner) %j A 
mahir „auf die Forderung über x, gehörig dem A, lastend auf B, 
hat y A erhalten". 20 ) 

ina u-il-tim-su sa SE-BAR sa eli [A] (Schuldner) B (Gläubiger) 
in-ni-it-tir „für seine Forderung über Getreide, lastend auf [A], ist 
B bezahlt": Nbk. 188 9f . 

Jcaspa sa u-il-tim sa x A (Gläubiger) mahir „das Geld der For- 
derung (Schuld) über x hat A erhalten". 21 ) 

u-il-tim sa x sa ina eli A (Schuldner) etirtum „die Schuld (For- 
derung) über x, lastend auf A, ist bezahlt". 22 ) 

ii-il-timP'- (sie) mah-ri-tum sa A (Schuldner) ina bit B u C (Gläu- 
biger) e-tir-tum „die frühere Schuld des A in dem Hause des B und 
des C ist bezahlt": BV 43 9f . 

Indessen ist auch bei diesen Phrasen eine zu ihrem Verständnis 
ausreichende Übersetzung möglich, wenn man für u-il-tim die Bedeu- 
tung „Schuldurkunde" einsetzt. 23 ) 

Wenn wir in den p. 119f. mitgeteilten Redewendungen u-il-tim 
häufig mit 'Forderung' übersetzen konnten, so darf es uns nicht über- 
raschen, daß der terminus technicus, den die neubabylonische Rechts- 



-tim sa x sa A sa ina eli B A e-tir „bezüglich der Forderung über x, gehörig 
dem A, lastend auf B, ist A bezahlt." 

18) Nbk. 366^ (oben p. 46f.), Nbn. 600 18 . 

19) Nbn. 7 13 , 616 8 , vgl. auch Nbk. 48j (BR IV p. 86). 

20) Diese Formel begegnet mit Varianten in der Regel bei der Beurkun- 
dung von Teilzahlungen. Vgl. Nbk. 191 15 212,, Lab. 3 11 5j (KB IV p. 206), Nbn. 
90j, 95 c , 524j, 742 n Cyr. 242j (Demuth, BA III p. 410), 32:\, 346, (Demuth, 
a. a. 0. p. 407), BV 14,, 82j. Warum ina u-il-tim hier „kraft der Schuldforderung" 
bedeuten soll, wie Demuth, a. a. 0. p. 407 will, ist nicht einzusehen. 

21) Nbk. 59 8 , Ev. Mer. 16 8 (BR EI p. 25). 

22) Nbk. 232 u , Nbn. 690 16 , Liv. 169 12 . Vgl. ferner BE X 94 1S! (oben n. 4). 

23) Mitunter ist dies sogar notwendig, wie z. B. gerade in der zuletzt an- 
geführten Urkunde BV 43, wo auf die im Text mitgeteilte Bestimmung noch die 
Bemerkung folgt: sa A si-i „sie (d. h. die Schuldurkunde) gehört dem A". 



122 räsutu. 

spräche für 'Forderung', richtiger die c Gläubigerschuld', kennt, näm- 
lich räsutu vielfach in ganz ähnlichen Verbindungen nachzuweisen ist. 
Ich führe hier ohne Gewähr für Vollständigkeit folgende an 24 ): 

(x) räsutu sa A (Gläubiger) (sa) ina eli (muhhi) B (Schuldner) 
„x, Forderung des A, lastend auf B". 25 ) 

etat räsutu (mdhrttum) sa A sa ina eli B „vorbehaltlich der 
(früheren) Forderung des A, lastend auf B". 26 ) 

x A (Gläubiger) ina räsutisu sa ina eli B (Schuldner) mahir „x 
hat A auf seine Forderung, lastend auf B, erhalten". 27 ) 

ra-su-tu gab-bi e-tir „bezüglich der ganzen Forderung ist er (der 
Gläubiger) befriedigt": Nbk. 172 6 (BR I p. 22). 2S ) 

kaspu (suluppu etc.) räsutu sa A (sa eli B) „das Silber (die 
Datteln etc.) ist die Forderung des A (lastend auf B)". 29 ) 

Das vorstehende Quellenmaterial ergibt für u-il-tim zunächst die 
Bedeutung „Schuldschein", mit der man so ziemlich in allen Fällen 
zu einer befriedigenden Übersetzung gelangt. Im übrigen ist aber 
auch die Bedeutung Schuld oder Forderung möglich, so daß u-il-tim 
das Schuldverhältnis sowohl nach seiner passiven wie aktiven Seite 
hin zu bezeichnen scheint. Der letztere Umstand legt es nun nahe, 
u-il-tim mit der 'Schuld' der germanischen Rechtsquellen zu ver- 
gleichen, die sich ja ebenso auf das Bekommensollen des Gläubigers 
wie das Leistensollen des Schuldners bezieht. 30 ) Man verstünde es 
so, wenn in den Urkunden von einer u-il-tim sowohl des Gläubigers 
wie des Schuldners die Rede ist. Daß daneben die Quellen einen 
eigenen Terminus für die Gläubigerschuld kennen, ist kein Gegen- 
argument, ebenso wie es sich mit Rücksicht auf den allgemeinen 



24) Material bei Tallquist p. 129, Meissner, ZA IV p. 68f., Delitzsch 
p. 629, Muss-Arnolt p. 990. 

25) Vgl. z. ß. Nbk. 7,, Ö7 X , 172 u , 185 1 ; Ev. Mer. I9 lt 22! (BR III p. 27): Ner. 
36 x (BR III p. 59); Nbn. 134,, 270 t (BR IV p. 8), 669^ 688,, 738 3 (BR I p. 3), 1128 s 
(BR II p. 70); BV16,,, 36 8 , 150 8 . 

26) Z. B. Nbn. 71 7 , 138 8 , 148 7 , 253 5 (BR III p. 54), 427 9 , 678 17 , 715 6 , 820 6 : 
Camb. 15 9 , 164 9 (Ziemer, BA III p. 471, 410). 

27) Nbn. 134„, 373,, Cyr. 245 s (Demutta, BA III p. 410). 

28) Vgl. auch Nbk. 141 10 : ra-su-tu gab-bi it-ru-' „bezüglich der ganzen 
Forderung sind sie (die Gläubiger) befriedigt," ferner die in den Pfandurkunden 
aus Nippur begegnende Klausel: räsu ianamma ana muhhi ul isallat udi A 
(Gläubiger) nimssu itniittir (isallim) „ein anderer Gläubiger wird darüber (d. h. 
über das Pfand) nicht verfügen, bis daß A bezüglich seiner Forderung befriedigt 
ist": BE IX 9, 19,22, 31, 91, 92, 93, 95, 96, 97, 103, 104, 105, sämtlicbe bei 
Kotalla, BAIV p. 555f. 

29) Nbn. 231 18 (BR IV p. 64), 376 8 , 619 7 (Marx, BA IV p. 50), 715 8 , BV 102 sl . 

30) Vgl. v. Amira I p. 33, 36, II p. 68f., Puntschart p. 211f. 



U-AX-TIM oder u-il-tim? 123 

Brauch, die Verträge zu beurkunden, erklären ließe, daß u-il-tim 
schließlich die Schuldurkunde bezeichnete. Hingegen bietet allerdings 
der Umstand, daß u-il-tim technisch die Verpflichtung beziehungsweise 
Berechtigung aus dem abstrakten Schuldversprechen bezeichnet, eine 
Schwierigkeit, die sich m. E. kaum überwinden läßt, Soll u il-tim 
ein Ausdruck für „Schuld" schlechthin gewesen sein, so ließe es sich 
nicht begreifen, warum der Terminus auf den abstrakten Verpflich- 
tungsschein beschränkt blieb. Den Ausschlag aber gibt die Ety- 
mologie des Wortes. 

Nun besteht allerdings gerade in dieser Frage unter den Assyrio- 
logen keine Einigkeit. Man las das Wort früher Ü-AN-TIM, sah es 
also als Ideogramm an 81 ), dessen semitische Lesung man freilich mit 
Sicherheit nicht anzugeben wußte. Oppert schlug zuerst rikm 3 *) 
und später rdsütu als semitisches Äquivalent des Ideogramms vor. 
Von diesen Lesungen ist die letztere jedenfalls unrichtig, da die 
Quellen, . wenngleich Ü- AN -TIM und räsutu, wie die p. 122 an- 
geführten Redensarten ergeben, vielfach in ganz ähnlicher Verwendung 
begegnen, doch an anderen Stellen zwischen beiden Worten deutlich 
unterscheiden 33 ), die erstere aber mindestens sehr unwahrscheinlich. 
Denn selbst wenn man davon absieht, daß rilcsu nur der dritten Silbe 
des Ideogramms entspricht, während seine beiden anderen Elemente 

31) So namentlich Oppert, ZA I p. 306, IV p. 400f., VI p. 108 n. 1, p. -281 f. 
Strassmaier , alphabetisches Verzeichnis der assyrischen und akkadischen 
Wörter, Anhang p. 21 und ZA IV p. 124 n. 1. 

32) Wegen TIM = rakäsu. Vgl. ZA I p. 306. Übrigens könnte, da Ü-AX- 
-TIM zweifellos als Femininum gebraucht wird, wohl nur die feminine Form 
riJnstum in Frage kommen. 

33) Vgl. KA 9 Z. 38: U-AX-TIM-MES sa kaspi pisu-u .... ra-su-tu (39) 
sa Tdb-tum . . . . sa ina eli (40) Hu Uras-usallim .... (41) .... U-AX-TIM-MES 
Tdb-tum, (42) Iddina-H"Xabu u Ku-sur-ra-a lei-i u-tir(-ir)-' (43) a-na H'<Uras- 
-usallim id-dan-nu-' „die Schuldscheine über weißes Silber . . . ., das Gut- 
haben (39) der Täbtum . . . lastend auf (46) Uras-usallim, . . . (41) . . . (diese) 
Schuldscheine haben Täbtum, (42) Iddina-Nabü und Kusurrä, um sie zurück- 
zustellen, (43) dem Uras-usallim gegeben," auf welche Urkunde schon P eis er, KA 
p. 95 mit Recht aufmerksam gemacht hat. Vgl. auch Meissner, ZA IV p. 69. 
Ähnlich drücken sich Ev. Mer. 16 2f . (BR III p. 25), BV 31 llf ., 74 2f aus. Vgl. 
ferner BE X94 12 (p. 33f., oben n. 4):' U-AX-TIM sa ra-su-tu „der Schuldschein 
über das Guthaben", ebenso BE VIUj 67 7 (p. 32). Besonders signifikant istVSVI 
186 aus der Zeit Darius' II. (Ungnad, 2. Beiheft zur OLZ p. 26): lu-u u-il-tim 
lu-u (2) gabru u-il-tim lu-u (3) git-ta lu-u (4) {lu-u) sa-ta-ri lu-u minima™* (5) 
ra-su-tu gab-bi (6) sa ina bit »< Xu-ur, muri sa ><« Bel-lu-sur-su, (7) a>m müh-M 
üuBel-usur-su, ahi-su, (8) muri sa nuBel-ku-sur-su, te-el-la-a (9) etir-tum si-i „sei 
es ein Schuldschein oder (2) ein Duplikat eines Schuldscheins, sei es (3) eine 
Urkunde, sei es (4) ein Schriftstück, sei es irgend eine (5) Forderung, (6) die 
im Hause des Nur, Sohnes des Bel-kusursu, (7) lastend auf Bel-usursu, seinem 



124 riksu, rikistum. 

unerklärt bleiben 34 ), so ist doch angesichts der Verwendung des Ter- 
minus riksu in den Rechtsurkunden seine Identifizierung mit TIA A T - 
-TI3I schwerlich zulässig. Riksu — daneben begegnet das Femi- 
ninum rikistu und zwar in der Regel im Plural riksäti — bedeutet 
wörtlich das „Band", die „Bindung" 35 ), und dann technisch den „Ver- 
trag", ferner die 'Vertragsurkunde', ohne daß aber der Terminus an 
eine bestimmte Vertragsspezies gebunden wäre. Er umfaßt vielmehr 
alle möglichen Verträge 36 ), ein Sprachgebrauch, der sich übrigens 



Bruder, (8) Sohn des Bel-kusursu, auftaucht, (9) sie ist beglichen." Das gene- 
ralisierende mimma räsutu in Z. 4/5 scheint zugleich anzudeuten, daß rdsütu 
der weitere Begriff ist, der die Gläubigerschuld aus irgend einem Schuldtitel 
bezeichnet, während sich u-il-tim auf ein Schuldverhältnis bestimmter Art 
bezieht. 

34) Dies hebt Jensen, ZA V p. 292 f. zutreffend hervor. 

35) Von rakäsu = binden. Vgl. Delitzch p. 620, Muss- Arnolt p. 964. 

36) Zum Beweise des im Texte Behaupteten sei auf folgende Stellen hin- 
gewiesen (Material auch bei Tallquist p. 128): BV 8o ß : ri-ik-sa-a-ti-su-nu u- 
-pa-si-su „ihren Vertrag lösten sie auf." Gemeint ist ein Mandat. Vgl. Kohler,. 
Exkurs zu BV p. XLV, ferner ri-ik-su sa na-as-pir-tum „Vertrag der Beauf- 
tragung" in Br. M. 82—7—14, 988 (KB IV p. 320). Vgl. zu dieser Stelle auch 
§17 p. 188 f. In Nbn. 13 7 (KB IV p. 206 II): ri-ik-su sa itti A ir-ku-su „der Vertrag, 
den er mit A geschlossen hat," ergibt der Zusammenhang, daß unter riksu ein 
Kaufvertrag zu verstehen ist, ebenso in CT XXII 234 26 unter rikäsu (vgl. oben 
n. 2). In Nbn. 85 (KB IV p. 216 IX) erklärt A, der ein Haus im Auftrage des 
B gekauft hat, darauf keinen Anspruch zu haben und folgt B die Kaufurkunde 
aus. Z. 12f. ist dann zu lesen: iimu m ". gab-ri ku-nu-uk ma-hi-ri biti i< viiin-ma 
ri-ik-su sa biti su-a-tim ixa biti A lu-u ina a-sar sa-uam-ma it-ta»-ma-ru sa Ii 
su-u „wenn ein Duplikat der Kaufurkunde über das Haus oder irgend eine 
Vertragsurkunde über dieses Haus in dem Hause des A oder an einem 
anderen Orte gefunden wird, so gehört sie dem B." In Nbn. 356 (KB IV p. 234 
XXXI), einer Prozeßurkunde, Z. 29 f.: dup-pa-nu u rik-sa-a-tu sa A tu-ub-la ma- 
-har-su-nu is-tas-su „die Tafeln und Vertragsurkunden, welche die A (die 
Klägerin) gebracht hatte, haben sie vor ihnen (den Richtern) vorgelesen" muß r 
wie der übrige Inhalt der Urkunde lehrt, riksdtu auf verschiedene Verträge 
(Kauf-, Ehe-, Schuldverträge) bezogen werden. Ebenda Z. 39: <S feinen Sklaven) B 
ki-ma rik-sa-a-tum abi-su ta-sal-lim „den S wird die B gemäß dem Vertrage 
ihres Vaters erhalten" ist riksätum eine Schenkung. Das Gleiche gilt, wie der 
Zusammenhang lehrt, für Nbn. 697, 9 (KB IV p. 244 XLTV): sa . , . rik-sa A ir- 
-ku-su-ma a-na B . . . id-di-nu i-hi-ip-ptt^u ^Marduk u < lu Za> -pa->ti-tum hal-la- 
-ki-su liq-bu-u „wer . . . die Vertrags Urkunde, die A errichtet und der B . . . 
gegeben hat, zerbricht, dessen Verderben mögen Marduk und Zarpanitum aus- 
sprechen." In dem Freiheitsprozesse Nbn. 1113 8 (KB IV p. 254 L1X) werden ri- 
-ka-su sa ar-du-u-tu „Verträge der Sklavenschaft", d. h. Urkunden, aus denen sich 
die Unfreiheit des Freiheitsvindikanten ergeben soll, den Richtern vorgelegt. 
Die folgende Aufzählung lehrt nun, daß darunter Kaufverträge, Vertrüge über 
Bestellung einer Mitgift, deren Objekt der Klüger als Sklave bildete, gemeint sind. 
In Xbn. 945 10)U (BV p. 302), 1128 u (BR II p. 70) ist rik-SU $a ,-tiru „Vertrag 
über das Zahlen" eine Quittung. Nbn. 755„ (BR IV p. 26) ri-ik-su it-ti-su ir- 
-ku-su „einen Vertrag hat er mit ihm geschlossen" bezieht sich wahrscheinlich 



U-AN-TIM oder u-ü-tim? 125 

schon für die altbabylonische Zeit nachweisen läßt. 37 ) Auf diesen 
weiten Begriffsinhalt weist ja auch die Etymologie des Wortes hin. 
Wenn der Vertrag 'Bindung' ist, so soll damit wohl ausgedrückt 
werden, daß nach erfolgter Willenseinigung jede Partei an ihr Wort 
gebunden ist, keine mehr vom Vertrage zurücktreten kann. Dieses 
Begriffsmerkmal paßt dann natürlich auf jeden Vertrag. Daß aber 
eine so allgemeine Begriffskategorie auf der anderen Seite mit einem 
so eng eingegrenzten Begriffe wie U-AN-TIM, der im wesentlichen 
nur das Schuldverhältnis aus dem abstrakten Verpflichtungsscheine 
umfaßt, sich decken sollte, ist wohl ausgeschlossen. Will man also 
an der ideographischen Lesung U- AN TIM festhalten, so muß die 
Frage nach dem semitischen Äquivalent des Ideogramms auch heute 
noch als eine offene bezeichnet werden. 

Dem gegenüber haben aber schon Delitzsch in seinem 'assy- 
rischen Wörterbuch' p. 220 und ihm folgend Tallquist p. 33, ferner 
auch Meissner 38 ) die phonetische Lesung ü-an-tim verteidigt. 39 ) Fast 
gleichzeitig und unabhängig voneinander haben dann Peiser, BV 
p. 350 und Jensen, ZA V p. 292 f. die Lesurjg li-d-tim vorgeschlagen. 
Sie ist heutzutage wohl allgemein akzeptiert. Wenigstens wird, so- 

auf einen Ehevertrag. (Vgl. auch unten § 19.) Die Schenkung von Todes- 
wegen Br.M. 84 — 2 — 11, 61, die Kohler-Peiser, BR II p. 20 f. publizierten, 
enthält folgende Bestimmung: bitii, sa duppu mah-ru-u is-tu-ru-ma a-na A 
nmmi-su id-di-mi, ki-i rik-su mah-ru-u pa-ni-su id-dag-gal. ü-rn/u ma-la A bal- 
-ta-tum ki-i rik-si-su mah-ru-u nikasi-su ina päni-su „das Haus, bezüglich dessen 
er (der Erblasser) eine frühere Urkunde geschrieben und dann der A, seiner 
Mutter, gegeben hatte, gehört gemäß dem früheren Vertrage ihr. Solange A 
lebt, wird gemäß dem früheren Vertrage ihr Vermögen in ihrem Besitze sein." 
Welcher Vertrag hier unter riksu zu verstehen ist, ist zweifelhaft. Kohler- 
Peiser, a. a. 0. p. 22 denken an einen Teilungs vertrag , der früher einmal 
zwischen dem Erblasser und seiner Mutter abgeschlossen worden war. Möglich 
wäre vielleicht auch eine Schenkung von Todeswegen, die der Erblasser hier 
bestätigt. Vgl. ferner noch Nbn. 55 7 , 84 9 , 451 10 Cyr. 293 10 . 

37) Riksäti ist im K.H. der Vertrag und zwar speziell der schriftlich er- 
richtete Vertrag, die Vertragsurkunde (arg. §§ 7 51 , 122 40 , 123 46 , 128 88 . Zu der 
letzten Bestimmung vgl. Cohn, Die Gesetze Hammurabis 1903 p. 18, Kohler, 
H.G. I p. 118, Johns, Babylonian and Assyrian laws p. 119). Im übrigen ist die 
Begriffskategorie ebenso wie im neubabylouischen Recht eine ganz allgemeine. 
Riksäti kann einen Kaufvertrag (§ 7), ein Depositum (§§ 122, 123), einen Ehe- 
vertrag (§ 128) usw. bezeichnen, ein Sprachgebrauch, der auch in den Urkunden 
zu beobachten ist. Vgl. BE VI t 116 Z. 22, wo riksäti die Urkunde über eine 
Schenkung unter Ehegatten bedeutet. 

38) ZA IV p. 70, Supplement zu den assyrischen Wörterbüchern p. 1. 
Meissner nimmt in dem letzteren Werke als Grundbedeutung des Wortes 
/Tafel 1 an. 

39) Delitzsch und Tallquist nehmen hierbei n*x, Meissner ",'x als 
Wurzel an. 



126 Etymologie von n-il-tim. 

viel ich sehe, die Zeichengruppe ^— jTT- *• » - T *~l**X m allen 
neueren Urkundeneditionen u-)l-tim transskribiert. Sowohl Peiser wie 
Jensen haben nuu ü-U-tim mit i'ilium (e-il-tu) identifiziert, ein Wort, 
das Delitzsch p. 2 unter der Wurzel ~XX anführt. 40 ) Ist das richtig, 
so kann aber w-il-tim ursprünglich nicht die Bedeutung „Schuldschein" 
beziehungsweise „Schuld, Forderung" zugekommen sein. Denn das 
Verbum "rXS bedeutet „binden, knüpfen", davon ist weiter "da „die 
Schlinge" abzuleiten und das mit u il-tim gleichgestellte i'ilium heißt 
f Bann'. Es begegnet in den Inschriften in der Regel als Objekt zu 
dem Verbum putturu: „den Bann lösen". 41 ) Eine ähnliche Bedeutung 
wie „Bindung, Verstrickung, Verhaftung" muß daher wohl auch u-il-tim 
ursprünglich eigen gewesen sein. 42 ) Dieser Annahme fügt sich auch 
der in den neubabylonischen Urkunden nachweisbare Sprachgebrauch 
vortrefflich ein, der u-il-tim als Objekt mit dem Verbum "SS? ver- 
bindet 43 ) und zwar geschieht dies in folgender Weise 44 ): Man sagt 
vom Schuldner u-il-tim i'il „er ist eine Schuld eingegangen" beziehungs- 
weise „er hat einen Verpflichtungsschein ausgestellt" 45 ) und es heißt 



40) Peiser nahm nrx, Jensen, ZAY p. 292f. 5XX als Wurzel'an, während 
er ZA VI p. 153 f. die Ableitung des Wortes von brx oder bbr für möglich hält. 
Unter rxx verzeichnet ü-U-tim (uHttu) Ungnad. Selected business documents of 
the neo-babylonian period, Glossar p. 49 in der Bedeutung „Verbindlichkeit, 
Urkunde, Schein, Schuld." 

41) Die Belege zu dem im Text Bemerkten bei Delitzsch p. 1 und 2. 

42) Ein Bedenken gegen die phonetische Lesung des Wortes, auf das 
Oppert 'wiederholt hingewiesen hat, bleibt allerdings, nämlich die unsemitische 
Form ü-U-tim. Gelegentlich begegnen allerdings grammatisch korrekte Schrei- 
bungen wie z. B. sa-tir ü-il-ti „der Schreiber der Urkunde": KB IV p. 122 I lbr 
2 manu Tcaspi «/ ü-il-tö .1 ma-hir ,.2 Minen Silber der Forderung hat A erhalten": 

Nbk. 59 8 , ü-ü-tum: Nbn. 720 n , ü-A-ti == ü-U-fi : ZA V p. 294 (zu dieser Schrei- 
bung auch Ungnad, VS I p. X), von denen die beiden zuletzt angeführten ent- 
schieden für die Lesung u-il-tim sprechen. Allein das sind doch nur Ausnahmen. 
Doch beseitigt diese Schwierigkeit eine durchaus einleuchtende Erklärung, die 
mir Ungnad freundlichst zur Verfügung gestellt hat. Er schreibt mir: ,,Die 
Schreibung ü-U-tim ist meiner Meinung eine graphische Spielerei. Man verwendet 

»» » ■ T = AN = ilu „Gott" statt * »~*M f = ''' um ^ e Heiligkeit der 
„Verbindlichkeit" zu bezeichnen, die unter dem Schutz der Götter steht, und 
►—[ »S\- = lim, weil dieses als Ideogramm riksu ,Vertrag" bedeutet." Vgl. auch 

die Bemerkung Peiser s, BV p. 350. 

43) Auf dieses Argument hat schon Jensen, ZA VI p. 153 mit Recht hin- 
gewiesen. Derartige Konstruktionen mit einem inneren Objekt begegnen auch 
sonst. Vgl. die Redensart riksam rakäsu, ..eine Bindung binden", d.h. „einen Ver- 
trag schließen": Nbn. 13 7 , 755 6 (oben n. 37). 

44) Belege bei Delitzsch p. 1, Tallquist p. 34f. 

45) Nbn. 13 (KB IV p. 206 II) vom Käufer, dein der Kaufpreis kreditiert 



u-il-tim 'diu. 127 

vom Gläubiger, daß er eine u-il-tim ina muhhi B (Schuldner) i'ilu 
„eine Forderung i einen Verpflichtungsschein) zu lasten des B erlangt 
habe". 46 ) In den Briefen begegnet außerdem noch die Phrase A u-il-tim 
itti B nl „A hat eine u-il-tim mit B abgeschlossen". 47 ) 

Wenngleich nun der Sinn dieser Redensarten 48 ) für die Zeit, aus 
welcher unsere Urkunden stammen, als sichergestellt gelten darf, so 
ist es doch kaum wahrscheinlich, daß ihnen diese Bedeutung von Haus 
aus zukam. Die Sprache des älteren Rechts haftet am Konkreten und 

wurde: u-il-tim i-il-ma kaspa la id-di-nu „er hat einen Verpflichtungsschein 
(über den Kaufpreis) ausgestellt, aber das Geld nicht gegeben", Ev. Mer. 16 4 
(BR III p. 25): x ra-su-tu sa A (5) sa ina eli B, <6j sa a-na su-am sa C(7j n-il- 
-tim i-'-lu „x, Guthaben des A, (5) lastend auf B (6), der auf den Namen des C (7) 
die Verpflichtung eingegangen ist, den Schuldschein ausgestellt hat". Ähnlich 
Liv. 19 7 (Meissner, de Servitute Babylonico-Assyriaca p. 29) und Nbn. 244 8 
(Peiser, Jurisprudentiae Babylonicae quae supersunt p. 6), wo allerdings u-il-tim 
den Sklavenkaufvertrag bedeutet. Vgl. unten § 17 p. 187. 

46) Gewöhnlich in der Verbindung u-il-tim sa x sa A (Gläubiger) ina eli 
(muhhi) B (Schuldner) i'ilu. Vgl. BE VII^ 25 6 (p. 21), Nbk. 320 x , Ev. Mer. 7! 
(KB IV p. 200 1), Lab. 3„ Nbn. 231 x (BR IV p. 64)], 260 x , 722 n Dar. 319 t (BR IE 
p. 33), BV 113 6 , 124 2 , CT XXII 75 8 (oben § 4 n. 19). 

47) CT XXII 48 13 , 186 s (Martin p. 40, 128). Es ist schwer zu sagen, ob 
hier als Subjekt zu i'il der Gläubiger oder der Schuldner zu denken ist. CT XXII 48 
macht aber doch das erstere wahrscheinlich. Der Absender teilt Z. 13 f. dem 
Adressaten mit: Au B (14) a-na abi-ia al-tap-[parj. (15) u-il-tim it-ti (16) A belu 
li-'-il „den A und B (14) habe ich an meinen Vater (den Adressaten) geschickt. 
(15) Eine u-il-tim mit (16) A möge der Herr (der Adressat) abschließen". Z. 20 f. 
ist aber dann die Rede von dem Gewinne (nikasu), welchen „der Herr" it-ti-su 
ip-pu-su u ina muh-hi-sa il-la-' „mit ihm (A) machen oder zu seinen Lasten er- 
langen werde". Das läßt wohl vermuten, daß der Adressat der Gläubiger war. 
Vgl. im übrigen auch die parallele Redewendung riksa rakdsu itti „einen Ver- 
trag mit jemanden schließen" oben n. 43. 

48) In den Quellen begegnen noch die Phrasen: u-il-tim sa x ina eli A 
(Schuldner) e-li-tum: Nbk. 314 8 (?), 387 lf . (oben p. 106), BV 31 9 , 108^ x sa u-il- 
-tim ina eli A e-li-tum : Nbn. 656 17 . Man leitet elitum gewöhnlich (vgl. Delitzsch 
p. 61 no. 6, Tallquist p. 39f., Peiser, BVp. 350, Kohler-Peiser, BRpassim) 
von n;r (hoch sein) ab und übersetzt demnach r ein Schuldschein über x ist auf 
A erhoben, lastet auf A' bzw. f x, worüber ein Schuldschein auf A lastet'. Juri- 
stisch ist die Übersetzung möglich, obwohl man einwenden kann, wozu denn 
die Vorstellung, daß die Schuld auf dem Schuldner laste, die ja durch ina eli 
schon genügend gekennzeichnet ist, durch elitum nochmals zum Ausdrucke ge- 
bracht werden soll. Hingegen paßt sie weder philologisch noch juristisch auf 
Phrasen wie u-il-tim ina ma-har """''» daiantl ina muh-hi A e-li-it: Nbn. 359 6 , 
355 14 (BRIV p. 83t.), vgl. auch Nbn. 297 7 . Das kann nur heißen: „ein Verpflich- 
tungsschein wurde vor den Richtern zu lasten des A ausgefertigt". ~;r kann 
zwar den Zustand des Lastens einer Verbindlichkeit, nicht aber den Vorgang 
der Vertragserrichtung bezeichnen. Klit kann vielmehr wohl nur als Femininum 
des Permansivs von rxx gedeutet werden. Die Frage ist daher gestattet, ob 
nicht auch elitum auf dieselbe Wurzel zurückzuführen sei. Ungnad bemerkt 
mir auf meine Anfrage hierzu folgendes: „Allerdings würde man (bei der Ab- 



128 u-il-tim = Haftung. 

liebt sinnfällige, plastische Ausdrucks weisen, 'diu heißt nun „binden, 
knüpfen". Was soll es aber bedeuten, wenn vom Schuldner aus- 
gesagt wird, daß er 'einen Verpflichtungsschein, eine Schuld gebunden', 
vom Gläubiger, daß er 'einen Verpflichtungsschein (Schuld, Forderung) 
auf den Schuldner gebunden habe'? Es ist klar, daß u-il-tim hier 
ursprünglich die Bedeutung 'Schuldurkunde' nicht gehabt haben 
konnte. Übersetzt man aber u-il-tim mit 'Schuld, Forderung', so läßt 
sich zwar mit den Redensarten 'eine Schuld knüpfen, eine Schuld 
(Forderung) zu lasten des Schuldners binden' zur Not die Vorstellung 
verbinden, daß der Schuldner sich, der Gläubiger den Schuldner ver- 
pflichte, allein plastisch und klar wäre diese Ausdrucksweise, die ein 
gutes Maß von Abstraktion voraussetzt, nicht. U-il-tim muß also 
ursprünglich in diesen Verbindungen etwas anderes bedeutet haben. 
Zu einem befriedigenden Resultate gelangt man nun dann, wenn man 
unter Zugrundelegung der Gleichung u-il-tim = liltuni u-il-tim mit 
'Schlinge, Binde, Verstrickung' (obligatio) übersetzt. 'Eine Schlinge 
knüpfen, eine Verstrickung zu lasten des Schuldners (mit dem Schuld- 
ner) binden' ist ohne weiteres klar. Nur drücken diese Redensarten 
dann allerdings nicht den Gedanken, daß der Schuldner schulde, 
d. h. etwas leisten solle, aus, sondern nähern sich weit eher dem Be- 
griffe, den die germanistische Doktrin mit dem Worte 'Haftung' ver- 
bindet. 49 ) 

Man könnte allerdings versueht sein, der Redensart u-il ti>n '<ilu 
„eine Bindung binden" dieselbe Vorstellung zugrunde zu legen wie 



leitung von bstX) eher eltum statt clitum erwarten; aber in neubabylonischer Zeit 
kommt derartiges wohl vor. Das Permansiv von mhr und 'fr lautet im Neubaby- 
lonischen oft mahirtum, etirtum statt mahrat, etret, also von :xx eigentlich 'a'lit, 
woraus clit werden konnte. Dies erhielt dann noch überflüssigerweise die Feminin- 
Endung. Dann wäre elitum zu schreiben". 

Der Jurist muß die Entscheidung dieser Frage dem Philologen überlassen 
und es ihm auch anheimstellen, wie Phrasen wie u-il-tim sa X ia A sa i»d muh-ln 
B c-li-': Cyr. 169 15 172, zu erklären sind. Ist die Ableitung von :xx richtig, so 
müßte man die obigen Redewendungen übersetzen r ein Verpüiehtungsschein über 
x ist zu lasten des A ausgefertigt ; x, worüber ein Verpflichtungsschein zu Lasten 
des A ausgefertigt ist', eine Übersetzung, die juristisch vortrefflich passen würde, 
insofern sie denselben Gedanken, den die oben im Texte angeführten Rede- 
wendungen aktiv formulieren, in passiver Wendung zum Ausdruck brächte. Vgl. 
namentlich einerseits Ev. Mer. 16 4 (BR III p. 25): x ra-su-tx sa .1 sa ina cli />'. sa 
a-na su-um sa C u-il-tim i-'-lu „x, Forderung des A lastend auf B, der auf den 
Namen des C den Schuldschein ausgestellt hat" und andrerseits BV 31,,: u-il-tim 
sa x sa ina eli B, sa a-na su-mu sa Ce-li-tum „Verpflichtungsschein über \ lastend 
auf B, welcher auf den Namen des C ausgestellt ist' f . 

49) Über die Auffassung der Haftung als Gebundenheit im norwegischen 
Recht vgl. v. Amira II p. 60 f. 



i'iltum im Sprachgebrauch des K. H. 129 

der Phrase riksa räkäsu 'einen Vertrag schließen' (vgl. oben n. 43) 
und demnach u-il-tim in derselben Weise zu erklären wie rilsu, als 
'vertragliche Bindung', insofern jede Partei nach Vertragsschluß an 
ihr Wort gebunden ist. Allein diese Deutung wird widerlegt durch 
die altbabylonischen Rechtsdenkmäler, die für i'iltum die ursprüng- 
liche Bedeutung 'Haftung' noch deutlich erkennen lassen und zugleich 
a,uch gestatten, die Art dieser Haftung näher zu bestimmen. Im K. H. 
begegnet i'iltum in folgenden Bestimmungen: 

a) §§ 38, 39. Die beiden Paragraphen normieren bezüglich des 
redüm, bairum usw., daß er sein Lehensgut seiner Ehefrau oder 
Tochter nicht verschreiben, für seine i'iltum nicht geben dürfe, (§ 38 
Z. 29 f.: a-na i-il-ti-su u-ul i-na-ad-di-in) , während ihm diese Ver- 
fügungen bezüglich seines Allodialgutes gestattet sind (§39 Z. 37 
a-na e-hi-il-ti-su 50 ) i-na-ad-di-in). 

b) § 117 regelt den Fall, daß jemand, (Z. 54 f.) sum-ma a-ivi-lam 
e-hi-il-tum is-ba-zu „wenn ihn eine i'iltum erfaßt hat", seine Ehegattin 
oder Kinder verkauft bzw. verpfändet, § 119 unter denselben Voraus- 
setzungen (Z. 74 f.: sum-ma a-wi-lam e-hi-il-tum is-ba-zu) den Verkauf 
einer Sklavin, sa märi ph ul-du-sum „welche ihm Kinder geboren hat". 

Aus den Urkunden ist mir nur eine Stelle bekannt: VS VII 5 
und 6. Es wird hier berichtet, daß die Ramätum für die i'iltum des 
Gimil-Nisaba, ihres Vaters, x / 3 Mine Silber bezahlt habe (Z. 4 f.: a-na 
e-hi-il-ti m (Jimil- i!u Nisaba, a-bi-sa, Y 3 manu Jcaspim is-ku-ul). „Weil, 
*/ 3 Mine Silber Ramätum für die i'iltum des Gimil-Nisaba, ihres Vaters, 
dargewogen hat" (Z. 7 f.: as-sum % manu Jcaspim m Ba-ma-tum a-na 
e-hi-il-ti Gimil- ila Nisaba, a-bi-sa, is-ku-lu), gibt ihr Gimil-Nisaba ein 
Grundstück. 51 ) 

Daß i'iltum an diesen Stellen etwas Ahnliches wie „Schuld, Ver- 
bindlichkeit" bedeute, haben alle Übersetzer des K. H. erkannt. Damit 
wäre jedoch noch nicht viel gewonnen. Beachtenswert ist nun, daß 
£§ 38, 39 und VS VII 5/6 von einer Leistung ana i'iltim „für die 
Verbindlichkeit" sprechen. Damit scheint mir angedeutet, daß es sich 
nicht um Erfüllung der Schuld, sondern um Leistung eines Er- 
füllungssurrogates handelt, was ja für die §§ 117f. schon der Tat- 
bestand ergibt. Es liegt aber nicht eine gewöhnliche datio in solutum 
vor, die der Schuldner in freier Entschließung mit dem Gläubiger 
vereinbart, sondern der Schuldner wird zu ihr offenbar durch andere 



50) E-hi-il-tu ist dasselbe Wort wie i-il-tu. Der Schreiber schreibt das 
Zeichen für hi, weil ihm ein Zeichen für x fehlt. Vgl. Ungnad, H. G. II p. IV. 

51) Vgl. zur Urkunde auch Cuq, nouv. rev. bist. 34 p. 477. 

Koachaker: Babylon.-asßyr. Bürgschaftsrecht. 9 



130 i'iltum im Sprachgebrauch des K. H. 

Umstände gedrängt. Zumindest ist es also die Fälligkeit der 
„Schuld" in Verbindung mit dem Umstände, daß der Schuldner außer- 
stande ist, die Schuld zu erfüllen, die ihn veranlassen, eine Ersatz- 
leistung dem Gläubiger anzubieten. 52 ) Man kann noch einen Schritt 
weiter gehen. Wenn der Schuldner seine teuersten Güter, seine Ehe- 
frau, seine Kinder, die Konkubine dem Gläubiger preisgibt, wie dies 
§§ 11 7 f. voraussetzen, so tut er dies doch nur darum, weil er dadurch 
einem noch größeren Übel entgeht, das ihm bei Nichterfüllung der 
Schuld droht. Dieses Übel kann aber nur der drohende Zugriff des 
Gläubigers auf seine eigene Person gewesen sein. 53 ) Daß dieser 
Zugriff des Gläubigers die Vermögenslosigkeit des Schuldners zur 
Voraussetzung hatte, wäre an sich denkbar. 54 ) Doch ist diese An- 
nahme nicht notwendig. Gegen sie spricht auch, daß nach § 118 der 
Schuldner noch Sklaven besitzen kann, die er dem Gläubiger anbietet. 
Ferner setzt § 39 den Fall als möglich voraus, daß der Schuldner 
eigenes Vermögen hat, das er ana i'ütim gibt. Es handelt sich daher 
wohl um eine Forderung des Gläubigers, kraft welcher der Schuldner 
nur mit seiner Person, nicht auch mit seinem Vermögen, für die Er- 
füllung haftet. 55 ) Hier kann sich der Fall ergeben, daß der Schuldner, 
obwohl solvent, doch die erforderlichen Zahlungsmittel zur Erfüllung 
nicht zur Hand hat und nun, um den drohenden Zugriff des Gläubigers 
auf seine Person abzuwehren, ihm eine Ersatzleistung anbietet. Er 
löst sich dadurch aus der Haftung, er leistet „für" die Haftung. 

52) Das erkennt richtig Ungnad hei Gr essmann, Altorientalische Texte 
und Bilder zum alten Testamente I p. 153, wenn er in §§ 117, 119 übersetzt: „ge- 
setzt gegen jemanden ist eine Schuldverbindlichkeit fällig geworden", ebenso 
Bonfante, le leggi di Hammurabi: c se alcuno ha im debito scaduto'. Ungenau 
sind jedenfalls die Übersetzungen von Edwards, the oldest laws in the world 
1906 p. 20, Cook, the laws of Moses and the code of Hammurabi 1903 p. 229: 
r if a man has contracted a debt', Johns, Babylonian and Assyrian laws p. 52: 
r if a man owes a debt', Davies, the codes of Hammurabi and Moses p. 57: c if 
a man incur a debt', Scheil, la loi de Hammourabi 1906 p. 25: r si une dette 
a contractu un homme', ihm folgend Bonilla y San Martin, el cödigo de 
Hammurabi 1909 p. 24: f si una deuda ha contiaido un hombre' ; farblos W i n c k 1 e r, 
die Gesetze Hammurabis p. 33: „wenn jemand einer Schuldforderung verfällt". 
Wörtlich übersetzen Müller, die Gesetze Hammurabis p. 31 „wenn einen Mann 
die Verpflichtung erfaßt", Pilter, the law of Hammurabi and Moses 1907 p. 135: 
'if debt has seized a man'. Ganz frei wiederum Mari, il codice di Hammurabi 
e la Bibbia 1903 p. 49: f se uno per debiti vende sua moglie'". 

53) Juristisch zutreffend, wenngleich grammatisch ungenau, übersetzt daher 
Boscawen, the first of empires 'Babylon of the Bilde' in the light of latest re- 
search 1906 p. 234 § 117: f if a man has been seized for debt'. 

54) Dieser Ansicht scheint Oettli, das Gesetz Hammurabis und die Thora 
Israels p. 31 zu sein, wenn er von einem 'zahlungsunfähigen' Schuldner spricht. 

55) Vgl. oben § 8 n. 26. 



i'iltuni» [ii-iJ-tim) = leibliche Haftung. 131 

Daß der Schuldner zu dieser Lösung ein Recht hatte, daß also der 
Gläubiger die Surrogatleistung aunnehmen mußte, wäre denkbar. Das 
Gesetz gibt indessen keinen Anhaltspunkt zur Beantwortung dieser 
Frage. 68 1 

Erkennt man diese Erwägungen als zutreffend an, so kann iHltum 
nicht „Schuld" im Sinne eines Leisten- bzw. Bekommensollens bedeuten, 
sondern nur „Haftung" und zwar Haftung mit der Person. Dafür 
spricht auch die Ausdrucksweise des Gesetzes: i'iltum airihim ixbat. 
Man kann von der Schuld kaum sagen, daß sie jemanden ergreift, 
packt. Vortrefflich paßt jedoch die Ausdrucksweise, wenn man unter 
i'iltum die Haftung versteht. Die Haftung „ergreift" bei Nichterfüllung 
der fälligen Schuld „den Schuldner" in dem Sinne, daß nunmehr der 
Gläubiger den Schuldner ergreifen, packen kann. Dafür spricht ja 
auch die Etymologie des Wortes, das von "XSS „binden, fesseln" ab- 
zuleiten ist 57 ) und „Bindung, Verstrickung" bedeutet, ein Ausdruck, 
der vielleicht ursprünglich wörtlich von der Fesselung des Schuldners 
zu verstehen ist. 

Demnach dürfte auch die ursprüngliche Bedeutung von a-il-tim, 
vorausgesetzt, daß wir es mit i'iltum identifizieren dürfen, im Sinne 
von „Haftung", und zwar speziell „leiblicher Haftung"' als gesichert 
gelten. Die Etymologie des Wortes führt also zu demselben Ergebnis 
wie das Formular der Schuldurkunde, die es bezeichnet und das deut- 
lich auf die persönliche Haftung des Schuldners hinweist. Man kann 
es nun auch verstehen, daß der terminus technicus für die persönliche 
Haftung an dem abstrakten Verpflichtungsschein als der auf 
die leibliche Haftung des Schuldners wenigstens ursprüng- 
lich speziell abzielenden Verpflichtungsform haften blieb, 
so zwar, daß n-il-tim schließlich die dieses Rechtsgeschäft verbriefende 
Urkunde bezeichnete. Denn wenn wir vielleicht auch ein Entwick- 
lungsstadium annehmen dürfen, in welchem das mündliche Versprechen 
genügte und die Beurkundung nur dem Zwecke der Beweissicherung 
diente, so mußte doch gerade hier schon frühzeitig die Schriftform 

56) §§ 38, 39 sagen nur, daß der Schuldner sein Lehensgut für die i'iltum 
nicht geben darf, bzw. daß er sein Allodialgut zu diesem Zwecke geben darf. 
§§ 117 f. aber setzen voraus, daß die Ersatzleistung bereits erfolgt ist. 

57) In diesem Sinne auch Ungnad, H. G. II, Glossar p. 109. Müller, Gesetz 
Hammurabis p. 264 nahm als Wurzel bl"P (hebr. 'warten, hoffen') an. Allein wenn 
man von diesem Ausgangspunkte vielleicht auch auf den Begriff 'Schuld' im 
Sinne eines in der Zukunft zu Erfüllenden kommen könnte, so würde doch diese 
Etymologie zu i'ütum in den §§ 117 f. schlecht passen, wo das Wort gefade die 
Fälligkeit der Schuld zum Ausdruck bringen soll. 

9* 



132 Die u-il-tim Literalvertrag. 

als Bedürfnis empfunden und darum allgemein üblich geworden sein. 
Bei einer abstrakten Verpflichtung, wie sie die u-il-tim erzeugt, spielt 
naturgemäß die Schriftform eine andere Rolle als bei kausalen Ver- 
trägen. 58 ) Zudem beurkundet die u-il-tim in ihrer überlieferten Gestalt 
gar nicht den außerhalb der Urkunde liegenden Vorgang der Ge- 
schäftserrichtung, sondern sie konstatiert nur das Bestehen einer 
Schuldverpflichtung mit dem sich daran schließenden Versprechen des 
Schuldners zu erfüllen. Für die geschichtliche Zeit werden wir daher 
kaum fehlgehen, wenn wir in dem abstrakten Verpflichtungsschein 
nicht bloß eine Beweis-, sondern eine Dispositivurkunde erblicken. 
Ist also hier die Verbindung zwischen Schriftform und Schuldver- 
pflichtung eine wesentliche, so ist es auch begreiflich, daß der Name 
für die letztere auf ihr materielles Substrat, die Urkunde, überging, 
so zwar, daß sich die Erinnerung an die ursprüngliche Bedeutung 
des Wortes schließlich ganz verlor. Diese Tatsache lehrt uns aber 
noch ein Weiteres. Wenn die Grundbedeutung von n-il-tim im Sinne 
von persönlicher Haftung derart abgeblaßt ist, daß sie nur mehr aus 
der Etymologie erschlossen werden kann, wenn ferner u-il-tim, wie 
oben p. 119 f. nachgewiesen wurde, in den Urkunden direkt mit „Schuld, 
Forderung" übersetzt werden kann, wenn also die beiden von Hans 
aus verschiedenen Begriffe Schuld und Haftung in u-il-tim zu einer 
Einheit zusammengeflossen sind, so kann dies wohl nur daraus erklärt 
werden, daß mit dem Schuldversprechen als solchem bereits auch die 
Haftung verknüpft war. Die Untersuchung der Bedeutungsentwicklung 
führt also zu demselben Ergebnis, das oben (§ 12 p. 115f.) durch 
juristische Erwägungen gewonnen wurde. 

Vom entwicklungsgeschichtlichen Standpunkte aus muß jedoch 
daran festgehalten werden, daß u-il-tim von Haus aus mit der „Schuld" 
nichts zu tun hat. Ihrer Begriffsreihe gehört vielmehr ein anderes 
Wort an, räsutu, der technische Ausdruck für die Gläubigerschuld. 39 ) 



58) Vgl. auch Rabel, Ztschr. der Savigny-Stiftung, rom. Abt. 28 p. 339. 

59) Vgl. oben p. 114 n. 4, p. 121 f. In Betracht zu ziehen ist auch folgender 
Sprachgebrauch : man sagt regelmäßig u-il-tim sa xsaA Sa ina eli B ,,Verpnichtungs- 
schein über x, gehörig dem A, lastend auf B". Die Vorstellung ist hierbei wohl 
die, daß der Schuldbetrag es ist, welcher auf dem Schuldner in dem Sinne 
lastet, daß er hierfür mit seiner Person hypothekarisch haftet (vgl. oben p. 115 f.), 
ebenso wie sie auch der Redensart zugrunde liegt: ./• räsutu Sa A Sa tun eli B 
„x, Guthaben des A, lastend auf B". Hier ist es ganz deutlich die rdSutu, die 
Gläubigerschuld, welche auf dem Schuldner als Pfandobjekt liegt. Es kann in- 
dessen auch von der u-il-tim ausgesagt werden, daß sie auf dem Schuldner laste 
Vgl. z. B. x A ina u-il-tim Sa eli B ma-hir ,,x hat A auf die u-il-tim, lastend 
auf B, erhalten": Nbn. 742,, Nbk. 191, ; eint u-il-tim sa ma eli B „vorbehaltlich 



Die Schuld als 'Gläubigerschuld. 133 

Diese Tatsache veranlaßt mich, noch auf folgenden Punkt aufmerksam 
zu machen. Die germanistische Doktrin, der wir ja die Entwicklung 
der Begriffe Schuld und Haftung verdanken, erblickte bisher allgemein 
in der Schuld ein zweiseitiges Verhältnis, das sowohl das Leisten- 
sollen des Schuldners wie das Bekommensollen des Gläubigers umfaßt, 
also Schuldner- und Gläubigerschuld. 60 ) Neuestens hat aber S tro- 
ll al 61 ) im wesentlichen von dogmatischen Gesichtspunkten ausgehend 
ausgeführt, daß für den Begriff der Schuld das Bekommensollen des 
Gläubigers das Prinzipale und Wesentliche sei und der Begründer der 
germanistischen Haftungslehre v. Ainira 62 ) hat ihm darin zugestimmt. 
Die Frage bedarf gewiß für die germanischen Rechte noch einer be- 
sonderen rechtsgeschichtlichen Untersuchung. Allein in Anbetracht 
der großen Verwandtschaft, welche in den Grundprinzipien das baby- 



der u-il-tim, lastend auf B": Ner. 66 14 , 71 8 , Nbn. 346 7 , BE VU^ 31 n (p. 31), 101 8 
(p. 29), X 62 u (p. 33). Daß u-il-tim in diesen Verbindungen mitunter mit f Schuld- 
urkunde' übersetzt werden muß, ergeben z. B. folgende Stellen: u-il-tim v L sa 
eli B (Schuldner), sa ina bit A (Gläubiger) sa illänu, huppa' „Die Schuldscheine 
lastend auf B, welche im Hause des A auftauchen, sind zerbrochen": Nbk. 172 14 , 
407 und andere. Es ist nun kaum wahrscheinlich, daß sich die Rede- 
wendung u-il-tim sa eli B gebildet haben konnte, wenn u-il-tim von Haus aus 
'Schuldschein' bedeutet hätte. Denn der Phrase: r die Schuldurkunde liegt 
(lastet) auf dem Schuldner' entspricht keine irgendwie reale Vorstellung. Auf 
dem Schuldner liegen kann nur ein Schuld (Forderung), für die er persönlich 
haftet, oder eine Haftung in dem Sinne, daß er ihr unterworfen ist. Wir sagen ja 
auch heute noch sowohl, daß f eine Schuld (Forderung) auf einem Grundstück 
liege', für die die Immobilie als Pfand haftet, wie auch, daß r ein Grundstück mit 
Pfandrechten belastet sei'. In dem ersten Sinne würde u-il-tim sich mit rdsütu 
decken, und darin läge nichts Auffallendes, seitdem die Auffassung zur Geltung 
gekommen war, daß mit der Schuld eo ipso auch die Haftung verbunden sei. 
Doch ist ein feiner stilistischer Unterschied zu beachten , dem wohl auch eine 
sachliche Differenz zugrunde liegt. Man sagt einerseits: x rdsütu sa A „x, Gut- 
haben des A", andrerseits aber immer u-il-tim sa x sa A „u-il-tim über x, ge- 
hörig dem A". Rdsütu ist in dieser Wendung Apposition. Der Schuldbetrag 
selbst ist die rdsütu des Gläubigers, was die oben p. 122 angeführte Phrase: 
kaspu rdsütu sa A „das Silber ist das Guthaben des A" direkt bestätigt. 
Hingegen beweist die Verbindung u-il-tim sa x, oder gar u-il-tim sa x, rdsütu 
sa A (oben n. 33), daß u-il-tim von der Schuld verschieden ist. Diese ist in ihr 
enthalten, aber nicht mit ihr identisch. Nun paßt natürlich für diese Stellen 
vortrefflich die Bedeutung „Schuldschein". Wenn sie aber die ursprüngliche 
nicht sein kann, so kommt man wieder auf den Begriff der Haftung. Allerdings 
könnte man u-il-tim sa x auch übersetzen „Schuld (Forderung) über x u . Allein 
danu müßte man doch erwarten, ebenso wie bei rdsütu irgend einmal der Wen- 
dung x u-il-tim sa A zu begegnen. Das ist aber m. W. nirgends der Fall. 
CO) Vgl. Gierke p. 8f. und die daselbst n. 5 angeführten Schriftsteller. 

61) Schuldübernahme p. 52 f. 

62) Zeitschr. der Savigny-Stiftung, germ. Abt. 31 p. 487. Ebenso neuestena 
v. Schwerin, Schuld und Haftung p. 7f. 



134 hisüm, der altbabylonische Verpflichtungsscheiu. 

Ionische Obligationen recht mit dem germanischen aufweist, darf immer- 
hin die Tatsache registriert werden, daß die neubabylonische Rechts- 
sprache nur für die Gläubigerschuld einen technischen Ausdruck kennt, 
nicht auch für das schuldnerische Leistensollen. Denn u-il-tim kann 
nach dem eben Ausgefährten als Bezeichnung hierfür ursprünglich 
nicht in Betracht kommen. Soweit daher überhaupt die Rechtssprache 
ein Urteil gestattet, ist zu sagen, daß das babylonische Recht bei der 
Schuld nur ihre aktive Seite, das Bekommensollen des Gläubigers, als 
wesentlich erfaßt hat. 62a ) 

U-il-tim ist als terminus technicus für den abstrakten Verpflich- 
tungsschein, soweit ich das Quellenmaterial überblicke, erst in der 
neubabylonischen Rechtssprache nachzuweisen. Eine technische Be- 
zeichnung existierte indessen auch schon für seinen Vorgänger im alt- 
babylonischen Recht. Diese Erkenntnis verdanken wir einer erst vor 
kurzem publizierten Urkunde: LC 157. 63 ) Daß in den zahlreichen 
bisher publizierten altbabylonischen Rechtsurkunden der Verflichtungs- 
schein nicht erwähnt wird, darf uns indessen nicht Wunder nehmen, 
da er im Rechtsleben dieser Epoche gegenüber der vorherrschenden 
Darlehensurkunde nicht annähernd die Rolle spielt wie später. LC 157 
ist nun ein Protokoll über eine Prozeßverhandlung, in der die Ver- 
käuferin Ilusa-hegal einen Kaufvertrag über ein Haus aus dem Grunde, 
daß ihr der Kaufpreis nicht bezahlt worden sei, anficht. Z. 32 f. ist 
zu lesen: 

daianu Ilusa-hegal awile si-bi, die Richter haben von Ilusa-hegal 

Zeugen, 

sa SALME Be-li-zu-nu kasparn la daß die Priesterin Belissunu (Käu- 
id-di-nu-si-im ferin) das Silber ihr nicht ge- 

geben habe 

u lu-m[a] hi-sa-am sa a-na sitat oder wenigstens einen hisüm über 



Jcaspim iz-bu-si. 



35 i-ri-su-si rell. 



den Rest des Silbers ihr aus- 
gestellt habe, 
verlangt. 



Wie Thureau-Dangin richtig erkannt hat, kann hisüm hier nur 
einen Schuldschein über den kreditierten Kaufpreis, den der Käufer 

62a) Vgl. auch das oben § 9 p. 92 über das Solidarschuldverhältnis Be- 
merkte. 

63) Aus dem 24. Jahre Ammiditanas. Umschrift und Übersetzung gibt 
Thureau-Dangin, RA VII p. 121 f., einen juristischen Kommentar Cuq, ibid. 
p. 129 f. 



Etymologie des Wortes. 135 

dem Verkäufer ausstellt , bedeuten. 64 ) Die Verkäuferin soll demnach 
entweder die Nichtbezahlung oder wenigstens die Kreditierung des 
Kaufpreises nachweisen. Nun begegnet die Erscheinung, daß der 
Käufer beim Kreditkauf die Zahlung des Kaufpreises in einer be- 
sonderen Urkunde verspricht, auch in den neubabylonischen Texten, 
und zwar ist die Rechtsform für dieses Zahlungs versprechen des Käufers 
die u-il-tint. 6 ' ) Es liegt daher sehr nahe — und diese Schlußfolgerung 
hat auch Cuq 66 ) ohne Bedenken gezogen — auch hisüm auf den fa- 
kultativ abstrakten Verpflichtungsschein des altbabylonischen Rechts 
zu beziehen. In der Tat sind uns derartige Verpflichtungsscheine, 
welche die Kaufpreisschuld als causa angeben, erhalten. 67 ) 

Fraglich bleibt nur die Etymologie des Wortes. Mit der für den 
Juristen in philologischen Fragen gebotenen Reserve möchte ich 
hisüm 6 *) zusammenstellen mit einem Verbum liasfi ( rni'nj, das Muss- 
Arn olt p. 343 in den Bedeutungen „einengen, fest zusammenschnüren, 
erwürgen" verzeichnet. In den juristischen Texten begegnet das Verbum 
in M. 89 Z. 26 f., einem Ehevertrage, der als Strafe der unbotmäßigen 
Ehegattin normiert: i-ha-su-si-ma a-na närim i-na-du-si „man wird sie 
binden (?) 69 ) und dann in den Fluß werfen". Sollte diese Ableitung 
das Richtige treffen, so ergibt sie für hisüm dieselbe Grundbedeutung, 
die wir vorhin für u-il-tim festgestellt haben, nämlich „Bindung, Ein- 
engung, Verstrickung". Das Wort würde demnach von Haus aus die 
Haftung, und zwar speziell die aus dem Verpflichtungsschein ent- 



64) Das Wort begegnet in derselben Bedeutung noch in dem Briefe CT VI 
27a Z. 6 (Montgomery 9), auf den Thureau-Dangin, a. a. 0. p. 125 n. 1 gleich- 
falls schon aufmerksam gemacht hat. Der Absender bittet den Adressaten, ihm 
Geld zu schicken, damit er den Kaufpreis für eine Sklavin bezahlen könne. Der 
Zahlungstermin sei nunmehr herangekommen (Z. 7 f. a-da-a-an Tcaspi sa(?)-a-si 
ik-ta-as-da-an-ni, wörtlich „hat mich erreicht"). Dieser Bitte schickt er die Be- 
merkung voraus Z. 5 f. : Jii-ma ti-du-u a-na SAG amtim hi-sa-a-am e-zi-ib „wie du 
weißt, habe ich für die Sklavin einen hisüm ausgestellt". 

65) Vgl. oben p. 35 n. 14 und unten § 17 p. 175 n. 3. 

66) A. a. 0. p. 137. Vgl. auch nouv. rev. hist. 34 p. 478. 

67) Außer der bereits von Cuq herangezogenen Urkunde VS VII 42 (EL G. 
HI 224) gehört hierher auch BE VI 2 27 (H. G. IV 909). 

68) So wird das Wort angesichts der Schreibung hi-sa-a-am in CT VI 27a 
Z. 6 zu schreiben sein. 

69) So übersetzt auch Ungnad, H. G. III 3. Meissner, der p. 149 eine 
Wurzel CT! annimmt, übersetzt: „man wird sie erwürgen". Ganz unsicher ist 
«s, ob eine Form von hast't auch in dem Ehevertrage M. 90 Z. 15 vorliegt, wo 
Meissner liest fi-liaj-su-si-i-ma [a-na] närim i-na-ad-du. Ungnad glaubt, wie 
er mir mitteilt, zu erkennen [u-gal-la-a]b-si-i-ma [a-na Jcajspim i-na-ad-di(?)-si(?) 
und übersetzt demnach H. G. in 7: „er wird sie (die Ehefrau) marken (?) und 
[fürj Geld fortgeben (?)". Vgl. im übrigen zu hasü auch Jensen, KB VI t p.513. 



136 Vollstreckungsverfahren auf Grund des Verpflichtungsscheins. 

springende persönliche Haftung bezeichnen, da die altbabylonische 
Rechtssprache in i iltum einen generellen Terminus für persönliche 
Haftung überhaupt besitzt. 

Wir konnten bisher die Behauptung, daß dem Yerpnichtungs- 
schein die persönliche (leibliche) Haftung des Schuldners von Haus 
aus eigen gewesen sei, nur auf sein Formular sowie auf die Etymo- 
logie der zu seiner Bezeichnung verwendeten termini technici stützen. 
Es fehlt indessen bei genauerem Zusehen nicht auch an urkundlichen 
Belegen, welche die Zulässigkeit der Personalexekution gegen den aus 
einem Verpflichtuagsschein obligierten Schuldner unmittelbar bezeugen 
und uns zugleich auch einige Anhaltspunkte zur Beantwortung der 
Frage geben, welches denn der Rechtsgrund war, auf dem hier die 
persönliche Haftung des Schuldners beruhte. 

Was das altbabylonische Recht betrifft, so muß ich auf die schon 
im § 2 und § 3 behandelten Urkunden zurückgreifen. In VS VIII 2t> 
(oben p. 20 f.) scheint die Forderung des Nür-Samas gegen die Schuldner, 
wenn dem Wortlaut Z. lf: % manu Jcaspim sa Nür-Samas.... eli 
Anum-gamil ü Belissunu irsit zu trauen ist, einem Verpflichtungsschein 
zu entspringen. Der Zusammenhang ergibt aber, wie schon oben p. 21 f, 
dargelegt wurde, mit Wahrscheinlichkeit, daß die Schuldner mit ihrem 
Körper dem Gläubiger verhaftet waren. Doch ist dieser Beleg immer- 
hin kein sicherer. Wichtiger ist es, daß auch in einigen der oben 
im § 3 erörterten Urkunden Forderungen aus Verpflichtungsscheinen 
vorzuliegen scheinen. Wenigstens entspricht die Art und Weise, wie 
die Forderung des Gläubigers charakterisiert wird, genau dem For- 
mular des abstrakten Verpflichtungsscheins. 1 ) Wenn in den gleich- 
artigen Urkunden CT IV 31b und VIII 33a (oben p. 25f.) die Forderung 
des Gläubigers in anderer Weise spezifiziert wird, so ist das nur ein 
Argument dafür, daß die Ausdrucksweise der erstgenannten Texte als 
technische zu nehmen ist und nicht in dem allgemeinen Sinne, wie 
dies in den §§ 113f. K. H. der Fall ist. 2 ) Dann aber bezeugt uns das 
durch Handanlegung des Gläubigers an den Schuldner eingeleitete Ver- 
fahren, das doch nur die Personalexekution bezwecken kann, direkt die 
persönliche (leibliche) Haftung des Schuldners. Wenn ferner die Be- 
freiung des Schuldners durch die Interzession des Dritten charakte- 

1) x sa A (Gläubiger) eli B (Schuldner isu (irsü): so ausdrücklich VS VII '.I8 r 
138, ähnlich VS IX 173. 

2) Vgl. oben p. 116 n. 12. 



Yollstreckuugsverfahren auf Grund des Verpflichtungsscheins. 137 

risiert wird durch die Phrase „seine (des Schuldners) Hand ist heraus- 
gezogen", so bezieht sich dies, wie oben p. 29 f. ausgeführt wurde, 
wahrscheinlich auf seine Lösung aus der Handanlecrung des Gläubigers, 
und man braucht nicht die Hypothese zu Hilfe zu nehmen, daß der 
Schuldner sich seinerzeit durch Handschlag verpflichtet hatte. Allein 
andrerseits läßt sich doch sagen, daß gerade einer solchen Verpflich- 
tungsform, durch die sich der Schuldner eventuell, d. h. für den Fall 
der Nichterfüllung der Schuld mit seiner Person dem Zugriff des 
Gläubigers unterwarf — anders könnte das Handsymbol wohl nicht 
gedeutet werden — , ein Realisierungsverfahren, bei welchem der Gläu- 
biger durch Handanfassung die eventuelle Unterwerfung des Schuldners 
zu einer wirklichen machte, vortrefflich entsprechen mußte. Dürften 
wir demnach das Handsymbol bei der fakultativ abstrakten Verpflich- 
tung als ursprünglich voraussetzen, so könnte es, da es auch die Ver- 
pflichtungsform des Bürgen war, beim Schuldner wohl nicht anders 
denn als Selbstverbürgung gedeutet werden. Wir würden so die 
leibliche Haftung des Schuldners aus dem Verpflichtungsscheine ohne 
weiteres verstehen. Daß dasselbe Verfahren, wie CT IV 31b, VIII 33a 
ergeben, auch auf Grund anderer Verpflichtungstatbestände wie z. B. 
der Einkaufskommission, die wohl unter den Gesichtspunkt der Emp- 
fangshaftung fallen, zulässig war, darf vom Standpunkte des zur Zeit 
Hammurapis geltenden Rechts nicht als Widerspruch gedeutet werden, 
da §§ 114f. K. H., wenn wir sie oben p. 116 n. 12 richtig auslegten, 
sowohl beim Verpflichtungsschein wie beim Darlehen die Personal- 
exekution gestatten. 

Für das neubabylonische Recht möchte ich auf BE VHL. 2o 
(p. 21) aus dem 40. Jahre Nebukadrezars aufmerksam machen. Die 
Urkunde lautet: 
a-di ümi 5 kan sa a '- u Kislimu m Ardu- Bis zum 5. Kislimu wird Ardu» 

-«»NINIB, -NINIB, 

aplu-su sa m Aplä, in Isa-bi- ilu EUil, Sohn des Aplä, den Näbi-Ellil, 



aplu-su sa 
m ilu Samas-sum-li.sir, '"Sum-ulcm u 

'" il " Sa m a s-a h <'■- iddin a, 
apU 1 ' 1 sa m Apld, a-na biti milu Ner- 

gal-iddina, 
5 aplu-su sa '"Ali-lu-mur, ib-ba-kam- 

-ma a-di z ) 



Sohn des 
Samas-sum-lisir, den Sum-ukin und 

den Samas-ahe-iddina, 
die Söhne des Aplä, zum Hause des 

Nergal-iddina, 
Sohnes des Ah-lümur, herbeiführen 5 

und sie werden dann mit 3 ) 



3) A-di ist wohl verschrieben oder verlesen für a-ki, was einerseits wegen 
der Ähnlichkeit der Zeichen für di und Jci sehr leicht möglich ist und andrer- 



138 



BE YIII 4 25. 



u-il-tim, sa milu Nergal-iddina ina 
eli m Na-bi- i,u Ellil. 



dem Yerpfiichtungssebeme, eleu Ner- 
gal- iddina zu lasten des Näbi- 
-Ellil, 
m Sum-ukin u müu Samas-ahe-öddina des Sum-ukin und des Samas-ahe- 

i--i-lu, -iddina erlangt hat, 

harrdna a-na sepi sa m ilu Nergal- den Weg zu dem Fuße des Nergal- 



-iddina machen. 
Ardu-NINIB hat bei Ellil und NINIB 



-iddina i-sak-ka-nu. 
" m Ärdu- üu NIXIB ina ""Ellil u 

' lu NINIB 

10 it-te-w,e, Jii-i a-di-i a-di Ami 5 kan geschworen, daß gemäß der Fest- io 

setzung wir bis zum 5. 
sa " r ~ u Kislimu Kislimu 

ni-il-la-kam-ma harrdna a-na sepi kommen und dann den Weg zum 

Fuße 
sa '" ihl Nergal-iddina ni-sak-ka-nu, des Nergal-iddina machen werden. 
Zeugen und Datum. Dann noch 

Wenn er nicht herbeiführt, wird 21 

alles 
in dem Verpniehtungsschein, lastend 
auf Nabi-Ellil, 



21 ki-i la i-tab-ku, mim-ma 

ina u-il-tim sa ina eli m Na-bi JI " Ellil, 



Sum-ukin und Warnas ahe-iddina be- 
reinigt werden. 4 ) 
Ardu-NINIB wird zahlen. 



'"Sum-akin u '" ''"Samas-ahr-iddina 

im-me-riQ. 4 ') 
m Ärdu- i! " NINIB it-tir. 
Folgt noch ein Zeuo-enname. 

Die Urkunde enthält ein Bürgschaftsversprechen für drei aus einer 
u-il-tim verpflichtete Schuldner in der bekannten Form der Gestellungs- 
bürgschaft. 5 ) Bemerkenswert ist allerdings, daß das technische Bürgen- 
wort put . . . nasü nicht gebraucht wird, dafür aber der Bürge sein 
Versprechen eidlich bekräftigt. Ich komme auf diesen Punkt noch 
zurück. 6 ) Die Eigentümlichkeit der Bürgenobligation, die uns hier 



seits durch CT XXII 100 llf . (vgl. unten p. 1401'.): a-fti u-il-tim .... harrdna a-na 
sepe-xit . . . lis-kun bestätigt wird. Demnach ist zu übersetzen „gemäß dem Ver- 
pflichtungsscheine". Die Übersetzung des Herausgebers Clav, der a-di u-il-tim 
zu ib-ba-kam-ma zieht, ist grammatisch kaum zulässig, da, wie das angehängte 
um anzeigt, mit a-di ein neuer Satz beginnt 

4) Immerjq ist die Nifalform und daher passivisch zu übersetzen. Clav: 
he shall make good. Zur Bedeutung der Wurzel "*; vgl. Clav, a.a.O. p. 22 n. 
und unten § 18 p. 192 f. 

5) Das subsidiäre Erfüllungsversprechen hat der Schreiber an seinem rich- 
tigen Platze nach Z. 13 anzuführen vergessen und fügt es darum nachträglich 
nach dem Datum in etwas abweichender Form ein. 

6) Vgl. unten § 20 p. '225 f. 



harrdna ana Sepi Säkdnu. 139 

vor allem interessiert, liegt aber darin, daß der Bürge außer der Ge- 
stellung der Schuldner nicht wie sonst deren Erfüllung verspricht, 
sondern erklärt: „sie (die Schuldner) werden den Weg zum Fuße des 
Gläubigers machen". Das Verständnis der Urkunde hängt m. E. von 
der richtigen Erklärung dieser Phrase ab. Clay übersetzt Z. 8: 
harrdna ana sepi sa Nergal-iddina isäkanu „they shall perform the 
transaction for the benefit of Nergal-iddina". 7 ) Die Übersetzung mag 
vielleicht ungefähr den Sinn treffen, bringt uns aber nicht weiter. 
Denn sie läßt die naheliegende Frage unerledigt, warum die Urkunde 
diese eigentümliche Phrase gebraucht, anstatt kürzer und einfacher zu 
sagen: „die Schuldner werden erfüllen, zahlen". 

Einen Anhaltspunkt zur Bestimmung der Phrase geben uns nun 
die kürzlich von Martin, lettres neo-babyloniennes (Bibliotheque de 
l'ecole des hautes etudes 179. fasc.) bearbeiteten neubabylonischen Briefe 
aus dem 22. Bande der Cuneiform Texts. Es begegnet in ihnen häufig, 
in der Regel am Schlüsse des Schreibens als Auftrag des Absenders 
an den Adressaten formuliert die Redewendung: Icapdn harrdna ana 
sepe sa A sukun „schnell den Weg zu den Füßen des A mache". 8 ) 
Martin übersetzt: c vite le chemin pour les pieds de A dispose' und 
erklärt dies (Glossar p. 176): c'est ä dire l'envoyer. Die Unrichtig- 
keit dieser Übersetzung ergibt sich indessen mit Evidenz gerade aus 
BE VlIIj 25 Z. 8 und 11 f., wo sie sinnlos wäre. Es ist aber kein. 
Grund einzusehen, warum die Phrase hier einen anderen Sinn haben 
sollte als in den Briefen. Ana sepe ist vielmehr lokal zu fassen und 
die Phrase demnach in der oben angegebenen Weise zu übersetzen. 

Nun wird in einigen der in n. 8 genannten Briefe 9 ) erwähnt, 
daß der Absender an den Adressaten einen Boten geschickt habe, dem 
dieser gewisse Leistungen machen soll. Daran schließt sich unmittel- 
bar die Redensart kapdu harrdna ana sepcsu sukun „schleunigst den 
Weg zu seinen (des Boten) Füßen mache". 10 ) Dem Zusammenhange 



7) Ebenso Z. 12 f. 

8) Vgl. CT XXII 17 21 (Martin p. 27f.), 44 22 (p. 39), 60 tl (p. 49), 126 tl (p. 93f.), 
157 13 (p. 111), 158 1Pj (p. Ulf.), 171 10i80 (p. 115), 215 15 (p. 146), 243 26 (p. 161), ähn- 
lich auch CT XXII 19 27 (p. 31 f.), 87 30 (p. 711), 131 21 (p. 98). 

9) CT XXII 19, 60, 157, 158, 171, 215, 243. 

10) Vgl. z. B. CT XXII 171: Der Absender schreibt dem sangu von Sippar 
Z. 5 f.: Bul-lu-tu (6) .... a-va (7) pa-ni bäi-ia al-tap-ra. (8) 200 kur SE-BAR- 
-ia, (9) sa ina pa-ni beli-ia, belu lid-da-as-su. (lO)kap-du harrdna a-na 8epe-su 
belu lü-kun „den Bullutu (6) .... habe ich zu (7) meinem Herrn Adressat) ge- 
schickt. (8) 200 Kur (Getreide) von meinem Getreide, (9) welches bei meinem Herrn 
(ist), möge der Herr ihm geben. 10 1 Schleunigst möge den Weg zu seinen 
Füßen der Herr machen". Ähnlich Z. 18 f. Ferner CT XXH 215 9(# : >'« J.'aiami- 



140 harräna ana sepi sakomu. 

nach kann sie wohl kaum etwas anderes besagen als: „schleunigst er 7 
ledige die Angelegenheit zu seiner) (des Boten) Gunsten". Es läßt 
sich nun wenigstens denken, wie die Phrase zu dieser Bedeutung kam. 
Ich meine, wer zu den Füßen jemandes den Weg macht, naht sich 
ihm in Unterwürfigkeit, der Befehle des anderen gewärtig. 11 ) Das 
führt auf die weitere Bedeutung: „sich jemandem zur Verfügung 
stellen", und diese Übersetzung möchte ich für die Phrase vor- 
schlagen. Sie paßt in der Tat in allen oben n. 8 genannten Texten. 12 ) 
In BE VIIl^ 25 sollen nun die Schuldner all u-il-iim „gemäß 
dem Verpflichtungsscheine den Weg zu den Füßen des Gläubigers 
machen". Dieselbe Wendung begegnet auch in CT XXII 100 (Martin 
p. 81), einem Schreiben des Kiribtum-Marduk an Suqaia und Bel-iddim 
Nach den üblichen Höflichkeitsphrasen, mit denen der Absender den 
Brief einleitet, schreibt er Z. 6 f.: 

It-ti- ilu Brl-li-im-hir, (Betreffs des) Itti-Bel-limhir, 



sa a-na pdni-ku-wu as-pur-ru, 
JRi-mut- ilu Bel, apil-su sa 
Kur-ban-ni- ilu Mardiüc, 
10 mar am & u rei siseP 1 ; 
a-ki u-il-tiii) 
[sa] Itti- ilu Bel-Um-hir 
sa ina muh-hi-su ha/rrdna 



welchen ich zu euch geschickt habe, 

soll Rimüt-Bel, Sohn des 

Ku rbanni-Marduk, 

Nachkomme des Pferdehirten, io 

gemäß dem Verpflichtungsscheine 

des Itti-Bel-limhir, 

lastend auf ihm, den Weg 



-iddin (10) [ana] pa-ni-ka (11) al-tap-rak. (12) SE-BAE ma-la (13) i-ris-su-u-ka 
(14) in-na-as-su. (15) kap-du harrdna (16) a-na sepe-su su-kwn „den Daianu-iddin 
(10) [zu] dir (11) schickte ich. (12) Alles Getreide, welches (13) er von dir ver- 
langt, (14) bring ihm. (15) Schnell den Weg usw.". 

11) Vgl. auch die Redensarten sepi sabdtu „die Füße jemandes fassen, ihm 
seine Unterwerfung bezeugen" Delitzsch p. 560 1) a) a), Muss-Arnolt p. 860 a); 
ana ücpe kandsu ,,zu den Füßen jemandes sich beugen", d. h. sich jemandem 
unterwerfen, Delitzsch p. 440, Muss-Arnolt p. 408 f. 

12) In weiterer Entwicklung kann „sich jemandem zur Verfügung stellen" 
auch die Bedeutung „jemandem helfen" annehmen. Sie scheint mir vorzuliegen 
in CT XXII 248 Z. 22. P^s handelt sich bei diesem Stück, wie Martin richtig 
erkannt hat, um ein Rechtfertigungsschreiben eines höheren militärischen Funk- 
tionärs an den König. Z. 20f. berichtet er nun: pa-ni-ia ki-i as-ku-nu a-na 6t- 
-ra-na-a-tum sa .... (21) amSiufabüti p'- sa bi-ra-na-a-tum; 'samt e-ka-a ki-ba-nu, 
(22) sarru e-ka-a ki-ba-nu, Jiarräna a-na §epe-ia Su-kftm]' „Als ich mein Ant- 
litz zuwendete zu den Festungen des . . . ., (21) haben die Kommandanten der 
Festungen (gerufen): f Wo ist der König, sage mir, (22) wo ist der Köni^r. sage 
mir, den Weg zu meinen Füße mache'", d. h. „stelle dich mir zur Verfügung, 
hilf mir". Die Situation ist wohl die, daß die Kommandanten dir \on den 
Feinden bedrängten Festungen den in der Nähe weilenden Feldherrn bitten, er 
möge den König zur Hilfe herbeirufen oder ihnen selbst helfen. Martins IJher 
setzung: f dispose le chomin pour mes pieds' gibt hier keinen Sinn. 



Die u-il-tim entstanden aus der Selbstbürgschaft des Schuldners. 141 



a-na sepe-su ina pdni-hi-nu 
15 lis-liim. ia-a-nu-u, 
Ri-mut- ilu Bel it-ti 
Itti- i,u Bii-li-im-hir 
a-na pdni-ia 
su-^up-ra-a-nu. 



zu seinen Füßen vor euch 

machen. Wenn nicht, « 

so den Rimüt-Bel mit 

Itti-Bel-limhir 

zu mir 

schicket 



Die Urkunde läßt in Verbindung mit BE VIIIj 25 keinen Zweifel 
aufkommen, daß das Hingehen des Schuldners f zu den Füßen des 
Gläubigers' eine aus der u-il-tim sich ergebende Rechtsfolge ist, und 
das o-ibt uns m. E. auch den Schlüssel zum Verständnis der Phrase. 
Die u-il-tim erzeugt ja, wie oben dargelegt wurde, die persönliche 
(leibliche) Haftung des Schuldners. Bedeutet nun harrdna ana sepe 
safainu von Haus aus 'sich jemandem zur Verfügung stellen' im Sinne 
der persönlichen Unterwerfung unter die Gewalt eines anderen, so 
realisiert der Schuldner, der c den Weg zu den Füßen des 
Gläubigers macht' nichts anderes als eben diese persönliche 
Haftung. Von diesem Standpunkte aus ist auch CT XXII 100 ohne 
weiteres verständlich: Itti-Bel-limhir wendet sich um Vollstreckung 
seiner Forderung aus der u-il-tim an Kiribtum-Marduk, der offenbar 
irgendeine amtliche Stellung einnimmt. Dieser delegiert nun zum 
Vollzuge der Vollstreckung den Suqaia und Bel-iddin mit dem Auf- 
trage, daß, wenn der Schuldner Schwierigkeiten mache, beide Parteien 
zu ihm geschickt werden mögen. 

Eine andere Frage ist es allerdings, ob die ursprüngliche Bedeutung 
der Redensart harrdna ana sepe sakdnu später nicht abgeblaßt ist. 
Was die Briefe anlaugt, so können wir diese Frage ohne weiteres be- 
jahen. Denn hier hat die Phrase die ziemlich farblose Bedeutung 
'eine Angelegenheit zu jemandes gunsten erledigen' angenommen. Es 
wäre nun denkbar, daß sich ein ähnlicher Bedeutungswandel auch in 
den Rechtsurkunden vollzogen hat, und dies insbesondere dann, wenn 
es zutrifft, daß später an die u-il-tim sich auch die Vermögenshaftung 
knüpfte. Insofern könnte daher auch die oben p. 139 erwähnte Über- 
setzung Clays für BE VIII X 25 zutreffen. Doch ist das Material zu 
gering, um eine Entscheidung der Frage zu gestatten. Über die ur- 
sprüngliche Bedeutung der Phrase scheint mir indessen ein Zweifel 
kaum möglich. Sie gibt uns auch die Basis für eine weitere Schluß- 
folgerung. Das als Rechtsfolge der u-il-tim sich ergebende Ver- 
sprechen des Schuldners: c ich werde mich dem Gläubiger zur Ver- 
fügung stellen' entspricht nämlich genau dem, was wir oben p. 108 
aus allgemeinen Erwägungen als Inhalt der Selbstbürgschaft 



142 u-il-tim und Stipulation. 

postulierten. Wenn nun dem Verpflicktungsschein die persön- 
liche Haftung des Schuldners eigen ist, so liegt es unter 
solchen Umständen nahe, sie zurückzuführen auf eine Ver- 
bürgung des Schuldners für sich selbst. Damit wäre zugleich 
die ursprüngliche Trennung von Schuld und Haftung bei dieser Ver- 
pflichtungsform dargetan und so das oben § 12 p. 113 aufgestellte 
Kriterium erfüllt. 

Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine Hypothese, die 
wie jede Hypothese ihre anfechtbaren Seiten hat. Ich kann indessen 
nicht umhin, hier noch auf ein dem römischen Recht entnommenes 
Argument hinzuweisen, das sie, abgesehen von den bereits angeführten 
Gründen 13 ), m. E. besonders wahrscheinlich macht. Dieses Argument 
betrifft die frappante Analogie in der Entwicklung des babylonischen 
Verpflichtungsscheins so, wie ich sie hier rekonstruiere, einerseits und 
der römischen stipulatio andrerseits, deren Herkunft aus der Bürg- 
schaft Mitteis 14 ) überaus wahrscheinlich gemacht hat, und deren 
wirtschaftliche Funktionen im babylonischen Recht die u-il-tim zu er- 
füllen hatte und auch erfüllte, so zwar, daß man die Behauptung 
wagen kann: die u-il-tim ist die babylonische stipulatio. Mit 
ihr hat sie insbesondere gemein den fakultativ abstrakten Charakter, 
demzufolge sie alle möglichen causae in sich aufnehmen kann. Wenn 
ferner die römische Sponsionsbürgschaft nur bei der Verbalobligation 
zulässig war, so entspricht dem im babylonischen Recht die Er- 
scheinung, daß die Verbürgung vor allem bei der u-il-tim begegnet, 
ebenso wie es kaum ein Zufall ist, daß die Solidarobligation wie in 
Rom bei der stipulatio, so in Babylon bei der u-il-tim ihren Ausgangs- 
punkt hatte. Weitere Analogien werden sich noch im Laufe der 
Darstellung ergeben. 10 ) Natürlich übersehe ich nicht den großen 
Unterschied, daß die stipulatio Verbal-, die u-il-tim Literalkontrakt ist; 
allein in dieser Beziehung repräsentiert die u-il-tim nur jenes Ziel der 
Entwicklung, dem die Stipulation seit Aufkommen und zunehmender 
Verbreitung der Stipulationsurkunde zustrebte. 15a ) Auf der anderen 
Seite genügt aber schon diese Tatsache allein, um den Gedanken aus- 
zuschließen, daß die stipulatio aus dem babylonischen Rechte entlehnt 
sei. Es liegen vielmehr voneinander unabhängige Parallelentwicklungen 



13) Ein weiteres sehr wichtiges Argument wird sich unten § 17 p. 185 f. ergeben. 

14) Festschrift für Bekker p. 107 f. 

15) Vgl. unten p. 165 n. 65, § 17 p. 182 f. 

15a) Vgl. neuestens Binder, der justinianische Literalkontrakt (Sep. Abdr. 
aus den Studi in onore di Biagio Brugi), Palermo 1910. 



Verbindung der Haftung mit dem Schuldversprechen. 143 

vor, deren große Verwandtschaft es uns aber ermöglicht, Tatsachen 
der einen Entwicklungsreihe zur Ergänzung der anderen zu verwerten. 

Es sei indessen nochmals betont, daß unsere Hypothese und der 
sich aus ihr weiter ergebende Satz, daß das Schuld versprechen als 
solches eine Haftung nicht erzeuge, nur für Zeiten Geltung bean- 
spruchen können, die wir als vorgeschichtliche insoferne bezeichnen 
müssen, als wir aus ihnen in diesen Fragen keine unmittelbaren 
Quellenzeugnisse besitzen. Für die geschichtliche Zeit lehrt uns schon 
die Gleichung u-il-tim = Schuldschein, dafß hier der Bürgschaftsgedanke 
nicht mehr lebendig war und vielmehr mit dem Schuldversprechen als 
solchem sich auch die Haftung verband. Dürften wir dieses für die u-il-tim 
gewonnene Ergebnis verallgemeinern und auf das Schuld versprechen 
überhaupt ausdehnen, so müßten aber die im § 11 mitgeteilten Ur- 
kunden anders interpretiert werden. Historisch erklärt gäben sie uns 
allerdings Kunde von der Selbstbürgschaft und einem Rechtszustande, 
in welchem das Schuldversprechen noch nicht genügte, um auch eine 
Haftung hervorzubringen, dogmatisch interpretiert könnten sie aber 
nicht besagen, daß der Schuldner ohne Verbürgung überhaupt nicht 
gehaftet hätte, wenn das Schuldversprechen schon an sich auch die 
Haftung erzeugte. Die am nächsten liegende Erklärung schiene unter 
solchen Umständen die, daß der Schuldner ex lege bereits auch mit 
seinem Vermögen haftete und durch die Selbstverbürgung sich noch 
der mit der Bürgschaft speziell verbundenen leiblichen Haftung unter- 
warf bzw. diese klarstellte. Aus einem Haftungsgeschäft, das dem 
Gläubiger den Zugriff gegen den Schuldner überhaupt erst verschaffen 
sollte, wäre also die Selbstbürgschaft mit dem Aufkommen der all- 
gemeinen Vermögenshaftung zu einem Haftungsverschärfungsmittel ge- 
worden. 16 ) Doch soll damit nur auf eine Erklärungsmöglichkeit hin- 
gewiesen sein, die, wie bemerkt, von der Voraussetzung abhängt, daß 
die Haftung ex lege in der Tat schon mit jedem Schuldversprechen 
verknüpft war. Ob aber diese Prämisse schlechthin zutrifft, ist doch 
fraglich. Bevor ich jedoch auf diesen Punkt eingehe, muß ich zu 
einer Frage Stellung nehmen, deren Erörterung zugleich Anlaß geben 
soll, eine Einwendung allgemeiner Natur, die gegen die Thesen dieses 
Abschnittes erhoben werden könnte, zurückzuweisen. 

Die Frage betrifft Folgendes. Wenn es richtig ist, daß ursprünglich 
zur Begründung der persönlichen Haftung das Schuldversprechen nicht 
genügte, sondern die Bürgschaft eines Dritten oder die Selbstverbürgung 



16) Vgl. oben § 10 p. 103. 



144 Verbindung der Haftung mit dem Schuldversprechen, 

des Schuldners notwendig war, wie kommt es, daß diese in geschicht- 
licher Zeit fast spurlos verschwunden ist, während jene ihr altertüm- 
liches Gepräge noch in weitem Umfange bewahrt hat? Eine aller- 
dings nur hypothetische Antwort auf diese Frage kann m. E. gefunden 
werden, wenn wir uns die Bedeutung des subsidiären Erfüllungsver- 
sprechens des Bürgen vergegenwärtigen. Es wurde oben (p. 71 f.) wahr- 
scheinlich zu machen gesucht, daß der Bürge in der ältesten Zeit im 
Bürgschaftsfalle mit seiner Person dem Zugriff des Gläubigers verfiel, 
daß dann hei der Erfüllung der Schuld durch den Bürgen, die zuerst 
lediglich auf Grund seines Rechtes, sich aus der Haftung zu lösen, 
erfolgte, sich allmählich der Gedanke der Pflicht Bahn brach, bis 
schließlich das Erfüllungsversprechen immer mehr als das Wesen 
der Bürgenobligation erschien. Sollte sich nun diese Entwicklung 
nicht auch bei der Selbstbürgschaft, die ja mit der Drittbürgschaft 
wesensgleich war, vollzogen haben? Will man die Frage bejahen, so 
hätte der Schuldner und Bürge ursprünglich versprochen: 

a) ich werde erfüllen (Schuldversprechen)-, 

b) wenn ich nicht erfülle, werde ich mich dem Gläubiger aus- 
liefern (Bürgschaft); 

c) widrigenfalls ich selbst erfüllen werde (subsidiäres Erfüllungs- 
versprechen). 

Nun deckt sich das dritte Versprechen völlig mit dem ersten und 
erscheint neben ihm zwecklos. Man könnte daraus schließen, daß eben 
darum die oben skizzierte Entwicklung der Bürgenobligation bei der 
Selbstbürgschaft nicht zutreffe, und daran ist jedenfalls das eine richtig, 
daß das subsidiäre Erfüllungsversprechen in der Selbstbürgschaft, in- 
sofern sie lediglich ein Haftungsverschärfungsmittel war, nicht enthalten 
gewesen sein kann. Allein wenn wir uns in eine allerdings hypothe- 
tische Urzeit versetzen, in welcher die Selbstbürgschaft als Mittel der 
Haftungsbegründung noch als notwendig empfunden wurde, so konnte, 
sobald einmal die Bürgschaft das subsidiäre Erfüllungsversprechen in 
sich aufgenommen hatte, die sich daraus ergebende Übereinstimmung 
der Bürgenobligation mit dem Schuldversprechen bei der Selbstbürg- 
schaft auch in einem anderen Sinne gedeutet werden. Wenn diese 
schließlich auch nichts anderes erzeugte als eine Zahlungsver- 
pflichtung, die sich von dem schlichten Schuldversprechen nur durch 
ihre Erzwingbarkeit unterschied, so lag es wohl nahe, beide mit- 
einander zu identifizieren. Das Schuldversprechen mußte von 
dem Bürgschaftsversprechen allmählich absorbiert werden. 
Man sah also in dem ganzen Verpflichtungsvorgang nicht mehr eine 



insbesondere bei Schuldversprecben auf facere. 145 

Zweiheit von Rechtsakten, nämlich Schuldversprechen und Haftungs- 
geschäft, sondern nur mehr ein Rechtsgeschäft, ein inVerbürgungs- 
form (Handritus) 17 ) abgegebenes Erfüllungsversprechen. 17 *) 
Aber auch die Vorstellung, daß es sich hier um eine Verbürgungs- 
forin handle, mußte sich schließlich verlieren. Die Bürgschaft besteht 
ja niemals um ihrer selbst willen, sondern für die Schuld. Seitdem 
aber das Schuldversprechen in das nunmehr den Inhalt der Bürgen- 
obligation bildende Erfülluugsversprechen aufgegangen war und nicht 
mehr als besonderes Rechtsgeschäft empfunden wurde, fehlte es für 
die Verbürgung an einem Substrat. Erwägt man ferner, daß auch 
die immer mehr sich verbreitende Gewohnheit, die Verträge zu beur- 
kunden, den Sinn für die Bedeutung des Handsymbols abstumpfen 
mußte, sobald man einmal in der Beurkundung das juristisch Wesent- 
liche erblickte 18 ) — und das galt ja besonders für den Literalvertrag 
■der u-il-tim — , so wird man begreifen, daß schließlich der Rechts- 
satz sich entwickeln mußte, daß mit dem Schuldversprechen als solchem 
kraft Gesetzes die Haftung verbunden sei. Diese mag zunächst noch 
die persönliche (leibliche) gewesen sein. Es ist aber wohl anzunehmen, 
daß sich an sie später auch die dem vermögensrechtlichen Erfüllungs- 
versprechen ungleich adäquatere Vermögenshaftung anschloß und viel- 
leicht die erstere ganz zurückdrängte 19 ), so zwar, daß es jetzt zur Be- 
gründung einer leiblichen Haftung wieder der Selbstbürgschaft be- 
durfte, die aber nunmehr lediglich haftungsverschärfend, nicht haftungs- 
begründend wirkte. 

Der eben skizzierte Entwicklungsgang kann selbstverständlich nur 
hypothetische Geltung beanspruchen. Allein er erklärt uns die Tat- 
sache, die wir oben als erklärungsbedürftig bezeichnet haben: das 
frühe Verschwinden der Selbstbürgschaft. Er erfordert es aber auch 
nur in denjenigen Fällen, wo das in der Selbstbürgschaft enthaltene 
Erfüllungsversprechen mit dem Schuldversprechen sich deckte. Das 
gilt sicher für die u-il-tim. Wo aber dieser Erfolg nicht eintrat, 
konnte sich die Selbstbürgschaft behaupten. Das traf dann zu, wenn 
das Schuldversprechen auf ein facere ging, das Erfüllungsversprechen 
aber die Schadensersatzleistung mangels Erfüllung also, romanistisch 
gesprochen, ein dare zum Gegenstand hatte, ein Fall, der gewiß nicht 



17) Für die altbabylonische Bürgschaft vgl. oben § 2. Daß das Handsymbol 
auch die Form der neubabylonischen Bürgschaft war, wird unten § 20 nach- 
zuweisen sein. 

17a) Vgl. auch Strohal, Schuldübernahme p. 58f., Gierke p. 106. 

18) Vgl. auch unten § 21. 19) Vgl. oben p. 82 f. 

Koschaker: Babylon. -assyr. Bürgschaftsrecht. 10 



146 Schuld und Haftung im altbabylonischen Recht. 

selten war. Bei dieser Gestaltung war die Überdeckung der Schuld 
durch das Erfüllungs(Schadensersatz (versprechen ausgeschlossen und 
die Bürgschaft konnte daher in dem letzteren ihre Sonderexistenz 
neben der Schuld behaupten. Damit ist auch eine zweite Erklärungs- 
möglichkeit der im § 11 angeführten Urkunden gegeben. Es ist kaum 
ein Zufall, daß die Schuldversprechen dieser Urkunden sämtlich ein 
facere zum Inhalt haben. In Ev. Mer. 13 verspricht der Schuldner ein 
Unterlassen und ein facere liegt auch vor, wenn der Erfüllungsüber- 
nehmer sich dem Schuldner zur Erfüllung der Schuld, genauer gesagt 
zur Ausfolgung der Schuldurkunde verpflichtet. 20 ) Allein wenn wir 
in BV 74 (oben p. 106 f.), einer gegenüber Nbk. 387 nur ca. 60 Jahre 
jüngeren Urkunde, einer Erfüllungsübernahme begegnen, bei der von 
einer Verbürgung des Schuldners keine Rede mehr ist, so können wir 
daraus wohl schließen, daß auch beim Schuldversprechen auf ein facere 
schließlich die Haftung ex lege durchgedrungen ist. Weitere Belege 
für diese Entwicklung werden sich noch im Laufe der Darstellung 
ergeben. 21 ) Hier gilt es noch eine andere Einwendung abzuwehren, 
die gegen den von uns vermuteten Entwicklungsgang der Selbstbürg- 
schaft geltend gemacht werden könnte. 

Wir haben die allgemeine Notwendigkeit eines besonderen Haftungs- 
geschäftes für eine vorgeschichtliche Zeit behauptet, aus der uns un- 
mittelbare Quellenzeugnisse nicht erhalten sind und deren Rechtszu- 
stände nur durch Rückschlüsse ermittelt werden können. Nun um- 
faßt die Masse der neubabylonischen Rechtsurkunden eine Zeitspanne, 
die vom Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts tief in die Perser- 
zeit hinein sich erstreckt. Von ihr ist die Zeit des altbabylonischen 
Reiches durch einen Zeitraum von mehr als 1200 Jahren getrennt. 
Wir könnten also erwarten, daß wir in dieser so weit zurückliegenden 
Epoche den von uns aus den neubabylonischen Quellen postulierten 



20) Auf das Eigentümliche dieses Versprechens wurde schon oben p. 107 
aufmerksam gemacht. Es ist beachtenswert, daß es sich in sämtlichen Fällen 
um Obligationen aus einer u-U-tim handelt. Da wir nun wissen, daß die u-il- 
-tim Literalvertrag war (vgl. oben p. 131 f.), so ließe sich vielleicht annehmen, daß 
hier eine dem contrarius actus des römischen Rechts entsprechende Erscheinung 
vorliegt, indem das Schuldverhältnis ebenso wie es durch die Errichtung der 
Urkunde erst entsteht, so auch nicht schon durch die Erfüllung, sondern erst 
dann erlischt, wenn sein Träger, die Urkunde vernichtet wird, bzw. in die Hände 
des Schuldners zurück gelangt. Damit soll indessen nur eine Vermutung aus- 
gesprochen sein, da die Entscheidung dieser Frage eine eingehende Untersuchung 
der babylonischen Solutionsakte erforderte, eine Aufgabe, die außerhalb der dieser 
Arbeit gesteckten Grenzen liegt. 

21) Vgl. unten § 15 p. 165 f. 



Charakter der babylonischen Rechtsentwicklung. 147 

Urzustand vorfinden. Das Ergebnis der altbabylonischen Quellen ist 
aber, was die Bürgschaft anlangt, hier völlig negativ. Sie sind 
zwar für dieses Rechtsinstitut recht geringfügig, allein wenigstens 
für den Verpflichtungsschein lehrt sein mit der u-il-tim überein- 
stimmendes Formular, daß der Gedanke der Selbstverbürgung des Schuld- 
ners hier nicht stärker lebendig war als in neubabylonischer Zeit. 21a ) 
Dieser Einwand träfe indessen nur dann zu, wenn die Geschichte 
Babyloniens uns von der stetigen Entwicklung lediglich eines Volkes 
erzählte. Das ist aber nicht der Fall. Das infolge seiner geogra- 
phischen Lage nach allen Seiten feindlichen Einfallen geöffnete Land 
am Euphrat und Tigris war stets das Ziel der begehrlichen Wünsche 
der Nachbarvölker, und so bietet uns die politische Geschichte Baby- 
loniens das stets sich wiederholende Schauspiel, daß die angrenzenden 
Stämme, sobald ihrer frischen, unverbrauchten Volkskraft das unter 
dem Einflüsse der Kultur erschlaffende herrschende Volk nicht mehr 
Widerstand zu leisten vermag, in Babylonien eindringen und sich dort 
seßhaft machen. 22 ) So wird, selbst wenn wir uns auf den durch unsere 
Rechtsquellen abgegrenzten Zeitraum beschränken, das durch die "kana- 
näische' Einwanderung begründete Reich der ersten babylonischen 
Dynastie, nachdem es unter Hammurapi den Höhepunkt seiner Ent- 
wicklung erreicht hat, bald darauf durch eindringende chetitische 
Völker zerstört. Es folgt dann die Herrschaft der Kassu, die wieder- 
um abgelöst wird durch die aramäisch-chaldäische Einwanderung. 
Allerdings sind diese eindringenden Völker, die noch nicht auf einer 
hohen Kulturstufe standen, dem überragenden Einflüsse der babylonischen 
Kultur früher oder später erlegen. Allein Rückschläge in der Entwicklung 
der Gesamtkultur müssen doch mit derartigen politischen Katastrophen 
verbunden gewesen sein und sich natürlich auch auf dem Gebiete der 
Rechtskultur geäußert haben. 23 ) Manche Rechtsinstitute mögen sich 
allerdings erhalten und weiter entwickelt haben. Andere aber mögen, 
als dem Kulturzustande des nunmehr herrschenden Volkes nicht ent- 
sprechend, vernichtet oder doch in ihrer Entwicklung zurückgedrängt 
und gehemmt worden sein. So verhielt es sich vielleicht gerade bei 
der Bürgschaft. Es braucht uns also durchaus nicht zu überraschen, 
wenn in manchen Punkten das Recht in der neubabylonischen Zeit 
nicht mehr oder sogar noch weniger entwickelt ist als im Reiche 



21a) Siehe allerdings auch unten § 20 p. 225 f. 

22) Vgl. auch Schneider, Kultur und Denken der ßabylonier und Juden 
p. 5 f., Ed. Meyer, Geschichte des Altertums- I 2 p. 535. 

23) Vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 30 p. 732, 737 f. 

10* 



148 Garantieklauseln: bei der Kommenda, 

Hammurapis. Weiteres Quellenmaterial und vor allem ein eindringen- 
deres Studium des babylonischen Rechtes wird unsere Erkenntnis in 
diesen Fragen sicher fördern. Jedenfalls kann schon heute betont 
werden, daß man mit Argumenten, die sich auf die Kontinuität der 
geschichtlichen Entwicklung stützen, gerade in unserem Rechtsgebiete 
nicht genug vorsichtig sein kann. Es kommt ihnen vielfach kein 
größerer Wert zu als etwa dem Unternehmen desjenigen, der die 
primitiven Rechtsgestaltungen germanischer Volksrechte aus dem 
Grunde wegleugnen wollte, daß auf demselben Boden vorher das hoch- 
entwickelte römische Recht geherrscht habe. 

§15. 

Die im § 11 mitgeteilten Urkunden und die daran sich schließende 
Erörterung hatten Selbstbürgschaften zum Gegenstande, die sich auf 
den gesamten Inhalt des Schuldversprechens bezogen. In dieser Ge- 
stalt ist die Selbstbürgschaft ein in geschichtlicher Zeit bereits abge- 
storbenes Institut, das sich nur bei den auf ein facere gerichteten 
Schulden noch in Rudimenten erhalten hat. Hingegen kennen die 
Urkunden auch eine Bürgschaft einer der beiden Vertragsparteien, 
die sich nur auf einzelne Vertragspunkte erstreckt, und in 
dieser Form ist allerdings die ' Selbstbürgschaft' ein voll entwickeltes 
Institut des zur Zeit unserer Urkunden geltenden Rechts. 

Ich lege zunächst das Quellenmaterial vor, um es dann zusammen- 
fassend zu erörtern. 

I. In Kommendaverträgen begegnet häufig die Bestimmung, daß 
der Gerant für das ihm zum Handel überlassene Kapital dem Kom- 
mendator „bürge". Als Beispiel sei die Urkunde Dar. 359 (BR IV 
p. 77) angeführt: 

[51] hur suluppu sa m ilu Marduk- [51] Kur Datteln, gehörig Marduk- 

-na-sir-aplu, -näsir-aplu, 

apil-su sa m Itti- ilu MarduJc-balätu, Sohn des Itti-Marduk-balätu, Nach- 



apil m E-gi-bi, ina muh-hi 
ilu Samas-esi-etir, apil-su sa m i,u Sa- 
mas-iddin, apil milu Samas-bcH>i. 



kommen des Egibi, lastend auf 
Samas-esi-etir, Sohn des Samas-iddin, 
Nachkommen des Samas-bari. 



a-na harräni. 1 ) mim-ma ma-la ina Zur Kommenda. 1 ) Was immer in 
äli u seri der Stadt oder auf dem Lande 



1) Die Kommenda kleidet sich hier, wie auch sonst häutig, in die Form 
der u-il-tim mit Angabe der causa. 



bei der Kommenda, beim Depositum, 



149 



5 ina eli suluppu 51 kur m il " Samas- auf die Datteln, (im Betrage von) 5 



-csrrtir 
ip-pu-su, ina u-dura-hi zitti' 2 ) '" ilu Sa- 
>n ns- (\. Maräul;)-na-sir-apbi 

it-ti ""'"Samas-est-etir ik-kal. 
im-ut gaqqadu suluppu '"''" Samas- 

-esi-Ciir 
na-si. a-di 3-ta sandtP) 
10 itti (ayhcMnes sah-na-at suluppu 



'Bei") 



es-ru-u sa 



Zeugen. Datum. 



51 Kur Samas-esi-etir 
machen wird, wird im Verhältnis 

zu seinem Anteile 2 ) Marduk-näsir- 

-aplu 
mit Samas-esi-etir nutznießen. 
Für das Kapital an Datteln ist 

Samas-esi-etir 
Bürge. Auf 3 Jahre hat man 
miteinander abgeschlossen. Die 

Datteln 
sind der Zehent des Bei. 4 ) 



Weitere Kommendaverträge mit dieser Klausel sind Nbn. 562 
(BR II p. 58), Dar. 134 (BR III p. 47), App. 5 (Xerxes) = KB IV p. 310f. 5 ) 

IL Interessant nach mehreren Richtungen hin ist eine Urkunde 
über ein Gelddepositum aus der Seleuzidenzeit, die zuerst Strass- 
maier 6 ) und dann Peiser 7 ) publiziert hat. Sie ist am Schlüsse stark 
zerstört und lautet in ihren wesentlichen Bestimmungen nach Peisers 
Umschrift: 

% manu kaspi . . . (2) . . . ., paq-du (3) sa Bel-ku-sur-su . . . ., 
(4) ina pdn ltti- Mar duk-haldtu . . . .; (5) umu 2 kan sa ar ± u Airi sattu 



2) Die Phrase begegnet noch in App. 5 8 (KB IV p. 310): [i-na] u-dur a-hi 
zitti >" »f« Bel-etir (9) [Bi-baJ-a-ta [imanni?]. Peiser übersetzt dort: (Allen 
Gewinn, welchen Ribäta (der eine socius) machen wird), „wird [auf (?)] die Ver- 
pflichtung (?) des einen Besitzanteils des Bel-etir (der andere socius) (9) [Rib]äta 
[anrechnen (?)]". Wie immer man die Redensart philologisch erklären mag, der 
Zusammenhang läßt ihren ungefähren Sinn mit ziemlicher Sicherheit erschließen. 
Sie besagt, daß der Gerant und Kommendator in den Gewinn sich verhältnis- 
mäßig teilen werden. Die Übersetzung im Texte ist daher nur eine sinngemäße, 
keine wörtliche. 

8) MU-AN-NA-MES. 

4) Diese Bestimmung besagt wohl, wie Kohl er, a. a. 0. p. 78 meint, daß das 
Kapital aus dem Zehent des Beltempels stammt, der ihn dem Bankier Marduk- 
-näsir-aplu verpachtet hatte. 

5) Vielleicht ist auch die Verbürgungserklärung in Nbk. 356 hierher zu 
stellen: pu-ut e-ti-ra sa haspi sa [. . .] (2) A, B u C (3) sa eli D (4) D ina 
(]iit<i (5) E na-si „für das Zahlen des Silbers [. . .] (2) des A, B und C, (3) lastend 
auf D, (4) ist D in die Hände (5) des E Bürge". Daran schließt sich die Be- 
merkung: e-pis (ü) sa duppi-su-nu sa harräni-su-nu ...[....] (7j itti a-ha-mes 
qa-tu-u „die Ausfertigung (6; ihrer Urkunden über ihre Gesellschaft ... [.-..] 
(7) ist untereinander vollendet". Doch ist der Zusammenhang ein ganz proble- 
matischer. 

6) ZA III p. 137f., 150. 7) KB IV p. 316f. 



150 beim Depositum, in Werkverträgen, 

g^ians^ An-ti-'-al-lu-su sarru, (6) Tiaspa-a-an 2 / 3 manu, paq-du sunt, apil 

sumi, 9 ) Itti-Marduk-balätu (7) u-tir-ma a-na Bel-hi-sur-su . . . 

(8) . . . i-nam-din. Jci-i ina a-dan-ni-su la ut-ti-ri, (9) la id-dan-nu, 
lib-bu-u da-a-hi sa sarri, sa ana muh-M paq-du (10) sat-ri, i-nam-din. 
.... (12) .... pu-ut har-ru u hahiqi (13) sa laspa-a-an 2 3 manu, 
paq-du sum, apil sumi, 9 ) IHi-Marduk-balätu (14) .... na-si „ 2 3 Minen 
Silber . . . (2) . . ., Depositum (3) des Bel-kusursu . . . ., (4) im 

Besitze des Itti-Marduk-balätu ; (5) Am 2. Ajaru des 94. Jahres 8 ), 

König Antiochus, (6) wird an Silber % Minen, Depositum des f Name', 
Sohn des 'Name', 9 ) Itti-Marduk-balätu (7) . . . ., indem er (sie) zurück- 
stellt, dem Bel-kusursu .... (8) ... . geben. Wenn er zur rechten 
Zeit nicht zurückstellt, (9) nicht gibt, wird er nach dem Gesetze des 
Königs, welches über das Depositum (10) geschrieben ist, geben. 

(12) .... Für Verminderung (?) und Verlust (13) an 

Silber 2 3 Minen, Depositum des 'Name', Sohn des 'Name', 9 ) ist Itti- 
Marduk-balätu (14) .... Bürge". 

Beachtenswert ist in der Urkunde, abgesehen von der später zu 
erörternden Verbürgung, namentlich die Bestimmung, daß der Depo- 
sitar im Falle, als er nicht rechtzeitig erfülle, das Depositum zu 
restituieren habe 'nach dem Gesetze des Königs, welches über das 
Depositum geschrieben ist'. Sie erinnert lebhaft an die Klausel der 
gräko- ägyptischen Depotscheine: axoxaxic6xr'iösi (der Depositar) t] 
sxxefasi xaxä xbv xG)v 7iaQa9r]xG)v vöfiov 10 ), beziehungsweise: octco- 
daöSL (der Depositar), iäv de {li] ajtoda, ccTtoxstödxa xijv xccqcc- 
&rjxr]v ÖLTtXijv xaxä xbv xüv 3iecQud , r i xä)v v6{iov. n ) Ich beschränke 
mich, hier auf diese Analogie hinzuweisen und behalte mir eine Er- 
örterung der daran sich knüpfenden Fragen für eine andere Gelegen- 
heit vor. 

III. In dem Werkvertrage Nbk. 233 (KB IV p. 192 XX) 'bürgt' 
der Unternehmer für die Qualität des opus. Die Urkunde lautet: 



8) D. h. der Seleuzidenaera = 218 v. Chr. Strassmaier, a. a. 0. p. 139. 

9) Das sieht fast so aus, als ob die Urkunde hier Blanquett und demnach 
zu übersetzen wäre f Depositum des (Name): . . . ., Sohn des (Name): . . . .' 
Sollte damit gesagt sein, daß der Depotschein indossabel ist? Dieser Meinung 
scheint Peiser zu sein, der paqdu mit 'Wechsel' zu übersetzen vorschlägt. 
Allerdings ist an den betreffenden Stellen nach Strassmaiers Kopie kein Raum 
für Eintragungen gelassen. Es wäre schließlich auch denkbar, daß bloß ein 
Abkürzungsvermerk des Schreibers vorliegt und demnach zu übersetzen wäre 
„Depositum des Genannten (nämlich FWl-kiisuisu)" usw. 

10) Z. B. BGU III 729 14 , Lond. III 913 (p. 175), BGU II 637, Oxy. VII 1039. 

11) Lond. II 298 (p. 206), BGÜ III 856. Vgl. ueuestens auch Berger, Die 
Straf klausein in den Papyrusurkunden 1911 p. 103. 



in Werk-, Kauf- uDd Viehverstellungs vertragen, 151 

[. . .] hir suluppu 3 PI IS qa la-si-ia, [. .] Kur Datteln 3 PI 18 Qa Jcasia, 
mdkku/ru ''"Samas, a^na 23 (?) si- Eigentum des Hamas, zu 23 (?) Ge- 
-in-du-u fäßen (?) 



sikanri tdbi ina pa-ni '"Sälan-sum, 

apil-su sa 
m «"Brl-ahr-iddin. ina ar ~Nisannu 

ii ''"Aiiiru 
s a-na am,:i "um-ma-nu, sa ina Bäbili ki 

ü-la-lu-nu, i-nam-din. 

pu-ut du(l. tu)-ub-bu sa sikari na-sL 



guten Dattelweins im Besitz des 

Säkin-sum, Sohnes des 
Bel-ahe iddin. Im Nisan und Ajaru 

wird er für die Werkleute, welche 5 

nach Babylon 
kommen, liefern. 
Für die Güte des Dattel wein s ist 

er Bürge. 



Datum. 

Ein Werkvertrag ist auch Nbn. 600. Der Unternehmer erhält 
Datteln zur Herstellung von Wein und bürgt für die ^Beschädigung 
der Fässer und das Leckwerden der Gefäße' (Z. 6 f. pu-ut sap-pu 
mur-si u ha-as-tum sa dan-nu-tu na-si). 12 ) 

IV. Nbn. 17 (BR IV p. 65 f.) ist ein Kaufvertrag über eine Zwiebel- 
ernte und zwar werden 1800 pttu 13 ) Zwiebeln verkauft zum Preise 
660 pitu für 1 Mine. Am Schlüsse des Vertrags nach dem Datum 
steht dann noch die Bestimmung Z. 24 f.: pu-ut ma-as-sar-ti u ) (25) u 
ma-nu-ta sa pi-i-tu a-di-i (26) umu l(p am sa a '~ u Nisannu m ilu Nabü- 
-nädin-ahi na-as-s[i] „für die Bewachung 14 ) (25) und Zählung der 
pitu ist bis zum (26) 10. Nisan 15 ) Nabü-nädin-ahi (der Verkäufer) 
Bürge". 

V. In Viehverstellungsverträgen begegnet regelmäßig eine Klausel, 
nach welcher der Einsteller put suddudu ie ), rt'iti massartum nasi „für 
das Einpferchen 16 ), Weiden und die Bewachung (des eingestellten Viehs) 
bürgt". 17 ) Die hierher gehörigen Verträge sind im einzelnen juristisch 
verschieden zu beurteilen. Im Dar. 257, 348 und BE VII^ 63 heißt es, 
daß der Versteller das Vieh ana zitti ana x (Betrag) ana E (Ein- 



12) Eine ähnliche Klausel auch in Ner. 14 9 . 

13) Das sind nach Muss-Arnolt p. 853 II die Furchen, in welche die Zwie- 
beln gesetzt werden. 

14) Peiser übersetzt wohl versehentlich „Berechnung". 

15) Das ist wohl der Tag, an dem die Ware übergeben werden soll. 

16) Über suddudu = einpferchen vgl. Clay, BE VII^ p. 27 n. zu no. 12, 
X p. 24 n. zu 1. 21. 

17) Beispiele: BE Yll]^ 63 (p. 27, 4. Jahr des Kyros), Dar. 257, 348 (BR III 
p. 44f.), BE X 131 (p. 23, 4. Jahr Darius' II.). Vgl. ferner BE IX l 2 5f., 20 9 f., 
X 13021 f., 132i8f.. 



152 i n Viehverstellungs- und Pachtverträgen, 

steller) iddin „zum Anteil für x dem E gegeben hat". 18 ) Das Erträg- 
nis kommt beiden Kontrahenten zugute. In Dar. 257 obliegen dem 
Einsteller noch gewisse Verpflichtungen und in BE VIH^ 63 wird 
bestimmt, daß er außer dem Gelde jährlich ein Junges und die Wolle 
abliefern müsse. Kohler, BR III p. 45 sieht in diesen Texten den Tat- 
bestand der sogenannten einfachen Viehverstellung (cheptel simple) 
gegeben, bei welcher der Versteller Eigentümer des Viehs bleibt und 
nur die Nutzungen (Tierjunge, Wolle usw.) mit dem Einsteller teilt. 
Allein dabei bleibt das ana ziüi iddin unberücksichtigt, was P eiser 
ganz richtig „er (der Versteller) hat zum Mitbesitz gegeben" über- 
setzt. 19 ) Demnach ist wohl anzunehmen, daß der Einsteller gegen 
Leistung des Geldbetrages Miteigentümer des eingestellten Viehs wird. 
Dann aber nähern sich die vorliegenden Verträge wohl mehr dem 
französischen cheptel ä moitie, bei welchem das Stellvieh von beiden 
Kontrahenten zusammengebracht wird und der in der Form, daß der 
Einsteller das Vieh dem Versteller zum Teil abkauft, in Baden und 
Mecklenburg nachzuweisen ist. 20 ) Von dieser Gestaltung des Ver- 
trages hebt sich nur die Viehverstellung in BE X 131 deutlich ab. 
Die Einstellung erfolgt hier ana GIS-BÄB' 1 ) 'zur Pacht'. Die Pacht- 
abgabe, die von den Erträgnissen des Viehs zu leisten ist, ist fest 
bestimmt. Hier ist also die Viehverstellung eine echte locatio cou- 
ductio rei 22 ), während sie sich in ihrer ersten Gestalt einem Gesell- 
schaftsverhältnisse nähert. 

VI. Besondere Bürgschaftsklauseln begegnen endlich in Pacht- 
urkunden. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine gewöhn- 
liche locatio conductio rei mit festem Pachtzins, die sich im neu- 
babylonischen Recht sehr häufig in die Form der uil-tim kleidet, in 
der der Pächter die Zahlung des Pachtzinses verspricht, sondern um 



18) Die Vertragsdauer ist in allen drei Urkunden auf 5 Jahre bemessen. 
Es liegt ihr vielleicht eine gesetzliche oder gewohnheitsrechtliche dispositive Frist- 
bestimmung zugrunde. Solche Fristen begegnen auch im Rechte des Mittelaltera 
und zwar ist es nicht ohne Interesse, daß die älteren französischen Coutumes 
gerade die Frist von 5 Jahren bei Großvieh kennen, während sie bei Kleinvieh 
3 Jahre beträgt. Vgl. Huck, Zeitschr. für deutsches Recht V p. 243, 270. Auf 
Großvieh (Kühe) beziehen sich denn auch Dar. 257 und ö48, während in BE VIIIj 63 
allerdings auch Ziegen und Schafe eingestellt werden. 

19) Clay, a.a.O. übersetzt: der Versteller f gave as a part-ownership'. 

20) Vgl. Huck, a. a. 0. p. 238 f., 294. 

21) Vgl. oben § 9 p. 89 n. 15 a. 

22) Im deutschen Recht ist sie auch in dieser Form nachweisbar. Vgl. Huck, 
a. a. 0. p. '234, 270f., Stobbe-Lehmann, Handbuch des deutschen Privatrechts* 
HI p. 343 f., Gerber, deutsches Privatrecht 17 p. 35(3. 



in Pachtverträgen. 153 

Verträge, in denen dem Pächter ein Feldgrundstück ( SE zeru) ana 
am,: <" XU-GIS-SÄR-u-tu 23 ), d. h. zu dem Zwecke übergeben wird, es in 
mit Fruchtbäumen (Dattelpalmen) bestandenes Gartenland umzuwandeln. 
Dieses Rechtsverhältnis ist bereits im K. H. §§ 60 f. und zwar in der 
Weise geregelt, daß 4 Jahre zur Anpflanzung gerechnet werden und 
erst im 5. Jahre es zu einer Teilung des Erträgnisses zwischen Ver- 
pächter und Pächter kommt. Ähnlich lauten die Bestimmungen der 
neubabylonischen Urkunden. Der Pachtzins ist nirgends fest, sondern 
als Ertragsquote bestimmt (Teilpacht). 24 ) 

Die 'Bürgschaft', welche nun der Pächter in diesen Verträgen 
übernimmt, erstreckt sich in der Regel auf die Herstellung einer Ein- 
friedung und die Bewachung des Feldes. So KA 11 (31. Jahr des- 
Darius) Z. 8: pu-ut su-ud-du u ma-sar-tum sa SE zcru P (Pächter) na-si 
„für das Einfrieden (?) und die Bewachung des Feldes ist P Bürge". In 
Dar. 193 (BR III p. 42f.) lauten die Klauseln Z. 13f.: pu-ut] (14) ma- 
-sar-tum sa fort (P) na-si „für die Bewachung des Gartens ist (P) 
Bürge" 25 ) und Z. 17 f.: pu-ut e-pi-su sa li-mi-tum na-si „für die Her- 
stellung einer Einhegung ist er (der Pächter) Bürge". Besonders aus- 
führlich formuliert Nbk. 90 (BR IV p. 74) Z. 13 f. 26 ): pu-ut] e-pi-su 

sa dul-lu, ha-ru-u sa [. , (14) . . .] su-u sa aq(??)-qul-a-tum, na- 

-sa-ru sa gisimmare (?), (15) BI pit-qu sa gisimmare, sa-qu-u sa me-e 
(16) P na-si „für die Ausführung der Arbeit, das Graben des [Grabens], 

(14) [das ] der Harken (?), das Bewachen der [Palmen], (15) das 

Befruchten der Palmen, das Begießen mit Wasser (16) ist P Bürge". 
Eine Verbürgungserklärung des Pächters begegnet auch in dem Pacht- 
vertrage mit festem Pachtzins (GIS-BÄR) BV 52 (5. Jahr des Darius). 
Leider ist die betreffende Stelle Z. 13 f. ganz lückenhaft. Es ist nur 
zu erkennen pu-ut qu (?) [..■■] la (?) [......] na-si. 21 ) 



23) Man liest ameiu NJJ- G1S-SAB gewöhnlich ameiu ur q U „Gärtner". Dem- 
nach würde das Abstraktum urqütu 'Gärtnerei' lauten. Vgl. Delitzsch p. 243, 
Mus8-Arnolt p. 104. Neuestens schlägt Ungnad, H. G. II, Glossar p. 170 die 
Lesung säkinum in derselben Bedeutung vor. NU-GIS-SAB-n-tu wäre demnach 
stikinütu zu lesen. 

24) Am nächsten kommt § 60 K. H. Nbk. 90 (BE IV p. 74). Hier gehört der 
Ertrag durch 4 Jahre dem Pächter allein, die nächsten 2 Jahre muß er y s , die- 
folgenden 4 ' 4 der Ernte dem Verpächter abliefern. 

25) Ähnlich auch KA 19 21 (36. Jahr des Darius). 

26) Ich folge der Übersetzung Peisers 1. c. 

27) Verbürgungen eines der Kontrahenten finden sich noch in einer Reihe 
anderer Urkunden, die jedoch teils in ihren Lesungen zu unsicher, teils auch zu 
schlecht erhalten sind, um verwertet werden zu können. Vgl. z. B. Nbk. 51 7 , 
Ner. 15, 45, Cyr. 304 (BR IV p. 46), BV 23, 146 u. a. m. 



154 Juristische Natur der Garantie-Klauseln. 

Was nun die juristische Analyse dieser Texte betrifft , so wende 
ich mich zuerst der unter IL angeführten Urkunde zu, da hier die 
Sachlage am klarsten ist und auch Parallelen aus anderen Rechten 
zur Verfügung stehen. 

Der Depositar 'schuldet' zweifellos die Rückgabe des Depositums 
und er 'haftet' dafür, da das Depositum Realvertrag ist, aus dem 
Gesichtspunkte der Empfangshaftung. 28 ) Er 'bürgt' aber im vorliegen- 
den Falle außerdem c für Verminderung und Untergang' des Depo- 
situms. Das kann dem Zusammenhange nach wohl nur bedeuten, 
daß der Depositar die Gefahr 29 ) der anvertrauten Sache auf sich 
nimmt 30 ), während er nach dem Gesetze die zufällige Verminderung 
oder Vernichtung des Depositums nicht zu vertreten hat. 31 ) Es steht 
ihm aber frei, vertragsmäßig durch 'Bürgschaft' diese Zufallshaftung 
zu übernehmen. Die Sache liegt also ganz gleich wie bei der hyyvr\ 
des Depositars nach griechischem Recht, wozu ich auf die Dar- 
legungen Partschs 32 ) verweisen kann. 

Schwieriger ist allerdings die juristische Konstruktion dieser 
'Selbstbürgschaft'. Sachlich kann sie wohl nichts anderes besagen, 
als daß der Depositar die Rückgabe des Depots beziehungsweise Schadens- 
ersatzleistung auch für den Fall verspricht, daß das Depot durch einen 
von ihm kraft Gesetzes nicht zu vertretenden Umstand vermindert 
wird oder untergeht. Will man nun voraussetzen, daß dieser Ver- 
bürgung auch eine Schuld entsprechen muß 33 ), so wäre eine zweifache 
Auffassung des Rechtsverhältnisses a priori denkbar. Die eine ginge 
dahin, daß der Depositar ein auf Abwehr der die Verminderung oder 



28) Vgl. oben § 11 p. 110 n. 22. 

29) Über 'bürgen' im Sinne von 'Gefahr tragen' in den nordischen Quollen 
vgl. v. Amira II p. 48f., 51, 57 f. 

30) Ob daraus zu schließen ist, daß die Urkunde kein deposituin irreguläre 
zum Gegenstand hat, weil bei diesem der Depositar Eigentümer der verwahrten 
Sache wird und als generischer Schuldner eo ipso auch die Gefahr trägt, mag 
dahin gestellt bleiben. 

31) Für das altbabylonische Recht vgl. § 125 K. H., der wenigstens in seiner 
überlieferten Gestalt die Diebstahlsklage dem Depositar nur dann gibt, wenn er 
'durch seine Unachtsamkeit, das, was ihm (der Deponent) zur Aufbewahrung 
gab, abhanden kommen ließ', Z. 75 f. : §a i-gu-ma mi-im-nm sa a-na ma-sa-ru-tim 
id-di-nu-sum-ma u-hal-U-lit. Eine andere Frage ist es allerdings, ob § 125 IL H. 
die älteste Fassung der Norm darstellt. Vgl. einstweilen Fehr, Hanimurapi und 
das salische Recht p. 45 f. 

32) Griech. Bürgschaftsrecht I p. 304 f. 

33) Das ist die herrschende germanistische Lehre. Vgl. v. Amira II p. 53, 
65f., Puntschart p. 114f., Gierke p. 58 n. 36, Schwerin, Schuld und Haf- 
tung p. 11. 



Erfolgshaftung. 155 

den Untergang des Depositums herbeiführenden Umstände gerichtetes 
facere schulde und dafür bürge. Die Konstruktion ist indessen sofort 
abzulehnen, da von einer solchen Schuld mit keinem Worte die Rede 
ist, und sie daher Dinge in die Urkunde hineinträgt, die in ihr nicht 
enthalten sind. Insofern die Haftung des Depositars auch auf den 
Zufall sich erstreckt, wäre es ferner völlig unwahrscheinlich, daß er 
zur Abwehr solcher Ereignisse verpflichtet sein sollte, die außerhalb 
jeder menschlichen Berechnung liegen und deren Eintreten oder Nicht- 
eintreten durch menschliche Kraft überhaupt nicht herbeigeführt wer- 
den kann. Es wäre aber auch möglich, in dem oben erwähnten 
Schadensersatzversprechen die Schuld des Depositars zu erblicken, für 
die er bürgt. Allein wenn wir oben p. 145 f. nachzuweisen versuchten, 
daß die Selbstbürgschaft bei den Schulden auf dare deshalb früh ver- 
schwunden sei, weil sich hier das subsidiäre Zahlungsversprechen des 
Bürgen mit der Schuld deckte, und daß daher in geschichtlicher Zeit 
mit dem Summenversprechen ipso iure auch die Haftung verbunden 
war, so wäre es doch höchst merkwürdig, warum sich gerade bei 
dieser Summenschuld — denn die Schadensersatzverbindlichkeit ist 
ja eine solche — die Bürgschaft und zwar noch in so später Zeit als 
Form der Haftungsbegründung 34 ) erhalten haben sollte. Man würde 
vielmehr erwarten, daß das Schuldversprechen geblieben sei, während 
die Bürgschaft als überflüssig verschwand. In der Tat aber trifft 
gerade das Gegenteil zu. Die Urkunde berichtet uns mit keinem 
Worte von einem Schuldversprechen des Verwahrers. Sie sagt nur, 
daß er für die Verminderung und den Untergang des Depositums 
bürge. Diese Beobachtung führt uns nun darauf, für die vorliegende 
Bürgschaft eine Erklärung zu versuchen, welche von der Annahme 
eines Schuldversprechens abstrahiert. Mit dem römischen und heutigen 
Bürgschaftsbegriff, welchem die Akzessorietät in dem Sinne eigen ist, 
daß die Verbürgung eine Schuld voraussetzt, ist dies allerdings un- 
vereinbar. Allein wenn die Selbstbürgschaft des Schuldners im 
babylonischen Recht ursprünglich besagt: wenn ich nicht erfülle, 
werde ich mich dem Gläubiger ausliefern, wenn also der Inhalt des 
Bürgschaftsversprechens von der Schuld wesentlich verschieden ist, 
so ist es begrifflich möglich, daß jemand sich für einen Erfolg 



34) Daß die Verbürgung hier den Zweck der Haftungsverschärfung — per- 
sönliche Haftung zur Vermögenshaftung — verfolgte, ist kaum anzunehmen. 
Warum hätte der Depositor in einem Falle, in dem er kraft Gesetzes überhaupt 
nichts schuldete, wenn er schon aus freiem Antrieb ein Schuldversprechen ab- 
gab, dafür noch verschärft haften sollen? 



156 Erfolgshaftung. 

verbürgt, mag dessen Eintreten oder Nichteintreten auch außerhalb 
der Macht des 'Bürgen' liegen. Die Bürgschaft wird dann zur 
Garantieüberuahrne. Weun sie nun ursprünglich die Selbststellung 
des Garanten im Garantiefalle zum Gegenstande hatte, so mußte sich,, 
seitdem die Bürgschaft für Schuld das subsidiäre Erfüllungsversprechen 
in sich aufgenommen hatte und dieses schließlich sogar als das Wesent- 
liche erschien, diese Umbildung auch hier vollziehen. Aus dem Ver- 
sprechen des Garanten, sich im Garantiefalle dem Gläubiger zu über- 
antworten, wird so ein Versprechen, zwar nicht zu erfüllen — denn 
es gibt hier keine Schuld, die erfüllt werden könnte — , wohl aber 
Schadensersatz zu leisten. Es liegt also nicht ein Schadensersatz- 
versprechen als Schuld, für die gebürgt wird, vor, sondern das 
Schadensersatzversprechen ist die Bürgschaft selbst. 35 ) Es 
ist Garantieversprechen und als solches Bürgschaft, mit der es ja die 
wesentliche Eigenschaft teilt, daß es nicht um seiner selbst willen, 
sondern wegen eines Erfolges, der eintreten oder nicht eintreten soll,, 
besteht. Auch die Bürgschaft für Schuld wird ja zur Garantie für 
einen außerhalb der Macht des Garanten liegenden Erfolg dann, wenn 
dem Bürgen die Gestellung des Schuldners z. B. infolge dessen Flucht 
unmöglich ist, oder seitdem die Bürgenobligation sich auch auf die 
Erfüllung des Schuldners erstreckt, in dem Falle, als der Schuldner 
vermögenslos ist. Aus diesen Gründen, sowie aus dem Umstände,, 
daß hier ein Schuldversprechen, das durch das Erfüllungsversprechen 
des Bürgen hätte überdeckt werden können, fehlt, ist es auch zu er- 
klären, daß man das Schadensersatzversprechen juristisch noch als 
Bürgschaft empfand, während diese Vorstellung bei der Haftung für 
eine Summenschuld schon längst verschwunden war. 

Es mag vielleicht manches an diesen Deduktionen als hypo- 
thetisch erscheinen. Daß aber die wichtigste Voraussetzung unserer 
These: die Verbürgung ohne Schuld, lediglich für einen Erfolg, nicht 
der quellenmäßigen Grundlage entbehrt, beAveisen folgende Urkunden; 

a) BE IX 41 (p. 30, 35. Jahr Artaxerxes' I.). 36 ) 

milu Ellü-ah-idditiaii m Bel-su-ni<. it/>li Ellil-ah-iddina und Belsunu, die 

sa milu Ellü-[. . . . .], Söhne des Ellil-[ ], 

u m Ha-tin, aplu sa m Ba-zu-zu, a-na und Hätin, Sohn des Bazuzu, haben 
r " ilu Ellil-n<'t(lin-sum, [aplu sa] zu Ellil-nädin-sum, [Sohn des] 



35) In demselben Sinne auch Partsch p. 541'., 304f., Strohal, Schuld- 
Übernahme p. 57. 

36) Eine Übersetzung auch bei Delitzsch, Handel und Wandel in Alt- 
babylonien p. 56 n. 60 a). 



BE IX 41, Nbn. 343. 157 

m Mu-ra-su-u, li-a-am iq -bu-u uni-ma: Murasü folgendermaßen gesprochen: 

,,u[n]-q[u] „Betreffs des Ringes, 

sa tam-lu-u-sa bar-ra-aq-tum sa ina dessen Füllung ein Smaragd, der 

hurdsi salc-na-at in Gold gefaßt ist, 

■i a-di 20 sandti sa la ma-qa-at sa auf die Dauer von 20 Jahren für das 5 

ba-ar-ra-aq-tum Nichtherausfallen des Smaragdes 

ultu un-qu sa hurdsu na-sa-ni." ina aus dem Goldringe bürgen wir." 

nnm m " maqät ba-ar-raq-tum Wenn der Smaragd herausfällt 

ultu un-qu sa hurdsu, a-di la aus dem Goldringe, bevor die 20 Jahre 



abgelaufen sind, 
werden 10 Minen Silber Ellil-ah- 
-iddina, Belsunu (und) Hätin 



20 sandti e-tir-ti, 
10 manu haspi milu JEllü-ah-iddina, 

m Bel-su-nu, m Ha-tin 
a-na ""' u Ellü-nddin-sum i-nam- dem Ellil-nädin-sum geben. 

-din-u'. 

Zeugen, Datum. 
Daß hier keine Schuld vorliegt, für die gebürgt wird, bedarf 
keiner Bemerkung. Die Bürgschaft ist vielmehr lediglich Garantie 
für den Erfolg, daß der Edelstein innerhalb gewisser Zeit nicht 
aus seiner Fassung herausfällt. Die Urkunde ist ferner noch aus 
dem Grunde besonders wertvoll, weil sie uns etwas, was wir bisher 
nur vermuten konnten, direkt sagt, daß nämlich die Garantie in 
dem Versprechen des Schadensersatzes besteht, und so die Annahme, 
daß das Schadensersatz versprechen Schuld sei, völlig ausschließt. Es 
heißt nicht: „wenn der Stein herausfällt, werden wir 10 Minen 
zahlen; dafür bürgen wir", sondern: „daß der Stein nicht 
herausfällt, dafür bürgen wir. Anderenfalls werden wir 10 Minen 
zahlen." Es liegt also nicht primär ein Schuldversprechen vor, für 
welches gebürgt wird, sondern die Bürgschaft selbst besteht in dem 
Versprechen der Schadensersatzleistung. 37 ) 

b) Noch weniger möglich ist die Annahme einer Schuld in Nbn. 343 
(KB IV p. 232 XXX, BR II p. 68): 
m Nddin-sum, apil-su sa mila Samas- Nädin-sum, Sohn des Samas-sum- 

-sum-u-Mn, -ukin, 



37) Es darf vielleicht an die Formeln put sepi nasü, put eteru nasü erinnert 
werden (vgl. oben p. 56 f.). Der ersten entspricht eine Garantie des Bürgen für 
das Verbleiben des Schuldners am Erfüllungsorte, der zweiten eine Garantie für 
die Erfüllung, woran sich in beiden Fällen das subsidiäre Erfüllungsversprechen 
des Bürgen schließt. Es kann hier gewiß kein Zweifel bestehen, daß nicht das 
Erfüllungs versprechen die Schuld ist, wofür gebürgt wird. Ebenso wenig aber 
kann bei der Bürgschaft für irgendeinen Erfolg das Schadensersatzversprechen 
des Bürgen die verbürgte Schuld darstellen. 



158 Nbn. 343. 

apil "'"^"Pa-sepi, pu-ut am * lu mu-l;in- Nachkomme eines Pase-Mannes, ist 

-nn-tu für die Zeugenaussage 

sa fjRa-mvrU-a: „sa f Lu-u-bal-ta-at, der Ramüa: „daß Lü-baltät, 

fgal-lat sa f Bu-ra-su, mdrat-su die Sklavin der Burasu, der Tochter 

5 sa m Gi-miI-lu, apil "'Epcs e °-üu, des Ginrillu, Nachkommen des 5 

Epes-ilu, 

ma-ri sa tuul-li-du-ma den Sohn, den sie geboren hat, 

a-na f Ra-mu-u-a ta-ad-di-nu-ma der Ramüa gegeben und dann 

m Ta-at-ta-dan-nu sum-su ta[s-hi- Tattadannu mitNamen ihn be[nannt 

-ru]", hat]", 

na-si. Bürge. 
Zeugen, Datum. 

Kohl er, a. a. 0. p. 68 bemerkt zu dieser Urkunde, daß wahr- 
scheinlich die Abstammung des Sklavenkindes Tattadannu in einem 
Prozesse bestritten wurde. Die Kronzeugen Lü-baltät und Ramüa 
waren aber vielleicht gerade abwesend oder gar nicht mehr am Leben. 
Da trete nun Nädin-sum auf und garantiere, daß Ramüa ihm die an- 
gegebene Mitteilung gemacht habe. Nach Kohler berichtet also die 
Urkunde von einem Zeugnis zweiten Grades, einem Zeugnis von Hören- 
sagen. In dieser Interpretation steckt gewiß etwas Richtiges, wenn- 
gleich sie m. E. dem Inhalte der Urkunde nicht völlig gerecht wird. 
Es ist dabei übersehen, daß die Aussage der Ramüa mukinnütu 
„Zeugenaussage" genannt wird. So hat man aber gewiß nicht 
eine formlose Mitteilung bezeichnet, welche die mukinnütu wäre, 
wenn Nädin-sum bloß ein Zeugnis von Hörensagen ablegte. 

Die richtige Erklärung der Urkunde ist m. E. zu gewinnen, wenn 
man ein Institut des attischen Prozeßrechtes, die ixßaQtvQia, zur Ver- 
gleichung heranzieht. Nach attischem Recht mußte der Beweisführer, 
der sich auf das Zeugnis gerichtsabwesender Personen berufen wollte, 
diese vorher vor möglichst vielen zuverlässigen Zeugen vernehmen 
und ihre Aussagen protokollieren lassen. Dieses Protokoll konnte er 
dann vor Gericht produzieren. 38 ) Die Situation in unserer Urkunde 
ist offenbar dieselbe. Es ist daher ohne weiteres verständlich, wa- 
rum die Aussage der Ramüa mukinnütu genannt wird. Es ist eben 



38) Vgl. Demosthenes g. Stephauos II 7 (p. 1130): a%oi]v $' ov-a iü>6i £&wo£ 
fiuQTVQSiv, &XXa TS&vsüTog, rcbv öh ccfivvccTwv ual intSQOQicov ^xfiaprvpi'ar ytyQci^- 
^ivr\v iv tä ygafifiarsUp, eine Stelle, die zugleich scharf den Gegensatz zwischen 
Zeugnis von Hörensagen und tHiiaQTVQicc betont. Vgl. ferner Meier-Schömann- 
Lipsius, der attische Prozeß p. 879 f. und Leisi, der Zeuge im attischen Recht,. 
Züricher Diss. p. 98 f. 



'Eyi\iaQXVqia. 159 

eine formelle Zeugenaussage, die Raniüa dem an ihrem Zeugnis inter- 
essierten Nädin-sum abgibt. Die Analogie mit der attischen £xh<xqtvqicc 
geht aber noch weiter. Wenn dort das Zeugnis von der Gegenpartei 
angefochten wird, kann der Beweisführar ävaöe%s6d-ca tijv iucqtvqIuv 
„das Zeugnis verbürgen", in welchem Falle die ötxi] psvöoficcQtvQLäv 
gegen ihn geht, während sie sonst gegen diejenigen sich richtet, welche 
vor Gericht als Zeugen der außergerichtlichen Einvernehmung aus- 
gesagt haben. 39 ) Diesem avad£%s<5d-ca ti)v hccqtvqlccv entspricht nun 
genau das put mukinnütu nasu unserer Urkunde. Der Beweisführer 
garantiert für die Richtigkeit der von ihm außergerichtlich auf- 
genommenen Zeugenaussage des Dritten. 40 ) 

Näheres über den Inhalt einer solchen Garantie erfahren wir aus 
Cyr. 311 (KB IV p. 280 XXIII). Der dieser Urkunde zugrundeliegende 
Tatbestand kann hier mit Hilfe des zugehörigen, nur drei Tage später 
datierten, Textes Cyr. 312 (BR II p. 7 f.) mit einiger Wahrscheinlich- 
keit bestimmt werden. Cyr. 312 enthält das Urteil in einem Prozesse 
vor den „Großen des Königs und den Richtern des Kyros, Königs von 
Babylon, Königs der Länder" (Z. 3 f. tme ' lu räbuti sarri u amilu daianü 
sa m Ku-ra-as, sar Babili H , sar mätäti), in dem Nargia den Ehevertrag, 
den sein Sohn ohne seine Zustimmung vor Bel-sar-usur 41 ), dem Vor- 
steher des Palastes 42 ), mit der Tablutu abgeschlossen hatte, anficht. In 
der drei Tage älteren Urkunde Cyr. 311 bürgen nun Nabü-etir, ein 
Zeuge beim Ehevertrag, und Rimüt-Nabü, der Schreiber der Urkunde, 
für die Zeugenaussage {mukinnütu) eines Sklaven des Palastvorstehers, 
folgenden Inhaltes Z. 4f.: arnilu sa eli bU-a-nu ü-tap-ra-an-ni um-ma: 
(5) duppu sa f Kup-pu-ut-tum ~ku-nu(?)-uk(?)-ma a-na (6) assu-u-tu 
a-na m ilu Nabu-ah(-hul-Jit, apil-su sa m Nar-gi-ia, (7) i-din „der Palast- 
vorsteher gab mir folgenden Auftrag: (5) die Tafel der Kupputtum 43 ) 

39) Vgl. Partsch p. 73. Die eben zitierte Stelle fährt fort: %al ccnb rfjg 
ccvrijs €iti6xi]\pEcog Tijv TS (MXQTVQiav Y-ccl &Y.yuccQtvQiuv &ytovi£sed'ai &[iu, i'v' iav 
psv avccä iyr\xai 6 iK^aQTVQi]6ccg, ixelvog vitoSwog i\ räv ipivdouctQTVQicöv, 
iccv dh firj uvadi%7]Tai, ol {iccQTVQrjOccvTsg ti)v ixfictQTVQlav. 

40) Die Garantie muß übrigens, wie die gleich zu besprechende Urkunde 
Cyr. 311 ergibt, keineswegs immer gerade von der Prozeßpartei geleistet werden. 

41) Vgl. Tallquist, Neubabylonisches Namenbuch s.v. p. 42. Bel-sar-usur 
führt ebenso wie Nargia den Titel ameiu r es sarri, ist also hohen Standes. Vgl. 
auch Klaub er, assyrisches Beamtentum p. 88 f. 

42) ameiu sa eli b'duni. Vgl. zu diesem Amte Klaub er, a. a. 0. p. 33. 

43) Über die Lesung Kup-pa-iit-tum vgl. Tallquist, a. a. 0. s. v. p. 92. 
Es ist auffällig, daß die Ehefrau Kupputtum heißt, während in Cyr. 312 sie 
Tablutu genannt wird. Allein da die Urkunden sicher auf dieselbe Angelegen- 
heit sich beziehen und auch die übrigen Personen dieselben sind, so ist vielleicht 
anzunehmen, daß ein Doppelname vorliegt. Wenn man allerdings in Cyr. 312 14 



160 'ExUOCQTVQICC. 

siegle und dann zur (6) Ehe dem Xabii-ahi-bullit, Sohn des Nargia, 
(7) gib (sie)". An die Verbürgungserklärung schließt sich nun die 
Klausel Z. 9 f. ina bU-a-nu (10) u-lan-nu-ma a-na m Nar-gi-ia . apil-su 
■sa (11) m Ha-nu-nu, i-nam-din-mi- . Jci-i Ja i-nam-din-nu- ', (12) \'. 2 hiltu 
kaspi mi-ldr-tuni (13) sa duppi(?) m Nar-c/i-ia sak-na-tum f. . . .] (14) u- 
-sal-lam-u „in dem Palaste (10) werden sie das Zeugnis ablegen und 
dann an Nargia, Sohn des (11) Hanunu, geben. Wenn sie nicht geben, 
(12) werden sie % Talent Silber 44 ) (14) ersetzen". Die Bestim- 
mung ist freilich nicht ganz klar. 45 ) Aber dem ganzen Zusammen- 
hange nach besagt sie wohl, daß die Garanten, wenn das Zeugnis, für 
welches sie einstehen, sich als unrichtig erweisen sollte, Ersatz leisten 
werden. 

Die Erklärung der Garantieklausel in den unter I. angeführten 
Kommendaverträgen bietet nunmehr keine Schwierigkeiten. Der Kom- 
mendatar „schuldet" zweifellos die Rückgabe des ihm anvertrauten 
Handelskapitals und die Gewinnbeteiligung des Kommendators. Die 
Haftung hierfür beruhte ursprünglich wohl auf der Eigenschaft der 
Xommenda als Realvertrag, war also Empfangshaftung. 46 ) Doch kommt 



die Zeichen ff. . .] pu-f / zu / fKup]-pu-fift-tum] ergänzen dürfte, so 

müßte diese Annahme fallen. Leider ist Cyr. 312 von Z. 11 an sehr lückenhaft 
und der Gang des Prozesses in den Details daher nicht zu ermitteln. Nur so- 
viel ist sicher, daß der Palastvorsteher leugnet, den Ehevertrag zwischen Tablutu 
und dem Sohne des Nargia gesiegelt zu haben. Dies tat vielmehr Nabü-uballit, 
sa bit ameiu sa eli bit-a-ni „von dem Hause des Palastvorstehers", also einer seiner 
Untergebenen, der Bruder der Tablutu. Möglich, daß eine Durchstecherei vor- 
lag, indem im Einverständnisse mit dem Bräutigam anstelle der Kupputtum, die 
Nargia seinem Sohne zur Frau bestimmt hatte, beim Abschlüsse des Ehevertrages 
die Tablutu untergeschoben wurde. Die Aussage des Sklaven in Cyr. 311 würde 
insofern den Palastvorsteher, der demnach selbst durch seinen Untergebenen Nabü- 
-uballit getäuscht worden wäre, entlasten und mit dessen eigener Aussage im 
Einklang stehen. Doch ist dies alles natürlich ganz unsicher. Daß das Gericht 
in Cyr. 312 die Ehe mit der Tablutu für nichtig erklärt, wäre bei beiden Auf- 
fassungen verständlich. 

44) Peiser, a. a. 0. übersetzt Z. 12f. : „", Talent Geld, das als Einsatz der 
Gegenpartei gegen die Tafel des Nargia deponiert ist [. . . .]". Ist das richtig, 
so kann es sich wohl nur um einen Prozeßwetteinsatz nach Art des römischen 
sacramentum handeln. 

45) Ich bekenne, namentlich inamdinnu' in Z. 11 ohne Objekt nicht zu ver- 
stehen. Vielleicht ist es in Z. 9 zu suchen, wo Peiser ina bit-a-nu konjiziert, 
Strassmaier aber ina bit(?) bit(?)-a(?)-nu(?) bietet. 

46) Die Kommenda als Realkontrakt ist in den altbabylonischen Urkunden 
noch deutlich nachzuweisen. Vgl. BE VT, 115 dazu Schorr, Anzeiger der Kra- 
kauer Akademie 1907 p. 89), VAT 701 ^Meissner, MVAG 10 p. 269), VAT 1176 
(KB IV p. 44 III), LC 79, 113. Hier heißt es überall, daß der Kommendator das 
Kapital „gegeben" (iddiri), beziehungsweise der Kommendatar es „empfangen 
habe" (SÜ-BA-AN-TI). 



Garantieklauseln bei der Kommenda. 161 

dieser Gesichtspunkt für die vorliegenden Verträge nicht in Betracht. 
Denn die Kommenda kleidet sich in ihnen — wie im neubabyloni- 
schen Recht auch sonst häufig — in die Form der u-il-tim}' 1 ) Also 
kann die Verbürgung des Kommendatars „für das Kapital" nicht die 
Bedeutung gehabt haben, daß er ohne sie überhaupt nicht gehaftet 
hätte. Schuldet er doch auch die Gewinnbeteiligung, auf welche sich 
die Bürgschaft nicht erstreckt. Daß aber diese „Schuld" ohne Haf- 
tung gewesen wäre, ist ausgeschlossen. Hingegen wäre es allerdings 
denkbar, daß die Verbürgung hier der Haftungsverschärfung gedient 
hätte, indem der Kommendatar für seine wichtigste Verpflichtung, die 
Restitution des ihm anvertrauten Kapitals, zur Vermögenshaftung 
noch die leibliche Haftung übernahm. Wahrscheinlicher aber dünkt 
mich folgende Interpretation: Der Kommendatar schuldet allerdings 
das Kapital, aber er schuldet es nicht unter- allen Umständen, er 
schuldet es insbesondere dann nicht, wenn er das Kapital durch Er- 
eignisse, die er nicht abwehren oder deren Abwehr ihm nicht zu- 
gemutet werden kann, verliert. Mit anderen Worten: die Gefahr des 
Handelskapitals trägt der Kommendator, nicht der Kommendatar. 48 ) 
Es steht jedoch nichts im Wege, daß der Kommendatar vertragsmäßig 
das Risiko des ihm anvertrauten Kapitals übernimmt. Darin liegt nun 
m. E. die Bedeutung der Bürgschaftsklausel. 49 ) Der Kommendatar „bürgt 
für das Kapital", d. h. er garantiert dafür und verspricht Schadens- 
ersatz in dem Falle, als das Kapital durch Umstände, die er nach dem 
Gesetze nicht zu vertreten hat, zugrundegehen sollte. Was die juristische 
Natur dieses Garantieversprechens betrifft, so verweise ich auf das über 
die Garantie beim Depositum Bemerkte, dem ich hier nichts hinzu- 
zufügen habe. 

Weit mehr Schwierigkeiten bieten der juristischen Erklärung die 
Bürgschaftsklauseln in den unter III. —VI. angeführten Urkunden. Ihr 
Sinn scheint ja im allgemeinen klar zu sein. Sie enthalten das even- 



47) Nur in App. 5 (KB IV p. 310), wo auch der Kommendatar eine Einlage 
macht, wird erklärt: die Gesellschafter haben das Kapital (Z. 4 f.) it-ti a-ha-mei 
a-na harrdni (5) is-kun-nu-' ,, zusammen zur Kommenda (5) eingelegt". 

48) Das bestimmt schon §103 K. H. : Hum-ma har-ra-nam (25) i-na a-la-ki- 
-sh (26) na-ak-ru-um (27) mi-im-ma m na-su-u (28) us-ta-ad-di-m, (29) samtdlnm 
ni-is i-lim (30) i-za-kar-ma (31) u-ta-aS-sar „wenn auf seiner fdes Kommendatars) 
Handelsreise (26) ein Feind (27) ihn etwas, was er trug, (28) wegzuwerfen ge- 
zwungen hat, (29) so soll der Händler, indem er bei Gott (30) schwört, (31) frei 
ausgehen". Derselbe Rechtssatz gilt auch für die mittelalterliche Kommenda. 
Vgl. Lehmann, Lehrbuch des Handelsrechts p. 334, Renaud, Recht der Kom- 
manditgesellschaften p. 9. 

49) Ebenso auch Kohler- Peiser, BR II p. 59, IV p. 78. 

Koschaker: Babylon.-assyr. Hlirgschaf tsrecht. 11 



1 62 Garantieübernahme für Handlungen. 

tuelle Versprechen der Schadensersatzleistung, falls nämlich der Bürg- 
schaftsfall eintritt, wenn also der Dattelwein der vereinbarten Qualität 
nicht entspricht (Nbk. 233), wenn die garantierte Anzahl der verkauften 
pltu nicht vorhanden oder infolge mangelnder Bewachung Zwiebeln 
aus den Furchen abhanden gekommen sind (Xbn. 17). Ebenso ver- 
pflichtet sich der Einsteller zum Schadensersatz, wenn wegen nicht 
gehöriger Wartung und Bewachung des eingestellten Viehs Viehstücke 
umkommen oder verloren gehen, desgleichen der Pächter, wenn durch 
Unterlassung der Einzäunung oder Bewachung des Feldes an der 
Palmenpflanzung ein Schade entsteht. Insoweit scheinen also diese 
„Bürgschaften" sich mit den Garantieklauseln unter I. und II. zu 
decken. 50 ) 

Bei näherem Zusehen ergibt sich indessen doch ein gewichtiger 
Unterschied. Die Garantieversprechen unter I. und II. beziehen sich 
auf einen Erfolg, dessen Eintreten oder Nichteintreten in den meisten 
Fällen wenigstens außerhalb der Machtsphäre des Garanten liegt. Daß 
die verwahrte Sache z. B. durch Feuersbrunst oder Diebstahl verloren 
geht, kann der Depositar unter Umständen ebensowenig verhindern,, 
wie sich der Kommendatar dagegen vorsehen kann, daß seine Kara- 
wane unterwegs von Räubern ausgeplündert wird. Ob ferner die Aus- 
sage eines Zeugen wahr oder unwahr ist, ist eine Tatsache, die der 
Garant hinnehmen muß, die er weder korrigieren noch umstoßen kann, 
und ähnlich steht es mit dem Garantieversprechen in BE IX 41 (oben 
p. 156 f.). Ganz anders aber liegt die Sache bei den Bürgschafts- 
klauseln in III. — VI. Sie erstrecken sich auf Handlungen des 
Garanten, die vorzunehmen oder zu unterlassen in seiner Macht 
und seinem Belieben steht, z. B. die Aufwendung gehöriger Sorgfalt 
bei der Herstellung des Weins, Bewachen, Weiden des Viehs, Her- 
stellung eines Zauns usw. Zweifeln könnte man vielleicht bei der 
Garantieklausel der Viehverstellungsverträge und dies angesichts des 
aus dem deutschen Rechte bekannten Eisernviehvertrages, bei welchem 
der Einsteller die Gefahr des verstellten Viehs trägt. Trotzdem ist 
m. E. diese Deutung hier absolut ausgeschlossen. Träfe sie zu, so 
müßte die Garantieklausel lauten pnt alpe nasi der Einsteller „bürgt 
für das Vieh". Wenn aber die Bürgschaft sich bezieht auf die War- 
tung und Bewachung des Viehs, so kann das nicht bedeuten, daß der 



50) Daß die Bürgschaft hier den Zweck der Haftungsverschärfong verfolgte, 
ist wohl nicht anzunehmen. Denn es handelt sich durchwegs um Nebenver- 
ptiichtungen und daß der Schulduer für diese verschärft gehaftet haben sollte, 
ist nicht wahrscheinlich. 



Garantieübernahme für Handlungen. 163 

Einsteller für das Vieh schlechthin haftet, sondern nur, daß er für 
die wegen Unterlassung der gehörigen Obsorge abgängigen Stücke 
einsteht. Romanistisch gesprochen: der Einsteller haftet nicht für 
casus, sondern nur für culpa. 01 ) 

Nun haben wir die juristische Natur der oben erörterten Garantie- 
klauseln dahin bestimmt, daß der Garant lediglich für einen Erfolg, 
nicht auch für eine Schuld einstehe. Allerdings enthält die Garantie 
auch ein Versprechen zur Schadensersatzleistung. Doch ist dieses von 
Haus aus kein Schuldversprechen, sondern aus der Garantie hervor- 
gegangen. Dürfen wir aber diese Konstruktion ohne weiteres auch 
auf die zuletzt angeführten Garantieklauseln übertragen? Dürfen wir 
behaupten, daß in Nbk. 233 der Unternehmer zwar die Herstellung 
von Dattelwein schulde, nicht aber auch von Wein bestimmter Güte, 
daß er dafür nur hafte? Das erschiene seltsam. In noch höherem 
Grade gilt dies von den oben unter V. und VI. angeführten Fällen. 
Es handelt sich bei diesen Pachtverträgen und Viehverstellungen zum 
Teil auch um Gesellschaftsverhältnisse, insofern der dem Verpächter 
beziehungsweise dem Versteller zukommende Gewinn nicht absolut, 
sondern quotativ bestimmt ist. Der Verpächter usw. ist daher an 
der gewissenhaften Vertragserfüllung der Gegenpartei besonders inter- 
essiert, und es ist insofern vielleicht kein Zufall, daß wir den Garantie- 
klauseln gerade bei den Teilpachtverträgen begegnen. Dem Verpächter, 
Versteller liegt nicht bloß daran, daß überhaupt ein Ertrag vorhanden 
sei, sondern daß durch sorgsame Arbeit des Pächters, durch gehörige 
Wartung des Viehs durch den Einsteller ein möglichst hoher Ertrag 
erzielt werde, weil dadurch seine Quote wächst. Sollen wir trotzdem 
auch hier behaupten dürfen, daß der Pächter, Einsteller zwar die Rück- 
stellung des Pachtgrundstückes, des Viehs, die Ablieferung der Er- 
tragsquote schulde, nicht aber auch jene Tätigkeit, welche in vieler 
Beziehung erst die Voraussetzung der Erzielung eines Erträgnisses ist, 
daß er dafür nur hafte? 

Ich möchte indessen mit dieser Frage das Problem noch nicht 



51) In BE X 131 Z. 19 wird erklärt: a-na 100 si-en 10 mu-ut-ta-tum F(der 
Versteller) u-man-na-as-su „für 100 Stück Kleinvieh wird 10 Stück tote V ihm 
(dem Einsteller) anrechnen", woran sich die weitere Bestimmung schließt, daß 
von jedem toten Stück der Einsteller dem Versteller die Haut und l / a Sekel gi* 
-da-a-tu (Muskeln? vgl. Clay, a. a. 0. p. 24 n.) liefern muß. Der Versteller be- 
rechnet also den normalen Abgang eines Jahres auf 10%. Für diesen ist der 
Einsteller nicht verantwortlich. Damit ist aber nicht gesagt, daß er für den 
Rest unbedingt hafte. Die Klausel Z. 20 f. [pu-ut] re'i-i-tum su-ud-du-du u 
massarti sa si-en su'ätu na-si lehrt vielmehr, daß nur Culpahaftung besteht. 

11* 



164 Haftungsergänzung durch Bürgschaft. 

als erledigt ansehen, sondern noch folgende Erwägungen zur Dis- 
kussion stellen. Im römischen und heutigen Recht besteht ein Schuld- 
verhältnis wie Kauf, Pacht, Miete usw. aus einem ganzen Komplex 
von Befugnissen und den ihnen entsprechenden Verpflichtungen , die 
in ihrer Gesamtheit der Erreichung des Vertragszweckes dienen. 
Rechtssätze wie, daß die Parteien einander für omnis culpa einstehen, 
daß das Rechtsverhältnis nach den Grundsätzen der bona fides zu be- 
urteilen sei, erzeugen eine ganze Summe von Verpflichtungen und 
Berechtigungen, die durch Aufzählung im einzelnen zu erschöpfen 
vergeblich wäre. Wenn wir uns nun demgegenüber z. B. einen alt- 
babylonischen Pachtvertrag ansehen, um bei dem Vertragstypus, in 
dem unsere Garantieklauseln am häufigsten begegnen, zu bleiben, so 
enthält er in der Regel nichts als die Pachterklärung, die Bestimmung 
des Pachtzinses und der Pachtdauer. 52 ) Nun wird es ja auch heute 
vorkommen, daß die Parteien Pachtverträge abschließen, die keinen 
anderen Inhalt haben als den dürftigen der altbabylonischen Pacht- 
urkunden. Allein hinter den Parteien steht heute das Gesetz mit 
seinen ergänzenden Rechtsnormen, die auch diejenigen Gestaltungen 
des Rechtsverhältnisses regeln, welche die Parteien, nur an die Haupt- 
punkte denkend, nicht vereinbart haben. Dürfen wir dies jedoch auch 
für eine weniger entwickelte Rechtskultur ohne weiteres voraussetzen? 
Man lehrt bekanntlich für das römische Recht, daß die ältesten 
Obligationen alle stricti iuris waren, und dieser Satz ist so in der 
Natur der Sache begründet, daß wir ihn wohl auch dem babylonischen 
Rechte zugrundelegen dürfen. Daraus aber ergibt sich Folgendes. Ein 
Pachtvertrag, der außer der Bestimmung der Pachtdauer und Pacht- 
rente nichts normiert, sagt uns vom Standpunkte des ius strictum aus, 
daß der Pächter zwar die Restitution des Pachtobjektes nach Ablauf 
der Pachtzeit und die Leistung des Zinses schulde, aber auch nichts 
mehr. Er haftet auch hierfür und zwar, da die Pacht und wahr- 
scheinlich alle Verträge auf Leistung und Gegenleistung ebenso wie 
im deutschen Recht 53 ) einmal Realkontrakte waren 54 ), aus dem Ge- 
sichtspunkt der Empfangshaftung. Darüber hinaus aber schuldet er 



52) Beispiele H. G. III 571 f. 53) Vgl. Gierke p. 84 f. 

54) Eine eingehendere Untersuchung dieser Frage muß einer anderen Ge- 
legenheit vorbehalten bleiben. Hier sei nur bemerkt, daß in den neubahyloni- 
schen Pacht- und Mietverträgen, soweit sie nicht in die Form der u-ü-tim ge- 
kleidet sind, es immer heißt, daß der locator dem conductor das Pachtobjekt 
gegeben habe (iddin). Beim Kauf kann die Frage erst aufgeworfen werden, 
seitdem er nicht mehr notwendig Bargeschäft ist. Vgl. auch Kohler, H. G. III 
p. 240, ferner Manigk, Zeitschr. der Savigny-Sfciftung, rorn. Abt. 27 p. KU. 



Gesetzliche Haftung bei Schulden auf facere. 165 

weder, noch haftet er. Soll er besondere Leistungen übernehmen, 
z. B. Wartung, Bewachung des gepachteten Viehs, Herstellung eines 
Zaunes usw., so muß er sie besonders versprechen, und da dieses Ver- 
sprechen durch die Empfangshaftung nicht mehr gedeckt ist, so bleibt 
nichts übrig, als eben zur allgemeinen Haftungsform für das Schuld- 
versprechen, zur Bürgschaft zu greifen. Aus diesen Erwägungen wird 
es zu erklären sein, warum gerade diese speziellen Verpflichtungen 
verbürgt erscheinen, nicht aber die prinzipale Schuld aus dem Ver- 
trage. 55 ) Die weitere Frage, warum sich hier die Bürgschaft be- 
hauptete, während sonst das Schuldversprechen als solches auch die 
Haftung erzeugte, beantwortet sich nach dem oben p. 145 f. angeführten 
Gesichtspunkt: weil eben die Schuld auf ein facere ging und daher 
ihre Überdeckung durch das in der Bürgschaft enthaltene Erfüllungs- 
beziehungsweise Schadensersatzversprechen nicht stattfinden konnte, 
wurden beide noch als rechtlich verschieden empfunden. 

Allein daß auch hier der Gedanke, daß mit der Schuld ipso iure 
die Haftung verbunden, daß mit anderen Worten die ursprünglich auf 
einem besonderen Verpflichtungstatbestande, der Bürgschaft, beruhende 
Schadensersatzobligation nunmehr die gesetzliche Folge der 
Schuld im Falle ihrer Nichterfüllung sei, anfing sich Bahn zu brechen, 
beweist eine Vergleichung der beiden schon oben p. 153 angeführten 
Urkunden Nbk. 90 und Dar. 193. In der älteren Urkunde „bürgt" 
der Pächter unter anderem „für die Ausführung der Arbeit (d. h. das 
Setzen der Fruchtbäume), das Graben des Grabens, das Begießen mit 
Wasser". In Dar. 193 heißt es hingegen nur mehr Z. 8 f. 30 ga-db- 

-mt 56 ) ina lib-bi i-sak-[lcan] „30 Fruchtbäume 56 ) wird er 

(der Pächter) darin setzen", Z. 11 f. hi-rn-tu .... i-hi-ir-ri „die Graben 
.... wird er graben", Z. 12 f. näru har-ri .... me-e .... i-saq-qu „die 
Wassergraben .... mit Wasser .... wird er voll schöpfen". Darauf 
folgen die Bestimmungen Z. 13 f. pu-[ut] ma-sar-tum sa Tcir't na-si „für 
die Bewachung des Gartens bürgt er", Z. 17 f.: pu-ut e-pi-su sa li- 

55) Ich kann nicht umhin, auf eine Analogie aus dem römischen Rechte 
hinzuweisen, nämlich auf die cautio usufructuaria. Die Verpflichtung des Nieß- 
brauchers, die Sache als diligens paterfamilias zu gebrauchen (jboni ciri arbi- 
tratu uti frui) und sie nach Beendigung des Nießbrauches zu restituieren, die 
heute schon kraft Gesetzes aus dem Nießbrauch sich ergibt, war nach römischer 
Auffassung in ihm nicht enthalten und mußte erst durch Stipulation garantiert 
werden. Nach dem über die Verwandtschaft der u-il-tim und der Stipulation 
Bemerkten (vgl. oben p. 142 f.) wird man es kaum als Zufall ansehen, daß der 
Babylonier die Bürgschaft verwendet, wo in einem analogen Falle der Römer 
die Stipulation gebraucht. 

56) Vgl. Peiser, BR II p. 43 n. 2. 



166 Gesetzliche Haftung bei Schulden auf facere. 

-mi-tum na-si „für die Herstellung einer Einhegung bürgt er". Daß 
der Pächter nur für die verbürgten Verpflichtungen gehaftet haben 
sollte, nicht aber für die unverbürgten, ist undenkbar, ebenso wie 
wohl die Annahme ausgeschlossen ist, daß durch die Yerbürguns die 
Haftung des Pächters hätte verschärft werden sollen. Warum sollte 
die Haftungsverschärfung gerade bei den zwei zuletzt erwähnten Ver- 
pflichtungen eintreten, die doch relativ nebensächliche Obliegenheiten 
umfassen. Wenn man dies überhaupt beabsichtigt hätte, so wäre der 
Platz hierfür weit eher bei der wichtigeren Verpflichtung, die Frucht- 
bäume zu setzen, gewesen. Vielmehr zeigt uns die Erscheinung, daß 
die Urkunde einige der Obliegenheiten des Pächters als verbürgte an- 
führt, andere nicht, wie wenig man sich bereits der Bedeutung dieser 
Selbstbürgschaft bewußt war. Der Schreiber hätte ebensogut sagen 
können: „er (der Pächter) wird den Garten bewachen, die Einhegung 
herstellen", wie er schreibt: „der Pächter wird den Graben graben" usw. 
Wenn er bei den ersten Verpflichtungen die Bürgschaft erwähnt, so 
ist dies wohl daraus zu erklären, daß bei ihnen die Garantieklauseln, 
wie die oben p. 153 angeführten Urkunden beweisen, seit altersher 
in derartigen Pachtverträgen üblich waren. Der Schreiber übernahm 
sie gedankenlos aus einer älteren Vorlage, während er bei den übrigen 
Bestimmungen, bei welchen ihn seine Vorlage im Stiche ließ, so for- 
mulierte, wie es dem Rechtsempfinden seiner Zeit entsprach. Anders 
wird dieses Durcheinander wohl nicht zu verstehen sein. 57 ) 58 ) 



57) Als Schuldversprechen formuliert derartige Verpflichtungen des Pächters 
eine etwas ältere Urkunde Cyr. 200 (Delitzsch, BA III p. 386), die ebenfalls 
eine Pacht a-na <t»<eiu amel-ur-qi-u-tu (vgl. oben n. 23) zum Gegenstande hat. 
Vgl. Z. 6 f. hi-ru-u-tu i-hi-ir-ri lib-bi u ha-ru-ut-tum i-na-as-§ar „die Grabungs- 
arbeiten soll er besorgen, das Feld selbst (?) und die haruttu bewachen", Z. 12f. : 
i-ga-ri kire ip-pu-su-u' „die Umhegung des Gartens sollen sie (es sind zwei 
Pächter, der Singular in Z. 6 f. ist ungenau) vornehmen 11 . Daran schließt sich 
die Bestimmung isten pu-ut sant* na-su-u „einer ist Bürge für den anderen". 
Es ist zwar m. E. wahrscheinlich, daß sich die Klausel der Solidarhaftung nur 
auf die Hauptverpflichtung, die Zahlung des Pachtschillings, bezieht, allein man 
kann es doch nicht als ausgeschlossen bezeichnen, daß nicht auch die eben an- 
geführten Nebenverpflichtun^en durch die Klausel gedeckt werden. Daher kann 
die Urkunde nicht unbedingt als Beleg für das im Texte Ausgeführte gelten. 

58) Wir haben bei den zuletzt besprochenen Garantieklauseln aus dem 
Grunde, weil hier der verbürgte Erfolg durch Handlungen des Garanten herbei- 
geführt werden kann, angenommen, daß eben diese Handlungen auch geschuldet 
werden. Einige Bedenken gegen diese Annahme sollen indessen nicht ver- 
schwiegen werden. Es ist einmal die völlig gleichartige Formulierung dieser 
Garantieklauseln mit den oben unter I. und H. angeführten, denen eine Schuld 
sicher nicht zugrunde liegt, zu beachten. Wäre die Schuld als etwas Besonderes 
empfunden worden, so würde man eigentlich erwarten, daß der Schuldner zuerst 



Weitere Garantieklauseln : BEX9. 167 

§ 16. 

Den im vorigen Abschnitte erörterten Garantieklauseln beim De- 
positum und bei der Kommenda juristisch verwandt ist eine Gruppe 
von „Bürgschaften", denen gemeinsam ist, daß sie eine Garantie gegen 
Ansprüche Dritter gegen einen Rechtserwerb enthalten. Für diese 
Anwendung der Bürgschaft seien folgende Beispiele namhaft gemacht: 

I. BE X 9 (p. 30 f.) aus dem 1. JaTire Darius' IL Die Urkunde 
wirft ein eigentümliches Licht auf die sozialen Verhältnisse ihrer Zeit, 
Verhältnisse, die lebhaft an die Zeiten des mittelalterlichen Faust- und 



das Schuldversprechen abgibt und daran erst die Verbürgungserklärung knüpft, 
wie dies in der eben angeführten Urkunde Cyr. 200 der Fall wäre, wenn wir die 
Klausel der Solidarhaftung nicht nur auf die Hauptverpflichtung beziehen dürften. 
Doch mag man immerhin die überlieferte Formulierung aus dem Streben nach 
Kürze des Ausdrucks erklären. Ein zweites Argument betrifft die Erscheinung, 
daß der einzige terminus technicus, den die neubabylonische Rechtssprache für 
'Schuld' kennt, rclsütu, soviel ich sehe, nur zur Bezeichnung der Sunimen- 
echuld verwendet wird. Hier aber handelt es sich um Schulden auf ein 
facere. Doch möchte ich dieses Argument nur mit allem Vorbehalt geltend 
machen, einmal wegen der Lückenhaftigkeit des mir zugänglichen Quellen- 
materials und dann auch deshalb, weil es bedenklich erscheinen mag, aus einem 
nicht zweifellos festgestellten Sprachgebrauch weit tragende juristische Folge- 
rungen zu ziehen. Immerhin halte ich es nicht für schlechthin unmöglich, daß 
man ursprünglich in den vorliegenden Bürgschaftsklauseln nur eine Garantie für 
•einen Erfolg, nicht auch für eine Schuld sah. Einem primitiven juristischen 
Denken mochte es näher liegen, das Resultat als das Wesentliche zu betrachten 
und nicht die Handlung, welche zur Herbeiführung dieses Resultates dient. 
Liegt doch auch räütitu die Vorstellung zugrunde, daß das Bekommensollen des 
Gläubigers gerichtet ist auf die Vermögenspost als solche und nicht auf das 
facere, durch welches die Übertragung dieser Vermögenspost in das Vermögen 
des Gläubigers bewirkt werden soll. Dazu kommt noch, daß in den obigen Ver- 
trägen das verbürgte facere gar nicht den prinzipalen Gegenstand des Schuld- 
verhältnisses bildet. Dieser besteht in der Zahlung des Pachtzinses, Rückstellung 
des Pachtobjektes, Gewinnbeteiligung usw. Darauf kommt es dem Gläubiger 
vor allem an und dafür besteht zweifellos auch ein Bekommensollen. Das facere 
aber, für welches die Gegenpartei bürgt, dient nur mittelbar der Herbeiführung 
dieses Hauptergebnisses. 

Allein selbst wenn man diese Erwägungen für berechtigt anerkennen und 
demnach in den im Texte erwähnten Bürgschaftsklauseln Garantien erblicken 
will, denen eine Schuld nicht zugrunde liegt, so könnte diese Auffassung des 
Garantieverhältnisses nur als ursprüngliche Geltung beanspruchen. Eben darum, 
weil es sich hier um einen Erfolg handelte, dessen Realisierung in der Macht 
des Garanten lag, mußte sich vielmehr alsbald die Vorstellung entwickeln, daß 
die Herbeiführung dieses Erfolges auch geschuldet werde. Aus dem bloßen 
Können der Garanten mußte ein Sollen werden. (Vgl. auch Gierke p. 105f.) 
Sonst wären Urkunden wie Dar. 193, Cyr. 200, in denen das den Erfolg be- 
wirkende facere als Schuldversprechen formuliert wird und die Bürgschaft ver- 
schwunden ist, nicht erklärlich. 

Der hier vermutete Entwicklungsgang, der also zur Entstehung einer Schuld 
aus der Haftung führt, entbehrt nun allerdings nicht jeder quellenmäßigen 



168 BE X 9. 

Fehderechts erinnern. Baga'däta' beschuldigt den Ellil-nädin-suni, daß 
er und seine Leute sowie die Einwohner von Nippur die Ortschaften 
Rabija und Hazatu überfallen, zerstört und ausgeplündert, Vieh, Geld 
und sonstiges Vermögen weggeschleppt hätten. Ellil-nädin-sum stellt 
dies zwar in Abrede. Allein die gegen ihn erhobene Anschuldigung 
scheint doch etwas Wahres enthalten zu haben. Jedenfalls fühlt er 
sich nicht sicher und bietet daher dem Baga'däta' dafür, daß dieser 
auf eine gerichtliche Geltendmachung seiner Ansprüche verzichtet, 
eine bedeutende Abfindung in Naturalien (Getreide, Vieh, Wein, 
Wolle usw.) an. Baga'däta' geht auf den Handel ein. Sonach wird 
vereinbart Z. 18 f.: 

dhia u ra-ga-mu sa milu Ba-ga-- Gericht und Prozeß des Baga'- 

-da-[a-ta- '], data' , 

Amglu mdre h/tdti-su 1 ), amglu a-lik na- j seiner Hausangehörigen 1 ), seines 



-as-par-ti-su 1 ), am£lu ardäni-sa u 
amilu sdb-bu sa äldni su'ätu [u li- 
-mi-ti-su-nu] 2 ), 



Beauftragten 1 ), seiner Sklaven und 
der Männer dieser Städte [und ihres 
Gebietes]-), 



Grundlage. Ich glaube mich hierbei vor allem auf die schon oben (§11 p. 106 f.) 
besprochenen Urkunden über die Erfüllungsübernahme berufen zu können. Für 
das Recht der geschichtlichen Zeit ist zweifellos anzunehmen und wird überdies 
durch BV 74 direkt bewiesen, daß der Übernehmer die Auslieferung des Schuld- 
scheins bzw. der Quittung an den Schuldner schuldet. Wenn sich dabei die 
Verbürgung noch erhalten hat, so ist dies aus den oben § 14 p. 145 f. angeführten 
Erwägungen am besten zu erklären. Aber es ist doch beachtenswert, daß die 
Verbürgungserklärung an erster Stelle steht und an sie erst das Schuldversprechen 
sich schließt. Darin scheint mir ein starkes Argument dafür zu liegen, daß die 
Verbürgung juristisch und zeitlich das prius war. Die Erfüllungsübernahme 
wäre demnach von Haus aus eine Garantie lediglich für einen Erfolg, „für das 
Zahlen' 1 (put eteru nasü), gewesen. Weil aber dieser Erfolg für den Garanten 
realisierbar war, mußte die Auffassung entstehen, daß seine Herbeiführung, d. h. 
die Verschaffung einer solchen Position für den Schuldner, in der er den Angriff 
des Gläubigers mit Sicherheit abwehren konnte — und das traf dann zu, wenn 
er im Besitze des Schuldscheins oder einer Quittung war — vom Garanten auch 
geschuldet werde. Das Schuldversprechcn ist also erst aus der Haftung hervor- 
gegangen und schließlich, wie BV 74 lehrt, allein übriggeblieben. 

Weitere Belege zu dem eben Ausgeführten siehe unten § 16 n. 7 und 11 T 
§ 20 p. 230 f. 

1) Märe bitätisu übersetzt Clay mit 'bond servant', älik naspartisu ruit 
r messenger' und sieht (BE IX p. 33 n.) in den ersteren die hausgeborenen Sklaven 
im Gegensatz zu den durch Kauf oder Kriegsgefangenschaft erworbenen. Die 
beiden Ausdrücke begegnen in derselben Verbindung auch in BE IX 69 (p. 32) 
passim (aus dem 89. Jahre Artaxerxes' L). Über ihre technische Bedeutung ist 
durch die Übersetzung im Texte nichts ausgesagt. 

2) Limitu übersetzt Clay mit 'suburb'. Das Wort bedeutet 'Umschließung, 
Einhegung', dann 'Gebiet, Territorium'. Vgl. Delitzsch p. 379, Muss-Arnolt 
p. 490. Die Übersetzung mit „Gebiet" wird durch den Umstand indiziert, daß 



BE X 9. 



169 



20 ha-pu-u sa "'"Ra-bi-ia, "'"Ha-m-tu 
h dhhii sä U-mi-tüm-M-su*) u [■ ■ .] 

gdb-bi itti m i,u Ellil-ndd'ni-sum, 

a '" ;i ")i)ärr bitäti-su 1 ). a "" : "'a-li/i im 
-as-par-ti-[$n *), am ' l "arddni-ki] 
u am,:, "Nippura kiJjl - a-na i<mu'" u sa- 
-a-tu ia-n-tiu. ul 'itür-nta " tilu Ba- 
-ga[- -da-a-ta- ] , 

"""'"'iNän'-bitdti-su 1 ), a ""'"'a-lih na- 
-as-par-ti-su 1 ) u amilu arddni-su u 
""" l "sab-bu sa dläni su'ätu sa ana 
muh-hi iq-bu-u 

sa lilu Ra-bi-ia, (,lu Ha-za-tum, dläni 
sa li-mi-ti 2 ) {' ,!u Ra-bi-ia } 3 ) u mim- 
-ma nikasu 

ttsu'atu gdb-bi itti müu Ellil-nudin- 
-sum, am ^ lu märe-bitäti-su 1 ) , amil "a-lih 
na-as-par-ti-su 1 ), 

a "" u 'arddni-su u a ™ l "Nippurü kipl - a- 
-na ümu mu sa-a-tu ul i-rag-gu-mu. 
ina iläni u sarri 

it-te-mu, ki-i ana muh-hi di-ib-bi 
an-nu-tu us-te-eh-su. 
pu-ut la ra-ga-mu sa ame ' l "sab-bu sa 
dläni suätu sa itti müu Ellil-nädin- 
-sum, amHu mdre-bitdti-su v ), 
amiiu a _ni z na-as-par-ti-su 1 ), am ^ u ar- 



der zerstörten , nämlich Rabija, 20 
Hazatu tfiid der Ortschaften ihres 
Gebietes 2 ) und [. . .] 
insgesamt mit Ellil-nädin-sum, sei- 
nen Hausangehörigen 1 ), seinem Be- 
auftragten 1 ), [seinen Sklaven] 
und den Einwohnern von Xippur 
auf ewige Zeiten soll nicht sein. 
Indem er nicht Anspruch erhebt, 
werden Baga['däta'], 
seine Hausangehörigen 1 ), sein Be- 
auftragter 1 ) und seine Sklaven und 
die Männer dieser Städte über das, 
was sie sagten, 

über Rabija, Hazatu, die Ort- 
schaften des Gebietes 2 ) {von Ra- 
bija} 3 ) und was immer für Ver- 
mögen, 

über all dieses mit Ellil-nädin-sum, 25 
seinen Hausangehörigen 1 ), seinem 
Beauftragten x ), 

seinen Sklaven und den Einwoh- 
nern von Nippur auf ewige Zeiten 
nicht klagen. Bei den Göttern und 
dem König 

schwuren sie, daß sie auf diese 
Ansprüche verzichteten. 
Für das Nichtklagen der Männer 
dieser Städte mit Ellil-nädin-sum, 
seinen Hausangehörigen 1 ), 
seinem Beauftragten, seinen Sklaven 



Z. 20 und 24 unterschieden wird zwischen den Städten Rabija, Hazatu und den 
Ortschaften (uläni) m limiti, d. h. ihres Gebietes. Es handelt sich bei diesen 
wohl um kleinere Ansiedlungen, Dörfer im Gebiete der Stadt. Damit ist natür- 
lich nicht gesagt, daß wir uns unjfcer Rabija und Hazatu größere Städte vor- 
zustellen haben. 

3) Jiabiia ist hier wohl ein Versehen des Schreibers. Die Übersetzung Clays, 
'Rabiia, Hazatum, the suburbs of Rabiia' führt irre, insofern sie den Anschein 
erweckt, als seien bloß die Ortschaften des Gebietes von Rabija gemeint. Das 
trifft aber kaum zu, da die Urkunde in Z. 20 von den zu beiden Städten gehö- 
rigen Ansiedlungen spricht. 



170 BE X 9. 

däni-su u am * lu Nippurü H pl { Ja i-rag- und den Einwohnern von Nippur 

-gu-mu-u } i ) mi!u Ba-ga--da-a-ta- {daß sie nicht klagen werden} 4 ) 

na^si. ist Baga'däta' Bürge. 
Zeugen und Datum. 

Baga'däta' erklärt sich also für befriedigt und verspricht, daß 
weder er noch seine Leute noch die Einwohner der ausgeplünderten 
Städte gegen Ellil-nädin-sum, dessen Leute sowie gegen die Einwohner 
von Nippur klagen werden. Er *bürgt' außerdem "für das Nicht- 
klagen der Männer dieser Städte', d. h. der Leute von Rabija und Hazatu. 
Es fällt auf, daß sich die Verbürgung nur auf die sähe sa äläni er- 
streckt, während in dem Klageverzicht des Baga'däta 7 außerdem noch 
die märe bUäti, der dliJc nasparti und die ardäni genannt werden. 
Aus einem Streben des Schreibers nach Breviloquenz kann dies wohl 
nicht erklärt werden. Die Urkunde ist mit einer fast ängstlichen 
Genauigkeit abgefaßt, und wenn der Schreiber in den ersten beiden 
Sätzen die märe bUäti usw. gewissenhaft aufzählte, so ist es wenig 
wahrscheinlich, daß er plötzlich in dem letzten Satze ermüdete und 
sich kürzer faßte. Der Grund, warum in der Bürgschaftsklausel die 
märe b'däti usw. fehlen, muß daher ein anderer sein. Ich glaube ihn 
darin zu finden, daß diese Personen unmittelbar der Gewalt ihres 
Herrn unterstehen. Das ist ja bei den Sklaven ohne weiteres klar 
und bei den märe bUäti „den Söhnen des Hauses", ferner bei dem 
älik naspartisu „demjenigen, der in seinem (des Herrn) Auftrag geht" 
wenigstens sehr wahrscheinlich, welch technische Bedeutung immer 
diesen Ausdrücken zugekommen sein mag. Eben darum kann ihnen 
auch der Herr das Klagen verbieten, beziehungsweise eine Klage dieser 
Personen ohne Zustimmung des Herrn ist juristisch wirkungslos. Wenn 
daher Baga'däta' das Nichtklagen der märe bUäti usw. verspricht, so 
hat dies dieselbe Wirkung, wie wenn er sich selbst verpflichtet, nicht 
zu prozessieren. Wie das letztere, so schuldet er daher auch die 
Unterlassung der Klage seitens der seiner Gewalt unterworfenen Per- 
sonen. 5 ) Anders bei den sähe sa äläni. Zwar ist nach dem ganzen 
Inhalt der Urkunde anzunehmen, daß auch diese Leute irgendwie der 
Herrschaft des Baga'däta' unterstanden. Allein das Herrschaftsver- 
hältnis war hier kein so weit gehendes, daß der Herr ihnen hätte die 



4) Der Schreiber ist hier aus der Konstruktion gefallen. Er vergaß auf 
den von put abhängigen substantivischen Infinitiv lä ragämu und bildete einen 
von nasi abhängigen Satz Sa l<i iraggumu'. 

6) Ihre Klagehandlung gilt eben juristisch als Handlung des Herrn. Dem 
entspricht es auch, daß der Herr für ihre Delikte haftet. Vgl. I5E IX 69 (p. 88) 



Eviktionsgarantie des Verpächters und Vermieters. 17 1 

Klageanstellung rechtlich untersagen können. Von einer Schuld kann 
daher keine Rede sein. 6 ) Man kann zwar die Handlung oder Unter- 
lassung eines Dritten versprechen, aber dieses Versprechen ist kein 
Schuldversprechen, wenn man über die Handlung des Dritten 
rechtlich keine Macht hat. Es ist vielmehr ein Garantieversprechen 
und als solches Bürgschaft. So dürfte es m. E. am besten zu erklären 
sein, warum die Verbürgung des Baga'däta' sich nur auf die selbe sa 
äldni bezieht. Hingegen ist der Klageverzicht bezüglich der märe 
bitäti usw. ein Schuldversprechen, das in dieser späten Zeit ipso iure 
auch die Haftung erzeugt. Eine Bürgschaft ist daher hier nicht mehr 
notwendig. 7 ) 

II. Gelegentlich, aber durchaus nicht regelmäßig, begegnet die 
Bürgschaft als Rechtsform der Eviktionsgarantie des locator in Miet- 
und Pachtverträgen. Vgl. BE X 1 (p. 22), Jahr der Thronbesteigung 
Darius' II: Hausmiete, der Vermieter quittiert zugleich über den Miet- 
zins. Z. 8 f. wird bestimmt: 
pu-ut la pa-qa-ri sa biti su'ätu Für die Nichteviktion dieses Hauses 



m Ap-la-a, märu sa Har-ma-hi- ', na-si. 
10 Tci-i bitu ina qät m ^Ellil-nädin-sum 
paq-ri, 



ist Aplä 8 ), Sohn des Harmahi', Bürge. 
Wenn das Haus aus dem Besitze 9 ) 10 
des Ellil-nädin-sum evinziert wird, 



aus dem 39. Jahre Artaxerxes' L: die märe bitäti, der älik nasparti und die ar- 
däni des Eilil-nädin-sum sind in das Haus des Udarna' eingedrungen und haben 
Hausgerät und sonstige Habe weggetragen. Dafür wird ohne weiteres Ellil-nadin- 
-sum verantwortlich gemacht und leistet auch Ersatz. Umgekehrt verspricht nun 
Udarna' für sich und seine Söhne aus diesem Grunde keinen Anspruch 
mehr zu erheben. Von einer Bürgschaft ist keine Rede. 

6) Daß Baga'däta' als Stellvertreter der sähe sa äldni das Versprechen 
nicht zu klagen abgibt, ist wohl ausgeschlossen. Es fehlt jeder Hinweis auf ein 
Vollmachtsverhältnis, und die Verbürgung wäre bei dieser Annahme erst recht 
unerklärlich. 

7) Zugleich stützt diese Erklärung in gewissem Sinne auch die in der letzten 
Note des vorigen Abschnittes vermutete Entwicklung des Schuldversprechens auf 
ein faeere aus der Garantie. War die Bürgschaft ursprünglich erforderlich und 
wurde sie nur als Garantie für einen Erfolg empfunden — und das lag hier be- 
sonders nahe, weil sie Handlungen dritter Personen bedarf — , so mußte sich 
•eben darum, weil diese Handlungen zu realisieren rechtlich in der Macht des 
Garanten lag, die Vorstellung entwickeln, daß sie auch geschuldet werden. 
Bei der Bürgschaft für die Handlungen der sähe Ha äldni, wo dies nicht zutraf, 
hat sich hingegen die ursprüngliche Auffassung erhalten. 

8) Aplä ist Vermieter, Ellil-nädin-sum Mieter. 

9) Wörtlich c aus der Hand'. Die Bestimmun? ist vielleicht dahin zu ver- 
stehen, daß der Eviktionsfall erst mit der Besitzentsetzung des Mieters gegeben 
ist, ähnlich wie dies beim römischen Kauf gemäß der Eviktionsstipulation der 
Fall war. Vgl. Rabel, Die Haftung des Verkäufers wegen Mangels im Rechte 
I p. 73. 



172 Dar. 265. 

foxspa d 1% mann m Ap-la-a u-ta- wird an Silber 1% Minen 10 ) Aplä r 

-ri-ma indem er (sie) restituiert, 

a-na "' ilu EUfl-nudin-sum i-nam-din. dem Ellil-nädin-sum geben. 

Die Garantie verpflichtet also den Vermieter im Eviktionsfalle 
zur Rückgabe des empfangenen Mietzinses an den Mieter. Was ihre 
juristische Natur betrifft, so verweise ich auf das oben § 15 p. 154f. 
Ausgeführte. 

Ganz ähnlich ist die Garantie in dem Pachtvertrage BE X 99 
(p. 26) aus dem 5. Jahre Darius' II formuliert. Z. 9 : pu-ut [la] pa- 
-qa-ri sa SE zendi su'ätu m Hi-'-du-ri- [naj-si „für die [Nicht]eviktion 
dieser Felder ist Hi'duri' (der Verpächter) Bürge. 11 ) 

III. Eine Garantie gegen Ansprüche Dritter enthält Dar. 265 
(BR IV p. 30). Die Urkunde ist ein Vertrag über den Tausch von 
Grundstücken zwischen der Frau Süqaitu und Marduk-näsir-aplu, dem 
Neffen ihres verstorbenen Ehemannes Nergal-etir, und zwar erhält 
Süqaitu, da das ihrerseits zum Tausche hingegebene Grundstück größer 
ist, noch 4 Minen zur Deckung der Wertdifferenz. Diese 4 Minen 
zahlt jedoch Marduk-näsir-aplu ihr nicht bar aus, sondern verwendet 
sie mit ihrer Zustimmung zur Tilgung von Schulden ihres Mannes. 12 ) 
Z. 22f. steht nun die Bestimmung pu-ut ra-gja-?nu sa märäti sa 

10) Das ist der Mietzins. 

11) In Z. 11 f. sind einige Zeichen erhalten, die der Herausgeber Clay zu 
Folgendem ergänzt: [Jci-i sandti] a' 3-ta la i-sal-lim-u\ »>[Hi-'-du-r]i-' (12) [&Eg$räti 
su'ätu paq-ri], 5 manu kaspu i-nam-din. Er übersetzt: [if those fields are de- 
manded] before the expiration of the three [years (die Pachtzeit), Hi'dur]i' shall 
pay five mines of silver. Allein diese Übersetzung entspricht nicht der Rekon- 
struktion de9 Textes, nach welcher Hi'duri' als Subjekt auch in den Nebensat? 
gehört. Mit Rücksicht auf den noch später (vgl. unten § 18) zu besprechenden 
Erbpachtvertrag BE IX 48 (36. Jahr Artaxerxes' I.), wo der Verpächter Z. 15 i. 
für den Fall, daß er ina ümu" iu a-di la sandti 'a 60 i-sal-lim-u' „vor Ablauf der 
60 Jahre" (der Pachtzeit) das Grundstück dem Pächter wegnimmt, Schadensersatz 
verspricht, möchte ich auch hier dem Sinne nach ergänzen und übersetzen: 
„[wenn die] 3 [Jahre] noch nicht abgelaufen sind und [Hi'durji' (12) [diese 
Felder dem Pächter wegnimmt,] wird er 5 Minen Silber geben". Der Verpächter 
garantiert also sowohl für die von Dritten wie für die von ihm selbst ausgehende 
Eviktion. Denn der Sache nach ist ja auch das letztere Eviktionsversprechen 
Bürgschaft. Daß insbesondere das Versprechen des Verpächters zur Leistung 
einer Konventionalstrafe nichts anderes ist als das in der Verbürgung enthaltene 
subsidiäre Erfüllungs- bzw. Schadensersatzversprechen, kann nach dem oben 
p. 156 Bemerkten kaum in Frage gestellt werden. Wenn aber von Bürgschaft 
hier nicht mehr die Rede ist, so erklärt sich dies wiederum daraus, daß es sich 
um einen in der Macht des Garanten liegenden Erfolg handelt, dessen Herbei- 
führung aus diesem Grunde auch geschuldet wird, sowie aus der Erwägung, daß 
in dieser Zeit das Schuldversprechen auch die Haftung erzeugte, deren Inhalt 
hier als Konventionalstrafe vertragsmäßig lLxiert wird. 

12) Über die Details dieser Transaktion siehe Kohler-Peiser, BRIVp.32. 



Dar. 265. 173 

mil "NcrgaJ-rtir. nun- '"E-gi-bi, a-na eli / manu Jcaspi (27) 

milu Xahit-zrr -ümi, mcuru sa " l ltti- i '"Nabü-balatu, (28) [apü n 'E-gi-]bi, ahu 
sa f Su-qa-a-a-i-ti, na-si „für das Kla]gen der Töchter des Nergal-etir, 
Nachkommen des Egibi, auf die 4 Minen Silber .... (27) .... ist 
Nabü-zer-ibni, Sohn des Itti-Nabü-balätu, (28) [Nachkomme des 
Egi|bi, der Bruder der Süqaitu, Bürge". 

Welcher Natur die Ansprüche der Töchter sind, ist mit Sicher- 
heit nicht zu bestimmen. Dem Wortlaute der Klausel nach richten 
sie sich auf die 4 Minen. Die Töchter können also wohl gegen die 
Verwendung des Geldes zur Bezahlung der Schulden ihres Vaters 
Einspruch erheben. Das legt die Vermutung nahe, daß das zum 
Tausch hingegebene Grundstück der Süqaitu zu ihrer Mitgift (midunnu) 
gehörte. Nun gilt ebenso wie im altbabylonischen (§§ 167, 174 K. H.), 
so auch im neueren Recht der Satz, daß dem Manne ein Recht nur 
auf die Nutzungen der Mitgift zusteht, nicht aber auf die Substanz, 
wenigstens insofern nicht, als er, wenn er die Substanz angreift, ein 
Äquivalent für das Entnommene in die Mitgift zu stellen hat. 13 ) Ohne 
derartigen Ersatz darf er also die Mitgift auch nicht zur Bezahlung 
seiner Schulden verwenden. 14 ) Daß dies auch der Frau verboten war, 
ist für das altbabylonische Recht sicher, weil hier die Mitgift den 
Kindern verfangen ist 15 ), und für das neuere Recht mindestens nicht 
ausgeschlossen, wenn nicht sogar wahrscheinlich. 16 ) Trifft diese Vor- 
aussetzung zu, so wäre ein zureichender Grund für ein eventuelles 
Einspruchsrecht der Töchter in unserem Falle gefunden. Denn das 
Geld stellt das Äquivalent eines den Kindern verfangenen Mitgift- 
objektes dar, das die Ehefrau ohne deren Zustimmung nicht zur Til- 
gung von Schulden des Ehemannes verwenden darf. Darum die Bürg- 
schaft, die auch hier nur als selbständiges Garantieversprechen, dem 
eine Schuld nicht zugrunde liegt, erklärt werden kann. 

§ 17. 
Während wir die bisher erörterten Garantieklauseln nur aus ver- 
•einzelten Urkunden nachweisen konnten, steht uns für eine weitere 



13) Marx, BA IY p.29f. 

14) Dem widersprechen auch nicht, wie ich mir an anderer Stelle darzu- 
legen vorbehalte, §§ 151, 152 K. H. 

15) § 171 K. H. Vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 382. 

16) Jedenfalls sind die Kinder bezüglich der Mitgift erbberechtigt (Marx, 
BA IV p. 65) und vielleicht ist aus einem solchen Verfangenschaftsrechte am 
besten zu erklären, daß der Sohn Veräußerungsgesch'äfte seiner Mutter anfechten 
kann. Vgl. z. B. BV 12 und 18, Ner 42 (BR III p. 16) 



174 Eviktionsgarantie bei Sklavenkaufverträgen. 

derartige Klausel, nämlich die Eviktionsgarantie bei Kaufver 
trägen, ein viel größeres und über die ganze neubabylonische Zeit 
gleichmäßig sich erstreckendes Quellenmaterial zur Verfügung. Frei- 
lich bietet gerade dieses Material der rechtsgeschichtlichen Erforschung 
auch besondere Schwierigkeiten. Die Bürgschaft als Rechtsform 
der Eviktionsgarantie ist nämlich, von verschwindenden 
Ausnahmen abgesehen, soviel ich sehe, bisher nur aus den 
neubabylonischen Sklaven- und Viehkaufverträgen bekannt 
geworden, und selbst hier begegnen wir, wie noch darzulegen sein 
wird, Eviktion sklauseln, welche die bürgschaftsrechtliche Terminologie 
nicht verwenden. Im übrigen findet sich weder in den Kaufverträgen, 
über Liegenschaften überhaupt, noch in den Sklavenkaufverträgen der 
altbabylonischen, Kassiten- und assyrischen Zeit — und wir besitzen 
namentlich aus der letzteren Epoche deren eine große Menge — etwas 
Ahnliches. Allerdings treffen wir auch hier auf Klauseln, die sich auf 
die Sicherung des Käufers im Falle, als die verkaufte Sache mit Rechts- 
mängeln behaftet ist, beziehen. Allein sie lauten zum Teil völlig 
anders, und nirgends läßt sich die Verwendung der Bürgschaftstermino- 
logie mit Sicherheit nachweisen. 1 ) Ob und wie diese Erscheinungen 



1) Am nächsten stehen den neubabylonischen Sklavenkaufverträgen die- 
jenigen altbabylonischen Kauf- und Tauschverträge sowohl über Liegenschaften 
wie über Sklaven, in denen vom Verkäufer ausgesagt wird, daß er ana paqri der 
Ware izzaz, d.h. für den Anspruch, den Dritte auf das Kaufobjekt erheben,, 
stehe, einstehe {nazäzu). Am häufigsten begegnet diese Formulierung in den 
Urkunden aus Tell-Sifr und Dilbat. Vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 412; 
34 p. 475. Beispiele: M. 3 18 , CT VIII 27a 18 , 43c 19 , KB IV p. 44 IV Z. 17, VS VII 
5 15 , 53 is (Sklavenkauf); BE VI, 2 n , 65 10 , VSVII 2 16 , 8 29 , Gautier 4 18 , 9 14 (hier 
wohl versehentlich ina paqri statt ana paqri), 11, ä , 12 14 , 15 8 , 16 9 , 20 6 , 22., 23 s 
(Grundstückskauf); den Kauf einer Türe hat zum Gegenstande VS VII 46 12 . 
Dazu Cuq, nouv. rev. hist. 34 p. 457. Die entsprechenden sumerisch geschrie- 
benen Klauseln der Warka-Texte lauten: NAM-KÄ-GAR-RA (KÄ-GAR-RA, 
KÄ-GAL-LA) IN-NA-GUB (GUB = nazäzu, Brünnow, A classified list of 
cuneiform ideographs no. 4893). Vgl. Warka 5 JB) 29 18 , S2 81 , 41 22 , 46 12 , 84, 2r 
85, 4 , 93, , 96 13 , 100 14 , 101 14 (sämtliche Vertrüge über Grundstücke). Gleich- 
bedeutend ist es, wenn es in anderen Kaufverträgen heißt: der Verkäufer paqri 
itanapal (KÄ-GAR-RA BA-NI-IB-G I-GI) „ist für die Ansprüche Dritter ver- 
antwortlich" (apälu = antworten). Vgl. M. 1 8 (Sklavenkauf), M. 34, 4 , Warka 
8 14 , CT II 37, BE VI 2 83 (Immobiliarkauf). Nazäzu und apälu sind nun gewiß 
technische Ausdrücke für 'haften' (vgl. für nazäzu etwa noch BE VI, 28 18I CT 
II 24 23 , für apälu K. H. §279 71 , CTII47 87 , VIIl43a 21 , VS IX 7 2o , 8 9 , Gautier 32 10 ) r 
ebenso wie ihre deutschen Äquivalente „stehen für etwas, antworten für etwas, 
d. h. für etwas verantworlich sein" in den germanischen Rechtsquellen technisch 
zur Bezeichnung der Haftung gebraucht werden. Vgl. v. Amira I p. 30 f., 
Puntschart p. 137 f., 142 f., 150 f. Allein es läßt sich aus dem derzeit vor- 
liegenden altbabylonischen Quellenmaterial nicht nachweisen, daß diese Aus- 
drücke technisch auch die Haftung der Bürgen bezeichnen, wenngleich dies- 



Schema des Sklavenkaufvertrages. 175 

zu erklären sind, ob wir es nur mit einer Besonderheit des Urkunden- 
stils zu tun haben oder ob die Gründe dieser Differenzen tiefer liegen 2 J, 
das sind Fragen, an die man nur in einer ex professo dem Kaufrecht 
gewidmeten Untersuchung herantreten kann. Denn nur dann ließen 
sich die Zusammenhänge überblicken. Es ist dies aber eine Arbeit, 
die infolge des weitschichtigen Quellen materials wahrscheinlich einen 
noch größeren Umfang annehmen würde als die vorliegende mono- 
graphische Darstellung des Bürgschaftsinstitutes und die daher den 
Rahmen dieser Untersuchung weit überschritte. Ich muß mich claher 
im Folgenden auf eine kritische Zusammenstellung des Quellenmaterials, 
soweit es für unsere Zwecke in Betracht kommt, beschränken, um so 
einer zukünftigen Untersuchung dieser Probleme wenigstens teilweise 
den Weg zu ebnen. 

Das Schema des neubabylonischen Sklaven kaufvertrages ist dem 
Barkaufe angepaßt und besteht aus folgenden Teilen: 

1. Verkaufserklärung: V ina hucl libbisu S ana x ana sim 
gamrüti (ana sim haris) ana K iddin „der V(erkäufer) hat in freier 
Entschließung den S(klaven) für x (Betrag) zum vollen (festgesetzten) 
Preise dem K(äufer) gegeben". 

2. Kaufpreisquittung: kaspa-a-an x sim S V ina qät K etir 
„an Silber ist für x, den Preis des S(klaven), der V(erkäufer) vom 
K(äufer) bezahlt". 3 ) 



a priori keineswegs unwahrscheinlich ist. BEX1V2 16 (oben p. 62 f.), wo emedu 
., stehen für etwas" = bürgen ist, ist ganz vereinzelt und gehört der Zeit der 
Kassitenkönige an. Mit der erforderlichen Reserve sei auch auf die von Myhr- 
man publizierte sumerische Prozeßurkunde BE IH,^ 1 (p. 52 f.) aus dem 5. Jahre 
Gimil-Sins von Ur aufmerksam gemacht. Es handelt sich, falls Myhrmans 
Deutung richtig ist, um einen Sklaven, dessen Flucht befürchtet wird. Zwei 
Frauen erklären hier Z. 12 f.: SÜ-TÜ(B) NU-HA+A-DABA-AN-GUB-SÜ „for 
(his) remaining('?), that he shall not run away, they shall stand" (GÜB = 
nazcizu). Hier liegt wohl Bürgschaft vor. 

2) Allerdings wird man auch bei dieser Annahme mit Zufälligkeiten in der 
Überlieferung zu rechnen haben. 

3) Dieser Teil ist nicht wesentlich. Der Kauf ist eben nicht mehr not- 
wendig Barkauf. Insbesondere kann es vorkommen, daß der Käufer über den 
kreditierten Kaufpreis eine u-il-tim ausstellt. So in Ner. 23 (Peiser, ZA III 
p. 83); dazu Nbn. 13 (KB IV p. 207 II). Vgl. ferner Liv. 19 G f., Camb. 165 (oben 
p. 38). Hier fehlt natürlich die Preisquittung, ebenso in der Regel dann, wenn 
die Kaufpreisschuld nicht bar bezahlt, sondern durch Verrechnung getilgt wird, 
so z.B. durch Kompensation: BV 88, dazu Kohler, Exkurs zu BV p. XXXVIII, 
Nbn. 829 (BR I p. 14). In Moldenke 53 (p. 105) verkauft der Schuldner, da ihm 
Barmittel zur Bezahlung der Schuld fehlen, den verpfändeten Sklaven um den 
Schuldbetrag an den Gläubiger. Häufig kommt es vor, daß der Kaufpreis zur 
Bezahlung von Schulden des Verkäufers (vgl. Nbn. 273 = BR IV p. 71), insbe- 



176 paqirdnu, mär-bänütu. 

3. Garantieklausel, regelmäßig in folgender Fassung: put sihl, 
paqiräni, arad-sarrfdii i ) n mär-bänütu*), sa ina eli (inuhhi) S UM 
(ibassu) 5 ), V nasi „für Rebellion (?), Eviktion, Königssklavenschaft und 
Freiheit, welche bei dem S(klaven) auftauchen (vorhanden sind), ist 
der V(erkäufer) Bürge". 6 ) 

Von den in der Klausel vorgesehenen Garantiefällen bietet der 
zweite und der vierte der juristischen Erklärung keine Schwierig- 
keiten. Die Garantie für paqirdnu, wörtlich „der Kläger, Reklamant, 
derjenige, welcher einen Anspruch erhebt" T ), bezieht sich auf den Fall 
der Entwehrung; durch einen Dritten, der sein Eigentumsrecht oder 
-ein anderes dingliches Recht bezüglich des verkauften Sklaven mit 
Erfolg geltend macht. 8 ) Ebenso dürfte es heute kaum mehr zu be- 
streiten sein, daß mär-bänütu „Freiheit" bedeutet und die Garantie 
dagegen daher eine vindicatio in libertatem des Sklaven zum Gegen- 



sondere zur Abfindung des Gläubigers, dem der verkaufte Sklave verpfändet ist, 
verwendet wird. In diesen Fällen ist die Preisquittung ersetzt durch eine Be- 
merkung, aus welcher sich die Verrechnung des Kaufpreises ergibt. Eine Aus- 
nahme macht B V 73. Hier quittiert der Verkäufer über den ganzen Kaufpreis. 
Die Erfüllungsübernahme in BV 74 (vgl. oben § tl n. 11) ergibt jedoch, daß er 
nur einen Teil davon erhielt, während der Rest zur Befriedigung des Pfand- 
gläubigers verwendet werden soll. Wenn die Preisquittung fehlt und sich auch 
sonst nichts über eine Verrechnung des Kaufpreises aus der Urkunde ergibt, 
wird man im Zweifel wohl die Umwandlung der Kaufpreisschuld in eine n-il-tim 
anzunehmen haben. 

4) Kann gelegentlich fehlen. Bei Sklavinnen mitunter auch amat-sarrutu. 

5) Kürzere Fassung: sa S. Auch dieser Passus kann fehlen. 

6) Nebukadrezar: Nbk. 37, 67 (KB IV p. 184 IX), 70 (Marx, BAIVp.40), 
97, 166, 207, ZK I p. 89, Nbk. 346 (BR I p. 5), 386 (Marx, BA IV p. 29); Neri- 
glissar: Ner. 2, 23 (Peiser, ZA III p. 83); Nabonid: Nbn. 40, 126, 196 
(KB IV p. 222 XVIII), 212, 257 (Peiser, jurisprud. Babyl. p. 16), 273 (BR IV 
p. 71), 274, 300 (KB IV p. 230 XXVI), 336 (Meissner, de Servitute p. 25), 388, 
Liv. 1, Moldenke 53 (p. 105f.), Nbn. 400 (BR IV p. 72), 434, Moldenke 11 
(p. 2f.), Nbn. 509 (BR IV p. 82), 533, 564 (BR I p. 4), BV5, Nbn. 636, 648, 665 
(BR IV p. 72), 666, 671, 693, 756(?), 765 (BR I p. 27), 801, 806, 829 (BR I p. 14), 
892,1020,1044; Kyros: BV 11, Cyr. 146 (Demuth, BA III p. 416); Kambyses: 
BV 34, Camb. 15 (Ziemer, BA III p. 471), 287 (Ziemer, a. a. 0. p. 473), 307, 
309 (BR II p. 39), 334 (KB IV p. 292 XII); Darius: BV 71, 88, 90. 

7) Vgl. Delitzsch p. 537, Muss-Arnolt p. 823. 

8) Vgl. Kohler-Peiser, BR IV p. 71. Die Interpretation, welche die beiden 
Gelehrten bezüglich paqirdnu und der übrigen Garantiefälle in Bl\ I p. 4 ver- 
traten, haben sie später (BR II p. 39) selbst berichtigt. Vgl. ferner Johns, Ba- 
bylonian and Assyrian laws p. 175, Oppert, Comptes rendues de l'academie des 
inscr. et des belles lettres (1888) p. 122. Zu eng faßt paqirdnu Peiser, KB IV 
passim, wenn er den Ausdruck nur auf den das Zugrecht Ausübenden bezieht. 
Unrichtig Tallquist p. 117 und Oppert, ZA 111 p. 21, die unter )><niir<inu 
•den Redhibitionskläger verstehen. Kaum zutreffend auch Feudi twang, ZA 
VI p. 439. 



mdr-hdiuUu, sihü. 177 

stände hat. 9 ) Hingegen ist es ganz unsicher, worauf sich sihü be- 
zieht. Man stellt das Wort gewöhnlich mit sihü (nnc) „abfallen, 

9) Daß mdr-bdnu der „Freie", mdr-bdniUu die „Freiheit" sei, erkannte 
schon Oppert, ZA III p. 21, 177, VII p. G8, Verhandlungen d. VII. Orient. Kongr. 
sem. Sekt. p. 181, comptes rendues (1888) p. 121. Vgl. ferner Delitzsch, BA IV 
p. 78f., Meissner, de Servitute p. 27, Supplement zu den assyrischen Wörter- 
büchern p. 55, Jensen, ZA VI p. 348, Ungnad, Business documents from the 
neo-babylonian period, Glossar p. 64, Johns, Babyl. and Assyr. laws p. 175 f., 
Martin p. 61. Demgegenüber erklärte Peiser, ZA III p. 369 mdr-bdnu als 
„Adoptivsohn" (dagegen Marx, BA IV p. 12, der aber kaum zutreffend (vgl. auch 
Delitzsch 1. c.) in dem mdr-bdnu einen Halbfreien sieht) und hält an dieser 
Deutung noch insofern fest, als er zwar mdr-bdnutu in KB IV mit „Adoption" 
übersetzt, jedoch a. a. 0. p. 187 n. bemerkt, daß mdr-bdnutu die Freilassung 
bedeute, welche ursprünglich in der Form der Adoption ausgeführt worden sei. 
Ebenso Kohler-Peiser, BR IV p. 71, Kohler, BA IV p. 428. Die Differenz 
beider Auffassungen ist also nicht mehr groß. Doch möchte ich für den vor- 
liegenden Fall an der Übersetzung von mdr-bdnutu mit „Freiheit" festhalten, da 
mir eine Garantie gegen „Freilassung" zu enge erscheint. Warum sollte der 
Käufer bloß dann gesichert sein, wenn der verkaufte Sklave von einem seiner 
früheren Eigentümer einmal freigelassen worden war, und nicht z. B. in dem 
ebenso nahe liegenden Falle, daß ein Freier, der sich für einen Sklaven hielt, 
verkauft wurde? 

Oppert hat auch das Wort mdr-bdnu bereits befriedigend erklärt. Mdr- 
-bdnn ist der Sohn eines Erzeugers (band) im Gegensatz zum juristisch vaterlosen 
Sklaven. (Vgl. auch den altbabylonischen mdr-awiUm „Menschensohn" = ingenuus 
und dazu Delitzsch, Bibel und Babel, 3. Vortrag p. 51 n. 9, Handel und Wandel 
in Altbabylonien p. 24 f., Schorr, WZKM 20 p. 314f, Streck, ibid. 21 p. 80f). 
Hierbei ist aber unter bdnü, wie Oppert mit Recht bemerkte, nicht der Vater, 
sondern der Ahnherr der Familie zu verstehen. Mdr-bdnu ist also derjenige, 
welcher einen Ahnen hat, der einem Geschlechte (gens) angehört, der Patrizier, 
wie denn auch das Wort etymologisch durchaus dem römischen patricius „Vater- 
sohn" (Mommsen, röm. Staatsrecht III p. 13) entspricht. Vgl. auch Delitzsch 
p. 178 und BA IV p. 79. Die Zugehörigkeit zu einer gens bringt ja auch der 
Vollname des babylonischen Freien: A, apilsu sa B, apil C zum Ausdruck, wo der 
an dritter Stelle stehende Name nicht etwa den Großvater, sondern den Stamm- 
vater des Geschlechtes bezeichnet, den band, weshalb auch das zweite apil nicht 
mit „Sohn", sondern mit „Nachkomme" zu übersetzen ist. Die Urkunden ge- 
statten uns die Schicksale mancher dieser Geschlechter durch mehrere Gene- 
rationen zu verfolgen. Bekannt ist namentlich das Egibi-Geschlecht. Vgl. dar- 
über Kohler-Peiser, BRIVp. 21f. Mdr-bdnu heißt dann weiter auch der 
„Edle, Vornehme". Vgl. Delitzsch p. 178, Handel und Wandel p. 54 n. 52, 
Muss-Arnolt, p. 581. Damit soll indessen nicht behauptet sein, daß mdr- 
-bdnütu in unseren Urkunden mit „Patriziat" übersetzt werden muß. Denn es 
ist nicht einzusehen, warum nicht auch die Freilassung unter den Garantiefall 
subsumiert werden soll, wie denn auch duppu mdr-bd>uUu in Nbn. 697 3)13 (KB 
IV p. 244 XLIV) die Freilassungsurkunde bedeutet. Das Gleiche gilt von dem 
aJtbabylonischen mar aivilim, gegen dessen von Ungnad vorgeschlagene Über- 
setzung „Patrizier" Fehr, Hammurapi und das salische Recht p. 100 n. 1 m. E. 
mit Recht Widerspruch erhoben hat. 

Wie diese verschiedenen Bedeutungen von mdr-bdnutu zu erklären sind, könnte 
nur eine eingehende Untersuchung der neubabylonischen Standesverhältnisse klar 
legen, eine Aufgabe, die außerhalb der Grenzen dieser Arbeit liegt. 

Koschaker: Babylon -assyr. Bürgschaftsrecht. 12 



178 sihü, arad-sarrütu. 

abtrünnig werden" 10 ) zusammen und erklärt demnach put sihi nasü 
als Garantie gegen die Unbotmäßigkeit des Sklaven, inbegriffen dessen 
Flucht. 11 ) Doch ist das letztere kaum richtig. Denn Nbk. 346 (BRIp.5 r 
oben § 12 n. 10) enthält außer der üblichen Garantieklausel pnt sihi usw. 
noch die Bestimmung Z. 8 f. pu-ut hi-li-qu u »!i-ti<-ti< sa S . . . V 1 u V% 
(die Verkäufer) na-as-su-u „für Flucht und Tod des S(klaven) . . . 
sind V x und V 2 Bürgen". 12 ) Demnach kann unter sihü kaum die 
Fugitivität des Sklaven verstanden werden. Damit wäre auch unver- 
einbar, daß in Cyr. 310 (BR IV p. 73), einem Kaufvertrag über ein 
Schiff, bestimmt wird Z. 6 f.: pu-ut """''"si-hi-i [. . . . .], (7) sa ina 
muh-hi u -"elippi il-[la-], (8) "' i! " Nabü-sar-usur na-as-[si . . .] „für sihü 
[....] (7), der in bezug auf das Schiff auftaucht, (8) ist Nabü-sar- 
-usur (der Verkäufer) Bürge". 13 ) Unter solchen Umständen empfiehlt 
es sich, auch von Vermutungen abzusehen und die ars ignorandi zu 
üben. u ) 

Zweifelhaft ist auch arad-sarrütu. Die Übersetzung des Wortes 
mit „Königssklavenschaft" darf zwar als sicher gelten, allein bezüglich 



10) Delitzsch p. 492, Muss-Arnolt p. 749. Die Lexika verzeichnen 
übrigens mit berechtigter Vorsicht den sihü der Garantieklauseln an besonderer 
Stelle. Vgl. Delitzsch p. 493, Muss-Arnolt p. 750. 

11) So schon Oppert, ZA III p. 20, Comptes rendues (1888) p. 122. Vgl. 
ferner Johns, Babyl. and Assyr. laws p. 174; Kohle r-Peiser, BR IV p. 71, die 
für sihü jedoch auch die Auffassung für möglich halten, daß der Sklave bei einer 
Staatsrebellion erworben wurde oder bei einer solchen mitgewirkt habe und 
deshalb der Konfiskation verfallen sei. Vgl. noch Tallquist p. 110, Demuth r 
BAIIIp. 417, der sich zweifelnd äußert. 

12) Daß, wie Kohler-Peiser, a.a.O. p. 5 meinen, der Sklave zur Zeit 
des Kaufabschlusses gar nicht im Besitze der Verkäufer, sondern flüchtig war, 
ist kaum wahrscheinlich. Hingegen ist es allerdings richtig und wird durch 
andere Urkunden bestätigt, daß der in Nbk. 346 verkaufte Sklave als Ausreißer 
bekannt war. Daraus erklärt sich hinreichend einmal die besondere Garantie 
gegen die Fugitivität, ferner auch der relativ geringe Kaufpreis, 23 Sekel. Vgl. 
auch Meissner, de Servitute p. 28 n. 3. 

13) Das bemerkt auch Johns, a. a. O. p. 174. Kohler-Peiser, a. a. 0. 
p. 73 meinen allerdings: „Hier heißt Rebellion etwas anderes: das Schiff, obgleich 
als neu bezeichnet, hat schon eine Reise gemacht; war es bei einer Rebellion 
beteiligt, so unterliegt es der Konfiskation; dagegen ist die Garantieklausel 
gerichtet." 

14) Ungnad, Business documents of the neo-babylonian period, Glossar 
p. 67 bestimmt sihü zweifelnd als „Reklamant' 1 . Daran ist insofern etwas Rich- 
tiges, als der sihü ebenso wie der Evinzcnl (paqiränu) dem Käufer Besitz und 
Genuß der Sache entzieht und daher den Verkäufer im Garantiefalle zur Rück- 
gabe des Kaufpreises verpflichtet. Das ergibt sich aus dem Sklavenkaufvertrag 
Nbn. 257 (Peiser, jurisprud. Rabyl. p. 16) Z. 7 1'.: purui si-hu-n u pa-qir-[ra-nu] 
(8) sa a-me-lut-tum "*Su-la-a na-si. ki-i si-[hu-u] (9) u »» <*m&upa-qvr-ra-nu ina 
eli a-me-lut-[tum] (10) it-tab-su-u '." , manu 5 siqil kaspi ["»Stt-fa-a?] n u-tar- 



arad - sarriitu. 179 

des juristischen Wertes dieses Terminus sind wir nur auf Vermutun- 
gen angewiesen. Für wenig wahrscheinlich halte ich es, daß mit 
arad-sarrütu das Eigentum des Königs an dem Sklaven bezeichnet 
werden sollte. Denn dann hätte der Verkäufer eben einen fremden 
Sklaven verkauft, und dieser Fall wird schon durch die Garantie 
gegen paqirdnu gedeckt. 15 ) Den Vorzug verdient m. E. die schon von 
Oppert 16 ) ausgesprochene Vermutung, daß arad-sarrütu sich auf jene 
im Privateigentum stehende Sklaven beziehe, auf welchen Frohnden 
zu gunsten des Königs lasteten. 17 ) Dafür spricht auch Nbk. 201 8 
(KB IV p. 190 XVII), wo an Stelle von arad-samUu für si-ip-ru des 
verkauften Sklaven gehaftet wird. Sipru kann aber kaum etwas 
anderes bedeuten als 'Dienstbarkeit, Frohnde'. 18 ) In der Perserzeit 
wird die Garantieklausel ausführlicher. So erstreckt sich in Dar. 212 
die Bürgschaft außer auf die vier üblichen Punkte noch auf susannütu 19 ) 
des verkauften Sklaven, und in einem von Hilprecht-Clay, BE IX 
p. 44 n. auszugsweise mitgeteilten Sklavenkaufvertrag aus Nippur 
(Const. Ni. 560) aus dem 3. Jahre Darius' II wird Z. 12f. bestimmt 
pu-ut la "'""'"si-hi-i, la a '"* lu pa-qi-ra-nu , la am " l "arad-sarru-u-tu, (13) la 
a ™ lu mär-banü-u-tu, la ""^"ar-li-ili^'-u-tu, la "'""'"su-sa-nu-u-ftu], (14) la 
bH sisi, la bit ^kussi, la bit ^"narhabti, sa ina muh-hi (15) amelu-üc 
su'älu il-la-\ " lilu Bcl-it-tan-nu na-[si-'J „Dafür, daß nicht vorhanden 

sein wird silin, Eviktion, Königssklavenschaft, (13) Freiheit, 

susannütu, (14) Haus der Pferde, Haus des Thrones, Haus der Streit- 



-ra-ma a-na ™nuNabü-ahe-iddin [i-nam-dm] „für sihii und Eviktion (8) der 
Sklaven ist Sulä (Verkäufer) Bürge. Wenn si[hit] (9) oder Eviktion bezüglich der 
Sklaven (10) vorhanden ist, wird 2 1 / i Minen 5 Sekel Silber (d. i. den Kaufpreis) 
[Sulä?], (11) indem er sie zurückstellt, dem Nabü-ahe-iddin (Käufer) [geben]". 
Aber andrerseits beweist das Nebeneinander von sihn und paqirdnu, daß beide 
doch verschieden sind, mag diese Verschiedenheit eine materielle sein oder 
sich vielleicht nur auf die Form der prozessualen Geltendmachung des An- 
spruches beziehen. 

15) Das ist auch gegen Kohlers, BA IV p. 428, Ansicht zu bemerken, daß 
der Königssklave unveräußerlich war und daher dem Hofe unbedingt zurück- 
gegeben werden mußte. 

16) Comptes rendues (1888) p. 122. 

17) Ebenso Demuth, BA III p. 417, der speziell an Sklaven denkt, die aus 
der Kriegsbeute einzelnen zugewiesen wurden mit der Verpflichtung, sie für ge- 
wisse Dienste der Hofverwaltung zur Verfügung zu stellen. Vgl. ferner Johns, 
ADD III p. 385, Babyl. and Assyr. laws p. 175. 

18) So übersetzt auch Peiser 1. c, A. M. Meissner, de Servitute p. 27. 

19) Hilprecht-Clay, BE IX p. 44 n. bestimmen die suktnne als ,,a class 
of persons, occupying a low position in life, employed for various kinds of 
menial service, in all probability a certain class of slaves or persons, who had 
formerly been slaves". Vgl. auch Johns, Babyl. and Assyr. laws p. 176. 

12* 



180 Garantieklauseln in Pfandverträgen, 

wagen, welche in bezug auf (15) diese Sklaven auftauchen, ist Bel- 
-ittannu Bürge". Wir werden auch hier all diese im einzelnen noch 
unverständlichen Termini wohl am besten auf Frohnden beziehen, 
denen Sklaven unterliegen konnten und für deren Nichtvorhandensein 
garantiert wird. 

In den erwähnten Fassungen ist die Garantieklausel, wie bemerkt, 
den Sklavenkaufverträgen eigentümlich. Hiervon ist es keine Aus- 
nahme, wenn wir ihr auch in einem Vertrag begegnen, laut welchem 
die Eltern ihren Sohn verkaufen. 20 ) Denn er wird dadurch wohl 
Sklave. Ebenso gehört materiell zu den Sklavenkaufverträgen YAT 170 
(KB IV p. 166) aus dem 2. Jahre Asarhaddons, eine Urkunde, die 
m. W. den frühesten Beleg für unsere Klausel enthält. Sie lautet: 



Bibea hat aus der Hand 

des Nabü-sum-iskun die Kidiniti 

für 2 / 3 Minen, 3 Sekel Silber 

zum festgesetzten Preise gelöst. 

Für sihü und Eviktion 

der Kidiniti 

ist Nabü-sum-iskun Bürge. 



m Bi-bi-e-a i-na qätä 
m uujyai) ü-suni - isl'u-un """'" >l Ki-di-ni-ü 
Jci-i 2 / 3 manu 3 siqil Tiaspi 
a-na simi ha-ri-is ip-tur. 
6 pu-ut si-hi-i u pa-qir-ra-nu 
sa am '' Uu Ki-di-ni-ti 
m üu Nabü-smn-isku-un na-si. 
Zeugen, Datum. 

Wie dieser Text zu erklären ist, bleibt dunkel. 21 ) Man könnte 
an einen Retraktkauf denken, ebenso aber auch an die Einlösung 
eines Eigentumspfancles durch den Schuldner. Doch ist dieses Rechts- 
verhältnis meines Wissens bisher nur in den assyrischen Urkunden 
denen dieser Text allerdings zeitlich nahe steht, nachzuweisen. 22 ) 

Hingegen ist es allerdings singulär, wenn wir die Garantie für 
sihü in dem schon oben p. 178 erwähnten Kaufvertrag Cyr. 310 über 
ein Schiff finden, ebenso wenn in Nbn. 340, einer uil-tim mit anti- 
chretischem Sklavenpfand der Schuldner Z. 9 f. für sihit und paqiränu 
bezüglich des Sklaven bürgt und so die Gefahr des Pfandes auf sich 
nimmt. Genaueres über den Inhalt einer derartigen Verabredung er- 

20) Nbk. 70 (Marx, BA IV p. 40). Es wird garantiert für sihü und pa- 
qiränu. 

21) Eigentümlich ist auch Nbk. 62: A (2) ina Ini-ml Kb-bi-Su % »uimi 
5 siqil kaspi (3) ina Simi S .... (4) ina qätä B (5) is-si. pu-ut si-hi-i (6) . . . ., 
sa ina mith-hi (7) S il-la-', (8) A na-si ,,A(2) hat in freier Entschließung % Minen 
B Sekel Silber (3) auf den Preis der S(klavin) . . . . (4) von 13 (5) erhalten (davon- 
getragen). Für sihü (6) . . . ., welche in bezug auf (7) die S auftauchen, (8) ist A 
Bürge." Der Verkäufer leistet, wenn ich die Urkunde recht verstehe, Garantie 
erst, nachdem er eine Teilzahlung auf den Kaufpreis erhalten hat. 

22) Vgl. ADD 6'J, 60, 64, 70 und dazu Johns, ADD III p. 76f. 



in Yiehkauf vertragen. 181 

fahren wir aus Dar. 431 (BR III p. 30). Die Urkunde ist ebenfalls 
ein Verpflichtungsschein über Geld mit Zinsantichrese an einer Sklavin. 
Die Schuldner erklären Z. 11 f., daß sie pu-ut la ha-la-qu sa amelu-tu 
na-su-it „für das Nichtentfliehen der Sklavin bürgen". Die Urkunde 
gibt aber auch den Inhalt der Garantie an, indem sie Z. 13 f. fortfährt: 
ümu m " S (14) a(?)-di(?) [aj-sar'* 2 *) sa-nam-ma ta-at-tal-Jcu, sa arhu i3 ) 
y a siqil kaspi (15) pisu u hubullu kuspa-[a] ! / 3 manu 1 / 2 siqlu A (16) 
a-ita B i-nam-din „wenn die S(klavin) (14) an einen anderen Ort 
geht, wird monatlich % Sekel Silber, (15) weißes, als Zinsen von an 
Silber % Mine % Sekel (d. i. der Schuldbetrag) A (Schuldner) (16) 
dem B (Gläubiger) geben". Es tritt also der durch die Antichrese 
gehemmte Zinsenlauf wieder in Kraft. 24 ) 

Einer eigentümlichen Garantie in Bürgschaftsform begegnen wir 
endlich in den Urkunden über Yiehkauf, dessen Formular sich im 
übrigen mit dem der Sklavenkaufverträge deckt. Die Bürgschaft er- 
streckt sich hier auf am * l "uskü bzw. uskidum des verkauften Vieh- 
stückesJ 2 ^) Diese Garantie ist indessen auch den Sklavenkaufver- 
trägen nicht fremd. Sie ist hier statt der üblichen Garantieklausel 
in VS V 126 (Ungnad, 2. Beiheft zur OLZ p. 22) und Camb. 290 u 
(Zie mer, BA III p. 474) 26 ), neben ihr in Nbn. 680 Z. 7 f. nachzuweisen. 
Was amSlu usku bezw. uslütum heißt, ist unbekannt 27 ), da sowohl ety- 
mologische wie sachliche Anhaltspunkte zur Bestimmung der Bedeutung 
dieser Ausdrücke vorläufig fehlen. 28 ) 



22a) Peiser, a. a. 0. p. 30 n. 4 konjiziert a-n[a a]-sar. 

23) So verbessert Peiser, a. a. 0. p. 30 n. 5 mit Recht das it-tir der Kopie. 

24) Daß der Garantiefall tatsächlich eintrat, erfahren wir aus der etwas 
später datierten Urkunde Dar. 434 (BR III p. 30 f.). Der Schuldner verspricht 
dem Gläubiger unter Eid, die entflohene Sklavin bis zu einem bestimmten 
Termine herbeizuschaffen, widrigenfalls die ganze Schuld sofort fällig werde. 
Dem Gläubiger, dem offenbar an dem Besitz der Sklavin mehr liegt als an den 
Zinsen, macht also von seinem aus der Garantieklausel entspringenden Recht 
keinen Gebrauch, sondern trifft mit dem Schuldner die angegebene Vereinbarung, 
die ihm den Besitz der Sklavin wieder verschaffen soll. 

25) amilu^Mi Nbk. 13 7 , uskiitu: Nbk. 360 4 , Camb. 1 (KB IV p. 284 I), wo 
Z. 5 wohl pu-ut us(?)-ku(?)-tu zu lesen sein wird. 

26) Z. llf. wird statt des überlieferten pu-ut us-M-tum, was auch Ziemer 
liest, pu-ut us-ku-tiim zu emendieren sein. 

27) Vgl. auch Ungnad, a. a. 0. p. 24. 

28) Vielleicht würden wir klarer sehen, wenn Ner. 42 (BR III p. 16) besser 
verständlich wäre. Die Urkunde berichtet, daß K zwei Sklaven „aus der Hand" 
(ina qdtd) der V „für Geld weggeführt'' (a-na l'aspi i-bu-ku), d. h. gekauft habe. 
Aber A, der Sohn der V, Z. 7 f.: sa-ku-u-tu (Peiser, a. a. 0. p. 16 n. 1 emendiert 
amel-lu-u-tu) (8) u-pak-ki-ru-ma i-se-ku (Peiser: i-bu-ku) „hat die Sklaven (?) 
zurückgefordert und dann weggeführt" (?). Z. 9 f. heißt es nun K ul us-ku-u, 



182 Inhalt der Garantie. 

Was nun den Inhalt dieser Garantieklauseln betrifft, so erfahren 
wir für den Fall des sihü und paqiränu aus Nbn. 257 (oben n. 14), daß 
der Käufer vom Verkäufer-Garanten bei Eintreten des Garantiefalles 
die Rückgabe des Kaufpreises verlangen konnte. Diese Rechtsfolge 
entspricht ja auch dem Verluste des Besitzes und Genusses der Sache, 
der den Käufer infolge der Eviktion trifft. Wir werden sie daher 
auch bei der Garantie gegen mär-bäniUu anzunehmen haben. Ob sie 
hingegen auch in den übrigen Garantiefällen eintrat, muß dahingestellt 
bleiben, da die Quellen uns keine Auskunft geben und wir auch hier 
über den Umfang der Eviktion zu wenig orientiert sind. Bei arad- 
-sarrütu z. B., vorausgesetzt, daß die oben p. 178 f. vermutungsweise auf- 
gestellte Erklärung dieses Begriffes zutrifft, brauchte der Sachverlust 
kein vollständiger zu sein. Die folgenden Ausführungen beziehen sich 
daher nur auf die Eviktion, die zum definitiven Sachverlust führt. 
Hingegen scheinen wohl alle hier in Frage kommenden Bürgschafts- 
klauseln als Garantien für einen Erfolg konstruiert werden zu müssen. 
Der Verkäufer- Garant schuldet nicht, er haftet nur. Das Versprechen, 
im Garantiefalle Schadensersatz zu leisten, ist nicht die verbürgte Schuld, 
sondern deriviert aus der Bürgschaft. Ich darf auch hier mich auf die 
oben p. 155 f. gegebenen Darlegungen beziehen Allerdings führt diese 
Auffassung der Garantieklausel notwendig zur Annahme, daß der Sklaven- 
kauf als solcher kraft Gesetzes eine Eviktionshaftung des Verkäufers 
nicht erzeugte. Dafür spricht ja auch der Umstand, daß der Sklavenkauf- 
vertrag, so viel ich sehe, die Eviktionsgarantie immer enthält. Eine 
solche Gestaltung des Eviktionsrechtes stünde in der vergleichenden 
Rechtsgeschichte nicht vereinzelt da. Der römische Konsensualkauf, 
bei welchem eine Eviktionshaftung des Verkäufers nur durch Garantie- 
stipulation vermittelt werden konnte, wäre das beste Analogon zum 
babylonischen Sklavenkauf, wie denn überhaupt die römische stipulatio 
duplae bzw. simplae 29 ) mit der babylonischen Eviktionsgarantie mannig- 
fache verwandte Züge aufweist. Die Garantiestipulation verpflichtet 
den Verkäufer nach eingetretener Entwehrung 30 ) zur Rückgabe des 
doppelten bzw. einfachen Kaufpreises und zu nichts Weiterem. Einen 
anderen Verpflichtungsinhalt als den zur Rückzahlung des Kaufpreises 



(10) A su-u ,,K ist nicht uskü, (10) A (vielmehr) ist es." Es ist vielleicht anzu- 
nehmen, daß A auf Grund eines Beispruchsrechtes die Sklaven zurückforderte, 
etwa weil sie zur Mitgift der Mutter gehörten (vgl. oben § 16 n. IG, a. M. Kohl er 
I.e.). Was jedoch die Bemerkung in Z. 9 f. besagen soll, bekenne ich nicht zu 
wissen. 

29) Über die letztere vgl. Rabel, Haftung des Verkäufers p. 133 f. 

30; Rabel, a. a. 0. p. 72 f. 



Eviktionsgarantie und Gewährenzug. 183 

im Garantiefalle sind wir aber auch bei der Eviktionsbürgschaft unserer 
Urkunden wenigstens nach dem Wortlaute der Klausel anzunehmen 
nicht berechtigt, 31 ) 

Eine Schwierigkeit soll indessen nicht übersehen werden. Die 
Währschaftsverpflichtung des Veräußerers entsteht, wie die vergleichende 
Rechtsgeschichte lehrt, ursprünglich von Rechtswegen als Neben- 
wirkung der Veräußerung. 32 ) Sie ist, wie Partschl.c. mit Recht be- 
merkt, eine „Begleiterscheinung des ältesten Eigentumsstreits, der als 
Diebstahlsklage entwickelt wurde und notwendig vom Besitzer zum 
Vormann fortschreitet." Demnach ist auch die Verpflichtung des 
Verkäufers zur Rückgabe des Kaufpreises an den Käufer, im Falle 
als der Kläger die Dieblichkeit der angeschlagenen Sache nachweist, 
gesetzlicher, oder vielleicht richtiger, deliktischer Natur. 32a ) Die Geltung 
dieser Rechtssätze, wenigstens in altbabylonischer Zeit, erweist die 
Regelung des Gewährenzuges im K. H. §§ 9f. 32b ) Auf dieser Grund- 
lage könnte man nun allerdings versucht sein, die Garantieklausel beim 
Sklavenkauf als Bürgschaft für die gesetzliche Schuld des Verkäufers 



31) In BV 12 verpflichten sich allerdings die Eviktionsbürgen des in BV 11 
erhaltenen Sklavenkaufvertrages der Käuferin gegenüber, den Sohn der Ver- 
käuferin, welcher wohl auf Grund eines Beispruchsrechtes (vgl. oben § 16 n. 16) 
den Kaufvertrag angefochten hatte, in bestimmter Frist zu gestellen und seine 
Zustimmung zum Vertrage beizubringen, widrigenfalls sie den Kaufpreis und 
außerdem noch 1 Kur Getreide der Käuferin zu geben haben. (Z. 13 ist wohl 
inamdiw lin statt id-din (Peiser) zu lesen.) Allein daraus folgt keineswegs, daß 
eine Verpflichtung zu einem derartigen positiven Handeln schon in der Evik- 
tionsgarantie an sich enthalten war, ebensowenig auch, daß schon die Ein- 
bringung der Klage des Dritten die Garantie auslöste. Dagegen spricht schon 
die Tatsache, daß die Bürgen diese Verpflichtung in einer besonderen Urkunde 
5 Monate nach Abschluß des Kaufvertrages, in dem sie die Eviktionsgarantie ge- 
leistet hatten, übernehmen. Natürlich mußte aber den Bürgen daran gelegen 
sein, das Eintreten des Garantiefalles nach Möglichkeit abzuwehren, und so 
werden sie die Käuferin, die angesichts der Klage des Sohnes der Verkäuferin 
ihnen mit der Regreßklage im Unterliegensfalle drohte, beschwichtigt haben, 
indem sie ihr versprachen , die Zustimmung des Sohnes zum Kaufvertrag zu er- 
wirken, beziehungsweise ihr im entgegengesetzten Falle einen größeren Schadens- 
ersatzbetrag zu leisten, als sie nach der Garantie verpflichtet waren. So glaube 
ich die Urkunde am besten erklären zu können. Wie die vier Jahre später 
datierte Urkunde BV 18 lehrt, ist es den Bürgen in der Tat gelungen, den Sohn 
der Verkäuferin zur Zustimmung zu bewegen. 

32) Vgl. für das römische Recht Rabel, a. a. 0. p. 5 f. ; für die germanischen 
Rechte Rabel, ibid. p. 167f., ferner Rauch, Gewährschaftsverhältnis und Erb- 
gang nach älterem deutschen Recht (Festschrift für Zeumer) Sep. Abdruck p. 24f., 
H. Meyer, Festschrift für Gierke p. lOOOf.; für das griechische Recht Partsch 
p. 346 n. 3. 

32a) Vgl. darüber neuestens H. Meyer 1. c. 

32b) Vgl. dazu jetzt Fehr, Hammurapi und das salische Recht p. 52 f. 



184 Eviktionsgarantie und Gewährenzug. 

zur Preisrückgabe im Eviktionsfall zu konstruieren. Hierbei wäre 
vorauszusetzen, daß der Schub auf den Gewähren in neubabylonischer 
Zeit sich noch in derselben Weise vollzog wie nach dem K. H., eine 
Annahme, bezüglich welcher bei dem gegenwärtigen Quellenstande sich 
weder pro noch contra etwas sagen läßt. Hingegen scheint ein ge- 
wichtiges Bedenken gegen diese Konstruktion darin zu liegen, daß, 
wie schon bemerkt wurde, nach der Fassung der Garantieklausel das 
Versprechen des Verkäufers, den Kaufpreis zurückzugeben, nur zur 
Bürgschaft gehören und daher nicht die verbürgte Schuld darstellen 
kann. Endlich ist zu beachten, daß nach der Anlage des Gewähren- 
zuges der Verkäufer zu einem positiven Handeln verpflichtet ist. 
„Wer überführt wird, die makelbehaftete Sache früher besessen zu 
haben, auf den geht der Verdacht des Verbrechens über; er muß nun- 
mehr in den Prozeß eintreten an Stelle des bisherigen Beklagten." 320 ) 
Das gilt auch nach dem K. H. Der Verkäufer haftet für die Defension 
des Käufers in der Weise, daß er bei Gewährschaftsbruch ihm den 
Kaufpreis zurückerstatten muß. In dieser Form kann allerdings, und 
das lehren die deutschen 'Rechtsquellen, die Währschaftsverpflichtung 
zum Gegenstande eines besonderen Währschaftsversprechens gemacht 
werden 32 * 1 ), eine Erscheinung, die, wie noch unten (§ 18) darzulegen 
sein wird, auch den babylonischen Rechtsurkunden nicht fremd ist. 
Von einer derartigen Währschaftsverpflichtung kann aber bei der 
Garantieklausel des babylonischen Sklavenkaufs nicht die Rede sein. 
Vielmehr ist der Bürge lediglich zur Rückgabe des Kaufpreises nach 
vollzogener Entwehrung verhalten. 

Aus diesen Gründen dürfte der an erster Stelle ausgesprochenen 
Auffassung der Garantieklausel doch der Vorzug zu geben sein. 
Wenn im römischen Recht auf den Manzipationskauf mit seiner ge- 
setzlichen den Verkäufer zur Defension des Käufers verpflichtenden 
Auktoritätshaftung der Konsensualkaiif gefolgt ist, bei dem die Eviktions- 
haftung nur durch Garantiestipulation vermittelt werden konnte, so 
kann auch der neubabylonische Sklavenkauf eine partikuläre jüngere 
Bildung darstellen. Ein abschließendes Urteil ist allerdings auf Grund 
der vorstehenden Erwägungen nicht möglich. Hierzu bedürfte es einer 

DO O 

eingehenden Untersuchung des gesamten Kaufrechts, welche die der 
vorliegenden Arbeit gesteckten Grenzen weit überschritte. Hier möchte 
ich indessen noch eine Quellenstelle, welche meine Auffassung der 
Garantieklausel zu stützen geeignet ist, erörtern. 

32c) H. Meyer, a. a. 0. p. 996. 

32d) Vgl. Rauch, a. a. 0. p. 18, 21, H. Meyer, a. a. 0. p. 1003. 



Br. M. 82—7—14, 988, Col. II Z. 15f. 



185 



Unter den kärglichen Überresten eines größeren neubabylonischen 
Gesetzes 33 ), die uns auf einer im British Museum aufbewahrten Ton- 
tafel 34 ) erhalten sind und die zuerst P eiser in den Sitzungsberichten 
der Berliner Akademie (1889) p. 823 f. publiziert hat 35 ), findet sich 
auch eine auf den Sklavenkauf bezügliche Bestimmung. Sie lautet 
(Col. HZ. 15f.): 



15 amila sa a-me-lu-ut-ti 
a-na kaspi id-di-nu-ma 
pa-qa-ru ina muh-hi ib-su-ma 

ab-ka-ti, na-di-na-nu 

kaspa ki-i pi-i u-il-tim 
so i-na qaqqadi-su a-na ma-hi-ra-nu 
i-nam-din. ki-i märe 
tul-du ina isten Y 2 siqil kaspi 

i-nam-din. 



Wenn jemand eine Sklavin 15 

für Silber gegeben (verkauft) hat und, 
nachdem ein Anspruch auf sie er- 
hoben worden ist, 
sie (die Sklavin) weggeführt wird, 

so wird der Verkäufer 
Silber gemäß dem Vertrage 
in seinem vollen Betrage dem Käufer 20 , 
geben. Wenn sie Kinder 
geboren hat, so wird er für je eines 

% Sekel Silber 
geben. 



Die Norm bestätigt zunächst die schon aus den Urkunden ge- 
zogene Schlußfolgerung, daß die Eviktionshaftung den Verkäufer zur 
Rückgabe des Kaufpreises an den Käufer verpflichtet und daß der 
Haftungsfall erst mit vollzogener Eviktion gegeben ist (arg. abkäti in 
Z. 18). Ein Punkt aber erweckt unser besonderes Interesse: der Ver- 
käufer soll den Kaufpreis zurückgeben ki pt u-il-tim „gemäß dem Ver- 
trage". Sollen diese Worte nicht völlig überflüssig sein, so können 
sie nur besagen, daß der Verkäufer auf Grund einer besonderen 
Bestimmung des Kaufvertrags verpflichtet ist, die angegebenen 
Leistungen zu bewirken. Das Gesetz bezieht sich also auf eine lex 
contractus, welche die Eviktionshaftung regelt. Darunter ist aber ge- 



33) P eiser in der im Texte zitierten Abhandlung setzt es in die Zeit 
Assurbanipals. Daß es der neubabylonischen Zeit angehört, darüber läßt sein 
Inhalt keinen Zweifel aufkommen. 

34) Inv. No. 82 — 7—14, 988. 

35) Sie sind seither verschiedene Male abgedruckt worden, so in KB IV 
p. 320 f., bei Win ekler, die Gesetze Hammurabis (1904) p. 86. Übersetzungen 
bei Johns, Babyl. and Assyr. laws p. 69f., Winckler, Gesetze Hammurabis im 
„Alten Orient" IV 4 (4. Aufl.) p. 43 f. Die im Texte angeführte Bestimmung hat 
vor Peiser schon Pinches, Proceedings of the Society of Biblical Archeology 
1884/85 p. 32 veröffentlicht. Vgl. ferner Meissner, de Servitute p. 30f. Der 
Kommentierung des Gesetzes ist Peisers Habilitationsschrift: Jurisprudentiae 
Babylonicae quae supersunt (1890) gewidmet. 



186 u-il-tim = Sklavenkaufvertrag. 

wiß nichts anderes zu verstehen als die aus den Urkunden bekannte 
Garantieklausel, welche das Gesetz also lediglich bestätigt und inter- 
pretiert. 36 ) Will man daher nicht geradezu aus dem Gesetze heraus- 
lesen, daß der Verkäufer für Eviktion nur danu einstehe, wenn die 
Haftung dafür besonders vereinbart worden war, so wird man doch 
zugeben müssen, daß es die Garantieklausel für derart selbstverständlich 
hält, daß es an eine andere Möglichkeit gar nicht denkt. 

Unter solchen Umständen ist es nun höchst beachtenswert, daß 
das Gesetz diese in Bürgschaftsform erfolgende Eviktionsgarantie 
u-il-tim nennt. Darin liegt m. E. das stärkste Argument für die oben 
§ 14 aufgestellte Hypothese, daß die u-il-tim aus einer Verbürgung 
hervorgegangen sei, ebenso wie sich von diesem Standpunkte aus die 
meines Wissens bisher noch nicht beachtete Erscheinung erklären 
läßt, daß u-il-tim auch den Kaufvertrag und zwar, so viel ich sehe, 
nur den Sklavenkaufvertrag bezeichnet, für den ja gerade die 
Eviktionsbürgschaft eigentümlich ist. 37 ) Dieser Sprachgebrauch be- 
gegnet schon in einer Urkunde aus der Zeit Asarhaddons: KB IV 
p. 122 I, wo Z. 16 unter den Zeugen auch der am ° lu a-(ba} z% ) sa-tir u- 
-il-ti „der Schreiber 3tf ), welcher die Kaufurkunde schrieb" erscheint. 
Allerdings folgt die Urkunde anscheinend dem Formular der assyrischen 
Sklavenkaufverträge, die für die Gewährschaftsverpflichtung des Ver- 
käufers die Bürgschaftsform nicht verwenden. Ob dies auch hier zu- 
trifft, läßt sich indessen nicht entscheiden, da nur der Beginn und 
Schluß des Textes erhalten ist. Doch wie dem sei, jedenfalls ist die 
Urkunde, wie schon P eiser, a. a. 0. p. 122 n. 4 anmerkt, in babylonischer 
Schrift geschrieben und gehört, wie seither Johns 39 ) nachgewiesen 
hat, einer Gruppe babylonischer Texte an, die auf irgendeine Weise 
in die Archive von Niniveh geraten sind. 40 ) Es war also ein baby- 
lonischer Schreiber, der die Urkunde schrieb und sich nach dem 
Sprachgebrauch seiner Heimat sätir ii-il-ti nannte. 41 ) Was die neu- 
babylonischen Texte betrifft, so sei auf Nbn. 59 (KB IV p. 212 VI, 



36) Mit Recht hat daher schon Peiser, Jurisprud. Babyl. p. 17 bei der 
Kommentierung der Gesetzesbestimmung auf Nbn. -'57 (oben n. 14) hingewiesen. 

37) Als Analogon käme die Bezeichnung der römischen Man/.ipation als 
nexum in Betracht, die wohl mit Mitteis, röm. Privatrecht I p. 142 aus der 
obligatorischen Gewährleistungsverpflichtung desManzipanten zu erklären sein wird. 

38) Zum a-ba vgl. Johns, ADD II p. 32 f. 

39) ADD II p. 8, 34. 

40) Sie wurden ebenso wie die assyrischen Urkunden in Kujundßchik ge- 
funden. 

41) Ein amelu sätir uilti, bzw. ein d\(}i*<tr iätir uilti findet sich nach Johns 
1. c. Angabe noch in zwei weiteren Urkunden (Rm. 157, 184) derselben Provenienz. 



u-il-tim = Sklavenkaufvertrag. 187 

Peiser, jurisprud. Babyl. p. 6) und Nbn. 244 (P eis er 1. c.) hingewiesen. 
Beiden Urkunden liegt der Tatbestand zugrunde, daß ein Prokurator 
P im Auftrage eines andereD (D) einen Sklaven gekauft hatte, und 
zwar schloß er in Nbn. 59 den Vertrag auf seinen, in Nbn. 244 auf 
seinen und des Dominus Namen ab. Das letztere drückt die Urkunde 
Z. 8f. folgendermaßen aus u-il-tim a-na sumi-su u sumi (9) sa D 
i ' In „die Kaufurkunde hat er auf seinen und den Namen (9) des 
D ausgestellt". Der Prokurator erhält nun vom Dominus den Kauf- 
preis ersetzt und liefert ihm daher die auf den Vertrag bezüglichen 
Urkunden aus. Nbn. 59 y : mim-mu u-il-tim sa stmi ha-ri-is (10) sa ina 
qdtd V ibu-lu (11) a-na D it-ta-din „alle Urkunden über das, was er 
zum festgesetzten Preis (10) von dem V(erkäufer) gekauft hat, (11) 
hat er (P) dem D gegeben"-, Nbn. 244 13 : u-il-tim sa S P (14) a-na D 
it-ta-din. (15) gab-ri u-il-tim a-sar ta-nam-mar-ru (16) sa I) si-i „die 
Kaufurkunde über den S(klaven) hat P (14) dem D gegeben. (15) 
Ein Duplikat der Kaufurkunde, wo es gesehen wird, (16) gehört 
dem D". In Liv. 19 (Meissner, de Servitute p. 29) verkauft Iddin-Nabü 
die Sklavin seines Bruders Itti-Marduk-balätu. Z. 7: u-il-tim a-na su- 
mi sa '" Itti-"" JlarduJc-laldtu i-'-lu-u „die Kaufurkunde hat er auf den 
Namen des Itti-Marduk-balätu ausgestellt". Es wird also die beim Ver- 
pflichtungsschein übliche Terminologie u-il-tim 'diu „eine Bindung 
binden" 42 ) ohne weiteres auf den Sklavenkaufvertrag übertragen. In 
Liv. 19 Z. 17 f. ist zu lesen ri-ih-tu si-me amelu-tu, sa m Iddin- i!u Nabü 
.... a-na su-mi sa m Itti- Üu Mardah-baldtu i-'-i-lu „Rest des Kauf- 
preises der Sklavin, welche Iddiu-Nabü .... auf den Namen des 
Itti-Marduk-balätu verkauft hatte". Hier ist also 'diu, das von Haus 
aus natürlich nur auf die Übernahme der Eviktionsbürgschaft sich 
beziehen kann, in der Bedeutung „verkaufen" gebraucht. Die Urkunde 
über den Sklavenkauf bedeutet u-il-tim ferner in BV 12 (oben n. 31): 
die Eviktionsbürgen versprechen Z. 10f., daß sie den Evinzenten ina 
u-il-tim sa K a-na ame ' 1 " mu-kin-nu-tu u-se-es-se-bu „in der Urkunde der 
K(äuferin des Sklaven) zur Zeugenschaft anwesend sein lassen werden. 43 ) 



42) Vgl. oben § 13 p. 126 f. 

43) Auch in Ner. 1 15 (KB IV p. 202 I), Nbn. 194., 832 12 (BR I p. 27) ist 
unter u-il-tim der Sklavenkauf, bzw. die darüber errichtete Urkunde zu verstehen. 
Wenn in Dar. 392 n (BR IV p. 50) u-il-tim sa SAL-GUD „die u-il-tim über die 
Kühe" auf die Urkunde über einen Viehkauf zu beziehen ist, so liegt darin 
kein Widerspruch, weil den Viehkaufverträgen ähnliche Garantieklauseln, wie 
wir sie beim Sklavenkauf finden, eigen sind. Die u-il-tim in BVll3 8 , die eine 
auf die Eviktion einer verkauften Tempelpfründe bezügliche Bestimmung ent- 
hält, ist, wie der Zusammenhang ergibt (vgl. Kohler, Exkurs zu BV p. XLVIIf.), 



188 Br. M. 82—7—14, 988, Col. II Z. 4 f. 

Als Gegenstück zu Nbn. 244 sei noch auf Nbn. 85 (KB IV p. 216 IX r 
Peiser, jurisprud. Babyl. p. 10) aufmerksam gemacht. Hier handelt es 
sich um einen Prokurator, der einen Hauskauf suo nomine abge- 
schlossen hat und nun, nachdem ihm seine Auslagen von den Man- 
danten D x und D 2 vergütet worden sind, die Vertragsurkunde ihnen 
ausfolgt. Z. 10f.: duppu. sa P a-na su-mi-su ik-nu-ku. (11) a-na D 1 u 
D 2 id-din. (12) umu mu gdb-ri ku-nu-uk ma-hi-ri btti .... (13) ina bd 
P lu-u ina a-sar sa-nam-ma it-tan-ma-ru sa T) x u D 2 su-ti „die Tafel, 
welche P auf seinen Namen gesiegelt hat, (11) hat er an D x und D ? 
gegeben. (12) Wenn ein Duplikat der Kaufurkunde über das Haus 
.... (13) in dem Hause des P oder an einem anderen Orte gesehen 
wird, so gehört es dem D x und D 2 ". Hier also heißt die Kaufurkunde 
bezeichnenderweise nicht u-il-tim, sondern duppu oder kunuk maluri. 
Schwierigkeiten macht nur Col. II Z. 4 f. des schon erwähnten 
neubabylonischen Gesetzes. Da die Bestimmung auch sonst juristisch 
interessant ist, sei sie vollinhaltlich mitgeteilt. 

amdlu sa duppu sa bei eqli Wenn jemand die Tafel des Eigen- 

tümers des Feldes 
5 m kantku 44 ) a-na su-mi sa-nam-ma j und das Siegel auf den Namen > 

eines anderen 
gesiegelt und einen Vertrag 
der Beauftragung darüber 
nicht geschlossen hat 
oder ein Duplikat der Tafel 
nicht genommen hat, i» 

so wird derjenige, bezüglich dessen 

die Tafel, die u ü-tim 
auf seinen Namen geschrieben ist, 
dieses Feld oder Haus 
nehmen. 



ik-nu-hi-ma ri-ik-su 
sa na-as-pir-tum a-na eli 
la ir-ku-sa 
u gab-ri duppi 
io la il-qu-u, 

amelu, sa duppu u-il tun 



a-na su-mi-su sat-ru, 
eqlu lu bitu su-a-ti 
i-liq-qi. 

Obwohl die Textierung der Bestimmung keineswegs in allen 
Punkten klar ist, kann der ihr zugrunde liegende Tatbestand doch 
mit ziemlicher Sicherheit ermittelt werden. Es handelt sich um einen 
Prokurator, der auf den Namen des Geschäftsherrn einen Kaufvertrag 



nicht die Kaufurkunde, sondern ein Verpflichtungsschein. Das Gleiche gilt von 
der u-il-tim sa GIS-BAB-la-tum = „Pachtvertrag" in Dar. 409 9ils (BR III p. 42). 
Es wird hier wohl an eine u-il-tim über den Pachtzins, die ja in den Quellen 
häufig begegnet (vgl. oben § 4 p. 35 n. 16), zu denken sein. 

44) Geschrieben DUP, von Peiser, KB IV p. 320 gewiß nicht richtig mit, 
Kill im transskribiert. 



Retentionsrecht des Prokurators. 189 

über ein Grundstück abgeschlossen hat. Das Gesetz bestimmt nun, 
daß der Prokurator das Grundstück dem Geschäftsherrn, auf dessen 
. Namen die Urkunde lautet, herausgeben muß, wenn er keinen riksu 
sa naspirtum geschlossen oder sich ein Duplikat der Vertragsurkunde 
nicht hat ausfertigen lassen. Diese zweite Voraussetzung der Sanktion 
des Gesetzes bedarf der Erklärung. Denn an sich scheint es ja selbst- 
verständlich, daß der Mandatar das auf Grund des Mandates Erlangte 
herausgeben muß. Wir werden vor allem zu unterstellen haben, daß 
der Prokurator den Kaufpreis aus Eigenem erlegte und sich nun 
weigert, das Grundstück dem Mandanten herauszugeben, bevor ihm 
dieser den Kaufpreis ersetzt. 40 ) Diese Weigerung soll nun unstatthaft 
sein, wenn der Prokurator keinen riksu sa naspirtum besitzt. Das 
Wort entspricht genau dem römischen mandatum 46 ), und man würde 
sich als Gegensatz zunächst die auftragslose Geschäftsführung denken. 
Diese Annahme würde indessen dem Tatbestand der Gesetzesnorm 
kaum gerecht werden. Denn es ist gar kein Grund einzusehen, wa- 
rum ceteris paribus der negotiorum gestor schlechter behandelt werden 
sollte als der Mandatar, noch weniger, warum der Umstand, daß sich 
der Geschäftsführer ein Duplikat der Urkunde ausfertigen ließ, das 
Mandat ersetzen sollte. Ich möchte daher in dem riksu sa naspirtum 
die Mandatsurkunde erblicken. 47 ) Der Prokurator, der es verabsäumt 
hat, sich eine derartige Urkunde, in der sein Mandat umschrieben 
und vielleicht auch Bestimmungen über den Impensenersatz enthalten 
w r aren, ausstellen zu lassen, soll die Folgen tragen. Er soll das ge- 
kaufte Grundstück herausgeben, ohne vorher den Ersatz des aus- 
gelegten Kaufpreises vom Mandanten verlangen zu können. Mehr sagt 
indessen die Bestimmung nicht. Es wäre verfehlt und auch sachlich 
kaum gerechtfertigt, wollte man aus ihr auch herauslesen, daß der 
Prokurator überhaupt keinen Regreß habe. Die Stelle spricht viel- 
mehr nur von einem Retentionsrecht, das der Prokurator verliert, 
wenn er keine Mandatsurkunde hat. Damit ist aber keineswegs aus- 
geschlossen, daß er nunmehr im Klagewege den Ersatz seiner Aus- 
lagen forden kann. 

Diese Interpretation des Gesetzes wird nun durch die schon oben 
p. 187 f. angeführten Urkunden Nbn. 59, 85, 244, die auch Peiser 48 ) 
bereits zur Erklärung herangezogen hat, bestätigt. Allen drei Texten 



45) So auch Peiser, jurisprud. Babyl. p. 8 f. , Johns, Babvl. and Assyr. 
laws p. 69. 

46) Vgl. Delitzsch p. 683, Muss-Arnolt p. 740, Peiser, a. a. 0. p. 16. 

47) Ebenso Johns 1. c. 48) A. a. 0. p. 6 f. 



190 Retentionsrecht des Prokurators. 

liegt derselbe Sachverhalt zugrunde: der Prokurator, welcher eine 
Sache 49 ) gekauft hat, wird vom Mandanten klaglos gestellt und hän- 
digt diesem dafür die Besitztitel (Kaufurkunden) ein. Allerdings 
weicht der Tatbestand der Gesetzesstelle von dem der Urkunden in 
einem Punkte wesentlich ab. Das Gesetz setzt voraus, daß der Pro- 
kurator alieno nomine kontrahiert und demnach als direkter Stell- 
vertreter gehandelt hat. Der Dominus ist also wohl Eigentümer ge- 
worden und hat gegen den Prokurator einen dinglichen Anspruch auf 
Auslieferung der Sache, der bis zur Zahlung des Kaufpreises aller- 
dings durch das Retentionsrecht des Prokurators gehemmt wird. Hin- 
gegen bemerken die Urkunden (Nbn. 59 5 , 85 10 ) ausdrücklich, daß der 
Prokurator die Vertragsurkunde auf seinen, bzw. in Nbn. 244 8 auf 
seinen und des Dominus Namen gestellt habe. Er tritt also als in- 
direkter Stellvertreter auf. Die Annahme, daß er Eigentümer der ge- 
kauften Sache wird und als solcher nur obligatorisch zu ihrer Aus- 
folgung an den Mandanten verpflichtet ist, liegt wohl nahe. Allein 
andrerseits muß gegen sie doch erinnert werden, daß es fraglich ist v 
ob man hier ohne weiteres mit römisch rechtlichen Begriffen operieren 
darf. Es ist immerhin beachtenswert, daß die Urkunden nirgends von 
einer Übergabe der Sache seitens des Prokurators an den Geschäfts- 
herrn sprechen, sondern lediglich den Prokurator den Empfang des 
Kaufpreises bestätigen lassen, woran sich in Nbn. 85 8f . und 244 lif die 
Bemerkung knüpft: zittu sa P ina Jibbi iänu „ein Anteil des P(ro- 
kurators) darauf (d. h. auf die Sache) besteht nicht". Möglich, daß 
damit lediglich auf die Fälligkeit der Verpflichtung des Prokurators 
zur Eigentumsübertragung hingewiesen werden soll. Wahrscheinlicher 
jedoch ist es, daß die Klausel die dingliche Position des Prokurators 
hinsichtlich der gekauften Sache negieren will. Da nun die erfolgte 
Übergabe der Sache zu unterstellen, willkürlich wäre, so muß man 
immerhin die Möglichkeit zugeben, daß der Mandant einen (relativ) 
dinglichen Anspruch auf Ausfolgung der Sache gegen den Prokurator 
hatte. 50 ) Wie immer man sich indessen das Rechtsverhältnis zwischen 



49) Sklaven: Nbn. 59, 244; Hauserrundstück: Nbn. 85. In Nbn. 85 wird Z. 5 
ausdrücklich bemerkt, daß der Kauf ina na-as-par-ti „im Auftrage" des Ge- 
schiiftsherrn abgeschlossen worden sei. 

50) Der Umstand allerdings, daß der Kaufvertrag auf den Namen des 
Prokurators lautete, war kaum ohne rechtliche Bedeutung. Wenn man infolge 
der im Text geäußerten Bedenken ein absolutes Eigentum des Prokuratora au 
der gekauften Sache pretio soluto nicht annehmen will, so wird doch, solange 
der Eigentumsübergang auf den Mandanten nicht in allgemein erkennbarer 
"Weise sich vollzogen hat, an seiner sachenrechtlichen Legitimation Dritten 



u-il-tim = Sklavenkaufvertrag. 191 

Dominus und Prokurator vorstellen mag, das eine kann mit Sicher- 
heit festgestellt werden: der suo nomine kontrahierende Prokurator 
steht dem direkten Stellvertreter mit riksu sa naspirtum insofern 
gleich, als keiner von ihnen die gekaufte Sache, bevor ihm der aus 
Eigenem ausgelegte Kaufpreis vergütet wurde, dem Mandanten heraus- 
zugeben braucht, und in dieser Beziehung stützen die Urkunden die 
oben vorgeschlagene Interpretation der Gesetzesstelle. Völlig im Ein- 
klänge mit dem Gesetze steht aber die Klausel in Nbn. 85 15 , 244 12 
(vgl. oben p. 124 n. 36 und p. 187 f.), daß ein Duplikat der Kaufurkunde, 
wo immer es auftauche, dem Mandanten gehöre. Wie die Tatsache, 
daß der Prokurator, der sich ein Duplikat der Vertragsurkunde bei 
der Vertragsschließung hat ausfertigen lassen, dem Stellvertreter mit 
riksu sa naspirtum hinsichtlich des Retentionsrechtes gleich steht, zu 
erklären ist, steht dabin. Anscheinend liegt die Vorstellung zugrunde, 
daß das Kaufinstrum ent, solange es oder ein in rechtsgültiger Weise 
ausgefertigtes Duplikat im Besitze des Prokurators ist bzw. noch 
nicht kraftlos erklärt wurde, diesem ein Anrecht auf die Sache selbst 
verschaffe 51 ), weshalb auch der Prokurator von der Sache absteht, 
indem er die Kaufurkunde dem Dominus einhändigt. 

Was bedeutet nun u-il-tim in Z. 11 der Gesetzesbestimmung? 
Johns 52 ), die Bedeutung Schuldschein zugrunde legend, denkt an den 
Fall, daß der Vertreter aus Eigenem aber im Namen des Vertretenen 
einem anderen ein Darlehen gegeben habe, aus welchem Tatbestande 
nun der Vertretene Gläubiger werde. Allein davon steht im Gesetze 
nichts, und außerdem ist diese Annahme mit der Sanktion in Z. 11 f. 
völlig unvereinbarlich. Man würde am ehesten noch mit Johns die 
übrigens sachlich kaum zu rechtfertigende Bestimmung erwarten, daß 
der Prokurator ohne riksu sa naspirtum usw. keinen Anspruch auf 
Ersatz des zum Darlehen Hingegebenen habe. Viel näher liegt es, 
da das Gesetz vom Kauf eines Grundstückes handelt, u-il-tim auf den 
Sklavenkauf zu beziehen. Dann fiele wenigstens die für Johns be- 
stehende Schwierigkeit, daß das Gesetz zwei so verschiedene Tat- 
bestände wie Kauf und Darlehen unter dieselbe Sanktion bringt, hin- 
weg. Allein selbst bei dieser Annahme ist der Text des Gesetzes noch 
nicht in Ordnung. Es fällt schon auf, daß am Eingange von eqlu 

gegenüber festzuhalten sein. Damit ist natürlich ein relativ, d. h. nur gegen 
den Prokurator wirkendes dingliches Recht des Mandanten durchaus verträglich. 
Völlig dahingestellt muß es bleiben, wie die Rechtsstellung des Dominus vor 
Bezahlung des Kaufpreises war. 

51) Vgl. auch Peiser, a. a. 0. p. lOf. 

52) Babyl. and Assyr. laws p. 6'J. 



192 Die Detensionsklausel bei Sklavenkaufverträgen. 

„Feld" die Rede ist, während der Schluß des Gesetzes eqlu und bitu 
„Haus" erwähnt. Völlig in der Luft aber hängt u-ü-tim in der Sank- 
tion, da die Norm dieses Begriffes mit keinem Worte gedenkt. 53 ) Ich 
bin daher der Meinung, daß die Stelle verderbt überliefert ist. Wahr- 
scheinlich schloß sich an sie in ihrer ursprünglichen Gestalt, in der 
sie nur vom Grundstückskauf handelte, eine analoge Bestimmung: über 
den Sklavenkauf (ii-il-tim). Der Kopist, bestrebt zu kürzen, zog nun 
beide Bestimmungen in eine zusammen, wobei die Verwirrung im 
Texte entstand. Sehr ins Gewicht fällt für diese Erklärung, bei der 
m. E. alle Schwierigkeiten verschwinden, endlich auch der Umstand, 
daß in der Tat auf den Paragraph in der überlieferten Fassung des 
Gesetzes die schon oben p. 185 angeführte Bestimmung über den 
Sklavenkauf folgt. 



Die Eviktionsbürgschaftist, wie schon oben p. 174 bemerkt wurde, 
keineswegs die einzige Rechtsform, in welcher der neubabylonische 
Sklavenkaufvertrag die Sicherung des Käufers gegen Rechtsmängel 
verwirklicht. In den Urkunden der Perserzeit begegn en wir f olgender 
Klausel: ina ümu paqdm ina eli S ittdbsü, V S umarraqamma an a 
K inamdin „ wenn ein Anspruch auf den S(klaven) vorhanden sein 

wird, wird der V(e rkäufer) den S(klaven), nachdem er ihn , dem 

K(äufer) gebe n". 1 ) Das Verständnis dieser Klausel hängt von der 
richtigen Übersetzung der Form umarraq ab. Peiser 2 ), von der 
Voraussetzung ausgehend, daß eine Handlung des Verkäufers ins Auge 
gefaßt sein müsse, die den Käufer decken soll, gelangte zur Bedeutung 
„sein Recht an einer Sache nachweisen". 3 ) Wenngleich ich die Prä- 
misse Peiser s für zutreffend halte, so möchte ich doch, was die 
philologische Erklärung des Wortes anlangt, der neuestens von Clav 1 ) 
ausgesprochenen Meinung den Vorzug geben. CljyL^zjeiri_jlifi_j i ra r 



53) Aus diesem Grunde kalte ich es auch nicht für angängig, mit Win ekler, 
-die Gesetze Haminurabis p. 87 duppu u-il-lim als „Tafel über die u-H-tim u , 
d. h. als „Vertragsurkunde" zu deuten, zumal ein solcher Terminus, so viel ich 
sehe, ganz ungewöhnlich wäre. 

1) BV 56 7 , 73 7 , VS V 126 18 (Ungnad, 2. Beih. zur OLZ p. 22), Dar. 4H2 S 
(BR IV p. 48), sämtliche aus der Zeit Darius' I; Const. Ni. 660 ID (BE IX p. 44 n.) 
aus dem 3. Jahre Darius' II. Im einzelnen unwesentliche Varianten. 

2) BV p. 260. 

3) Ebenso Meissner, Supplemente zu den assyrischen Wörterbüchern p. 60, 
Mu.-ti-Arnolt p. 692. Vgl. ferner Meissner, de Servitute p. 31. Zweifelnd 
Ungnad, 2. Beih. zur ULZ p. 22, 24, der die Übersetzung „ersetzen" vorschlägt. 

4) BE VIII, p. 22 n. 



Die Defensionsklausel bei Sklavenkaufverträgen. 193 

maische Wurze l p"TQ = „reinigen" heran und gewinnt so für murru qu 
die Bedeui.ungj_tq clear of encumbrances^ Es gibt nun in unserem 
Juristendeutsch ein Wort, das zwar nicht schön klingt, aber doch 
etymologisch wie sachlich das babylonische nmrruqu vortrefflich 
widergibt, nämlich „bereinigen". Diese Übersetzung möchte ich denn 
auch vorschlagen. 5 ) 

Der Verkäufer verpflichtet sich also, wenn Ansprüche Dritter auf 
den verkauften Sklaven geltend gemacht werden, ihn von diesen An- 
sprüchen zu „bereinigen" und im „gereinigten" Zustande, d. h. frei von 
Eviktionsansprüchen dem Käufer zu übergeben. Wie dies genauer zu 
verstehen ist, lehrt Const. Ni. 560 (BE IX p. 44 n.), wo der Ve rkäufe r 
erklärt Z. 18 f.: a mfl " amelu-tu su'ätu ina pän a ™ lu daian<' u-mar-raq-am^ 
-ma (19) a-na K i-nam-din_j,er wird diese Skla ven vor den Richtern 
bereinigen und dann (19) dem K(äufer) übergeben". Die „Bereinigung" 
soll also vor Gericht erfolgen, mit andern Worten: die K lause l sta- 
tuiert eine Defensionspflicht des Verkäufers im Eviktions- 
prozesse. 6 ) Der Unterschied von der Eviktionsgarantie fällt m~clie" 
Augen. Diese verpflichtet den Verkäufer zur Rückzahlung des Kauf- 
preises, wenn die Eviktion schon vollzogen ist, die Defensionsklausel 
legt ihm aber die Vertretungsleistung auf. Der Eviktionsfall ist also 
hier schon gegeben, wenn der Eviktionsprozeß anhängig gemacht, 
nicht erst wie bei jener, wenn die Entwehrung des Käufers bereits 
vollendet ist. Was zu geschehen hatte, wenn die Defension des Ver- 
käufers erfolglos blieb, sagt die Klausel nicht. Das Wahrscheinlichste 
ist wohl, daß in diesem Falle der Verkäufer den Kaufpreis zurück- 
geben, bzw. Infceresseleistung prästieren mußte. Gelegentlich kommt 
es auch vor, daß mit der Pflicht zur Vertretungsleistung noch eine 
andere Garantie des Verkäufers verbunden wird. 7 ) 

5) Ob sie auch dem Nifal immeriq, immarriq zugrunde zu legen ist, 
•wage ich für Nbk. 64 21 , BE IX 64 8 , X 29 9 (p. 28) nicht zu entscheiden. In BE 
VIIIj 25 (oben p. 137 f.) paßt hingegen die Bedeutung „bereinigen, in Ordnung 
bringen" gut. 

6) Im einzelnen ist die Vorstellung wohl die, daß der Verkäufer als 
Defensor des Käufers den Sklaven an sich nimmt, um ihn dann nach siegreichem 
Ausgang des Eviktionsprozesses dem Käufer zurückzugeben: umarraqamma ana 
K inamdin. 

7) Const. Ni. 560 (oben p. 179): Garantie gegen sihii , paqirdmc usw., VS V 126 
(oben p. 181): Garantie für uskütum. Eigentümlich ist die Klausel in BV 61 7f 
(10. Jahr Darms 1 I): pu-ut la arad-sarru-u-tu, la mär-ba-nu-tu mu-ru-qa u la 
pa-qa-a-ru sa S B na-si. Die Übersetzung P eisers „dafür, daß nicht Königs- 
sklavenschaft, nicht Freiheit nachgewiesen und nicht Eviktion geltend gemacht 
wird bezüglich der S(klavin), ist B Bürge" kann, abgesehen von grammatischen 
Bedenken, schon aus dem Grunde nicht akzeptiert werden, weil murruqu nicht 

Kosebaker: Babylon. -assyr. Bürgschaftsrecht. 13 



194 Die Defensionsklausel in anderen Verträgen. 

Abgesehen von den Sklavenkaufverträgen, welche die sedes ma- 
teriae für die Defensionsklausel bilden, begegnet eine Pflicht zur Ver- 
tretungsleistung ausnahmsweise auch in anderen Verfügungsgeschäften. 
Mir sind folgende Beispiele bekannt: 8 ) 

a) Dar. 379 (BR IV p. 35), eine Erbteilung, enthält Z. 6S die Be- 
stimmung: pa-qa-ru sa ina eli zitti-su-nu ib-ba-as-su-u ina hi-ri-su-nu 
ii-mar-ra-qu-nim-ma a-na a-ha-mes i-[nam-din-nu-J „wenn ein Anspruch 
in bezug auf ihren Auteil vorhanden ist, so werden (den Anteil) sie 
(die teilenden Miterben) in ihren .... bereinigen und dann einander 
[geben]". 9 ) 

b) BE IX 48 (p. 36) , ein auf 60 Jahre abgeschlossener (Erb)- 
pachtvertrag aus dem 36. Jahre Artaxerxes' I. Z. 15 f. ist zu lesen: 

i5 ina ümu mu a-di la sanäti 'a 60 i- I Wenn vor Ablauf der 60 Jahre 15 
-sal-lim-u' 



u SE zcru su'dtu V a-na P ik-ki-mu, 
ht-nm dul-hi 



dieses Feld der V(erpächter) dem 

P(ächter) wegnimmt, wird für 

die Arbeit, 

sa ina lib-bi i-pu-su n ziq-pu sa welche er darauf verwendet, und 

ina lib-bi iz-qu-pu 1 biltu laspi für die Pflanzungen, welche er 

V darauf gepflanzt hat, 1 Talent 

Silber der V(erpächter) 



„nachweisen" heißt. Eine Vermutung über den Sinn der Klausel siehe unten 
p. 196. Selbst einer solchen möchte ich mich bei Nbk. 62 (oben p. 180 n. 21) ent- 
halten, wo Z. 5f. zu lesen ist pn-ut si-hi-i (6) ul(?) ra-a-qii, sa ina »inlt-hi (7 
S ü-la-\ (8) A na-si. Peiser, BV p. 261 emendiert in Z. 6 ul <^ma}-ra-a-qu und 
übersetzt demnach „dafür, daß sihn (6) nicht nachgewiesen wird, welcher bezüglich 
(7) der S(klavin) erhoben ist, (8) ist A Bürge." Die bei BV 61 geltend gemachten 
Bedenken treffen indessen auch hier zu, selbst wenn man im übrigen annehmen 
wollte, daß das Qal maräqu dieselbe Bedeutung wie das Piel murruqu hatte. 
Daß die Zeichen ul ra-a-qu verschrieben oder verlesen sind, ist ja sehr wahr- 
scheinlich. Was aber der Schreiber wollte, läßt sich nicht feststellen. Dem Zu- 
sammenhange nach würde man am ehesten paqiränu erwarten. 

Eine Form [rmiru]-icq-ku-u vermutet Peiser, BR I p. 3 n. 1, BV p. 261 in 
Nbn. 738 12 f. (BR I p. 3). Es handelt sich um einen Prozeß, den der Käufer K 
eines Sklaven mit dem Pfandgläubiger C führt. Die Urkunde berichtet, daß 

K den Sklaven dem C überlassen habe (u-mas-sir) , a-di eli (13) [ ] . . . 

ku-u-su ib-pa(?)-kum-ma di-ni (14) itti C \i-d<t-\bt(-btt ,,bis er (13) [ ] • • • 

herbeibringen und dann Prozeß (14) mit C führen wird." Die Lücke in Z. 13 er- 
gänzt nun Peiser zu [muni-]iiq-ku-i<-sit und übersetzt demnach „bis daß er den 
Nachweis bringen wird." Allein die Ergänzung ist höchst zweifelhaft und 
muruqqii dbdku heißt kaum „den Nachweis bringen." 

8) Ein weiteres siehe unten p. 196 f. 

9) Kohler-Peiser, a. a. 0. p. 39 übersetzen „sie werden für einander 
[einstehen]." Ich ziehe es mit Rücksicht auf die Form der Klausel in den 
Sklavenkaufverträgen vor, i[namdinnu'] zu ergänzen. Als Objekt hierzu ist eittu 
zu denken, d. h. der von dem Eviktionsanspruch „bereinigte" Anteil. 



Rechtsvergleichendes. 195 

a-na P i-nam-din. ina ümu™ pa- dem P(ächter) geben. Wenn Evik- 

-qa~ru ina muh-hi si: ~rru su'dtu tionsklage bezüglich dieses Fel- 

d-tab-su-u, des vorhanden ist, 

V BEgeru su diu u-mar-raq-am-ma wird der V(erpächter) dieses Feld, 

a-na P i-nam-din. nachdem er es bereinigt hat, dem 

P(ächter) geben. 

Es ist interessant, diese Urkunde mit dem schon oben p. 172 an- 
geführten Pachtvertrage BE X 99 zu vergleichen. In beiden Fällen, 
vorausgesetzt, daß die oben p. 172 n. 11 für BE X 99 Z. 11 f. vor- 
geschlagene Ergänzung zutrifft, verspricht der Verpächter dem Pächter 
das Grundstück für die Dauer der Pachtzeit zu belassen. Die Siche- 
rung des Pächters gegen die Eviktion seitens Dritter wird aber dort 
durch Verbürgung des Verpächters, hier durch das Versprechen der 
Vertretungsleistung vermittelt. 

Ein Punkt sei noch hervorgehoben. Wenn wir die Eviktions- 
garantie des Sklavenkaufvertrages mit der römischen stipulatio simplae 
bzw. duplae vergleichen konnten, so bieten die hier erörterten Klauseln, 
weil sie eine vertragsmäßige Defensionspfiicht des Veräußerers sta- 
tuieren, wiederum ein Analogon zur römischen satisdatio secundum 
mancipium bzw. stipulatio auctoritatis 9 *) und zu den Währschafts- 
gelübden des deutschen Rechts. 9 b ) Nun ist allerdings im römischen 
Recht die Folge beider Haftungsformen gerade die umgekehrte, die 
Auktoritätshaftung ist älter als die stipulatio duplae, während im 
babylonischen Recht die Defensionsklausel, soweit ich das Quellen- 
material zu übersehen vermag, erst in den Urkunden der Perserzeit 
nachzuweisen ist. 10 ) Wenn aber die Aufeinanderfolge der römischen 
Haftungsformen zugleich ein entwicklungsgeschichtliches Prinzip er- 
kennen läßt, so möchte ich mit dem Vorbehalte, der schon durch die 
negative Prämisse des Nichtvorkommens eines Urkundentypus zu einer 
bestimmten Zeit, die durch eine neue Urkunde sofort umgestoßen 
werden kann, gegeben ist, die gegensätzliche Erscheinung im babylo- 
nischen Recht als eine Rückbildung unter dem Einflüsse persischen 
Rechts erklären. Wenigstens würde man so verstehen, daß die De- 
fensionsklausel erst in den Urkunden der Perserzeit auftaucht. 

Freilich hat sie in anderer Beziehung ein um so moderneres 



9a) Vgl. dazu Rabel, Haftung des Verkäufers p. 28, Lenel, Edictum 
perpetuum 2 p. 521 f. 

9 b) Vgl oben § 17 p. 184 und n. 32 d. 

10) Nbk. 62 kann, wie scbon oben n. 7 dargelegt wurde, als Beleg nicbt 
in Betracht kommen. 

13* 



(\90) Haftung für die Defension. 

Gepräge. Sie enthält ein Schuldversprechen des Verkäufers. Ein da- 
von getrenntes Haftungsgeschäft, für welches an erster Stelle die 
(Selbst)bürgschaft in Betracht käme, wird aber nicht erwähnt. Es 
ist dies um so mehr zu betonen, als es sich hier um eine Schuld auf 
ein facere handelt, bei welcher, wie wir oben p. 145 f. darzulegen ver- 
suchten, die Haftung in Form der Selbstbürgschaft ihre Sonder- 
existenz noch zu einer Zeit behauptete, wo sie bei der Summenschuld 
schon längst verschwunden war. In diesem Sinne kann die über- 
lieferte Fassung der Klausel als Argument dafür gelten, daß der Ge- 
danke, daß mit dem Schuldversprechen sich eo ipso auch die Haf- 
tung verbinde, schon allgemein durchgedrungen war. Ob man weiter 
schließen darf, daß die Klausel erst zu einer Zeit aufgekommen sei, 
wo dieses Prinzip schon allgemein galt — und das stünde mit der 
Vermutung, daß die Klausel erst eine jüngere unter persischem Ein- 
fluß entstandene Bildung sei, im besten Einklang — , steht freilich 
dahin. Denn es fehlt nicht an Quellenbelegen, in denen sich m. E. 
noch Spuren einer älteren Auffassung erhalten haben. Einer von 
ihnen, BV 61, wurde schon oben n. 7 erwähnt. Ich möchte mit der 
gebotenen Reserve für die Garantieklausel dieser Urkunde folgende 
Übersetzung vorschlagen: „für das Nichtvorhandensein von Königs- 
sklavenschaft, Freiheit, für das Bereinigen (muruqa) und das Nicht- 
vorhandensein von Eviktion bezüglich der S(klavin) ist B Bürge". 
Trifft das zu, so erscheint hier die Bürgschaft als Haftungsform für 
die in der Vertretungsleistimg bestehende Schuld des Verkäufers. 
Allerdings vermengt die Urkunde die Eviktionsgarantie mit der De- 
fensionsklausel, woraus ihre schwerfällige Stilisierung zu erklären ist. 
Allein das ist kein Punkt, der zu Bedenken Anlaß gibt. 

Noch deutlicher ist ein von Peiser, KB IV p. 312 mitgeteilter Text 
aus der Zeit Seleukos IL (234 v. Chr.). Die Urkunde ist ein Kaufvertrag 
über eine Tempelpfründe (isqu) 11 ), derZ. 14f. Folgendes bestimmt: ümu mu 
pa-qa-ri ana muh-hi (folgt die genaue Beschreibung des Pfründenrechts) 
(15) .... it-tab-su-u, B t (16) u JJ 2 V2 ) (17) u V 1 u V 2 , """ v " na-din-na- 
(18) isqi su'äti, u-mar-raq-ma- a-di 12 TA-A-AN ana K (19) a^ia h- 
mu mu sa-a-tu i-nam-din- . pu-ut a-ha-mes a-na mur-rurqu isqi (20) .... 
su'äti V 1 u. V v (21) a " ie '"'na-din-na-' isqi su'äti, u H x u B 8 18 ) (22) a-na 
ümu mu sa-a-tu )/<i-sh-h „wenn ein Eviktionsanspruch bezüglich (der 
Pfründe (15) .... vorhanden ist, werden B x (16) und B 2 12 ) (17) und 



11) Über derartig« Kaufverträge in den altbabylonischen Urkunden vgl. 
jetzt Cuq, nouv. rev. hist. ö4 p. 460 f. 

12) Die Bürgen 1^ und B 2 sind Verwandte der Verkäufer. 



KB IV p. 312. V19 

Vj und V 2 , die Verkäufer (18) dieser Pfründe, (sie) bereinigen und dann 
bis zum 12 fachen dem K (aufer) (19) auf ewige Zeiten geben. Für ein- 
ander für das Bereinigen dieser Pfründe (20) .... sind V 1 und V 2 , (21) 
die Verkäufer dieser Pfründe, sowie B x und B 2 12 ) (22) auf ewige Zei- 
ten Bürgen". Hier tritt die Trennung des Schuldversprechens von 
der nachfolgenden Haftungsübernahme durch Bürgschaft mit aller 
Klarheit entgegen. Allzu hoch darf freilich der Wert dieses Zeug- 
nisses nicht veranschlagt werden. Die Urkunde steht nämlich wie 
zeitlich so auch inhaltlich infolge der Verwilderung des Formulars, 
die sie aufweist, isoliert da. Das Formular der Kaufverträge über 
Tempelpfründen deckt sich sonst mit dem des Grundstückskaufes. 13 ) 
Die Defensionsklausel ist aber bisher, was die Kaufverträge anlangt, 
nur in solchen über Sklaven nachzuweisen. Doch möchte ich auf 
diesen Punkt kein entscheidendes Gewicht legen, da das Urkunden- 
material aus der Seleuzidenzeit nur ein sehr spärliches ist und die 
eben konstatierte Tatsache auch in einem Zufall der Überlieferung 
ihren Grund haben kann. Wohl aber bezeugt den Mangel juristischen 
Verständnisses des Schreibers die Bestimmung, daß der Verkäufer nach 
erfolgter Bereinigung adi 12 TA-A-AN geben solle. Sie ist aus dem 
Formular des Grundstückskaufs herübergenommen und hat dort auch 
guten Sinn. Der Immobiliarkaufvertrag enthält nämlich eine Klausel, 
welche dem Verkäufer, falls er den Kaufvertrag anficht, die 
Rückgabe des Kaufpreises adi 12 TA-A-AN U ) auferlegt. Sinnlos ist 
hingegen die Bestimmung in der Defensionsklausel. Denn es fehlt 
jeder Grund, warum den Verkäufer, der seiner Defensionspflicht nach- 
kommt und das Kaufobjekt „bereinigt" von Ansprüchen Dritter dem 
Käufer ausfolgt, noch eine Strafe treffen soll. Vielleicht wollte der 
Schreiber sagen, daß der Verkäufer bei Mißlingen oder Verweigerung 
der Defension adi 12 TA-A-AN straffällig werde. Jedenfalls gibt aber 
der Wortlaut zu einer derartigen Annahme keinen Anlaß. Das Wahr- 
scheinlichste ist wohl, daß der Schreiber sich sein Operat aus anderen 
Kaufformularien eklektisch zusammenstellte, für deren juristische Be- 



13) Vgl. z. B. KA 4 (aus der Zeit des Kyros), 8, 9, ferner BV 96, 107; die 
letzteren Texte sämtliche aus der Zeit Darius' I. 

14) In der Übersetzung dieser Phrase sind die Assyriologen nicht einig. 
Während Öppert, ZK I p. 46, ZA IQ p. 118, 180 übersetzt „den Kaufpreis nebst 
dem 12fachen, a faßt Peiser, ZA III p. 91, MVAG II 4 p. 8 n. 1, BR IV p. 69 adi 
12 TA-A-AN als „nebst 12 von (60)", d. h. l / 8 von 1 Mine. Der Verkäufer soll 
also 20% Zinsen zahlen. Diese Meinungsdifferenz berührt uns indessen hier 
nicht, da nach beiden Auffassungen es außer Zweifel ist, daß der Verkäufer 
außer dem Kaufpreis noch eine Extraleistung prästieren muß. 



198 Eviktionsgarantie Dritter. 

deutung ihm allerdings das Verständnis abgegangen zu sein scheint. 
Aus diesem Grunde muß die Urkunde mit Vorsicht benützt werden. 
Als Zeugnis für die ursprüngliche Trennung von Schuld und Haf- 
tung wird man sie immerhin gelten lassen können, wenngleich zuzu- 
geben ist, daß die Erwähnung der Bürgschaft hier speziell durch die 
Absicht der Verkäufer, sich solidarisch zu verpflichten (arg. pu-ut 
a-ha-mes in Z. 19) veranlaßt sein mochte und insofern daher die Ur- 
kunde nichts für die Klaglosigkeit des Schuldversprechens zu ihrer 
Zeit beweist. 

§ 19. 
Wir kehren nach diesem Exkurs über die Defensionsklausel wieder 
zur Eviktionsgarantie zurück. Die bisherige Untersuchung^ giner von 
dem Falle aus, daß der Verkäufer selbst die Eviktionsgarantie über- 
nimmt, und das ist in der Tat das Normale. Daneben begegnen wir 
aber auch der Erscheinung, daß dritte Personen als Eviktionsgaranten 
auftreten, sei es anstatt des Verkäufers, sei es neben ihm. 1 ) Es sei 
indessen gleich bemerkt, daß diese Tatsache zu irgendwelchen Be- 
denken gegen die Konstruktion der Eviktionsbürgschaft als Erfolgs- 
haftung keinen Anlaß gibt. Denn wenn das Versprechen im Evik- 
tionsfalle den Kaufpreis zurückzuzahlen den Inhalt der Garantie 



1) Unter den 55 oben p. 176 n. 6 angeführten Sklavenkaufverträgen garan- 
tieren Bürgen allein in Nbn. 6(56, 801, BV 11, 34, 71, Camb. 287; der Ver- 
käufer und Bürge in Nbk. 70, 97, 166, 207, 386, Ner. 23, Nbn. 196, 564, 671. 
Unter den ViehkaufVerträgen begegnen wir Bürgen in Nbk. 360 und Camb. 290. 
Das Material dürfte hinreichen, um die Behauptung zu rechtfertigen, daß die 
Garantie Dritter, wenngleich man sie nicht als exzeptionell bezeichnen kann, so 
doch auch nicht den Normalfall darstellt. 

Wer in Nbn. 680 Subjekt der Garantie gegen sihu, paqiränu usw. ist, 
kann wegen der Lücke in Z. 9 nicht bestimmt werden. Hingegen bürgen drei 
weitere Personen (nicht die Verkäufer) für uskütu des Sklaven. Eigentümlich 
ist VS V 126 (Ungnad, 2. Beih. zur OLZ p. 22). Hier garantieren für uskütu 
der verkauften Sklavin die Verkäuferin und ihr Ehemann. Daran schließt eich 
die Defensionsklausel, als deren Subjekt eine andere Person, vielleicht der 
Auktor (so auch Ungnad, a. a. 0. p. 23), erscheint. In Nbk. 207 bürgen die 
beiden Verkäufer für sihii und paqiränu. Darauf folgt die Bemerkung, daß zwei 
andere Personen, Bj und B g (Z. 13f.) a-di-i duppiP 1 u-na duppiP* pu-ut n<i-sn-u. 
Die Bedeutung dieser Redensart ist dunkel. Meissner, de Servitute p. 28 über- 
setzt „secundum utramque tabulam" und meint, daß die (iarautie sowohl in 
der Urkunde des Käufers wie des Verkäufers vermerkt war. Allein warum sollte 
dies nur bezüglich des B t und B 2 hervorgehoben worden sein? In ähnlicher 
Verwendung begegnet die Phrase noch in Nbk. 346 (BR I p. 5). Hier garantieren 
die drei Verkäufer V 1 , V 2 und V., gegen sihü, paqiränu usw. Z. 8f. pu-ut hi- 
-li-iju (9) u mi-tu-tu .sc« S (10) a-di-i duppiP* a-na duppiP* \\ (11) u ^\ na-aS-su u 

„für Flucht (9; und Tod dos Sklaven (10) sind V, (11) und X., Bürgen." 

Kohlers, BR I p. 6, Erklärung dieser Bestimmung triff! kaum zu. eher die 



Eviktionsgarantie Dritter. 199 

ausmacht, so steht natürlich nichts im Wege, daß ein derartiges Ver- 
sprechen auch von einem Dritten abgegeben wird. Daß der Bürge 
für eine Schuld des Verkäufers, die etwa die Rückzahlung des Kauf- 
preises nach eingetretener Entwehrung oder die Defension des Käufers 
im Eviktionsstreite zum Gegenstand gehabt hätte, haftete, ist m. E. 
ausgeschlossen. Nach dem oben (§ 8) über den Inhalt der akzessori- 
schen Bürgschaft Festgestellten hätte der Bürge in diesem Falle ver- 
sprechen müssen, den Verkäufer zur Zahlung, bzw., wie der schwe- 
dische Eviktionsbürge (um) 2 ), zur Defension zu gestellen. Aber weder 
läßt sich ein derartiges Versprechen des Kaufbürgen nachweisen 3 ), 
noch gibt uns auch die Terminologie in dieser Beziehung irgend einen 
Anhaltspunkt. Wäre die obige Auffassung richtig, so wäre der Bürge 
ein Einstand „für das Zahlen" (put etcru), bzw. „für das Defendieren" 
(put murruqu). Als solcher wird er aber nirgends bezeichnet. Viel- 
mehr haftet er ebenso wie der Verkäufer immer nur für sihü pa- 
qiränu usw. 4 ) Endlich ist nach dem oben § 17 p. 183 f. Bemerkten 
wenig wahrscheinlich, daß eine derartige Schuld des Verkäufers über- 
haupt bestand. Bezüglich einer eventuellen Defensionsverpflichtung 
braucht dies nur konstatiert zu werden 5 ), und was die Schuld auf 
Preisrückzahlung im Eviktionsfalle anlangt, so besteht sie für den 
Verkäufer nur dann, wenn er selbst garantiert, und deriviert dann aus 
der Bürgschaft. 

Bildet also die Tatsache, daß die Eviktionsgarantie auch von 
dritten Personen geleistet werden kann, keinen Grund, unsere Auf- 
fassung von der juristischen Natur der Eviktionsbürgschaft zu modi- 
fizieren, so gibt sie doch noch in anderer Beziehung Anlaß, uns mit 



von Marx, BA IV p. 44 n. ausgesprochene Vermutung, die Verkäufer V t und V 2 
hätten sich „gemäß (?) einer Tafel zu der Tafel", d. h. in einer besonderen Ur- 
kunde verbürgt. Allein in der Hausmiete Ner. 29 (BR III p. 17) erklärt der Ver- 
mieter, daß er das Haus der Mieterin (Z. 5 f.) a-na as-su-bu-tu a-di duppiP 1 ana 
duppipi „zum Wohnen gemäß (?) der Tafel für die Tafel" gegeben habe. 
Kohl er 1. c. bezieht die Phrase auf die Auswechselung der Vertragsurkunden 
unter den Parteien. Ich weiß keine bessere Erklärung. Nicht zu verstehen be- 
kenne ich Cyr. 322, einen Verpflichtungsschein über Geld mit der Klausel Z. 5 f. 
a-di duppiP'a-na duppipi (6) i-gam-ma-ru-ma (die Schuldner) it-ti-ru-'. 

2) Vgl. v. Amira I p. 347, Partsch p 20f., 186, 346. 

3) Daß BV 12 in dieser Richtung nicht verwertet werden kann, wurde schon 
oben p. 183 n. 31 dargelegt. 

4) BV 61 (oben § 18 p. 193 n. 7, p. 196) beweist nichts dagegen, da hier 
wahrscheinlich die Defensionspflicht den Bürgen selbst trifft und nicht den 
Verkäufer, die Bürgschaft somit Selbstbürgschaft ist. 

5) Auf die im § 18 besprochenen Urkunden kann man sich natürlich nicht 
berufen. Denn dort wird die Vertretungsleistung besonders versprochen. 



200 Eviktionsbürge und ßeßccicorrjg. 

dieser Frage zu beschäftigen. In seiner schon oft zitierten Darstellung- 
des griechischen Bürgschaftsrechts hat Part seh auch der Eviktions- 
haftung und ihrem Verhältnis zur Bürgschaft eine ausführliche Unter- 
suchung gewidmet 6 ), die ihn zum Ergebnis führt, daß der griechische 
Eviktionsgarant, der ßsßcaarrjg vom Bürgen strenge zu trennen sei. 
Angesichts der vielen Parallelen, die das griechische und babylonische 
Bürgschaftsrecht aufweisen, ist es verlockend, auch in diesem Punkte 
einen Vergleich zu ziehen, und wenn, um das Ergebnis vorweg zu 
nehmen, dieser Versuch auch im wesentlichen negativ ausfällt, so ist er 
doch geeignet, die Einsicht in die hier behandelten Probleme zu vertiefen. 
Gleich das erste Argument Partschs, daß die griechische Rechts- 
sprache scharf zwischen Bürgen und Gewährschaftsgaranten unter- 
scheide, kommt für das babylonische Recht nicht in Betracht. Vom 
Eviktionsgaranten wird vielmehr hier ebenso wie vom Bürgen für 
eine Schuld ein put . . . nasü ausgesagt. Ferner ist der Versprechens- 
inhalt ein ganz verschiedener. Der ßeßaicorrjs verspricht selbst Ge- 
währschaft zu leisten. 7 ) Da „das Wesen des Gewährenzugs verlange, 
daß nur derjenige als Gewähre des angegriffenen Erwerbers für diesen 
bei dem Gewährenzuge eintreten könne, der beim Erwerb als Ver- 
äußerer auftrat", so zieht Parts ch den Schluß, daß der ßsßixLcortfg 
selbst als Mitverkäufer behandelt wurde. 8 ) Dem gegenüber ist aber 
zu betonen, daß der babylonische Eviktionsbürge nur ein Garantie- 
versprechen für den Fall der vollzogenen Eviktion abgibt und 
selbst keinerlei Defension zusagt. Ein weiteres Argument Partschs 
hat allerdings auch für den babylonischen Quellenkreis Geltung. 
Partsch (p. 349f.) verweist auf die Tatsache, daß „Mitberechtigte 
oder Beispruchsberechtigte des Verkäufers vielfach deswegen bei dem 
Verkaufe die ßeßaia6ig übernehmen, damit in ihrer Gewährschaft 
praktisch ein Hemmnis gegen die Geltendmachung ihrer Rechte ent- 
steht^ und findet darin eine Stütze für die juristische Auffassung des 
ßeßcacoTTJg als Mitverkäufer. Nun sind auch beim babylonischen 
Sklavenkauf die Eviktionsbürgen in der Regel Verwandte des Ver- 
käufers 9 ), und ihrer Intervention muß sicherlich Verzichts wir kung hin- 



6) p. 340—358. 7) Partsch p. 344 f. 

8) Vgl. neuestens auch Partsch, Hermes 45 p. 605 f. 

9) Der Ehegatte: Nbk. 386, Nbn. 196(?), 801, Camb. 287, VS V 126; der 
Sohn der Verkäuferin: Nbk. 70, Ner. 23, BVll: der Bruder der Verkäuferin i 
Nbk. 166, Nbn. 671, BV 11; die Mutter des Verkäufers: Camb. 287: andere Ver- 
wandte des Verkäufers: Nbn. 564, BY 61. NTicW bestimmbar ist das Verhältnis 
des Bürgen zum Verkäufer in Nbk. 97, 207, 360, Nbn. 196, 666, 680, Camb. •_".'<>. 
BV 34, 71. 



Eviktionsbürge und ßtßuiarrjg. 201 

sichtlich eines ihnen eventuell gegen die Veräußerung zustehenden 
Einspruchsrechts beigelegt werden. 10 ) Ich glaube indessen nicht, daß 
diese Tatsache uns zu den Schlußfolgerungen zwingt, die Partsch 
für das griechische Recht gezogen hat, weil eben der Versprechens- 
inhalt beim griechischen und babylonischen Eviktionsgaranten ein 
völlig verschiedener ist und damit auch die Prämissen, auf die Partsch 
seine Konklusionen aufbaut, im babylonischen Rechte nicht gegeben 
sind. Wenn ferner in den Quellen der ßsßccLcortjg mitunter direkt als 
tcquxi]q, TtQoaTtodoTKS, ngoxah}ri]g^ övvaitodoutvos usw. bezeichnet 
wird, so ist eine analoge terminologische Erscheinung den babyloni- 
schen Quellen, soviel ich sehe, vollkommen fremd. Der Verzicht auf 
das Beispruchsrecht folgt allerdings logisch notwendig aus dem In- 
halt der Eviktionsgarantie. Allein es handelt sich hierbei nur um 
eine rechtliche Folgeerscheinung, die für das Wesen der Eviktions- 
bürgschaft nicht bestimmend ist. Damit soll aber nicht geleugnet 
werden, daß der Gedanke, daß eine Person, deren Widerspruch ein 
Rechtsgeschäft umstoßen kann, durch den Verzicht auf dieses Wider- 
spruchsrecht beim Abschlüsse des Rechtsgeschäftes gewissermaßen 
selbst als Kontrahent sich beteilige, dem babylonischen Rechte fremd 
gewesen sei. Spuren einer solchen Auffassung lassen sich vielmehr 
nachweisen. Ich muß zu diesem Zwecke allerdings etwas weiter 
ausholen. 

Sehr häufig begegnet in Veräußerungsgeschäften, in der Regel 
unmittelbar vor den Zeugennamen, mitunter auch am Ende der Ur- 
kunde die Klausel ina asäbi sa A „im Beisein des A". Die nach- 
stehende Tabelle, die übrigens nicht den Anspruch auf Vollständigkeit 
der Materialsam mlimg erhebt, mag eine Übersicht über die Verwen- 
dung der Klausel geben. 10 *) 

Daß die Bestimmung den Verzicht auf ein der betreffenden Person 
gegen die Veräußerung 11 ) etwa zustehendes Einspruchsrecht zum Aus- 



10) Einen direkten Beweis hierfür kann man in BV 12 (oben p. 183 n. 31) 
finden. Denn wenn hier die Eviktionsbürgen des in BV 11 erhaltenen Sklaven- 
kaufvertrages, der Bruder und der Sohn der Verkäuferin, der Käuferin ver- 
sprechen, die Zustimmung eines anderen beispruchsberechtigten Sohnes zum Kauf- 
vertrage beizubringen, so folgt daraus, daß sie um so mehr auf ein ihnen selbst 
eventuell zustehendes Beispruchsrecht verzichtet haben. 

10a) Das Material ist zum großen Teil gesammelt bei Marx, BA IV p. 47 T 
61, 64f., 69. 

11) Hierher sind auch folgende in der Tabelle nicht angeführte Urkunden 
zu stellen: Ner. 7 (BR III p. 11): die Eltern der Ehefrau treten ina asäbi der 
Veräußerung eines zur Mitgift gehörigen Sklaven durch die Eheleute bei, Nbn. 700: 
die Frau stimmt ina asäbi der Weiterverpfändung eines von ihr und ihrem Manne 



202 



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verpfändeten Sklaven zu, Nbn. 270 '1>1\ IV j>. s) : die Ehefrau des Gläubigers ina 
asäbi bei der Quittung über eine Kaufpreisschuld aus einem Sklavenkaufe. Es 
handelt sich wohl, wie Kohler-Peiser 1. c. bemerken, um einen zur Mitgift 
der Frau gehörigen Sklaven, den der Mann ohne Einwilligung der Frau verkauft hat. 
Diese erklärte sie nun nachträglich durch ihren Beitritt zum Quittungsgeschäft. 
Schwierig sind zwei weitere Texte, Cyr. 307 (BR II p. 8, Marx, BA IV p. 11) 
und 154 (KB IV p. 270 VIII, Marx, a. &.0. p. 37 f.). In Cyr. 307 wird erklärt, 



ina akibi. 203 

drucke bringen soll, kann nicht zweifelhaft sein und ist auch schon 
längst erkannt. 12 ) Es muß sich übrigens nicht immer um ein Ver- 
äußerungsgeschäft handeln, gegen welches das Einspruchsrecht sich 
richtet. Die Klausel wird auch verwendet, wenn eine Person den zur 
Gültigkeit eines Rechtsgeschäfts erforderlichen Konsens erteilt. So 
quittiert in Nbn. 755 (BR IV p. 26) der Ehemann über den Empfang der 
Mitgift. Z. 6 f. heißt es: ri-ik-su it-ti-su (7) ir-ku-su-ma A. abu sa (8) 
B, ina lib-bi as-bi „einen Vertrag mit ihm (7) hat man geschlossen. A, 
der Vater des (8) B (des Ehemannes), war dabei anwesend". Gemeint 
ist hier mit riksu m. E. der Ehevertrag, zu welchem der Vater des 
Bräutigams die Zustimmung erteilte. 13 ) In Nbn. 380 (KB IVp. 238 XXXIII) 
will der kinderlose Bel-käsir Niqudu, den Sohn seiner Frau, den sie 
aus erster Ehe hat, adoptieren und bittet seinen Vater um dessen 
Einwilligung mit den Worten Z. 8 f. ina cluppi ma-ru-ti-su ti-sa-db „bei 
der Tafel seiner Kindschaft (d. h. bei der Adoption) sei anwesend". 

Wie nun dieses ina asäbi genauer zu verstehen ist, lehren einige 
Urkunden, in denen die Klausel nicht wie in den bisher angeführten 
Texten adminikulierend zu einem anderen Rechtsgeschäfte hinzutritt, 
sondern zum Gegenstande einer besonderen rechtsgeschäftlichen Er- 
klärung gemacht wird. So stimmt dem in Nbn. 829 (BR I p. 14) 
erhaltenen Sklavenkaufvertrage 8 Monate später die Mutter des Ver- 
käufers in folgender Urkunde zu: 

Nbn. 903 (BR I p. 15) 

f Si-da-tum, f qal-lat sa milu Marduk- Bezüglich der Sidatum, der Sklavin 
-sum-ibni, des Marduk-sum-ibni, 



daß die A, wenn sie es unternehme mit B ohne Zustimmung von dessen Vater 
eine Ehe zu schließen, das Zeichen der Magdschaft (si-in-du sa amtu-u-tu) 
empfangen solle; Z. 17: ina as-sa-bi der Mutter der A. Die „Anwesenheit" der 
Mutter dient hier wohl nur zur Entgegennahme dieser Mitteilung. Cyr. 154 ist 
■ein Verpflichtungsschein über eine Geldsumme, als nudunnu der Gläubigerin A 
bezeichnet. Schuldner ist ihr Bruder B. Z. 6 f. heißt es nun u-il-tim (7j sa A, 
cssat C, (Sj sa bit C mas-ka-nu (9) sab-ta-ta, a-sar te-li-% (10) hi-pa-a-ti „der Ver- 
pflichtungsschein (7; der A, der Ehefrau des C, (8) bezüglich dessen das Haus des 
C als Pfand (9) genommen wurde, wo er auftaucht, (10) ist er zerbrochen". Hierauf 
nach Zeugen und Datum Z. 19 f. ina a-sa-bi sa D, (20) ummi sa C „im Beisein 
der D, (20) der Mutter des C". Marx 1. c. nimmt an, daß der Mann die Mit- 
gift, über die er einen durch Pfand gesicherten Verpflichtungsschein ausgestellt 
hatte, der Frau restituiert, damit sie diese zu einem Darlehensgeschäft verwende. 
Die Dotalforderung und Pfandhaftung würden damit aufgehoben, und die Gegen- 
wart der Schwiegermutter diene zur Kenntnisnahme, daß das Pfand frei sei, weil 
sie vielleicht bei der Verpfändung auf dieselbe Weise ihre Zustimmung er- 
teilt habe. 

12) Vgl. Kohler, Exkurs zu BV p. XLH, BR I p. 15, Marx, BA IV p. 16. 

13; A. M. Kohler-Peiser, BR IV p. 26. 



204 *wa asäbi. 

apil-sii sa m&u Nabu-sum-uMn, apil Solines des Nabü-surn-ukin, Nach- 

lli-bid-lu-tu Jlu Mardiik, kommen des üi'-bullutu-Marduk, 

sa a-na % manu kaspi a-na s/mi welche er für 2 / 3 Minen Silber zum 

gam-ru-tu Tollen Preise 

a-na m Itti Jlu Marduk-balätu, apil-su an Itti-Marduk-balätu, Sohn des 
sa m iiu Nabu-ahe-iddin, Nabü-ahe-iddin, 

5 apil m E-gi-bi, id-di-nu, f Kas-sa-a, Nachkommen des Egibi, verkauft & 

hatte, ist Kassa, 

märat-su sa m Su-la-a, apil mil "Sin- Tochter des Sulä, Nachkommen 

-Urtu, des Sin-utu, 

ummu sa m illt Mardidt-sum-ibni, a-na die Mutter des Marduk-sum-ibni, zur 

si-bu-tu ina lib-bi as-ba-at. j Zeugen schaft dabei anwesend. 14 ) 

Zeugen, Datum. 

Die auf ihr Einspruchsrecht verzichtende Mutter erklärt also, als 
Zeugin bei dem Vertragsabschlüsse anwesend zu sein. Dies stellt 
eine andere Tatsache erst in das rechte Licht. Es ist auffällig, daß 
die Quellen ein ina asäbi in der Regel nur von Frauen aussagen. 
Schon Peiser 15 ) und später Marx 16 ) haben diese Erscheinung durch 
die Annahme zu erklären gesucht, daß die Frauen vom Urkunds- 
zeugnis ausgeschlossen waren und daher, wenn sie aus irgendeinem 
Grunde bei der Abfassung einer Urkunde zugegen sein mußten, mit 
der Formel ina asäbi in der Urkunde erwähnt wurden. Marx hat 
ferner richtig beobachtet, daß in denjenigen Fällen, wo eine Frau ina 
asäbi ihre Zustimmung zur Vertragserrichtung kundgibt, der Mann 
als Zeuge genannt wird. 17 ) In dieser Erklärung steckt ein richtiger 



14) Ähnliche Urkunden sind Nbn. 194, 681 (Zustimmung wahrscheinlich des 
Pfandgläubigers zum Verkauf von Sklaven), 1111 (der Ehefrau zur Veräußerung 
von Grundstücken seitens des Mannes), BV 18 (des Sohnes zum Verkauf eines 
Sklaven seitens seiner Mutter, vgl. auch BV 11, 12 und oben p. 183 n. 31), Ner. 7 
(vgl. oben n. 11.) Nicht näher kann die Beziehung zwischen dem Zustimmenden 
und dem Verfügenden bestimmt werden in Ner. 34 (KB IV p. 204 III. Hauskauf) 
und Nbn. 508 (BR IV p. 82, Sklavenkauf). Statt ana sibütu asäbu steht in Ner. 34, 
Nbn. 508, 681, 1111 das gleichbedeutende ana mukinnütu asdbu. Bemerkenswert 
ist endlich BV 38 (KB IV p, 296 II). Hier verpflichtet sich Säkin-sum, ein Ver- 
wandter des Iddin-Nabü, bezüglich einer Tempelpfründe (isqu) Z. 10 f. : isqi su-a- 
-tutn a-sar •» Iddin-Uu Nabu (11) lu-u a-na laspi lu-u a-na GIS-BAR (12) a-na 
man-ma i-nam-di-nu, (13) m Säkm-sum .... (14) a-na <"'<>'" mu-kin-nu-u-tu ina lib- 
-bi (15) a-sib „wo immer diese Tempelpfründe Iddin-Nabü (11) sei es für Geld 
(d. h. verkauft) sei es zur Pacht (12) an wen immer gibt, {\2>) ist Säkin-sum 
.... (14) zur Zeugenschaft dabei (15) anwesend". 

15) BV p. 233. 16) BA IV p. 61. 

17) Nbn. 700: die Frau tritt der Weiterverpfändung eines von ihr und dem 
Ehemanne verpfändeten Sklaven ina asäbi, der Ehemann aber als Zeuge bei; in 



Entstehung der Klausel. 205 

Kern. Schon ein Blick auf die von Strassmaier 18 ) aus den von ihm 
publizierten Urkunden zusammengestellten Zeugenlisten, die unter 
2130 Namen keine Frau nennen, lehrt mit aller Evidenz, daß ganz 
im Gegensatze zum altbabylonischen Rechte 19 ) in neubabylonischer 
Zeit den Frauen die Fähigkeit zum Urkundszeugnisse fehlte. Allein 
man muß sich hüten, daraus zu weitgehende Folgerungen abzuleiten. 
Insbesondere wäre es unrichtig, aus den von Marx gemachten Beob- 
achtungen den Schluß zu ziehen, daß nur bei Frauen ein asäbu zu 
dem Abschlüsse eines Rechtsgeschäftes möglich war. Eine derartige 
Behauptung würde durch die Quellen unmittelbar widerlegt werden. 
Ein asäbu von Männern ist den Rechtsurkunden bekannt und zwar 
begegnet es nicht nur dann, wenn es in einer besonderen Urkunde 
verbrieft wird 20 ), sondern auch, wenngleich viel seltener, in der formel- 
haften Wendung ina asäbi. 21 ) 

Die Sache verhält sich meines Dafürhaltens vielmehr folgender- 
maßen: Wir müssen davon ausgehen, daß ein Mann, der bei der Er- 
richtung eines Rechtsgeschäftes als Zeuge intervenierte, damit auch 
seinen Verzicht auf ein ihm eventuell zustehendes Einspruchsrecht 
-erklärte, es sei denn, daß er sofort Widerspruch einlegte. Der vom 
Urkundszeusrnis ausgeschlossenen Frau war diese Rechtsform der Yer- 
Nichtleistung unzugänglich. Da die Intervention als Zeuge indessen 
die für den Einspruchsverzicht maßgebliche Denkform war, so erfand 
man für die Frau die Formel ina asäbi, die inhaltlich dasselbe wie 
die Erwähnung einer Mannsperson als Zeugen besagte, aber doch 
formell die Frau nicht als Zeugin erscheinen ließ. Es bestand nun 
kein Hindernis, diese Formel auch auf Männer anzuwenden. Wenn 
man dies gleichwohl nur selten tat, so lag der Grund darin, daß ja 
hier die Rechtsform, den Mann als Zeugen zu erwähnen, zur Ver- 



Nbk. 198 erfolgt eine Mitgiftbestellung ina asäbi der Schwester der Verfügenden, 
während der Bruder unter den Zeugen begegnet. Vgl. auch Marx, a. a. 0. p. 17. 
Ebenso ist es kein Zufall, wenn bei Verfügungsgeschäften häufig männliche Ver- 
wandte des Verfügenden als Zeugen intervenieren. Vgl. z.B. Nbk. 70,283 (Marx 
p. 40, 17), Nbn. 348, 671, 796 (Marx p. 27, 49, 52), Camb. 214, 233, 375 (Marx 
p. 24, 48, 30). Über ähnliche Erscheinungen in den assyrischen Urkunden siehe 
Johns, ADD II p. 45, 59. Für das altbabylonische Recht vgl. z. B. LC 157 isf. 
(Thureau-Dangin, RA 7 p. 121f., Cuq, ibid. p. 134f.), M. 5 und ferner Cuq, 
nouv. rev. hist. 33 p. 404. 

18) Nbk. p. 24 f., Nbn. p. 47 f., Cyr. p. 18 f., Camb. p. 19 f. 

19) Vgl. Delitzsch, Handel und Wandel in Altbabylonien p. 22. 

20) Ner. 7, Nbn. 194, 508, 681, BV 18, 38 (oben n. 14); vgl. ferner Nbn. 380, 
755 (oben p. 203). 

21) Nbk. 10l 13 (BR I p. 7, Marx, a. a. O. p. 4 f.), BV 13 8 , 97 10 , 99. Vgl. 
auch Ner. 60 2 (BR III p. 12). 



206 Entstehung der Klausel. 

fügung stand und demnach für die Formel Ina asäbi kein Bedürfnis 
vorhanden war. Hingegen mußte man zu ihr greifen, wenn die Ver- 
zieh tserklärung in einer besonderen Urkunde abgegeben wurde, die 
gleichzeitig mit dem Geschäftsabschlüsse, oder auch vor oder nach ihm 
errichtet wurde. 22 ) Das erklärt nun auch, warum in diesem Falle ein 
asäbu von Männern viel häufiger begegnet als in der der Urkunde 
über das Verfügungsgeschäft angehängten Klausel Ina asäbi. Aller- 
dings scheinen diese Urkunden einen inneren Widerspruch zu ent- 
halten. Denn ein Zeuge, mag er Beweis- oder Sollennitätszeuge sein,, 
kann doch nur bei dem Geschäftsabschlüsse anwesend sein. Ein 
ana mukinnütu (stbütu) asäbu vor oder nach diesem Zeitpunkte ist 
logisch widersinnig. Doch verschwindet dieser Widerspruch, wenn 
man bedenkt, daß das ana mukinnütu asäbu nur die äußere Denkform 
darstellte, in der sich juristisch eine rechtsgeschäftliche Willens- 
erklärung, nämlich der Verzicht auf das Einspruchsrecht verbarg, die 
natürlich auch vor oder nach dem Abschlüsse des Rechtsgeschäftes,, 
gegen welches der Einspruch sich richtete, abgegeben werden konnte. 
Die Frage ist nur, wie man zu dieser Denkform gelangte. 

Der zur Erklärung dieser Erscheinung zunächst sich darbietende 
Weg führte wohl zur Annahme, daß der Zeuge, der, ohne sein Ein- 
spruchsrecht geltend zu machen, an dem Rechtsgeschäfte teilnahm,, 
dadurch stillschweigend den Verzicht auf das Einspruchsrecht er- 
klärte. Gleichwohl wäre dieser Gesichtspunkt m. E. verfehlt und zwar 
aus dem Grunde, weil der Zeuge als solcher überhaupt keine rechts- 
geschäftliche Willenserklärung abgibt, wenigstens keine ausdrückliche. 
Ihm aber eine stillschweigende Erklärung zu imputieren, wäre schon 
vom Standpunkte des heutigen Rechts aus bedenklich. Um so mehr 
muß dies aber für ein weniger entwickeltes juristisches Denken gelten, 
für welches den Begriff der stillschweigenden Willenserklärung voraus- 
zusetzen bare Willkür wäre. Wenn ferner das ana mukinnütu asäbu 
mit Verzichtswirkung in einer besonderen Urkunde erklärt wird, so 
handelt es sich zweifellos um eine ausdrückliche Willenserklärung. 
Es wäre aber unerklärlich, wie man die Denkform auf diesen Fall 
hätte anwenden können, wenn der Intervention des Zeugen der Satz: 
qui tacet consentire videtur zugrunde gelegen hätte. Wenn die 
Teilnahme des Zeugen am Rechtsgeschäft gleichwohl den Verlust 
eines ihm eventuell zustehenden Einspruchsrechts nach sich zog, so 
war hier m. E. ein ganz anderer Gedanke maßgebend, nämlich der 

22) Das erstere trifft für BV 38, Nbn. 508 (vgl. dazu Kohler-Peiser, 
BR IV p. 82), das letztere für Nbn. 903 (oben p. 203 f.) zu. 



Einspruchsverlust durch Verschweigung. 207 

der Verschweigung. Wer ein Rechtsgeschäft bezeugte, ohne sein 
Einspruchsrecht sofort geltend zu machen, hatte sich dieses Rechtes 
verschwiegen und verlor es daher und zwar gleichviel, ob ihm das 
Bestehen dieses Rechtes bekannt war oder nicht. Wenigstens geben 
uns die Urkunden keinen Anhaltspunkt, daß man diesen Unterschied 
berücksichtigt hätte, was man allerdings hätte tun müssen, wenn man 
vom Gesichtspunkt der stillschweigenden Willenserklärung ausgegangen 
wäre. Möglich, daß ursprünglich eine Aufforderung an die Geschäfts- 
personen erging, etwaige Einspruchsrechte namhaft zu macben. In- 
dessen ist diese Annahme durchaus hypothetisch und auch nicht not- 
wendig. Wohl aber verstehen wir jetzt die Fälle, in denen das asäbu 
den Inhalt einer besonderen Urkunde bildet. Formell enthält das 
ana mulHnniitu asäbu, das hier beurkundet wird, ebensowenig eine 
rechtsgeschäftliche Willenserklärung wie die Intervention des Zeugen 
bei einem Rechtsgeschäft. Wohl aber bringt es die Wirkung, 
welche sich an die Zeugenschaft knüpft, nämlich den Verlust des 
Einspruchsrechts zum Ausdruck, nur daß diese Wirkung materiell 
hier nicht durch Verschweigung, sondern kraft Verzichts, also 
eines Willensaktes, eintritt. Die Urkundenpraxis, anstatt für den Ein- 
spruchsverzicht eine eigene Rechtsform auszubilden, hat seinen Effekt 
dadurch erzielt, daß sie die Anwesenheit des Verzichtenden als Zeugen 
beim Abschlüsse des durch das Einspruchsrecht betroffenen Rechts- 
geschäftes fingierte. Denn es ist bare Fiktion, wenn in einer vor 
oder nach Geschäftsabschluß errichteten Urkunde erklärt wird, daß 
eine Person als Zeuge bei dem Rechtsgeschäfte anwesend sei. 

Die äußere Form darf uns aber nicht hindern, in dem Verzichte, 
also in der Willenserklärung bei den letzten Fällen den materiellen 
Grund des Rechtsverlustes zu erkennen, und als stillschweigender Ver- 
zicht wird er es wohl auch in dem Regelfall gewesen sein, wenn der 
Einspruchsberechtigte in Kenntnis seines Rechtes dem Geschäfte als 
Zeuge beitrat, wenngleich das ganze Institut seinen Ausgang von der 
Verschweigung genommen hat. Das führt uns aber auf folgende 
Erscheinung. Wir können konstatieren, daß dieselben Personen, 
welche ina asäbi einem Verfügungsgeschäfte zustimmen, in 
anderen Fällen allein oder an der Seite des Verfügenden 
als Kontrahenten auftreten. Wenn z. B. in Nbn. 755 (oben p. 203) 
der Sohn ina asäbi des Vaters den Ehevertrag schließt 23 ), so ver- 
heiratet in einer anderen Urkunde, Nbn. 243 (Marx, BA IV p. 9f.) r 

23) Darüber daß der Vater der Eheschließung des Sohnes zustimmen mußte,, 
vgl. Marx, BA IV p. 11 f. 



208 Einspruchsverziclit und Mitverfügung. 

der Vater selbst den Sohn. In BV 99, 121 bestellt der Vater für 
die Tochter die Mitgift ina asäbi der Ehefrau, in Cyr. 361, Ner. 7 
(Marx, a. a. 0. p. 15) erfolgt die Mitgiftbestellung hingegen durch 
die Eltern. Den Verfügungen des Ehemannes ina asäbi der Ehefrau 
stehen Fälle gegenüber, in denen die Eheleute zusammen das Rechts- 
geschäft abschließen. 24 ) Neben den Verfügungsgeschäften von Kin- 
dern ina asäbi der Mutter, des Bruders Ina asdbi der Schwester be- 
gegnen wir solchen, in denen Mutter und Kinder 2 '), Bruder und 
Schwester 26 ) zusammen verfügen. 

Zu einer eingehenden Behandlung dieser Urkunden wäre es er- 
forderlich, auf die rechtliche Natur der einzelnen Einspruchsrechte 
einzugehen. Eine solche Untersuchung, die uns tief in die Fragen 
des Familiengüterrechts hineinführen würde, liegt indessen außerhalb 
der dieser Arbeit gesteckten Grenzen und ist für unsere Zwecke auch 
nicht notwendig. Denn das, worauf es uns ankommt, beweisen die 
eben angeführten Tatsachen unbedingt: Einspruchsverzicht und Mit- 
verfügung sind Rechtsinstitutionen, die sich nicht ausschließen, die 
vielmehr nahe aneinander grenzen und sich ergänzen. In der Tat ist 
der Gedanke, daß die Person, welche durch den Verzicht auf ein ihr 
zustehendes Einspruchsrecht die Verfügung erst ermöglicht, über das 
Objekt des Geschäfts mitverfügt, sehr nahe liegend. Und das gilt 
natürlich auch für den Eviktionsgaranten, der durch die Übernahme 
der Garantie auch den Verzicht auf ein ihm eventuell zukommendes 
Einspruchsrecht erklärt. Allein andrerseits ist doch zu beachten, daß 
das neubabylonische Recht Eviktionsgarantie, Genehmigung der Ver- 
fügung ina asäbi und Mitverfügung äußerlich scharf trennt, wenn- 
gleich alle den Untergang des Einspruchsrechts zur Folge haben. 27 ) 
Darin liegt aber ein weiteres Argument für die schon oben (p. 201) 
aufgestellte Behauptung, daß der Gedanke der Mitverfügung über die 
verkaufte Sache für die rechtliche Struktur der babylonischen Evik- 
tionsgarantie nicht den Ausschlag gab. 



24) Pfandbestellung: Marx p. 43 unter a) ß und y; Verkauf: Marx p. 44f. 
unter c) a und ß\ Tausch: Marx p. 45 unter e). 

25) Beispiele bei Marx p..62. 26) Marx p. 67f. 

27) Es können Eviktionsgarantie und Verzichtleistung ina asiibi in der- 
selben Urkunde auch zusammentreffen. So z. B. garantieren in Nbk. 160 die 
Verkäufer (Eheleute) und der Bruder des Verkiiuf'ers gegen siln'i, paniränu usw., 
während die Schwiegermutter des Verkäufers ina aidbi dem Kauf zustimmt. 
Hinsichtlich des Beispruchsverzichts wäre es ganz dasselbe gewesen, wenn etwa 
die Schwiegermutter die Garantie übernommen und der Bruder ina aSdbi die 
Verfügung genehmigt hätte. Ähnlich BV 61, 71, VS V 126. 



Die Bürgschaftsterminologie. 209 

Füllt also der Vergleich zwischen der griechischen ßeßcuaöig und 
der Eviktionsgarantie beim neubabylonischen Sklavenkauf im wesent- 
lichen negativ aus, so kennt doch andrerseits auch das babylonische 
Recht einen Kaufgaranten, der dem griechischen ßeßccuoTrjg nahe steht. 
Subjekt der im § 18 erörterten Defensionsklausel kann außer dem 
Verkäufer — das ist der Normalfall — auch ein Dritter sein. 28 ) 
Dieser verspricht dann im Falle, daß eine Eviktionsklage geltend ge- 
macht wird, die veräußerte Sache zu „bereinigen" (umarraq), d. h. den 
Käufer zu defendieren, und das ist ein vollkommenes Analogon zur 
Erklärung des ßsßcaavrjg: ßsßcctäöEtv xy\v (bvrjv. Ebensowenig wie 
.auf den ßeßai(oti]g wird auch auf diesen Eviktionsgaranten die bürg- 
schaftsrechtliche Terminologie angewendet. Das ist auch ganz be- 
greiflich. Denn er ist nicht Bürge, der für irgendeinen Erfolg ein- 
steht, sondern Schuldner, der ein Schuldversprechen auf Vertretungs- 
leistung abgibt, für welches ursprünglich die Haftung durch Bürgschaft 
<emes Dritten oder Selbstbürgschaft vermittelt werden mußte. 

§ 20. 
Ich hatte oben p. 34 die Frage, wie die zur Bezeichnung des 
Verbürgungsaktes dienenden Redewendungen put . . . nasü usw. philo- 
logisch zu erklären seien, in suspenso gelassen und zwar aus dem 
Grunde, weil ihre Beantwortung der juristischen Analyse des Bürg- 
schaftsinstitutes nicht präjudiziere. In der Tat hat der Umstand, daß 
dieser Punkt unerledigt blieb, der juristischen Untersuchung sich nicht 
als hinderlich erwiesen. Es fragt sich daher, ob unter solchen Ver- 
hältnissen der Jurist die Erörterung dieser Frage nicht am besten 
dem Sprachforscher überließe, in dessen Kompetenz sie eigentlich fällt. 
Von assyriologischer Seite ist ja zu ihr bereits mehrfach Stellung ge- 
nommen worden 1 ), und dies mag für den der speziellen philologischen 
Schulung entbehrenden Juristen eine weitere Warnung sein, sich auf 
ein Gebiet zu begeben, in dem er mit neuen Aufstellungen nur zu 
leicht fehl gehen kann, wenn er nicht gar den Vorwurf des Dilettan- 
tismus sich zuzieht. Wenn ich den Versuch gleichwohl wage, so ge- 
schieht dies einmal darum, weil eine monographische Darstellung des 
babylonischen Bürgschaftsinstitutes an der Frage nicht vorbeigehen 
kann und darf, ferner aber aus dem Grunde, weil die Frage doch 

28) So in VS V 126 (vielleicht der Auktor), KB IV p. 312 (Verwandte der 
Verkäufer), ebenso in BV 61 (oben § 18 n. 7), vorausgesetzt, daß die oben p. 196 
vorgeschlagene Interpretation zutrifft. 

1) Literatur bei Muss-Arnolt p. 148. 

Kose hak er: Babylon. -assyr. Bürgschaftsrecht. 14 



210 pütu. 

auch den Juristen angeht. Die Rechtsgeschichte lehrt, daß die Rechts- 
tenninologie gerade bei weniger entwickelten Rechten ein getreues 
Spiegelbild des juristischen Denkens der Zeit, in der sie entstanden, 
gibt und somit eine juristische Erkenntnisquelle ersten Ranges dar- 
stellt. Ob auch von der Terminologie des neubabylonischen Bürg- 
schaftsrechts in dieser Richtung Aufklärungen zu erwarten sind, diese 
Frage muß sich der Jurist unbedingt vorlegen. Ja es ist gerade auf 
den Mangel der Hervorkehrung juristischer Gesichtspunkte m. E. zurück- 
zuführen, wenn bisher eine befriedigende Erklärung der neubabyloni- 
schen Bürgschaftsterminologie noch nicht gelungen ist. 

Die Assyriologen haben, soweit sie sich mit dem Bürgenworte 
pfd nasu. beschäftigten, ihre Aufmerksamkeit bisher fast aus- 
schließlich dem ersten Teil der Phrase, dem Worte put, zugewendet 
und dessen Erklärung in verschiedener Weise versucht. Als erledigt 
darf heute die Ansicht Peisers 2 ) gelten, der put — er las übrigens 
ursprünglich put — als Substantiv betrachtete und mit „Quittung, 
Anerkenntnis" übersetzte. Sie war verursacht durch einige Urkunden, 
in denen man das Wort pu-d(t)a beziehungsweise den Plural pu-d(t)a- 
-MES las, ein Wort, das dem Zusammenhange nach, in dem es be- 
gegnete, nur die Bedeutung „Schriftstück, Urkunde" haben konnte 
und das P eis er mit pu-ut in den Bürgschaftsurkunden identifizierte. 
P eis er 3 ) hat indessen selbst zuerst erkannt, daß statt pu-da git-ta zu 
lesen sei, daß es sich also um zwei ganz verschiedene Wörter handle. 4 ) 
Darüber besteht heute kein Zweifel mehr. 5 ) Was nun put in pnt . . . 
nasü anbelangt, so erblickt die Mehrzahl der Assyriologen heute in 
dem Wort nicht mehr ein Substantiv, sondern eine Präposition in der 
Bedeutung „für, anstatt, avtC". Diese Ansicht wurde schon von 
Oppert fi ) vertreten. Nur war man über die Wurzelkonsonanten im 
Zweifel, da die Zeichengruppe ^^>- £"[ sowohl bu-ud(t) wie pu-ud(t) 
gelesen werden kann. Oppert und Tallquist 7 ) lasen bu-ud, büd 
("J^S) und verwiesen auf hebr. 132 = ,A^ r y vx^q", sowie auf die Prä- 
position, beziehungsweise Konjunktion bid(t). Allein Schreibungen 



2) KA p. 105f., BV p.22öf., ZA III p. 84 n. 5. 

3) BV Nachträge p. 349 f. 

4) Zu gittn pl. gittdni „Urkunde, Schriftstück" vgl. jetzt Delitzsch p. 196 r 
MuBS-Arnolt p. 215. 

6) Vgl. auch Ziemer, BA'III p. 449f., Ungnad, 2. Beiheft zur OLZ p. 21. 

6) ZA III p. 20, 177, zweifelnd wiederum ZA IV p. 401 f. 

7) Sprache der Kontrakte Nabü-na'ids p. 12f. , 64f. Vgl. auch Muss- 
Arnolt p. 148, ferner Delitzsch, BA I p. 2051'., assyr. Wörterbuch s. v. "!X 4 1. 
Im Handwörterbuch hat Delitzsch seine Meinung geändert. Vgl. unten n. 9. 



püt zitti. 211 

wie p(b)u-ü-tu (Camb. 309 9 ), p(b)u-utti (Nbk. 70 r j und p(b)u-ut-tu 
(VS III 14 3 ), die zugleich die Länge des Vokals erkennen lassen, ge- 
statten für die obige Zeichengruppe nur die Lesungen pu-ut oder 
bu-ut. Man hat sich für die erstere entschieden mit Rücksicht auf 
pütu = „Front, Vorderseite" 8 ) und erklärt daher put ein präpositional 
gebrauchtes Substantiv in der Bedeutung „für, anstatt". Das kann 
als die heute herrschende Meinung gelten. 9 ) 

Pütu ist nun in der Tat in präpositioneller Verwendung und 
zwar sowohl für sich allein wie in der Verbindung ina püt nach 
Ausweis der Wörterbücher 10 ) vielfach bezeugt. Allerdings zunächst nur 
in der überaus naheliegenden Bedeutung „angesichts, gegenüber" und 
auch dies nur in den Inschriften. In den Rechtsurkunden begegnet, 
soviel ich sehe, pütu als Präposition, abgesehen von der bürgschafts- 
rechtlichen Terminologie, nur noch in der zur Bezeichnung der pars 
pro diviso wie pro indiviso dienenden Redensart püt zitti sa A sa 
itti B. Das kann wohl nichts anderes heißen als „die Seite des An- 
teils des A, soweit der Anteil des A in Frage kommt, nach Maß- 
gabe des Anteils des A, welchen er mit B (im Gemein schafts Verhält- 
nisse hat)". Die Richtigkeit dieser Übersetzung wird übrigens be- 
stätigt dadurch, daß püt zitti sa A in dieser Verbindung mit mala 
zitti sa A „soviel der Anteil des A ausmacht" wechselt. 11 ). Die 
Redensart findet sich namentlich in Schuldurkunden, in denen der 
Schuldner seinen Grundstücksanteil verpfändet 12 ), in Quittungen über 
Teilforderungen. 13 ) Vgl. ferner Nbk. 251 (Tallquist, Babyl. Schen- 



8) Vgl. Delitzsch p. 517f., Muss-Arnolt p. 848f. Y on piitu ist zu trennen 
pudu = „Seite", insbesondere „Seite eines Menschen". Delitzsch p. 516, Muss- 
Arnolt p. 792, Jensen, KB VI^ p. 414, 506, 525f. Die Unterscheidung ist in- 
folge der vieldeutigen Schreibweise im einzelnen Fall allerdings oft schwer zu 
machen. Vgl. etwa Gilgames-Epos XI 201 (KB VI X p. 244) und dazu einerseits 
Jensen 1. c, andrerseits Meissner, MVAGr 10 p. 308, Legende des Königs von 
Kutha III 2, IV 13 (KB VIj p. 294, 298) und dazu die Übersetzungen Jensens 
und Zimmerns, ZA XII p. 317f. 

9) Ich finde sie vertreten bei Delitzsch p. 518, Ungnad, 2. Beih. zur 
OLZ p. 21, Selected business documents of the neo-babylonian period, Glossar 
p. 68, wo er jedoch ibid. n. 1 bemerkt: ,,or bütu? The word has perhaps nothing 
to do with pütu front", Demuth, BAUT p. 399, Ziemer, ibid. p. 449f., Muss- 
Arnolt p. 848f., der hiermit das p. 148 Bemerkte berichtigt. 

10) Delitzsch p. 517 no. 1, Muss-Arnolt p. 848a). 

11) Vgl. schon Peiser, BV p. 265. 

12) Z. B. BE Villi 105 (P- 3 0, 4. Jahr Darius' I) Z. 6 ^ztru pu-ut 

zitti-su (7) sa it-ti ahe-su mas-ka-nu „das Feld nach Maßgabe seines (des 

Schuldners) Anteils (7), den er mit seinen Brüdern hat, ist Pfand". Ebenso 
Nbn. 552 , Camb. 372 10 (BR II p. 28). Paralleltexte mit mala zitti: Dar. 144 8 
(BR III p. llj, 235 5 (BR III p. 11), BV 43 6 . 

14* 



912 put zitti. 

kungsbriefe, Helsingfors 1891 p. 7) Z. lf.: §E zeru .... pu-ut zitti sa 
A . . . . (3) A ina hu-ud lib-bi-su . . . . (5) pa-ni B u C, (6) [mdrdti-su, 
a-na nudun-]ni-e u-sad-gil „das Feld . . . nach Maßgabe des Anteils 
des A . . . (3) hat A in freier Entschließung .... (5) an B und C, 
(6) [seine Töchter, zur Mitjgift geschenkt"; Nbn. 1031 (KB IV 
p. 254 LVII), ein Verpflichtungsschein über einen Kaufpreisrest, Z. 4f.: 
laspu ri-hi-it simi 18 qa SE zcri pu-ut zitti (5) sa A sa it-ti (6) B „das 
Silber ist der Rest des Kaufpreises von 18 Qa Feld nach Maßgabe 
des Anteils (5) des A, den er hat mit (6) B"-, Nbn. 1111 10 : SE zirn 

(11) pu-ut zitti, sa A (12) it-ti ahc-su, sa B (13) ina qdtd A 

a-na Tiaspi im-liu-ru „das Saatfeld (11) . . . nach Maßgabe des Anteils, 
welchen A (12) mit seinen Brüdern hat, welches B (13) von A für 
Silber kaufte". 14 ) Bat kann in dieser Verbindung auch die Bedeutung 
„für, anstatt" annehmen. Dies ergibt die leider ziemlich stark be- 
schädigte Urkunde Nbk. 78 (BR IV p. 23), eine Vermögensauseinander- 
setzung zwischen den Erben des Bel-upahhir und dessen Bruder, der 
mit diesem in einer Vermögensgemeinschaft stand. Z. 4 ist zu lesen: 
54 (?) manu Tiaspi pu-ut zitti sa abi-su-nu sa eqle sa "'"JldtTam-tiin 
id-da-as-su-nu-tu „54 (?) Minen Silber nach Maßgabe des Anteils (d. h. 
für den Anteil) ihres Vaters an den Feldern in Mät-Tämtim gab er 
ihnen". Der Oheim findet also die Neffen für den Gruudstücksanteil 
ihres Vaters mit Geld ab. 10 ) 

Was nun die Terminologie des Verbürgungsaktes anlangt, so 
paßt hier für put, wenn man es als Präposition auffaßt, wohl nur 
die Bedeutung „für, betreffs", die sich auch nach dem oben betreffs 



13) Ev. Mer. 22 g (BR III p. 27): U siqü kaspi (9) A u B, (10) märe sa C, 
(11) pu-ut zitti-su-nu sa it-ti D, (13) ahi-su-nu rahi>, ina qdtd E .... (14) .... 
mdh-ru- „14 Sekel Silber (9) haben A und B, (10) die Söhne des C, (11) nach 
Maßgabe ihres Anteils, den sie mit D, (12) ihrem ältesten Bruder, haben, von E 

(14) erhalten". Unrichtig übersetzt Peiser 1. c. Z. 11 f. ,, unter 

Garantie ihres Besitzes, den sie haben mit D u . Vgl. ferner Nbk. 214, , 284 4 , 
Nbn. 51,, 276 6 , BV 64, und als Parallelen (mala zitti): Cainb. 110, (BRIYp. 80), 
Br. M. 84—2—11, 128 (BR II p. 61), Dar. 470 n (BR IV r p. 34), BV 8ü,.,. 

14) Weitere Beispiele: BV 92 s , 129,, Nbn. 17 4 (BR IV p. 65), KA 4 6 , dazu 
als Parallelen Nbn. 50, (KB IV p. 210 V), BV 70„. Vgl. ferner Nbk. 246, (Bciser, 
jurisprud. Babyl. p. 8), 361 n , Ner. 60 5 (BR III p. 12). Was pu-ut sal-su in Nbn. 167 81 
515 4 bedeutet, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht „nach Maßgabe des Drittcl- 
anteils"? 

16) Auf pnt zitti in VS VI 95,, möchte ich mich entgegen Ungnad, 2. Bei- 
heft zur OLZ p. 21 nicht berufen, da ich der Auslegung, die Ungnad der Ur- 
kunde gibt, nicht beitreten kann. Ich muß mir indessen die Auseinandersetzung 
hierüber für eine andere Gelegenheit vorbehalten, da sie liier zu weit ab führen 
würde. 



put = „für, betreffs". 213 

put zitti Festgestellten wohl aus der Grundbedeutung des Wortes puttt 
entwickeln läßt. Es ist ferner zuzugeben, daß diese Annahme für die 
meisten der zur Bezeichnung der Verbürgung dienenden Redewendun- 
gen, die in den Quellen begegnen, eine befriedigende grammatische 
Erklärung ermöglicht. Das gilt vor allem für die Klausel der Solidar- 
haftung isten put sani nasü „einer ist für den (betreffs des) anderen 
Bürge" und ihre Varianten isten put sani nasü, sa lärib ßaspi, SE- 
-BAR, suluppu etc.) inamdin „einer ist für den anderen Bürge, daß er 
die gemeinsame Schuld (an Silber, Getreide, Datteln usw.) erfüllen 
wird", beziehungsweise isten put sani ana eter nasü, sa lärib iddan 
„einer ist für den anderen für das Zahlen Bürge, daß er die gemein- 
same Schuld erfüllen wird". 16 ) Put = „für" paßt ferner zu den Bürg- 
schaftsklauseln : A put eter nasi „A ist für das Zahlen Bürge" 17 ), A 
pnt eteru (sa) Tiaspi (SE-BAB, suluppu etc.) nasl „A ist für das Zahlen 
des Silbers (Getreides, der Datteln usw.) Bürge" 18 ), ebenso zu den 
Wendungen: A ptit B nasi „A ist für B Bürge" 19 ), A put qaqqadi 
laspi nast „A ist für das Kapital an Silber Bürge" 20 ), A put (sa) Jcaspi 
(SE-BAB etc.) nasi „A ist für das Silber (Getreide usw.) Bürge" 21 ), 
A püt sepi (sa) B nasi „A ist für den Fuß des B Bürge". 22 ) Eine 



16) Die Belege siehe oben p. 84 n. 3, 4, p. 85 n. 6. 

17) Nebukadrezar: Nbk. 172 10 (BR I p. 22), 196 14 , 356j ; Nabonid: 
BE YIIIj 39 7 (p. 32), Nbn. 4 8 , 47 6 , 461 x „ 945 12 , BV8; Kyros: Cyr. 242 (Demuth, 
BAIIIp. 410); Kambyses: Camb. 145 8 (KB IV p. 286 V), BV 131 4 ; Darius: 
BE VEIj 158 9 (p. 36), Dar. 310 4 (BR III p. 28), BV 86 4 . 

18) Nebukadrezar: Liv. 5, Nbk. 379 9 , 387; Evil-Merodacb: Ev. Mer. 19 14 
(BRIIIp. 27); Neriglissar: Ner. 15 21 , 39 n (BR III p. 31), 66 12 ; Nabonid: 
Nbn. 15 7 , 63, 282 9 (KB IV p. 228 XXV), 314 14 , 375, 441 10 , 479 8 , 505 8 , 678 16 , 817 9 , 
932 7 , 1110 9 , 1125 6 (V), Moldenke 22 8 (p. 31); Kyros: Cyr. 119 10 (BR II p. 34), 
177 12 (KB IVp. 272X), 284 6 (BR IV p. 57); Kambyses: Camb. 240 8 , 398 5 ; Darius: 
BV 60 6 , 84 5 , 110 4 , 111 6 , 141 6 . 

19) Kandalanu: Strassmaier, Verhdlgn. des Orient. Kongr. zu Stock- 
holm, sem. Sekt. I p. 281f. no. 11 6 ; Nebukadrezar: Nbk. 83 x (KB IV p. 186X), 
86j (BR I p. 12), 322j; Nabonid: Nbn. 42j , Moldenke 29 21 (p. 51); Kyros: 
Br.M. 82— 7— 14, 94 Z. l(BRIVp. 57); Kambyses: Camb. 16öJ (KB IV p. 286 VI); 
Darius: Dar. 154 s (BR III p. 46), 366J (BR III p. 28), 392 1G (BR III p. 50), 506 2 
(BR IV p. 49), Br. M. 84—2—11, 148 Z. 1 (BR II p. 36 f.). Vgl. ferner Dar. 309 19 
(oben p. 37 n. 28) : pu-ut sa B u 13 siqil kaspi . . . . A na-m-u, Dar. 502 2 (BR IV 
p. 48): A (2) pu-ut B . . . . a-na (4) e-te-ru Jcaspi .... (9) na(?)-sn(?)-u „A ist 
(2) für B ... . für (4) das Zahlen des Silbers .... (9) Bürge". 

20) Nabonid: Moldenke 15 g (p. 15), Nbn. 652 8 (BR II p. 58); Darius: 
Dar. 134 10 (BR III p. 47), 359 8 (BR IV p. 77); Xerxes: App. 5 (KB IV p. 316). 

21) Nabonid: DJ p. 260 9 , Nbn. 466 10 , 690 10 . Vgl. ferner Nbk. 52 4 (oben 
p. 53 n. 6) A pu-ut 12 Jiur IS qa-a-an a-na eli B na-su-u „A ist für 12 Kur 
18 Qa betreffs des B Bürge''. 

22) Nbk. 342 9 , 366 5 (BR I p. 12), Ner. 16 5 , v R 67 no. 3 (oben p. 45 f.), Ner. 58 9 , 
Cyr. 147 x (Marx, BAIVp. 59), Dar. 296 ie (BRIVp. 56). 'Vgl. auch oben §§ 6 und 6. 



214 püt = »fi* 1 ! betreffs". 

zwanglose Übersetzung gestatten auch die Garantieklauseln, in denen 
auf put die Angabe desjenigen Erfolges sich schließt, für dessen 
Eintreten oder Nichteintreten garantiert wird. Ich yerweise vor allem 
auf die Klausel der Eviktionsgarantie beim Sklavenkauf 23 ), ferner auf 
die mannigfachen Bürgschaftsklauseln in Pacht-, Mietverträgen, Vieh- 
verstellungen usw., die oben §§ 15 und 16 erörtert wurden. Put wird 
ferner mit dem Pronominalsuffix verbunden in den Wendungen pussu 
issi u ), pussu imhas* 6 ) „er (der Bürge) hat für ihn (den Schuldner) ge- 
bürgt". Als abgeleitete Präposition kann put in Verbindung treten 
mit eigentlichen Präpositionen. Hierher gehören folgende Urkunden: 

BE VII^ 10 (p. 30, 6. Jahr Nebukadrezars) Z. 3 f.: räsutu , sa A 

u B a-na pu-u-ut C . . . is-su-u „das Guthaben . . . , bezüglich dessen 

A und B für C gebürgt haben", Nbn. 738 (BR I p. 3) Z. lf.: 

m Ina-qätä Jlu Bel-sa-]cin amilu arad sa m Si-lim- üu Bel . . . (2) . . ., sa m 8i4im- 
- ilu Bcl, be-el-su, a-M-i (3) ra-su-tu sa '" ilu Bel-ibni . . . . (4) sa ina eli 
m Ina-qätä Jlu Bcl-sa-lin ina pu-ut e-te-ru (5) ina u-il-tim sa "' ilu Bcl-ib-ni 
na-su-u „Ina-qätä-Bel-säkin (ist) der Sklave des Silim-Bel ... (2) . . . , 
bezüglich dessen Silim-Bel, sein Herr, gemäß (3) der Forderung des 
Bel-ibni ... (4) lastend auf Ina-qätä-Bel-säkin für das Zahlen (5) in 
dem Verpflichtungsscheine des Bel-ibni Bürge ist". 26 ) 

Schwierigkeiten bieten hingegen der Erklärung jene Stellen, in 
denen put unmittelbar mit dem Verbum verbunden wird. Als Beispiele 
für diesen Sprachgebrauch seien namhaft gemacht: 

KB IV p. 178 III (21. Jahr Nabopolassars), ein Ausgaben Verzeichnis 
des Samastempels. Z. 9 ist folgende Post angeführt: 5 r, / (; manu ina 
päni A u B, (10) C pu-ut na-si „3 5 / 6 Minen im Besitze des A und B, 
(10) C ist Bürge". 

Nbk. 207 10f . (oben p. 198 n. 1): B v B 2 a-di-i duppi 1 " a-na iluppi'" 
pu-ut na-su-u. 

Lab. 5 (KB IV p. 206): ina u-il-tim sa 13 siqil lcaspi(?) (2) A, (3) 
u B (4) pu-ut na-su-u, (5) ina(?) lib(?)-bi(?)-' ! ) S siqil kas}» C (6) 



23) Die Belege siehe oben § 17 passim, namentlich n. 6. 

24) Cyr. 281 u , BE IX 57 5 f., X 10if. (oben § 7 I), CT XXII 105iof. (oben p. 83). 

25) BE XIV 11 6 , 135 6 (oben p. 63 f.), 127 e (oben p. 72). 

26) Vgl. endlich auch BE XIV 2 1B (oben p. 62f.): a-im ha-la-qi pu-ut-ni ni- 
-te-mi-id „für die Flucht für uns (einander) stehen wir ein, CT XXU 113 (Martin 
p. 87 f. und Festschrift für Hilprecht p. 149f.) Z. 8f. pu-ut e-te-ru Sa eqli hi-i 
ta-as-su-u „entsprechend dem, daß du für das Bezahlen des Feldes gebürgt hast". 
Es handelt sich wohl um eine Bürgschaft für eine Kaufpreisschuld. Der Zu- 
sammenhang bleibt leider unklar. 

27) So verbessert Peiser 1. c. mit Recht die von E vetts gegebenen Zeichen. 



mähis puti = „Bürge". 215 

.... [ma-hi-ir] „Auf den Verpflichtungsschein über 13 Sekel Silber 
(2) des A — (3) und zwar ist B (4) Bürge — (5) davon hat 8 Sekel 
Silber C (6) . . . . [erhalten]." 28 ) 

BE Villi 45 (oben p. 39 n. 35) Z. 7: kaspu ia il-ki sa pu-ut Zfri-ia 
na-su-u. 

Nbn. 690i 5 f.: u-il-tim sa 24 hur SE-BAR (16) sa ina eli A, u B 
(17) pu-ut na-su-u, e-tir-tum „der Verpflichtungsschein über 24 Kur 
Getreide (16) lastend auf A — und zwar ist B (17) Bürge — ist 
bezahlt". 29 ) 

Vollends aber scheint die Annahme, daß put eine Präposition sei, 
auszuschließen der Terminus mähis puti = „Bürge". Er begegnet in 
CT II 21 30 ), einer Urkunde, die wegen ihrer der assyrischen Schrift 
ähnlichen Zeichen und der Verwandtschaft der Eigennamen zu den 
in Vyran-sehir bei Kerkuk gefundenen Tontafeln zu stellen ist. 31 ) 
Hier übernehmen drei Personen ein dem Istar-kitilla gehöriges Grund- 
stück zur Bebauung gegen Lieferung einer (wohl jährlichen) Ertrags- 
abgabe von 3 Homer Getreide „so lange Istar-kitilla lebt". Sie haften 
dafür solidarisch. Das wird Z. 19 f. in folgender Form ausgedrückt: 
an-nu-u a-na an-ni-im ma-hi-is pu-ti „einer ist für den anderen Bürge". 
Der Terminus ist indessen auch den neubabylonischen Urkunden nicht 
fremd. Er ist hier allerdings nur für die Zeit Nebukadrezars IL nach- 
zuweisen und zwar in Nbk. 24 (oben p. 41 n. 40) und Nbk. 134 (BV p. 308, 
Meissner, a. a. 0. p. 309): amilu mu-hin-ni i ' L sa ina pa-ni-su-nu ümu 27 kam 
sa ar t"Sabätu (2) sa sattu 22 kam ilu Nabü-foidurri-usur, sar Bäbili ki , (3) 
m nu Nabü-ndbü-a-na-ildni u m Mu-sib-si- ilu Marduk, (4) ma-hi-is pu-ti-su, 
ma-as-sar-tum (5) sa miiu Belit-il^ l --ai a-di-i tu-ru hdbi (6) ina Mb ehalli 
ma-as-sar-tum is-su-ru „die Zeugen, vor denen am 27. Sabätu (2) des 
22. Jahres Nebukadrezars, Königs von Babylon, (3) Nabü-nabü-ana- 
-iläni und Musibsi-Marduk, (4) sein Bürge, das Depositum (5) des 
Belit-ilai bis zur Schließung 32 ) (?) des Tores (6) im Tore des Palastes 



28) Ich ziehe die im Texte gegebene Ergänzung von Z. 6 dem von Peiser 
vorgeschlagenen [iddiri] vor. Die Urkunde stellt sich somit dar als eine Quit- 
tung über eine Teilzahlung, deren Formular sie auch sonst entspricht. Vgl. oben 
p. 121 n. 20. 

29) Vgl. ferner Nbk. 133 7 (BR I p. 21), 273 5 (oben p. 81), Ner. 41 4 , Nbn. 
148 7 , 375 10 (Marx, BA IV p. 50), Cyr. 21 1 6 . 

30) Umschrift und Übersetzung bei Pinches, Journal of the Royal Asiatic 
society 1897 p. 590 f 

31) Vgl. Pinches, a. a. 0. p. 589, Meissner, MVAG 10 p. 308, OLZ 5 p. 245. 
In der Tat findet sich nach einer Mitteilung Ungnads, OLZ 10 p. 145 n. 2 
mähis puti in VAT 6058 (unveröffentlicht), einer Urkunde aus Vyransehir. 

32) So Peiser 1. c. Eine verwandte Urkunde ist BV 149. 



216 mähis püti = „Bürge". 

in Verwahrung genommen haben, sind": (folgen die Namen der 
Zeugen). 

Malus puti scheint wohl nicht anders übersetzt werden zu können 
als „der Schläger der pütu" und pütu müßte demnach als Substantiv 
aufgefaßt werden. 33 ) Dieser Meinung ist in der Tat Meissner, a. a. 0. 
p. 308. 34 ) Ausgehend von der Grundbedeutung „Front, Vorderseite" über- 
setzt er pütu mit „Brust", mähis puti mit „Schläger der Brust" und 
schließt aus diesem Terminus, daß der Bürge wenigstens ursprünglich 
zum Zeichen seiner Verpflichtung dem Schuldner mit der Hand auf 
die Brust schlug, bzw. seine Hand auf die Brust des Schuldners legte. 
Ich vermag dem nicht beizutreten. M. E. muß eine Erklärung der 
Bürgenterminologie, die befriedigen soll, vor allem eine Probe bestehen: 
sie muß für alle Fälle passen. Es geht insbesondere nicht an, pütu 
bald als Präposition, bald als Substantiv zu fassen. 35 ) Die These 
Meissners paßt nun nur für diejenigen Fälle, in denen pütu unmittelbar 
zur Person des Schuldners in Beziehung gesetzt wird, sie versagt hin- 
gegen völlig in denjenigen Urkunden, welche vom Bürgen ein put eteru 
nasi, püt sepi nasi usw. aussagen, ebenso gegenüber den Garantie- 
klauseln, in denen auf püt die Angabe des garantierten Erfolges folgt. 
Ich sehe hierbei noch davon ab, daß die Handlung des Bürgen in der 
Reo-el nicht als ein mahasu „schlagen", sondern als ein nasü bezeichnet 
wird und daß die Grundbedeutung dieses Wortes „tragen, bringen,, 
erheben" kaum den von Meissner angenommenen Formalakt ergibt. 36 ) 



33) Es sei bemerkt, daß auch nasü mit nachgestelltem püt verbunden wird. 
Vgl. Liv. 34 7 : e-lut u-il-timP l - sa na-su-u pu-ut mah-ri-e-tu »t „vorbehaltlich der 
Verpflichtungsscheine, bezüglich welcher sie bürgen, der früheren" und Strass- 
maier, Verhdlgn. des Orient. Kongr. zu Stockholm, sem. Sekt. I p. 281 f. no. 27 16 
(oben p. 7'J n. 33): ana eli na-se-e pu-u-tu „betreffs der Verbürgung". 

34) Er erblickte übrigens schon in einem früheren der bürgschaftsrecht- 
rechtlichen Terminologie gewidmeten Artikel in der ZA IV p. 66 f. in pütu ein. 
Substantiv. Doch sind seine damaligen Ausführungen heute überholt, da für 
seine Auffassung wesentlich bestimmend war die (unrichtige vgl. oben p.210) Identi- 
fizierung von pütu mit gittu. Er las daher auch püdu, das er von n" ableitete 
und mit hebr. """iE verglich. Hingegen übersetzt Meissner, de Servitute p. 26 
pütu mit „debitum, satisdatio" und der gleichen Meinung scheint Peiser zu 
sein, wenn er gelegentlich in BR püt . . . nasü mit „die Garantie . . . bringen" 
überträgt, Ich brauche indessen mich auf eine Erörterung dieser Übersetzung 
nicht einzulassen, da meines Wissens niemand auch nur versucht hat zu be- 
gründen, wieso pütu zur Bedeutung „Bürgschaft, Garantie" komme. Zudem wäre 
die Ausdrucksweise „eine Bürgschaft tragen, bringen" eine so abstrakte und ge- 
künstelte, daß sie kaum je der präzisen babylonischen Rechtssprache eigen ge- 
wesen sein konnte. 

35) Diesen Fehler begeht Muss-Arnolt p. 848f., der püt einerseits mit 
„instead of, for", andrerseits mit „Obligation, reBponBibility" übersetzt. 



»nihis pi'iti = „Bürge". 217 

Zu diesen sprachlichen Bedenken gesellt sich aber noch ein juristisches. 
Wenn der Bürge zum Zeichen seiner Verpflichtung einen Formalakt 
setzt, so sollte man doch erwarten, daß dieser Formalakt irgendwelche 
subjektive Beziehung zu derjenigen Person hat, der gegenüber die 
Verpflichtung eingegangen wird, also zum Gläubiger. Diese Eigen- 
schaft fehlt aber der Handlung, die nach Meissner der Bürge vor- 
nehmen soll, völlig. Von diesem Standpunkte aus bieten auch die 
zwei biblischen Fälle, Gen. 24, 2 und 9; 47, 29, die Meissner als 
Analogien heranzieht, keine Stütze, sondern widerlegen ihn vielmehr. 
In Gen. 24, 9 fordert Abraham den Sklaven, der für Isaak die Gattin 
freien soll, auf, zum Zeichen, daß er den Auftrag ausführen werde: 
„Lege doch deine Hand unter meine Lende"; V. 9: „Da legte der Sklave 
seine Hand unter die Lende Abrahams, seines Herrn, und schwur ihm, 
wie er verlangt hatte." Gen. 47, 29: der sterbende Jakob befiehlt 
seinem Sohn Joseph: „Wenn ich dir etwas gelte, so lege deine Hand 
unter meine Hüfte und erweise mir die Liebe und Treue: begrabe 
mich nicht in Ägypten." Denn hier wird, wie immer man die beiden 
Steilen juristisch erklären mag, der Ritus des Handauflegens dem 
Versprechensempfänger gegenüber vollzogen. Cuq 37 ), der sich 
Meissner anschließt, meint nun allerdings: ce geste energique (näm- 
lich der Handschlag auf die Brust des Schuldners) manifeste la volonte 
de la caution de soustraire le debiteur ä l'atteinte du creancier. Die 
Vorstellung, daß der Bürge den Schuldner vor dem Gläubiger schützt, 
ist gewiß möglich und liegt in der Tat der Bezeichnung des alt- 
babylonischen Bürgen als miikü qaqqadim zugrunde. 38 ) Allein mahdsu 
heißt „schlagen" und nicht „rejeter en arriere, zurückschlagen". Außer- 
dem versagt die Annahme Cuqs gegenüber der Selbstbürgschaft. Hier 
müßte der Bürge und Schuldner auf seine eigene Brust schlagen, ein 
Formalismus, der gewiß nicht geeignet wäre, die Verhaftung des Bürgen 
zum Ausdruck zu bringen. 

Wenngleich also Meissners Erklärungsversuch der Hauptsache 
nach fehlgeht, so bringt er uns doch um ein gutes Stück weiter. 
Einmal durch die Erkenntnis, daß die Verbürgung einen Formalakt 
darstellt, ferner aber auch durch die richtige Fragestellung. Es kommt 
in erster Linie nicht darauf an, wie die Form put zu erklären sei 
und welche Bedeutung dem Worte zukomme, der Punkt, wo die Unter- 



36) Es ist natürlich keine Antwort auf das im Texte geäußerte Bedenken, 
wenn Meissner, a. a. 0. p. 308 von einer Handlung des »asi? spricht, die vom 
Bürgen an der Vorderseite (Brust) des Schuldners vorgenommen wurde. 

37) Nouv. rev. hist. 33 p. 42*. 38) Vgl. oben § 1. 



218 Die Bürgenworte ?iasü, nadänu, mahäsu. 

suchung einsetzen muß, liegt vielmehr in der Frage, auf welche Weise 
die Verba nasü, nadänu™), mahäsu zur Bedeutung „bürgen" gelangt 
sind. Daß das Verbum für sich allein den Verbürguugsakt bezeichnet, 
kann mit Wahrscheinlichkeit schon aus BE XIV 2 15 (oben p. 62 f.): a-na 
ha-la-qi püt-ni ni-te-mi-id „für die Flucht füreinander stehen wir ein" 
entnommen werden. Hier ist emedu I 2 Bürgenwort. Die Ausdrucks- 
weise, daß der Bürge für den garantierten Erfolg „einsteht", ist, wie 
schon oben p. 174 n. 1 bemerkt wurde, nicht nur der babylonischen 
Rechtssprache eigen. Noch deutlicher spricht BE IX 41 5f . (oben p. 156 f.): 
sa la ma-qa-at sa ba-ar-ra-aq-tum ultu un-qu .... na-sa-ni „betreffs 
des Nichtherausfallens des Smaragds aus dem Ring .... bürgen 
wir". 40 ) 

Nun heißt aber nasü „tragen, bringen, erheben", nadänu „geben" 
und mahäsu „schlagen". Die Grundbedeutung der Verba steht daher 



39) Daß auch nadänu, wenngleich viel seltener als nasü, in der Bürg- 
schaftsterminologie Verwendung findet, beweisen AV no. 2197 (Meissner, ZA IV 
p. 73): put eteru nadin „für das Zahlen ist er Bürge", Kok. 86if. (oben p. 44 f.), 
Moldenke 24sf. (p. 36, 11. Jahr Nabonids): Bel-ri-man-ni .... pu-ut e-te-ru 
na-din und Camb. lsf. (KB IV p. 284 I): pu-ut us(?)-ku(?)-tu (vgl. oben p. 181 n. 25) 
Sa imeri m Xi-din-tum-* 1 " Bei . . . na-din „für uskutu des (verkauften) Esels ist 
Nidintum-Bel . . Bürge". Peisers 1. c. Vermutung, daß hier statt na-din na-si 
zu lesen sei, wird durch die übrigen eben angeführten Belege gegenstandslos ge- 
macht. Hingegen liegt allerdings eine Verschreibung vor in Nbn. 40rf. : pu-ut 
&i-hu-u .... .'" il "Xabü-na-sir na-sir (1. na-si). Sie ist aus dem vorhergehen- 
den na-sir des Eigennamens ohne weiteres erklärlich. Sehr zweifelhaft ist es, 
ob auch Ner. 41 für den Sprachgebrauch angeführt werden kann. Z. 1 f . ist 
zu lesen 4-ut hal-lu-ru (2) a-na nab-tu (3) a-na m »'*« Samas-uballitP. i4> sa 
[■•■■] aa pu-ut (5) nadin™. Wenn die Lücke in Z. 4 die Ergänzung eines 
Eigennamens gestattet — der hinter sa noch sichtbare vertikale Keil ist viel- 
leicht als Personendeterminativ zu fassen — so könnte man übersetzen „V 4 -f' 10 
Sekel (vgl. Ungnad, 2. Beih. zur OLZ p. 27 f.) (2) für nab-tu (3) an Samas-uballit, 
(4) bezüglich dessen [X] (6) bürgt". Die Urkunde ist ein Verzeichnis über ver- 
schiedene Ausgaben. Vgl. als Parallele KB IV p. 178 III (oben p. 214). 

40) Vgl. ferner BE X 9 Z. 28 f. (oben p. 168 f.) und dazu die Bemerkung 
p. 170 n. 4. unter allem Vorbehalt sei ferner auf die von Peiser, Urkunden aus 
der Zeit der dritten babylonischen Dynastie, Berlin 1905 unter no. 116 veröffent- 
lichte Urkunde hingewiesen: 1 LID-GVD-JJAL is-tu ■"'-!" Flui (2) sa Satti 9 

A-AN Ardi-ia, (3) mar Sin-cihi-eri-is (4) Erba-Marduk, mar •""■''" pahhari, 

(b) a-na ''"Mar-tu-eri-is, mar Nabu-iar-rdh, (6 u-pi-id-ma adi ar '-"' Finnin u 
(7) sa satti 12 A-AN na-si-ma (8) ul i-din-ma «>"'" Ku-du-ra-ni-ta, (9) mardt-su, 
ib-tu-qu-ma (10) i-na biti-su ik-la-si-ma (11) Erba-Marduk, ad-da-Sa (der Rest 
bis auf das Datum, 12. Jahr des Sagaraktisurias zerstört). „Nachdem 1 . . . . 
Rind vom Ulülu (2) des 9. Jahres Ardija, (3) Sohn des Sin-ahi-rris, der .... 
(4) des Erba-Marduk, des Töpfers, (5) dem Martu-f-ris, Sohn des Nabü-sarrah, 
(6) zugesichert und dann bis zum Simanu (7) des 12. Jahres ge b ürgt, (8) aber nicht 
gegeben hatte, nachdem hierauf die Kuduranitu, (9) seine (des Ardija) Tochter, er 
(Martu-Oris) weggeführt(?) (10) und in seinem Hause eingeschlossen hatte, (11) hat 



Bürgen „in die Hand" des Gläubigers. 219 

mit dem der Verbürgung zugrunde liegenden Gedanken der persön- 
lichen Verhaftung des Bürgen gewiß in keinem Zusammenhang. Daraus 
folgt m. E., daß die Verba für sich allein von Haus aus den Ver- 
bürgungsakt nicht bezeichnet haben konnten. Hingegen wäre die 
Bedeutungsentwicklung verständlich, wenn wir annehmen dürften, daß 
die Verba ursprünglich in Verbindung mit einem Objekt, das sie ja 
als Transitiva auch erfordern, die Bürgenhandlung charakterisierten. 
Dieses Objekt müßte allerdings so beschaffen sein, daß es zu allen 
drei Verba paßt. Damit scheinen wir allerdings an einem Punkt an- 
gelangt zu sein, von dem aus man nur durch Raten, nicht aber durch 
exakte Forschung weiter vordringen kann. Indessen sind bei genauerem 
Zusehen auch hier die Quellen nicht stumm. 

Es ist bisher noch nicht beachtet worden, daß an zahlreichen 
Stellen davon die Rede ist, daß die Bürgschaft „in die Hände" (ina 
qdtd) des Versprechensempfängers geleistet werde. 41 ) Der Germanist 
wird sich angesichts dieses Sprachgebrauches an jene zahlreichen 
mittelalterlichen Rechtsurkunden erinnern, welche von einem Treu- 
gelöbnis berichten, das „mit der Hand in die Hand" des Gläubigers 
geleistet wird, von einem in manum (manus) promütere, einer data 



Erba-Marduk, ihr . . . .". Peiser, a. a. 0. p. 37 hat den Tatbestand dieser Ur- 
kunde richtig bestimmt. Demnach hat Axdija, der zu Erba-Marduk in irgend- 
einem Abhängigkeitsverhältnisse zu stehen scheint, dem Martu-eris ein Rind 
versprochen, sein Versprechen aber nicht erfüllt, weshalb der Gläubiger die 
Tochter des Schuldners als Schuldgefangene abführt. In diesem Momente tritt 
Erba-Marduk auf. Was er tat, sagt uns die Urkunde nicht, da hier die Lücke 
einsetzt. Indessen ist wohl anzunehmen (so auch Peiser 1. c), daß er das 
Mädchen auslöste, sei es, indem er selbst erfüllte, sei es, daß er Bürgschaft 
leistete, in welchem Falle die Urkunde ein Analogon zu den oben § 7 be- 
sprochenen Texten wäre. Uns interessiert hier das naii in Z. 7. Es kann wohl 
nichts anderes heißen — und so übersetzt auch Peiser — als „er (der Schuldner) 
hat gebürgt". Es liegt demnach eine Selbstbürgschaft vor und dies macht 
auch die im Folgenden erwähnte Personalexekution verständlich. Daß diese an- 
statt des Schuldners seine Tochter, also eine seiner Gewalt unterworfene Person 
erfaßt, ist eine Erscheinung, der wir bereits öfter begegneten. Vgl. oben p. 47 f., 
§ 6 p. 53 und n. 2, 7, § 7 p. 66 n. 22, § 13 p. 129 f. 

Ob na-si-i in VAT 4920 (Peiser, ibid. p. 32) Z. 7 ebenfalls die Bedeutung 
„bürgen" zukommt, muß ich dahingestellt sein lassen, da ich die Urkunde nicht 
verstehe. 

41) Nebukadrezar: BE VII^ 10 3 (p. 30), Nbk. 86 lf- (oben p. 44 f.), 201 6 
(KB IV p. 190 XVII), 322 lf , 342 2 (BR I p. 12) 356 n 366 5 (oben p. 46 f.), 387 3 (oben 
p. 106); Neriglissar: Xer. 1,. (KB IV p. 202 I), 15 21f , v R 67 no. 3 (oben p. 45); 
Kyros: Br. M. 82—7—14, 94(BRIV p. 57), Cyr. 14^ (oben p.48), 281 6 (oben 
p. 58); Kambyses: Camb. 398 lf (oben p. 39 n. 35); Darius: Dar. 366! (BR III 
p. 28), 502 2 (BR IV p. 48), 506^ (BR IV p. 49), Br. M. 84—2—11, 148 BR II p. B6f.), 
VSV126,," (Ungnad, 2. Beiheft zur OLZ p. 22 f.). Vgl. ferner CT XXII 105 10 
(oben p. 83). 



220 Bürgen „in die Hand'' des Gläubigers. 

fides manu in manum, manu ad manum usw. sprechen. 42 ) Daß diese 
Redewendungen einen Handritus als Forrnalakt bei der Eingehung 
des Haftungsgeschäftes (Bürgschaft) 43 ) voraussetzen, ist für die ger- 
manistische Wissenschaft heute außer Zweifel und Avird durch die 
Quellen bestätigt, die von einem „Geloben mit der Hand", „Hand- 
gelübde" sprechen, die im Gelöbnis eingesetzte Treue als „Handtreue,, 
handgegebene, handgelobte Treue", fides corporalis, corporal iter, manua- 
liter praestita bezeichnen. 44 ) Es ist daher nicht willkürlich, wenn wir 
angesichts dieser Analogien auch für das neubabvlonische Recht die 
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß der Handritus beim Bürgschafts- 
geschäft irgendeine Rolle spielte, zumal das Handsymbol beim Ver- 
bürgungsakte in den verschiedensten Rechten Verwendung findet. 45 ) 
In dieser Annahme werden wir bestärkt durch die sachliche Verwandt- 
schaft des germanischen bzw. griechischen Bürgsehaftsinstitutes mit 
dem des neubabylonischen Rechts, durch die bürgschaftsrechtliche 
Terminologie des altbabylonischen Rechts 46 ) und der assyrischen Ur- 
kunden 47 ), die auf den Gebrauch eines Handritus beim Verbürgungs- 
akte schließen läßt. Direkt bewiesen wäre er für die neubabylonische 
Zeit, wenn die oben p. 105 gegebene Auslegung von Ev. Mer. 13 13 : qnt 
-su ina lib-M te-el-li „seine Hand geht darauf in die Höhe" im Sinne 
von „er bürgt (garantiert) hierfür" zutreffen sollte. Endlich paßt „die 
Hand" als Objekt vortrefflich zu den drei die Handlung des Bürgen 
bezeichnenden Verben: nasü „erheben", naddnu „geben" und mahäsu 
„schlagen" (Handschlag). 



Ina qätä bedeutet zwar in der Kegel „aus der Hand heraus, von". Doch 
wird ina auch zur Bezeichnung der Richtung wohin verwendet (vgl. Delitzsch 
p. 95 d), so daß die Übersetzung von ina qätä mit „in die Hände (hinein)" keinem 
Bedenken unterliegt. 

42) Vgl. die Stellen bei Siegel, Handschlag und Eid im deutschen Rechts- 
leben p. 9 f. (Sitzungsberichte der Wiener Akad. phil. hist. Kl. Bd. 130), Punt- 
schart p. 349 f., ferner Gierke p. 195, Dabkowski, rekojernstwo p. 44. 

43) Das Treugelübde ist, wie Puntschart p. 375f. nachgewiesen hat, 
nicht Schuldvertrag, sondern Haftungsgeschäft, das zur Begründung der persön- 
lichen (leiblichen) Haftung dient, also Bürgschaft. Vgl. jetzt auch Gierke 
p. 197 f. 

44) Belege bei Puntschart p. 348—364, Gierke p. 195. Vgl. ferner 
v. Amira I p. 2921'. 

45) Für die germanischen Rechte vgl. v. Amira I p. 294, 351, II p. 312, 842, 
Puntschart p. 352f., 419f., 491f., Gierke p. 128f., 186 f., 194; für das grie- 
chische Recht Partsch p. 45f.; für das biblische Recht vgl. Prov. 6, 1; 11, 15; 
17, 18; 22, 26; Hiob 17, 3. Die Angabe dieser Stellen verdanke ich Herrn Hof- 
rat D. H. Müller. Was die slavischen Rechte anbelangt, siehe oben § 2 p. 16. 

46) Vgl. oben § 2. 47) Vgl. unten § 22 p. 240. 



pütu = „Hand"? 221 

Es liegt nun nahe, und diesen Ausweg habe ich zuerst versucht, 
pütu als Objekt zum Verburn zu konstruieren und mit „Hand" zu 
übersetzen, zumal die Ableitung dieses Wertes für pütu aus der Grund- 
bedeutung „Front, Vorderseite" m. E. nicht unmöglich wäre. Man 
könnte pütu einmal auf die Handfläche, den Handteller (palma) be- 
ziehen. Die Ausdrucksweise „die Vorderseite, Front erheben" im Sinne 
von „die Hand erheben", wäre dann eine ganz bezeichnende, wenn 
man sich hierbei vorstellt, daß der Bürge mit erhobener Hand vor 
dem Gläubiger steht und dabei die Handfläche ihm zuwendet. 48 ) An- 
gesichts des Unistandes, daß in den germanischen Rechten der Hand- 
ritus beim Treugelöbnis immer mit der rechten Hand ausgeführt 49 ) 
und die rechte Hand auch als „vordere" Hand bezeichnet wird 50 ), wäre 
•es auch möglich, unter pütu speziell die rechte, „vordere" Hand zu 
verstehen. Ebenso wie wir heute noch die Ausdrucksweise „die 
Rechte erheben, geben" kennen, hätte der Babylonier gesagt „die 
Vordere erheben, geben" usw. Trotzdem ist diese Lösung unhaltbar; 
weniger aus dem Grunde, weil die eben erwähnte Etymologie doch 
ganz unsicher ist und die sonstigen Quellen für die Gleichung pütu 
= „Hand" nicht den geringsten Anhaltspunkt ergeben, als vielmehr aus 
grammatischen Bedenken. Pütu als Objekt zum Verbum nasü usw. 
zu konstruieren, ist zwar bei Ausdrücken wie mähis püti sowie in den 
oben p. 214f. angeführten Stellen, in denen put unmittelbar mit dem 
Verbum verbunden wird, möglich. Hingegen ergeben sich unüber- 
windliche Schwierigkeiten in all den zahlreichen Fällen, wo an püt 
sich die Bezeichnung des verbürgten Erfolgs schließt. Träfe die 
Gleichung pütu = „Hand" zu, so müßten Redensarten wie püt eteru 
nast, püt qaqqadi haspi nasl usw. übersetzt werden „er hat die Hand 
bezüglich des Zahlens, bezüglich des Kapitals an Silber erhoben". 
Wäre schon dies sprachlich höchst schwierig, so muß, wie mir von 
philologischer Seite versichert wird, eine solche Status constructus- 
Bildung als absolut ausgeschlossen bezeichnet werden angesichts von 
Phrasen wie pussu (püt-su) issi } imhas. br ) Das kann niemals heißen 
„die Hand für ihn (den Schuldner) hat er (der Bürge) erhoben, ge- 
schlagen". Endlich versagt die Konstruktion völlig bei den oben 

48) Interessant ist in dieser Beziehung die Ausdrucks weise der mittel- 
alterlichen französischen Rechtsquellen, welche das Treugelöbnis (Bürgschaft) 
palmata, paumee nennen. Vgl. Egger, Verrnögenshaftung und Hypothek p. 69f. 

49) v. Amira II p. 306, Puntschart p. 35'Jf., Gierke p. 132. 

50) Puntschart I.e. und Mitteilungen des Instituts für österr. Geschichts- 
forschung 28 p. 367, Gierke 1. c. 

51) Siehe die Belege oben n. 24, 25. 



222 Die „Hand" als Objekt zum Verbum nasü usw. zu ergänzen. 

p. 214 angeführten zwei Urkunden, BE VIIIj 10 und Nbn. 738, die putw 
mit einer Präposition verbinden. 

Die richtige Lösung verdanke ich zwei philologischen Beratern^ 
an die ich mich wegen der eben angegebenen Bedenken um Auskunft 
wandte und die unabhängig voneinander zu demselben Ergebnis gelangten. 
D. H. Müller wie Rhodokanakis stimmten mir zu, daß die Verba 
nasii, mähäsu, nadänu die „Hand" als Objekt postulieren, meinen aber, 
daß ein Objekt in dieser Bedeutung nicht in dem Worte pütu zu suchen, 
sondern vielmehr zum Verbum zu ergänzen sei. Es sei im Laufe 
der Zeiten als selbstverständlich weggelassen worden. 52 ) D. H. Müller 
unterstützt diese Erklärung noch durch den Hinweis auf eine analoge 
sprachliche Erscheinung im Hebräischen. Der gewöhnliehe Ausdruck 
für „bürgen" ist dort C|D "pn „die Hand schlagen, einen Handschlag 
geben". Prov. 11, 15 ist aber zu lesen: „Sehr schlecht ergeht's dem r 
der für einen anderen Bürge geworden ist. Wer aber die Schläger 
(d.h. die Bürgen) nicht mag (fiDfia Z 1 "!?"" s:ü"), ist sicher." Hier 
ist also vp als Objekt bereits weggefallen. 53 ) Ich vermag dem noch 
eine weitere Analogie aus den slavischen Sprachen hinzuzufügen. Daß 
diese Sprachen die Worte für „bürgen, Bürgschaft, Bürge" aus Ab- 
leitungen oder Komposita von *rajka „Hand" bilden, wurde bereits 
(oben p. 16) bemerkt. Eine Ausnahme hiervon macht, wie mir Murko 
freundlichst mitteilt, nur das Serbokroatische, wo der Bürge jemac T 
Bürgschaft jemstvo heißt. Nun ist aber jemac bzw. jemstvo abzuleiten 
von *jeti „fassen, greifen", heißt also wörtlich „der Nehmer, Greifer". 
Angesichts von poln. reliojemstwo „Bürgschaft = Handgreifung", ceclu 
rükojme „Bürge = Handgreifer" (*rala und *jeti) wird man wohl 
nicht zweifeln können, daß auch zu jemac *raka als Objekt gehört. 
Es ist eben hier weggefallen, während es die anderen Sprachen noch 
bewahrt haben. 54 ) 

52) Nachträglich finde ich, daß schon Oppert dieselbe Idee hatte. In 
einer fast allgemein übersehenen Notiz (ZA XIII p. 253) bemerkt er gelegentlicb 
der Besprechung einiger assyrischer Bürgschaftsurkunden: „Das Wichtige ist die 
Bezeichnung der Bürgschaft durch qate und die des Bürgen durch bei qate, was 
auch in Babylon vorkommt, wo der Bürge gewöhnlich durch nasii 
ausgedrückt wird .... Die Idee ist die der Erhebung der Hand untui 
qate als Sinnbild der Interzession. 

53) Vgl. auch Hiob 17, 3. 

54) Der Sache nach ist der Handschlag bei den Serbokroaten bekannt. 
Murko verwies mich auf V. Bogisic, Zbornik sadasnjih pravnih obicaja u 
juznih Slovena (Sammlung der gegenwärtigen Rechtsbräuche der Südslaven) 
Agram 1874 p. 450: „Kotari und Bukovica (Kreis Zara): beim Abschlüsse eines 
Vertrages gibt einer dem andern die Hand und leistet das Gelöbnis". Alm 
liebe Bräuche in der Militärgrenze, Hercegowina und Montenegro: p. 42:*, 461. 



Die „H an d" als Objekt zum Verbum nasü usw. zu ergänzen. 223 

Von diesem Standpunkte aus kann püt natürlich nur als Präpo- 
sition in der Bedeutung „für, betreffs" aufgefaßt werden, eine Annahme, 
die, wie schon dargelegt wurde, bei der Mehrzahl der in den Quellen 
nachweisbaren bürgschaftsreehtlichen Redewendungen keinem Bedenken 
unterliegt. Insbesondere ist es nunmehr auch ohne weiteres ver- 
ständlich, daß nasü für sich allein die Bedeutung „bürgen" haben 
kann. 55 ) Schwierigkeiten machen nur Ausdrücke wie mähis püti, nasü 
pütu (oben n. 33) sowie die oben p. 214f. namhaft gemachten Stellen, 
in denen put unmittelbar mit dem Verbum verbunden wird, da in all 
diesen Fällen ein pronominaler Zusatz zur Präposition fehlt. D. H. Müller 
erklärt mir jedoch überzeugend diese Erscheinung durch einen Hinweis 
auf das Englische. Man sagt dort für „bürgen, haften, verantwortlich 
sein" to answer for, to Warrant for, wobei for so viel wie for it heißt. 
In ganz derselben Weise sind offenbar auch die babylonischen Rede- 
wendungen put nasü, mähasu pütu zu deuten. 

Damit sind, soweit ich als Nichtphilologe überhaupt urteilen 
kann, die letzten Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und zu- 
gleich auch dem Kriterium genügt, das wir oben p. 216 für die 
Richtigkeit einer Erklärung der bürgschaftsrechtlichen Terminologie 
aufstellten. Die vorstehende Lösung gestattet in der Tat eine einheit- 
liehe, befriedigende Deutung sämtlicher den Verbürgungsakt bezeich- 
nenden Redewendungen. Dem Juristen obliegt daher nur mehr die 
Aufgabe, das Ergebnis philologischer Untersuchung auf seine juristi- 
sche Möglichkeit und Brauchbarkeit hin nachzuprüfen. Die erforder- 
lichen Mittel zur Kontrolle verschafft hier die Rechtsvergleichung. Es 
läßt sich nun in der Tat nachweisen, daß alle Handriten, durch welche 
im neubabylonischen Recht die Verbürgung vollzogen wurde, auch 
in anderen Rechten als Rechtsformen der Verbürgung Verwendung 
finden. 

Das am häufigsten begegnende Bürgenwort ist put nasü, bzw. das 
Permansiv put nasi. bG ) Durch den Gebrauch des Permansivs wird der 
durch die Handerhebung herbeigeführte Zustand betont. Die Vor- 
stellung ist also die, daß der Bürge mit erhobener Hand vor dem 
Gläubiger steht. Die Handerhebung als Form des Treugelöbnisses 
(der Bürgschaft) ist nun auch nachzuweisen in den germanischen 
Rechten des Mittelalters, wie die Glossierung von manulevare mit 
fidejubere, von manulevator mit fidejussor lehrt. 57 ) Im sächsischen 

55) Vgl. oben p. 218 und n. 40. 

56) Viel seltener wird das Präteritum gebraucht. 

57) Vgl. Du Cange, Glossarium mediae latinitatis s. v., Val de Lievre, 



224 Die Hauderhebung. 

Rechtsgebiet bestand, wie v. Ainira 58 ) dargetan hat, der Gestus der 
Handerhebuug, der übrigens hier neben dem üblicheren Handschlag 
zurücktritt, darin, daß der Gelobende unter Einwärtskehrung der 
Handfläche die (rechte) Hand erhob, indem er zugleich den Zeige- 
finger streckte. 59 ) Bildliche Darstellungen eines Yerbürgungsaktes hat 
uns allerdings der Boden Mesopotamiens bisher, soviel ich weiß, nicht 
geschenkt. Wohl aber können wir einige Anhaltspunkte zur näheren 
Bestimmung der Verbürgungsform gewinnen aus der Tatsache, daß die 
Handerhebung auch der Gebetsgestus war. Qäta nasu „die Hand 
erheben" heißt geradezu „beten", nis qdti „die Handerhebung" das 
„Gebet". 60 ) Bildliche Darstellungen der Gebetsstellung sind uns aber 
aus Babylonien erhalten, und zwar wird der Adorant abgebildet, wie 
er beide oder die rechte Hand 61 ) erhebt; der Oberarm ist hierbei leicht 
schräg, der Unterarm steil gestellt, die Hand mit gestreckten, anein- 
ander geschlossenen Fingern bald mit der Seite, bald mit leichter 
Einwärtsdrehung der Gottheit, vor welcher der Adorant steht, zu- 
gewandt. 62 ) Viel verschieden wird auch der Biirgengestus nicht ge- 

Launegild und Wadia p. 256, Puntschart, Mitteilungen d. Iust. f. österr. Ge- 
schichtsforschung 28 p. 367; für das sächsische Recht siehe ferner Puntschart, 
Schuldvertrag und Treugelöbnis p. 357 f., Gierke p. 196. 

58) Die Handgebärden in den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels (Ab- 
handlungen der bayrischen Akademie, phil.-hist. Kl. 23) p. 216 f. 

59) Das Wesentliche hierbei war wohl die Erhebung der Hand. Vgl. 
Puntschart p. 364, Mitt. d. Inst. f. öst. Geschichtsforsch. 28 p. 365f., Gierke 
p. 196. 

60) Delitzsch p. 484 sub 1), 485 a), Muss-Arnolt, p. 732 b), 734 a), 736. 
Die Handerhebung als Gebetsgestus ist übrigens allgemein verbreitet. Vgl. Ps. 
Aristot. de mundo 6 p. 400a 16 (zitiert nach Sittl, Die Gebärden der Griechen 
und Römer p. 187 n. 1): ndvrsg ol äv&QCOTtoi ävarsivo^sv rag ^ffporj slg rbv ov- 
Qccvbv iv%as Ttoiov^svoi. Vgl. ferner Sittl, a. a. 0. p. 174, 186 f., l!S8 f., 29lf., 
305 f., v. Amira, Handgebärden p. 184, 188, Benzinger, hebr. Archäologie 2 p. 387. 

61) Mitunter erklärt sich die Verwendung der rechten Hand allein daraus, 
daß die zweite Hand nicht verfügbar ist, weil sie z. B. von der den Adoranten 
einführenden Gottheit gehalten wird. Vgl. Abb. 92, 95 bei Gr essmann, Alt- 
orientalische Texte und Bilder zum alten Testament II, ferner Abb. 8 — lu bei 
Delaporte, les cylindres orientaux du Musee historique de FOrleanais (Fest- 
schrift für Hilprecht p. 83 f.). Es kann unter solchen Verhältnissen sogar die 
linke Hand den Gebetsgestus vollziehen, vgl. Abb. 95 bei Gressmann, a. a. 0. 

62) Vgl. Abb. 77, 83, 92, 94, 95, 143, 224 bei Gressmann, Abb.lt, 15 bei 
Delaporte, a. a. 0., ferner Gressmann, Abb. 79, 157 (assyrische Darstellungen). 
Auf dem Grenzstein Merodach-baladans II (Berliner Museum, Abb. 10 bei Gress- 
mann) ist der König dargestellt, wie er seinen Günstling Bel-ah§-riba mit 
Grundbesitz belehnt. Der Magnat steht vor dem König mit erhobener Rechten. 
Das ist, wie Gressmann 1. c. richtig bemerkt, wohl der Redegestus, der aber 
hier, wie auch sonst (vgl. v. Amira, Handgebi'inlen p. l«5t. , lss), wohl nur die 
Aufmerksamkeit, bzw. Ergebenheit versinnbildlichen soll. A. M. Puntschart, 
Mitt. d. Inst. f. öst. Geschichtsforsch. 24 p. 660 n. 1. 



Die Handerhebung als Eidesgestus. 225 

wesen sein. 63 ) Insbesondere wird man wohl annehmen dürfen, daß die 
Erhebung wenn nicht beider Hände, so doch der rechten Hand 64 ) 
wesentlich war. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß auch der Eides- 
gestus in Babylonien in der Handerhebung bestand. Wenigstens 
scheint darauf die Schwurpartikel nts, z. B. nis ilim „bei Gott", hin- 
zuweisen. Das Wort, das noch bei Delitzsch, p. 482 und Muss- 
Arno lt, p. 736 an besonderer Stelle verzeichnet wird, ist wohl als 
status constructus von ntsum „Erhebung" ebenso wie in nis qdti 
„Handerhebung" von XTIJ: abzuleiten 05 ) und demnach auf die Hand- 
erhebung zu beziehen. 66 ) Ich würde diese Frage, die nur in einer dem 
babylonischen Eidesrecht ex professo gewidmeten Untersuchung er- 
ledigt werden könnte, hier nicht berühren, wenn nicht einige Spuren 
vorhanden wären, daß der Eid mit der Bürgschaft vikariierend ver- 
wendet wurde. Die Urkunde BE VIIl^ 25 (oben p. 137 f.) enthält zwei- 
fellos ein Bürgenversprechen. Von einem ptU nam des Bürgen ist 



>• 63) Wohl auch in der Fingerstellung. Fingergesten als rechtlich bedeut- 

same Formalakte sind uns m. W. im neubabylonischen Recht nicht bezeugt, wohl 
aber — und auf diesen Punkt möchte ich im Vorbeigehen aufmerksam machen — 
im K. H. bei der Anklage wegen Unzucht und Ehebruch. § 127: sum-ma a-wi- 
-ho>t e-li oitim .... u-ba-nam u-sa-at-ri-is „wenn jemand gegen eine Vestalin .... 
den Finger ausstreckt", § 132: sum-ma as-sa-at a-ivi-lim as-sum zi-ka-ri-im sa- 
-ni-im u-ba-nu-um e-li-sa it-ta-ri-is „wenn bezüglich der Ehefrau jemandes wegen 
•einer anderen Mannsperson der Finger gegen sie ausgestreckt wurde". Es ist 
möglich, daß diese Ausdrucksweise eine bildliche ist. Aber angesichts des Um* 
Standes, daß der Fingerzeig (beiciseri) im deutschen Rechte als Prozeßforma- 
lismus, in erster Linie allerdings beim Zeugenbeweis, dann aber auch im Ver- 
hältnisse der Parteien untereinander vorkommt (vgl. v. Amira, Handgebärden 
p. 203 f., 208, 210), halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß die Ausdrucksweise 
des Gesetzes wörtlich zu nehmen ist und demnach der Fingergestus eine An- 
klageformalität bildete. Vgl. auch D.H.Müller, Die Gesetze Hammurabis p. 116. 

64) Dieser Brauch wirkt bei den Römern und Griechen, bei denen der 
Handritus als rechtlicher Formalakt nicht mehr nachzuweisen ist (vgl. 
Partsch p. 52), noch insofern nach, als die rechte Hand als Symbol der Ver- 
tragstreue gilt und darum der Fides geweiht ist. Vgl. Leist, Altarisches 
ius civile I p. 447f., Sittl, a.a.O. p. 135, Hirzel, Der Eid p. 117 n. 2, 3 und 
•die dort angeführten Quellenbelege. Über die Perser siehe Leist, a. a. p. 57, 
Hirzel, a. a. 0. p 116 n. 5. Die Vorstellung, daß die Hingabe der Hand zu- 
gleich eine Verpfändung der Treue bedeute, scheint allerdings den babylo- 
nischen Rechtsquellen fremd gewesen zu sein. Wenigstens ist sie bisher nicht 
nachzuweisen. 

65) So auch Ungnad, H. G. II, Glossar p. 156 s. v. 

66) Huber, Festschrift für Hilprecht p. 210, erwähnt eine sumerische 
Urkunde aus Nippur, in der ein Eid geleistet wird SU PA-TE-Sl „in die 
Hände des Patesi". Die Handerhebung als Eidesritus ist übrigens weit Ver- 
breitet. Vgl. Sittl, a. a. 0. p. 140f., Siegel, a. a. 0. p. 25, Gierke p. 239, 
Lasch, Der Eid 1908 p. 105 f. Für die Bibel siehe Gen. 14, 22; Exod. 6, 8; 
Psalm. 106, 26; Ezech. 20, 6. . 

KoBchaker: Babylou.-ossyr. liürgschaftsrecht. 15 



226 Handreichung und Handschlag. 

allerdings nicht die Rede. Wohl aber gibt der Bürge sein Versprechen 
unter Eid ab. Ebenso könnte in Dar. 434 (oben p. 181 n. 24) der 
Schuldner anstatt der eidlichen Zusage, die entflohene Pfandsklavin 
innerhalb bestimmter Frist herbeizuführen, ein put äbäku nasü er- 
klären. Diese Erscheinung, der die Gleichheit der Form bei Eid und 
Bürgschaft vortrefflich entspräche, findet sich übrigens auch in den 
deutschen Rechtsquellen. Der promissorische Eid ist hier dem Treu- 
gelübde gleichwertig. 67 ) Allerdings scheint nun, nach der geringen 
Zahl der einschlägigen Urkunden zu schließen, der Versprechenseid in 
der Praxis des neubabylonischen Rechts keine große Rolle gespielt 
zu haben. Um so bedeutsamer war er aber im altbabylonischen Recht 
und eine Darstellung des babylonischen Eidesrechts hätte sich dem- 
nach nicht zum geringsten Teil mit der Frage zu beschäftigen, ob der 
promissorische Eid eine Rechtsform des die persönliche Haftung be- 
gründenden Haftungsgeschäftes war und so in altbabylonischer Zeit 
die Aufgabe der späteren Bürgschaft erfüllte. Ich muß mich indessen, 
da eine solche Untersuchung nicht im Plane dieser Arbeit liegt, be- 
scheiden, auf diese Frage lediglich hinzuweisen. 

Neben ptU nasü, wenngleich viel seltener, charakterisiert das 
Garantiegeschäft der Formalakt des piU nadänu. Darunter ist die 
Handreichung zu verstehen. Sie begegnet als Rechtsform des Treu- 
gelöbnisses im sächsischen Rechtskreis in der Gestalt der Tastgebärde 
und zwar in der Weise, daß die Kontrahenten ihre Hände, die sich 
überschneiden, erheben und mit den Innenflächen aufeinander legen. 68 ) 
Doch handelt es sich hier wohl um eine partikular-rechtliche Sonder- 
bildung. 69 ) Die regelmäßige Form der Handreichung in den germani- 
schen Rechten ist vielmehr die Greifgebärde, wobei die Hand des Ge- 
lobenden von der des Gelöbnisempfängers umschlossen wird. 70 ) Sie ist, 
wie die Termini poln. rqkojemstivo, cech. rulcojme, serbokroatisch jemac, 
jemstvo beweisen, auch den slavischen Rechten bekannt gewesen. 71 ) 

Der dritte den Verbürgungsakt kennzeichnende Terminus put ma- 
häsu bezieht sich selbstverständlich auf den Handschlag. Mähis puH 



67) Vgl. Siegel, a. a. 0. passim, Gierke p.237f. 

68) v. Amira, HaDdgebärden p. 239 f. 

69) Puntschart, Mitteil. d. Inst. f. österr. Geschichtsforsch. 28 p. 370,. 
Gierke p. 196 n. 17. 

70) Puntschart I.e., Schuldvertrag und Treugelöbnis p. 351 f., 355, 363, 
Gierke p. 195, v. Amira, I p. 290f., II p. 305f. Vgl. ferner manucapere = 
„Bürgschaft leisten" bei Du Cange s. v. 

71) In der Bibel findet sich „die Hand geben" ("P * ( ri3) nach freundlicher Mit- 
teilung I). H. Müllers in Esra 10, 19: „sie (die Nachkommen der Priester, welche 



Rechtliche Bedeutung des Handgestus. 227 

ist „der (Hand)schläger für (etwas)" und es genügt hierbei an den 
isländischen Itandsalsmadr 1 '-), sowie an den „Schläger" in Prov. 11, 15 
zu erinnern. Im einzelnen mag man sich den Handgestus als Tast- 
gebärde: der Garant schlägt mit der flachen Hand auf die Hand des 
Gläubigers 73 ), oder als Greifgebärde vorstellen in der Weise, daß der 
Bürge mit schallendem Streiche in die Hand des Gläubigers schlägt. 74 ) 
Es darf nun heute als gesichertes Ergebnis der germanistischen 
Forschung betrachtet werden, daß das Handsymbol des Verbürgungs- 
aktes im engsten Zusammenhange mit der rechtlichen Struktur der 
Bürgschaft steht. Wie bei der Sachhaftung auf das Besitzpfand das 
besitzlose Pfand folgte, so ist im Gebiete der persönlichen (leiblichen) 
Haftung die Bürgschaft hervorgegangen aus der Vergeiselung. Wenn 
diese dem Faustpfand entsprechend den Geisel der körperlichen Gewalt 
des Gläubigers sofort überantwortete, so war die Bürgschaft eine 
ideelle Vergeiselung, welche die persönliche Freiheit des Bürgen zu- 
nächst unangetastet ließ. Eine Zugriffsmacht des Gläubigers auf die 
Person des Bürgen ergab sich erst beim Eintreten des Bürgschafts- 
falles. Die Bürgschaft war also ein Haftungsgeschäft, welches eine 
persönliche Einständerschaft des Bürgen, d. h. Haftung mit seiner Per- 
son begründete. 75 ) Als solches bewirkte sie aber immer eine Än- 
derung des personen rechtlichen Zustandes, die in irgend welcher Weise 
den Rechtsgenossen kundgetan werden mußte. Dies geschah durch 
einen Formalakt, dessen wesentlichster Bestandteil das Handsymbol 



fremde Weiber heimgeführt hatten) gaben ihre Hand darauf, daß sie ihre Weiber 
fortschaffen und einen Widder als Buße für ihre Schuld entrichten wollten". Man 
wird hier wohl eher an ein Gelöbnis (Selbstbürgschaft), als an den Eid zu 
denken haben. 

72) Vgl. oben § 2 p. 16 und n. 8. 

73) In dieser Form läßt sich der Handschlag bei den Südslaven nach- 
weisen. (Mitteilung Murkos, der auf Bogisic, a. a. 0. p. 323, 450 verweist.) 

74) Vgl. Puntschart p. 354f., v. Amira 1 p. 290f., II p. 306f. 

75) Vgl. zu dem im Texte Ausgeführten Puntschart p. 143f., 419f., 489f., 
Gierke p. 56f., 127f., M. Rintelen, Schuldhaft und Einlager p. 132f. Für das 
griechische Recht siehe Part seh p. 39 f. Dasselbe gilt wohl auch für das Recht 
der Bibel. Der in den Sprüchen oft wiederkehrenden Warnung vor der Bürg- 
schaft (vgl Prov. 6, 1; 11, 15; 17, 18; 22, 26) liegt wohl derselbe Gedanke zu- 
grunde wie dem deutschen Rechtssprich worte „den Bürgen soll man würgen". 
Direkt spricht dies Prov. 6, lf. aus: ,,Mein Sohn, bist du Bürge geworden für 
deinen Nächsten .... bist du verstrickt durch die Reden deines 
Mundes, hast dich fangen lassen mit den Reden deines Mundes: so 
thue doch dieses, mein Sohn, daß du dich errettest — denn du bist in die 
Gewalt deines Nächsten geraten — .... errette dich wie eine Ga- 
zelle aus seiner Gewalt, wie ein Vogel aus der Gewalt des Vogel- 
stellers. 

15* 



228 Bürgschaft und Geiselschaft. 

war. Die Hand gilt als Repräsentant der Person. 76 ) Der Bürge also, 
der den Handritus gegenüber dem Gläubiger vollzieht, symbolisiert 
damit die Unterwerfung seiner Person unter die eventuelle Zugriffs- 
niackt des Gläubigers. 77 ) 

Diese Ergebnisse der germanistischen Forschung auf das babylo- 
nische Recht zu übertragen und demnach auch hier den Handritus 
des Bürgen als Zeichen seiner eventuellen Unterwerfung unter die 
Gewalt des Gläubigers zu deuten, unterliegt um so weniger einem 
Bedenken als ja die bisherige Darstellung die weitgehende Verwandt- 
schaft des babylonischen und germanischen Bürgschaftsinstitutes er- 
geben hat. Daß die Geiselschaft, soviel ich sehe, in den babyloni- 
schen Privatrechtsquellen 78 ) nicht nachzuweisen ist, bildet m. E. keinen 
Grund zum Zweifel. Sie ist offenbar im Privatrecht schon völlig ver- 
schwunden. Daß sie aber hier einmal bestanden hat, ist angesichts 
der Ergebnisse der Rechtsvergleichung überaus wahrscheinlich. Wohl 
aber bietet einige Schwierigkeiten folgender Punkt. 

Die Geiselschaft ist nur Haftung, ein Zustand rechtlicher Bestim- 
mung des Haftungsobjektes im Haftungsfalle dem Gläubiger zwar 
nicht Erfüllung, wohl aber Satisfaktion für die mangelnde Erfüllung 
zu verschaffen. Der Geisel ist lediglich Haftungsobjekt. Er hat nichts 
zu wollen, sondern ist nur dazu da, dem Gläubiger im Haftimgsfalle 
unwiderruflich zu freier Verfügung zu verfallen. Dem gegenüber scheint 
aber die Bürgschaft doch Elemente zu enthalten, die einen Willensakt 
des Bürgen voraussetzen und daher in das Gebiet der Schuld und nicht 
der Haftung gehören. Zwar darf man sich hierbei nicht auf das per- 
sönliche Erfüllungsversprechen des Bürgen berufen, da dieses, wie oben 
§ 8 p. 71 f. zu zeigen versucht wurde, jüngeren Datums ist und also 
nichts für die älteste Gestalt der Bürgschaft, auf die es hier allein au- 



76) Vgl. oben § 2 p. 16 f. und die n. 13 ebenda Zitierten. 

77) Speziell die Handerhebung ist überhaupt Symbol der Unterwerfung und 
dient daher auch als Zeichen der völkerrechtlichen Dedition. Vgl. Brunner, 
Deutsche Rechtsgeschichte II p. 270, Puntschart p. 497, Sittl, a. a. 0. p. 147f. 
In diesem Sinne wird sie auch in den assyrisch-babylonischen Kuustdenkmälern 
verwendet. Vgl. z.B. Abb. 9, 11, 270 bei Gressmann, a.a.O. Lasch, Der 
Eid p. 9 meint, daß die Handerhebung ursprünglich „jene einfachste instinktive 
Bewegung war, mit welcher der Mensch seit jeher seine friedlichen Absichten 
kundgab und deren Abkunft von einer unwillkürlichen Abwehrbewegung wohl 
keinem Zweifel unterliegt". Richtiger ist es vielleicht, den ältesten Zweck der 
Handerhebung in der Kundtuung der Waffenlosigkeit zu erblicken. 

78) Im völkerrecbtlicbcn Verkehr begegnet bingcgen noch der litn „Geisel" 
und die litüiu „Geiselschaft", und zwar gewöhnlich als Objekt zu §abätu „Geisel 
nehmen", bzw. in der Verbindung aiui lituti fäbätu „zur Geiselschaft nehmen". 
Belege bei Delitzsch p. 376, .Muss-Arnolt p. 479. 



Haftungsversprechen. 229 

kommt, beweist. Ebensowenig möchte ich entgegen v. vVniira 79 ) Gewicht 
darauf legen, daß der Bürge vielleicht ursprünglich im Haftungsfalle 
seine Selbstauslieferung an den Gläubiger versprach. Ein solches Ver- 
sprechen ist zwar für den Begriff der leiblichen Haftung nicht un- 
bedingt erforderlich, da ihr Zweck ebenso erreicht wird, wenn der 
Gläubiger sich der Person des Bürgen bemächtigt, als wenn der Bürge 
selbst sich dem Gläubiger ausliefert, und Urkunden wie BE XIV 127 
(oben p. 72) beweisen, daß es in der Tat in der Bürgenobligation 
nicht enthalten sein mußte. Immerhin ist aber seine Existenz aus den 
oben § 8 p. 73 f. dargelegten inneren Gründen sowie angesichts des 
harräna ana sepi sakänu des Selbstbürgen 80 ) sehr wahrscheinlich Es 
handelt sich bei diesem Versprechen nicht um ein Schuld-, sondern 
um ein Haftungsversprechen, das nicht um seiner selbst willen be- 
steht, sondern wegen irgend eines Erfolges abgegeben wird, gegen 
dessen Eintreten oder Nichteintreten es den Gläubiger sichern soll. 81 ) 
Wenn v. Amira dagegen einwendet, ein solches Versprechen, voraus- 
gesetzt daß es überhaupt vorkam, sei eben eine andere Schuld, aber 
doch Schuld, so ist darauf zu erwidern, daß die Realisierung dieses 
Versprechens unmittelbar der Haftung diente 82 ) und es darum als 
Schuld, deren Erfüllung die Haftung gerade ausschließt, nicht empfunden 
wurde. Wenn der Gläubiger im Haftungsfalle den Bürgen auch gegen 
dessen Willen ergreifen konnte, der Bürge den Zugriff des Gläubigers 
dulden mußte, sein Widerstand rechtswidrig war, so konnte man m. E. 
kaum die Vorstellung von einer juristisch völlig verschiedenen Sach- 
lage haben, wenn der Bürge der Exekution des Gläubigers entgegen- 
kommend auf Grund seines Auslieferungsversprechens dem Gläubiger 
sich selbst als Vollstreckungsobjekt darbot. Wenn v. Amira be- 
merkt, daß der Gläubiger, welcher durch Selbstauslieferung des Schuld- 
ners Satisfaktion erhalte, sie auf dem Wege der Schulderfüllung, nicht 
aber auf dem der Gewaltausübung bekomme, so ist diese Unterschei- 
dung logisch gewiß richtig, aber m. E. für das juristische Denk- 
vermögen eines wenig entwickelten Rechts zu subtil. Hätte man in 
der Tat das Selbstauslieferungsversprechen des Bürgen als Schuld 
empfunden, so wäre wiederum eine Verbürgung dafür notwendig ge- 
wesen. Von einer solchen ist aber keine Spur zu entdecken. Das 
Versprechen sich selbst auszuliefern ist eben die Bürgschaft selbst 
und darum kein Schuldversprechen. Dieser Gedanke wirkt ja noch 

79) Zeitschr. der Savigny-Stiftung, germ. Abt. 31 p. 497 f. 

80) Vgl. oben § 14 p. Ulf. 81) Vgl. auch Gierke p. 149 
82) Vgl. auch Puntschart p. 176f. 



230 Bürgschaft und Geiselschaft. 

beim persönlichen Erfüllungsversprechen nach. Hier ist gewiß ein 
Leistensollen und insofern auch eine Schuld vorhanden und der Bürge, 
der sie nicht erfüllt, verfällt wenigstens ursprünglich mit seiner Person 
dem Gläubiger. 83 ) Aber ebenso gewiß liegt diesem Sachverhalt nicht 
die Vorstellung zugrunde, daß der Garant etwa als Selbstbürge für 
das Erfüllungsversprechen hafte. Er haftet vielmehr für den Schuldner 
und zwar in der Weise, daß er im Haftungsfalle selbst erfüllen muß. 
Die Haftung selbst besteht in dem Erfüllungs versprechen, und darum 
bedarf dieses zu seiner Erzwingbarkeit keines besonderen Haftungs- 
geschäftes mehr. 84 ) 

Anders aber liegt die Sache bei dem Versprechen des Gestellungs- 
bürgen, den Schuldner herbeizuführen und dem Gläubiger zu über- 
geben. Allerdings handelt es sich auch hier um ein akzessorisches, 
d. h. der Haftung dienendes Versprechen, das um der Schuld willen 
geleistet und daher mit der Schuld selbst gegenstandslos wird. 85 ) 
Allein seine Erfüllung realisiert nicht wie die des Selbstauslieferungs- 
versprechens des Bürgen die Haftung, sondern schließt sie aus, wie 
umgekehrt seine Nichterfüllung die Haftung, d. h. die persönliche Er- 
füllungsverpflichtung, bzw. ursprünglich die Verpflichtung des Bürgen, 
sich dem Gläubiger zur Verfügung zu stellen, erst auslöst. Insofern 
steckt in diesem Versprechen zweifellos ein schuldrechtliches Element. 
Dann aber scheint zwischen Geiselschaft und Bürgschaft ein unüber- 
brückbarer Gegensatz zu bestehen. Der Geisel ist nur Haftungs- 
objekt, der Bürge aber Subjekt einer Schuldverpflichtung. Die Ab- 
leitung der Bürgschaft aus der Geiselschaft scheint damit für das 
babylonische Recht ausgeschlossen. 

Bei näherem Zusehen erweist sich aber dieser Widerspruch 
nicht als unauflösbar. Neben der Gestellungsbürgschaft kennt das 
neubabylonische Recht noch die Stillesitzbürgschaft und sie ist es, 
welche m. E. die Entwicklungskette von der Geiselschaft zur Bürg- 
schaft schließt. Bei der Stillesitzbürgschaft erklärt der Bürge ledig- 
lich, daß der Schuldner zur Erfüllungszeit am Erfüllungsorte an- 
wesend sein und dem Gläubiger als Exekutionsobjekt zur Verfügung 
stehen werde. Eine Verpflichtung zu positivem Handeln trifft den 
Bürgen hier nicht, er schuldet nicht, sondern steht lediglich für 



83) Vgl. oben § 8 p. 82 f. 

84) Vgl. auch oben § 15 p. 154f. Daß das Erfiillungsversprechen vielleicht 
den Gegenstand einer Vereinbarung der solidarischen Haftung bilden konnte 
(vgl. oben § 10), beweist nichts dagegen. 

85) Vgl. auch oben § 10 p. 99. 



Stillesitz- und Gestellungsbürgschaft. 231 

einen bestimmten Erfolg, die Exekutionsbereitschaft des Schuldners, 
ein. Allein die Herbeiführung dieses Erfolges liegt in der rechtlichen 
Macht des Bürgen. Er hat, wie wir oben 86 ) darzulegen versuchten, 
die Befugnis, den Schuldner am Erfüllungsorte zwangsweise fest- 
zuhalten. An diesem Punkte hat nun m. E. die weitere Entwicklung 
eingesetzt. Weil eben der garantierte Erfolg ein für den 
Bürgen realisierbarer war, konnte man zur Vorstellung ge- 
langen und ist auch gelangt, daß der Bürge zu seiner Her- 
beiführung dem Gläubiger verpflichtet sei, daß er den Er- 
folg schulde. Die Gestellungsbürgschaft ist also m. E. die jüngere 
Bildung und aus der Stillesitzbürgschaft hervorgegangen. 87 ) Zur vollen 
Entfaltung kam indessen der Gedanke der Schuld hier nicht. Dazu 
wäre erforderlich gewesen, daß man in der Gestellungsverpflichtung 
die verbürgte Schuld erblickt hätte, für welche dann der Garant als 
Selbstbürge gehaftet hätte. Eine solche Auffassung ist aber den 
Quellen fremd geblieben. Es ergibt sich dies zwingend daraus, daß 
die Urkunden die nur für die Stillesitzbürgschaft passende Bezeich- 
nungsweise put sepi nasii „für den Fuß (des Schuldners) bürgen" auch 
bei der Gestellungsbürgschaft anwenden. 88 ) Niemals aber wird vom 
Gestellungsbürgen ein put abälxU nasü „für das Herbeiführen (des 
Schuldners) bürgen" ausgesagt, was der Fall sein müßte, wenn man 
seine Verpflichtung sich juristisch als selbständige Schuld gedacht 
hätte. Der Entstehung einer solchen Auffassung mußte sich dann 
auch die Aufnahme der Zahlungsgarantie in die Bürgen Obligation 
hemmend in den Weg stellen. Die Zahlungsgarantie ist immer nur 
als reine Haftung gedacht worden. Zwar entsprach ihr wohl im Ver- 
hältnis zwischen Bürgen und Schuldner die Befugnis des ersteren im 
Wege der Vermögensexekution die Schuld vom Schuldner einzu- 
treiben. 89 ) Allein die Realisierbarkeit des verbürgten Erfolgs war 
hier angesichts der Eventualität, daß der Schuldner vermögenslos 



86) § 6 p. 51 f. 

87) Vgl. auch Gierke p. 106. In dem im Text Ausgeführten liegt auch 
die stärkste Stütze für den oben § 15 n. 58 entwickelten Gedanken. 

88) Die Nachweisungen oben § 6 p. 55. Darin liegt auch ein weiteres 
Argument gegen die oben bekämpfte Anschauung v. Amiras. Wenn die Quellen 
in der Terminologie zwischen der Stillesitzbürgschaft, bei welcher der Gläubiger 
sich den Schuldner holen muß, und der Verpflichtung des Gestellungsbürgen, 
den Schuldner dem Gläubiger auszuliefern, nicht unterscheiden, so ist es kaum 
wahrscheinlich , daß dem juristischen Empfinden einer noch älteren Zeit die 
Satisfaktion des Gläubigers durch Gewaltausübung einerseits und durch Selbst- 
auslieferung des Bürgen andrerseits als wesentlich verschieden erschien. 

89) Vgl. oben § 8 p. 70. 



232 Bürgen mit „Hand und Mund". 

war 7 keine so große, daß sich hätte die Auffassung entwickeln können, 
der Bürge sei zur Beitreibung der Schuld dem Gläubiger gegenüber 
verpflichtet. Wenn die Bürgschaft schließlich Schuld geworden ist, so 
ist dies geschehen auf Grund des persönlichen Erfüllungsversprechens 90 ),, 
nicht aber aus der Beschaffenheit des verbürgten Erfolgs heraus. 

Damit sind, wie ich glaube, alle Schwierigkeiten gelöst. Die 
Bürgschaft ist, da das Versprechen des Bürgen, sich im Haftungsfalle 
dem Gläubiger zur Verfügung zu stellen, als Schuld nicht in Betracht 
kommt, in ihrer ältesten Gestalt ebenso wie die Geiselschaft nicht 
Schuld, sondern nur Haftung. Der Unterschied zwischen beiden Haf- 
tungsformen besteht lediglich darin, daß der Geisel seiner Freiheit 
schon bei der Haftungsbegründung verlustig geht, während die Person 
des Bürgen erst im Haftuugsfalle dem Angriff des Gläubigers aus- 
gesetzt ist. Auf diese Weise ist auch eine Formel gewonnen, unter 
welche alle in den Quellen begegnenden Bürgschaftsfälle, die akzesso- 
rische Bürgschaft wie die Erfolgshaftungen, gestellt werden können. 
Der einheitlichen Terminologie entspricht so eine einheitliche juristi- 
sche Struktur des Bürgschaftsinstitutes. 

§21. 

Die im vorigen Abschnitte gewonnene Erkenntnis, daß die Bürg- 
schaft ursprünglich ein durch den Handritus charakterisiertes Formal- 
geschäft war, ist für die Beurteilung des Formalismus des Bürgen- 
geschäftes noch nicht erschöpfend. Die deutschen Rechtsquellen 
lehren, daß das Treugelöbnis geleistet wurde „mit Hand und Mund", 
d. h. die Handgebärde bedurfte noch der sie begleitenden Rede des 
Gelobenden, durch die sie erst individualisiert wurde. 1 ) Es ist nun 
auch für das babylonische Recht kaum wahrscheinlich, daß die stumme 
Handgebärde des Bürgen zu seiner Verp flichtung genügt haben sollte,, 
vielmehr werden wir auch hier anzunehmen haben, daß der Hand- 
ritus erst durch das begleitende Wort seine Bestimmung empfing, und 
wir werden kaum fehlgehen, wenn wir vermuten, daß die Rede des 
Bürgen sich inhaltlich nicht zu weit von dem entfernte, was uns in 
den Urkunden als Inhalt der Bürgenobligation überliefert ist. Den 
Beweis der Bürgenverpfiichtung mochte sich der Gläubiger durch 
Zuziehung von Zeugen sichern. 

Allerdings ist dies ein Rechtszustand, der mehr vorausgesetzt 



90) Vgl. oben § 8 p. 77 f. 
1) Vgl. Puntschart p. 365f., Gierke p. 196t'. 



Die Bürgschaftsurkunde. 233 

werden muß, als er bewiesen werden kann. Es ist mir wenigstens 
kein Quellenzeugnis bekannt, in dem direkt von einer Verbürgung 
durch das gesprochene Wort und Handgestus berichtet würde. 2 ) Alles 
was wir von der Bürgschaft wissen, erfahren wir vielmehr aus Bürg- 
scha ft su r künden. Das Urkundswesen ist ja in Babylonien uralt 
und wenn auch durch das Eindringen neuer, weniger kultivierter 
Völker Rückschläge in der Rechtsentwicklung herbeigeführt worden 
sein mögen, denenzufolge die entwicklungsgeschichtlich einer früheren 
Epoche angehörige mündliche Abschließung von Rechtsgeschäften in 
den Vordergrund trat, so muß doch die Beurkundung — und dies 
lehren die Funde auf das eindringlichste — bald wieder Boden ge- 
wonnen haben. Dann aber entsteht die Frage, ob der Brauch, die 

O / 7 

Rechtsgeschäfte zu beurkunden, nicht den ursprünglichen Geschäfts- 
formalismus der Bürgschaft, der in dem den Handgestus begleitenden 

O 7 O o 

Wort bestand, beeinflußt hat. Eine abschließende Antwort auf diese 
Frage wäre allerdings nur möglich auf Grund einer eingehenden Unter- 
suchung des gesamten babylonisch-assyrischen Urkundswesens, welche 
die der vorliegenden Arbeit gesteckten Grenzen weit überschritte. Unter 
diesem Vorbehalte lassen sich indessen schon jetzt einige Gesichts- 
punkte aufstellen. 

Als Minimum wird man wohl das eine behaupten dürfen, daß die 
über den mit Hand und Mund vollzogenen Verbürgungsakt aufgesetzte 
Urkunde zunächst Beweisurkunde war. Dafür spricht entscheidend 
der Umstand, daß die babylonisch-assyrische Rechtsurkunde den von 
Haus aus nur der Beweisurkunde angepaßten Typus des objektiv 
stilisierten, lediglich referierenden Zeugenprotokolls immer bewahrt 
hat. 3 ) Darüber hinaus muß allerdings die Frage gestellt werden, ob 
später die Urkunde nicht dispositiv geworden ist. Zwar wird man 
dies nicht in dem Sinne bejahen dürfen, daß die Rechtsordnung selbst 
für die Verbürgung die Schriftlichkeit gefordert habe. Dazu fehlt 
jeder Anhaltspunkt. Denn die zahlreichen Bürgschaftsurkunden be- 
zeugen uns wohl einwandfrei, daß der Brauch die Verbürgung zu 
beurkunden ein allgemein verbreiteter war, keineswegs aber gestattet 
diese Tatsache die Schlußfolgerung, daß das objektive Recht die 
Schriftlichkeit zu einem Formerfordernis der Bürgschaft gemacht 

2) Selbst in denjenigen Urkunden, die den Bürgen als redend einführen 
(vgl. z. B. BE IX 57, X 10, XIV 2 und oben § 7 p. 58 f.), bezieht sich die münd- 
liche Erklärung des Bürgen nur auf das Bürgenwort püt nasu, während das 
eigentliche Bürgenversprechen nicht in direkter Rede, sondern im objektiven 
Referat beurkundet wird. 

3) Vgl. auch Cuq, nouv. rev. hist. 33 p. 413. 



234 Zersetzung der ursprünglichen Bürgschaftsform. 

habe. 4 ) Hingegen müssen wir allerdings mit der Möglichkeit rechnen, 
daß die Schriftlichkeit gewillkürte Form war, indem die Parteien 
die Perfizierung des Vertrages von dessen Beurkundung abhängig 
machten. 5 ) 

Wie dem jedoch sei, jedenfalls konnte die zunehmende Verbrei- 
tung des Beurkundungsbrauches den ursprünglichen Bürgschaftsforma- 
lismus auf die Dauer nicht unberührt lassen. Zunächst wäre es 
denkbar, daß man das Hauptgewicht auf die Beurkundung legte und 
sich mit dieser, wenn sie von einer Verbürgung mit Hand und Mund 
berichtete, begnügte, wenngleich diese Akte in der Tat gar nicht vor- 
genommen worden waren. Von hier aus konnte sich die Bürgschaft 
zum Literalkontrakt entwickeln. Es ist aber noch eine zweite Ent- 
wicklungsmöglichkeit zu beachten, die von einem anderen Ausgangs- 
punkte gleichfalls zu einer Zersetzung des ursprünglichen Formalaktes 
führen mußte. Je mehr nämlich bei der Bürgschaft das persönliche 
Erfüllungsversprechen und die sich daran schließende Vermögens- 
haftung in den Vordergrund traten, je mehr man in jenem das Wesen 
des Bürgenversprechens erblickte, desto mehr mußte das Verständnis 
für die Bedeutung der in dem Handritus bestehenden Verbürgungsform, 
die ja nur der Begründung der leiblichen Haftung angepaßt war, 
schwinden. Die Sitte, die Verbürgung zu beurkunden, konnte diesen 
Prozeß nur beschleunigen, und wenn z. B. der heutige Ceche bei den 
Worten ruciti, ruceni, gewiß nicht mehr daran denkt, daß sie von 
Haus aus einen Handgestus bezeichnen 6 ), so scheint mir die nämliche 
Entwicklung für die babylonische Rechtssprache ebenso möglich und 
sogar wahrscheinlich. Ich halte es zumindest nicht für zweifellos, 
daß dem Babylonier der Zeit, aus welcher unsere Texte stammen, bei 
den Worten put nasü usw. noch die Vorstellung der Handerhebung 
lebendig war. Gegen diese Annahme scheint mir vor allem die Bürg- 
schaftsterminologie selbst zu sprechen. Wir haben oben 7 ) die Aus- 
drücke put nasu, naddnu, niahäsu als Bezeichnungen der Hand- 
erhebung usw. daraus erklärt, daß das zum Verbum als Objekt zu 
postulierende qätu als selbstverständlich weggelassen wurde. Das 
Streben nach Breviloquenz allein vermag indessen m. E. diese Termino- 
logie noch nicht genügend zu rechtfertigen. Denn wir müßten dann 



4) Anders lag die Sache wohl bei der u-il-tim. Vgl. oben § 13 p. 131f. 

5) Vgl. auch Rabel, Zeitschr. der Savigny-Stiftung, rom. Abt. 28 p. .'537. 

6) Das Gleiche galt ja in geschichtlicher Zeit auch für das tyyvaa&ai des 
griechischen Bürgen. 

7) § 20 p. 222 f. 



Zersetzung der ursprünglichen Bürgsckaftsforin. 235 

angesichts des immerhin ganz ansehnlichen Materials doch erwarten, 
daß uns hier und da doch der vollständige Ausdruck begegnet. Dies 
ist aber nirgends der Fall. Vielmehr werden die den Verbürgungsakt 
bezeichnenden Verba nasft, nadanii, mahäsu durchwegs als Intransitiva 
gebraucht und darin scheint mir ein gewichtiges Argument dafür zu 
liegen, daß das Sprachgefühl qätu als Objekt gar nicht mehr empfand, 
weil eben mit den betreffenden Ausdrücken die Vorstellung des Hand- 
gestus nicht mehr verbunden wurde.*) Das Bürgenwort nastl wurde 
auf diese Weise zu einer Bezeichnung des Bürgenversprechens. 

Ist man geneigt, eine derartige Entwicklung als wahrscheinlich 
anzuerkennen, so erscheinen uns die überlieferten Bürgschaftsurkunden 
wieder in anderem Lichte. Mit der ständigen Phrase, daß eine be- 
stimmte Person put .... nasi, wird nun nicht mehr beurkundet, daß 
der Akt der Handerhebung seitens dieser Person stattgefunden habe, 
sondern nur, daß sie ein Bürgschaftsversprechen geleistet habe. Hier 
entsteht nun abermals die Frage nach, der Bedeutung der Urkunde. 
Es kann sein, daß sie dispositiv in dem oben angegebenen Sinne war, 
ebenso möglich wäre es aber auch, daß sie nur Beweiszwecken diente. 
Letzterenfalls muß natürlich der mündliche Abschluß des Bürgschafts- 
geschäftes angenommen werden. Dann kann man aber weiter fragen, 
ob die Bürgschaft als Konsensualvertrag behandelt wurde, oder ob 
etwa der Bürge des verbum sollemne put .... nasü 9 ) oder ein gleich- 
wertiges Wort 10 ) gebrauchen mußte, um verpflichtet zu werden. Man 
könnte sich für die zweite Annahme auf den technischen Gebrauch 
des Verbums nasü in den Urkunden berufen. Doch wäre dieses Ar- 
gument ganz unsicher. Es ist vielmehr sehr wohl möglich, daß die 
Phrase A put .... nasi den Verbürgungsakt in seiner Totalität be- 
zeichnete. Dann entfällt natürlich jeder Schluß auf hierbei gebrauchte 
verba sollemnia. 11 ) 

8) Kein Gegenargument enthält selbstverständlich die Phrase ina qat nasü 
,,in die Hand jemandes bürgen"; vgl. oben § 20 p. 219 und n. 41. Sie beweist 
allerdings, daß früher einmal nasü die Handgeste bezeichnete, nicht aber, daß 
man gegenwärtig noch diese Vorstellung damit verknüpfte , ebensowenig wie sie 
heute etwa der Redensart ,,ein Gelöbnis in die Hand jemandes leisten" zu- 
grunde liegt. 

9) Wie dies in BE IX 57 6 , X 10 5 (oben § 7 p. 58 f.) der Fall ist. Hier spricht 
der Bürge pussu las „ich will für ihn (den Schuldner) bürgen". 

10) Vgl. ana halaqi pütni niUmid „für die Flucht stehen wir für einander 
ein", welche Erklärung in BE XIV 2 15 (oben § 7 p. 62 f.) den Bürgen in den Mund 
gelegt wird. 

11) Ich möchte hier abermals auf BV 12 (oben p. 183 n. 31) hinweisen. Die 
Eviktionsgaranten versprechen der Käuferin bezüglich des beispruchsberechtigten 
Sohnes der Verkäuferin Z. lOf. ib-ba-lcu-nim-ma ina u-il-tim (11) sa K a-na (12) 



236 Zersetzung der ursprünglichen Bürgschaftsform. 

Über Vermutungen kommt man indessen nicht hinaus, und es ist 
daher zwecklos, länger bei diesem Punkte zu verweilen. Die Be- 
schaffenheit unseres Quellenmaterials bringt es mit sich, daß wir wohl 
Entwicklungsmöglichkeiten erkennen und die Aufeinanderfolge der 
einzelnen Entwicklungsstadien bestimmen können. Hingegen fehlt 
jede Handhabe zu einer absoluten Fixierung. 



amiiu mii-Jcin-nu-tu u-se-es-se-bu. (13)ki-i la i-tab-lu Imanu 12 siqil kaspi u lkur 
SE-BAR inamdin din „sie werden ihn herbeiführen und dann in dem Kaufverträge 
(11) der K(äuferin) zur (12) Zeugenschaft anwesend sein lassen. (13) Wenn sie 
ihn nicht herbeiführen, werden sie 1 Mine 12 Sekel Silber und 1 Kur Getreide 
geben". Das ist inhaltlich gewiß ein Bürgschaftsversprechen, nämlich eine 
Garantie für die Zustimmung des Sohnes zum Kaufvertrage der Mutter. Ein 
put . ■ . nasü wird jedoch von den Bürgen nicht ausgesagt. 



Dritter Teil. 

Die assyrischen Eechtsurkunden. 

§22. 

Die Chronologie hätte es erfordert, die dem 8. und 7. vorchrist- 
lichen Jahrhundert an gehörigen assyrischen Rechtsurkunden 1 ) unmittel- 
bar nach den altbabylonischen Texten zu behandeln. Wenn ich gleich- 
wohl von dieser durch das zeitliche Verhältnis der Quellen indizierten 
Anordnung abgewichen bin und die assyrischen Urkunden in den letzten 
Abschnitt stelle, so liegt der Grund darin, daß angesichts der quan- 
titativ wie qualitativ geringen Ausbeute, welche sie für das Bürg- 
schaftsproblem ergeben, die vorhergehende Erörterung der Grundsätze 
des neubabylonischen Bürgschaftsrechts vielfach erst die richtigen 
Gesichtspunkte für die Würdigung der assyrischen Bürgschaft gewinnen 
läßt und so auch die Darstellung erleichtert. Hierzu kommt noch, 
daß der der assyriologischen Fachbildung entbehrende Jurist hier ein 
philologisch erst wenig bearbeitetes Gebiet betritt. In der Tat be- 
reiten die assyrischen Rechtsurkunden dem philologischen Verständ- 
nisse bedeutende Schwierigkeiten, und der Jurist muß es daher um so 
schmerzlicher empfinden, daß die einzige umfassendere Bearbeitung 
dieser Texte, das unten angegebene ausgezeichnete Werk von Johns, 
in dessen drittem Bande der Verfasser die einzelnen Urkunden in 
R,egestenform behandelt, bis heute noch nicht abgeschlossen vorliegt. 

Unter solchen Verhältnissen muß nicht nur von vornherein auf 
Vollständigkeit des Materials verzichtet werden, sondern seine Be- 
schaffenheit bedingt auch, daß der Fehlerkoeffizient, mit dem Arbeiten, 
wir die vorliegende, immer rechnen müssen, hier noch ein größerer 



1) Einige von ihnen waren schon von Oppert und Menant in den Docu- 
ments juridiques de l'Assyrie et de la Chaldee, ferner von Oppert im Corpus 
inscriptionum Semiticarum, sowie von Peiser im 4. Bande der koilinschrift- 
lichen Bibliothek publiziert worden. Eine zusammenfassende Publikation bietet 
Johns, Assyrian deeds and documents I — III, Cambridge 1898 — 1901. Hierzu 
kommen noch einige Berliner Texte, die unlängst Schiffer im ersten Beiheft 
zur OLZ veröffentlicht hat. 



238 



ADD 113, 126. 



sein wird als in den anderen Partien. Die Ergebnisse unserer Unter- 
suchung können daher nur mehr oder weniger provisorische sein. 
Selbstverständlich erscheint endlich unter den obwaltenden Verhält- 
nissen auch eine systematisch-dogmatische Darstellung des assyrischen 
Bürsrschaftsrechts ausgeschlossen. Wir müssen uns vielmehr auf die 
Erläuterung der einzelnen in Frage kommenden Urkunden beschränken. 
I. Wenn in den neubabylonischen Quellen die sedes materiae für 
die Verbürgung der Verpflichtungsschein ist, so begegnet uns in den 
assyrischen Texten die Bürgschaft am häufigsten in den Darlehens- 
urkunden und zwar in der Form, daß die Bürgeneigenschaft einer be- 
stimmten Person kurz vermerkt wird. Ich gebe folgende Beispieler 

a) ADD 113 (680 a. Chr.) la ) 
10 manu Jcaspi 120 imcr SE-PAT- 1 10 Minen Silber, 120 Homer Ge- 

-[MES-) treide 2 ) 

a-du ru-bi-su 3 ) sa m Si-Um-Asur samt seinen Zinsen 3 ), gehörig Silim- 

-Asur, 
i]m Besitze des Handasäni, 
i]m Besitze des Marduk-sum-usur. 
We]nn sie im Ulülu geben, (ist es s 

in Ordnung). 
Wenn sie nicht geben, 
wird es (das Kapital) um 

anwachsen. 
Bel-e]res (ist) Bürge. 



inja päni m Ha-an-da-sa-ni, 
inja päni mi,u Marduk-sum-usur. 
5 sujm-ma ina ar ~' Ulülu i-du-nu, 

sujm-mu la i-din-nu, 
ina] Y 2 mant-su i-rab-hi. 

vl Bel-eJres bei qätäH 4 ). 
Zeugen und Datum. 

b) ADD 126 5 ) (674 a. Chr.) 
atmu hmuk m [Si-'-im-Jme, 
amiiu ra i äläni 6 ) sa [ älu . . .]. . 

-si-te. 
4 imer haräni 1 ' 1 '' 1 ) 
sa qaqqadu 8 ) sa '"Si-lim-Asur 



1 2 Mine 



| Siegel des [Si'-imjme, 
hu- 1 des Städtevorstehers der [Stadt . . .] 
. . . husite. 
4 Homer Wein, 
Kapital, gehörig Silim-Asur, 



la) Vgl. Johns, ADD III p. 183f. Eine Übersetzung bei Oppert, ZA XIII 
p. 255. 

2) Über SE-PAT-MES vgl. Johns, ADD III p. 212. 

3) Das heißt wohl, daß die Zinsen im vorhinein kapitalisiert werden. 

4) Geschrieben ÜÜ-2-MES. 

5) Johns III p. 208, eine Übersetzung der Urkunde bei Oppert, a. a. 0. p.253. 

6) Über das Amt des rab dläni siehe Johns II p. 155, III p. 326. 

7) GESTIN pi 

8) SAG-du. Oppert, a. a. 0. p. 253 erklärt, qaqqadu als „Kapital" ohne 
Zinsen, also „zinsfrei". 



ADD 126, 147. 



239 



5 ina pcmi "•Si-'-im-me. 
ina '"'^"Abu idan**. 
'" Jle-eh-sa-a am Ol qätä 9 ) 
sa karäni ph 7 1 
Zeugen und Datum. 

c) ADD 147 10 j (648 a. Chr.) 

2 imer 30 qa KUR-SÜ-' n ) 

sa '"Bim-a-ni-ilu 

ina päni '"Bel-su^u. 

ina ad-ri 12 Y' u Ar-ga-zu 
5 iddan an . sum-ma la i-din, 

a-na 1 imeri 30 qa-su-nu 

i-rab-bi. 

Datum. 
10 '"I-ri-su-iläni, 

m Sul-mu-ahe bei qätä 13 ) 

sa KUBrSü-' 11 ). 



im Besitze des Si'-imme. 
Im Abu wird er geben. 
Mehsä (ist) Bürge 
des Weins. 



2 Homer 30 Qa KUB-SÜ-', 

gehörig Rimani-ilu, 

im Besitze des Bel-sü. 

Am Marktplatz 12 ) von Argazu 

wird er geben. Wenn er nicht gibt, 5 

werden auf 1 Homer 30 Qa 

anwachsen. 

Irisu-iläni 7 io 

Sulmu-ahe (sind) Bürgen 
des KüirSÜ-'. 11 ) 



Zeugen. 

In derselben Weise wird das Eintreten eines Bürgen angemerkt 
in ADD 150 (Johns III p. 239 f.), einem Getreidedarlehen mit Anord- 
nung einer Mult zugunsten des Königs im Falle nicht rechtzeitiger 
Erfüllung; vor dieser Bestimmung steht Z. 4 die Bemerkung '" Ur-da-a 
bei qätdti (SÜ-2-MES) „Urdä ist Bürge"; ferner in ADD 5 U >, einem 
Gelddarlehen, Z. 9: pdn 7 "Gimil-ilu bei qätdti „vor Gimil-ilu, dem Bür- 
gen". 15 ) Um ein Gelddarlehen mit Sklavenpfand und Bürgschaft handelt 
es sich in ADD 100 16 ) (Z. 9 vor Anführung der Zeugen: m Erba Jlu Adadi 
bei qätdti „E. ist Bürge") und in ADD 67. 17 ) In der letzteren Ur- 
kunde gibt der Schuldner seinen Sohn dem Gläubiger als Faustpfand 
hin. Unmittelbar auf diese Bestimmung folgt die Notiz Z. 8: milu B<'l- 
-eres bei qätä (SU-2) „B. (ist) Bürge". Daran schließen sich Klauseln 
über die Haftung für Tod und Flucht des Pfandsklaven 18 ), sowie über 
seine Auslösung. Als Darlehen mit Sklavenpfand dürfte wohl auch 



9) 8Ü-J3. 10) Vgl. Johns IH p. 235 f. 

11) Wohl eine bestimmte Getreideart. Siehe Johns 1. c. 

12) Über adru = Hof, Markt vgl. Johns III p..214f., 241 f. 

13) SÜ-2. 14) DJ p. 162f., KB IV p. 110 III, vgl. ferner Johns III p. 40f. 

15) Der Bürge ist also zugleich Zeuge. Dadurch daß er an erster Stelle 
genannt ist, wird er aber vor den übrigen Zeugen hervorgehoben. 

16) Johns III p. lC6f. 17) Johns III p. 77, 103f. 
18) Vgl. oben § 12 p. 116 und n. 9. 



240 D er Bürge als amel (bei) qata(ti). 

die ganz fragmentierte Urkunde ADD 77 (Johns III p. 125f., 318) zu 
bestimmen sein. Erhalten sind nur eine Klausel betreffend die Aus- 
lösung des Pfandsklaven, sowie die Zeugennamen , unter denen Rev. 
Z. 5 zu lesen ist [..■■] bei qdtdti „[. . . .] ist Bürge". Völlig lücken- 
haft ist ADD 56 (Johns III p. 72), nach den erhaltenen Spuren wohl 
eine Darlehensurkunde; Z. 4: [....] zu-zu bei qdtdti „[. . . .] zuzu ist 
Bürge". Von einer Viehleihe handelt endlich ADD 119 (Johns III 
p. 198 f.); Z. 8 vor Anführung der Zeugen ist zu lesen: m Bel-eres bei 
qätäti 19 ) „Bel-eres ist Bürge". 

Für eine juristische Würdigung des assyrischen Bürgschaftsinsti- 
tutes sind diese Urkunden recht unergiebig. Beschränken sie sich 
doch darauf zu konstatieren, daß irgend eine Person Bürge sei. Es 
ist unter solchen Verhältnissen ein glücklicher Umstand, daß ebenso 
wie bei den altbabylonischen Quellen die Terminologie uns einige 
Anhaltspunkte gewährt, das Wesen der Bürgschaft näher zu bestimmen. 
Der Bürge heißt amel qdtä „Mann der Hände", bzw. bei qätu oder 
qätäti 3 ®) „Herr der Hände". Diese Bezeichnungsweise ist, wie schon 
Oppert 21 ) erkannte, wohl daraus zu erklären, daß bei dem Ver- 
pflichtungsakte des Bürgen das Handsymbol irgend eine 
Rolle spielte. Die assyrische Bürgschaftsterminologie ist also von 
denselben Gesichtspunkten beherrscht wie die des babylonischen Rechts, 
und dies läßt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen, daß 
auch dem assyrischen Bürgschaftsinstitute der Gedanke der persön- 
lichen (leiblichen) Haftung zugrunde gelegen habe und demnach das 
Handsymbol als Zeichen der eventuellen körperlichen Unterwerfung 
des Bürgen unter die Zugriffsmacht des Gläubigers gedeutet werden 
müsse. Ob dies alles zur Zeit, aus der wir urkundliche Belege be- 
sitzen, noch lebendiges Recht war, steht natürlich völlig dahin. 

Immerhin sei darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Rechts- 
form der Selbstbürgschaft, die ja nur dann, wenn man Schuld und 
Haftung begrifflich trennt, befriedigend erklärt werden kann, dem 
assyrischen Recht nicht fremd gewesen zu sein scheint. Ich glaube 
dies der Urkunde ADD 15 1 22 ) entnehmen zu können, die ich hier 
vollinhaltlich zum Abdrucke bringe. 



19) Geschrieben S&MES. 

20) Über die verschiedenen Schreibungen vgl. Johns TI p. 143, III p. 214. 

21) ZA XIII p. 253. 

22) Umschrift und Übersetzung in den DJ p. 224 f. Dem Abdruck der l"r- 
kunde im Texte liegen ihre Publikation bei Johns sowie die erläuternden Be- 
merkungen von Johns III p. 241 f. zugrunde. 



Selbstbürgschaft, ADD 151. 



241 



■^""l-xmtl- '"Ba-pa-n, mar '"Al>-di- 

-li-me, 
'■""■'"zam rneru**), istu l ' l "Si<l-</i-n-si-l><t. 

lOsiqil kaspi sa m Ki-sir-Asur, """'"rab 

Li-sir 2 % 
ina päni-su; ina ad-ri tibni pUK ). 



Siegel des Rapä, Sohnes des Abdi- 

lime, 
des Sängers, aus der Stadt Siddi- 

-asika. 
10 Sekel Silber, gehörig dem Ki- 

sir-Asur, dem rab kisir, 
in seinem (des Rapä) Besitze; am 

Strohmarkt. 
60 maqarutii 26 ) im Besitze des Rapä, 5 
20 dto im Besitze des Qurubi, 
20 dto im Besitze des Sasmai, 
zusammen 100 maqarütu Stroh 
für 10 Sekel Silber in Siddi-asika 



werden sie geben. Wenn sie nicht io 
geben, wird es ... . 28 ) anwachsen. 



5 (lO)iu(-qa-ri(-tir 6 ) inapäni m Ba-pa-a, 
20GAM* 1 ) inapäni m Qur-u-bi, 
20 GAM 2T ) inapäni m Sa-as-ma-a-a, 
naphar 100 ma-qar-rat pl sa tibni pias ) 
sa 10 siqil kaspi ina ' ,l "Sid-di-a- 
-si-la 
io iddanu nu . sum-ma la iddinu nu , ina 
»lif-har 28 ) irabbi. 
"'Ra-pa-a bei qatäti™) sa tibni» 1 - 25 ) | Rapä (ist) Bürge des Strohs. 

Datum, Zeugen. 

Die rechtliche Natur dieses Geschäftes zu bestimmen, ist nicht 
ganz einfach. Formell ist es ein Gelddarlehen mit der Verabredung, 
daß die Schuldner seinerzeit nicht tantundem eiusdem generis, son- 
dern eine bestimmte Quantität Stroh zurück zu erstatten haben. Es 
kann sein, daß sich hinter dieser Vereinbarung ein Terminsgeschäft 
versteckt, bei dem der Gläubiger ä la hausse, die Schuldner ä la baisse 
spekulieren. Auffällig ist dann allerdings, daß eine Terminsbestim- 
mung für die Lieferung anscheinend fehlt. Doch kann eine solche 
vielleicht in der Klausel ina adri tibni in Z. 4 gefunden werden: die 
Lieferung soll erfolaren zur Zeit des nächsten Strohmarktes in der 
Stadt Siddi-asika. 30 ) Jedenfalls erscheint mir diese Interpretation 
wahrscheinlicher, als wenn man ina adri tibni auf den Ort beziehen 



23) amelu LUL. Vgl. Johns II p. 147. 

•24) Zu diesem Titel, der etwa mit „Hauptmann" zu übersetzen ist, vgl. 
Johns, ADD II p. 125f , III p. 326. 

25) Geschrieben: SE-IN-NU-MES. Vgl. auch Johns EI p. 131. Über adru 
s. oben n. 12. 

26) Irgend ein Maß. Vgl. Johns III p. 242. 

27) Zeichen der Wiederholung. 

28) Bedeutung unsicher. Johns übersetzt: „the debt shall bear interest 
on its whole arnount". Vgl. im übrigen Johns III p. 24. 

29) SÜ-2-MES. 

30) Ina adri tibni wäre demnach lokal wie temporal zu fassen. 

Koschaker: Babylon.-asBjr. Bargschaf tsrecht. 16 



242 Selbstbürgschaft. 

wollte, wo die Hingabe des Geldes erfolgte. Denn bei dieser Auf- 
fassung wäre die Ortsangabe reclitlich gleichgültig. 

Beachtenswert ist, daß als Empfänger des Geldes nur der erste 
Schuldner Rapä erscheint, während die Strohlieferung noch auf zwei 
andere Personen aufgeteilt ist. Damit ist kaum gesagt, daß das Geld 
nur Rapä gehört, wohl aber, daß er gewissermaßen der Haupt- 
verpflichtete ist 31 ), und das gibt uns auch einen Anhaltspunkt, die 
Bürgschaftsübernahme des Rapä juristisch näher zu bestimmen. Die 
drei Schuldner sind zunächst re, zufolge der Hingabe des Geldes, zur 
Lieferung des Strohs verpflichtet. Man könnte nun meinen, daß Rapä 
eben als Hauptverpflichteter durch die Verbürgung seine Haftung 
verstärkt, indem er außer mit seinem Vermögen noch mit seiner Per- 
son sich haftbar erklärt. Indessen ist noch, eine andere Erklärung 
möglich, der ich den Vorzug geben möchte. Jeder der Schuldner 
schuldet seinen Teil und haftet dafür aus dem Realkontrakte. Rapä 
aber, auf den die größte Quote entfällt, übernimmt durch die Ver- 
bürgung die Haftung nicht nur für die eigene Schuld, sondern 
auch für die seiner Genossen, so daß er im Effekt in solidum haftet. 
Das Rechtsverhältnis wäre demnach dasselbe wie in der oben § 10 
p. 102 f. besprochenen Urkunde Camb. 240. Bei dieser Deutung zwingt 
uns natürlich nichts zur Annahme, daß mit der Verbürgung noch die 
leibliche Haftung in Verbindung war. Es kann dies zutreffen, es 
wäre aber ebenso möglich, daß der Bürge nur mehr mit seinem Ver- 
mögen einstand. 

II. Über den Inhalt der Bürgenobligation gibt uns einigen Auf- 
schluß die Prozeßurkunde ADD 166. 32 ) Sie lautet: 

di-e-nu sa '" ilu Nabü-ahe-iddin, Urteil, welches Nabü-ahe-iddin, 

der hazdnu 33 ), auferlegte: 
Im Tebetu wird Adadi-risüa 
kommen, zur Seite 
der Sulmu-nä'id, seiner Sklavin (?), $■ 
wird er stehen (vor Gericht). Wenn 

er nicht kommt, 
wird eine Sklavin für die Sklavin 



{ina} am ^ u Jia-za-nu 33 ), e-mid-u-ni : 
ina a '^TeUtu milu Adadi-ri-su-u-a 
il-la-Jca, ina hi-tal 
5 f Sul-mu-naid, amti-su, 
iz-za-az. sum-ma la il-li-ha, 

amta ina liu-um amti 



31) Welcher Natur das rechtliche Verhältnis der drei Schuldner unterein- 
ander war, wissen wir nicht. Denkbar wäre ein Gesellschaftsverhältnis, wobei 
Rapä die Stellung des geschäftsführenden Gesellschafters einnahm. 

32) Eine in manchen Punkten zu berichtigende Umschrift und Übersetzung 
gibt Oppert, ZA XIII p. 273f. Vgl. ferner Johns III p. 281f. 

33) Über diesen Beamten s. Johns II p. 14* f., III p. 822. 



ADD 166. 243 



f Sid-mu-nä'id ta-äan. 
mi, "Nabu-ah-iddin^) bei qätäti**) 
10 sa f Sul-»iii-)iui(l a-di ihnu 1 
arhu TehHu. 
mm-ma amcltam la i-din, amta ina 

ku-iun 
amti '" ''" Xaba-ah-iddin a-na Ka-nu- 

-ni -nünu 

geben. 



Sulmu-nä'id geben. 

Nabü-ah-iddin 34 ) (ist) Bürge 

der Sulmu-nä'id bis zum 1. Tebetu. io 

Wenn sie (?) die Sklavin niebt gibt, 

wird eine Sklavin für 
die Sklavin Nabü-ah-iddin dem Ka- 



iddan an . 
Zeugen, Datum. 

Angesichts unserer ganz unzureiebenden Kenntnisse vom assyri- 
schen Prozeßrecht 36 ) kann an die Interpretation dieses Textes nur 
mit allem Vorbehalt herangetreten werden. M. E. ist der Sachverhalt 
folgender: Kanünu hat gegen Sulmu-nä'id, die Sklavin des Adadi-risüa, 
geklagt. Das Petit seiner Klage ging dahin, daß Sulmu-nä'id „eine 
Sklavin für die Sklavin geben solle". Über den materiellen Anspruch, 
der diesem Klagebegehren zugrunde lag, sagt uns die Urkunde nichts. 37 ) 
Vielleicht darf man annehmen, daß Sulmu-nä'id dem Kanünu aus irgend 
einem Grunde für eine Sklavin verantwortlich war mit der Maßgabe, 
daß sie ihm im Haftungsfalle eine andere, gleichwertige Sklavin 
leisten mußte. 38 ) Es ist nun allerdings und zwar auch angesichts der 



34) Er ist, worauf schon die Differenz in der Schreibung des Namens hin- 
weist, nicht mit dem Richter Nabü-ahe-iddin in Z. 1 zu identifizieren. 

35) SU-2-MES. 

36) Das wenige, was wir wissen, hat Johns III p. 258 f. zusammengestellt. 

37) Eine ähnliche Verpflichtung statuiert ADD 153/154 = KB IV p. 136 V, 
zuletzt in Umschrift und Übersetzung publiziert von Schiffer, 1. Beiheft zur 
OLZ p. 32 f.; vgl. auch Johns III p. 245: a-na ümi 22*a™ (2) sa a 't v Aidru Edu- 
-sal-lim (3) »'« A-u-kil-la-a-ni, apil Bi-za, u-ba-la (4) a-na Gab-bu-qdt-üi (5) iddan an , 
summa™® lä-na-sa-rum (6) idinni ni (7) arda a-ki ard-i-su iddan an . Datum, Zeugen. 
„Am 22. (2) Ajäru soll Edu-sallim (3) den A-u-killäni, Sohn des Riza, bringen (4) 
(und) dem Gabbu-qät-ili (5) übergeben. Wenn er ihn unbewacht (6) läßt, (7) soll 
er einen Sklaven für seinen Sklaven geben". Auch hier kann das materielle 
Rechtsverhältnis mit Sicherheit nicht ermittelt werden. Nur soviel läßt sich kon- 
statieren, daß Edu-sallim einen Sklaven (?) das Gabbu-qät-ili, namens A-u-killäni, 
in Gewahrsam hat. (Die Angabe des Vatersnamens in Z. 3 ist in den assyrischen 
Urkunden nicht notwendig ein Indiz gegen die Sklaveneigenschaft. Vgl. Johns III 
p. 380). Edu-sallim steht nun für die Flucht dieses Sklaven ein, so zwar, daß er 
im Haf'tungsfalle einen gleichwertigen Sklaven zu ersetzen hat. Es handelt sich 
also um ein Garantieversprechen, bei dem angemerkt sei, daß ihm im Gegensatz 
zu ähnlichen Versprechen der neubabylonischen Quellen die Rechtsform der Bürg- 
schaft fremd oder, vielleicht richtiger gesagt, nicht mehr eigen ist. 

38) Vgl. auch die Wendung wa/rdam Lima trardim iriab, madin „er soll 
einen Sklaven für den Sklaven ersetzen, geben" im K. H. §§ 219, 231. Mit diesen 

16* 



244 ADD 166. 

relativ freien Stellung der Sklaven in Assyrien 39 ) auffällig, daß die 
Sklavin Sulmu-nä'id als Prozeßpartei auftritt. Doch ergibt andrer- 
seits die Urkunde selbst, daß der Sklavin die volle persona Jegitima 
standi in judicio fehlt. 40 ) Sie bedarf nämlich ihres Herrn als Prozeß- 
beistandes, der an ihrer Seite (Z. 4 Ina hdal) vor Gericht stehen muß 
(Z. 6 izzaz). Da nun der Herr abwesend ist, so erläßt der Richter 
ein Interlokut — und dieses stellt die vorliegende Urkunde dar — ; 
in welchem er der Beklagten zur Stellung des Prozeßbeistandes Frist 
gibt mit der Maßgabe, daß sie nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist 
sofort sachfällig werde. Das scheint mir der Sinn des Z. 3 — 8 Ge- 
sagten. Bis zu dem vom Richter gesetzten Termin verbürgt sich nun 
Nabu-ah-iddin für die Beklagte. Wenn dann ihr Herr als Prozeß- 
beistand den Rechtsstreit nicht aufnimmt und Sulmu-nä'id daher sach- 
fällig wird 41 ), wenn ferner sie dann dem Klagebegehren nicht genügt 42 ), 
so wird der Bürge selbst die Ersatzsklavin leisten. Der Bürge ver- 
spricht also subsidiär 43 ) dasselbe, was der Hauptschuldner 
zu leisten verpflichtet ist. Von einer Gestellung oder Ausliefe- 
rung des Schuldners an den Gläubiger wie in den neubabylonischen 
Urkunden ist hier nicht die Rede. Wenn überhaupt aus einer ver- 
einzelten Urkunde ein Schluß gestattet wäre, so müßte man sagen, 
daß die assyrische Bürgenobligation weit moderner ist als die des neu- 
babylonischen Rechts. 44 ) Bei dem gegenwärtigen Quellenstande scheint es 
mir indessen ratsamer, mit einem Urteil in dieser Frage zurück zu halten. 
Hingegen erinnert an das Versprechen des neubabylonischen 
Bürgen allerdings ADD 167 : 45 ) 

Worten statuiert das Gesetz die Ersatzpflicht für die Tötung eines Sklaven in- 
folge eines ärztlichen Kunstfehlers oder des Einsturzes eines Hauses. 

39) Vgl. darüber Johns, ADD III p. 380 f., Babyl. and Assyrian laws p. 171 f. 

40) Vgl. auch Johns II p. 65. 

41) Wenngleich die Urkunde diese Voraussetzung nicht erwähnt, so muß 
sie doch hinzugedacht werden. Der Zusammenbang ergibt ja, daß der Bürge 
dem Kläger nur bis zu dem Zeitpunkte Sicherheit leistet, in dem es sich ent- 
scheidet, ob Adadi-risüa in den Prozeß eintritt oder nicht. Im ersten Falle wird 
natürlich seine Haftung gegenstandslos. 

42) Die Annahme, daß zu dem Satze in Z. 11 summa ameltam la iddin Sul- 
mu-nä'id Subjekt ist und demnach der Schreiber iddin für taddin verschrieben hat, 
scheint mir unerläßlich. Wäre Adadi-risüa als Subjekt zu iddin zu denken, wie 
Johns III p. 282 will, so wäre Nabü-ah-iddin Bürge für ihn und nicht für Sul- 
mu-n;Vid. 

43) Das Wort „subsidiär" in dem Sinne des römischen beneficium ordinis 
zu nehmen, liegt natürlich kein Anlaß vor. Es muß wohl die in irgendeiner 
Weise erfolgte Konstatierung, daß der Schuldner nicht leiste, genügt haben. 

44) Dazu würde auch das oben n. 37 am Ende Bemerkte stimmen. 

45) Vgl. Johns III p. 283f., eine Übersetzung bei Oppert, ZA XIII p. 275. 



ADD 167, 228. 245 

Anfang zerstört. 
swnma ma hui res sa arhi Wenn am Beginne des Monats 

m Bä-t'tir '"Gab-bu Jlu Adadi | Bel-etir den Gabbu-Adadi 

la-a na-sa a-na "'Man-nii-ki-Arbaili nicht bringt, dem Mannu-ki-Arbaili 



nicht gibt, wird er Ersatz 46 ) 
ihm geben (und) quitt sein. 47 ) 



la-a i-[din]-nu-u, sa-ar-ti**) 
5 i-dan-su u-sal-lam. 4tT ) 
Datum (675 a. Chr.), Zeugen. 

Ich muß mich bescheiden, hier lediglich auf diese Ähnlichkeit 
hinzuweisen, und im übrigen von jedem Kommentar absehen. Denn 
es ist völlig unsicher, ob überhaupt ein Bürgenversprechen vorliegt in 
dem Sinne, daß Bel-etir für den Schuldner Gabbu-Adadi dem Gläu- 
biger Mannu-ki-Arbaili bürgt. Johns stellt den Text zu den Prozeß- 
urkunden, und es ist in der Tat durchaus möglich, daß es sich etwa 
um ein Urteil handelt, in dem dem Beklagten aufgetragen wird, den 
Sklaven Gabbu-Adadi dem Kläger in bestimmter Frist herauszugeben 
bzw. Schadensersatz zu leisten. 

III. Es wurde schon oben (§ 17 p. 174) bemerkt, daß den assyri- 
schen Sklavenkaufverträgen, von denen uns eine große Zahl überliefert 
ist 48 ), eine Mängelhaftung in Form der Bürgschaft fremd ist. Hier- 
von bilden eine Ausnahme zwei Kaufverträge, die allerdings zufolge 
ihrer isolierten Stellung alle weiteren Schlußfolgerungen von selbst 
verbieten. Ich muß mich daher auf ihre Mitteilung beschränken. 

Von dem einen, ADD 228 (Johns III p. 444), ist nur die Schluß- 
klausel erhalten, in der dem Verkäufer und gewissen anderen Personen 
bei bestimmten Strafen verboten wird, den Kaufvertrag anzugreifen. 
Eben aus ihr können wir erst erschließen, daß es sich um einen Kauf- 
vertrag handelt. Die Klausel lautet: 

[Wer immer in Zukunft, sei es der 

Verkäufer, sei es . . . .] 
[ ] Einsprache erhebt 50 ), 



49 ) [. J 

[■ J 

[. .] iparik-a-ni, 



46) Über die verschiedenen Bedeutungen von sartu vgl. Johns, ADD IH 
p. 259. Die Übersetzung mit „Schadensersatz", die auch Johns vorschlägt, er- 
scheint hier am angemessensten. 

47) Ich folge der Übersetzung Johns' III p. 283. Sulhcmu heißt sonst 
restituere, zahlen. 

48) Sie sind ausführlich erläutert von Johns III p. 288f. 

49) Minimale Spuren von zwei Zeilen. 

50) Paräku eigentlich „hemmen, verriegeln, Gewalt üben". Vgl. Delitzsch 
p. 539, Muss-Arnolt p. 829. Sehr richtig bemerkt Johns III p. 306 „I take it 
to refer to that legal process, which would limit the free exercise of ownership 
by the buyer over his purchase". 



246 



ADD 228, 307. 



[. . . . manu leaspi . . . majnu hurasi [wird . 

Gold 
5 ina bur-ki ilu Adad a-sib äl "Ana-tu 
Hakan. 



Minen Silber . . . Mi]nen 



Jcas-pu a-na esräte te 

a-na MH-su utär. 

m Ku-rurku bei qdtdti sa ameMi. 

Zeugen. 



in dem Tempelschatze des Adad, 5 
der in Anatu residiert, nieder- 
legen. 

Das Silber wird er zehnfach 51 ) 

seinem Eigentümer zurückgeben. 

Kuruku (ist) Bürge der Sklavin. 



Eine Bürgschaft an dieser Stelle ist, wie bemerkt, ganz singulär. 
Infolgedessen kann auch nicht bestimmt werden, worauf sie sich be- 
zieht. Immerhin wäre es möglich, daß sie den Käufer gegen die 
Eviktion sichern soll. 

Noch rätselhafter ist ADD 307 52 ): der Vater mit seinen beiden 
Söhnen verkauft seine Tochter Belit-hazina an die Frau Nihti-sarau 
(Z. 13) ana assüti, d. h. „zur Ehe" für deren Sohn Sihä. Die Urkunde 
folgt im übrigen dem Formular des Sklavenkaufes. Z. 27 f. vor Auf- 
zählung der Zeugen ist aber zu lesen: 



* 3 ) m Sah -pi-ma- u - u , " me ' 1 " saman 

nüni hi ), 
m Bel-sum-idd'm , mar '"ilu-u-dan-a- 

-ni, 
m Isdi- ilu Bclit, mar '"A-ti-i, """'"'«*- 

laku, 
30 naphar 3 am ' :i "ur-Jä-n^ lhi ) 



Sah-pimau, der saman nimi, 

Bel-sum-iddin, Sohn des Ilu- 

-udanäni, 
Isdi-Belit, Sohn des Ati, der Färber, 

zusammen 3 wrkiu 



sa amelti istu päni sa-ar-te, qätä j der Sklavin gegen sartu, qdtd sibtu, 

sib-ti, ha-bid-li. habullu. 

m Kar-me-u-ni su-u amSlu w-hi-u. Karmeüni (auch) er (ist) wrkiu. 



51) Die Bedeutung von ana esrdte ist bestritten. Vgl. Johns III p. 347 f. 
Ich brauche hier nicht zu dieser Kontroverse Stellung zu nehmen. 

52) Die Urkunde ist mehrfach bearbeitet worden. Eine Übersetzung und 
Umschrift in den DJ p. 220 f., ferner bei Pinches, Journal of the Royal Asiatic 
society 1898 p. 894 f. Vgl. im übrigen Johns, ADD III p. 511 f. 

53) Das Zeichen SI=pän, das die Kopie vor den Eigennamen in Z. 27— 29 
bietet, steht, wie Johns III p. 613 berichtigt, nicht im Original. 

54) Vgl. Meissner, Seltene assyrische Ideogramme no. 3686. Johns II p. 146 
liest ni-du(?)-du(?); Pinches 1. c. übersetzt „president (?)". 

55) Das ist wohl die richtige Lesung. Weder lik-ki-u, noch UR-KI-U als 
Ideogramm ist wahrscheinlich. Vgl. Johns III p. 514. 



Der urkiu. 247 

Die Bedeutung dieser Klausel hat m. E. schon Johns, ADD III 
p. 513 richtig bestimmt, indem er urkiu mit „Bürge" übersetzte. 56 ^ 
Sibtu in Z. 31 ist nämlich, wie Jensen 57 j erkannt hat, eine Krank- 
heit und die in den assyrischen Sklavenkaufverträgen häufig begeg- 
nende Klausel: sibtu bennu ana 100 ünie, sartu ana hol sandte^ 8 ) will 
sagen, daß für „sibtu und bennu Krankheit (beim Sklaven) 100 Tage, 
für sartu auf immer währende Zeit" gehaftet werde. 59 ; Eine derartige 
Garantie liegt wohl auch hier vor. Die weitere Frage, welche tech- 
nische Bedeutung den Worten sartu, habullu usw. zukommt, steht zu 
unserer Untersuchung nicht in unmittelbarem Zusammenhange und 
kann daher unerledigt bleiben. 

Sind wir also über die Bedeutung der Klausel leidlich im Klaren, 
so gibt es bezüglich der Erklärung des Wortes urhiu derzeit nur 
ein ignoramus. Es liegt zwar nahe, die Wurzel *Jl"l „hinten sein" 60 ) 
zugrunde zu legen und demnach """''" urkiu als den „hinter dem Ver- 
käufer Befindlichen" also den Auktor zu erklären. 61 ) Allein dann 
bleibt noch immer die Frage offen, wie urkiu zu einem terminus tech- 
nicus für den Kaufgaranten wurde, es sei denn, daß man annehmen 
will, die Übernahme der Garantie durch den Auktor sei allgemein 
üblich gewesen, wofür aber alle Belege fehlen. Ein an " l "ur-ki-i be- 
gegnet noch in ADD 102 10 , ur-ki-'-u-ti bzw. ur-ki-'-ti in ADD 105 Z. 8 
und 11; doch bekenne ich, beide Urkunden nicht zu verstehen, wes- 



56) Vgl. auch Pinches 1. c. 

57) KB VI X p. 389, 569. 

58) Vgl. zu ihr Johns, ADD EI p. 391f. und Babyl. and Assyr. laws p. 170f. 

59) Statt aller andern vgl. jetzt Sudhoff, Archiv für Geschichte der Me- 
■dizin IV p. 353 f., der m. E. überzeugend bennu als Epilepsie, sibtu als Aussatz 
(Lepra) bestimmt und zugleich mit Recht auf die Klausel der gräko-ägyptischen 
Sklavenkaufverträge hinweist, nach welcher für Uqu vöaog und inacprj des Sklaven 
gehaftet wird. Damit dürfte auch der Streit über die Bedeutung von incccpri 
(vgl. Kubier, Ztschr. der Savigny-Stiftung, rom. Abt. 29 p. 474, Sudhoff, ibid. 
30 p. 406 f.) zugunsten Sudhof fs erledigt sein. A. M. neuestens Berger, Die 
Strafklauseln in den Papyrusurkunden p. 140 n. 4, dem jedoch Sudhoffs Ar- 
tikel noch nicht bekannt sein konnte. 

60) Delitzsch p. 242f., der auch ein Adjektiv urkiu = „später" zu be- 
legen "weiß. 

61) Nicht als ,, Nachmann", wie Peiser, BR IV p. 49 n. 1 will. Johns II 
p. 146 meint: amil urkiu seems to mean a „backer" or ,,guarantee". Allein wie 
aus dem „Hintermann" ein „Bürge" werden soll, ist schwer zu sagen. Auch 
Pinches, a. a. 0. p. 895 n. 1 nimmt "" als Wurzel an und bestimmt urkiu als 
denjenigen, „who comes after", d. i. „the next of kin". Das ist kaum richtig, 
da urkiu die Funktion bezeichnen muß, in der die Z. 27 f. angegebenen Personen 
beim Kauf intervenieren. Es geht nicht an, mit Pinches Z. 30f. zu übersetzen: 
altogether three next of kin, who (guarantee) the woman against etc. 



248 bei qdtdti ,. Bürge" oder „Stellvertreter" ? 

halb ich davon absehe, sie hier zu besprechen. 62 ) Eine Beziehung auf 
eine Kaufbürgschaft scheint nicht vorzuliegen. Solange wir nicht ein 
größeres Material besitzen, ist es zwecklos, in Vermutungen sich zu 
ergehen, die doch jeder festen Basis entbehren. 63 ) 

Mit den zuletzt angeführten Urkunden ist das mir zugängliche Material 
zum assyrischen Bürgschaftsrecht erschöpft und ich könnte dieses Kapitel 
abschließen, wenn nicht der berufenste Interpret der assyrischen Rechts- 
urkunden, Johns selbst, gegen die von Oppert vertretene und unserer 
Darstellung zugrunde gelegte Übersetzung des Terminus bei qdtdti mit 
„Bürge" Widerspruch erhoben hätte. Johns erblickt in der Klausel,, 
daß eine bestimmte Person bei qdtdti sei, den Ausdruck eines Stell- 
vertretungsverhältnisses und übersetzt demnach das Wort mit „agent". 
Allerdings vermag er an dieser Auffassung nicht durchwegs fest- 
zuhalten. Inhalt und Textierung der einschlägigen Urkunden zwingen 
ihn vielmehr, manchmal doch den Bürgschaftsbegriff zugrunde zu 
legen. So übersetzt er 64 ) in ADD 151 Z. 11 (oben p. 241) Bapä bei 
qdtdti sa tibni „Rapä is agent for the straw, answerable for it" r 
ebenso in ADD 228 8 (oben p. 245 f.) Kuruku bei qdtdti sa amelti „K. is- 
responsible for the woman", ferner in ADD 126 7f . (oben p. 238 f.) 
Melisd amel qdtd sa learäni „M. is responsible for the wine". 65 ) 
Völlig zwingend ist endlich ADD 166 (oben p. 242 f.), und Johns (III 
p. 2^2) muß denn auch hier erklären, daß der bei qdtdti der Sulmu- 
-nä'id Nabü-ah-iddin „will go bail for her". In der Tat liegt der beste 
Beweis für die Richtigkeit unserer Auffassung, abgesehen davon, daß 
sie die Etymologie von bei qdtdti aufhellt, in den Urkunden selbst, 
die sich durchwegs glatt erklären lassen, wenn man bei qdtdti mit 
„Bürge" übersetzt. Das gilt auch von den schon oben p. 238 f. an- 
geführten Darlehensurkunden ADD 67, 100, 113, 147, 150. Ich ver- 
mag wenigstens nicht einzusehen, warum der bei qdtdti hier überall 
der Vertreter des Gläubigers (warum nur dieses?) bei der Darlehens- 
hingabe sein soll, wie Johns 66 ) will. Man würde doch erwarten, daß. 

62) Die Deutungen, die Johns III p. 171, 175 vorschlügt, sind natürlich 
auch ganz unsicher, zumal die Texte eine Reihe noch unerklärter Ausdrücke- 
enthalten. 

63) Zu diesem Ergebnis kommt auch Johns III p. 514: hut at present the 
instances of its use are too few, and their contexts too iragmeutary, to Warrant 
certainty. 

64) ADD II p. 143. 

65) ADD III p. 208 bemerkt er aber zu dieser Urkunde gegen Oppert: the- 
brl qdtdti is a mere agent, here as elsewhere. 

66) ADD III p. 105, 166, 184, 236, 240. In ADD 113 8 (oben p. 238): Bei- 
-eres bei qdtdti anerkennt Johns selbst bezüglich der Übersetzung Oppert» 



sa qtitä. 249 

sein Name unmittelbar im Anschluß an den des Gläubigers genannt 
werde. So aber steht der bei qdtäti, während das Formular den 
Gläubiger am Eingange nennt, in der Regel am Ende des Textes vor 
den Zeugennamen. 

Nur soviel wird man Johns zugeben können, daß qätu mitunter auf 
ein Vertretungsverhältnis hinweisen kann. Das ist der Fall in einigen 
Darlehensurkunden mit dem Formular: x sa A, (sa) qatä B, ina päni C 
„x (Betrag) gehörig dem A (Gläubiger), Angelegenheit (wörtlich „unter 
der Hand") des B, im Besitze des C (Schuldner)". 67 ) Hier kann B 
wohl nur der Vertreter des A bei der Darlehenshingabe an C sein 68 ), 
und es ist verfehlt, wenn Oppert 1. c. auch hier eine Verbürgung 
finden will. 69 ) Sprachlich ist sa qatä wohl ebenso zu erklären wie 
das oben § 2 p. 18 f. besprochene altbabylonische sa qäti. Es will sagen, 
daß die betreffende Angelegenheit — also in den in n. 67 angeführten 
Urkunden die Verwaltung des Getreides des Kronprinzen — „in der 
Hand", d. h. in der Macht einer Person sei, in ihr Ressort falle, zu 
ihrem Pflichtenkreis gehöre. 

Hingegen scheint mir gegen Johns III p. 512 ein derartiges Ver- 
tretungsverhältnis nicht vorzuliegen in ADD 307 (oben p. 246) Z. lf.: 
abmt kunuk milu NaM-ri-ih-tu-usur, (2) mar m A-mur-di-se, ß) a "" ;? " Ra-sa- 
-a-a, sa qatä m Ardi-Istar rell. „Siegel des Nabü-rihtu-usur, (2) Sohnes 



(ZA XIII p. 255) „Bel-eres leistet Bürgschaft", daß sie nicht far from the truth 
sei, fügt jedoch hinzu: agency is all thatl am prepared to admit. Daß in ADD 150 
der bei qdtäti Urdä ein Sklave des Gläubigers sei und als dessen Vertreter handle 
(Johns III p. 240), ist eine Vermutung, die sich lediglich darauf stützt, daß ein 
Sklave Urdä in einigen anderen Urkunden vorkommt. 

67) Vgl. ADD 152 (Johns III p. 243): 32 imer 30 qa SE-PAT-MES . . ., (3) 
sa mär sarri, sa qtitä >" Bii-düri, (4) aim : /u bei puhdti sa mär sarri, (5) ina päni 
'"Xar-gi-i rell. „32 Homer 30 Qa Getreide . . ., (3) gehörig dem Kronprinzen, unter 
der Hand des Bel-düri, (4) des bei pahäti (vgl. zu diesem Amte Johns II p. 141, 
Klauber, Assyr. Beamtentum p. 99f.) des Kronprinzen, (5) im Besitze des Nargi"; 
ferner ADD 130 (Johns HI p. 225, Oppert, ZA XIH p. 253) Z. 3f. : 5 imir 48 qa 
SE-[PAT-ME8], (4) sa mär sarri, sa [qdtaj (5)"' Ta-qu-u-ni, amSpu sanii"], (6) 
ina päni '" Ja-a-i-si rell. „5 Homer 48 Qa Ge[treide], (4) gehörig dem Kronprinzen, 
unter der [Hand] (5) des Taqüni, des [sanuj, (6) im Besitze des Jäisi." Ebenso 
ist ADD 129 (Johns III p. 221f., Oppert, ZA XHI p. 253) stilisiert. 

68) Direkt bewiesen wird dies durch die eben zitierte Urkunde ADD 130. 
Der am,/ ' 1 " santl in Z. 5 — die Ergänzung ist durch ADD 129 sichergestellt — ist 
nämlich der „Stellvertreter" (wörtlich „der zweite, andere, der alter ego"). Vgl. 
auch Klauber, a. a. O. p. 60, 68, 77. 

69) Er übersetzt sa qätä Taqüni in ADD 129 3 , 130 4 „verbürgt an Taqüni". 
Ebensowenig ist von einer Bürgschaft etwas zu entdecken in ADD 148 s (Johns 
IH p. 237): SE-BAR sa ™p a -di-i. Das kann nur heißen „das Getreide des Padi", 
und nicht, wie Oppert, a.a.O. p. 254 meint, „die Getreidelieferung ist verbürgt 
durch Padi". 



250 sa qätä. 

des Arnur-dise, (3) eines Hasai, unter der Hand des Ardi-Istar". 
Johns hält Ardi-Istar für den Vertreter des Nabü-rihtu-usur. Da- 
gegen spricht aber schon der Umstand, daß, wie die Stelle selbst 
beweist, Nabü-rihtu-usur es ist, der den Vertrag siegelt. Ich möchte 
sa qätä so verstehen wie sein oben 70 ) erwähntes altbabylonisches 
Analogon und übersetzen „unter dem Kommando des Ardi-Istar". 
Nabü-rihtu-usur ist also wohl ein Soldat oder ein Beamter, der in 
seiner Titulatur auch seinen Vorgesetzten nennt. Dafür spricht ent- 
schieden ADD 128. 71 ) Hier wird Z. 4 f. mit ina päni eingeleitet als 
Schuldner angeführt: mar ±"Tebet-a-a. (5) amilu raUu, mär m Äbu-ul-tdi, (6) 
istu älu Ma-ga-ni-si } (7) sa qätä m Un-za-ar-hi-Istar , (S) ami,a rdb Msir 
„Tebetai, (5) der ralibu, Sohn des Abu-ul idi, (6) aus der Stadt Ma- 
ganisi, (7) unter dem Kommando des Unzarhi-Istar, (8) des rab 
lisir". Eine andere Übersetzung von sa qätä ist kaum möglich. So- 
wohl ralibu wie rab lisir sind Bezeichnungen für militärische Stellen 
und zwar ist der rab hisir höher wie der ralibu. 12 ) Es wäre auch 
wenig wahrscheinlich, daß sich der Subalterne durch den Vorgesetzten 
beim Abschlüsse eines Rechtsgeschäftes vertreten ließe. 

Zum Schlüsse sei noch auf zwei Urkunden hingewiesen, in denen 
ein bei qätä sa sarri „ein bei qätä des Königs" erwähnt wird. Die 
eine, ADD 80 (Johns III p. 128 f.), ist ein Gelddarlehen seitens des 
Kisir-Asur 73 ) an zwei Personen 74 ), die andere ADD 94 (Johns III 
p. 160) ein Fragment, vielleicht eines Urteils. 75 ) In beiden Texten 
wird nun unmittelbar vor den Zeugennamen, bzw. vor dem Datum 
angemerkt, daß eine Person bei qätä (SU-2: ADD 80 y ), bzw. bei qätäti 
(ßÜ-2-MES : ADD 94 5 ) sa sarri sei. Was dieser Ausdruck be- 
deutet, steht völlig dahin. Insbesondere ist es ganz ungewiß, ob bei 
qätä(ti) hier mit „Bürge" zu übersetzen ist. 76 ) 



70) § 2 p. 18f. und n. 21, 22. 

71) Getreidedarlehen. Vgl. Johns III p. 21'J. Eine Übersetzung bei Johns, 
Babyl. and Assyr. laws p. 258. 

72) Vgl. dazu Johns II p. 121 f., 125 f., III p. 326, 428, Klauber, a.a.O.p.lll. 
Johns, Babyl. and Assyr. laws p. 258 übersetzt rakbu mit „naessenger", rab kisir 
mit „colonel in the army". 

73) Er war, wie sich aus anderen Urkunden ergibt, ein höherer Hofbeamter. 
Vgl. Johns III p. 33 f. 

74) Auf die Angabe der Schuldner folgt Z. 5 f. die unverständliche Bestim- 
mung SU-BAR- Ix 1 M m 15 GID-DA ((>) e-pu-ki (die Schuldner) ina Jcu-me. 

75) Z. 2f. ist zu erkennen: [. . . .] iwmma ma (V) la kit-tu la iihliiti»' (■">< amelta 
<i-di sii-or-ti-sa (4) iddan an , was Johns 1. c. übersetzt: if he do not give justice, 
(3) the woman with her value (or fine) he shall give. 

76) Johns übersetzt „agent of (Tor) the king". 



Nachträge und Berichtigungen. 

p. 8 n. 38. „Auf Anweisung" wird ana qabi wohl auch in LC 158 6 
(H. G. V 1175) bedeuten: 5 Lobnarbeiter erhalten ana qabi mehrerer Personen, 
■denen (sa qäti) sie unterstehen, von Marduk-lamassasu, dem ,, Leutevater" (abi mbi), 
zu ihrer Verköstigung sowie als Lohn 1 Kur Getreide. Es scheint sich um öffent- 
liche Arbeiten (so auch Kohler, H. G. V p. 122), vielleicht zu militärischen Zwecken 
zu handeln, weshalb auch der abi mbi von den Leitern dieser Arbeiten zur Aus- 
zahlung der Arbeiter angewiesen wird. Zu ana qabi vgl. ferner LC 152 c , 169», 
171 10 (Pachtvertrag). Kohler, H. G. V p. 121 ist nunmehr geneigt, in der Klausel 
ana qabi den Ausdruck eines Garantieverhältnisses (Veranlassungsbürgschaft) zu 
erblicken. Das mag mitunter zutreffen, vgl. z. B. M. 4. Ob aber diese Annahme 
schlechthin gültig ist, mag man bezweifeln. Gerade für LC 158 scheint sie mir 
■entgegen Kohler, H. G. V p. 122 nicht notwendig. 

p. 10 n. 41. Die von Thureau-Dangin, JA 14 p. 149f. mitgeteilte Ur- 
kunde ist nunmehr auch in LC 238 (H. G. V 1150) publiziert. Statt me-sa-ra lies 
me-se-ra. 

p. 15f. Zu VS "VÜI 128 vgl. jetzt Schorr, AR III p. 33, dessen Übersetzung 
von Z. 5 f. „Sin-eribam und Bititum — ihr Bürge (SÜ-NE-NE) ist Selibum — 
haben entliehen" der im Texte gegebenen vorzuziehen ist. 

p. 18 f. Zu ina qäti = „im Besitze" jemandes vgl. auch LC 163 4 , 164 4 ; sa 
qäti in derselben Bedeutung in LC 177, einem Verzeichnis von Viehstücken unter 
Angabe der Hirten (näqidum), in deren Obhut sich das Vieh befindet. Z. 19 f. 
am Schlüsse der Urkunde ist zu lesen: naphar 10S5 senu co11 - (20) sa Il-ta-ni, 
SAL-ME il "Samas, märat sarrim, (21) sa ga-ti-su-nu „zusammen 1085 Stück 
Kleinvieh (20) der Samaspriesterin Iltäni, der Königstochter, (21) welche ihrer 
Hand (d. h. im Besitze der Hirten) sind". Zu sa qäti = „unter dem Befehle" 
jemandes vgl. LC 148 l7 , 158 pass. 

p. 19 n. 23. Nachträglich sehe ich, daß Schorr, AR II p. 45 n. d, III p. 8 
n. d seine (AR I p. 130) ausgesprochene Meinung modifizierend für SA-SÜ in den 
angegebenen Stellen die Lesung pihätu in derselben Bedeutung (Ressort, De- 
partement) für möglich hält. Statt VS IX 69 17 lies VS IX 69 7 . 

p. 20f. Die hier berufene Abhandlung Schorrs ist nunmehr erschienen 
(Sitz.-Ber. der Wiener Akad. ph. h. Kl. Bd. 165,2 = AR III). Zu den Ausführungen 
Schorrs bzw. D. H. Müllers zu VS VUI 26 (a. a. 0. p. 3f., 4 n. a) möchte ich be- 
merken, daß eine Beziehung des der Urkunde zugrunde liegenden Falles zu § 117 K.H. 
nicht vorzuliegen braucht. Das Gesetz setzt voraus, daß der persönlich haftende 
Schuldner seine Ehefrau dem Gläubiger, um dessen Zugriff zu entgehen, preis- 
gibt. (Vgl. die Darlegungen oben p. 129 f.). Hingegen kann die Wegführung der 
Belissunu durch Idin-Ea aus dem Grunde erfolgt sein, daß sie selbst dem Gläu- 
biger haftete, ebenso wie sie neben ihrem Ehemann für die Forderung des Nür- 
-Samas einsteht. 

p. 25 n. 2. Zu VS IX 196 s. jetzt Schorr, AR III p. 53f. 

p. 27 n. 10a. Vgl. auch Schorr, AR III p. 51. 

p. 29 f. In VS IX 173 Z. 3 und 7 lies Sa-al-lu-ru-tuii statt Sa-lu-nt-um. 
Z. 4 f. übersetzt Schorr, AR III p. 51: „Amat-Samas .... hat 5 Kur 50 Qa Ge- 



252 Nachträge und Berichtigungen. 

treide aus der Hand der Annabatum .... heraus gezogen", d. h. sie hat die 
Forderung aus der Gewalt der Gläubigerin befreit (durch Tilgung der Schuld) 
[ebenso deutet er CT VTH 38c 20 ], während ich mit Ungnad, H. G. IV 808 
5 (karj 50 (qa) se'im in Z. 4 als Akkusativ der Beziehung fasse. 

p. 30 n. 22. Die Klausel, daß eine Person NEU sei, ist auch in LC 78 6r 
103 7 , 166 , 167 20 , 174 16 , 227 10 nachzuweisen. Ungnad, H. G. V übersetzt jetzt: 
„es' beurkundet (?) der X". Zu VS VIII 37 38 und 103104 vgl. auch Schorr, AR 
III p. 7, 30, der jedoch in der Umschrift von VS VUI 37 in Z. 9 vor I-din-E-a 
das Zeichen NEB nicht widergibt. 

p. 35 n. 17. Statt Dar. 357 lies Dar. 359. 

p. 38 (n. 28 ex p. 37). Die Bemerkung über die intercessio tacita ist zu 
streichen. Ebenso n. 36 auf p. 80. 

p. 38 n. 29. Statt Lab. 2 lies Lab. 5. 

p. 65 n. 20. Ein issakku (PA-TE-SI) einer Samaspriesterin (SAL-ME 
''"Samasj wird in LC 167 18 erwähnt. 

p. 76 n. 26. Vgl. nunmehr v. Amira, Die Wadiation (Sitz.-Ber. d. bayr. 
Akad. ph. h. Kl. 1911 2. Abh.) p. 42f. 

p. 85 n. 7. Vgl. auch Braßloff, Zeitschr. d. Savigny-Stiftung, rom. Abt. 25 
p. 298 f., P. Meyer, Griech. Papyrusurkunden der Hamburger Stadtbibliothek 
\ p. 97. 

p. 109 n. 17. Gegen die daselbst angeführte Auffassung Gierkes von der 
langobardischen Wadiation wendet sich neuestens v. Amira in seiner Schrift 
„Die Wadiation' 1 . Ich brauche auf diese Kontroverse nicht einzugehen, da auch 
v. Amiras Auffassung keine Vergleichspunkte zum babylonischen Recht ergibt. 
Auch die von Amira nicht ohne Zögern (p. 24 f.) vorgetragene Meinung, daß das 
Pfändungsrecht des Bürgen gegenüber dem Schuldner auf ein Auftragsverhältnis 
zurückzuführen sei, möchte ich, so nahe sie romanistischer Anschauung liegt,, 
gerade aus diesem Grunde sowie angesichts des Schweigens der Quellen für das 
babylonische Recht nicht verwerten. 

p. 125 n. 37. Zu riksu = „Kaufvertrag" vgl. BE VI, 49 13 , LC 221 19 (?). 

p. 134 n. 63. LC 157 ist nunmehr übersetzt auch in H. Gr. V1201. Vgl. 
ferner Kohler, ibid. p. 125 f. 

p. 172 n. 11, p. 195. Die durch Strafgedinge gesicherte Verpflichtung des 
Verpächters, dem Pächter innerhalb der Pachtzeit das Grundstück nicht zu ent- 
ziehen, läßt sich auch in den römischen Quellen nachweisen: D. 19,2, 54,1. Was 
die Papyri anbelangt, vgl. z.B. Tebt. I 105 81 , BGU IV 1121 43 : der Verpächter soll 
den Pächter nicht itißdXXsiv ngb (ivrbg) xov %qovov. Vgl. auch Berger, Die 
Strafklauseln in den Papyrusurkunden p. 162. 

p. 188 f. An der im Texte gegebenen Interpretation der Gesetzesbestim- 
mung würde sich sachlich nichts ändern, wenn man, was philologisch vielleicht 
richtiger ist, u in Z. 9 mit „und" übersetzte. Denn die beiden Voraussetzungen 
der Sanktion: riksu sa naspirtum und Ausfertigung eines Duplikats der Kauf- 
urkunde sind juristisch alternativ in dem Sinne zu fassen, als eine von ihnen 
genügt, um das Retentionsrecht des Prokurators zu begründen. Es ist einer- 
seits nicht wahrscheinlich, daß der Prokurator mit Mandatsurkunde, in wel- 
cher der Impensenersatz geregelt war, im Zweifel das Retentionsrecht verloren 
haben sollte, wenn er sich nicht auch ein Duplikat der Kaufurkunde hatte aus- 
fertigen lassen, andrerseits zeigt aber gerade die auf das Duplikat bezügliche 
Annullierungsklausel in Nbn. 85 16 , 244 1S , daß die iusta possessio eines solchen 
Duplikats für eich allein dem Prokurator ein Anrecht auf die Sache verschaffte. 

p. 225 n. 64. Mit Vorbehalt sei indessen auf LC 192 (H. G. V 1110, Zeil 
Hammurapis (?)) aufmerksam gemacht. Die Urkunde lautet: aS-Sum >» Hu-su-ellat- 
-zu, (2) ia Ku-wn- >>" Nin-si-an-na (3) a-na su-zu-zi-su (4) a-n<t Mär-Sippar h 



Nachträge und Berichtigungen. 253 

ga (?)-ba-am is-ku-un, ( 6) i-na sa-la-am harräni < ~< ) m llu-&u-ellat-zu (8) m Ku-i lu Nin- 
-si-an-na (9) a-na Mär-Sippar** (10) u-ta-al (1. ar, Meissner, OLZ 14 p. 24). 
(11) u-ul u-ta-ar-§u-ma 1 12) V 2 manä kaspim NI-LAL-E. „Was den Ilusu-ellassu 
betrifft, (2) den Ku(n)-Ninsianna (3) zur Verfügung zu stellen (4) dem Mär-Sip- 
par (5) sich verpflichtet hat, (6) so wird bei Beendigung der Reise (7) den Ilusu- 
ellassu (8) Ku-Ninsianna (9) dem Milr-Sippar (10) zurückgeben. (11) Gibt er ihn 
nicht zurück, (12) so wird er l /, Mine Silber darwägen". 

Das Interesse erweckt die Phrase ga-ba-am is-ku-un in Z. 5, die dem Zu- 
sammenhange nach, wie auch Ungnad 1. c. erkannt hat, wohl nur bedeuten 
kann „er (Ku-Ninsianna) hat sich verpflichtet". Ich möchte ija-ba-am von x~p 
(sagen, sprechen) ableiten und demnach qabäm iskun übersetzen: „er hat sein 
Wort (qabi"( in dieser Bedeutung ist zu belegen, vgl. Muss-Arnolt, p. 904) 
versetzt, verpfändet". Will man diese Übersetzung als zulässig anerkennen, so 
spiegelt die Redensart wohl jene Vorstellung von der Verpfändung der Treue 
wider, welche das mittelalterliche Treugelöbnis beherrscht (vgl. Puntschart, 
p. 297f., Gierke, p. 132) und die noch in der heute gebrauchten Wendung „sein 
Wort verpfänden" nachklingt. Freilich muß angesichts der Isoliertheit dieses 
Belegs um so nachdrücklicher betont werden, daß er alle Schlußfolgerungen 
verbietet. Man müßte ihn sogar streichen, wenn Schorrs Lesung, die er mir 
brieflich mitteilt dup-ba-am is-ku-un „er hat die Urkunde hinterlegt" zutreffen 
sollte. Allerdings läßt sich dann der Text nicht so ungezwungen übersetzen und 
erklären. 

p. 229 n. 79. Vgl. auch v. Amira, Wadiation p. 21. 

p. 247 n. 59. Zu inucpri vgl. nunmehr auch die einsichtigen Bemerkungen 
Schwarz's, Hypothek und Hypallagma, Leipzig 1911 p. 140 (n. 2 ex p. 139). 

p. 249 ri. 67. Als Analogon aus altbabylonischer Zeit wäre zu den hier 
■erwähnten Texten zu vergleichen außer VS VTTI 128 (oben p. 15 f.) noch LC 179 
(H. G. V 1122), ein Getreidedarlehen, welches (Z. 3 f.) ttti A, sa qät B, C ilteqi 
.„von A, unterstehend dem B, C empfangen hat". Das heißt wohl, daß B Ver- 
treter des Gläubigers A bei der Auszahlung des Darlehens ist, weil dieses Ge- 
schäft in sein Ressort ßa qät) fällt, und nicht, wie Ungnad, H. G. V p. 13 n. 2 
will, daß C das Darlehen für (sa qät) B aufgenommen habe. Wenigstens spricht 
VS VI1T 128 entschieden gegen die letztere Deutung. 



Verzeichnis der behandelten termini technici 
des babylonisch-assyrischen Rechts. 

(Die hochgestellten Ziffern bezeichnen die Fußnoten). 



'diu „binden" s. unter u-ü-tim. 

amel qätä „Mann der Hände", Bezeich- 
nung des assyrischen Bürgen 240. 

apälu „antworten" = haften 174 1 . S. auch 
unter duppu. 

arad-sarrütu „Königssklavenschaft", mit 
Frohnden zugunsten des Königs be- 
lastete Sklaven 178 f. 

asäbu „sitzen", ina asäbi „im Beisein" 
jemandes, Verzichtsklausel bezüglich 
eines gegen eine Verfügung zustehen- 
den Einspruchsrechts 201 f. 

bei qätä(ti) „Herr der Hände", Bezeich- 
nung des assyrischen Bürgen 240. 

beru „Mitte" = communio pro indiviso 
90, 90 22 . 

dup apilti „Tafel der Zahlung (?)", vom 
bonorum emptor im Konkurse aufge- 
gestellte Liquidierungstabelle (?) 40 37 , 
52 4 . 

elat u-ü-tim mahritim „vorbehaltlich des 
früheren Verpflichtungsscheins", Vor- 
behaltsklausel gegenNovationswirkung 
80 f., 120. 

harräna ana sepi sakänu „den Weg zu 
dem Fuße jemandes machen, sich ihm 
zur Verfügung stellen", Selbetausliefe- 
rungsversprechen des Bürgen 138 f. 

hisüm „Bindung (?)", der altbabylonische 
Verpflichtungsschein 134f. 

i'iltum „Bindung" = persönliche Haf- 
tung 129 f. S. auch unter u-ü-tim. 

ina asäbi s. unter aSäbu. 

ina qab'i 8. unter qalii'i. 

isu „haben", (ina) eli isu, (ra&u) „auf je- 
mandem etwas haben (nehmen)", Be- 
zeichnung der mit persönlicher Haf- 
tung des Schuldners ausgestatteten 
GläubigerBchuld 1141'., 116 1J . 



issakku, halbfreier, zinspflichtiger Grund- 
holde 65-". 

kirbu „Mitte" = gemeinsame Schuld der 
solidarisch haftenden Mitschuldner 88 f. 

kullu „halten" s. unter rem. 

mahäsu „schlagen" s. unter püt. 

mdhis puti „der Schläger (Handschläger) 
für (etwas)", Bezeichnung des neu- 
babylonischen Bürgen 215 f., 226 f. 

mär-bänütu „Freiheit" 176f., 177 9 . 

misarum „Gerechtigkeit", Gesetz, Einzel- 
verfügung des Königs 10 41 . 

mukil qaqqadim „derjenige, welcher das 
Haupt (des Schuldners) hält", der Be- 
schützer, Bezeichnung des altbabyloni- 
schen Bürgen 2 f. 

murruqu „bereinigen", die Defension des 
Käufers durch den Verkäufer im Evik- 
tionsstreit 192 f. 

nadänu „geben" s. unter put. 

nasähu „herausreißen" s. unter qätu. 

nasu „tragen, erheben" = bürgen (durch 
Handerhebung) 218, s. auch unter piU. 

nazäzu „stehen für etwas" = haften 174 1 . 

NEB = sepu (?) „Fuß", ein Kontroll- 
beamter 30 --. 

paqiränu „Kläger", spez derEvinzentl76. 

put „für, betreffs", pi'tt . . . mahäsu „für 
etwas (die Hand) schlagen" = bürgen 
214, 221 f., 22Gf. — put . . . nadänu „für 
etwas (die Hand) geben" = bürgen 
218™, 221 f., 226 — put ... na SU „für 
etwas (die Hand) erheben" = bürgen 
212f., 221f., 223f. — put iepi naM 
„für den Fuß (des Schuldners), d. h. 
für sein Verbleiben am Erfüllungsorte 
bürgen", Stillesitzbürgschaft 48 f., 55, 
230f. — put zitti „nach Maßgabe des 
Anteils" 211 f. S. auch naSü. 



Verzeichnis der behandelten termini technici des babylon.-assyr. Rechts. 255 



qdbü „sagen, sprechen", ima qäbi „im 
Auftrage, über Anweisung" 8 38 — qa- 
bäm iakdnu „das Wort (?) verpfänden", 
sich verpflichten 262 f. 

qaqqculum „Haupt" = Kapital 3 12 . 

qätu „Hand", Bezeichnung des altbaby- 
lonischen Bürgen 15 f. — qätu = Macht, 
Besitz, Kommando 17 f., 249 f. — qä- 
tam na8ahu „die Hand (des Schuld- 
ners) heraus-, (des Gläubigers) weg- 
ziehen", symbolische Handlung, durch 
welche der Interzedent im Exekutions- 
verfahren den Schuldner der Exekution 
des Gläubigers entzieht 26 f., 29 f. — 
qassu teilt „seine Hand geht in die 
Höhe" = bürgen (?) 105f. 

raiiü s. unter isü. 

räsi'itu „das Guthaben" = die Gläubiger- 
schuld 114 4 , 121 f., 123 33 , 132f. 

resam Jcullu „den Kopf halten" = haften 
11 f. 

riksu, rikistum „Bindung" = Vertrag 124 f. 



sihu, vom Verkäufer eines Sklaven zu 

vertretender Rechtsmangel 1771'. 
sepu „Fuß" s. unter harränu, NEU und 

put. 
SÜ=qätu „Hand" s. unter qätu. 
u-il-tim „Bindung" = der abstrakte Ver- 
pflichtungsschein 34f., 117f., 131f. — 
die Schuld bzw. Forderung aus ihm 
119 f. — persönliche Haftung (ursprüng- 
liche Bedeutung) 128f. — Garantie- 
übernahme beim Sklavenkauf, dann 
der Sklavenkaufvertrag( Urkunde) 185 f. 
u-il-tim 'äl/u „eine Bindung binden" = 
einen Verpflichtungsschein ausstellen 
(Schuldner), bzw. einen Verpflichtungs- 
schein sich ausfertigen lassen (Gläu- 
biger) 126 f. S. auch viltum. 
urkiu „Hintermann", Kaufgarant (?) beim 

assyrischen Sklavenkauf 247 f. 
uSIcm, uskutum , vom Verkäufer eines 
Viehstückes oder Sklaven zu vertreten- 
der Mangel 181. 



öuellenregister. 

(Die hochgestellten Ziffern bezeichnen die Anmerkungen.) 
I. Babylonisch-assyrische Quellen. 





ADD 




BE V^ 


5 


239 


2 


174 1 


-56 


240 


8 


10 41 


59 


180 22 


17 


115 8 


60 


180 22 


23 


174 1 


61 


64 18 , 116 9 


24 


30 22 


63 


64 18 , 116 9 


32 


30 S2 


64 


180 22 


40 


19 2s 


66 


64 18 , 116 9 


44 


90 22 


67 


116 9 , 239, 248 


50 


90 22 


68 


116 9 


65 


18 17 , 174 1 


70 


180 22 


66 


18 17 


77 


240 


68 


18 17 , 65 20 


80 


250 


79 


18 17 


94 


250 


82 


18 17 


100 


239, 248 


85 


19 23 


102 


247 f. 


86 


19 28 


105 


247 f. 


87 


19 83 


113 


238, 248, 248 68 


102 


30 22 


119 


240 


103 


7 f. 


126 


238 f., 248 


106 


30 22 


128 


250 


110 


8 38 


129 


24Q67-69 


115 


160 46 


130 


249 67-69 


116 


125 37 


147 


239, 248 






148 


249 69 




BEVI. 


150 


239, 248, 248 66 






151 


240 f., 248 


14 


90 22 


152 


249 67 


27 


112 27 , 135 67 


153/154 243 37 


30 


18 17 


166 


242 f., 248 


49 


252 


167 


244 f. 


53 


90 22 


228 


245 f., 248 


83 


174 1 


507 


246 f., 249 f. 


116 


8 38 






120 


19 äs 




App. 




BE VIII. 


1 


85 6 






4 


84 s , 85 6 , 120 18 


10 


79 fls , 98 2 , 118 s ,214, 


5 


149, 149 2 , 160f., 




219", 222 




161 47 , 213 20 


17 


118 s 






25 


127 40 , 137f., 193 s , 




be m, 


31 


225 f. 

84 8 , 85 8 , 132 69 


1 


174 1 


39 


78, 213 17 



45 


39 ss , 85 6 , 98 4 , 215 


63 


151 f., 151 17 , 152 18 , 




162 f. 


67 


123 83 


101 


101 f., 132 69 


105 


211 12 


158 


213 17 




BEIX 


1 


151 17 


9 


122 28 


17 


84 s , 85 6 


19 


122 88 


20 


151 17 


22 


122 28 


31 


84 4 ' 5 , 85 6 , 92, 103, 




103 14 ' 17 ,120 18 ,122 28 


41 


156f., 162, 218 


48 


172 11 , 194f., 202 


49 


84 8 , 85, 88 18 , 89, 




89 16 


51 


86 9 , 87, 87 11 


57 


54 8 , 58 f., 59 5 , 60 6 , 




62 9 , 214 24 , 233 2 , 




235 9 


64 


193 5 


69 


168 1 , 170 5 


91 


122 aa 


92 


122 28 


93 


122 28 


95 


35 1S , 84 4 ' 5 , 86 5 , 89, 




122 28 


96 


35 1S , 84 4 ' ä , 86 6 , 89, 




122 28 


97 


122 88 


103 


122 28 


104 


12"J 2S 


105 


122" 




BEX 


1 


171f 


9 


167 f., 218 40 


10 


V.if., 60°, 62 9 , 66, 




214 84 , 233 s , 235 9 



Quellenregister. 



257 



29 


193 5 


43 


1 19*, 121, 121 23 , 


62 


132 69 




211 1 - 


94 


119 4 , 121", 123 ss 


45 


86" 


99 


172, 172 n , 1Ö5 


52 


153 


130 


151 17 


56 


192', 202 


131 


151 17 , 152, 162f., 


59 


35 16 




163 01 


60 


36 2s , 213 1S 


132 


151 17 


61 


193 7 , 196, 199 4 , 
200 9 , 202, 208 27 , 




BEXIV 




2<j9 28 






64 


212 1S 


o 


6:2 f., 63 14 , 65, 66 f., 


70 


212 14 




98, 174\214 i6 ,218, 


71 


176 6 , 198 1 , 200 9 , 




233*, 235 10 




202, 208 27 


11 


63f., 64 17 , 65, 66 21 , 


73 


106 11 , 175 3 , 192 1 , 




214 2ß 




202 


127 


72f., 73 16 , 214 2S 


74 


106f., 113, 119 10 , 


135 


63f.,64 17 ,65,66 21 ' 22 , 




123 33 , 166 58 , 175 3 




214 25 


75 


35 15 , 84 s , 85 6 , 88 13 






82 


119 11 , 121 20 




Br. M. 


83 


124 36 






84 


36 26 , 42, 44, 51, 


82— 
82— 


7—14,94 49f., 51, 
56 n ,57,213 19 ,219 41 

7—14,988 124 36 , 
185 f., 188 f., 252 


86 

87 
88 


56 u , 57, 213 18 
36 23 , 213 17 
35 15 , 85 6 
175 3 , 176 6 


82— 


9—18,49 33 


89 


90 20 , 212 13 


84— 


2—11,61 124 86 


90 
92 


176 6 
212 14 


84- 


2—11. 122 84 s , 85 6 , 
90 18 




96 


197 13 


84- 


2—11,128 212 13 


97 

99 

102 

107 


205 21 

202, 205 21 , 208 

122 29 

197 13 


84— 
84- 


2—11, 148 42f.,44 10 , 
56 11 ,98 2 ,-->13 19 ,219 41 
2—11,172 52f., 53 7 , 
70 




108 


127 48 




BV 


110 


36 2S , 213 18 




111 


213 18 


6 


176 6 , 202 


113 


127 46 , 187 43 


8 


36 23 ' 26 , 213 17 


117 


202 


11 


170 6 , 183 31 , 198\ 


121 


202, 208 




200 9 , 201 10 , 204 14 


124 


12T 4G 


12 


ll'.) 6 . 173 16 , 183 31 , 


126 


202 




187, 199 3 , 201 10 , 


128 


35 15 




204 14 , 235 11 


129 


36 24 , 212 14 


13 


119 6 ' 11 , 120, 205 21 


131 


36 24 , 21H 17 


14 


119 u , 121 20 


132 


35 15 , 85 6 


15 


120 1S 


139 


35 16 


16 


122 25 


141 


36 28 , 213 18 


18 


173 16 , 183 81 , 204 14 , 


146 


153 27 




205 20 


149 


215 32 


22 


86 9 


150 


122 26 


23 


153 27 


154 


52 6 



25 35 15 

28 85 6 

29 35 14 

31 120 12 , 123 33 , 127 48 I 

34 176 6 , 198 1 , 200 9 

36 85 B , 122 26 

38 204 14 , 205 20 , 206 22 

39 119" 
Koschaker: Babylon.-assyr. 



Camb. 

1 181 Sß , 218 39 

2 85 6 

3 85 6 

16 122 26 , 176 8 
16 84 3 , 85 6 , 88 1 
Bürgsohaftsrecht. 



17 202 

56 35 ie 

68 84 3 , 85 8 

81 85 6 

110 212 1S 

120 86 9 

145 36 23 , 213 17 

153 35 14 

164 122 20 

165 38, 175 3 , 213 19 
214 204 17 

233 204 17 

240 98 2 , 102f., 213 18 , 

242 

261 85 6 

286 202 

287 176 6 , 198 1 , 200 9 
290 181, 198 l , 200 9 
307 176« 

309 176 6 , 211 

315 84 3 , 85 6 , 88 13 

319 35 1S 

322 85 6 

334 176 6 

348 85 6 

349 202 
370 119 10 
372 211 12 
375 204 17 
391 85 6 , 87 10 

398 39 36 , 213 18 , 219 41 

409 84 3 , 85 6 



Const. Ni. 

560 179 f., 192 1 , 
193 7 

CT II 

11 4 14 

12 4 15 
21 215 

24 174 1 

27 30 22 

29 4 16 , 18 17 , 19* 

31 118 3 

33 115 8 

37 174 1 

40b 115 8 

46 116 12 

47 174 1 

CT IV 

6a 18 19 , 97 30 

14 a 8 38 

24a 4 14 

25 c 65 20 
26a 18 17 
27a 18 19 

28 4 16 , 5 26 

17 



193, 



258 

30 d 112 27 

31b 26 f., 136f. 

36a 4 19 , 13f., 18" 

42 a 115 8 

CTYI 

19b 116 12 

23 7 36 

24c 30 22 

26a 115 8 

27 a 7 36 , 135 64 ' 68 

27b 7 86 

30a 18 17 

33b 118 3 

34a 7 36 

34b 97 s0 

36a 4 16 

37c 19 23 

42 a 10 41 

44c 19 23 



CT VIII 

2b 18 17 , 18 19 

3a 90 22 

3b 8 88 

7a 19 2S 

7 b 8 88 

8b 30 22 

10a 8 S8 

10b 8 88 

14a 8 38 

16a 90 22 

19b 8 38 

21a 19 23 

27a 174 1 

27 b 19 2S 

29a 115 8 

29b 115 8 

30 b 19 23 

30c 19 22 , 30 22 , 65 20 

32c 118 3 

33 a 26 f., 28 13 ' 14 , 136 f. 

33 c 30" 

36a 19 23 

36 c 14 

38 c 30 f., 252 

39 a 90 22 
42 a 22" 
43a 174 1 
43c 174 1 
48a 115 8 



60 
66 
75 

87 

98 

100 

105 

113 
126 
131 
157 
158 
171 
186 
215 
230 
234 
243 
248 



Quellenregister. 

139 8 ' 9 

118 2 

35 19 , 127 46 

139 8 

120 12 ' 16 

137 3 , 140 f. 

83, 83 42 ' 43 , 214 24 , 

219 41 

214 26 

139 8 

139 8 

139 s ' 9 

139 8 - 9 

139 8 - 10 

127 47 
139 &-io 

60 6 

118 2 , 124 36 

118 2 , 139 8 ' 9 

140 12 



17 
19 

44 

48 



CT XXII 
139 8 

189 8,9 

139 8 
127 47 



18 
119 
123 
146 
147 

154 
169 
172 
175 
177 
200 
211 
240 
242 

245 
272 
281 

284 

293 

304 
307 
310 
311 

312 
320 
321 
322 
323 
332 
346 
361 



Cyr. 

112 28 

36"»", 213 18 

35" 

176 6 , 202 

48 f., 50, 55, 56 u ' ls , 

213 22 , 219 41 

118 3 , 201 11 

119 11 , 127 48 

119", 120 1S , i27" 

86 9 

36 23 ' 26 , 213 18 

85, 166 57 ' 58 

215 29 

86 9 

38 29 , 119", 121 20 , 

213 17 

122 27 

85 6 

66", 68 f., 60 6 , 62 9 , 

214 24 , 219" 

36 2S ,37 28 ,80 S6 ,86 9 , 

213" 

124 36 

153" 

201 11 

178, 180 

159 f., 159 40 ' 43 , 

160**»" 

159, 159 43 

35 14 

120 1S 

86 9 , 198 » 

121»° 

119 7 

121 20 

208 



Dar. 

93 8n 
134 35", 149, 160 f., 

213 20 
144 211 lä 
154 39 34 , 213 19 

193 153, 162 f., 165 f. 
166 88 

194 202 
212 179 
235 211 1S 
245 202 

257 151 f., 151 17 , 152 18 , 

162 f. 
265 172 f. 
296 39", 56"' ", 98*, 

213" 

309 37 28 , 213 19 

310 213 17 

319 119 10 , 127" 

348 151 f., 151 17 , 152 18 , 

162 f. 
359 35 17 , 148 f., 160f., 

213 20 
366 44,56 n ,213 19 ,219 41 
379 194 

392 38, 187 43 , 213" 
395 86 9 
409 187 43 
431 64 18 , 84 3 , 85 6 , 90", 

181 
434 181 24 , 226 
470 212 13 
492 192 1 

502 42, 213 19 , 219 41 
506 41, 213 19 , 219 41 . 



ÜJ 

p. 260 
p. 262 
p. 266 85 6 



33, 36 2S , 213" 
85 6 



9 

10 
13 
16 

19 



22 



19 



Et. Mer. 

107", U9 10 » ",120", 

127 46 

39 f., 39 86 , 41 

202 

L04f., 220 

39f., 119 9 , 121", 

123 8S , 126 46 , 127" 

39 f., 39", 52« 

L19 9 " 10 , 120, 122", 

213 18 

39 f., 40 3i \ 122", 

212" 



F. 



16 



Quellenregister. 



259 



O(antier). 



4 


174 1 


9 


174 1 


11 


174 1 


12 


174» 


14 


115 8 


15 


174 1 


16 


174 1 


18 


90" 


20 


174 1 


22 


174 1 


23 


174 1 


30 


22 38 


32 


174 1 


33 


115* 


45 


2 f. 


51 


2 


62 


19 22 


67 


7 »6 



KA 



3 


202 


4 


197 1S , 212 


8 


197 18 , 202 


9 


119 10 , 123 


10 


202 


11 


153, 162 f. 


16 


86 9 


17 


85 6 


18 


85 6 


19 


153 25 



197 1S 



KB IV 

p. 10 10 41 

p. 341 8 38 

p. 44 IV 174 1 

p. 54 VII 116 » 

p. 1221 126 42 , 186 

p. 176III 85 6 

p. 178 III 214, 218 89 

p. 298 IV T 35 15 

p. 308 IX 35 15 

p. 312 196 f., 209 28 

p. 3161 149f., 154f. 



K.H. 



§ 


6 


18 18 


§ 


7 


18 18 , 125" 


§ 


9 


18, 18 ,ß , 183 


§ 


19 


18 


§ 


28 


22 33 


§ 


29 


22 33 


§ 


38 


129f., 131 66 


§ 


39 


129f., 131 66 


§ 


47 


22 34 


§ 


54 


22 3S 



I § 60 


153, 153 24 


§ 96 


18" 


§ 102 


3 IS 


§ 103 


161 48 


§ 112 


18 20 


§ 113 


116 12 


§ 114 


116 12 , 137 


§ 115 


116 12 


§ 117 


47 u 70 io 129f 




131 66 ' 67 , 251 


§ 118 


7ü io 


§ 11» 


129 f. 


§ 122 


125 37 


§ 123 


125 37 


§ 125 


154 31 


§ 127 


225 63 


§ 128 


125 37 


§ 132 


225 6s 


§ 161 


173 14 


§ 152 


173 14 


§ 167 


173 


§ 171 


173 15 


§ 174 


173 


§ 178 


3 11 8 S8 


§ 194 


18" 


§ 219 


243 88 


§ 231 


243 38 


§ 253 


18" 


§ 256 


0939 


§ 279 


174 1 



King III 



1 


19 21 


3 


19 22 


15 


19 22 


18 


19 22 


20 


19 22 


24 


18 19 


25 


19 22 


26 


19 21 


27 


19 21 


32 


19 21 


38 


19 21 


48 


19 22 


49 


19 22 


51 


65 20 


52 


19 22 , 65 20 


54 


65 20 


55 


19 21 , 65 20 


p. 119 18 17 


p. 137 14, 18 18 


p. 147 65 20 



Lab. 

85 6 

121 20 , 127 46 

38 29 , 121 2 », 214f 



5 
6 
65 
67 
68 
69 
78 
79 
85 
98 
103 
104 
108 
113 
139 
148 
152 
157 
158 
163 
164 
166 
167 
169 
171 
174 
177 
179 
185 
192 
221 
227 
238 



LC 

19 22 
19" 

90 22 

llö» 

115 8 

115 8 

252 

160 48 

112 27 

90 22 

252 

118 3 
90 22 

160 46 

112 27 

251 

251 

134 f., 204 17 , 252 

251 

251 

251 

252 

252 

251 

251 

252 

251 

253 

90 22 

252 f. 

252 

252 

10" 251 



1 

5 

16 

19 



Liv. 

176 6 

36 23 , 213 18 

84 3 , 85 6 , 88 1S 

119 10 , 126 45 , 176* 

187 

34 38 29 216 33 

73 105 9 

82 119 4 
169 121" 

M. 

1 174 1 

3 174 1 

4 8 38 , 25 x 

5 204 17 
9 112 27 

34 174 1 

39 90 22 

57 15 

61 lf., 3 12 

74 8 3H , 65 20 

86 18 18 

89 135 

90 135 69 

17* 



260 



l 

3 
11 
15 
22 
24 
29 
53 
57 



3 
6 
7 
13 
20 
24 
26 
37 
43 
45 
47 
48 
51 
52 
57 

59 
60 
62 
64 
65 
66 
67 
69 
70 



72 
73 
78 
81 
83 

86 

90 

91 
97 
99 
101 
103 
116 
118 
129 
133 
134 



Moldenke 

85 6 

85 6 

176 6 

39 32 , 213 20 

36 23, 26^ 213 18 

36 23 , 218 39 

213 19 

175 3 , 176 6 , 202 

85 6 

>bk. 

112 28 

112 28 

122 25 

181 26 

112 28 

41 40 ,80 35 ,112 28 ,215 

85 6 

176 6 

85 6 

85 6 

86 9 

121 19 

153 27 

53 6 , 213 21 

93 25 , 107 12 , 119 10 , 

122 26 

86 9 , 121", 126 42 

118 3 

180 21 , 193 7 , 195 10 

35 17 , 85 6 , 193 6 

118 3 

85 6 

176 6 , 202 

85 6 

47 14 , 176 6 , 180 20 , 

198\ 200 fl , 204 17 , 

211 

202 

85 6 

212 

112 28 

49, 50, 54 8 , 56 11 , 

213 19 



54 8 , 

44f., 56 n , 213 19 , 
219 41 

162 f., 



200 s 



153. 153" 
165 f. 

35 16 

176 6 , 198 1 , 

112 28 

205 21 

85 

118 3 

85« 

86 9 

37 28 , 38 29 , 215-' 9 

39 33 , 80, 215 f. 





Quellenregister. 








135 


202 


407 


118 s , 132 59 




137 


86 9 


408 


86 9 




138 


84 3 , 85 6 , 202 


424 


120 13 




141 


122 28 


426 


118 s 




142 


37 28 , 119" 


430 


85 6 




146 


112 28 


432 


86 9 




166 


176 6 , 198 *, 200 9 , 








172 


202, 208 27 

37 28 , 38 29 , 79, 98 1 , 




Nbn. 






118 3 , 122, 122 26 , 


3 


119 11 






132 59 , 213 I7 


4 


36 25 , 213 17 




185 


122 25 


7 


85 6 , 121 19 




188 


119 9 , 120 16 , 121 


11 


85 6 




191 


119", 121 20 , 132 69 


13 


124 36 126 43 ' 45 




196 


41 40 , 213 17 




175 3 ' 




198 


202, 204 17 


15 


36 23 , 98 2 . 213 18 




201 


179, 219* 1 


17 


151, 162f., 212 14 




207 


176 6 ,19s 1 ,200 9 ,214 


30 


86 9 




212 


119 11 , 121 20 


40 


79, 176 6 , 218 39 




214 


212 1S 


42 


78f., 213 19 




229 


112 28 


45 


85 6 




232 


119 11 , 120 17 , 121 22 


47 


36 24 , 213 17 




233 


150 f., 162 f. 


50 


212 14 




238 


112 28 


51 


212 13 




246 


212 14 


55 


124 38 




251 


211 f. 


59 


186 f., 189f., 190 49 




271 


120 12 


63 


106 10 , 107 12 , 213 18 




273 


81 f., 215 29 


65 


202 




281 


120 13 


67 


202 




283 


204 17 


68 


119 10 




284 


212 13 


70 


119 11 




301 


120 12 


71 


122 26 




302 


85 6 , 118 3 , 119 11 


84 


124 se 




309 


118 s 


85 


124 36 , 188, 189 f., 




314 


119 9 , 120 16 , 127 48 




190 49 , 252 




318 


120 12 


90 


121 20 




320 


119 4 , 127 46 


95 


119", 121 20 




322 


Gl 7 , 98 2 , 213 19 , 


103 


35 18 , 86 9 






219 41 


122 


119 4 




328 


202 


126 


119 9 , 176 6 




342 


56 u ' 12 ,213 22 ,219 41 


134 


J22 26 ' 27 




345 


85 6 


138 


86 9 , 122 26 




346 


64 18 , 116 10 , 176 6 , 


148 


122 26 , 215 29 






178, 198 1 


149 


85 6 




350 


3Ö 16 


151 


86 9 




356 


149 B , 213 17 , 219 41 


152 


86 9 




358 


85 6 


157 


212 14 




360 


181 25 , 198 *, 200 9 


169 


86° 




361 


212 14 


178 


202 




364 


86 9 


187 


86 9 




366 


46f.,47 14 ,48 ,5 ,52 2 , 
55, 56 11 ' 12 , 69, 78, 


194 


119 fi , 187 43 , 20 1 14 , 
205 20 






121 18 , 213 22 , 219 41 


196 


176°, 198 \ 200 9 




377 


202 


198 


36 2s 




379 


41 40 , 213 18 


205 


84 8 , 85 6 




382 


107 12 , 119 10 


212 


176 6 




386 


176 6 , 198 1 , 200 9 


226 


112 28 




387 


106f., 113, 119 10 , 


231 


119 4 , 122 29 , 127 46 






127 48 , 166 58 , 213", 


-2 1! 


112 28 






219 u 


243 


207 f. 





244 119 4 , 126", 187 f., 

189 f., 190 49 , 252 

253 122" 

255 112 28 

257 176 6 , 178 14 , 182 

260 119 4 , 127 46 

270 122". 201 " 

273 175 3 , 176 8 

274 119 9 , 176 6 
276 212" 

282 35f, 213 18 

294 120 14 

297 127 48 

300 176 6 

309 85° 

311 118 3 

313 202 

314 36 "• 26 , 85 6 , 98*, 
202, 213 18 

325 12U 13 

336 176 6 

340 180 f 

343 157 f. 

344 120 13 

346 120 14 , 132 69 

348 204 17 

354 85 6 

355 127 48 

356 45 11 , 119 
359 127 48 
369 120 13 
373 122 27 
375 36 24 , 

98 4 , 

215 29 

380 203, 205 20 

388 176 6 

390 86 9 

395 120 13 

400 176 6 

416 112 28 

427 122» 

433 202 

434 176 6 
437 202 

441 36 2 \ 213 18 

451 124 36 

461 36 28 , 38 29 , 85 8 , 

120 13 , 213 17 

466 107 14 , 213 21 

479 36 28 , 213 18 

480 120 13 
486 112 28 

505 36", 213 18 

508 202, 204 14 , 205 20 , 
206 22 

509 176 6 
515 212" 

523 120" 

524 12 1 20 



124 36 



80, 84 3 , 85 8 , 
122 29 , 213 18 , 



533 
539 
542 
552 
553 
562 
564 
572 
580 
584 
5S7 
600 
602 
605 
609 
611 
616 
619 
621 
635 
638 
648 
652 
653 
655 
656 
663 
665 
666 
669 
671 

678 

680 
681 
688 
690 

693 
697 
700 
715 
720 
722 
738 

742 
745 
750 
755 

756 

764 
765 
787 
796 
801 
802 
806 



5 8 , 122 29 
98 4 



Quellenregister. 

176 8 

85 8 

86 9 

211 12 

85 6 

149, 160 f. 

98, 176 6 , 198\ 200 9 

35 17 , 86 9 

119 4 

85 6 

118 s 

121 18 , 151 

120 1S 

118 3 

119 10 , 120 18 
85 8 

121 19 

80, 84 s , 

36 2S , 85 6 

98, 176 6 

85 6 

176 6 

35 17 , 213 20 

35 17 

47 14 , 86 9 

127 48 

120 14 

176 G 

176 6 , 198 1 , 200 9 

II910 122 26 

176 6 ,' 198 1 , 200 9 , 

204 17 

36 25, 26^ gl) 122 2 6) 

213 18 

98, 198\ 200 9 . 

204 14 , 205 20 

122" 

36 24 , 120 12 , 121 22 , 

213", 215 

176 8 

124 36 , 177 9 , 202 

201", 204 17 

86 9 , 119 9 , 122 28 ' 29 

119 11 , 126 42 
127 46 
38 29 , 119 s , 122 2ä , 

214, 222 
121" 132 69 



26 J 



193 7 , 

119 10 

112 28 

85« 

124 36 

205 20 

176 8 

85 8 

176 8 

120 13 

204 17 

176 6 , 19S 

120 13 

176 6 



126 43 , 
207 



203, 



200 £ 



810 
813 
817 

820 
829 

832 

838 

855 

872 

875 

892 

903 

906 

907 

932 

934 

945 

973 

977 

987 

1005 

1020 

1024 

1025 

1031 

1044 

1053 

1057 

1110 

1111 

1113 

1125 



1128 

1 

2 



9 
10 
14 
15 
16 
23 
29 
30 
34 
36 
39 
41 
42 
43 
44 
45 



112" 
120" 



36 «• ", 98 s , 120 14 , 
213 1H 



203 



21 
122" 

17.V\ 176 e 

119 4 , 187 43 

120 14 

120 13 

112 2 " 4 

120 13 

176 6 

202, 203 f., 206" 

121 18 



98 2 , 213" 
124 36 , 213" 



36 24 

86 9 

38 2C 

85 6 

s->" 

85 

120 14 

176 6 

112 28 

119 11 

36", 212 

176 s 

112" 

121 

36 23 , 120", 213" 

202, 204", 212 

124' ,; 

36 23 ' 26 , 81, 85 6 

87", 98 2 , 120 14 

213" 

119 8 , 122" 124" 



181 



20 



Nor. 

79", 119 
219 41 

98, 176 6 

201", 204 14 , 205 

208 

119 9 , 120, 120 12 

120" 

151 12 

153 27 , 213", 219 4 

56"'", 213" 

98, 175 8 , 176 6 , 200 

198 1 

119" 

202, 204 14 

119 4 ' 10 , 122" 

36 23,2G , 213" 

215", 218" 

173 18 , 181- s 

85 8 

85 e 

153 27 



262 



Quellenregister. 



58 


55 10 . 213" 






vsv 


90/91 


19 23 , 30" 


60 


119 10 , 205 21 , 


212 14 ! 


126 


181, 


192 1 , 193 7 , 


103 104 30 22 , 252 


66 


36 24 , 81, 85 6 


103, 




198 1 , 


200 9 , 202, 


113/114 3 11 




103 14 , 120 14 , 


132 89 , 




208 27 


209 28 , 219 41 


128 


15, 19", 251, 25 




213 18 














67 


120 13 






VS V 




VSIX 


69 


85 6 




95 


212 15 




7 8 


174 1 


71 


85 6 , 120 14 , 132 69 


186 


123 83 




14 


19 23 , 30" 














16 


19", 30" 




IV R 






VS VII 


17 


19", 30" 








2 


174 1 




22 


19" 


48,1a 5=° 




5/6 


129 f. 




39 


15 S1 








8 


174 1 




42 


30" 




VR 




10 


7 36 , i 


2 SS 


69 


19" 


67,3 


45 f.. 55, 


56 12 , 


18 


112 27 




134 


18 19 




213", 219 


41 


23 


112 27 




144 


90" 








42 


112 27 


, 135 67 


173 


29f., 136 1 , -2511/ 




Rm. 




43 


25 2 




196 11 


7 25 2 , 251 








46 


174 1 




212 


30" 


157 


186 41 




50 


174 1 








184 


186 41 




53 


174 1 






Warka 








60 


65 20 




5/6 


174 1 




S(ippar). 




73/74 


30 22 




7/8 


174 1 


76 


112 27 




84 


30 22 




9/10 


115 5 


242 


112 27 




85 


30 22 




19 


90 22 








86 


30" 




20/21 


115 5 




Urk. III Dj n 




92 
93 


8 38 , 3 

8 38 


18 18 


29 
32 


174 1 
174 1 


116 


218 40 




98 


24 f., 


28 14 , 136 1 


35 


115 6 








100 


8 S8 




38 


115 6 




VAT 




118 


19 22 




40 


115 5 


170 


180 




119 


8 88 




41 


174 1 


701 


8 88 , 160 46 




125 


18 18 




44 


115 5 


1176 


160 46 




130 


gS8 




46 


174 1 


4920 


218 40 




131 


30 22 




68 


115 


6058 


215 31 




138 


8 38 , 2 


5 f., 28 14 , 136 1 


84 


174 1 








141 


g 88 




85 


174 1 


Verh. Orient. Kongr. 


143 

165 


g 38 

18 17 




93 
96 


174 1 
174 1 




Stockholm 




190 


4 u 




100 


174 l 


11 


213 19 




192 


18 19 




101 


174 1 


27 


79 33 , 87 n , 


90 20 , 


197 


21 30 




103 


115 




216 33 




198 


4 14 




108 


118 3 


30 


87 11 




199 


4 1S 








31 


86 9 




200 


4 14 






ZA 








201 


4 16 




IV p. 


73 218 39 




VSIII 




202 


4 14 , 


L4 


IV p. 


119 85 6 


14 


211 




203 


414 




IV p. 
Vp. 


122 85 6 
294 126 42 










vsv: 






VS IV 




22 


90" 






ZK 


10 


118 3 




26 


'201'., 


136, 251 


Ip 


88 85* 


15 


85 6 




37/38 


30", 


252 


Ip. 


89 176 6 








55 


115 8 




IP 


90 85° 



Quellenregister. 



263 





Esra 


10,19 


226 71 




Exod. 


6,8 


225 66 




Ezech 


20,6 


225 66 




Gen. 


14,22 


22866 


24,2 


217 


24,9 


217 


47,29 


217 



II. Biblisch-talmudische Quellen. 

Hiob 

10,16 5 



11,14 5 

17,3 220 46 , 222" 

Jeruschalmi Scbebuoth 

V 1, 36 a , 38 86 7a 



Proy. 

6,1 220«, 227 76 

11,15 220 45 , 222, 227' 
17,18 220 46 , 227 76 
22,26 220", 2-2T 75 



Fsnlin. 

106,26 225 66 



Mischnab Baba Bathra j Tosephtha Baba Bathra 

1X3 90 22 X3 90" 

1X4 90 ä2 i X7 90" 











III. Papyri. 








BGÜI 




BGU IV 




Oxy. III 


197 


85 7 




1121 


252 


500 


85 7 


362 


BGUII 

85 7 


18 


Grenf. I 

85 7 


506 


85 7 
Oxy. IV 


369 
603 


85 7 
85 7 




20 


85 7 


712 
729 


85 7 
85 7 


637 
664 


150 10 
85 7 




18 
27 


Grenf. II 

85 7 
85 7 




Oxy. VI 




BGÜ III 


913 


85 7 


725 


85' 






I.ond. 

150 11 
3 150 10 

Oxy. I 




Oxy. VII 


729 
736 
837 
853 

856 


150 10 

85' 

85' 

85' 

150" 




II 298 

III 94 


1039 
1040 

1105 


150 10 

85 7 

Tebt. 

252 


938 


85' 




103 
IV. . 


85 7 
Andere Quellen. 


II 384 


85' 




Digesta 




Gaius, inst. 


Lex 


Bnrgundionuni 


19,2 


54,1 


252 


3,119 


a 66 84 


19,7 


68 f. 


46, 1 


56,1 


66 24 


4,21 


29 16 








Demosthenes 






Ps. Aristot. de mund 


g.Steph.117 


158 38 ,159 39 






6 p. 400 a 16 224 60 . 



Druck von B. G. Teubner in Leipzig. 



5? oo 



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